Nr 16 ’.
Mittwoch, den 12. Juli 19u5.
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------14-, Jahrgang «!?^t^m^^"^: abgehsit monatlich M Pte.. tn’f Hau« 8 durch die Post bezogen vierteljährl. Mk. 1.50.
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China und die friedensverbandlungen.
Die Bevollmächtigten des Kaisers von Japan und des . Zaren von Rußland sind auf dem Wege nach Newyork, wo sie über die Bedingungen des zu vereinbarenden Friedens mit einander beraten und verhandeln wollen. Sind sie zu einür Verständigung gelangt, so gehen sie nach Washington, um dort den Friedensvertrag zu vollziehen.
Man erinnert sich, daß seinerzeit als Bedingung für ben Beginn von Friedensverhandlungen festgestellt wurde: die beauftragten Unterhändler sollten mit unzweifelhafter Vollmacht versehen sein, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, und es sollte kein dritter zu den Verhandlungen zugezogen werden. Japan war es, das diese Forderungen stellte, die von der anderen Seite auch zugestanden wurden.
Die Gründe, die Japan zu solchen! Verlangen bestimmten, sind leicht zu durchschauen. Was die Fernhaltung dritter von den Friedensvelrhandlungen betrifft, so hatte Japan Erfahrungen gemacht, deren Erneuerung es nicht wünschen konnte. Bei den Friedensvqrhandlungen von Schimonosaki war Japan um die Früchte seiner Siege über China gebracht worden. Die Intervention der Mächte bewirkte dort, daß Japan die Halbinsel Liaotong, auf der es sich schon häuslich eingerichtet hatte, wieder verlassen und an China zurückgeben mußte. Gewissermaßen als Pflaster aus diese Wunde wurde die Bestimmung getroffen, daß es keiner Macht gestattet sein sollte, chinesisches Land in Besitz zu nehmen. Die Bestimmung blieb freilich nicht lange in tatsächlicher Geltung. Das Deutsche Reich, korrekt wie immer, nahm Kiautschau nur in Pacht — auf 99 Jah!re —, aber England ließ sich in Weiheiwai nieder, di^ Russen nahmen Port Arthur und schließlich, mitten im Frieden, die ganze Mandschurei. In dem jetzigen Kriege haben die Japaner Port Arthnr erobert, einen chinesischen Hafen; sie haben ferner die Russen aus der Mandschurei vertrieben, wiederum aus chinesischem Gebiet; sie haben vorher Korea eingenommen, das nicht chinesisch, aber auch nicht russisch ist Dvr Krieg der beiden Mächte ist bis auf die jüngsten Tage ausschließlich auf Gebieten geführt worden, die keiner dieser Mächte gehören eine völkerrechtliche Seltsamkeit, die beinahe ohne Vorgang ist. Um das zu ermöglichen, rnußte bei Beginn des Kanrpfes eine Kriegszone genau festgesetzt werden, wobei das Wundejrliche geschah, daß China strenge Neutralität auferlegt wurde gegenüber seinen eigenen Provinzen, die den Kriegsschauplatz bildeten.
Machen die Erinnerungen an den Frieden von Schimonosaki begreiflich, daß Japan den Frieden mit seinem Gegner ganz allein schließen will, so sind die letzterwähnten Tat- sachen wohl dazu angetan, China mit einiger Besorgnis zu ttfnllen und ihm den Wunsch nahezulegen,' daß es von den ^redensbedmgungen nicht zu spät, sondern zu einem Zeitpunkt erfahre, der ihm die Möglichkeit eines Einspruchs oder wenigstens einer Vorstellung gewährt. Die Furcht, der Knegsschauplatz möchte der Siegespreis werden, läßt sich gar mcht^von de»r Hand weisen. Zwar die Mandschurei werden Die ^aner nicht beanspruchen und nicht den Russen lassen
an Chlna zurückgeben, so daß eine Art von Gewinn M China herausschaut. Auch wird China nicht hindern daß das Protektorat über Korea an Japan übergeht. entwicht dem Interesse Chinas am Ende immer noch besser, als wenn das Protektorat an Rußland gekom- lft also für China gleichfalls eine Art Ge- aber sind die guten Chancen Chinas erschöpft. Kapan wird Port Arthur mit Dalny verlangen — ein Pfahl SLr^r^6 ^^^^' Tapan wird noch andere Forderungen «â» 'â> ^er Veaufsichtigung der mandschurischen Bahn Kuen, und Rußland wird sie bewilligen. Das ist die Fest- Äer^China^ teilweisen Vormundschaft Japans
Wunder, daß unter solchen Umständen die chine° Petersburg und Tokio den dringenden icroeit ^^ die Friedensverhandlungen Chinas Rechte^un^ crn^^ erhalten zu werden, als dabei bezüglich benm â?e S^t ^ntereffen in Frage kommen, oder eingreifende Verein[mrit3U^imn^ ^hinaâ ändernde Wen. China bea nfgrudp ^ getroffen werden hingen hinzugezogen zu werden^ /ünd^I r^nedensoerhand- jeter Abmachung, die in seine ReckttÄm^ ^ber an, daß es A eingreife, die Anerkennung vM^ Souveräni- Dieses Verhalten Chinas ist berftänbM^ . • S , idcn Fortgang der Dinge nicht aufhalten t^er Justen. China hat dulden müssen, daß Vublan^mHt^ sieben ihm die Mandschurei abnahm; China kann nicht tonrten, daß Japan einen opferreichen .Krieg geführt haben Jot um ihm die Mandschurei zurückzugewinnen. Chinas Wteressen und Rechte, für die selbst einzutreten China nicht Kraft gehabt und nicht einmal den ernjsten Willen ge- hat, sprechen wirklich nur so weit mit, als sich starke Wiprccher finden; und daß das geschehen wird, ist überaus Wsich. Solche Interessen aber, hinter denen eine wirkliche Macht steht, wird Japan zu verletzen odejr auch nur von ferne krähen sich nicht bekommen lassen. Dazu ist die japa- ^lheKlngheit zu groß. Auch hat Japan keine Veranlassung, w Dhinas Integrität sich zu erhitzen. China, das für sich
selbst nicht hat Krieg führen können, ist des Rechtes ber^ lustig, sich nach einem Kriege, den andere geführt haben geltend 3it machen. Und Japan hat seinen großen Krieg gewiß nicht für China, es hat ihn für sich geführt
Die Bedeutung der Marokko-Konferenz.
Unser Berliner ^.-Berichterstatter hat Gelegenheit gehabt, mit einem hervorragenden Staatsmann über die Bedeutung des deutsch-französischen Abkommens hinsichtlich der Marokko-Konferenz sich zu unterhalten. Er schreibt uns über den Inhalt der Unterredung:
„Ein Diplomat ist es gewesen, der die Bemerkung gemacht hat, die Sprache sei dazu da/die Gedanken zu verbergen. Das witzige Wort hat für die Sprache der Diplomatie volle Geltung. Nicht immer freilich. Denn zuweilen hat auch die Diplomatie den Wunsch, sofort und allgemein verstanden zu werden. Ist das der Fall, so weiß sie sich ganz deutlich auszudrücken. Doch unter Umständen legt sie Wert darauf, eine unangenehme Wahrheit zwar nicht zu verhehlen, aber mit einem wohltätigen Schleier zu umhüllen, so daß man Mühe hat, ihre Züge im einzelnen zu erkennen, und durch die Dauer der hierauf gerichteten Anstrengungen Zeit gewinnt, sich zu beruhigen. Der Ton ist es, der die Musik macht. Man nehme an, die zwischen Herrn Nouvier und dem Fürsten Bülow hinsichtlich der Marokko-Konferenz getroffene Vereinbarung lautete schlicht und unzweideutig also: „Frankreich erkennt an, daß es in dem Marokko-Abkommen mit England sich Rechte angemaßt hat und von England hat übertragen lassen, über die eine Verfügung weder Frankreich noch England zusteht, und tritt von dieser Anmaßung zurück, indem es sich bereit erklärt, Marokkos Unabhängigkeit und die Unverletzlichkeit seines Gebiets zu versichern, in Marokko wirtsck)aftliche Freiheit ohne Ungleichheit gelten zu lassen, und an einer von dem Sultan von Marokko berufenen Konferenz teilzunchmen, auf der alle Mächte gemeinschaftlich die Ordnung der marokkanischen Angelegenheiten beraten sollen." Eine solche Fassung toäre für Frankreich kränkend, beleidigend, herabsetzend. Nur ein besiegtes Frankreich brauchte sich eine solche Sprache gefallen zu lassen, und selbst das besiegte würde es bloß zähneknirschend tun, mit dem stillen Gelöbnis einstiger Vergeltung. Es wäre überaus töricht, eine Macht, mit der man in freundnachbarlichem Verhältnis sein und bleiben möchte, unter ein solches kaudinisches Joch zu zwingen. Das wäre keine Verständigung, sondern die Herbeiführung eines dauernden Kriegszustandes. Allerdings hat Herr Delcassä Deutschland gegenüber sich maßlos überheblich gezeigt. Aber Herr Delcass6 ist das gewesen, nicht Frankreich, wie schon daraus hervorgeht, daß Frankreich Herrn Delcass6 davongejagt bat, der überdies von England sich gröblich hat düpieren lassen. Sollten wir Delcass^s übles Beispiel etwa nachahmen? Das lag in unserem Wunsch so wenig wie in unserem Interesse, und deshalb haben wir uns aufrichtig bemüht zu einer Formulierung der französischen Erklärung zu gelangen, die Frankreichs Würde nirgend zu nahe tritt, seine Empfindlichkeit in keinem Punkte verletzt, und doch alle tatsächlichen Zugeständnisse enthält, auf denen wir bestehen mußten. Die von Frankreich abgegebene Erklärung wirft das französisch-eng- lische Marokko-Abkommen vollständig um, trotz des Vorbehalts, daß die bevorstehende Konferenz nichts bezwecken dürfe, was zu den Rechten Frankreichs aus früheren Verträgen oder Verabredungen in Widerspruch steht. Denn dieser Vorbehalt ist an den weiteren Vorbehalt geknüpft, daß die früheren Verträge und Verabredungen im Einklang sind mit der Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit Marokkos und mit der wirtschaftlichen Freiheit ohne jede Ungleichheit („offene Tür") im mnroffanifcbcn Gebiet. Gerade diesen Einklang aber hatte das englisch-französische Marokko-Ab- kcinmen verletzt und hiergegen ist von Deutschland in der bekannten Weise energisch Einspruch erhoben worden. In dem Abkommen mit England hatte Frankreich sich das Recht zugeschrieben, in Marokko — mit Ausnahme eines bestimmten Gebiets — Befestigungen anzulegen. Das war schon nicht mehr ein Protektoratsanspruch, das war ein Herrsichaftsan- spruch Frankreichs über Marokko. Selbst die Handelsfreiheit wurde nur für einen Zeitraum von 30 Jahren gewährleistet. Auf alles dies hat Frankreich verzichtet, und darauf allein konnte es uns ankommen. Die Form des Verzichts dürfte die mildeste, freundlichste sein. Wäre es möglich gewesen, eine noch verbindlichere ausfindig zu machen, so hätten wir ihr den Vorzug gegeben. Unser Gewinn ist dabei ein doppelter: Wir haben nicht bloß erreicht, was hur erstreben inußten, um nicht in Marokko und anderwärts ins Hintertreffen zu geraten, sondern haben uns zugleich durch unsere Zuvorkommenheit Frankreich verpflichtet. Die französische Regierung hat Gelegenheit gehabt, zu sehen, daß mit uns im Bösen sehr schlecht, im Guten sehr gut auszukommen ist und daraus wird sie zu ihrem wie zu unserem Vorteil Lehren ziehen."
M Der Krieg in Ostasiea
( ■ Die Vorbereitungen der Japaner für die Besitznahme der !Insel Sachalin scheinen wohlüberlegt gewesen zu fein. Man
IMMa
Port di? Hauptorte Alerandrowst unè
Port Dur bald in Handen haben werden. Damit würden
Die Japaner Herren von Sachalin
StP r?0^ betragenden russischen Streit, InhnnJ^ ^^ ernsthaften Widerstand leisten. Der lind ^i^^^/ädlNiiral Kataoka meldet, daß zwei Kreuzer Torpedoboote mrt Truppen an Bord Korsakowsl ^iinPf^ r^^bemsie die Niederlassung am Kap Notoro nnh^^ e^e SW" ausschifften und den Ort in JJK?^brnen. Die Gebäude und der Leuchtturm waren Anbeick^adigt; es wurden 4 Gefangene gemacht. Sachalin hat zum Teil bereits früher zu Japan gehört, wurde aber 1875 gegen die „Kurilen-Inseln" vollständig an Rußland -abgetreten, das diese Insel zu einem großen Verbannungsort machte. Steinkohlen, Eisenerze, Naphtha und Gold sollen in bedeutender Menge vorhanden sein, aber unter bej russischen Verwaltung nicht ausgebeutet werden können Den größten Reichtum der Insel bildet aber die Fischerei, die für Japan deshalb von großer Wichtigkeit ist, weil sie den aus Fischen, namentlich Heringen, gewonnenen Dünger für ihre Reisfelder gebrauchen. Die jährliche Ausfuhr berartt gen Düngers von Sachalin nach Japan repräsentiert einen Wert von 7 Millionen Rubel. Man kann daher begreifen, daß Japan sich noch vor Beginn der
Friedensverhandlungen
in den Besitz der Insel setzt. So tritt mit großer Bestimmtheit das Gerücht auf, der Friedensschluß sei jetzt so gut wie gesichert, da Rußland dem Vorschlag Englands, es solle Japans Kriegsanleihen übernehmen, zustimme. Die Newyorkc.r Regierung gibt das Programm zu den Friedensverhandlungen bekannt. Die Delegierten werden in Portsmouth (New-Hampshire) tagen, doch soll das Protokoll in Washington unterzeichnet werden. Die Japaner werden am 23.
b. Mts. in Newyork erwartet, wo auch die Russen Anfang
August eintreffen werden. Von dort sollen an demselben Tage auf den Mgrinejachten „Mayflower" und „Delphin" beide Delegationen nach Oysterbay befördert und dem Präsidenten vorgestellt werden. In Portsmouth werden die Verhandlungen im Verwaltungsgebäude der Marinewerft stattfinden, die auf einer Insel gelegen ist die mit dem Fest- lande nu'- mrch eine nach Kittery in Maine führende Brücke verbunden ist.
politische Rundschau.
Deutsches Reich,
• Aus den deutschen Koloniei^in Ostasnka wird berichtet, 'daß aus mehreren kleineren Sisalhanf- und Kautschuk- Pflanzungen größere Gesellschafts-Unternehmungen gebildet worden find. Englisches Kapital soll in hervorragender Werse beteiligt sein. .
* Einen großen Erfolg haben die bayenschcn Landtags- Wahlen für das Zentrum gebracht. Der Liberalismus lst durch das Kartell des Zentrums mit den Sozialdemotraten gänzlich in den Sintergrund gedrängt worden. Das Zentrum >wird von den 159 Mandaten zu den bisherigen 84 nun- bestens 15 mehr erhalten. Die Sozialdemokraten bekommen statt 11 nun 13 Sitze. Die Liberalen verlieren 15, dw Bauernbündler einen Sitz. .
* Der preußische Eisenbahnminister von Budde hat einen Erlaß betr. die Bekämpfung der Tuberkulose an die Elsen- bahndirektionen gerichtet. Eine systematische Tubertuloie- fiirsorge soll für die Eisenbahnbeamten stattfinden. Be anderes Gewicht wird auf frühzeitige Ermittelung, Wohnungodesinfektion und Verbesserung der Wohnungsverhallilisie 6ekflt england.
" Premierminister Balfour kündigte die Einbringung
KenTÄ
Wales einen Sitz gewinnen, wahrend Irland 22 Lutze
"ir™ Nn^grotz. Fâân.g.bn.!, will die unabhän^g.
letztere schon zugesagt hat.
Skandinaviern . .
Slufruf tDKÖ i?ie ®®ff'?“n3iir -’j^- solche Abwickelung des
^nimisverhältnisses ^^ ta
" Die revolutionäre Bewegung ^9™ Schreckenstaten. Ae â^D s ng d„e Reihe von Hauptmanns ^n Moskau. ^ Supplikanten einen Re- Bittstellern. Plötzlich z g Stadthauptmann, der tot
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