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Nr. 60

Erstes Blatt

Samstag, den 11. März 19<)5.

14. Jahrgang

mew<h °er «nKc.

A«sert1»«-pre1-, Die einspaltige Petttzeile für ganz Ober- Wfen, die Kreise Wetzlar a£ Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Redaktion u. Hauptexpedino»: Gießen, Selter sw eg 83.

AeimsprechM«schl«k Nr. 363.

â AbO**e«e«tSprers: abgeholt monatlich 50Pfg., in's Hau-

>è ^ml MM ^ââè ^«^^ gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl.Mk.1.50. M^W^ M"M^^ M HLSS HU GM-beilage*: Oberhessische Familieuzeituug (täglich)

und die Vietzeuer Seifeublafe« (wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

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FlnaSyängige Tageszeitung

(Gießener Dettling)

für OberhesiM und die Kreise Marburg und Wetzlar; LoAlameiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntnmchunqen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Der Krieg in Ostasien.

Aw Kuropatkins Niederlage ist, trotzdem die russischen

tnü ^ ; Telegramme sie bisher noch immer rricht zugeben wollen,

! nicht zu zweifeln. Ueber ihren Umfang dagegen steht noch

tote Wicht Hegt» enlllg formen. Dir als auch bei toenn inzwischen $ ch; um dieses Er« b Meier Jahre (bom bei der Zwangs« )er Celbstnersicherung geklebt werden. Wer lbstversicherung oder e Wahl, welcher Lohn« ^ von ihm zu leisten« st, desto höher ist der ie Rente. Von diesen die nur freien Unter« tätigfeit gefräst er­gehende Dienste der- die Hälfte zu er- wechselnd bei verschie- ie Wie des Wertes ersetzt verlangen und , bei der sie am ersten loch zu bemerken, daß higkeit die freiwillige

immer nichts Sicheres fest. Während es zuerst schien, als ob die Russen auch die Hunholinie schleunigst aufgeben und sich Hals über Kopf nach Tielin zurückziehen würden, gewinnt man jetzt den Eindruck, als ob Kuropatkin diese zweite Verteidigungslinie mit großer Hartnäckigkeit feft- hält. Inwieweit die Stadt Mukden selbst in den Bereich der Operationen mit einbezogen ist, bleibt gleichfalls zweifelhaft. Jedenfalls sind in unmittelbarer Nähe von Stehen starke russische Truppenmassen in der Abwehr der japanischen Verfolgung begriffen.

Mit welchem Erfolge, darüber läßt sich bisher nichts Ge­naues sagen. Gerüchte wollen wissen, daß es mit den Russen sehr schlecht stehe.

Das russische Zentrum umzingelt?

Aus Tokio wird Londoner Blättern aus angeblich zu­verlässiger Quelle gemeldet:

Gerüchtweise verlautete hier, daß das russische Zentrum umzingelt sei. Später wurde dies Gerücht durch eine De­pesche bestätigt, nach welcher 200 000 Russen abgeschnitten sind.

Das würde nur dann zutreffen können, wenn es wirk­lich wahr wäre, daß Kuropatkin entgegen den ursprüng­lichen Nachrichten die Räumung Mukdens verzögert hätte, weil er mit der großen Erschöpfung der Japaner rechnete. Ä hätte sich darin aber gründlich verkalkuliert. Mit un= gemeiner Schnelligkeit und Tatkraft sei eine Kolonne der Japaner, die im Osten von Mukden operierte, so weit nach Sorben vorgedrungen' daß sie den Russen den Weg verlegte.

Damit ist selbstverständlich noch lange nicht gesagt, daß die Umzingelung auch wirksam sein muß. Um 200 000 Mann festzuhalten, dazu gehören weit überlegene Kräfte. Wo sollen die Japaner die hernehmen?

Mukden von den Japanern besetzt.

Daß Kuropatkin Mukden nicht so schnell geräumt hat, wie man anfangs annehmen mußte, dafür spricht auch das folgende Telegramm aus Tokio:

Tie Japaner haben Freitag früh 10 Uhr die Stadt Mukden besetzt.

Wären die ersten Nachrichten richtig gewesen, so befände sich Mukden schon 24 Stunden länger in den Händen der Japaner. Auch jetzt ist immer noch möglich, daß die Sache nicht ganz stimmt. Offizielle Bestätigungen stehen noch aus. Jedenfalls haben die Japaner erst nach neuen heftigen Kämpfen ihr Ziel erreichen können. Ein kurz vor dem obigen eingetroffenes Telegramm aus Tokio besagt:

^te Japaner yaven Stta eingenommen. Die, Russen halten und verteidigen mit allen Kräften die Befestigungen nördlich vom Hunho. Ein Staubsturm wirkt störend aus die Operationen ein.

Wie aus Darstellungen von Kriegskorrespondenten zu er­sehen ist, war der Knotenpunkt der ganzen letzten Kämpfe die

Schlacht an den Knisergräbern.

straften in einem Umkreise von 500 Quadratmeilen, eine große Menge Verteidigungswerke, sowie ausgedehnte Ba­rackenlager des Roten Kreuzes preiszugeben und große Mengen von Brennmaterial und Futtervorräten dem Feuer zu überantworten. Die Spitäler sind überfüllt, aber der Dienst ist noch ausreichend. Die Räumung der russischen Stellungen am Schaho und bei Matschuntan begann um Mitternacht. General von Rennenkampf, der im Osten be­fehligte und acht Tage hintereinander mit Erfolg alle An- griffe der Japaner abschlug, und ebenso einige andere Be« fehlshaber wollten auf ihren Posten bleiben, ihr Verlangen wurde aber abgeschlagen. Me Japaner rücken jetzt schnell auf den Hunho los, wo die Russen ohne Schwierigkeit stand­halten zu können glauben. Die Telegraphenleitung, die be- ständig bedroht war, soll einem Gerücht von heute morgen zufolge, jetzt unterbrochen sein.

Die Rückkehr Roschdjestwenskhs

nach den europäischen Gewässern steht jetzt fest. Aus Dover wird gemeldet, es sei dort amtliche Kunde eingetroffen, daß sämtliche Geschwader der russischen Ostseeflotte nach dem englischen Kanal zurückkehren und weitere Befehle abwarten werden. Hamburger Dampfer sind gechartert worden, um das heimkehrende Geschwader mit Kohlen und Proviant zu versehen.

DerfèhiuuMn einzelner ihrck Mitglieder verantwortlich macht. Dr. Scheidenranu führte ein Paar Fälle au, in denen Freisinnige die Politik für private Zwecke hätten ansnutzen wollen, und erhebt gegen den nationaMberalen Abg. Dr. Becker den Vorwurf, daß er seinen privaten Einfluß terro­ristisch zu politischen Zwecken mißbraucht habe. Als er schloß/ erscholl auf der äußersten Linken starker Beifall, die auch vorher mehrfach lebhaft ihre Zustimmung bekundet hatte, während bei her Mehrheit Widerspruch laut wurde.

Bof und Gesellschaft.

*** Der Kaiser hat sich bei der Fahrt im offenem Wagen und bei strömendem Regen in Wilhelmshaven eine leichte Erkältung zugezogen, weswegen er gestern zunächst an Bord des LinienschiffesKaiser Wilhelm II." verblieb und dort das Torpedo-Ererzieren besichtigte.

berung? 1. Eine > er 2. eine Altersrente, kostenfreies Heilverfah früheren Bestimmung R, der während eine ig war, ist die jetzige ntreten kann, von tief vor es auch, was w kenkassengesetzes M nach sich gezogen V ; -enunterstützung y * eine ununterhroM , während der ganzen .^feiltet ist. An beni Berufe besonders wie bei einer pano ^ibität anzunehmen ist, duck E W

iMüdM NN ^^ mu uuiea von ^unn verwenden weroen, ote norumuiaj Qnn, ew^1 . ? sich befinden. Dort ruhen die Ahnherren der jetzt in China

füg geling herrschenden Dynastie, und bei dem Kultus, der i 0 in Meißen w ( dEN Vorfahren gewidmet wird, hat diese Stelle für i

Die Politik.

A Die Bewilligung der Knvallerievermehrnng auf 510 Schwadronen ist vom Zentrum für die zweite Lesung mit der Maßgabe beantragt worden, daß 10 Schwadronen erst vom 1. April 1909 ab gebildet werden sollen

Skandinavien*

U Das neue norwegische Ministerium ist gebildet. Mi­chelsen ist Präsident. Die Zusammensetzung des Kabinetts ist politisch gemischt. Es um saftt Mitglieder der Rechten, Gemäßigte und Liberale, ist somit der Ausdruck eines Kom­promisses, allerdings auf der Basis der norwegischen For­derungen.

Balkan-Staaten*

-O^ Die serbische Opposition gegen den Handelsvertrag mit Deutschland geht schon zurück. Man macht noch große Worte, hat aber schon den Vorwand für die Nachgiebigkeit gefunden. Das gegenwärtige Ministerium müßte im Fall der Ablehnung des Vertrages zurücktreten, und darauf dürfe man es nicht ankommen lassen, da das Ministerium sonst die große Geschütz- und Eisenbahnanleihe nicht durchführen könnte. Diese Logik ist zwar recht fadenscheinig, denn die Anleihe wird doch auf den Kredit Serbiens, nicht auf den Kredit Paschitschs gemacht, dessen Ministerlaufbahn von

Niemandem eine Dauer-Garantie erhält.

Die ver-

gleichenden Geschützproben werden übrigens in nächster Zeit in Kragujowatz stattfinden, wohin die Vertreter aller großen Geschützfabriken eingeladen sind. Das Wettschießen und das Wettvorschießen scheinen in einem gewissen Zu­sammenhang miteinander zu stehen.

Deutscher Reichstag.

(160. Sitzung.)

CB Berlin, 10. März.

Die alten Kaisergräber nordwestlich der Stadt dürfen nacht mit denen von Fulin verwechselt werden, die nordöstlich

in China

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und das Herrscherhaus eine ungeheure Bedeutung. Die Mussen hatten daher durch scharfe Bewachung die Grabdenk-

mäler geschützt, und General Kuropatkin verbot ausdrück­lich, daß die heiligen Haine angetastet würden. Auch Mar­schall Oyama hat jetzt ähnliche Befehle ergehen lassen. Ueber die Schlacht an den alten Kaisergräbern wird aus Hukden b-om 8. März gemeldet:

Gegenwärtig wird auf die japanischen Streitkräfte, welche in Massen auf dem Schienenwege der Eisenbahn herankommen, von der Umgebung der nach Norden zu ge­legenen alten Kaisergraber aus heftiges Geschützfeuer ge­richtet. Dort haben sich nämlich neue russische Truppen­massen gesammelt, um den Japanern entgegenzutreten. Das schmale Gelände westlich des Schienenstranges ist buchstäblich von Soldaten angefülll. Die Japaner streben mit Eile in nördlicher Richtung vorwärts und umfassen den rechten Flügel der Russen. Gestern abend vor dem Rückzug der Russen wurde das Feuer auf der ganzen südlichen Front unterhalten und dann die ganze Nacht hin- durch fortgesetzt. Bei Tagesanbruch nahm das Getöse, welches in Mukden zu hören war, in dem Maße zu, als sich das Geschützfeuer nach Westen und Norden zu hinzog.

. Aus derselben Quelle verlautet weiter: Die Räumung sM ihrer Stellungen am Schaho zwang die Russen, eine große :nt Strecke der Eisenbahn, zahlreiche Felütelegraphei., Militär- 5^5' Ls--1

Jn die sozialpolitischen Debatten, die den eigentlichen Gegenstand der zweiten Beratung des E t a t s für das Reichsamt des Innern bilden, kam heute vorüber­gehend ein lebhafterer Ton. Der freisinnige Abg. Dr. Mugdan schlug ihn in einer Polemik gegen die Sozial­demokratie und speziell Legen den sozialdemokratischen Ab­geordneten Zubeil an, der ihn vor einigen Tagen scharf per­sönlich angegriffen hatte. Dr. Mugdan wies nach, daß verschiedene von Herrn Zubeil über ihn und andere Per­sonen vorgebrachte Behauptungen unwahr seien, und ver­trat erneut die von ihm schon öfter geäußerte Ansicht, daß die Sozialdemokraten in den âankemkafsen Terrorismus übten und Vetternschaft pflegten. Er fand mit seinen Aus- führungen, während die äußerste Linke sich ganz ruhig ver­hielt, bei der Rechten lebhaften Beifall. Nachdem der Zem trumsabgeordnete Gröber die Resolutionen gegen das Schmiergelderunwesen und für die Ausdehnung des Ar- beiterschutzes auf die Hausindustrie befürwortet hatte uni der Antisemit Fröhlich unter Ausfällen gegen die Juden für Ausdehnung der Gewerbeinspektion auf ländliche Ge­werbebetriebe und für eine kräftige Mittelstandspolitik ein­getreten waren, ging der Sozialdemokrat Dr. Scheide­mann auf die von Dr. Mugdan angeschnittenen Fragen ein. Er gab zu, daß der Genosse in einzelnen Fällen von seinen Gewährsmännern angelogen worden sei, legte aber Verwahrung dagegen ein, daß deshalb etwa dessen Ausfüh­rungen im allgemeinen unrichtig seien. Terrorismus und Vetternschaft herrsche vielmehr hauptsächlich da, wo der Frei­sinn die Macht in Händen habe. Dem Abg. Mugdan warf er vor, daß er einzelne Vorkommnisse in unzulässiger Weise verallgemeinere. Das Bürgertum habe manches Privileg, aber nicht das der Dummheit, Fehler würden auch von Sozialdemokraten gemacht, aber sie dürften nicht der Sozialdemokratie als solcher zur Last gelegt werden, so Wenin wie die Sozialdemokratie die anderen Parteien für

Lösung der frankorussisehen HUianz?

(Ein Interview.)

Im Anschluß an die schlechten Nachrichten, die über hie Lage des russischen Heeres bei Mukden einlaufen, werden wieder Preßstimmen laut, die von einer nahe bevorstehender: Lösung des französisch-russischen Bündnisses wissen wollen. Besonders lebhaft wird diese Frage wennschon nicht öffentlich auch in Paris erwogen. Man ist durch die russischen Mißerfolge in Ostasien stutzig geworden und zweifelt daran, ob Frankreich von dem Bündnis mit dein 'Koloß auf tönernen Füßen" sich für die Zukunft noch Vor­teile versprechen könnte. Von einem beutfdjen Staatsmanne erhielt unser ^-Mitarbeiter zu diesem interessanten Punkt folgende Erläuterungen:

Mit den Gerüchten von einer nahen Lösung des fran­zösisch-russischen Bündnisses wird den Ereignissen borgegrir^ fen. Auch geht man von einer falschen Auffassung aus, wenn man eine unmittelbar sich vollziehende Neugruppierung der europäischen Mächte erwartet. Das französtzch-russsiche Bündnis bedarf keiner ausdrücklichen Kündigung, wird auch keine erfahren; es löst sich gewissermaßen automatisch auf, indem Rußland in die Unmöglichkeit gerät, seinen Bündnis­verpflichtungen zu genügen. Setzt Rußland den Krieg mit Japan fort, so muß es eine neue große Arniee nach Opasien schicken, es muß seine Kerntruppen marschieren lassen, und das kann es nicht tun, ohne seine Westgrenze stark zu ent­blößen. Hierzu dürfte Rußland in unbedingtem Vertrauen auf Deutschlands freundnachbarliche Gesinnung sich ohne Zögern und Bedenken entschließen aber das Bündnis mit Frankreich verpflichtet es, zehn volle Armeekorps in der Nähe der westlichen Grenze zu halten. Diese Verpflichtung ist den Kriegsrüstungen bisher schon in verhängnisvoller Weise hinderlich gewesen, sie ist mit einer Fortführung des Krieges vollends unvereinbar. Rußland wird sich entschlie­ßen müssen, hiervon Frankreich Kenntnis zu geben und Dis­pens zu erbitten, der natürlich nicht verweigert werden kann. Ebenso natürlich ist es, daß damit die entsprechenden Ver­pflichtungen Frankreichs suspendiert werden, die wohl über­wiegend nicl)tmüitärifd}cr Art sind. Der Vorteil wäre einst­weilen ausschließlich auf russischer Seite, denn die russischen Anleihen, die einmal in Frankreich untergebracht sind, lassen sich nur sehr allmählich dislozieren.

In der Gruppierung der europäifdjen Mächte aber würde tatsächlich kaum eine Verschiebung von Belang eintreten, nur die Meinung bon dieser Gruppierung, die zumeist eine irrige war, würde sich ändern. Das ftanzösisch-riisssia-e Bündnis hatte eine doppelte Aufgabe: es sollte Frankreichs Isolierung aufheben, und es sollte eine Spitze gegen fälschlich supponierte deutsche Augriffsgelüste bilden. Jene Isolierung besteht schon lange nicht mehr, und ebenso ist schon lange erkannt und anerkannt, daß Deutschland An­griffsgelüste nach keiner Richtung hegt. Im übrigen sind Deutschlands und Frankreichs Interessen und Wünsche hin­sichtlich der Gestaltung der Verhältnisse in Ostasien in ge­nauer Uebereinstimmung. Man mag mit den tapferen Ja­panern so viel Sympathie haben, als man irgend mag man wird doch nicht so weit gehen, um dieser Sympathie willen die weiße Rasse aus dem Einflußgebiet verdrängt zu sehen, das sie sich im fernen Osten gewonnen hat. Wie die Niederwerfung der Buren, weißer Männer, in Afrika die Eingeborenen des dunklen Erdteils um den Glauben an die Unbesiegbarkeit der Weißen gebracht und dadurch den Auf­stand der Eingeborenen hervorgerufen hat, so konnte ein endgültiger Sieg der Japaner in ganz Asien die unwillkom­mensten und fühlbarsten Folgen für alle europäischen Kultur­staaten nach sich ziehen.

Nahd fern.

& Die Gedenkhalle in Gravelotte soll im Mai dieses Jah­res im Beisein dcs Kasters feierlich eingeweibt werden. Die