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Nr. 36

Zweites Blatt

Samstag, den 11. Februar 1905

14, Jahrgang

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Kujertiim-prelA i Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober- ^rffen, die Kreise Wetzlar mA Marburg 10 Pfg. sanft 15 Pfg. Reklamen die Petttzeile 30 resp. 40 Pfg.

Redaktion u. HauptexpeditiouL Gießen, GelterSweg 83* Aer»sp,echW«schl«ß Nr. 363.

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Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Deitnng)

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Dr Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lskalamerger für Gießen und Umgebung,

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden hon Oberhesse«.

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baat und 6rnte.

tPolitische Wochenscha u.l

QMdiâtan hat in der vergangenen Woche die Vera- xer Handelsverträge begonnen, die den Abschluß einer L^igm Md mühwollm arbeit bilden. Doch wenn i,^ in der Form einen Abschluß darstellen, m Wirklichkeit sind sie nur eine Aussaat, die die fünft ge Ernte üorbemtet. Die Verträge schaffen bloß die Grundlage für ^e ^dechliche^ wohlfahrtfördernde nationale Arbert auf landwrrtschastchchem^ Md industriellem Gebiet, Namentlich dre Landwirtschaft, ^^ , laut wohl mit gutem Grund, über Ungunst der Erwerbs­bedingungen geklagt hat, darf in den filiern die die neuen Verträge chr bieten werden, teure Antwartschaft auf Segen ohne Fleiß erblicken, vielmehr einzig die Möglichkeit einer Aussicht auf Erfolg unter der Voraussetzung sorgfältiger um Huger alle Vorteile wahrnehmender kaufmannisch-wirtschatt- licher Wahrung und harter Arbeit. Erst aus dreser L>aat kann die Ernte erblühen. , ,,

Die Kanalvorlage, jahrelang Gegenstand manchmal recht erbitterten Streits, hat das Abgeordnetenhaus mit über­raschender Schnelligkeit passiert. Eine Zweidrittelmehrheit votierte alle Einzelheiten des Gesetzes nach den Vorschlägen der Vorberatungskommission; eine Zweidrittelmehrheit nahm das Ganze an. Fehlt nur noch bi;e Zustimmung des Herrenhauses, an der nicht gezweifelt wird. Die zu bauenden Kanäle verursachen nach dem Voranschlag mehrere hundert Millionen Kosten, und der wirkliche Aufwand wird den Vor­anschlag wahrscheinlich noch erheblich übersteigen. Welche Ernte muß man von dieser Millionensaat erhoffen!

Der Bergarbeiterstreik in Westfalen ist zu Ende gebracht worden. Die Bergarbeiter haben ohne unmittelbaren Erfolg, zu den alten Bedingungen, zur Arbeit zuruckkehren müssen, mit keinem andern Ergebnis als dem der Aufzehrung ihrer kargen Ersparnisse. Und manchmal mußten sie noch froh sein, daß man sie überhaupt wieder zuließ. Die Bergwerks- besitzer lehnten hier und da die Wiedereinstellung der Berg­leute ab, die Führer und Sprecher der übrigen sind dabei vielleicht etwas übereifrig geinesen. Seltsamerw-eise sind die unpersönlichen Aktiengesellschaften durchschnittlich viel nach­sichtiger gewesen als die Einzelbesitzer, die iiberhaupt durch starre und schroffe Haltung sich auszeichneten. Die Hoffnung der Bergarbeiter ist auf die Novelle zum Berggesetz gerichtet, das die Arbeiterforderungen zu gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsbedingungen machen soll. Die Bergarbeiter selbst sind in ihrer Hoffnung nicht allzu sanguinisch. Sie wissen, daß die Bergwerksbesitzer im preußischen Abgeordnetenhaus viele Freunde und großen Einfluß haben, und daß dort starke Po­litische Bedenken gegen eine die Autorität der Besitzer unter­grabende oder auch nur schwächende Sozialgesetzgebung vor­handen sind. Sie glauben deshalb, daß im Reichstag ihre Wünsche vielleicht eher auf Erhörung rechnen könnten, und 1 bitten um reichsgesetzliche Regelung ihrer Angelegenheiten, wenn die staatsgesetzliche versagt. Bemerkenswert ist unter ollen Umständen das Vertrauen der Bergarbeiter Zu der Negierung, in Preußen sowohl wie im Reich. Das war früher nicht so und ist leider auch jetzt noch nicht überall so. Das Berggesetz aber, das unbedingt kommen wird, wenn auch erst

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nacks Ueberwindung mancher Widerstände, wird die Ernte der jetzigen Aussaat bringen. Schroffheit und Nachgiebigkeit von heute werden darin ihren Lohn finden, beide nach Ver­dienst.

Die Zuckungen, die das ganze europäische Rußland in der zweiten Hälfte des Januar ergriffen haben und in der ver­gangenen Wock)e, wenn auch abgeschwächt, fortdauerten, sie bildeten die Ernte der von früherer langjähriger Beamten- Mißwirtschaft ausgestreuten bösen Saat. Und wiederum sind die ungeordneten Bewegungen der Gegenwart Aus­saat für die Zukunft. Nicht alles, was jetzt angeregt worden ist, kann reifen, oder doch erst in einer späten Zukunft reifen. Aber manches wird schon bald aufgehen. Noch keinem Men­schen ist es beschieden gewesen, gleichzeitig Krieg nach außen zu führen und nach innen Reformen zu schaffen. Daß Zar Nikolai II. sie vorbereitet, ist erstaunlich genug und bildet den besten Beweis für ihre Unaufschieblichkeit. Der .Ürieg mit Japan soll noch kein Ende sehen. Die Armee im fernen Osten soll einen dritten Oberstkommandierenden erhalten. Dem Statthalter Admiral Alerejew folgte Ge­neral Kuropatkin, den jetzt Feldmarschall Großfürst Mkolai Nikolajewitsch ablösen wird. Die bisherigen Mißerfolge sind schwerlich die Schuld derer, die dafür verantwortlich gemacht werden. Die unerfreuliche Gegenwartsernte ist das Ergebnis früherer Saat. Bestechlichkeit, Disziplin­losigkeit, Neigung zu liebergriffen, Hochmut, bas ist die Stufenleiter der Verschuldung gewesen, und die Sühne mußte gezahlt werden, als sich herausstellte, daß nichts vor­bereitet war, die Magazine leer standen und keiner deni andern trauen durste, der Vorgesetzte nicht dem Unter­gebenen, der Untergebene nicht dem Vorgesetzten.

Von England ist in voriger Woche eine Beunruhigung ausgegangen, die erfreulicherweise schnell wieder schwand. Eine ganz harmlose, aber etwas undeutlich ausgedrückte Bemerkung des Zivillorbs der Admiralität Arthur Lee, eines Mannes in unverantwortlicher Stellung, war von einer Londoner Zeitung in böser Entstellung wiedergegeben worden. Die Korrektur erfolgte mit rühmlicher Schnellig­keit. Das ganze Mißverständnis aber wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht die LondonerTimes" vorher anhal­tend und systematisch bemüht gewesen wäre, verhetzend Mißtrauen zwischen England und Deutschland zu säen. Die Aussaat derTimes" war hier aufgegangen und in die Halme geschossen, böse Frucht tragend. Die Gegenwirkung, die von derTimes" gewiß nicht beabsichtigt war, ist nicht ausgeblieben: ein Austausch ausrichtiger Freundschaftsver- sicherungen.

Ungarn steht in einer Ministerkrisis. Der Führer der stärksten Partei, Kossuth, steht vor der ministeriellen Krippe und darf doch sich nicht zu ihr neigen. Seine Vergangen­heit hindert ihn daran. Er hat so wenig gehofft, jemals eine Mehrheit hinter sich zu sehen, daß er nicht darauf be­dacht war, sich regierungsfähig zu erhalten oder zu machen. Seine Anstrengungen, das Versäumte nachzuholen, haben etwas Burleskes. Fyeunde wie Gegner können sich dem Eindruck nicht entziehen und lachen über den unglücklich­glücklichen Sieger, der jetzt nicht essen darf, weil er sich vor der Mahlzeit übernommen. Feindschaft gegen die Dynastie

hat er gesät, und nun trennt ihn diese Aussaat von bet,' Macht. I

Die neue ungarische Parlamentsmehrheit, die noch dar­über aus ist, ein Regierungsprogramm zusammenzustellen, das möglich ist, und Negierungsmänner zu finden, die auch^ möglich find, hat schon einen Kriegsruf gefunden: Ungarn soll wirtschaftlich selbständig werden. Der Vorsatz ist gut/ wenn er ehrlich und nicht ein Vorwand ist, wenn er nichts eine Umschreibung für die Bestrebungen und Anschauungen ist, deren Charakterisierung das Wort vom .ungarischen Globus" gegeben hat: Ein nicht magyarischer Vizegespan beanstandete in einer Schule seines Bezirks die Anschaffung eines Globus. Auf die Notwendigkeit dieses Lehrmittels für die geographisch-unterrichtlichen Zwecke aufmerksam ge- macht, verharrte er dabei, daß eine unnütze Ausgabe wenrg- stens insofern vorliege, als man doch keinen Endglobus, nur einenungarischen Globus" gebraucht hätte. Die kleinen Magyaren, die amungarischen Globus" Geo­graphie, und nicht bloß diese, gelernt haben, sind inzwischen herangewachsen, die Saat jenes Vizegespans ist aufgegan- gen und zur Ernte reif.

Wandernde Däuser.

Newysrk, 1. Februar.

r Es ist hierzulande nichts Ungewöhnliches, daß ein ganzes Gebäude verschoben wird. Man hat nicht nur Häuser in bie> Höhe gehoben, wenn sie durch Nachgiebigkeit des Bodens ein-! gesunken waren (z. B. in ganzen Stadtvierteln von Chicago),^ oder wenn man sie, obne die Bewohner zu stören, um ein Stockwerk erhöhen wollte, sondern man hat auch Häuser von einem Ort zum anderen geschafft. Jetzt sind noch weitere Fortschritte in diesem merkwürdigen Verfahren zu verzeich° neu, wie ein Fall lehrt, dessen schwierige Verhältnisse wohl in jedem anderen Lande den bloßen Versuch eines solchen Wagnisses verhindert haben würden. |

Es handelte sich um ein zweistöckiges Ziegelgebäude, das 900 Tonnen wog und schon etwa 60 Jahre alt war. Man wollte das Haus um mehr als 6 Kilometer verlegen. DaA Unternehmen mußte um so heikler erscheinen, als der Trans- Port teilweise zu Lande und teilweise zu Wasser geschehen mußte. Die zu durchmessende Strecke war denkbar ungünstig, weil der Boden von sumpfiger Beschaffenheit war und ein Versinken der eigentümlichen Ladung zu befürchten stand. Als man diese Schwierigkeit überwunden und die ungeheure Ladung glücklich bis ans Ufer des Flusses gefchafft hatte, trat ein neuer unvorhergesehener Umstand ein, der die Vol­lendung des Werkes in Frage stellte. Der Fluß schwoll näm­lich Plötzlich an, so daß das Haus bis zur Hälfte des zweiten Stockwerks überschwemmt wurde und somit auf einmal mitten im Strom stand. Nun wurden die Balken, auf die öas Haus gestützt war, in aller Eile durch eiserne Schienen verstärkt. Das Mittel half, und nachdem die Wasser ge­fallen waren, konnte man das Gebäude vom Ufer auf einnt großen für Kohlen bestimmten Prahm gleiten lassen, worauf es den Alleghanyfluß abwärts auf seinen Bestimmungsort zugetrieben wurde. i

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