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Nr. 9.
Ivsert1o«SvreiS, Die einspaMge PetttzeUe für ganz Ober- Hessen, die Kreise Wetzlar w* Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die PetttzeUe 30 resp. 40 Pfg.
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Redaktion u. Hauptexpottttonr Gkeßen, Eeltersweg 88.
Ser»sprechW«schl«ß Nr. MS*
Mittwoch, VW 11. Januar 1905.
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14. Jahrgang.
Mbewtmtuti^ttte: abgehslt monatlich 50 Piq., in'« HauS gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen Vierteljahr!. Mk. 1.50.
GUEtt-deUâge« : Oberhesstsche Familienzeitung (täglich) und die Gießener Seifenblasen (w5chenrlich).
Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittag«.
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Aeueste
(Gießener Gugevkatt)
Unabhängige Tageszeitung
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(Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; LokalÄmeiger für Metzen und Umgebung.
Entbält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
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Zum Zusammentritt des Reichstags.
(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)
Die Hauptaufgabe, die der Reichstag nach seinem nun» mehr wieder erfolgten Zusammentritt zu erledigen hat, ist die Neuregelung unseres Handelsverkehrs mit den verschiedenen Staaten. Die Beratung hierüber ist eine summarische, da dem Parlament keinerlei Einflußnahme auf die Einzelheiten der Verträge, sondern nur das Recht zusteht, die Verträge in ihrer Gesamtheit anzunehmen oder abzulehnen, dagegen steht den Abgeordneten naturgemäß das Recht zu, in der Debatte die einzelnen Paragraphen zu kri- . fifieren. Da offenbar einzelnen Regierungen weitergehende ' Zugeständnisse gemacht worden sind, als es einem großen I Teil des Parlaments erwünscht ist so eröffnet sich die Aussicht auf stürmische Auseinandersetzungen, die einen Widerschein aus den Tagen der Zolltarifsberatung bringen werden. Es ist aber nicht zweifelhaft, daß schließlich die Handelsverträge Annahme finden, bamit auf längere Zeit hinaus unser Verkehr mit fremden Staaten auf eine sichere Grundlage > gestellt ist. Hierzu kommt noch, daß es unseren Unterhändlern gelungen ist, auch erhebliche Zugeständnisse von den fremden Staaten zu erlangen.
Außer ben Handelsvertragsberatungen liegt noch ein außerordentlich wichtiger Stoff in der Militär- und Marinevorlage vor. Zwar hat sich mit Rücksicht auf die ungünstt- gen Finanzverhältnisse die Regierung mit" ihren Forderungen auf das Mindestmaß des Notwendigen beschränkt, aber die Unsicherheit der Weltlage, die trotz aller gegenteiligen Ver- Sicherungen fortbesteht, und uns zur äußersten Vorsicht zwingt, bedingt das Festhalten an der energischen Weltpolitik aus den Zeiten des ersten deutschen Kaisers.
Ob die Börsenreform bei der besonnten Haltung der Parlamentsmehrheit zustande kommt, ist zweifelhaft. Ebensowenig ist mit Zuverlässigkeit die rechtzeitige Fertigstellung Les Etats zu erwarten. Leider ist bei unserem Parlament infolge der Disziplinlosigkeit der Parteien die üble Sitte eingerissen, die Verhandlungen im Plauderton zu führen und künstlich die fernsten Dinge in die Debatte zu ziehen. Diesem Unwesen kann nur gesteuert werden, wenn die Parteien die einzelnen Beratungsgegenstände gründlich im Schoße der Fraktionen durchsprechen, und die Fraktionsredner nach Möglichkeit ernennen und die Rednerliste nach Möglichkeit begrenzen. Heute herrscht hierüber vollständige Freiheit und einzelne Redner melden sich weniger deshalb zum Wort, weil sie eine bestimmte Frage fördern wollen, als um ihrer Wähler willen, bei denen sie sich durch tönende Reden in Erinnerung bringen und zur Wiederwahl empfehlen.
In ursächlichem Zusammenhang mit diesem ungefesselten Mededrang, der wie ein uferlos gewordener Strom das ganze Parlament überflutet, steht der mangelhafte Sitzungsbesuch. Auch hierin muß die Fraktionsdiszivlin Wandel fdbaffen.
Ignaz von Tzargos, der Schäfer.
Bon Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Alle Rechte Vorbehalten.
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Nachdruck verboten.
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Die Ziegeuner zogen brandschatzend wieder aus ^zurück bis zur Hermannsburg. Dort richteten NNI^ >.d""ölich einund nun ging es an ein Sptoniren einiaer^.u^chânen Grafen. Man war schon seit
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btc Set tnk<?cc Zigeuner, es war Urban selbst, I ben Spieler mu^ Person, ihn entdeckt. Aber auch - graf K « sehen. Er wußte jetzt, wo der è mtfernt hatte ain^'t. Nachdem der Graf sich eiligst Auch er kannte biete sm1, Ziegeuner den Tönen nach. Schwester Sohn war der â'^ ^ ^cafen und seiner Armer Jgnaz.^ 6c ging Ä“ ^ hütete Schafe? °n, als sie den ZiegeunerV» ^ Huâ schlugen (rillen und blickte in bie te^^ auf zu Hunde anschlugen. Er sah ÄVad’ ^ ?“ fe «kannte er sofort nicht. Nur ^°» ^" W Bleibe trug, war ja die Ungarntrachl ^^ ^e , der Ziegeuner, ^gnaz, kennst du mich nicht mehr?« '
An eine solche Begegnung allerdings hatte ^nnn, Cargos nicht gedacht. 9 U Z^naz
Lm ^ ec seine Hunde zur Ruhe verwiesen, reichte er ft™ âiegeuner die Hand. Beide setzten sich an den &* Dann ging es an ein Fragen und Ibn es* "; Tzargos erfuhr jetzt daß, Ntkolay den für N eingetauschten Sohn wiederhabe.
Lar^^° '"bine Schwester?" rief ihn schmerzfragend W^ "?° ‘JI die, uud wie geht es ihr?« Maria ch oft von dir, nur noch einmal wünscht sie von
Allen Ernstes wird vorgeschlagen, die Präsenzliste fur 'bie einzelnen Abgeordneten in dem zuständigen Heimatsblatte in periodischen Berichten sestzustellen. Durch das Herabsinken der Debatte auf den Volksverfammlungston und durch die geringe Reichstagssrequmz wird das Parlament geradezu in feiner Existenz gefährdet. Lange genug hat nun dieser ungesunde Zustand angedauert und es ist Zeit, daß die Abgeordneten sich sowohl ihrer Pflichten wie der Gefahren der Pflichtvernachlässigung bewußt werden. So begrüßen wir denn den Reichstag im neuen Jahre mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß er die Fehler der früheren Perioden vermeide.
Öriser Kolonialkrieg.
Nachdem im Witboilande unsere tapferen Truppen — allerdings einstweilen ohne nennenswerte Erfolge — fcharf im Feuer gestanden haben, sind nun auch unsere Operations- trirppen im Norden wieder stark in Tätigkeit. Die Stre.iszüge nach flüchtigen Hererowerften werden energisch fortgesetzt und es haben bei diesem. Aufklärungsdienst und bei dem Verfolgungswerk wieder
neue Kämpfe am Waterberg stattgefunden.
Nach einer Melduilg des Generals von Trotha hatte nämlich Hauptmann von Fiedler, der sich mit der Marine- Koiirpagnie Brockdorsf, 6. Kompagnie Feld-Regiments 1 unter Hauptmann von Wangenheim und Halbbatterie Winterfeld seit Anfang Dezeinber auf bem Marsch von Waterberg über Omike nach Omaruru befand, unterwegs eine Reihe von Patrouillengefechten, wobei 21 Hereros fielen und mehrere Gewehre erbeutet wurden. Oberleutnant Graf von Schweinitz, mit 100 Artillerie-Erst Mannschaften auf dem Marsch von Karidib über Waterberg nach Otjimbinde (an der Oma- heke), traf Abteilung Fiedler am 16. Dezember in der Gegend der Omatakoberge (60 Kilometer nordöstlich Omaruru). Scbweinitz hatte am 24., 25., 29. und 31. Dezember Gefechte mit Hererobanden. Am 4. Januar überfiel er 3 Werften bei Otitua (halbwegs zwischen Waterberg und Omaruru), wobei 61 Hereros fielen, 5 gefangen genommen und zahlreiche Gewehre erbeutet wurden. Infolge dieser Streifzüge stellten sich in Omaruru zahlreiche Hereros und gaben srei- willig ihre Gewehre ab. Am 29. Dezember erreichte die Abteilung Fiedler Omaruru. Am 6. Jan. griffen Hereros einen Viehposten bei Okakongo, dicht bei Okahandja, an und trieben 184 Ochsen ab. Patrouille Oberleutn. Strahler verfolgte die Räuber und nahm ihnen 15 Kilometer nördlich Otjosasu 163 Ochsen wieder ab. Ein Herero gefallen, zwei verwundet, ein Gewehr, 3 Pferde und Munition erbeutet. Am 7. Januar zeigten sich von neuem HereroS bei Okakango, wo sie durch die auf 25 Mann verstärkte Schutzwache vertrieben wurden.
Die vielen (findiges echte ergeben sich aus der durck die
dir Nachricht zu erhalten. Sie ist krank, auf ihrem Gesichte standen die Rosen, welche nach der Ewigkeit zeigen.
Nun Ignaz, du meiner Schwester Sohn, wie geht es Dir? Nikolay hat mir gesagt, daß du alles weist. Komm ziehe mit mir, Du sollst es gut haben. Sobald wir an diesen Elenden, welcher dein Vater ist, Rache genommen, ziehen wir heim. Niemals werden wir diese Gegend wieder betreten. Sage zu, Ignaz, ziehe mit, so drängte Urban aufs neue. Ich kann .nicht mitgehen, sprach Tzargos, daheim liegt mein krankes Weib, ich hüte die Schafe und kann kein Pfleger sein. Von meinen sieben Kindern lebt nur noch der Jüngste. Du stehst also ich kann nicht, und wenn ich könnte, so täte ich es nicht. Maria, meine Schwester, soll als Andenken in meinem Andenken leben.
Bechtolds Tot hat auch ihr den Totesstoß versetzt, ich wußte es, sie hatte ihn lieb. Hat sie Dir davon erzählt? Ja oftmals, es war ihr eine Erleichterung davon zu sprechen.
Eine kurze Pause trat ein. Dann zog der Ziegeuner einen Gurt und wollte Tzargos eine Rolle Goldgulden übergeben. Derselbe weigerte sich dieses anzunehmen, Aber mit leisem Zwange brachte ihn der Ziegeuner dazu.
Ignaz, sprach er liebevoll, Ignaz meiner Schwester Sohn, nimm es getrost, es ist ein Erbteil von deiner Mutter, welche du nie gekannt hast. Ignaz, ich sehe ein, ein echter Ziegeuner würdest du doch nicht werden. Bleibe deshalb hier. Für dich und deine kranke Frau ist dieses Geld, laß sie pflegen. Was Schafehüten wird deine Küche nicht allzufette Bissen sehen lassen. Noch einmal, mein Ignaz, meiner Schwester Murza Sohn, sobald wir unfern Plan ausgeführt haben, verschwinden wir Ob ich dich noch mal sehen kann, weiß ich nicht. Also lebe wohl, du Enkel der alten Ziege nerkönigin Monika. Tzargos bat den Ziegeuner
klimatischen Verhältnisse bedingten Situation. Es herrscht noch immer die Zeit der Dürre, welche die Hererws förmlich an die Wasserstellen feftnagelt und sie in einzelne Werste auslöst. Aber auch die deutschen Truppen, wiewohl unsere Proviantversorgung mit Hilfe der Konserven eine gün, igere ist, haben nicht die nötige Bewegungsfreiheit, um eine grosse Energie zu entfalten. Gerade mit Rücksicht auf die Lage im Norden mag auch Friedrich Maharero, einer der Großleute unter den Koffern, nach dem Witboilande gezogen fein, um zur Zeit der Regenperiode den Kriegsschauplatz wieder an den Waterberg zu verlegen. Im Süden ist die Lage für bis Aufständischen günstiger, als am Waterberg, weil die Fluß- läuse dort für das erforderliche Waffer sorgen, sodann weik auch wegen des festungsartigen Charakters der Gegend reichs Gelegenheit zu einem Kampfe aus gedeckter Stellung gegeben ist. Diese Gefechtsvorteile der Hottentotten werden deutlich dargetan durch
unsere überaus starken Verluste
bei den Kämpsen der Abteilung Meister. Gefallen sind Majors Freiherr von Nauendorff, Hauptmann von Krüger, Leutnant Oberbeck, Leutnant von Vollars-Bockelberg und 15 Mann^ verwundet find Leutnant Lautenschläger, Leutnant v. Kleist, Leutnant Donner, Leutnant v. Neubronner und Leutnant Helbig, außerdem 45 Mann. Die Bekanntgabe der Namen verzögert sich, weil der Heliograph überlastet ist. Leide« scheint auch der Gesundheitszustand unserer Truppen nicht der beste zu sein, denn es ist wieder eine Anzahl von Typhustodesfällen vorgekommen. Im Uebrigen kennzeichnet de« Bericht des Majors Meister leider
ein düsteres Bild über die Lage bei Stamprietfontein.
Major Meister selber gibt zu, daß er seine Angriffe aus Mangel an Munition nicht ausnutzen konnte und daher nach seinem Standorte zurückgehen mußte. Auch die Meldung des Generals v. Trotl-a. daß der Heliograph wegen der Anord-, nungen über die taktischen Interessen und über die Verproviantierung überlastet ist, eröffnet einen wenig angenehmen Ausblick in die Zukunft.
Der Krieg in Ostasien.
Während es nach vor wenigen Tagen im russischen Hauptquartier zu Mukden als sicher angesehen wurde, daß Marschall Oyama trotz eventueller Verstärkungen durch die freigeworbenen Scharen Nogis vorläufig nicht an eine Offensive denke, heißt es jetzt, daß
neue Kämpfe am Liavfluß erwartet
werden. In Eilmärfchen sind bereits starke japanische Trup- Pen-Abterlungen nach Norden dirigiert worden. Aus Mukden wird dazu gemeldet:
Neue jqpamsche TrupPWabteilungen treffen, vom Süden komend, ein, die hauptsächlich dazu dienen sollen,
um Gotteswillen, an dem Grafen Barmherzigkeit zu üben und ihm kein Leid antun.
Der Ziegeuner, als er sah, daß Tzargos noch weiter bitten wollte, schnitt dieses Bitten ab mit den Worten: Der sterbenden Mutter habe ich geschworen ihre Rache zu übernehmen. Dann schritt er rasch der Gegend dec Hermannsburg zu. Diese wurde seit dem Verschwinden der Familie Nikolay, als eine Unglücksstätte gemieden. Umwege wurden von den Leuten gemacht, nur um sie nicht zu sehen. Deshalb konnten die Ziegeuner sich dort ungestört verbergen.
Der Graf war als ein kranker gebrochener Mann nach Reckenberg zurückgekommen. Was er heute gesehen und erlebt, es war zu viel auf einmal. Tagelang lag er in Fieberphantasien. Schwere Tage lagen auf Reckenberg, zumal auch Graf Egmont von Eppe selbst krank lag.
Die Ziegeuner umkreisten das Schloß. Bis vor die Tore von Reckenberg wagten sie sich. Als sie die schwere Krankheit dessen, den sie suchten erfahren hatten, gedachten sie auf das Schloß den roten Hahn zu stecken. Urban aber als Haupt und König der Bande, litt es nicht. Herr von Eppe hatte der Mutter Urbans, der alten Monika, viel Gutes getan, deshalb durfte er in das Ausinnen seiner rohen Gesellen nicht willigen.
Wochen sind vergangen. Der Graf von Viermund war so weit hergestellt, daß er es wagen dürfe auszugehen. Die Furcht vor den Ziegeunern hält ihn aber zurück. Einmal wagte er es endlich in den nahen Forst zu gehen, in der Hoffnung, das Warten, sei den Ziegeunern zu lange geworden. Er hatte sich getäuscht.
(Fortsetzung folgt.)