Nr. 59
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3*f«tti**3tM?eW t Die einspaltige Petitzelle für ganz Ober- heffen, die Kreise Wetzlar mA Marburg 16 Pfg. srnst 15 Pfg. Ret la men bie Petllzeile 30 resp. 40 Pfg.
Redaktion «° Hauytexpetttio«r Gießen, Seldersweg 83.
Her«f^echa«fchl«si Nr. 868»
Freitag, den 10. März 1905
Ore Heuer
14. Jahrgang
WweaeweiO^ttU : abgehslt monatlich S0 Pfg., in's HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mk. 1.50. GOMSbeilage« : Oberhesfische Famtlienzeitnug (täglich) und die Siebener Seifenblase« (wöchentlich).
Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
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LT* und seinen in den * ehestens 15 n^^Mng von Übertragung her ^9img durch die ausgeschlossen zu pogchungen, daß "nofuchtiger sorg»
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(Giâ'ner DageNluild
MmSHängige Tageszeitung
(Gießener Deilimg)
für OberHessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Zokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
»Enthält.alle amtlichen Bekanntmachungen der Grohh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhefsen.
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Die COablkrciseinteilung.
Im Reichstag ist am vomgen Schweinnstag ein von freisinniger Sorte eingebrachter Antrag beraten worden, die oerbiiindeten Regierungen zu einer n^uen WahlkL.eiseintei- llmg (ui sauf ändern. Der totrag Untibe abgelehut, nicht weil einte Mehrheit des Reichstags unbedingt dageg-en war, sondern weil feiner der mannigfaltigen Vermittelungsvor- Mäge eine Mehrheit au4 sich bereinigen sonnte.
Als bas Reichswahlgesetz erlagen tou^e, setzte man die • der Reichs tagsabgeordneten nuf 399 fest, und daraus ergab sich, ^atz im Durchschnitt auf je 1004)00 Seelen <ein i Ai'i-pstagsabgeordireter kam. Gleich,? Einwohnerzahl hatten liier auch idw damals die Wahlkreise nicht Man mutzte ’ bei der Bemessung der Reichstag swablrreise sich gewissen po- litiscken Grenzen anpassen. Durfte Lippe oder ein anderes kleines Fürstentum eine Stimme im Bundesrat beanspru- - dien, der nur 50 Mitglieder zählt, so konnte man ihm einen , Sitz unter den 399 des Reichstags nicht versagen, such wenn die Einwohnerzahl eigentlich noch nicht für ein halbes Mandat ausgereicht hätte,
In dem seither verflossenen Zeitraum hat sich die Ein- Mohnerzabl des Reichs außerordentlich vermehrt, etwa um 50 Prozent. Heute müßten wir 600 Reichstagsabgeordnetc haben, sollte einer auf je 100 000 Seelen kommen, oder man muß 150 000 Seelen auf einen Reichstagswahlkreis rech- ■ ■ neu. Die Bevölkerungsv ermeh rimg ist sehr ungleich ge= ■ Wesen. In manchen Bezirken hat sie sich nur sehr unbedeutend, in anderen desto stärker gezeigt. Die Ungleichheiten der einzelnen Rei cbstagswa blkrei se sind dadurch sehr ge
wachsen. Es gibt Reichstagswahlkreise, die weit mehr Wähler haben, als andere Reichstagswahlkreise Einwohner zählen. Das Verhältnis des kleinsten Reichstagswahlkreises lLiPPe-Bückeburg) zum größten âick)stagswahlkreis (Char- • lottenburg-Teltow) ist hinsichtlich der Bevölkerungszahl 1 zu 19.
Man wird nicht behaupten wollen, daß das kein Mißverhältnis sei. Darüber hilft auch der Hinweis nicht fort, daß Hei der Vertretung im Bundesrat Lipve-Bückeburg in un- geliibr dem gleichen Maße günstiger gestellt ist als Preußen. Lik ß sich das im Bundesrat nicht vermeiden, so hätte es doch im Reichstag vermieden werden können. Vereinigen sich zwei und mehr selbständige Fürstentümer zu einem Landgerichts- oder gar Oberlandesgerichtsbezirk, so steht nichts im Wege, daß fe sich auch zu einem Reichstagswahlbezirk zu- xsammentun. Immerhin: es ist einmal versäumt worden, man hat die Ungleichheiten von vornherein zugelasseu, und i man hat damals schon voraussehen können, daß sie im Lauf der Jahre noch mehr wachsen würden.
Allerdings ist in der betreffenden Bestimmung über die Neichstagswahl gesagt worden, daß bei eingetretener Ver- « fchiebung der Bevölkerungsdichtigkeit eine Neueinteilung der »Wahlkreise erfolgen solle. Da aber ein Termin für diese iNeueinteilung nicht festgesetzt worden ist, so fehlt es an einer ; handhabe, die Neueintc.nl ung zu erzwingen. Reichstag^ und Bundesrat müssen in der Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer Blenderung freiwillig Übereinkommen. Solches Uebereinkommen ist ossebar noch nicht vorhanden, nicht einmal der 'Reichstag selbst zeigt eine geschlossene Mehrheit für einen , Dojitiben Vorschlag — so muß es eben bis auf weiteres bei
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dem Vesteheden sein Bewenden behalten. .
All zu schlimm ist das auch majt. Ob ein Wahlkreis hier gespalten, dort vergrößert wird, das ändert im großen nichts. Cs ist auch nicht unbedingt nötig, daß überall die Zahl herrscht und nur die Zahl. Man braucht deren Bedeutung nicht zu verkennen und kann doch der Ansicht sein, daß es noch andere Dinge neben ihr gibt. Organische Einheiten, gerichtlich geworden, sind von der Zahl unabhängig und müssen ohne Rücksicht aus die Zahl behandelt werden. Kreise, Regierungsbezirke, Provinzen sind auch von verschiedener Größe und wollen gleichwohl in ihrer Verschiedenheit beharren, weil sie wirkliche Einheiten bilden, gewissermaßen Individualitäten, denen gegenüber man sich ohne oberste Not keinen Eingriff gestattet.
Dazu kommt noch eins: Mit der Wahlkreiseinteilung ^ängt das ganze Wahlsystem, hängt das Wahlrecht selbst eng Imommen. Wer das bestehende Wahlrecht erhalten zu [eben wünscht, der sollte gerade in jetziger Zeit nach dem warnenden Uatze handeln: quieta non movere, nicht in Bewegung zu setzen, was ruht. Augenblicklich zwar ist das Wahlrecht nicht angegriffen — doch wer weiß, was in der Zeiten Hinter
Iunde schlummert!
Der Huf stand in Deut sch südwe stafrika.
^t^ Noch immer kann General v. Trotha. keine günstiger ^lautenden Meldungen senden. Das Ende der Operationen
ist noch nicht abzusehen, da die Herero sich zerstreut haben unL größere Banden nicht 311 fassen sind. So kann der höchstkommandierende nach wie vor nur von Teil-Erfolgen berichten.
Dem Detachement Zwohl (2. Komp. Regiments 1, 10. Kornp. Regiments 2 und Halbbatterie Stuhlmann) gelang
es irrn 1. März, im Marsch von Gibeon nach dem Hudup eine im oberen Keitsub-Revier, und am 2. März eine in Hudup sitzeirde Bande von etwa 100 Witbois und Bastards zu überfallen und auseinanderzusprengen. Der Feind verlor sechs Mann, auf unserer Seite gab eS keine Verluste.
Weniger glücklich war eine Patrouille von 2 Mann, die am 3. März von Gibeon aus Verbindung mit dem Detachement Zwohl suchen sollt-e und aus nächster Mähe von etwa 10 Hottentotten beschossen wurde. Ein Mann blieb tot, der andere entkam zu Fuß, obwohl von 9 Kugeln getroffen, erreichte am 5. März die Station Hernans und ritt am selben Tage nach Gibeon weiter.
Ein noch schwererer Unfall ereignete sich am 4. März zwischen Zwartfontein und Witkranz. Witbois überfielen hier einen Warentransport, töteten 11, verwundeten 3 von den Unseren. Die 2. Kompagnie Regiments 2 übernahm die Verfolgung des nach Osten und Nordosten abmarschierten Feindes.
Es hat den Anschein, als ob in den militärischen Operationen eine gewisse Zurückhaltung geübt würde, vermutlich infolge der Verpflegungsschwierigkeiten, die noch immer nicht ganz überwunden sind. Oberst Deimling ist bemüht, den Abzug der Witbois zu hindern, die östlich der Linie Aminuis— Arahoab — Gochas —Koas vermutet werden und die wohl die Absicht haben, nach den Karasbergen sich zurückzuziehen.
Hendrik Witboi, heißt es, ist auf britisches Gebiet ent-
"ommen. Das kapländische Afrikauderblatt
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spricht sich mit Entschiedenheit dagegen ans, daß Witboi aus britischem Territorium Asyl finden dürfe. Das würde eine arge Unfreundlichkeit Deutschland gegenüber in sich schließen.
Kuropatkin geschlagen.
In dem gewaltigen Kcunpf bei Mukden ist eine entscheidende Wendung eingetr^en. Kuropatkin hat den Widerstand auf der Schaholinie aufgegeben und befindet sich nach japanischen offiziellen Mitteilungen bereits seit Mittwoch früh auf dem Rückzug nach Norden. Ob es ihm gelingen wird, den nachsetzenden Japanern zu entgehen, ist zweifelhaft. Wie es heißt, ist seine rückwärtige Verbindungslinie ernstlich bedroht.
Ueber diesen neuen glänzenden Erfolg der japanischen Waffen liegt der folgende amtliche Bericht des Marschalls Oyama aus Tokio vor, nach dem
die Russen auf dem Rückzug begriffen sind und hart verfolgt werden:
Die Russen sind in jeder Richtung geschlagen worden. Sie haben Mittwoch früh den Rückzug begonnen, und die japanische Armee ist in energischer Verfolgung des Feindes begriffen.
Vor dem Rückzug, den die Russen unter dem Schutze der Dunkelheit antraten, legten sie Feuer an große Mengen Vorräte, die dann die Nacht durch verbrannten. Darauf zogen sich die russischen Truppen von ihren Stellungen am Schaho und vom linken Flügel auf die Befestigungslinie am Hunho zurück
Mulden geräumt.
Der Kampf konzentrierte sich immer mehr auf die Hauptstellung bei Mukden selbst, das von Kuropatkin zu einer richtigen Festung gestaltet worden war. Doch scheint es nach den vorliegenden Berichten, als ob Kuropatkin sich nicht der Gefahr einer Einschließung habe aussetzen wollen und die Stadt nur so lange gehalten hat, als es unbedingt nötig war, seinen weiteren Abzug nach Norden zu decken. Aus Petersburg wird gemeldet:
Infolge der Beschießung der Stadt Mukden durch schwere Belagerungsgeschütze wurde die Räumung aller Proviantmagazine notwendig, und die Russen zum Rückzug gezwungen. Kuropatkin schlug sein Hauptquartier am Mittwoch bereits neun Werst nördlich von Mukden auf. Es heißt, der Zar habe ein Telegramm von Kuro- Patlin erhalten, worin der General mitteilt, daß er unter dem Drucke überwältigender feindlicher Streitkräfte gezwungen worden sei, seine letzten Stellungen aufzugeben und sich nach Norden zurückzuzièhen.
Seit vier Tagen dauerte das furchtbare Ringen westlich von Mukden an. Der Kanonendonner machte schon längst die Mauern der Stadt erzittern. Die Kaisergräber, das Heiligtum des chinesischen Volkes, sind durch die Kriegs- furie, die gerade um sie herum am stärksten wütete, zum Teil in Trümmer gelegt worden. Immer näher konzentrierten sich die Japaner um die Stadt. Ihr besonderes Ziel bildete die Eisenbahnlinie nördlich Mukden?, die sie in ihre Gewalt bringen wollten, um den Russen den Rückzug abzuschneiden.
Die Russen von der Hauptbahn abgeschuittcn.
Nach einem Neutertelegramm ist ihnen das auch gelungen. Aus Tokio wird vom 9. März gemeldet:
Die Japaner haben die Eisenbahn nördlich von Mulden abgeschnitten. Jetzt bleiben den Russen für^dcn Rückzug nur die Landstraßen und die Kleinbahn Fuschun— Ticlin übrig.
Wenn sich diese Nachricht bestätigt, so sieht es für die Russen recht traurig aus. Die Landstraßen sind in einem Zustande, daß sie einer geschlagenen Armee die schnelle Zurückfiibrung ihres Materials absolut nicht gestatten, und die Unterstützung durch die Kleinbahn ist auch nur sehr gering zu veranschlagen. Kuropatkins Rückzug muß daher als äußerst gefährdet angesehen werden. In Petersburg kursiert denn auch bereits das Gerücht, daß Kuropatkin umzingelt sei.
Oyama schont Mnkdcn.
Um die Heiligkeit der Stätte zu ehren, aus der die Kaiserliche Dynastie Cbainas enlwrossen ist, und um Frieden und Ruhe der chinesischen Einwohner Mukdens aufrecht zu erhalten, hat Marschall Oyama, als er am 8. März den Be-^ fehl zur Aufnahrne der allgemeinen Verfolgung gegeben bat, seinen Truppen aufs strengste verboten, innerhalb der Uni- wallung der Stadt O.uartier zu nehmen. Das ist eine weiss Mäßigung des japanischen Heerführers den Chinesen gegenüber, die für das künftige Verhalten zwischen Japan und China gute Früchte tragen wird.
Die blutigste Schlacht des Krieges
soll es gewesen sein, die sich am Schaho in diesen letzten zwölf Tagen abgespiett hat. Man beziffert in Petersburg die russischen Verluste auf 830 Offiziere und 33 000 Mann. Noch stärker sind nach Meldungen aus Tokio wahrscheinlich die Verluste der Japaner. Sie werden auf 50 000 Mann geschätzt. Ein Wunder ist das nicht, wenn man hört, mit welcher beispiellosen Verbissenheit von beiden Seiten gekämpft wurde. Das Bajonett fand allerorts reichliche Arbeit, die R'evolverkanonen mähten die Krieger reihenweise. Um jede Handbreit Erde wurde gekämpft, Stellungen im Sturm genommen und wieder verloren, um von neuem mit den schwersten Opfern erobert zu werden. Die Japaner fielen an einzelnen Punkten in so dichten Haufen, daß die Russen aus den Leichen ihrer Feinde Wälle errichten konnten, indem sie einfach Erde darüber schütteten. Hinter diesen furchtbaren Bollwerken gekauert, erwarteten sie dann den neuen Ansturm der Japaner, die todesmutig häufig ein dutzendmal hintereinander den Angriff wiederholten, über die zuckenden Leiber ihrer gefallenen Brüder hinweg.
Siegesjubel in Tokio.
Obgleich der wirkliche Umfang des Erfolges bei Mukden noch unbekannt ist, feierte die Bevölkerung in Tokio bereits gestern den Sieg. Ueberall in der Stadt wurde geflaggt. Die Menge in den Straßen kaufte eifrig die von den Zeitungen hera^isgegebenen Extrablätter. Im .Kriegsministerium und im Generalstab liefen zahlriche Glückwünsche ein.
- Ueber die Bedeutung des neuen japanische,: Erfolges für die weitere Entwickelung des Krieges schon jetzt etwas sagen zu wollen, wäre übereilt^ Vor allem muß man abwarten, wie die Japaner ihren Sieg auszunutzen verstehen. Man darf nicht vergessen, daß Oyamas Heer durch das lange blutige Ringen an der Grenze der Erschöpfung angelangt ist. Ob es ihm gelingen wird, die Verfolgung wirklich kraftvoll durchzuführen, ist deshalb noch zweifelhaft. Jedenfalls ist es vorläufig ein müßiges Prophezeien, wenn man behaupt^'^ der neueste japanische Sieg würde den Frieden herbeiführen.
Allerlei Friedensgerüchtc.
knüpfen sich trotzdem an ihn. In London munkelt man von der Einberufung einer neuen internationalen Konferenz zu. Beendigung des Krieges, ein Gerücht, das den Stempel dee blanken Erfindung trägt. In Paris beißt es. Roschdjest- wenskys Flotte sei umgekehrt, um sich nach Dschibuli zu begeben. Es ist aber auch leicht möglich, daß der russisch" Admiral an diesem Punkt nur das kürzlich von Libau ausgelaufene Geschwader erivarten will.
Die Politik
^odischeMinisterpräsidinm ' ^ Frhrn. V. Dusch, dem
Justizminister übertragen weisen, nachdem Prä- Brauer den aus Ge^'ndhei^sri'icksühten erbetenen Abschied erhalten bat. Herr SugmM, t. Minister des
Innern, fofi das Präsidium ausgeschlagen h.wen. Das Ministerium des großherzoglichen Hauses wirv> Wohl Ministe- rialdirektor v. Marschall übernehmen.
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0" Die Budgetkommission des Reichstags hat die ersten beiden Artikel der Quinquennatsvorlage angenommen. Ein von sozial dcumckrati scher Seite gestellter Antrag auf Beseitigung des Instituts der Einjährig-Freiwilligen wurde ab-
Frankreich
G Die Deputiertenkammer bat das Finanzgesetz angenommen. Die Mehrheit, die für das Budget stimmte, war ungewöhnlich groß: 488 gegen 17. Vor der Abstimmung ereignete sich ein bedauerlicher Zwischenfall: Der Deputierte Baudy d'Asson erlitt, nachdem er eine Erklärung gegen die Politik u l Regierung v?> levu. einen Ohnmachtsanfall und mußte aus mr Saal getraun meiden,
Russland*
A Nach den neuesten Meldungen dauert die Anarchie im Kaukasus an. Die eingeborenen Christen und Moba-