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Nr. 290. Zweites Blatt.

Samstag, den 9. Dezember 1905

14. Jahrgang

3*ferii»aWH*t Die einsaitige Pettt^cUe für gani Oder- Mkn, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Webaf tion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88.

Aer»fprech««fchl»ß Nr. 368.

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UH»«»e»»«tstzretS: abgeholt monatlich 50 Pfg-, in'S Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljâhrl. Mk. 1.5U.

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Das Blatt erscheint an »Dee Werktagen nachmittags.

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Wusste Nachrichten

(Hietzeuer MugeStatt) Mnavstänsise Tageszeitung (Kießener Zeitung)

für Obersten m und die Kreise MarSmg und Wetzlar; Lokalaareiser für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamteè Gießen und anderer Behörden von Oberhege».

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Vermischtes.

89000 Mark für einen Schuß. Ein sächsischer Fabrikant hatte vor einiger Zeit das Unglück, bei einer Treib­jagd, die er veranstaltet hatte, e.nen Jäger zu erschießen, der unberechtigterweise seinen angewiesenen Platz verlassen hatte. Der unglückliche Schütze würbe zwar nicht bestraft, aber von den Hinterbliebenen des Getöteten auf Schadenersatz oerklagt und in allen Instanzen verurteilt. Nunmehr haben Kch die Parteien nach langwierigen Verhandlungen geeinigt and der Fabrikant hat für den Schuß die Kleinigkeit von 89 000 Mark an die Hinterbliebenen zu zahlen. Eine kure Jagd!

= Reiche Getreideernten in Amerika. Ein reicher Erntefegen hat sich über Amerika ergossen, der alle Ergebnisse früherer Jahre erheblich übertrifft. Allein an Korn ist für *43 Millionen Pfund Sterling, also für etina 4800 Millionen Mart geerntet worden. Die übrigen Ernteerträgnisse folgen in nachstehender Reihenfolge: Heu 121 000 000, Baumwolle 115 000 000, Weizen 105 000 000, Hafer 56 4M000 Pfund Sterling. Der Wert der Weizenernte übersteigt den jeder Pieren Ernte in den Vereinigten Staaten um 2 250 000 Pfund Sterling. Die gesamte Ernte erreicht einen Wert von p83 Millionen Pfund Sterling. Riesige Dumpfer mit silnderttausenden von Zentnern Korn, Weizen und Hafer sind Ion Amerika in England eingetroffen.

= Ein erledigtes uraltes Amt. Mit demletzten Hochwächter von Rapperswyl" verschwindet eine uralte Schweizer Einrichtung, deren Aufgabe und Bedeutung sich im Laufe der Zeiten einige Male den Verhältnissen anzu­passen hatte. Ursprünglich hatte der Hochwächter auf dem Gügeliturm, dem alten Schloßturm von Rapperswyl im Hauptstück des Befestigungswerkes,beim Heranrücken ver­dächtiger Horden die Burgleute mit gellendem Horne unter die Waffen zu rufen" oder dann auchfrohlockende Nachricht von der Annäherung liebsamer Gäste zu verbreiten." Später schrumpfte die Tätigkeit des Wächters zusammen. Bei Feuer­ausbruch in der Stadt und zwei Stunden im Umkreis mußte er mit großen und kleinen Feuerhörnern Meldung machen.

= Biribi. Mit diesem merkwürdigen Namen bezeichnet man in Frankreich die Strafregimenter, in die widerspenstige Soldaten gesteckt werden. Diese Regimenter, die unsere Straf­

kompagnie ersetzen, sind meist in Afrika oder noch ferneren tropischen Gebieten unter mörderischem Klima stationiert. Die ganze Mannschaft besteht aus Verbrechern. Man kann wohl auch aus Strafe zu einem solchen Regiment versetzt werden, aber formiert ist dasselbe bereits von vornherein aus Verbrechern und wird immerfort mit solchen ergänzt. Jene Rekruten nämlich, die schon vor Eintritt der Militärpflicht mit den Gerichten zu tun hatten, wegen schweren Diebstahls, Einbruchs oder Totschlags verurteilt wurden, werden alljähr­lich bei der Aushebung ausgeschieden und in streng bewachten Transporten nach Afrika gesendet zum Biribi! Hier wird nicht viel Federlesens mit den Herren gemacht, und neben reichlichen Schlägen ist die Todesstrafe durch Erschießen eine ganz gewöhnliche Disziplinmaßregel.

Vom gemeinen Soldaten zum Nationalhelden. Diese merkwürdige Stufenbahn hat der Schweizer Haus Christoffel durchlaufen, den jetzt Holland in begeisterten Ar­tikeln und mit allen erdenklichen Ehren feiert. Christoffel mußte sein Studium seinerzeit aufgeben und trat als gemeiner Soldat in die hölländische Kolonialarmee ein, die ihn nach Indien schickte. Hier zeichnete er sich derart aus, daß er, nachdem er fünfzehn Jahre bis zum Unteroffizier gebraucht hatte, in wenigen Wochen bis zum Oberleutnant stieg und den höchsten Orden des Landes erhielt. Bei der Rückkehr nach Batavia, von wo aus er die gefährlichsten Unternehmungen gegen die aufständischen Banden der Atjehs mitgemacht hatte, wurde er vom Gouverneur öffentlich gefeiert, und jetzt erwartst Holland den auf Urlaub gesandten Helden, um ihm gleichfalls die gebührende Anerkennung zu teil werden zu lassen.

Hochzeitsreisende als Forscher. Der Attache von der französischen Gesandtschaft in Peking hat mit seiner Frau eine Hochzeitsreise nach der Wüste Gobi unternommen, die sich zu einer äußerst kühnen Entdeckungsfahrt entwickelt hat. Die Reisenden erforschten in der Wüste zwei begrabene Städte und einen bisher unbekannten See. Dann begaben sie sich südwestlich nach Liangchow und am Nordrande des Kuku-nor in Tibet entlang nach der einsamen Salzwüste Tsadjam. Die Quellen des Jang-tsekiang wurden bei 33,58 Grad nördlicher Breite und 9,10 Grad östlicher Länge er­reicht. Die be'den Reisenden hatten unsägliche Beschwerden zu erdulden, führten aber ihr gefahrvolles Unternehmen durch und sind wohlbehalten nach Hause zurückgekehrt.

Der Landwirt.

gm. Die Verwendung von Torfstreu und Torfmull. Verwendet man den Torfdünger im Garten zur Kopfdüngung, in dünner Lage über die eingesäten Beete gestreut, so bleibt selbst bei anhaltendem Regenwetter der Boden lose, und dw Pflanzen gedeihen wunderbar. Nichts ist den letzteren nämlich mehr schädlich als eine fruftige Bo den oberfläche, welche namentlich in tonhaltigem Lande so leicht entsteht. Um Torf­dünger zu erzeugen, ist es auch gar nicht nötig, daß dieses Streumittel in Ställen verwendet wird, sondern man kann in jeder beliebigen Grube die gleichen Erfolge erzielen, wenn die Streu reichlich mit Jauche oder sonstigen'dunghaltigen Flüssig­keiten getränkt wird. Auch in gewöhnlichen ' Düngergruben erhält man auf die billigste Weise guten Dünger, wenn sie entsprechen b mit Torf oder Mllll ausgefiihrt werden. Rtull eignes sich besonders gut für Gärten nnd dürfte sich, getränkt mit Jauche, namentlich auch zur Einstreu in Forstgärteu zwischen Rillensaaten und Verschulungen sehr bewähren.

Ist es lrlug gehandelt, die Kinder;u fingen, den widerlichen gewöhnlichen Lebertran einzunehmen, der zur

Zeit unserer Groheltern Alode war?

Sicherlich nicht,

denn Scotts Emulsion, ein Produkt der modernen Pharniazie und ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung, ist von dem widerlichen Geruch iinb Geschmack des Lebertrans frei und gleichzeitig durchaus leicht verdaulich.

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