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Nr. 34.

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Redaktion u. Hauptexpetttionr Gießen, Gel ter -weg 83. Kernfprechanfchlnft Nr. »«L.

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WL**«emr«tSpreis: abgehslt monatlich 50 Vfg., h# H^us gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljLhrl. Mk. 150. e<eH8beU*ße*: Oberhefftsche FaWNieuz^itnug (täglich) und die Gieße«er Se1fe«blase» (wöchentlich).

Das Blatt erscheint an »lle« Werktagen nachmittags

U«aöhâ«gige H«geszeitung

(Hießener Aerlimg)

Wx Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Metzen und Umgebung.

Enthält alle amtliche» Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheff«.

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Regentschaft in Schweden.

König Oskar von Schweden und Norwegen hat die Re­gierung in die Hände seines Sohnes, des Kronprinzen, gelegt, weil er durch Krankheit verhindert ist, die Regierungsgewalt «mszuüben. Uns geht bar üb er folgender Bericht zu:

Stockholm, 8. Februar.

König Oskar, der am 21. d. M. in das 77. Lebensjahr getreten ist, befindet sich seit Monaten in leidendem Zu­stand. Eine neuerlich eingetretene Verschlimmerung bat ihn heute veranlaßt, die Regierung seinem Sohn bem Thron­erben Prinzen Gustav zu übertragen.

ßönig Oskar hat seit dem 24. September 1872. also über 32 Jahre regiert. Seinen friedlichen Neigungen ent­sprechend, hat er eine ruhige Herrschaft geführt, soweit die zwischen Schweden und Norwegen vorhandenen Rivalitäten das zuließen. Einen großen Teil feiner Kräfte mußte er da­rauf Verwendern die zentrifugalen Kräfte, die auf eine Los- reißung Norwegens von Schweden drängten, niederzuhalten. Diese Bestrebungen tauchten bei jeder Gelegenheit auf, zu­weilen selbst da, wo eine Vereinigung im öffentlichen Inter­esse beider Reichshälften lag. Es fehlte nicht viel, so ent­brannte ein förmlicher Konflikt, weil die norwegischen Sepa­ratisten besondere norwegische Gesandte und Konsuln neben den schwedischen stürmisch verlangten. In den Konflikt, der auf norwegischer Seite oft antidynastischen imb überhaupt antimonarchischen Charakter annahm, wurde vor wenigen Jahren auch der Kronprinz hineingezogen, als dieser wäh- rcmb einer vorübergehenden Abwesenheit des Königs die Regentschaft führte. Nach der Rückkehr des Monarchen wurde durch dessen konziliante Klugheit der Streit wieder beige- logt.

König Oskar hat sich immer als ein Freund der Künste Md Wissenschaften gezeigt. Er war ein Bewunderer der skandinavischen Dichter, die ihm nicht mit freundlicher Ge­sinnung vergalten. Er selbst war eine dichterisch veranlagte Natur. Er hat vor etwa zwanzig Jahren eine Sammlung von Gedichten veröffentlicht, die wohl unbefangenere Aner­kennung gefunden hätten, wenn der Verfasser nicht ein Kronenträger gewesen wäre. Die Gedichte sind übrigens auch in deutscher Uebersetzung erschienen. König Oskar hat zur Stärkung seiner Gesundheit sehr häufig die deutschen Bäder ausgesucht.

Kronprinz Gustav ist nicht als Thronerbe geboren. Er hat einen älteren Bruder, der auf die Thronfolge verzichtete, als er mit Ella Munk, der Tochter eines schwedischen Obersten, sich vermählte. Prinz Gustav, am 16. Juni 1858 geboren, ist Schwiegersohn des Großherzoglichen Paares in Vaden. /

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Der Krieg in Ostasien.

Am Hunho gehen die Scharmützel zwischen den beiden Parteien weiter, ohne daß bisher eine wesentliche Aenderung in der Situation eingetreten ist. Die Hauptaufgabe bei den jetzigen Plänkeleien fällt weiter den Kanone zu. Das

Artilleriefeuer auf der ganzen Front

lrährt weiter an. An mehreren Punkten gingen kleine Ab­teilungen russischer Infanterie zum Angriff über; alle ' wurden siedoch zurückgeschlagen. Die Russen verschanzen sich Ä^r in der Richtung auf Wauchialjuahtzu, Litajenstum, ^yenchcepao und Heikutai

Ueber den Verlauf, den

die letzten größeren Kämpfe

zahmen, liegt jetzt noch folgender eingehender Bericht vor:

emer westen Bewegung nach Süden, die auf dem Obersten linten Flügel durch ein Kavalleriekorps unter general Mrschtschenko unterstützt wurde, suchten die Russen EN Unten wpanychcnr Flügel zu umfassen und gegen die Sahn nach Lrao^ang vorzustoßen. Die vordersten japanischen Stellungen, die anfcfjeinenb nur schwach besetzt waren, fielen m dre Hande der Russen, deren Anstrengungen, weiter nach Osten vorzudrmgen, aber scheiterten. Besonders das mit Feldbefestigungen versehene Dorf Sandepu konnte den Ja- entrissen werden die durch den hartnäckigen Widerstand ihrer Vortruppen die Zeit gewannen, Verstär- bmgcn auf den bedrohten Flügel zu werfen, und sofort zum Gegenstoß übergingen. Es ist jedoch auch den Japanern nicht gelungen, die Russen entscheidend zu schlagen, und augen­blicklich stehen sich die beiden Armeen fast in derselben Linie gegenüber wie früher. Es scheint sogar, daß die RDen ihren rechten Flügel etwas mehr nach Südosten vorgeschoben haben als vor der Offensive. Von russischen Sachverständigen wird die Schuld an dem Mißlingen des Vorstoßes auf Mangel an Fühlung zwischen den einzelnen russischen Ko» lannen geschoben.

Die es heißt, wird an Stell? des Generals Gripenberg, ber sich auf brr Rückreise nach Petersburg befindet, General gcrpihky zum Kommandeur der zweiten Armee in Ostasien ernannt werden.

Donnerstag, öm 9. Februar 1905.

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Die Lage in Russland.

Petersburg, 7. Februar.

Amtlich erfährt man hier jeden Tag, daß die Ordnung völlig wiederhergestellt ist und nirgend mehr auch nur be­droht erscheint. Doch selbst diese amtlichen Meldungen lassen erkennen, daß die Verhältnisse in Wahrheit noch recht weit von einem wünschenswerten Zustand entfernt sind. Daß in Moskau der Ausstand der Kanârbeiter beendet ist, wird ja dadurch nicht weniger erfreulich, daß dieser Abschluß vom Magistrat durch Bewilligung aller Arbeiterforderungen er­reicht worden ist. Ebenso erwünscht ist das Aufhören des Aus­standes . der Apotheker, Drucker und Straßenbahn-Ange­stellten in Jekaterinoslaw. Dagegen läßt die Schlie­ßung der Universität in O d e s s a und in Kasan nicht ge­rade auf unbedingte Wiederkehr der Ruhe schließen. Uebel sieht es jedenfalls in Batu m, wo nur noch in einer ein­zigen Fabrik gearbeitet wird, die Läden geschlossen, die Lebensrnittelpreise außerordentlich gestiegen sind, der Reise- und Frachtverkehr auf der Station Samtredi eingestellt werden mußte und auf eine Strecke von mehreren Kilometern die Eisenbahn beschädigt ist. In Warschau ist es sogar zu neuen Zusammenstößen gekommen. Die Bäcker streiken, die Brauer hat man zur Arbeitseinstellung gezwungen. Die Kohlenpreise sind verdoppelt, das Volkstheater ' ist ge­schlossen. Die Arbeiter haben den Fabrikbesitzern ihre For­derungen formuliert überreicht. Achtstündiger Arbeitstag, Abschaffung der Akkordarbeit und Erhöhung des Arbeits­lohnes stehen voran. Am schlimmsten sieht es in S o s n o - w i cc aus, wo die Zahl der Ausständigen noch immer 40 000 betrügt und die Arbeiter im Besitz von Dynamit und Hand­bomben sind. Die von den Ausständigen bei den Umzügen getragenen Fahnen zeigten die Inschriften:Fieber mit der Selbstherrschaft!"Nieder mit dem Krieg!" In T i f° I i s wurden rote Fahnen umhergetragjen. Es wurde ge­schossen, es gab Verwundete und Tote. Eine Zeitungs- btudiTei wurde zerstört. Seit Samstag feiern die Weichen­steller und Stationswärter der transbaikalischen Eisen­bahnen, div Maschinisten haben ihre Maschinen nicht geheizt und sie verlassen. Ein Militärzug wurde durch Aufreißen der Schienen zum Entgleisen gebracht, nahm aber keinen Scha­den. Alle diese wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zuk- kunyen sind jedoch nur vorübergehende Erscheinungen. Noch einige Wochen und der amtliche Bericht wird die Wahrheit sagen, wenn er allgemeine Ruhe meldet, ganz so wie General Murawiew die Wahrheit sagte, als er telegraphierte: Vordre règne ä Varsovie." Zwar die Nachwirkungen der jetzigen Tage werden nicht ausbleiben aber für augenblick­liche Ergebnisse war die jüngste Bewegung noch nickst stark genug und ist das russische Volk noch nicht reif genug.

Die Freilassung Gorkis verzögert sich. Die erste Meldung, daß der berühmte Schriftsteller aus der Haft frei­gegeben worden, eilte den Tatsachen weit voraus. Es ge- währte schon kurze Beruhigung, als der offiziöse Telegramm­stil jeneMeldung" alsverfrüht" bezeichnete. Man durfte daraus schließen, daß die vollkommene Botschaft sich bald betnahrheiten würde. Inzwischen aber sind Tage und Tage vergangen, und wiederholte Mitteilungen, Gorki sei auf freien Fuß gesetzt, waren zwcrr ebenso wenig richtig, wie die erste, wurden aber nicht mehr der Ehre eines schonenden offiziösen Dementis gewürdigt.

Ganz neu und eigenartig ist eine Demonstration zu Grmsten Gorkis, die von einem Sänger Schaljapin, Mitglied der hiesigen kaiserlichen Oper, ausgeht. Schaljapin, der eine ganz ungewöhnliche Popularität genießt, ist aus der kaiser­lichen Oper ausgetreten, um dadurch seine Sympathie mit Maxim Gorki kundzutrin, mit dem er seit vielen Jahren eng befreunbet ist. . Er ist mit Maxim Gorki, wie man in Deutsch­land sagt, einstmalsauf der Walze gewesen". In Kasan hatten sie sich kennen gelernt. In einer kleinen Stadt zwang sie die Not, sich dem Theaterdirektor für den Chor anzu­bieten. Gorki wurde als Chorsänger engagiert, Schaljapin wurde, als zum Sänger ungeeignet, zurückgewiesen! Die Demonstration ist nicht ohne Bedeutung, denn nächst der Straße ist hier das Theater der beliebteste Schauplatz für Volkskundgebungen.

Diktator General-Gouverneur Trepow hat angeornet, daß an den Petersburger Hochschulen am 28. Februar die Vorlesungen sämtlich wieder beginnen sollen. Die Ablehnenden, sie seien die Minderheit oder die Mehrheit, Studenten ober Professoren, würden relegiert oder entlassen hxrben.

Der Procureur desheilig dirigierenden Synod", P e o' b j e d o n o s z e w, so» wird auf einem Umweg aus Petersburg gemeldet, liegt im Sterben. Er war für Rußland ein unheilvoller Mann.

Russische Reformversprechungen.

Petersburg, 8. Februar.

Aus dem kaiserlichen Erlaß an das Mniftertomitee, der als ein Erlaß zumSchutz der Gesetzgebung" cfyuaFterifiert

14. Jahrgang

worden ist hat man in weiteren Kreisen erst erfahren, baß in diesem autokratisch regierten Land die Gesetzgebungs­maschinerie verwickelter und verworrener ist als man für. möglich hätte halten sollen. Man hat daraus ersannt daß das Selbstherrschertum durch die Macht der Beamtenschaft tatsächlich größere Einschränkung erleidet, als durch die Mb Wirkung eines Parlaments bei der Gesetzgebung der Fall sein würde. Die Ausräumung der im Laufe der Jahre gehäuften Fallstricke und Schlingen, in denen selbst die besten Absichten sich oft verfangen und stecken bleiben mußten, ist eine wahre Herkulesarbeit. Ob sich auch der Herkules finden wird, der die hierzu nötige Kraft hat, bleibt abzuwarten.

Einstweilen werden jetzt Reformversprechungen ebenso getürmt, wie früher Reformhindernisse. Zu den verhei­ßungsreichsten Staatsmännern des Tages gehört neben dem Finanzminister der frühere Finanzministergehilfe Kobuko. Jener hat sich vorgenommen, über Nacht die soziale Frage zu lösen, eine zehnstündige Marimalarbeitszeit bei Tag, eine neunständige bei Nacht sofort einzuführen, die Einführung der Achtstundenarbeit von einem bestimmten Zeitpunkt an zu versprechen; dieser will die Zensur umgestalten, die Präven­tivzensur für Zeitungen aufheben, die besondere geistliche Zensur durch Vereinheitlichung des ganzen Zensurwesens beseitigen, oder wenigstens beschränken. Tas sind prächtige Vorsätze, namentlich soweit sie die deutsche Sozialgesetzgebung 3um Muster nehmen. Doch bis zur Ausführung ist der Weg noch weit, und in den gebildeten Kreisen hegt man die Be' fiirchtung, daß die Reformer bald ermüden und vor den stummen Widerständen der Reaktionäre bald ihre Tatkraft einbüßen werden.

Die Politik ,

^ Unter den Streikenden im Ruhrgebiet macht sich eine starke Strömung gegen die Sieben-erkonrmission geltend, weil diese die Forderungen über Gebühr ermäßigt habe. Man erwartet, daß unter dem Druck dieser Unzufriedenheit die Vorschläge der Siebenerkommission für die heute (Donners­tag) stattfindende Revierkonferenz die Wiederaufnahme der Arbeit kaum proklamieren werden.

Russland*

cf Die Ermordung des finnländischen Senatsprokurarors Johnsson hat neuerdings die Aufmerksamkeit auf die sinn- ländischen Verhältnisse gelenkt. Eben jetzt erfährt man, welche Kosten dem vormals selbständigen Großfürstentum aus der russischen Verwaltung erwachsen sind. In den Jah­ren 1898 bis 1900 haben sich die jährlichen Ausgaben um rund 1% Millionen, in den Jahren 1901 bis 1904 um rund 3% Millionen Mark erhöht Der Gouverneur bezieht ein Fahresgehalt von 660 000 Mar st Die russische Verwaltung hat also bem Ländchen in dem genannten Zeitraum ohne Zu­stimmung der finnländischen Abgeordneten Mehrausgaben von rund 14% Millionen Mark auferlegt. Der Mörder ist ein Sohn des Probstes Hohenthal in Nyrata in Oester­botten.

Balkan-Staats» ,

A Paschitsch bleibt serbischer Ministerpräsident. Er hab für sich und seine Kollegen das Demifsirnsgesuch des Mini­steriums zurückgenommen, daalle Differenzen beseitigt' sind. Zwei Tage vorher fand Paschitsch die Lage unerträg­lich^ namentlich infolge der Hofintriguen. Da der Hof sich nicht geändert hat, so wird man nicht erstaunt sein, wenn die beseitigten Differenzen bald wiederkehren.

Keer und flotte.

Kaiser ° Toaste in alkoholfreien Getränken. Auf eine Anregung des Vorstandes des Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke in München hat das preußische Kriegs» Ministerium entschieden, daß ein Zwang, Toaste in alkohol­haltigen Getränken auszubringen, für die Offiziere nicht bestehe. Die Antwort des Kriegsministeriums schließt uri^ folgenden Worten:Im übrigen kann es der im Fortschreiten befinblidpn Bewegung überlassen bleiben, sich in allen Kreisen mehr und mehr Eingang zu verschaffen."

Die Zweckmäßigkeit einer neuen Feldbekleidung soll dem Vernehmen nach bei einigen Bataillonen ausprobiert werden. Es ist dazu die Farbe des grauen Manteltuches gewählt worden. Als Muster für den Rock ist der blusenartig? Schnitt, der von den Mannschaften der ostasiatischen Besatzungs­brigade getragen wiro, gewählt worden; jedoch haben die Röcke die sich der Klappkragen bei angestellten Versuchen nicht bewährt hat einen niedrigen Stehkragen erhalten. Die Sichtbarkeit der blanken Kiröpfe auf die verschiedensten Entfernungen soll bei dieser Gelegenheit gleichfalls mispro- biert werden; es ist daher eine Vorrichtung getroffen worden, hob diese sowohl verdeckt als auch durchgeknöpft aetraaen werden können. Die Offiziere sollen Wasfenröcke aus glei­chem Stoff wie die Mannschaften und Beinkleider aus grauem Trikotstoff tragen.