Vtt. 158.
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(Gießener GageöL-rLL)
(Gießener Zeitung)
für OLerhsmN und die Kreise MarbMg und Wetzlar; LZkalameèger für Gießen und Umaebuna Enthält alle amtfidicn Bekanntmachungen der Grokh. Bürgermeisterei Sieben unb anderer Behörden von Oberhessen ” ^*
Revolutionäres aus Russland.
Das Interesse konzentriert sich mehr und mehr auf düs meuternde Schiff, den „Fürsten Potemkin". Schon geht das Gerücht, daß es den Verfolgern gelungen sei, den Pa^ zer, der das Schwarze Meer unsicher macht, in die Luft zu sprengen, indessen ist hier doch wohl zunächst wenigstens der Wunsch der Vater des Gedankens. Die Schwarze Meer- Flotte soll aus Sebastopol zur Verfolgung der Meutere'., wieder ausgelaufen sein.
Die Führer des Mcutererschiffes.
Wie man in Feodosia wissen will, wird der „Sürst Potemkin" von einer aus der Schiffsmannschaft gewählten Kommission von sieben Mitgliedern, an deren Spitze der Lotse der Reserve der Kriegsmarine Alexejew steht, befehlet. Die Kanonen befinden sich in gutem Zustande, auch ist £icu= nition genügend vorhanden. Die Besatzung beträgt 750 Mann, auf dem Torpedoboot „Nummer 256", dem getreuen Begleiter des „Potemkin", sind 15 Mann. Offiziere sind nicht an Bord, aber es geht das Gerücht, daß sich unter den Matrosen mehrere ihres Dienstgrades entkleidete Fähnriche in einem Verhältnis wie Arretierte befinden. Ueber beiz Aufenthalt und die letzten Taten des Naubschiffes wird und aus Odessa berichtet:
Der „Potemkin" hat ein ein englisches Kohlenschiff unversehrt aus Feodosia auslaüfen lassen und ist dann selber in See gegangen. Dort traf das meuternde Schiff den der russischen Handelsge' ^ 't gehörigen „Großfürst Alexius", der Vieh nach &ct> h vrl an Bord hatte. Der „Potemkin" hielt das russind ' Schiff an und erzwang die Auslieferung von Vieh, Lebensmitteln und Geld. Man befürchtet einen Ueberfall der Kohlenbergwerke von Heraklca, da es den Meuterern besonders um die Versorgung mit dem Feuerungsmaterial zu tun sein muß.
Die Gärung im Zarenreiche schafft immer merkwürdigere Komplikationen. Vielfach geraten auch die Stadtverwaltungen mit der Militärgewalt in Zwist, und es setzt blutige Zusammenstöße.
Die Kosaken von Tschernigow.
In der mittelrussischen Stadt Tschernigow sind die Ko- fefen derartig wider die koinmunalen Behörden, die in keiner Weise eine revolutionäre Gesinnung gezeigt hatten, aufge
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rieten, daß die StadtvertreLung davon dem Minister des Innern in Petersburg Mitteilung gemacht und zugleich den Gouverneur gebeten hat, die Kosaken abzuberufen. Ueber den Vorfall wird uns aus Tschernigow gemeldet:
Die Vertreter der Stadt hatten sich zur Bildung einer Bürgerwehr bereit erklärt; als sie den Sitzungssaal verließen, griffen Kosaken sie an, und verwundeten von ihnen sowie aus dem Publikum mehrere Personen. Die Kosaken versammelten sich sodann auf Anregung der Polizei vor dem Stadthaus und luden ihre Karabiner, um auf die Menge zu feuern. Nur dank dem Einschreiten des Bürgermeisters bei dem Polizeimeister konnte Blutvergießen verhindert werden.
Es ist sehr bezeichnend für die Zustände im Zarenreich, wenn auf diese Weise die berufenen Hüter der Ordnung Ü^gen die Behörden vorgehen.
Die russische Jungfrau von Orleans.
— Ein Abenteurer als Vaterlandsretter. —
Das Zarenreich zittert in allen Fugen und die Männer am Ruder lassen vergeblich die Stimmen erschallen nach einem Befreier aus der Not der Zeiten. Auf den Feldern der Mandschurei weicht die moskowitische Soldateska un- arifhörlich vor dem Elan der Japaner, am Meeresboden ruhen die Trummer der stolzen Flotte, im Lande selbst Unruhen und offene Empörung an allen Ecken und Enden. Da vare wohl den Machthabern eine alles mit fortreißende Persönlichkeit willkommen, die mit Todesmut das Andreaskreuz siegreich in die Limen des feindlichen Heerbanns trüge die zu gleicher Zeit den Drachen der Revolution mit eiserner ^nb niederzwänge und ihm das drohende, Brand und Ver- nrcfjtung speiende Haupt abschlüge. Und siehe da, der Mann ! iffi da und bietet sich dem leidenden Russenreiche an* ganz umsonst, nur der Ehre halber. Er ist zwar ein etwas an- ' riesiger Held, aber in der Not frißt der Teufel Fliegen. Nach den Ueberraschungen, die in jüngster Zeit fast täglich ben europäischen Westen erstaunt nach dem Reiche PeterS 1 Großen blicken ließen, würde es wohl nicht allzu ver- ^rfenb wirken, wenn die bedrängten Herren in Petersburg Niemand anders
"lwno wirken, wenn die bedrängten He E)t noch nach dieser Hand griffen, miss N,,k,f""K vnit-n......K Afa f
â Rußland retten und rächen, als Ehrenmann Nikolai Slawin, auch unter dem Namen Graf de To u l o u s e ° - a u t r e c bei den Staatsanwälten aller Länder ebenso H^^bekannt wie eifrig gesucht.
Samstag, ven 8. Juli 19u5.
3eferÜ»*<litei»: Die einspaltige deti^eile für ganz Ober- â bk «reife Achl« --»Marbu^ 10 Wfe sonst Ps«. Reklamen Vie PâUe 30 resp. 40 Pfg.
Redaktion u. HauPterpâionrG ie ßen, Selter Sw eg 83.
Aèr»fPrechMtschl»ft Nr. »SS»
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Die Abenteuerlust »t tn dem alten Jrrfnhrer noch un- »ebrochen: er taucht in einer Zuschrift an die „Sslowo" mit einem neuen Plan auf. Vorher gibt er in einer Einleitung eine freme Rekapitulation über seine nicht uninteressante Persönlichkeit Er nennt s ch mit Recht einen „verlorenen Go&n Ruhlands", spricht aber mit Stolz mm seinen rühm- bellen Vorfahren, angefangen von Nikita Ssawin der mit leinen tapferen und dem Thron ergebenen Kameraden Peters des Großen Tochter Elisabeth auf den gesetzlichen Thron ihrer Vorfahren geführt habe. Dann kommt eine Aufzahlung der Ssawins, die sich jn den Kriegen ausgezeichnet haben; zuletzt Nikolai Ssawin selbst, der bei Plewna n Iâhre 1898 als Schwadronsck)ef im spanisch-ameri- tamscheu Kriege verwundet worden ist. War er doch sogar Prätendent auf den bulgarischen Thron. Seine Thron- kandidatur im Jahre 1887 habe zwar durch seilie in Konslan- tinopel erfolgte Verhaftung und durch seine Abführung nach Petersburg ein Ende gefunden. Schade! Denn die Sache sei nicht mehr gutzumachen gewesen: man habe nicht ihn, Ssawin, sondern den „Deutschen" Ferdiiiand auf den ^hron gehoben! Aber der erfindungsreiche Nikolai Ssawin hatte bald darauf ein zweites großartiges „politisches Projekt" ersonnen; es wurde zwar ebenfalls nicht verwirklicht, legt jedoch von dem Weitblick des großen Ssawiii beredtes Zeugnis ab. „Dieser zweite Plan betraf die Einnahme von Korea im Jahre 1893! Eine Besitzergreifung mittels einer Schar von Vagabunden unb Zwangssträf- lmgenl" Dieser geniale Vlan Nikolai Ssawins muß sich noch irgendwo in den russischen Archiven finden, da Nikolai damals dem Kriegsminister und anderen Autoritäten davon gesprochen hat. Ssawin bat nur um die Erlaubnis, mir seinen Vagabunden und Sträflingen (etwa 5000 Mann) von den „Gewehren, dem Geschütz und dem ArMeriepark in Blagoweschtschensk und Chabarowsk gleichsam eigen- mächtig Besitz ergreifen und auf Korea losmarschieren" 31t dürfen! Leider brachte dem großen Patrioten sein kriegerischer Mut damals nichts weiter ein als verstärkte Polizeiaufsicht, was den Gekränkten bewog, nach Amerika zu „emigrieren", wie er sich euphemistisch ausdrückt. Und weiter reitet „Graf Toulouse de Lantree" in seiner Zuschrift das hohe Pferd der hohen Politik in einem Ueberblick über die politischen Verhältnisse im fernen Osten: zum Schluß kommt er dann mit einer Ueberraschung heraus. Nikolai Ssawiu Graf Toulouse de Lautrec will Rußland aus seiner gegenwärtigen Kriegslage retten und an den heimtückischen Japanern Rache nehmen. „Mein Plan ist sicher, verlangt sehr geringe Opfer, und ich nehme das ganze Wagnis auf mich. Mehr als das! Ich bafte mit meinem Kopf für seine Verwirklichung! Ist Rußland nach einigen Monaten nicht siegreich, so mag man mich erschießen! Denken Sie, was Jeanne d'Arc getan hat!" . . . Leider ist aber der kolossale Plan des großen Ssawin noch ein Staatsgeheimnis, das nur „höchststehenden" Personen anvertraut werden soll. —
Der brave Nikolai wird nur durch eine Kleinigkeit von der Verwirklichung seiner edlen Idee abgebalten werden. Es schweben nämlich so zirka ein Dutzend Hochstaplerprozesse gegen ihn. Wenn alle Gerichtshöfe, die nach ihm^verlangen, ihre Rechnung mit bem tapferen Grasen in Ordnung zu bringen in die Lage kommen, dürfte ihm schwerlich Muße zur Verwirklichung seiner Rettungsaktion bleiben. Er müßte denn das Alter des Methusalem erreichen.
Ab^.mals schade! Schade um Nikolai Ssawin und ve- bäuerlich für sein Vaterland.
politische Rundschau.
Deutsches Reich»
* Die Unterredung des deutschen Botschafters Fürsten Nadolin über die Marokkokonferenz mit dem französischen Ministerpräsidenten Roiwier fand Donnerstag statt. Sie erstreckte sich au^ie endgültige Form, die den Mitteilungen gegeben werden soll, welche zu der Zeit ausgetauscht werden, wo Frankreich den Beitritt zur marokkanischen Konferenz vollziehen wird. Nadolin und Rouvier werden in allernächster Zeit wieder eine Besprechung haben. In offtsieuen Kreisen wird erklärt, daß wiederum ein Schritt mehr zum Einvernehmen gemacht fei; es bleibe nur übrig, den enbgui- ligen Wortlaur der Schriftstücke festzustellen, die das Uebereinkommen festsetzen, dessen Grundzüge jetzt schon endguttlg festgelegt sind. Voraiissichtlich wird Frankreich bereits heute oder morgen seine Teilnahme an der Konferenz offiziell Hären — Der deutsche General v. Schenck, der die Million Tatteiibach na$ Fez begleitete, traf in ^i§ ein. ^er General erklärte, die Marokkaner wußten trotz rhres ' timus die Wohltaten der europäischen Zivilisation^zuscha^a und würden die Resonnen willig annehnien. -? übriams in Je; nichts von einer Spannung zwilchen Fran 30K verspürt und sei überrascht gewesen,
als Nachrichten dieser Art aus Europa eintrafen.
• Die mehrfach angekündigte Revision des Krank-nvcr-
-----14. Jahrgang
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Wrfrrm s^® erniedrigt würden. Einbegriffen müsse eine Reform der Krankenverfick;erung sein.
Mü.^^ deutsche Landwirtschasts-Gescllschaft, die in Aachen ihre Tagung abhielt, hat der Kaiser ein Dank- I/ kS ^ ^I dw Begrüßung gesandt, in dem er sagt, die ocutich.cn Landwirte wüßten, wie sehr dem itaifer das Gc- demen der Landwirtschast am Herzen liege.
. ’ ftatflträfllictie Maßregelungen innerhalb der sozialdemo. rrntischcn Parte, anläßlich der Hochzeit des deutschen Siron» Prinzen werden aus Berlin gemeldet. Die Parteiorganisation des 6. Berliner Wahlkreises soll alle Arbeiter, die bei her Domeinweihung und der Vermählungsfeier des Kron- prmzenpaares Spalier gebildet haben, ausgeschlossen haben, auch wenn sie den Nachweis führen konnten, daß sie dieses auf Betreiben ihrer Arbeitgeber getan. — Der sozialdeino- kratische Parteivorstand veröffentlicht einen Aufruf zu Sammlungen für die Opfer der russischen Unruhen.
Der zu Freiburg i. Vr. tagende Deutsche Fleischer-Verbandstag lehnte einen Antrag mit großer Mehrheit ab, nach dem der Fleischerverband die Bestrebungen der Mittelstandsvereinigung anerkenne und den Mitgliedern anraten sollte, sich den lokalen Organisationen anzuschließen. In einem weiteren Anträge sprach sich der Verbandstag für die Abschaffung des zollfreien Grenzverkehrs aus. Für alles aus dem Auslande bezogene Schinalz wurde Deklarations- Pflicht gefordert. Als Stadt des nächsten Verbandsrages wurde Königsberg bestimmt. Im Jahre 1907 soll im An- 'wlnß an den Deutschen Fleischerverbandstag eine internationale Aussprache wegen eventueller Gmindung eines internationalen Verbandes ftattfiuben, zu ivelcher wohl 50 Vertreter des Deutsch-amerikanischen Fleischerverbandes der Vereinigten Staaten erscheinen werden. Als Ort ist Ham- bürg in Aussicht genommen.
0cslm«ctcb-Ungarn
* * Im österreichischen Abgeorduetenhanse haben sich wieder bcschäniende Spektakelszenen abgespielt. Nach Erledigung mehrerer Dringlichkeitsanträge wird die zweite Lesung des deutschen Handelsvertrages beraten. Die Tschechisch-Radikalen beginnen, als der Referent zu sprechen beginnt, zu pfeifen und zu lärmen und auf die Pultdeckel ;u schlagen. Es entsteht ein ungeheurer Tunrult, der sich zu einem Chaos steigert, als der Alldeutsche Stein sein Tintenfaß auf die Tschechisch-Radikalen wirft, das dumpf zu Boden fällt. Wilde Schmährufe werden gegen die Deutschen Don den Tschechisch-Radikalen ausgestoßen. Endlich ermüden die letzteren, und die Beratung über den Handelsvertrag kann ruhig fortgesetzt werden. .
Der Handelsvertrag mit Deutschland wird übrigens zum Schluß der Beratung angenommen.
franhmch»
♦ ♦ Ueber den Erlaß des deutsckeu Reichskanzlers wegen des Rcdcvcrbow für den französischen Sozialisten J-urès schreibt dieser in der „Humanitee": „Dieser Zwischenfall wird in nichts unsere Anschauungen über die Bezieh,ingen „rank- reich? zu Deutschland ändern. Wenn wir seit Zähren Der- langt haben, daß zwilchen beiden Ländern zunächst die Suimnung aufhöre ui ’■ eine Annäherung, sodann em dauer, harter fester Friede eintrete, so haben wir nicht eine ..<mute lang vermutet, daß die deutsche Regierung mit dem16* ’- mus paktieren konnte; aber wir sprechen damit die Ueber, rcnqung aus, daß ein Einvernehmen Frankreichs mit ~eiit|d; taub für den Weltfrieden notwendig sei und die Demoklatie unb das Proletariat sich nur in diesem Fneden entwickel,i könne. Das ist nach wie vor unsere tiefe Ueberzeugung und bte r M)t ickmur unserer Politik. Der Reichskanzlerhatmich nichtals franko LL «iirner sondern als Sozialisten und Kampfgenopen 'KuÄ 's^^ v°n ben deutschen Versand lungen ftrngehalten. Dieser 8«>W^^ unaufhörlich beitragen werden.
.. Prinz Georg von ©riedjentanb ist der Funktion als s«^
Asien. _
bevollmächtigten eine Ansprache «eho ei , m der es be-d
Hmerika.
- An die S'este des verstorbenen oStaâ Ä^ooTÄ lästiger PräsideutschcU-tskondidat.