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Kießener Neueste WacHrichten.

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Kriminal=Roman von Ueinhvld Ortmann

14. Jahrgang.

keiS: abgeholt monatlich 50 Pfq., in^ Haus durch die Post bezogen vierteljährl-Mk. 1.50.

: Oberhesfische Jamilicnzeituug (täglich) ießener Seifenblase« (wöchentliche

scheint an allen Werktagen nachmittags.

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(23. Fortsetzung.)

Margarete, die sich nicht frei von Selbstvorwürfen fühlte, war von diesem Brief sehr schmerzlich berührt; ihre Schwe­ster aber hatte ihn mit lebhafter Freude gelesen, denn erst jetzt war sie wirklich ihrer Ketten ledig und brauchte sich nicht mehr vor einer erzwungenen Rückkehr in die alte, verhaßte Knechtschaft zu fürchten. Ihre Befriedigung wurde vollends zu lautem Jubel, als Frau von Gilsa, die ja über alle Ein­zelheiten ihres vergangenen Lebens genau unterrichtet war, ihr eines Tages eröffnete, daß Professor Bertolini, der beste und gesuchteste Gesanglehrer Münchens, sich bereit erklärt habe, sie unter seine Schülerinnen aufzunehmen, wenn ihre Stimme wie ihre sonstigen musikalischen Anlagen emen gün­stigen Erfolg versprächen. Das Ergebnis der Prüfung war dann trotz der erklärlichen Beklommenheit des junen Mäd­chens ein über Erwarten günstiges gewesen, und nun war sie schon seit einer Woche mitten im eifrigsten Studium, das sie trotz der langweiligen Einförmigkeit der von ihrem strengen Lehrer verlangten Uebungen über die Maßen froh und glück­lich machte. Davon, daß Signor Bertolini gewohnt war, für seinen Unterricht wahrhaft fürstliche Honorare zu for­dern, taub daß er der reichen Frau von Gilsa gegenüber von dieser Gewohnheit sicherlich nicht abgewichen war, ahnte sie zwar in ihrer halb kindlichen Unerfahrenheit nichts; aber die Da. barkeit und beinahe, abgöttische Verehrung, mit der sie an der gütigen Matrone hing, hätte schwerlich größer sein können, wenn sie es gewußt hätte. So rührend waren in ihrer naiven Aufrichtigkeit die Kundgebungen ihrer Liebe für die Mutter des unglücklichen Malers, daß die alte Dame sich in der Tat reich belohnt fühlen mußte für das bei ihrer Vermögenslage immerhin nur geringfügige Opfer.

In Herberts Atelier hatte Jenny seit jenem ersten Be­such keinen weiteren Blick werfen dürfen. Es blieb ver­schlossen wie zuvor, und sie hatte von außen gesehen, daß die breiten Fenster wieder dicht verhängt waren. Ihre lebhafte Einbildungskraft erfüllte diesen verbotenen Teil des Hauses jetzt mit allerlei phantastischen Vorstellungen, und seitdem August Henning das versperrte Atelier ein Sterbezimmer -------a r.~AA« ^Awwln ft« GA Mtn otmoS Tnirfifpn ^riftpTrrS

(Nachdruck verboten.) dir einen Grund dafür angebe; denn denn ich wüßu nicht, ihn dir zu nennen!"

Zärtlich und gleichsam um Verzeihung bittend, legte Frau von Gilsa die Hand auf die seine.

Du weißt, mein lieber Sohn, daß bu nach meinen Willen nur das tun sollst, was dir selbst erwünscht und an­genehm ist. Wir werden also von deiner Abreise erst wieder reden, wenn dir der rechte Zeitpunkt dazu gekommen scheint/'

Ehrerbietig und dankbar führte er ihre Hand an seine Lippen; aber er erwiderte nichts, und seine Schweigsamkerl lag bedrückend wie zuvor auf der kleinen Tafelrunde. Ta trat eines der Mädchen in das Speisezimmer und überreichte Herrn von Gilsa ein eben eingelaufenes Telegramm. Her­bert erbrach es unter dem besorgt auf ihn gerichteten Blut der Mutter, und seine Augen öffneten sich weit, während er las. Er überhörte die Frage nach dem Inhalt der De­pesche, die Frau von Gilsa an ihn richtete, aber nachdem er ein paar Sekunden lang wie in völliger Erstarrung däge- sessen, kam ein Schluchzen aus seiner Kehle, seine Schultern bebten, und es war ein so unsäglich schmerzlicher Ausdruä auf seinem Gesicht, daß Jenny bestürzt vor sich hin auf den Teller blickte, während Margarete weiß wurde wie vas Damasttuch auf dem Tisch.

Herbert um Gottes willen, was ist's was steht in diesem Telegramm?" rief die alte Dame, die Anwesenheil der beiden Fremden völlig vergessend, in höchster Angst. Der Maler aber fuhr mit einem kurzen, schneidenden Auf­lachen, das unheimlich klang wie das Lachen eines Wahn­sinnigen, von seinem Stuhl empor und s/Aeuderte das Blatl auf den Tisch.

Lies selbst, Mutter! Aber nickst ' her, als bis ick draußen bin. Und wenn du mich lieb l folge mir nicht Laß mich nur jetzt nur jetzt allein mu ; - Freude über

dies große, unerwartete Glück!"

Er stürzte hinaus, und es machte in ' " - nemand

einen Versuch, ihm zu folgen. Frau von 5 } nt zit­

ternder Hand nach demTelegramm, aber ihr m u ver-- tfM'UPrtpr Wirf hirfifp umsonst. die Buchstaben ZU W zu-

Ierrimg)

Hen und Umgebung.

Oberhessen.

- zweifelhaft. Vor Taaz sollen übrigens 1 italienische Kriegsschiffe liegen, deren ; der dringenden Aufforderungen der lziehen, sich weigern, dies zu tun, ehe tuung für die kürzlich in Jemen erfolgte alknifdien Untertanen erhalten hätten.

diese Genugtuung bei ihrer jetzigen nicht geben, und so befürchtet man in lich, daß die Italiens den Hafen von tieren werden. '

Russland*

Htbares Attentat gegen einen Polizei. iem Orte, bei Riga verübt. Ein Poli­ährend des Gottesdienstes in der Kirche nit Revolverschüssen niedergemacht. Die

ur.d Gesellselbst.

r besichtigte in Begleitung der Mitglie- Sondermission und einer großen Anzahl tsfestlühkeiten hier anwesenden fremd- auf dem TruppenübnngSplatze Däberitz de-Ulanen-Regiment. An die Besichti- e Gefechtsübung, an der auch ein Ba- de-Grenadier-Regiments unb Artillerie meisten fürstlichen Hochzeitsgäste sind -oßherzog von Mecklenburg-Schwerin n Michael von Rußland hat der Kaiser -euz des Königlichen Hausordens von en.

anmehr die Festlichkeiten am Berliner lenkt man dort an die alljährlich vom ehmende Sommerreise. Wie es heißt,

1905.

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Ar. 133.

Donnerstag, den 8. Juni i905.

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Jufertto^SpreiS : Die einspaltige Petttzeile für ganz Ober- Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. s»nst 15 Pfg. Reklamen die Petttzeile 30 resp. 40 Pfg.

Redaktton u. Hauptexpedition: Gießen, Seltersweg 83.

Kerusprechauschluh Nr. SSL.

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(Hießener Tageöratt)

14. Jahrgang

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Abon«eme«tsprelS: abgcholt monatlich 50 Pfg., in'S Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jâhrl. Mk. 1.50. Gratisbeilage«: Oberhesfische Aawilienzeitnag (täglich) und die Gieße«er Seife«blase« (wöchentlich).

Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

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Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Iettnng)

für Oberhessm und die .Kreise MelâArg und Wetzlar; Lokalauzei^er für Gießen und Umgebung.

______________giltst ggf nmtlichcn BckanninMhmMn der Großh. Bürgermeisterei Gicßn! und andere^ehördenvon Oberhessen.

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Ertra-Vlatt

Gießen, 8. Juni, 8 Uhr abends.

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Die Beratung der Geschworenen, die sich um 6 Uhr zurückgezogen hatten, dauerte knapp eine Stunde. Der von dem Obmann Pächter W et ß.Hof Graß, unter atemloser Spannung, verkündete Spruch der Geschworenen lautete:

Der Augektagte Oscar Hudde ist fchuldia de» Raubmordes sowie de» Eiubrnchsdieb- stahls in fâuf JLlle«. Der Angeklagte Otto Walter de» Giubruchsdlebst-hlS in zwei Fällen unter Versagung mildernder Um­stände.

Das Publikum, das Kopf an Kopf den Zuhörer­raum füllt, nahm den Wahrspruch auf Raubmord mit stürmischen Bravorufen auf. Der Vorsitzende rügte das scharf und ließ die Angeklagten hineinführen. Beide waren scharf in Ketten geschlossen. Hudde zeigte auch jetzt seine Kaltblütigkeit, und verfolgte starren Blickes die Verlesung des Urteils, als er aber den Schuldspruch vernahm, wurde er ersichtlich bleich und atmete tief auf, zuckte aber mit keiner Wimper.

Ober-Staatsanwalt Theobald beantragte gegen Hudde

Todesstrafe

und Aberkennung dec Ehrenrechte und für die Diebstähle

15 Jahre Zuchthaus.

Gegen Walter unter Einrechnung der bereits gegen ihn erkannten Strafen eine Gesamtzuchthausstrafe von 8 Jahren, sowie 10 Jahre Ehrverlust und Zulässig­keit der Polizeiaufsicht.

Die Geschworenen bejahten betr. Huddes sämtliche Schuldfragen. Das Gericht verurteilte Hudde wegen Raubmordes und s^werer Einbruchsdiebstähle zum Tode, 12 Jahren Zuchthaus, dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Zulässigkeit der Steünna unter Polizei- aussicht

Keller'sche Druckerei, Gießen.