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Erstes Blatt

Nr. 236.

-Mferti««-prei-1 Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober- Mfen, die Kreise Wchlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.

Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Redaktion u. Hauptexpedition: Gießen, Seltersweg 83.

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Musste Machrichten

(Gießener Gagevtatt)

Unabhängige Hageszeitung

(Gießener Zeitung)

für Oberhefsm und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhcisen

politische Rundschau.

Deutsches Reid),

* Nach Ablauf der Sommerferien hat der Bundesrat seine Sitzungen wieder ausgenommen. Der Gesetzentwurf wegen Sicherung der Bausorderungen ist in der ersten Sitzung den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden. Gestern si..d die Ausschüsse des Bundesrats in Gegenwart Der Finanz- minister der Bundesstaaten zur ersten Beratung der Ent­

Würfe einer Reichsfinanz-Neform gcsetzen zufammengetreten. Die Möglichkeit beschleunigt werden, anträge liegen vor.

und von neuen Steuer- Beratungen sollen nach Zahlreiche ^bänbcrunc>

.Wtln einen ge. W in di? rechte d führe mit dem Bewegungen nach 5 gestreckten 5srm )r sich hin in eine lldcn Bewegungen zuhatten. Dieses ^ einigen Togen, weiben die Regel fit krampfhaft zu einzig und allein ts au^uüben ist, ht aber a/s Presse

Lee war zu An- Ratzisier zu Cab Englünd. Unge­il hübsches, iW§ ü war und die er inen großen Teil aurough zubrachte, ;s Herzens sein zu Morgen bis zum also der verliebte ie Gesüh/e seines M M WK 'M achtete, halb Krfe einzunch- r sich, so bewies eit. Ihr Vater und hatte stets ütig, um unter- geschützt zu über, die natur genug, um ,â imb mehr samt bereit p er wenig ober erbruB bar* Strickzeug aus e Aenntmsse M ichen die m der einem ^ befanden N cn'p2 b*

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* Zu dem angeblichen Vnrenkomplott in Deutsch Südwcf - afrika, an dem der Neffe des berühmten Generals de Wet Lj» teiligt sein sollte, äußert sich der Schwiegervater des Her^n Andries de Wet, Herr Oberstleutnant a. D. Hagedorn. Ec schreibt, Andries de Wet sei infolge schwerer Erkrankung auf einer Reise von Anfang Mai bis Ende August nicht in Windhuk gewesen. Er könne deshalb an einem Anschlag gegen die deutschen Behörden gar nicht beteiligt gewesen sein. Falls Umtriebe in seinem Hause borgefommen seien, so müßten diese nur aus der unfreiwilligen Abwesenheit de Wets erklärt werden. Er sei aus Ueberzeugung Deutscher geworden. Am 24. September telegraphierte de Wet, daß es ihm gut gehe und am 30. September auf eine Anfrage, daß alles in Windhuk zur Aufnahme von Frau und Kiud in Ordnung sei. Nach diesem Telegramnc hatte de Wet Schwierigkeiten mit Der Negierung nicht, er würde sonst Frau und Kind nicht zurückkommen lassen.

Aus Deutsch-Oftafrika berichtet Graf Götzen, daß einige Dörfer zwei Tage südlich von Dar-es-Salam durch Näub.r- i e.nden geplündert worden seien, die auch eine Polizeiab^ i- nlng angegriffen haben. Die 8. Kompagnie von Kleist ist , dorthm abgerückt. Morogoro ist durch Hauptmann Frhr.

-Wangenheim und ein Detachement Marine-Infanterie . uiio Kibuta in den Matumbi-Bergen von einem anderen x$etadicment Marine-Infanterie besetzt worden.

^^ungen des Deutschen Kolouialkongres, s sird Durch bedeutsanl Vorträge ausgefüllt. So sprach in den Plenarsitzungen u. a. Pros. Rathgen-Heidelberg über die Auswanderung als weltgeschichtliches Problem, und Gene- ralleutnant z. D. Liebert über die politische, militärische und bolkswirtschastliche Bedeutring einer starken Seemacht. In den Abteilungssitzungen wurden von fachmännischer Sei.e die mannigfachsten Fragen erörtert, so die Baumwoll-Frage m den deutschen Kolonien, die Bekämpfung des Typhus Während des Herero-Aufstandes u. a. m.

*

* Der Gesetzentwurf über die Ausgabe von Neichsva "= noten zu 60 und 20 Mark ist in der letzten Session des Reichstages unerledigt geblieben. Reichsbankpräsident O. Koch deutet imBankarchiv" an, daß der Gesetzentwurf 'n der nächsten Tagung des Reichstags vermutlich in unveni :- derter Gestalt wieder vorgelegt werden wird.

«

* Den deutschen Anspruch auf den Motenbau in Mare 'o ote französische Regierung anerkannt. Es war das r

Stadttheater in Gießen.

Die große Leidenschaft.

Lustspiel in 3 Akten von Raoul Auerheimer.

^^

Raoul Auernheimer ist, Gott weiß wie, in den Besitz ! eines eigenartigen ZaubertrankS, sozusagen Elixiers für ehe­liche Treue und Liebe gelangt, und er macht aus seinem herzen absolut keine Mördergrube über die Zusammensetzung «dieses köstlichen Arkanums. Es ist kein Geheimmittel, sondern Auernheimer braut eS ganz offen vor aller Augen zusammen; ja er tut sogar noch mehr, er demonstriert sofort die Wirkungen seines Trankes, die denn auch ausgezeichnete sogar über Erwarten ausgezeichnete sind. Man bedenke blos einmal: Um den ehelichen Qualifikationen feiner hypermodernen Frau einen festen Bestand zu geben, führt der Ehemann ihr mit Absicht den Hausfreund zu. Etwas apart die Idee, aber wenn man Gemütsmensch wie Fabrikant Arnberg ist, geht das. Frau Sophie Arnberg ist eine moderne Frau, die dichtet und malt und in allerlei halbverstandenen Gedanken herumtappt. Selbstverständlich ist die Ehe überwundener Standpunkt, d. h. wenn man verheiratet und recht gut ver- £ heiratet ist. Natürlich gebraucht Frau Sophie für ihre Talente Bewunderer und für ihre übrigen Neigungen ein Objekt. Das erste gelingt ihr nur halbwegs, das zweite ber ganz, denn der Maler Adrian Streit, der ein rechter Hwerenöter ist, schneidet ihr über Gebühr die Kur, und 1 Knall und Fall verliebt sie sich in ihm. Die Sache geht wider Erwarten gut, die Verliebten brauchen nicht einmal Tchwierigkeiten zu übersteigen, sondern der Herr Gemahl

Samstag, den 7. Oktober 1905.

Gießener

Ieittc ll ocl) ausstchcndc der verschiedenen Punkte, um die , i bie Zerhaudlmrgen drehten. Die spanische Regieruilg hat das , Programm der Marokko-Konferenz und den Ve-'- schlag, diese in Algee ras stattfinden zu lassen, angenginme

c

* Der SandersvertragsvereK beabsichtigt, Ende bieR 5 Monats in Berlin eine Versammlung der zu ihni gehörig, i Elnzelmitglierer und kaufmännischen Vereine einzuberufen um die <z-rage der Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zu Amerika einer öffentlichen Erörterung zu unterziehe n Dazu wird halbamtlich geschrieben:Man fragt sich unwi .- turlich, wem das nützen soll? Die Regierung ist über Wunsche und Bedürfnisse der heimischen Iudiistrie seit langer Zeit vollitandig auf dein Laufenden: die Verhaiidlungcn Mit driiben sind im Werke; jede öffentliche Kundgebung hier wurde entweder gewisse Prätentionen auf der ander n Seite erhöhen oder Verärgerung schaffen. Mali lasse .ie Regieriing rilhig gewähren. Ohne regierungsfreundlich zu sem, wird man doch in diesem Fall bediiigungslos zugeben müssen, daß die Regierung alles aufbieten wird, um r heimischen Arbeit Schutz angedeihen zu lassen und ihr die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt zu wahren."

* Die Nachwahlen für den Landtag des Mrstentul. S Schwarzburg-Rudvlstadt haben zwei Sitze an die Sozial­demokraten gebracht. In Zukunft setzt sich darnach c.r Landtag aus acht bürgerlichen und acht sozialdemokratischen Abgeordneten zusanuuen.

* Großes Aufsehen erregt in der Ostmark der Berka cs dreier Rittergüter an einen Polen. Der Kurator der Li v nitzer Ritterakademie Graf Kospoth hat als Bevollmächtig! r der Landrat von Vuddenbrockschen Erben deren drei Ritter­güter Osten, Honig und fürstl. Niefken, zusammen 1670 Hektar, an den Großpolen Martin Biedermann für zirka 1 100 000 Mark verkauft. Tie Güter waren alter deutscher Besitz. Nach der kürzlichen Rede des Kaisers hatte man solche Verkäufe nicht mehr erwartet.

Hften,

** Ueber die Beeinflussung des japanischen Finanzwesens durch den Krieg äußerte sich Graf Okuma. Nach der bi ständigen Zurückziehung der japanischen Truppen wird ie Schuld Japans sich auf 2500 Millionen Jen belaufen-. Der ° Steuerbetrag auf den Kopf der Bevölkerung ist vor dem Kriege vier Jen gewesen; jetzt beträgt er zwölf Jen; Die Nationalschuld hat vor dem Kriege zwölf Jen Pro Kopf be­tragen, nach dem Kriege beträgt sie fünfzig Jen. Zur Ver­zinsung der Staatsschuld sind pro Jahr 150 Millionen Jen erforderlich. Es ist das ungefähr das Doppelte der Staats­einnahmen vor einem Jahrzehnt.

Russland.

* * Die Vorbereitungen zu den Wahlen zur Reichs-Duma Ererben eifrig betrieben. Der Minister des Innern hat die Gouverneure angewiesen, dafür ^orge zu tragen, daß die Veröffentlichung der Wahllisten nicht später als am 28. Ok­tober erfolgen und die Behörden und Amtspersonen, be­sonders die Landeshauptleute und die Landpolizei sich jeder Einmischung bei den Wahlen enthalten sollen. Inzwischen zeigt sich die Negierung für die Hebung des Verkehrs tätig. Es wird geplant, eine Tampferlinie, die mit dem Nord­deutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie konkur- höchsteigener Person drängt sie einander förmlich auf, während er selbst einen schneldigen Flirt mit der reizenden Beate markiert. Die Wirkung ist die gewünschte: Frau Sophie wird auf Beate und der Maler Adrian Streit auf den Fabrikanten Arnberg als Liebhaber Beatens eifersüchtig. Das Ende vom Liede ist, Arnberg erhält seine bekehrte und jetzt furchtbar in ihm verliebte Frau wieder und Adrian Streif der seinen Bonvivant ablegt, bekommt Beate. Der Schluß ist allgemeines Wohlgefallen, die Kur hat gut an­geschlagen. Die Idee, die dem Dichter vorgeschwebt, ist eine erhabene: Ein Ehemann will seine exzentrische Gattin zur Ehe erziehen. Das Mittel aber, das junge haltlose Weib einem gewissenlosen Lebemanne auszuliefern, ist gerade- S frivol. Der Aufbau ist im ganzen genommen ein ge- ickter, die Handlung bewegt sich kräftig vorwärts, nur hie und da möchten wir, namentlich im Abstieg, einige Abstriche machen, i m die Höhepunkte der Szenen wirkungsvoller ein­ander zu nähern. Die Reisepläne am Schlüsse hätte der Dichter sich überhaupt sparen können. Er greift damit zu einem Mittel, das einen platten theatralischen Effckt darstellt und auch schon sehr abgegriffen ist.

Die Regie des Direktor Stein go etter hatte das ihrige getan,Die große Leidenschaft" wirkungsvoll über die Bühne gehen zu lassen, was ihr denn auch bis auf einige kleine Schleppungen gelungen ist. Von den Darstellern ver­dient besonders Rudolf Goll hervorgehoben zu werden, der ein Prachtexemplar vom Gemütsmenschen aus fklvkm Fabrikanten Arnberg gemacht hatte. Mit vornehmer Zurück­haltung führte er sein fein nuanziertes Spiel durch.

14. Jahrgang

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Dae £lait er^ eint an alle« Verklagen nacbmilu^,

vieren soll, von Libau oder Riga nach Newyork ins Lebeir zu rufen. Wie den Mächten in gleichlautendeit 9/oten mitgeteilt ist, hält sich die russische Regierung nicht ver­pflichtet, Entichädigungen an Ausländer oder Einheimische zu zahlen, die durch die Unruhen geschädigt worden sind. Daher denke die Regierung auch nicht daran, die in Baku geschädigten Ausländer zu befriedigeii. Tort imD in Tiflis ist die Unsicherheit noch immer eine große. So wurde in Tiflis ein Waggon der elektrischen Straßenbahn durch eine Bombe zertrümmert, die von Tataren auf das Geleise ge­legt war. Zahlreiche Passagiere erlitten Verletzungen. Auf den Kreispolizeiches Saikin des Gouvernements Sardtos wurde im Dorfe Kliutschi, das er auf einer Inspek­tionsreise besuchte, ein Attentat verübt. Fünf Individuen, als Arbeiter verkleidet, feuerten auf Saikin Revolverschüsse ab un^ verwundeten ihn tödlich. Die Täter entkamen..

Hmcrika.

* ' Der KefiA des amerikanischen Ministers Tast in soll einer amerikanisch-japanischen Annäherung gegolten haben. Tie japanische Regierung soll die bestimmte Er­klärung abgegeben haben, daß sie nicht die geringste Absicht habe, die Interessen Amerikas in den Philippinen oder sonst wo im fernen Osten anzutasten. Nach dieser Erklärung hält man ein Einvernehmen Amerikas mit den Tendenzen bev englisch-japanischen Vertrages für gesichert. Aus Newyork wird abermals gemeldet, daß Präsident Roosevelt bei der nächsten Prälwentenwahl nicht mehr kandidieren werde.

Rof und Gesellschaft

/\ Zur Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares be­willigte die Stadtverwaltung in Waldenburg 25 000 Mark zur Gründung eines Kinderheims. Die Anstalt soll den NamenWilhelm-Auguste-Stiftung" führen.

*** Aufs neue gehen Gerüchte um, daß die Verheiratung der geschiedenen Großherzogin Melitta von Hessen mit dem Großfürsten K yrill von Rußland stattgefunden babe. Wie verlautet, soll die Vermählung in dem HotelRussischer Hof" in München durch einen russischen Popen und einem koburgischen Standesbeamten vollzogen sein.

*** Die Enthüllung des in Nürnberg errichteten Denk­mals Kaiser W'lhelms L findet am 14. November statt. An der Feier nehmen der Kaiser, die Kaiserin, der deutsche Kronprinz nebst Gemahlin, Prinzregent Luitpold und mehrere bayerische Prinzen, sowie der Großherzog und die Großherzogin von Baden teil.

*** Der frühere bayerische IustiMinister von Leon- r o d ist in München gestorben.

Soziales Leben.

4= Der Kampf in der Berliner Elektrizitätsindustrie. Die Parteien nehmen von beiden Seiten eine abwartende Hal­tung ein; wichtige Veränderungen in der Lage sind nicht borgefommen. Ein Teil der Arbeiterführer soll die Fort­führung des Streiks für aussichtslos halten und die Auf-.- nahme der Arbeit durch die ursprünglich streikenden SOO Arbeiter befürworten. Einer Anzahl alter, nach Ansicht der Vorgesetzten zuverlässig erscheinenden Arbeitern sind Schreiben von den Werkmeistern zugegangen, in welchen die Erwartung ausgesprochen wird, daß sie heute zur Arbeit

IsTfriebe Bohrhammer nahm ihre Frau Sophie zu oberflächlich und farblos, nur Ausgangs des zweiten und anfangs des dritten Aktes trieb sie die Partien ganz gut heraus. Frau Bohrhammer muß die seelischen Bewegungen besser nach außen verarbeiten. Lily Donecker gab ihre Beate in guter Auffassuug und Durchführung. Sie war namentlich im naiven Teil ihrer Rolle sehr glücklich und natürlich, sodaß der hypermoderne Backfisch im ersten Akte nicht so recht dazu passen wollte. Reinhold Lütt­joha n n spielte den Adrian Streit, den er besonders in den letzten Partien gut traf. Zu Anfang verlor er dadurch, daß er das Cynische des gewissenlosen, frivolen Bonvivants nicht genügend berücksichtigte. Hiervon abgesehen, war sein Spiel sehr lebensvoll. Das Haus spendete reichen Belfall.

Zum Schlüsse tobteDieBanausevschlacht", eine eine einaktige Groteske von Leo Lenz, über die Bühne. Es geht ungemein burlesk zu in dieser Banausen schlacht, es ist darin sehr viel von Hinauèwerfen und großem Geld­beutel die Rede. Schließlich aber bleibt der noch größere Geldbeutel Sieger und alles geht nach tem Wahrwort: Auf einen groben Klotz . . . Den Brauereibesitzer Theodor Tullrnger spielte Adolf Lippert in komischer Weise Man konnte ihm trotz seines Geldsackes und seiner noblen Emnchtung ordentlich die Hefe aus dem Volke auriechen. Wi lelmine Schellenberg gab seine Tochter ganz nett als reifere Schönheit. - Den Maler Dr. Oskar Reimers stellte Rudolf Goll als den vollendeten, sicheren Weltmann dar, der für seinen Idealismus warm eintritt. DaS Stück fand gleichfalls den Beisall des HauseS. 6. H.