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Nr. 183.

^^rttsvSpreiS t Die einspaltige Petit-eile für ganz Dber- MMi, He Kreise Wetzlar tmb Marburg 10 Pfg. sonst 16 Pfg-

Reklamen tzie Petit-eile 36 resp. 40 Pfg.

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Ar»«kiion u. Hauptexpetzitio» : Gießen, Geltersweg 88. Ker»sPrechMAschl«ß Ar Hl.

(Gießener Gergevtâ)

Mnaöhängige Tageszeitung (Oi-tzener Zeitung)

Entbält alle omHidicn Bekanntmachimqen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberbesten

Reichs- und Staatsangehörigkeit.

Als das neue Deutsche Reich geschaffen wurde, brachten es die Verhältnisse mit sich, daß manche Dinge nur eine vor­läufige Ordnung erfahren konnten, ihre endgültige Gcledi gung der Zukunft überlassen werden mußte. Was nicht dringlich war, das wurde verschoben. Das Dach des Reiches musste vor allem hergestellt werden, in Eile, beinahe noch im Kriegslärm; auf Putz und Zierrat bedacht zu sein, hatte man weder Zejt noch Laune. Ging es nicht anber§, so traf man provisorische Einrichtungen, und mehr als eine von diesen ist zu unerwartet hohen Tagm gekommen, ist bis zu dieser Stunde in Geltung geblieben und hat sich so einge­bürgert, daß man an ihre Aenderung kaum noch denkt. Was damals'nicht als eilig angesehen wurde, das war deswegen nicht etwa unwichtig, es war bloß keine im Augenblick zu er­füllende Forderung.

Eben jetzt ist im Werke, das Staatsangehörigkeitsgesetz vom 1. Juni 1870 einer Revision zu unterziehen. Die dabei vorherrschende Absicht geht dahin, die Wiedererwerbung der Reichsangehörigkeit zu erleichtern, den Verlust der Reichs­augehörigkeit nicht so leicht wie bisher eintreten zu lassen. Es wird aber notwendig sein, bei der Revision auch noch einen anderen Umstand in Betracht zu ziehen, der nicht ohne Praktische und ideelle Bedeutung ist.

Zunächst sei an die Tatsache erinnert, die den wenigen geläufig sein wird, daß es eine direkte Reichsangehörigkeit mit sehr geringen Ausnahmen überhaupt nicht gibt. Man ist in der Regel nicht Deutscher an sich, sondern bloß weil man Preuße, Bayer, Sachse, Württemberger, Lippe-Schaum- burger, Lübecker ist. Wer Angehöriger eines deutschen Einzelstaates ist, der ist Reichsallgehöriger. Die ReichS- anaehörigkeit ist gewissermaßen ein Akzessarium, eine Zu­gabe zur Staatsangehörigkeit und kann von dieser nicht ge­trennt merben. Dem entspricht es auch, daß es ein Gesetz über die Geltendmachung des Rechtes als Deutscher über» Haupt nicht gibt, und daß die Frage, ob jemand ein Deutscher ist, von den Einzelstaaten zugleich mit der Frage entschieden wird, ob der betreffende ein Preuße, Bayer, Sachse usw. ge­blieben ist oder zu sein aufgehört hat. Wem die Eigenschaft als Angehöriger eines Einzelstaates zugesprochen ober ab­erkannt wird, über dessen Reichsangehörigkeit ist zugleich in demselben Sinne entschieden toorben. Da die Entschei­dung von den Einzelstaaten und ihren Behörden ausgeht und in den Einzelstaaten nach verschiedenen Formen geordnet ist mov ganz selbstverständlich und richtig ist, soweit die Staatszugebörigkeit in Frage kommt so fehlt es an einem einheitlichen Verfahren und an einem einheitlichen Recht be- üglidi der Feststellung der Reichsangehörigkeit, und das ist unzweifelhaft ein Mangel. Daß über die preußische Staats- angeborigkeit preußisches, über die bayerische Staatsange­hörigkeit bayerisches Recht entscheide, ist vollkommen in Ord­nung; es entspricht aber ebenso sehr der Ordnung, daß Reichsrecht die Reichsangehörigkeit bestimmte. Wie gegen» wartig^die Dinge liegen, kann es boHcmm-en, daß in dem einen Staat die Reichsangehörigkeit genau unter denselben Verhältnissen verweigert wird, unter denen sie in einem an­deren Staat zur Anerkennung gelangt. Weder ist eine Ein­heitlichkeit gesichert, noch ein Mittel gegeben, eine Reichs- Instanz in einer Angelegenheit anzurufen, die doch unzweifel­haft elne Relchsangelegenheit ist. Unb dabei haben wir ein Bundesamt für das Heimatwesen!

nicht einmal so weit zu gehen, daß man die einzelstaatliche Zuständigkeit für die StaatsangehöriakeitS- frage ^llig ausschaltet und die Reichszuständigkeit etwa ~,rcS d?s Bundesamt für das Heimatwesen an deren Stelle fett Es scheint uns nicht völlig stichhaltig, wenn zu zu deisen Gunsten gesagt wird, daß die Reichsangehörigkeit immer die Hauptsache sei, die Staatsangehörigkeit nur in Zweiter Linie stehe. Das Reich steht einmal auf dem föde­rativen Prinzip und deshalb scheint es nicht geraten. irgend ein emzelstaatliches Recht einzuschränken, das dem Gemein­intereste nicht widerspricht. Es konnte ganz gut sein Bewen­den bei der bisherigen Einrichtung behalten, wenn jemand unmittelbar einem Einzelstaat beitreten will Da- gcgne müßte eine Reichsinstanz dem offen stehen, der un- mittelbar Reichsangehöriger werden, unmittelbar bic Reichsangehörigkeit erwerben will.

Freilich ist im Grunde damit nur ein doppelter Weg zur ltlichsangehörigkeit und zur Staatsangehörigkeit aufgetan uw wie jeder mit der einzelstaatlichen Angehörigkeit zu­gleich die Reichsangehörigkeit erwirbt, so erlangt jeder Reichsangelwricw vermöge des vom Jndignat handelnden Sitten Paragraphen der Reichsverfassung zugleich die Staatsangehörigkeit in iebem Einzelstaat, in dem er sich nie­derlassen mag. Diese Zweitürigkeit, sozusagen, besteht' aber schon ohnehin. sogar eine Vieltürigkeit; denn wer heute Preuße und damit Deutscher geworden ist, für den besteht kein Hindernis, alsbald die bayerische oder die sächsische Staatsangehörigkeit in Anspruch zu nehmen, und umgefebrt Dagegen wird durch die vorgeschlagene Neuerung erreicht daß bie Erlangung der Reichsangehörigkeit als solche ein- Jülich geregelt wird, daß bei ihrer Erteilung nach einheit. lieben Grundsätzen verfahren wird.

Montag, Sen (. August 19ub.

^d^EMentSprei» : abgehvtl monatlich 50 Ptq., tn'^ r«u- ße rächt 60 Psg., burd? die Post bezogen viertel jâhrl.Mk. l ^i. Gratisbeilage, r Oberhesfische Famttte«zettu«p (täglich) und die Otetzeuer Eeife«blase» (wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Ftendrik Mitboi im felde.

Es bestätigt sich, daß Hendrik Witboi aufs neue gegen die deutschen Streitkräfte zu Felde stellt. Seine Anwesenheit mit starken Streitkräften ist am Tsascheib, einem zwischen bem Hudup und dem Keitsub nach dem Leberflusse führen­den Revier. festgestelll.

Es bleibt nichts übrig, als nun einen regelrechten

Angriffskrieg gegen Witboi, der jedenfalls feine Stellung stark verschanzt haben wird, zu unternehmen. Dazu aber sind Vorbereitungen nötig, die Zeit erfordern. Es wird darüber berichtet:

Generalleutnant v. Trotha ist im Begriff, seine Trup­pen zum Angriff auf Witboi zu versammeln. Die Aus- fühtrung dieser Truppenverschiebnng wird mit Rücksicht auf die weiten Entfernungen erst in der zweiten Hälfte des August beendigt sein. Auch die unbedingt erforder­liche Auffüllung der Magazine wird erhebliche Zeit bean­spruchen.

Der Vorstoß gegen Witboi nimmt alle Mäste in An­spruch, so daß gegen Morenga inzwischen nur schwächere Truppenteile zur Beobachtung stehen bleiben. Inzwischen nimmt der Kleinkrieg seinen Fortgang.

Ueberfall einer Station.

Die kleinen Stationen sind stets lieberfallen seitens der Hottentotten ausgesetzt? lieber einen derartigen Kampf, der erfolgreich für unsere Truppen verlief, wird gemeldet:

Am 28. Juli überfiel eine kleinere Hottentottenbande die von 6 Mann besetzte Station Gainaichos, 25 Kilo­meter nördlich Berseba. Nach einstündigem Gefecht zog der Feind unter Verlusten nach bem nahen Hornkranz ab.

Aus deutscher Seite wurden 1 Reiter schwer, 3 Reiter leicht verwundet.

Angesichts der bevorstehenden schweren Kämpfe ist wie­der von der Absendung

neuer Verstärkungen

in beträchtlicher Zahl die Rede. Wie indessen versichert wird, liegt es bislang nur in der Absicht der maßgebenden Kreise, Ende August einen größeren Transport von 800 Mann nach Südafrika abgehen zu lassen, der die üblichen Ergänzungen für Abgänge in dm letzten vier Monaten aus­macht.

Der Krieg in Ostasien.

In Amerika teilt man nicht die pessimistischen Auffassnn gen über den Friedensschluß, die vielfach in Europa laut werden. Wenn aber der Friedensversuch scheitern sollte, so werde nicht die Frage der Kriegsentschädigung, sondern die der Gebietsabtretung entscheidend sein, da Rußland sich schwer entschließen könne, sich als besiegt zu bekenn^.

Ein Schreiben des Zaren an Roosevelt.

Minister Witte überreichte dem Päsidenten Roosevelt ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers von Rußland, wel­ches die Ansichten des Kaisers über die Umstände enthält, auf Grund deren er die Friedensbedingungen beurteilen und ihre Annehmbarkeit prüfen werde. Dieser Schritt des Kai­sers, den er als Zeichen seiner freundschaftlichen Gesinnung für den Präsidenten ge^an hat, beeinträchtigt aber in keiner Weise die Vollmachten Wittes.

Tie bevorstehende Schlacht.

Nach verschiedenen Meldungen stehen die vorgeschobenen Wachtposten der Russen südlich vom Bunten innerhalb Ge- wehrschußweite. Ein baldiger Zusammenstoß wird als un- ve.rmeidlich angesehen. Baron Oyama hat sich in den letzten Wochen ausschließlich mit Konzentrationen und Verschiebun­gen seiner Streitkräfte beschäftigt, so daß anzunehmen ist, die Vorbereitungen zu einem entscheidenden Schlage seiei am Endpunkte ar gelangt. Die linke Flanke bildeten bi Armee Nogi und das Kavallerie-Detachement Tamura, daS Zenb.nim die Armeen Oku und Nodzu sowie die Kavallerie unter Okijama, die rechte Flanke die Armee Kuroki. Auf dem äußersten rechten Flügel sind die Truppen Kama- muraS, in Korea steht die Armee Hasegawa, in Reserve ein Korps untsr Nissi.

Vom Seekriege.

In der Hoschkewitschbucht befindet sich ein japanisches Beobachtungsgeschwader, das aus einem Kreuzer unb, vier Torpedobooten besteht. Zwei russische Torpedobootsz-erstörer erschienen gegenüber Chung-Ching im Norden von Korea und griffen das kleine japanische Handelsschiff Keisho-Marn an. Sie gaben 60 Schüsse ab, wovon sieben das Schiff in den Maschinenraum trafen. Der Kapitän und ein Schiffs­junge wurden getötet, zwei Matrosen verwundet. Die Tor­pedobooteszerstörer dampften sodann in der Richtung nach Wladiwostok ab. Die russische Wladiwostokflotte lebemt alw immer noch die Kraft zu kühnen Handskreicben zu haben, wie dieses Durchbrechen der japanischen Blockade zeigt.

_____14. Jahrgang

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politische Rundschau.

Deutsches Reich,

.. * Der Kaiser wird am Dienstag in Posen sein und dort Mrff16^©«^ vornehmen. Am Donnerstag

Mtft der Kaiser in Wilhelmshöhe bei Kassel ein Wenn Konrg Eduard von England den Wunsch ausspricht,aus sei. ^ 'Relle nach Manenbad den Kaiser zu begrüß 1° wird ent Wunich hosllchcrweye Folge gegeben werden, wozu übrigen» der Aufenthalt in Wilhelmshöhe bequeme Gelegen- yeit bietet. Die Anregung aber kann nur vom König Eduard Misgehen Wenn kürzlich in einer Berliner Zeitung behaup. lct und als ausfällig hervorgehobcn worden ist, das; König Eduard schon allen europäischen Monarchen in ihren Haupt- stadtm Besuch abgestattet habe, so ist das unzutreffend, Kö­nig Eduard ist seit seiner Thronbesteigung weder in Stock- Holm noch in St. Petersburg gewesen, und Zar Nikolaus II. ist ebenso wie Kaiser Wilhelm II. sein Neffe.

^ach Meldungen des Gouverneurs sind Unruhen in Deutsch-Ostafrika ausgebrochen. Die Eingeborenen der Mo­tumbiberge nördlich von Kilwa haben in dem an der Küste gelegenen Orte Ssamanga verschiedene Handelshäuser ver­brannt. Die beiden Kompagnien aus Lindi und Dares- salaam sind nach Kilwa beordert.

Die preußische Eisenbahnverwaltung beabsichtigt eine Vermehrung der U-Zuge. Auf verschiedenen Strecken sol­len solche Züge neueingeführt werden, um den seit längerer Zeit in dieser Hinsicht laut gewordenen Wünschen nachzu- fommen.

* Zwischen dem deutschen Votsck)after in Paris, Fürsten Radolin, und Herrn Rouvier finden fast täglich Konferen­zen über die Marvktofrage statt. Das Rouviersche Programm wird in einigen Punkten noch Ergänzung finden, obwohl Herr Rouvier meint, daß die Erfahrungen der Praxis denen, die guten Willens sind, die beste Anleitung zu Abänderungen ini einzelnen geben werden.

* Von französischer Seite ist der Wunsch ausgesprochcp worden, die Gebeine der in Deutschland verstorbenen franzö- stschcn Kriegsgefangenen nach Frankreich überführen und dort gemeinsam bestatten zu lassen. Kaiser Wilhelm hat ver­fügt, daß die Uebergabe unter militärischen Ehren erfolgen solle.

* Zu den im Anschluß an den lippischen Erbfolgcstrcit entstandenen Prozessen wird jetzt mitgeteilt, daß Minister Gevekot keine Klage gegen den Abgeordneten Hoffmann er- hoben hat und nach seiner eigenen Erklärung auch nicht zu erheben gedenkt.

* Ein erfreulicher Rückgang in der Kriminalität für das Jahr 1903 gegenüber dem Jahr 1902 ist von der Statistik ermittelt worden. Im Deutschen Reich haben im Jahr 1903 wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichsgesetze 505 353 Verurteilungen stattgefunden, während im voraufgegange- neu Jahre die Zahl 512 329 betrug. Von der Abnahme um 6976 entfallen 3000 auf Diebstähle und 2500 auf Kör­perverletzungen. Das Verhältnis von verurteilten Männern und Frauen mit 84,1 und 15,9 ist ziemlich unverändert ge­blieben. Der Anteil der verurteilten jugendlichen Personen (12 bis 18 Jahre alt) ist von 51 046 auf 50 219 ober 10,0 auf 9,9 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Rückfälligen von 218 879 auf 219 803 oder von 42,7 aus 43,o Prozent gestiegen. Der Rückgang in der Zahl der verurteilten ju­gendlichen Personen ist vielleicht schon der Wirkung des Fur- forgeerziehungsgesetzes zuzuichreiben.

* Die Maß- und Gcwichtsvrdnung, die in der vorigen Reichstaassession nicht erledigt worden ist, soll in der näch­sten wiederkehren, aber nicht in ganz unveränderter Gestalt. Auf die Absicht einer Aenderung deute die Rundfrage der Kgl Normaleichungskommission an die Handelskammern, ob es ratsam sei, die Eichpflicht für Branntweinfässer m der Maß- und Gerichtsordnung sestzulegen. In den Handels- freifen ist man nicht gegen diese Eichpflicht, besonders weil die meisten Fabrikanten ihre Fässer ohnehin eichen lasten. Doch hält man eine dreijährige Nacheichung nicht sur not­wendig eine vierjährige reiche aus. Auch wünscht man die Fässer von ISO Liter Inhalt von der Eichpflicht ausgenoni- men da diese Fässer oft vom Ausland komnien und ohne Umfüllung weitergegeben zu werden pflegen. Hier wurde die Eichpflicht erhebliche Belastung zur Folge haben.

Russland,

* lieber die Beschlüsse des Ministcrrates zur Vcrfoffiings. Rcfcrm deutet, baf; sie öen Forderungen der Semftwo» 'inmTirh weit entgegenkommen tollen. ^n F I n l a N o werden Semenilrationen gegen eitlen Beschluß des Zaren vorbereitet der eine Petition des Fmlandischen «engte- gu- rückwelst in der gegen die Ucberwe.sung politischer Verbre- eher an die Kriegsgerichte Proie.t erhoben wurde.