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Nr 2u9.

Z«sertio«spreis: Die einspaltige Pelitzeile für ganz Ober- Hessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Redaktion u. Haupte Spedition: Gießen, Selter sw eg 83. ^erusprechauschluß Nr. 362.

Mittwoch, den 6. September 19u5.

Gie Unter

___14. Jahrgang

Abo««emeutSpreiS: abgedoir monatlich tu Pfc-.. in'H HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljâhrl. Mk. 1.50. Gratisbeilage« : Oberheffifche Familievzeitnag (täglich) und die Gießener Seifenblasen (wöchentlich)

Tas Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Devese Machrichlen

(Gießenev Mgevratt) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gietze« und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekauntwachnrrg.

Um das rechtzeitige Eintreffen auf dem Parade- feld zu ermöglichen, wird am 8. September d. Js. von Gießen um 5 Uhr 25 Min. Vorm, ein Sonderzug nach Vilbel (Ankunft 7 Uhr 2 Min. Vorm.) abgelassen, Ler mit Ausnahme von Kirch-Göns und Dortelweil auf allen Zwischenstationen hält. Vilbel mußte als Endpunkt des Sonderzuges vorgesehen werden, weil die Station Bonames durch den Verkehr von und nach Frankfurt a. M. außerordentlich in Anspruch genommen wird. Aus gleichem Grunde werden auch die mit fahr­planmäßigen Zügen aus der Richtung Gießen kommenden Paradebesuchec im eigenen Interesse gut tun, Vilbel als Aussteigestation zu wählen und von hier aus die Rück­reise anzutreten, da sie in Bonames mit Schwierigkeiten zu rechnen haben werden.

Zur Rückfahrt steht ebenfalls ein Sonderzug zur Verfügung; Vilbel ab 1 Uhr 20 Min. nachm., Gießen an 2 Uhr 59 Min nachmittags. Aufenthalt auf allen Zwischenstationen.

Ein weiterer Sonderzug fährt von Friedberg nach Homburg v. d. H. (neu), Abfahrt: 6 Uhr 43 Min. vormittags; Ankunft: 7 Uhr 36 Min. Vorm. Außer in Saulberg Aufenthalt auf allen Zwischenstationen.

Die Sonderzüge führen die H. und III. Wagcn- klasse; es kommen Karten des gewöhnlichen Verkehrs nach und von Vilbel bezw. Homburg v. d. H. zur Ausgabe.

Näheres ist aus den auf den Stationen ausge­hängten Fahrplänen zu ersehen.

Frankfurt a. M., den 4. September 1905.

König!. Eisenbahndirektion.

Dev endgültige friedensvertrag

In verhältnismäßig kurzer Zeit haben die Rechtsbei- stände der japanischen und russischen Kommission in Ports- mouth den Text des Friedensvertrages fertiggestellt. Die Ratifikation durch den Zaren und den Mikado soll spätestens in fünfzig Tagen stattfinden, doch kann mit der Unterzeich­nung durch die Delegierten die Friedensakttou als abge­schlossen gelten. Offiziell soll der Wortlaut des welt­geschichtliche Bedeutung in sich tragenden Vertrages erst später bekannt gegeben werden, doch gibt ein in Paris ein­getroffenes Telegramni die in 15 Haupt- und 2 Zusatzartikel e/ ^geteilten Stipulationen bereits detailliert wieder.

Zunächst werden nach dieser Depesche die Namen der Friedensunterhändler aufgeführt, und es wird festgestellt, daß eine Einigung zwischen ihnen erzielt worden sei. Dann wird die Wiederherstellung des Friedens und der Freundschaft zwischen den Herrschern, Staaten und Unter­tanen beider Länder anerkannt. Rußland gibt zu, daß vom politischen, militärischen und verwaltungsrechtlichen Standpunkte aus die Interessen Japans in Korea vorherrschend sind, und wird sich nicht Maß­nahmen der Leitung, des Schutzes und der Aufsicht wider­setzen, die Japan in Korea in Uebereinstimmung mit der koreanischen Negierung anzuordnen für nötig erachtet. Die russischen Unternehmungen in Korea genießen die gleichen Rechte wie die Unternehmungen von Staatsange­hörigen anderer Länder. Die gleichzeitige Räumung der Mandschurei wird dann näher auseinander­gesetzt. Die dort durch Privatleute erworbenen Rechte bleiben unberührt. Die russischen Pachtrechte auf Port Arthur, Dalny und die angrenzenden Gebiete und Gewässer gehen gänzlich auf Japan über. Grunderwerbungen und Anrechte russischer Staatsange­höriger werden davon nicht betroffen. Rußland und Japan verpflichten sich gegenseitig, allgemeinen, alle Nationen in gleichem Maße berührenden Maßnahmen, die China zur Hebung des Handels und der Industrie in der Mandschurei treffen könnte, keinerlei Hindernisse in

den Weg zu legen. Die m a n d s ch u r i . Eisen­bahn wird bei Kuang Tscheng Tse zwiE^ Rußland und Japan geteilt. Beide Abschnitte dürfen :mr im Interesse des Handels und der Industrie verwendet werden, ane, behält Rußland in seinem Bahnteile alle durch sein Ueber­einkommen mit China für den Bau dieser Bahnlinie er­worbenen Rechte. Japan erwirbt die Gruben, für die seine Teilstrecke den Verkehr vermittelt. Privatiinter- nehmungen werden dadurch nicht berührt. Beiden Par­teien wird gänzliche Handlungsfreiheit auf dem expro­priierten Gebiete eingeräumt. Rußland und Japan ver­

pflichten sich, ihre Bahnstränge bei Kuang Tscheng Tse zu verbinden. Die Teilstrecken müssen derartig verwaltet wer den, daß für den Handelsverkehr zwischen ihnen keine Schwierigkeiten entstehen Rußland tritt an Japan den südlichen Teil von Sachalin bis zum 50. Breiten­grade mit den Inseln, die dazu gehören, ab; die Freiheit der Schiffahrt in der La Perouse- und der Tataren-Straße wird gewährleistet. Die freien russischen Ansiedler in Sachalin behalten alle ihre Reckrte, ohne ihre Nationali­tät zu ändern, aber Japan kann die Verschickten aus- n^tfen. Rußland verpflichtet sich, einen Vergleich abzu­schließen über die Fischereigerechtsame der Japaner im Japanischen-, Ochotskischen- und Behrings-Meer. Ruß­land und Japan verpflichten sich, den Handelsver­trag, wie er vor dem Kriege bestanden hat, zu erneuern mit einigen Abänderungen, darunter befouA rs die Be­stimmung, daß Rußland und Japan sich gegenseitig di. Reecke der meistbegünstigten Nation zugestehen. Rußland und Japan verpflichten sich zur gegenseitigen Rückgabe der Kriegsgefangenen und zur gegenseitigen Bezahlung der ihnen für den Unterhalt der Gefangenen entstandenen wirklichen Kosten, die durch Belege nachgewiesen werden müssen. Der Tert des Friedensvertrag'es für die Russen ist in französischer, für die Japaner in entführ Sprache abzufassen; in fhveiseic-^llen mit der französische Wort­laut als maßgebend gelten. Die Herrscher der beiden Staaten nehmen die Ratifikation des Vertrages inner­halb fünfzig Tagen vor. Nach der Unterzeichnung soll durch die Vermittelung der Botschaften Frankreichs und der Vereinigten Staaten der javanischen und der russi­schen Regierung telegraphisch mitgeteilt werden, daß die Ratifikation bewilligt In dem ersten Zusatzartikel wird bestimmt daß die Räumung der Mandschurei durch die beiden Armeen innerhalb 1 S Monaten voll endet sein muß, und zwar sollen die Truppen her v->n Linie den Anfang machen. Nach Ablauf der Na 'mu.igs- frist dürfen beide Parteien nur 15 Soldaten auf den Kilometer zur Ueberwachung der Eisenbahn znrücklassen. Nach dem zweiten Zusatzartikel soll die Absteckung bei Grenze zwischen Japan be^w. Rußland gehörigen Teilen der Insel Sachalin durch eine besondere Kommission an Ort und Stelle erfolgen.

Soweit der Vertrag, besten Bestimmungen sich also mit dem vorher Bekannten ziemlich decken. Von einem Bünd­nis zwischen N u ß l a n d u n d Japan ist darin nicht die Rede. Das war wohl auch trotz der Gerüchte in dieser Beziehung nicht zu erwart"".

Die Delegierten in Portsmouth hielten Abschieds- .'Mpfänge ab. Baron Nomura empfing seine Gäste im Hotei Wentworth. Auch Minister Witte erschien nebst den übrigen Tuffen. Aus Rußland trafen orthodoxe Geistliche ein, um an der Stelle des Friedensschlusses Dankgottesdienste abzu« halten. Zwei aus Washington angekonrmene lederne, mit Gold beschlagene Schatullen sind zur Aufnahme der für den Zaren und den Mikado bestimmten Exemplare des Fricsens- oertrages vorgesehen.

Portsmouth wird nach der Abreise der japanische" u" russischen Diplomaten, der Berichterstatter und der Neu gierigen wieder sein gewohntes Aussehen annehmen, aber es wird einen hervorragenden Namen behalten als Ort des Friedensübli'^s nach einem der größten und blutigsten Kriege der eltgeschichte.

Der (Sldtpoft-Verkebr.

Im Frühjahr nächsten Jahres findet wieder ein Weltpost- Kongreß statt. Der neue Kongreß wird vermutlich über die Frage zu entscheiden haben, ob innerhalb des Weltpostver- eins das einheitliche Briefporto von 20 auf 10 Pfennig herabgesetzt werden soll. Die Anregung dazu ist von ver­schiedenen Seiten gegeben worden. Die deutsche Reichspost- Verwaltung hat bisher zu der Frage nicht Stellung genom­men, sie hat sich wenigstens nicht öffentlich darüber ge­äußert. Die Vertreter der deutschen Kaufmannschaft haben sich für die Ermäßigung ausgesprochen. Einzelne Staaten haben sich für eine Herabsetzung des Weltpostportos in be­scheideneren Grenzen, von 25 auf 20 Centimes, d. i. von 20 auf 16 Pfennig, erklärt. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß das deutsche Postporto etwas teurer ist als in vielen anderen Ländern, allerdings auch billiger als in einigen anderen. Das hängt mit der Währung zusammen und mit dem Umstand, daß die Postverwaltung den Porto­betrag abrunden zu müssen glaubte. Wir zahlen in Deutsch­land 10 Pfennig für eine Weltpostkarte, wo der Franzose der Schweizer, der Italiener, der Rumäne, Bulgare, Lerbc nur 10 Centimes oder rund 8 Pfennig, der Engländer nm einen Penny oder 8% Pfennig zahlt. Der Unterschied m nicht groß, aber er macht Millionen aus für die gesamte Auslandskorrespondenz und belastet diese um Millionen Die Reichspostverwaltung wollte keine 8 Pfennig-Karten ausgeben, weil es keine 8 Pfennig-Münzen gibt. Da-- sieht aus, als ob es ein Grund wäre, ist aber kaum mehr als ein Vorwand. Man war wohl der Meinung, um der geringen Einzeldifferenz willen würde keine Marte weniger geschrieben, und im ganzen ergebe sich doch eine hübscht Mehreinnahme für den Postfiskus. Die Meinung in aber

unzutreffend. Der Handel berechnet seine Unkosten sehr genau und must es tun. Er will gern die Zahl seiner Mit- te, ungen vermehren, denn bamit vermehrt er seine Be. Zungen und seinen Absatz. Aber, wie das Sprichwort sagt, ^ie Elle darf nicht länger werden als der Kram, o. h. in diesem ^: der Aufwand darf nicht so groß sein, datz er den erwarteten Vorteil verschlingt. Dabei kommt es reaü sehr auf Kleinigkeiten an. Anerbietungen Ein- ladungen usw geschäftlicher Art werden zu Zehntausenden und Hunderttaujenden versandt, und da fällt schon ein kleiner Aufschlag oder Abschlag ins Geld. Noch jede Porto­ermäßigung hat eine Steigerung des brieflichen Versehr5 sofort und eine Erhöhung des Überschusses für die Post- verwaltung sehr bald zur Folge gehabt. Der deutsche Kauf- mann ist ganz gewiß nicht weniger rührig als der sran- zösische, belgische, niederländische; und doch kommen weit mehr Karten, Drucksachen usw. aus Frankreich, Belgien, Holland zu uns, als von uns in diese Länder gehen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Ursache einzig in der Portodifferenz sucht, die zuungunsten des deutschen Post­verkehrs besteht.

Deutschland bildet hinsichtlich des Postverkehrs mit Oesterreich-Ungarn eine geschlossene Gemeinsä-aft. Tas ist eine der erfreulichsten Erbschaften aus der Zeit vor Schaf­fung des D-eutschen Reichs. Handel und Verkehr haben großen Vorteil daraus gezogen, und der Postfiskus ist da­bei nicht, schlecht gefahren. Damit ist für unserInland- porto" ein Kreis von recht stattlicher Ausdehnung gezogen. Doch genügt ein Blick auf Rußland, um uns zu zeigen, daß es weit größere Gebiete für einheitliches Jnlandporto.gibt, als Deutschland und Oesterreich-Ungarn zusammen bar» stellen. Freilich hat gerade Rußland, hierin wie in den meisten wirtschaftlichen Einrichtungen rückständig, ein Jn- landporto von besonderer Höhe, nämlich von 7 Kopeken oder 15,12 Pfennig, sehr zum Schaden seines Verkehrs und zur Hemmung seines Verkehrsaufschwungs. England dagegen umspannt mit seinem Kolonialbesitz ungefähr die ganze Erde und hat für den Verkehr des Mutterlandes mit den Kolonien, sowie für den Verkehr der Kolonien untereinan­der den einfachen Jnlands-Posttarif eingeführt. Tentsch- land hat dieses Beispiel nachgeahmt. Auch wir verkehren mit unseren Kolonien auf dem Jnlandsportofuß. Ein Bries aus Deutschland nach Teutsch-Südwestafrika, nach Deutsch- Ostafrika, nach Kiautschou und uingekehrt kostet 10 Pfennig Porto. Damit ist erwiesen, daß die Selbstkosten keine Rolll spielen, daß die Unterscheidung nach Zonen eine.überholte Vorstellung ist. Das war eigentlich schon durch den Welt­postverein und das Weltpostporto entschieden. Gab es inner­halb jedes Landes einen einheitlichen Posttarif, so fiel jeder Grund fort, für einen Weltbrief man gestatte den Aus­druck mehr als doppeltes Porto zu erheben, ja das ein­fache Porto für das Ausgangs- und für das Ankunstsland. Wenn nun England und Teutschland Briefe um 10 Pfennig um die gan^e Erde tragen, so ist es nicht mehr logisch, Briefe, die kürzeren Weg zu gehen haben, mit erhöhten Porto zu belasten. Die Zuschüsse, die von Reichswegen für die Reichs- postdampferlinien gezahlt werden, kommen dabei nicht in Betracht. Man weiß, daß diese Zuschüsse allgemeinen Zwecken dienen und keine eigentliche Posteinrichtung sind. Einheitliches Weltpostporto, das mit dem einfachen Inland- porto übereinstimmt, scheint also eine ganz zeitgemäße For­derung.

Wie in solchen Fällen immer, wird der Einwand ge­macht, daß die Ermäßigung des Weltpostportos auf die Hälfte des seitherigen Betrages einen starken Einnahme- ausfall bedingen würde. Fiir die Reichspostverwaltung wird er nach dem ^tanb des Verkehrs im Jahre 1904 auf 9 Mil­lionen Mark berechnet. Das will sagen, daß im Jahr 1904 rund 90 Millionen Briefe von Deutschland aus in die außer- beutfehe Welt geschickt morden sind. Nach allen bisherigen Erfahrungen aber, die bis in die neueste Zeit reichen, wird die Zahl der Weltbriefe nach der Portoermäßigung sofort rapide steigen, wird die Steigerung in ganz wenigen Jah­ren weit über 100 Prozent hinausgegangen sein.

Der gegenwärtige Chef der Reichspostverwaltung, Ex­zellenz Krätke, steht sicherlich den Bestrebungen, die auf Er­höhung des Verkehrs hinzielen, mit herzlicher Sympathie gegenüber. Er wird den Ruhm feiner Vorgänger, mutige Reformatoren und Förderer des Verkehrs gewesen zu sein, auch für sich in Anspruch nehmen und gewinnen.

Nie steht es mit Marokko?

Berlin, 5. September.

KS'är Äfest» SS» Gleichwohl ist dw,H°'fnung durchm.- n ch^E ^ ^ie es zu einer l-'cN'».^^ Leichten, duß in