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Nr. 181.__

Freitag, den 4. August 19u5.

14. Jahrgang

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$&1xlen,ettt**tet$: abgehoN monatlich du Pfg.. in'« Ha«s gebracht 60 Pfg.^ durch die Poft bezogen Vierteljahr!. Mk. 1.50. Gratisbeilage« : Oberhesfische Familienzeituug (täglich) und die Gietze«vr Eeifevblafc« (wöchentlich).

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(Gießener Hageötalt)

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für Oberhefsen und die Kreise Marbwg und Wetzlar; LvkalMZeiger für Gießen und Umgebnna

Entbält alle amtlidien Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Giesten und anderer Behörden von Lberlân

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Der Präsident des russischen MinistersomiteeZ ^ c t r von Witte, der namens des Zaren die Friedensverhand- lungen mit Japan auf amerikanischem Boden führen f-'I, ist am DUttwoch Abend in Newyork eingetroffen und auf der Quarantänestation in landesüblicher Weise von den Repor­tern begrüßt worden. Der russische Staatsmann, der sonst ausgezeichnet zu schweigen versteht, hielt den Versuch für aussichtslos, sich stumm den fragenden Journalisten zu ent­ziehen. Geschickter als die Generale Kuropatkin und Line- Witsch, kam er den Reporterangriffen zuvor, indem er frei­willig enthüllte, was freilich kein Geheimnis mehr war, da er ungefähr dasselbe schon in Cherbourg den französischen Reportern gesagt hatte. Aber auch mit der Wiederholung waren die amerikanischen Berichterstatter zufrieden, die sich wohl oder übel mit der Feststellung der Tatsache begnügen mußten, daß in den Anschauungen, zu denen sich Herr von Witte bekannt, zwischen Cherbourg und Newyork eine Aen­derung nicht eingetreten ist. Man hat auch keine Ursache, daran zu zweifeln, daß Herr von Witte wirklich von dem

Torben. Man sagt, er halte sie für zu schwer, als daß ihre Annahme von russischer ^eite wahrscheinlich wäre. Die amerikanische Presse ist auch plötzlich hinsichtlich der Aussich­ten der Friedensverhandlungen recht pessimistisch geworden. Dazu wäre aller Anlaß gegeben, wenn man für buchstäbliche Wahrheit halten müßte, was die Herren von Witte und Sato dem berufsmäßig unverschwiegenen Busen der ameri­kanischen Reporter anvertrauen. Das muß -man aber kei­neswegs. Herr Sato hat ganz Recht, wenn er von russi­schemBluff" spricht. Doch der japanischeBluff" ist nicht kleiner. Und die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß die Herren von Witte und Sato bloß der Oessentlichkeit gegen­über ernst bleiben, während sie unter vier Augen einander das heiterste Augurenlächeln zeigen würden, daß derBluff" von beiden Seiten nur ein Blendwerk für die Unbeteilig­ten ist, die nicht vor der Zeit merken sollen, daß die scheinbar

von einer Verständigung so weit entfernten Gegner schon auf Bilndnis'.iähe aneinander gerückt sind. Tas wäre auch

einTluss" allerdings mit anderer Adresse.

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überzeugt ist, was er vor Antritt und bei Abschluß seiner jüngsten Seereise bezeugt hat: man dürfe Rußland, trotz der japanischen Siege, nicht als quantité négligeable, als einen gar nicht ernsthaft in Rechnung zu stellenden Faktor- ansehen; Rußland sei auch nach den japanischen Siegen ein zu fürchtender Feind und verfüge über verborgene Kräfte, deren Umfang die Welt nicht kenne. In einem Punkte jedoch hat Herr von Witte seine Cherbourger Aeußerungen nicht wiederholt. Er hat sich nicht zum zweitenmale für den bloßen Referenten des Zaren ausgegeben, dessen einzige Auf­gabe darin bestehe, die Friedensbedingungen der Japaner seinem kaiserlichen Herrn zu Ohren zu bringen und danach die Entschließungen des Zaren einzuholen; er hat nicht zunl zweitenmal behauptet, daß er eigentliche Dollmachterr über­haupt nicht besitze. Denn darauf war von japanischer Seite bereits die Antwort erfolgt: Friedensverhandlungen seien nur mit einem Manne möglich, der auch das Recht und die unbestreitbare Vollmacht besitze, Vorschläge zu machen und Borschlage anzunehmen (nicht bloß entgegenzunehmen) und Fneden zu schließen; der nicht mit ausreichenden Vollmach- Elegierte könne als Friedensunterhändler nicht betrachtet und nicht behandelt werden. Herr von Witte hat auch schwerlich sich zu der bescheidenen Rolle eines Cou- riers des Zaren hergegeben. Zur Uebermittelung der japa­nischen Friedensvorschläge hätte am Ende die gewöhnliche Post ausgereicht. Wenii Rußland seinen einzigen Staats- mann von Namen ausschickte, so mußte schon eine Aufgabe höheren Ranges im Spiele sein. Ueberdies hatten die Ja­paner im Vorhinein erklärt, daß sie auf bloße Friedens- unterhaltungen sich nicht entlassen würden und höchstens ge- daß der Bevollmächtigte vor endgültigem Ab­schluß seinen Souverän befrage. Freilich ist nicht zu ver- daß es besondere Schwierigkeiten haben mußte, den russischen Friedensunterhäridler mit Vollmachten zu ver- . da auch nicht in Andeutungen vorlag, was die Japaner als Friedenspreis verlangen würden. Man war in Rußland ganz und gar aus Vermutungen angewiesen, und das macht Ä Herr von Witte wenigstens den Versuch einesB l u s f s machte. Er mußte den Mund etwas voll übe^r^ die Japaner ein wenig einzuschüchtern und von nur ^ .abzuschrecken. Viel wird damit

einige &« S erreicht: Dem ersten Napoleon ist es

einige âle gelungen, durch wütende Gebärden und grobe Worte den ohnehin Besiegten noch mehr abzujagen als diese * ^rruseben anfänglich gewillt waren. Aber Herr van Witte m Napoleon, und die Japaner sind nicht besiegt. Jin Gegenteil. Und wenn der russische Delegierte den starken Mann spielen will, io macht sich das nach einer anderthalb- jährigen Reihe von Niederlagen nicht sehr gut Auch der Hinweis auf die verborgenen Kräfte Rußlands hat nichts mMonierendes ch dem Munde gerade des Mannes, xder sein Ansehen ausschließlich der Kunst verdankt, die Geldkräfte des Auslandes in russische Dienste zu stellen. Alles in allem- 1 es ist nicht gerade zu üermunbern, daß der Begleiter des ia- k panischen Friedensdelegierten Nomura, Herr Sato bb Wäschen Auslaß ziemlich respektlos alsBluff", als verfehlten Verblusjungsversuch hingestellt hat

Es verdient übrigens hervorgeboben zu werden daß die Japaner auch in den AeHerlichkeiten, in den Formen sich öen Russen weit überlegest gezeigr haben. Der Vertreter bc* Zaren steht den Reportern selbst Rede; der japanische Dele­gierte Komura bleibt persönlich unnahbar, für die kleinen Lndiskrekionen hat er seinen Sato mit. Und Sato ist unge­wöhnlich geschickt. Er weiß die amerikanische Journalistik an der richtigen Stelle zu packen, um ihre Synrpathien sicher - zu gewinnen. Die japanischen Forderungen, so sagte er den ameiifanifchen Berichterstattern, entsprechen den Wünschen des japanischen Volkes, die verfassungsmäßig berücksichtigt werden müssen; die russischen Vertreter aber sind Vertreter einer Regierung, die das eigene Volk über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplntz täuscht und die Ansichten des eigenen Volkes mißachtet!

politische Rundschau.

Deutsches Reich,

* Die verbündeten Regierungen wollen demnächst eine Revision des Vereinszollgesetzes vom 1. Juli 1869 vorneh­men. Die Handelskammern sind ersucht worden, dir Wünsche des Handelsstandes in dieser Richtung zu äußern Von mehreren Handelskammern wird die Bestimmung, das die Zollbehörde noch innerhalb Jahresfrist von dem Tage an gerechnet, an welchem die Ware in den freien Verkehr gesetzi worden ist, eine Nachforderung an die Zollpflichtigen erbeben kann, weil der verlangte und entrichtete Zoll zu niedrig ge­wesen sei, als nicht angemessen bezeichnet. Man wünsckst die Herabsetzung der Frist auf einen Monat, ferner die ge­setzlich festzulegende Verantwortlichkeit der Zollverwaltung für die während des Lagerns etwa entstehenden Schädigun­gen durch Witterungseinflüsse infolge mangelhafter Auf- belvahrung.

* Durch die amtliche Bekanntmachung hat das Berg- arbeitcrschtttzgesetz gesetzliche Kraft erhalten. Es trägt die Bezeichnung:Gesetz betreffend die Abänderung einzelner Bestimmungen des Allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865/1892." Datiert ist es vom 14. Juli 1905, in Geflc an Bord derHobenzollern". Der letzte Paragraph bei Novelle bestimmt, daß die erforderlich werdenden Abände- rungen der Arbeitsordnungen spätestens drei Monate, dic Einrichtung der ständigen Arbeiterausschüsse spätestens vier Monate nach dem Inkrafttreten des Gesetzes erfolgt fein

g cd]ij chc ~orjcr heungesucht, um die Einwohner zu zwin- aw Bulgaren m die Volkszählung einzutragen.

^?,n^ ^perfiet das ^orf Ravondo, folterte fünf der an­gesehensten Anwohner und drohte, das Dorf in Bralid zu stecken und alle Einwohner niederzumachen, wenn sich das Dorf nicht als bulgarisch erklären sollte. Fünf angesehene Cinwobner wurden fünf Tage später im Dorfe Startziovo ermordet.

Oürkei.

£rob der entschiedenen Warnungen bar Schutzmächte fahren bie frctcnfqdjen Aufständischen fort, ihre Ziele zu ver­folgen. In einem Rundschreiben an die Mächte spricht sich die kretensische Kammer für die Annexion durch Griechen­land aus und kritisiert heftig die Haltung der vier General­konsuln. Der Jnsurgente.nkonvent besorgt fortwährend neue Waffenvorräte, die auf dem Wege des Schumggels ein­geführt werden. Zwei neue Ziege hat Feizi-Pas'cha über die Araber in Aemen errungen. Die Türken eroberten stra­tegisch wichtige Punkte auf der Route nach Sana. Die Ailf- ständischen sind in voller Flucht. Dringend verdächtig, das Attentat auf den Sultan verübt zu haben, ist eine Ar­menierin namens Petrow. Sie kam von Griechenland einen Tag vor dem Attentat an und reifte einen Tag später ab Die Untersuchung ergab, daß die Petrow in einem neuen, von Europa gekommenen Wagen mit Kautschukreifen zum Selamlik fuhr und eine Höllenmaschine in der Rückwand des Wagens verborgen hatte.

Hsien»

, ** Die Russen haben sich gezwungen gesehen, im ostasia­tischen Kriege abermals einen wichtigen Gebietsstreifen zu räumen. Die ganze Küstenprovinz am Ochotskischen Meer, Rußlands Ausweg in den Stillen Ozean, ist von den Mili­tärbehörden den Japanern preisgegeben worden, da es sich als unmöglich herausgestellt hat, die Küste und die Ussuri- Mündung zu verteidigen. Die Japaner richten in der Castries-Bucht eine Operationsbasis für 30 000 Mann mit 72 Geschützen ein, um das untere Amur-Gebtet zu besetzen. Nach einem Ausweise des russischen Marineamtes be­tragen die Verluste der russischen Marine seit dem Beginn des Krieges 9754 Tote und 16 382 Verwundete. In der letzteren Ziffer sind auch die Gefangenen inbegriffen. Unter den Toten befinden sich 1467 Offiziere und 27 Marine- aeistliche.

muß.

Oesterreich-Ungarn

KlßoN-

Präsident Roosevelt ist mit den japanischen Friedensbe- Tragungen, wenigstens mit ihren Umrissen, bekannt gemacht

** Neuerlich wird wieder das Gerücht in Umlauf gesetzt Kaiser Franz Josef wolle nbdanken. Ihm bliebe kein an derer Ausweg, da er alle Autorität verlieren müsse, wenn er, seinen früheren Erklärungen entgegen, in die Einführung der ungarischen Komnmndosprache willigte, unb auf der an deren Seite keine Aussicht sei, das ungarische Parlamenl zu einem Verzicht auf diese Forderung zu bestimmen Selbstverständlich wird dem Geirücht widersprochen. Mar fügt hinzu, daß der Kaiser nicht an Abdankung noch an Nach­geben denke. Inzwischen hat sich die ungarische liberale Par­tei einfach aufgelöst. Einstweilen sind etwa 30 Mitglieder ausgetreten, und die übrigen werden folgen. Noch sind sic einer anderen Partei nicht beigetreten, aber das wird sicher­lich geschehen. Die ungarischen Liberalen haben immer eint Art Hammelnatur gehabt und es niemals vertragen, in der Minderheit zu sein. Sie werden von der Mehrheit ange­zogen, wie das Licht von der Motte: unwiderstehlich, todes­gewaltig. In der oppositionellen Mehrheit werden sie sick freilich auch nicht behaglich fühlen; sie rechnen aber da,rauf daß die durch sieverstärkte" Mehrheit nicht oppositionell bleiben, sondern mit der Krone sich vertragen wird.

Russland»

** Es erhält sich das Gerücht, daß am Geburtstage deZ Thronfolgers ein Reform-Manifest erscheinen werde. In Peterhof hat unkt Vorsitz des Zaren ein Ministerrat statt­gefunden, an dem auch mehrere Großfürsten teilnahmen und der sich mit der Frage der inneren Reformen auf Munk des Bulyginschen. Entwurfs befaßte. Die Disziplin losigkeit in der Armee ist im Wachsen begriffen. In Nowo- Tscherkask weigerte sich ein ganzes Regiment Kosaken, iw Innern des Landes Polizeidienste zu leisten, und aus Lod? werden ähnliche Vorgänge gemeldet. Der Polizeimcistei von Poltawa hat zwei in seinen Diensten stehende Kosaken entlassen, weil sie in aufrührerischer Weise agitierten. In Cherson verurteilte das Kriegsgericht fünf.Soldaten eines Disziplinarbataillons zum Tode durch Erschießen und vier zu Zwangsarbeit. Sie hatten den Kommandeur, einen Hauptmann und einen Feldwebel ihres Bataillons vor der Front durch Bajonettstiche verwundet. Die durch harte Ve- Handlung erbitterten Soldaten hatten gelost, wer von ihnen die verhaßten Vorgesetzten beseitigen solle.

Griechenland»

** Große Erregung ist in Athen infolge der Untaten bulgarischer Banden hervorgerufen worden. Diese haben

Amerika.

*" China will die Uuftnthaltserschwernngen für Chinesen in den Vereinigten Staaten nicht länger dulden. Bekannt­lich werden seit einiger Zeit amerikanische Waren in China systematisch boykottiert, wodurch dem Export der Union gro­ßer Sünden entsteht. Jetzt hat die chinesische Regierung den Vereinigten Staaten einen Vertragsentwurf zugestellt, wonach allen Chinesen, ausgenommen Arbeitern, der freie Eintritt und das Niedenllassungsrecht auf amerikanisckMN Gebiete zusteht. Kulis sollen auf Hawai und den Philip­pinen eingeführt werben.

Das Reformprogramm für Marokko.

(Erg. Bericht.) Berlin, 3. August.

Die Marokko-Konferenz wird voraussichtlich im Laufe des Monats September zusammentreten. Ihr Programm ist ungefähr festgestellt, und in kurzer Zeit wird auch eine Vereinbarung zwischen Deutschland und Frankreich über bu Reformen erzielt sein, die man im Namen Europas cem Sultan von Marokko empfehlen will. Die Ungeduld, die gerade in den letzten Tagen manche Pariser Blätter an den Tag legten, weil angeblich Deutschland die Marokkosrage mit plötzlich nachlassendem Eifer behandelte, ist nur ein Be­weis dafür, daß diese Blätter schlecht unterrichtet waren. Spehrn Rouvier war die Aufgabe zugefallen, das marok­kanische Reformprogrammzu entwerfen; wenn er zu dieser Arbeit Zeit brauchte, so wäre es von Deutschland unsreund- lich gewesen, ihn zu drängen. Irgend eine Verzogerumg aber soweit von einer solchen überhaupt gesprochen werden sann' ist nicht auf deutsche Rechnung au fepen Herr Rouvier hat gestern sein en En tw 'u rf eines Reform Programms dem deut . wen Bot­schafter in Paris Fürsten Radolin JU0« stellt Es wird gern und mit Anerkennung zugegeben, daß dieser Entwurf sich sehr und auf das vorteilhafteste von dem früheren unterfebeibet mit dessen Vorlegung und 23er- tretung der französische Gesandte Taillandrer in Tanger so üblen Eindruck hervorgerufen hat. Dre Nouwer che Ausarbeitung hält sich im großen und ganzen m der unb in den Grenzen, die s. Zt. Kaiser Wilhelm vorge­zeichnet hat als er in Tanger sagte, Reformen durften nur mit Vorsicht und unter sorgfältiger Schonung überlieferter Anschauungen und Einrichtungen angeführt werden weil r- r rz ^rboben stiften als Segen bringen. Auch bin« f AHi» to^ her Sctbltftönbigfeit des Sult-ins und

ü s I^-hons ënWlt bdr Neumeesche Entwurf Be üm- munâen die nur Billiminq verdienen. Weil sie die Aner- kmnung äs Siiltons n,s obersten .Kriegsherrn in Marokko betonen^ ^ie gegenwärtige Heerssorganisation bleibt cin|t- Sn in der Sauvtiacke unberührt, eine Aenderung der

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