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14. Jahrgang

Nr. 54

Zweites Blatt

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AuiertiauSpreiS t Die einspaltige Petttzeile für ganz Ober- Heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Samstag, den 4. März 19o5

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Redaktion u. Hauptexp «ditto«: Gießen, Seltersweg 83.

Kernsprechanschlnst Nr. 368.

UbsuuemeutSpreiS: abgehslt monatlich 50 Pfg., in's HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl.Mk.1.50.

Gratisbeilage« : Oberheffifche Familieuzettuug (täglich) und die Gietzeuer Geifeublase« (wöchentlich).

DaS Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

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(chießener GageKLaLt)

Finavhängige Tageszeitung

(Gießener Iettnng)

für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Grosch. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

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Standesamt-Rochrichten der Stadt Gietzen. Geborene.

Am 22. Febr. Dem Schutzmann Iuliu- Jung ein Sohn; 25. Buchdruckereibesitzer Otto Kindt ein Sohn, Albrecht Karl HanS; 26. Elsenbahnarbeiter JustuS Lud­wig Hoos ein Sohn, Reinhard; 28. Schlosser Johann Wenderoth ein Sohn, Heinrich; 1. März Forstwaltm Peter Arst ein Sohn, Heinrich Karl.

Aufgebote.

Am 24. Febr. Wilhelm Gustav August Just, Schneider in Fechenheim mit Margarete Berger dahier. 25 Johann Wilhelm Ommert, Schreiner in Wieseck mit Ellsabetha in Climbach. Hermann Wörner, Lehrer in Walleestädten mit Lina Franz dahier. 26. Konrad Wilhelm Albach, Maurer in Beuern mit Katharine Linnestruth in Trais a. d. Lda. 28. JostpH Link, Feuerwehrmann in Frankfurt a. M. mit Paula Gerhardt dahier. Balthaser N colai, Telegraphenar­beiter in Großen-Bustck mit Margarete Rink dahier. 1. März Philipp Zimmermann, Geometer 1. Kl. dahier mit Philippine Liva Berta Weihl in Friedberg.

Eheschließunge«.

Am 25. Febr. Adam Alfred Hofmann, Bankbeamter dahier mit Johannette Rühl hierselbst. Hugo Grün, Photograph in Salzschlierf mit Margarete Müller dahier.

Gestorbene.

Am 25. Febr. Karoline Elisabethe Stein, 2 Jahre alt, Tochter des Postboten Wilhelm Stein dahier. Anna Marie Muhl, 3 Jahre alt, Tochter des Friseurs Karl Muhl dahier. 28 Elisabethe Johanna Hillgärtner, 2 Jahre alt, Tochter deS TaglöhnerS Heinrich Hillgärtner dahier. 1. März Joseph Westermeier, 36 Jahre alt, Braumeister dahier.

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bin und her.

sPolitische Wochenscha it.]

In vergangener Woche nahm ein Mitglied des Zentrums Gelegenheit, dein Reichsstaatssekretär Grafen Posadowsky reiches und verdientes Lob zu spenden für den erstaunlichen imb ergebnisvollen Fleiß, den er bei Vorbereitung und Ab­schluß der Handelsverträge aufgewendet habe. Er richtete zugleich bie Bitte an den Staatssekretär, er möchte, nachdem die Fürsorge für die Landwirtschaft zu einem gewissen Ziel gekommen, seine Tätigkeit nun wieder in erhöhtem Maß dem sozialen Teil seiner Aufgabe zuwenden. Damit war ganz zutreffend zum Ausdruck gebracht, daß es selbst einer unge­wöhnlichen Begabung unmöglich ist, zwei Dinge zugleich fest ins Auge zu fassen, zwei Ziele zugleich zu erjagen. Freilich ist es einem Staatsmann nur selten ver­gönnt, sich völlig zu konzentrieren. Die Erfordernisse des Tages, die sich an ihn herandrängen, sind immer mannigfach, und er darf sie nicht abweisen. Doch sein Hauptinteresse muß jeweils einheitlich sein, damit er in dessen Dienst seine ganze Kraft stellen könne. Das gibt dann ein Hin und her. Glücklich, wenn es, wie hier der Fall, eine Ablösung bedeutet, in der das Gute dem Guten Platz macht, und nicht einen Irrtum, der eine Umkehr verlangt. Für die Landwirtschaft ist nach ihren Wünschen gesorgt, der Industrie ist in den langfristigen Handelsverträgen wenigstens die ersehnte Stetigkeit der Verhältnisse geboten nun hin zu den so­zialen Aufgaben, die anhaltende und kluge Pflege verlangen, ohne Nachlassen, aber auch ohne Ueberstürzung. Dem Wirt, jclxiftlidjen Schwachen soll geholfen, aber nicht das Selbst­vertrauen genommen, nicht die Kraft verkümmert werden, die auch mit eigener Anstrengung der helfenden Hand ent­gegenkommt.

Ein Hin und her ist ebenso wahrzuuehmen bei den fort­gesetzten Bemühungen, unsere Wehrkraft zu Lande unb zu Wasser auf der Höhe zu erhalten imb auf die Höhe zu brin­gen. Der Maßstab verschiebt sich, der Vergleichungspunkt, faßen wir einen Schritt nach vorwärts getan, so tun ihn eie andern auch, und das Verhältnis ist das alte geblieben. An dieses Hin und her sind wir leit langem gewöhnt. Wir haben uns darein gefügt, unb unser Patriotismus erblickt schon kein Opfer mehr in der Erfüllung der Forderungen, die für Heer und Flotte an uns gestellt werden. Der Reichs­tag übt wohl an Einzelheiten Kritik, doch im Prinzip ist seine Zustimmung einhellig.

Hin und her nicht weniger in Frankreich, doch in einem anderen Sinne. Der vielhundertköpsige Souverän der Republik, die Deputiertenkammer, liebt nicht die Politik der aeroben Linie, sondern .siebt es vor, wechselnden Zielen

zu folgen, die von der Laune bestimmt merben. Kaum hat die Kammer einen Ruck nach rechts gemacht, um das Ministe­rium Combes zu stürzen, so macht sie auch 'chon wieder einen Ruck nach links, um ihre Unzufriedenheit mit beni neuen Kabinett zu erkennen zu geben. Doch diese Launenhaftigkeit herrscht nur in der inneren Politik, in der auswärtigen Poli­tik wird feii langen Jahren die gleiche R'chtung beibehalten. Wenigs'er3 in der Hauptsache, was die Beziehungen zu Ruß­land angeht. Darum hat der französisch: Minister des Aus­wärtigen eine Ausnahmestellung unter seinen Kollegen: die anberen wechseln, er bleibt, ein erkennbares Merkmal dafür, daß es in Frankreichs auswärtiger Politik kein Hin und her sibt. Das schließt nicht aus, daß nicht doch einmal ein Wan­del eintritt, daß die Anschauung von dem Wert unb der Un­entbehrlichkeit des russischen Bündnisses sich ändert. Man könnte es den französischen Staatsmännern nicht übel, neh­men, wenn sie im Hinblick auf die vielen Milliarden riijiifcf}er Werte im französischen Besitz die russische Freun dschaftsreck)- nung allmälig etwas hoch finden. Einstweilen, wie gejagt, gibt es noch kein Hin und her. Der Mut der Entschließung fehlt und der Mut zu dem Eingeständnis, daß man lange Jahre und um übertriebenen Preis einem Phantom nach- iagte. Ist es so weit, so wird freilich Herr Delcass^ seinen Abschied nehmen und politisch déclassé sein.

Hin und her nicht minder in England. Ein unvor­sichtiger Lord hat vor der Zeit die Absicht der Gewährung von Homerule für Irland enthüllt. Darüber mißfälliges Erstaunen in der englischen Bevölkerung und sofort ist Homerule wieder hinter die Kulissen geschoben. Es wird dabei nicht lange sein Bewenden haben. Der Plan ist nur verdeckt, nicht aufgegeben; und zum drittenmal wird in England die konservative Partei ihr Ansehen und ihren Einfluß dadurch erneuern, daß sie selbst durchführt, was sie mit Erbitterung bekämpfte, so lange die liberale Partei es wollte. Hier hat das Hin und her.wenigstens einen Zug ins Großartige, unddas Ueberraschende hat Glück".

In der unerfreulichsten Gestalt zei^t sich das Hin und her in Rußland. Reformbefehle, wohin man hört; aber wo­hin man auch sieht, keine Reformtaten! Der Verheißung folgt keine Erfüllung, und darum folgt ihr verdoppeltes Mißtrauen. Und der Untergrund aller Verhältnisse: Ver­derbnis, Fäulnis, Bestechlichkeit. Hin imb her der Staats­männer, die im Innern Ordnung schaffen sollen, Hin unb her der Generale, die die Aufgabe haben, den äußern Feind niederzuwerfen. Jene sind ratlos, weil sie nicht wissen, ob nicht der eigene Gehilfe zu den Verschworenen gehört, die Regierungspläne ihnen verrät; diese "nb dem Zufall preis­gegeben, weil sie keine Gewähr haben, ob nicht die Truppen, mit denen sie sieaen. ob nicht die Vorräte, mit benen sie die

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