Nr. 129. (Krites Blatt.
Samstag, den 3. Juni 19u5.
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Entbält alle amtlichen Beksnntmachllttaen der^Grotzh. Bürgermeister^ Gießen, des Großb. Polizeismtes Gießen lind mrderer Behörden von Oberhejsev.
Die Seeschlacht in der Koreastrasse. vo. Mai ankam. Am Eingang der Bucht geriet der Kreu
Eine Flut von Spezialnachrichten über den Verlauf der großen Seeschlacht in der Koreastraße ergießt sich von aller Seiten. Einzelne Szenen aus Kämpfen, die in homerischer Breite erzählt werden, mögen auf die Phantasie erfindungsreicher und sensationslüsterner Reporter zurückzuführen sein, »m ganzen gewinnt man aber jetzt ein einwurfsfreies BilL 00m Verlauf der Schlacht. Es bestätigt sich, daß Togos Sieg vor allem den Torpedobooten zuzuschreiben ist. Daß Unter- Zeeboote an der Schlacht teilgenommen haben, ist bisher nicht rmt Sicherheit festzustellen.
. Berichte von Augenzeugen.
atiHÄÄ“1 Verwundeten im Marinehospital in Mai- wi^Ä^ Wahrnehmungen folgendermaßen: Da- Mrh/n â^r â^ Suworow" war an der Spitze der ruf. ^?^^â>l°chtlin,e und eröffnete zuerst das Feuer; das an ^S ®*’^^ japanischen Lime fahrende Schlachtschiff „Mi- ^ h^inTr^ Die beiden Flotten wechselten
heftiges Geschütz, euer und ruckten sich allmählich näher.
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SÄtAr mÄ»m Gefecht sah man, daß das Deck de- „Admiral Ujchakoff in Flammen stand; das Schiff geriet nach und nach aus der Kampflinie. Etwa um 4% Uhr nach- mtttagë war die feindliche Linie in vollkommener Unord- @Am«*bifa~ Suer begann nachzulassen. „Borodino" und „Kamtschatka sanken, die Mannschaft des „Borodino" setzte o,^ ^Ä" ^" !°^j bis das Schiff unter den Wellen E^chwand. Am Sonntag früh wurden fünf russische Schiffe unweit der Liancourt-Jnsel entdeckt. Der „Jsumrud" entz kam sogleich die anderen vier aber leisteten keinen Wider- ‘shm;,^ 6,6 japanische Flagge über der russischen.
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S&Ä*^ ließ ein Boot herab und kam an die Längsseite des lapanrschen Panzerkreuzers „Asama", wo er sich in aller Form ergab.
Die Panik bei den Russen soll all^ Beschreibung gespottet haben. Jedes Schiff ver- ^ieahne Rücksicht auf den Rest der Flotte bloß aus dem Bereiche der fürchterlichen Torpedoattacken zu gelangen und unzählige Zusammenstöße mit anderen Fahrzeugen der eigenen flotte, sowie mit den Booten sinkender oder schon untergegangener Kriegsschiffe, auf welchen sich die Ueber- lebenden zu retten versuchten, sollen hierbei stattgefunden haben. Es ist nahezu ein Wunder zu nennen, daß es einer klonen Eskadre welcher auch das Schlachtschiff „Orel" an- gehörte^ vorläufig gelang, davonzukommen; als sie aber
Sonntag vormittags unweit Liancourt neuerlich mit der Schlachtflotte zu attackieren begann, verzichtete sie fo- auf Widerstand und ergab sich. Damit war das Ende oer daltiichen Flotte gekommen und die Japaner konnten sich, von lenen Schiffen abgesehen, die noch den etwaigen Fliehenden nachsetzten, völlig der Rettung der schiffbrüchigen Russen widmen. Viele Boote mit Matrosen wurden in allen Richtungen der koreanischen Meerenge aufgegriffen und die erschöpften Jnsasten gerettet.
Das Schicksal Admiral Fölkersahms ist jetzt aufgeklärt. Er ist weder ertrunken, noch durch eine Granate getötet, sondern an Krankheit verstorben Schon
S -r^ dem Kampf in der Koreastraße. So erzählten nach Mitteilung des Petersburger Marinestabes die senden Schiff nach Wladiwostok retteten. J n
Die Flucht des „Bravy"
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Der Kommandant des Bravy" entwarf eine interessante Schilderung von ferner Flucht. Er hatte auf sein schwer hnvanertes Schiff, dem mehrere Kessel durch Granaten zer- löchert waren, 175 Mann von der sinkenden „Osfljabja" auf. genommen. D-e schweren Schäden seiner Maschinerie hin. derten ihn, schnell weiterzufahren und dem Geschwader zu ^lgew das den Kurs auf Wladiwostok zu fortsetzte Er fuhr deshalb allein weiter und steuerte an der Küste von ^?w>'n entlang, um aus dem Wirkungskreis der japanischen Torpedoboote zu kommen. Um den „Bravy" weniger sichh Lor zu machen, nahm er den Mast herab und ließ am Äk u^â^"w-^ ^1) ^re'chen In der Nacht des 29. Mai platzte die Rohre des dritten Kessels. Er konnte nur noch M ^«^n fa&ven und verfeuerte, da es ihm an Kohle de.alle hölzernen Teile des Schiffes. Trotzdem kam er glücklich nach Wladiwostok. S m el
„Fsumrnd" in die Luft gesprengt.
Dem ^euzer „Jsmnrud", der "zuerst ' ebenfalls dem rteLn“™»e ^joiimien war, glückte dagegen der Versuch sich nach Madiwollok durchzuschlagen, nicht. Zwar ist er den Japanern entgangen, geriet aber in der Nähe von Wladi- tvostok auf eine Sandbank und mußte in die Luft gesprengt e^T ^? Kommandant des Schiffes berichtet aus
Olga-Hasen an den Zaren:
Als ich mich von dem Geschwader abgeschnitten sah, i ■ ^ niid), nach Wladiwostok durchzudringen Da damit rechnen mußte, auf feindliche Krerizer zu stoßen wenn ich den Kurs nach Wladiwostok änderte, und da es d<7 M?u °n Zeit und Kohlen fehlte, nahm ich Kurs auf die Wladumr^ucht, wo ich in der Nacht vom 29. zum
zer nachtZ 1% Uhr in der Finsternis seiner ganzen Länge nach auf eine Sandbank. Da ich nur noch zehn Tonnen Kohle hatte und keine Möglichkeit sah, den Kreuzer los- zubringen, ließ ich die Mannschaft an Land gehen und sprengte den Kreuzer in die Luft, damit er den Feinden nicht in die Hände fiele. Zehn Mann des Kreuzers sind während der Schlacht verwundet worden; die Offiziere und ule übrigen Mannschaften sind wohlbehalten.
Admiral Roschdjestwensky
ist nach den Berichten von Augenzeugen tatsächlich an Bord der „Borodino" schwer verwundet und, ehe das Schiff sank, an Bord^eines Torpedobootzerstörers gesckiafft worden, wo ihn die Japaner später gefangen genommen haben. Das Schiff soll während des Kampfes einer wahren Schlachtbanl geglichen haben, so wirkte das mörderische Feuer der japanischen Geschütze. Nur 40 Mann von der Besatzung könn- ten gerettet werden, als das Schifs schließlich durch einen japanischen Torpedo zum Sinken gebracht wurde.
Die beiderseitigen Verluste.
..7?âch solchen Schilderungen begreift man es, wenn bit russischen Verluste auf 8000 Mann geschätzt werden, von den Gefangenen ganz abgesehen. Zahireiche Leichen, teilweise furchtbar verstümmelt, werden an den benachbarten Inseln und Küsten angeschwemmt.
% spanischen Verluste sollen nach offiziellen Angaben nur 13 Tote und 424 Verwundete an Offizieren und Man- schäften betragen. Da nach Behauptung Togos nur 3 Torpedoboote bei der Affäre verloren gegangen sein sollen, so wäre der schöne Sieg mit den geringsten Opfern verknüpft.
Die Politik
-^^, W'chtiye Aenderungen am Entwürfe der Reichserb- schaft^steuer sollen gutem Verctehmen nach vorgenommen werden, ehe das Gesetz uir Beratung gefrönt wird. Nament- uch soll die geplante Besteuerung der direkten Erbschaften wieder fallen gelassen werden.
^-Der Aufstand in Südkamernn hat nad) der Meinung von Kennern der Landesverhältnisse nur lokale Bedeutung. Wahrscheinlich handelt es sich um eine der gewohnten Streitigkeiten zwischen einzelnen der noch auf niedrigster Kulturstufe stehenden Eingeborenenstämme in diesem entlegenen Winkel. Wahrscheinlich hat die nächste Militärstation Ordnung unter den Raufenden schaffen wollen und ist dabei^mit ihnen in Konflikt geraten. Da aber inzwischen sicher von den umliegenden Stationen die erbetene Hilfe an Ort und Stelle eingetroffen sein wird, ist der Putsch wahrscheinlich langst wieder zu Ende.
Russland*
^« Alarmierende Gerüchte über ein angebliches Attentat auf den Zaren kursierten gestern in Petersburg, find in° Zwilchen aber vom russischen Auswärtigen Amt energisch dementiert worden. Es hieß, der Kaiser sei nach einer dramatischen Szene in seinem Privatgemache von einem bisher Unbekannten angegriffen und schwer verletzt worden Nach einer anderen Version sollte im Zarskoji Sselo ein Militärputsch ousgebrochen sein. Vielleicht ist dioses Gerücht darauf zuruckzuführen, daß es zu einem blutigen Zufammenftofr zwischen starken-Truppenabteilungen und großen Arbeitermassen bei der Moskauer Pforte gekommen sein soll
Die politischen Attentate scheinen kein Ende nehmen zu sollen. In Riga wurde der Polizeimeister Jaretzki durch eine Bombe schwer verketzt. Von den Tätern fehlt jede Spur. 1
-2d Gesell toaste
*** gur Hochzeit des deutschen Kronprinzen und die fürstlichen Gäste und Vertreter der Höfe in Berlin eingetroffen. Mehrfach war der Kaiser selber zum Em- Pwng auf dem Bahnhöfe erschienen, so bei der Ankunft des Großfürsten Michael Alerandrowitsch, der anstelle des ertränkten Großfürsten Wladimir als Vertreter des Zaren er- Mnenen ist. Der Großherzog und die Großherzogin von ^aden wurden von der Kaiserin empfangen. Am Freitag früh war der Kaiser nach Däberitz gefahren, wo die Besickti- gung des Regiments Gardes du Corps und des Leib-Garde- Husaren-Regiments stattfand.
preussischer Landtag.
Herrenhaus.
(42. Sitzung.) . RK Berlin, 2. Juni.
Es war während der letzten Zeit die Meinung laut geworden, das Herrenhaus werde den Berggesetz- Novellen keine Schwierigkeiten machen. Das mag mii ein ©runb dafür gewesen sein, daß die heutige Sitzung nut verhältnismäßig wenig Sujefauer angelockt hatte. Da zu- si^^ auch die Mitglieder des Hauses in gar nicht sehr reich. Ä LS, "schienen waren, wies nur die Anwesenheit des Grafen Bulow mit dem gesamten StaatSministerium auf tue Jätung des Tages hin. Graf Bülow begann mi° rin« ^msuhrungsrebe. Dringend ermahnte er das Haus, die
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Regierung nicht im Stich zu lassen, sondern dem Gesetz zuzustimmen, das nur die seit 16 Jahren anerkannten Au sprudle der Bergarbeiter befriedige. Die Furcht vor der Sozialdemokratie dürfe der sozialen Tätigkeit nicht pinder» lrchwerden. Die Erklärung des Freiherrn v. M a n t e u f f e t. die er im Namen der konservativen Fraktion abgab, drückte der Regierung ausdrücklich die M i ß b i l l i g u i^ der Partei wegen des gesetzgeberischen Vorgehens im Anschluß cm den Streik aus. Dieses Vorgehen sei eine gefährliche Förderung der revolutionären Bestrebungen. Immerhin werde die konservative Fraktion den Gesetzentwurf über die Ar- beitcrverhältnisse nicht a limine abweisen, wofür ein Teil der Fraktion eigentlich war, sondern erhoffe von den Kam- Missionsberatungen annehmbare ' Veränderungen Dei Kölner Bürgermeister Becker sprach sich zwar scharf gegen den Kontraktbruch aus, billigte aber aus politischen Gründen das Vorgehen der Regierung und forderte das Haus zur Annahme der Vorlage auf. Nachdem Minister M ö l l e r den Gesetzentwurf im einzelnen begründet hatte, kam als Auf- Zehen erregendes Hauptereignis des Tages eine Rede des Referenten der Berggesetzkommission, Herrn v. Burgs- do r ff. Er verurteilte auf das entschiedenste das ganze Vorgehen der Regierung. Graf Oppersdorfs versuchte vergeblich, mit einer von sozialpolitischem Geist erfüllten Rede den Eindruck zu verwischen. Graf T i e l e - W i n k l e v bezelchnete die Zechenstillegungsvorlage als mit Galle und Bosheit gegen die Zechenbesitzer erfüllt. Graf Bülow er- c?r Primat das Wort, um diesen Vorwurf und die Angriffe der Herren b. Manteuffel und v. Burgsdorff zuriick. zuweisen Eine kräftige Unterstlitzung fand er in einer Rede des Professors Schmöller, der die Ansicht vertrat, nur durch sozialpolitisches Wirken und durch Verhandeln mit den Arbeitern werde man zum Frieden und zur Verhinderung von Streiks kommen. Ueber die beiden anderen Berggesetznovellen gab es nur Meinungsverschiedenheiten sachlicher A/t zwischen Dr. Wachler und Minister Möller Dann war die allgemeine Besprechung zu Ende. Die Kommission kann nun ihre Ardeit beginnen.
Heer und flotte.
®ntn grösseren Tonnengehalt für die Linienschiffe soll« üem Vernehmen nach die für den Herbst in Aussicht stehende, neue Vorlage für die deutsche Flotte, verlangen. Trotz der. guten Erfahrungen, die die Japaner mit Torpedobooten ge> !juchl huben, erst jetzt wieder in der Koreastraße, ist man in Fachkreisen der Ansicht, daß das Linienschiff hn modernen seefrteH eine Notwendigkeit und um so leistungsfähiger ist K großer seine Ausmaße sind. Während man noch vor einem ^ahre, trotz des Voranganges von England un&' Amerika auf der Bahn der Deplacementsvergrößeriingen ein Fassungsvermögen von 13 200 Tonnen für genügend erklärte, hat man sich an der Hand eingehender Studien und den neuesten Lehren des ostasiatischen Seekrieges dazu be- whrt, zu gleich großen Linienschiffen überzugehen, wie sie die Englnnder und Amerikaner in ihren neuesten Bauten be- reits besitzen, d. h. zu Deplacements von mindestens 16 000 tonnen. Da für solche Riesenschiffe auch größere Werft- «nlagen und Docks vorhanden sein müssen, so soll die kom-' wende Flottenvorloge nach dieser Richtung weitere Ansorde- rungen stellen. '
Das Bombenattentat
auf den König von Spanien ift nad) den bisherigen Feststellungen der Pariser Polizei auf d,e Umtriebe spanischer Anarchisten zurückzuführen, die. den Anschlag bereits seit längerer Zeit sorgsam vorbereitet hatten. Nur König Alfons war es, auf den die Mörder es abgesehen hatten. Im Falle des Gelingens des Attentats hatte allerdings auch Präsident Loubet, der mit dem König zufcrmmen im Wagen saß, bluten müssen.
Ueber die Einzelheiten des Anschlags wird noch folgendes £T12e4: Wir CÄS" folgte, als der König mit Loubet sJa V mbr ?"chts von der Galavorstellung in der Oper buref) die Rue de Rivoli fuhr. Die Bombe zersprang an der Sken Seite des Wagens, wo Präsident Loubet saß und durchlöcherte die Wand, doch ohne die Insassen zu verletzen bass b^arÄM1 SS Glücksumstand darauf zuriickzuführen' ^ mk 9«Bte Teil der Ladung, die aus Nägeln bestand, dem Pferde eines Kürassiers der Eskorte in den Bauch ^S sn^ 10 '^ °? 3“ erklären, daß verhältnismäßig so wenige Personen verletzt wurden. Auch sollen die Verwun- nnd^-i^ "°" den umherspritzenden Bombenstücken und Nageln Getroffenen nur leicht sein.
König Alfons behielt während des aufregenden Vor- zangev seine volle Ruhe. Er erhob sich im Wagen, rief der Menge zu daß chm und Präsident Loubet nichts geschehen sei, und Iwß den Wagen gemächlich weiter fahren. Mimteren ipri^ Präsidenten von den bisher gegen ihn
zerichteten Anschlägen, von denen der eine, erstliche, ihn vor einiger Zeit in Barcelona bedrohte, während der zweite mit er erst am Tage vorher bedacht war, mchr listig als zefahrlich war Ein Mann, der als Anarchist bekannt ist durchbrach bei der Spazierfahrt im Bois de Bonloane daS