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Nr. 52
A«serttO«Spre1S» Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar «ch Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Redaktion u. Hauptexpeditio«: Gießen, Seltersweg 83. Fer«s»rechaMschl»ß Nr. 868,
Donnerstag, den 2. März 1905.
Gie tzener
14. Jahrgang
A-»»«e«e<tSpreiS: abgehslt monatlich 50 Pfg., in's HauS gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljâhrl.Mk.1.50. Gr«ttSbeilage«: Oberheffische Fam1tte«zeitu«g (täglich) und die Gieße«er Seifenblase« (wöchentlich).
Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.
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(Gießener Vageötatt)
Unabhängige Tageszeitung
richten
(Siegener Zeitung)
für Oberhesisn und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhefsen.
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Erheuchelte Klagen sind selten. Wenn jemand „ach!" sagt, so ist ihm in her Regel weh ums Herz. Man darf deshalb annehmen, daß es dem Handwerk wirklich schlechter geht, als es sollte, und daß es um den Mittelstand nicht eben gut bestellt ist. Es fehlt auch nicht an bereiten Helfern, wenn man solchen Namen denen geben will, die ein Hilfsrezept bereit haben oder wenigstens eine Anweisung auf Hilfe aus der Pandorabüchse des Staates. Denn darauf laufen die meisten Vorschläge hinaus: daß der Staat helfen solle und müsse. Daß er auch helfen könne, wird einfach vorausgesetzt, ohne Prüfung und ohne Nachdenken.
In Wirklichkeit kann der Staat aus sich heraus gar nichts tun; schon weil er gar keine eigenen Mittel hat, nicht einen Groschen, den er nicht durch Zölle und Steuern erst aus den Taschen der Bevölkerung geholt hätte. Den Groschen, den er geben will, muß er zuvqr nehmen; und nehmen wie geben siird mit Aufwendungen verbunden, so daß der Staat immer etwas über einen Groschen erheben muß, um etwas weniger als einen Groschen vertuen zu können. Gar zu billig also wäre die Staatshilfe unter keinen Umständen.
Steht aber wenigstens fest, wem der Staat.helfen soll? Weiß man, was der „AUttelstand" ist? und kann man genau sagen, w o der Fabrikant aufhört und w o der Handwerker anfängt? Sehr kluge Leute, die sich mit den einschlägigen Fragen — nicht gewerbsmäßig, aber — berufsmäßig beschäftigen, bestreiten mit aller Bestimmtheit, daß die Grenzen des Mittelstandes, die Scheidelinie zwischen Handwerk und Fabrikation, sich genau ziehen lassen.
Reichsstaatssekretär Graf von Posadowsky, der von Amtswegen allen sozialen Fragen gespannteste, wohlwollendste und verständnisvollste Aufmerksamkeit zuwendet, hat mit Bescheidenheit im Reichstag das Bekenntnis abgelegt, daß er den Herren, die zugunsten des Mittelstands und des Handwerks so gute Wünsche zu formulieren und vorzutragen wüßten, nur die Bitte ans Herz legen wolle, sie möchten ihm doch ein wenig zur Hand gehen, um zunächst die Grenzen des Mögliche:: ein wenig zu bestimmen. Da man nicht weiß, ob der Staat wirklich zu helfen imstande ist, da er jedenfalls nur mit den Mitteln derer helfen kann, denen er helfen soll — da ferner nicht genau gesagt werden kann, wem eigentlich zu helfen ist — so scheint doch einige Vorsicht und Ueberlegung ratsam, ehe man Entschließungen faßt, die am Ende gerade dort Schaden anrichten, wo man nützen wollte. Will man den Handwerker vor dein Fabrikanten bevorzugen, : so hindert man den Handwerker zugleich, fabrikmäßigen Betrieb einzurichten, was er in vielen Fällen, dauernd oder vorübergehend, mit Vorteil tun würde. Wo immer man die Grenze des Mittelstands fett da hindert man durch seine Bevorzugung den Aufstieg aus ihm schafft man dem Aufstieg künstliche Hindernisse.
Man braucht, auch wenn man dies einsieht, noch lange nicht zu dem manchesterlichen Prinzip des Gehenlassens sich zu bekennen. Man soll sich nur in Acht nehmen, aus Svm- pathie mit den wirtschaftlich Schwächeren die wirtschaftliche Schwäche selbst zu preisen und als ideal hinzustellen. Damit würde man den nationalen Wohlstand arg gefährden und uns im internationalen Wettbewerb weit zurückbringen. Gewiß ist nicht jede Großorganisation zugleich eine einwandfreie Organisation. Gewiß hat die Assoziation für ihren Segen eine Grenze — nämlich da, wo sie den anspornenden Wettbewerb aufhebt. Aber Großorganisation und Assoziation dürfen darum nicht grundsätzlich bekämpft und in die Staats- acht getan werden.
Der tüchtige Handwerker wird seine Stellung — wenn auch manchmal in modifizierter ^orm — zu behaupten, wird von den Vorteilen des Fabrikationsbetriebes sich so viel wie möglich zu eigen zu machen wissen. Der Staat kann ihm nur die stützende Hand zur Anlage eigener Organisationen, zum Ausbau der Selbsthilfe bieten, kann unbillige Ungleichheiten in der Besteuerung von ihm fernhalten. Die Hauptsache aber müssen Handwerk und Mittelstand selbst tun; und der ist ihr Freund nicht, der ihnen rät, mit müßigen Armen auf die Hilfe von außen zu warten, anstatt durch eigene Regsamkeit neue Kraft zu gewinnen.
Der Krieg in O stallen.
Die nunmehr über die Kämpfe der letzten Tage vorliegenden näheren Nachrichten bestätigen, daß die Russen bei Tsin- Hötschöng eine empfindliche Niederlage erlitten haben. In Petersburg verlautet, infolge der neuen Ereignisse sei Kuropatkins Stellung unhaltbar. Es bliebe ihm nichts als schleuniger Rückzug nach der Mongolei, um sich der japanischen Einschließung zu entziehen.
Ob diese Befürchtungen in ihrem vollen Umfange gerechtfertigt sind, läßt sich bisher nicht mit Sicherheit ersehen. Es ist möglich, daß sie auf von englischer Seite lancierten Alarmgerüchten basieren, nach denen die Russen 10 000 Mann verloren haben sollten. In Wirklichkeit betragen
die russischen Verluste bei Tsinhötschöng höchstens den fünften Teil. Aus dem Hauptquartier des japanischen Generals Kuroki wird dazu gemeldet:
In dem Kampf um Tsinhötschöng ließen die Russen 203 Tote auf dem Schlachtfeld zurüT, ihr Gesamtverlust wird auf mehr als 2000 Tote und Verwundete geschätzt; auch verloren sie mehrere Maschinengeschütze.
Aus derselben Quelle wird weiter gemeldet, daß die Japaner den Tekitki-Hügel, südlich vom Schaho, nicht weit
südwestlich von Wikosan, nahmen. Ueberhaupt liegen, während die Russen sich in Schweigen hüllen, eine ganze Reihe von Nachrichten aus dem japanischen Lager vor, die bemerkenswerte
Einzelheiten über die letzten Kämpfe enthalten. Marschall Oyama berichtet, daß eine japanische Abteilung den Feind am 23. Februar bei Chinghoching, 30 Reisen östlich von Pensiso, angriff. „Starker Schneesturm, Vie Unebenheit des Geländes und das Schmelzen des Eises des Taitseho hinderte unsere Bewegungen in hohem Grade, aber um die Mittagsstunde gelang es unserer ersten Linie, nahe an die feindliche Stellung heranzukommen und einen heftigen Angriff zu machen. Die russischen Streitkräfte, bestehend aus 16 Bataillonen mit 20 Kanonen, die eine durch mehrere Reihen von Derteidigungswerken geschützte starke Stellung inne patten, leisteten starken Widerstand. Am 24. o. Mts. erneuerten wir mit Tagesanbruch den Angriff mit nachfolgendem Granatfeuer, und am Abend fiel Chinghoching m unsere Hände. Der Feind wandte sich in voller Flucht nach Norden, steckte Chinghoching in Brand und ließ auf dem ^ZwPfPlatz 150 Tote zurück. Wir eroberten drei Maschinen- geschutze, zahlreiche Gewehre und Munition. Die feindlichen Verluste werden als bedeutend geschätzt. Wir hatten keinen einzigen Verlust durch Erfrieren."
Aus dem Hauptquartier Kurokis meldet ein Reuter- torrespondent von einem bemerkenswerten japanischen
Sieg über General Rennenkampf.
_ Das Gefecht fand in einer gebirgigen Gegend statt, 30 bis ^Mellen östlich von Jentai. Die Infanterie Kurokis entfaltete wiederum bemerkenswerte Eigenschaften im Kampfe in gebirgigem Terrain und zeigte ihre Ueberlegenheit über russische Kavallerie. Die Stellungen des japanischen rechten Flügels für den Winter befinden sich bei Pensiho fi$ von dort südlich den Schaho entlang und westlich den Taitseho entlang aus. Bei der Angriffsbewegung schwenkte eine Truppenabteilung, die von Pensiho vorgeschoben worden war, nach Nordosten herum iind trieb die Russen vor sich her. Dann hielt sie starke Linien besetzt eilte nach Sudwesten iind Nordosien, bedrohte den russischen linken Flügel und nahm teilweise Stellungen im Osten des Taitseho em. Rennenkampf befehligte anderthalb Divisionen .Kavallerie, eine Division Infanterie und eine Abteilung Scharfschützen. Das Haupttreffen fand nordöstlich von Tsin- Hotschong statt, wo die Russen hartnäckig ihre verschanzten Stellungen verteidigten.
General Stössel in Petersburg.
General Stössel ist nebst seiner Frau in Petersburg ein» getroffen und am Bahnhof vom Kriegsminister und dem Chef des Generalstabs Generalleutnant Frolow empfangen worden. Frau Stössel wurden von Petersburger Damen des Port Artbur .Komitees Blumen iWitcuH. Stössel begab sich.
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Der Eselsmütter und die Falschmünzer' | Miller", sprach der Förster ich habe diesen Blödsinn f v gerade satt." Balzer hatte bethe höhnisch angesehen, es
schien, als ob er mehr wisse als beiden lieb sei. Der Eselsmüller tat, als habe er diesen Blick nicht bemerkt. Nach kurzem Gange kam man zur Eselsmühle. Da gab es vor allen Dingen erst ein ausgezeichnetes Frühstück. Natürlich fehlte auch ein guter Nordhäuser nicht. Der noch immer aufgeregte Balzer wollte nicht Zugreifen. Der Eselsmüller aber hatte gerade diesem armen Manne gegenüber sein ehrlich Gesicht hervorgeholt. Der Balzer fing an, am Müller irre zu werden. War dieser Müller wirklich der, für den man ihn hielt? Sollten alle ihm Unrecht tun? Balzer war arm, blutarm. Seine sechs elend aussehenden Kinder wollten essen, der Verdienst war sehr gering, so wurde er Weidendieb. Dieses war eigentlich nicht schlimm. Jeder Junge holte sich so viel Weiden an den Plätzen, wo Balzer sie holte, als er wollte. Aber es war auf kurhessischem Gebiete und deshalb strafbar.
Balzer fühlte sich tatsächlich ermattet. Der Gang, die Arbeit und dann die Erregung hatten ihn ganz schwach gemacht. Schluckweise nötigte der Eselsmüller ihn, den Nordhäuser zu trinken. Dieses dem armen Mann ungewohnte Getränk, sowie sein hungernder Magen brachten ihn dahin, daß er Brot mit Butter gestrichen und Schinken belegt annahm. Ja er aß sich an dem noch nie genossenen Essen satt. Der Eselsmüller gab es ihm mit Freuden, ja wirklich von ganzem Herzen gern. Bei aller Verworfenheit konnte der Eselsmüller keinen Hungernden sehen. Er speiste sie alle und reichlich. Der Förster hatte sofort zugegciffen, er war hier ja nicht fremd. Der Eselsmüller hatte beide ganz gpnau beobachtet. — Endlich sprach er zum Förster: „Riegelmeier, warst Du schon auf dem Kohlenmeiler?"
Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H.
Alle Rechte Vorbehalten.
(Nachdruck verboten.)
„Hast nicht viel gewonnen, Förster", sprach der Balzer, „den da," damit deutete er auf den Eselsmüller, ''Nimm auch mit, der ist der Spitzbube viel größer als i Ich l^nge einen Fisch oder zwei für meine armen den Weiden mache ich Körbe und verkaufe Zu zwei Groschen. Der Eselsmüller hat das natürlich nicht nötig. Dec macht Zehntalerscheine, Brabanter und Doppeltaler."
„Kerl, halt jetzt Dein böses Maul, sonst geht es Dir an den Kragen", schrie der Förster und drückte die Fäuste fester an den Hals des Balzer. „Bist Du verrückt, Kerl, oder was faselst Du", so sprach er erregt weiter. „Geschlossen wirst Du jetzt sofort, Halunke, ich habe Dich auf kurhessischem Gebiete erwischt und habe jetzt Gewalt über Dich. Foct jetzt mit Dir hinter Schloß und Riegel."
„Förster", sprach jetzt der Eselsmüller, „sei kein Narr, komm, ehe Du den Balzer schließest mit mir in die Eselsmühle. Mich siehst Du in Försterkleidung, sie stammt von Deinem Vorgänger. Ein Uhu holte mir meine Enten von den Wiesen weg. Denselben wollte ich abschießen, darum zog ich diese Kleider an. Du weißt ja, dec Uhu fürchtet sich vor den Förstern nicht, er sieht dieselben täglich im Walde. So glaubte ich ihn zu überlisten und abschießen zu können. Diese Uhu sind schlau („Wie der Eselsmüller", rief Balzer dazwischen), „Förster, Du weißt es ja." „Ja er weiß es, Eselsmüller", sprach aufs neue voller Verachtung der gefangene Balzer.
„Kerl jetzt still, oder dec Teufel hole Dich lotweise", rief der Förster. „Also", fuhc der Eselsmüller fort, als sei er gar nicht unterbrochen, oder habe nichts gehört: „Die Uhu sind schlau" — „Schweig' von den Uhu, Esels-
„Nein", war die Antwort des Försters. — „Ist etwa etwas nicht richtig?" frug er den Eselsmüller. „Alles in Ordnung, nur glaubte ich, der Leinwandhändler Rüsseler aus Nuttler sei oben über Nacht gewesen,
er muß kommen, ich erwarte ihn." „Muß kommen? Eselsmüller, wie soll ich das versteh'n?"
„Geht Dich nichts an" Riegelmeier, sprach der Müller. „Sind überhaupt meine Geschäfte, da lasse ich nicht gern hinein reden."
„Weiß schon, weiß schon", sprach der Förster, er spürte den Nordhäuser.
„Ja Förster", so erwiderte der Müller, „Du hast nur zu essen und Zu trinken, dann gehst Du Deiner Wege nach Quelshausen zu, und — schweigst."
Laut lachend schlug der Förster den Eselsmüller auf die Schulter und sagte nur, indem er seine Doppelflinte über die Schulter warf: „Eselsmüller, Du bist ein Teufelskerl, fütterst uns aber alle." Dann sagte er ihm leise in's Ohr: „Einen Sack Mehl hätte ich wieder nötig."
„Bekommst ihn, Du Lump", erwiderte laut der Müller.
„Hallo, Eselsmüller, nur nicht so grob, weißt Du nicht, daß ich der Förster Riegelmeier bin?"
„Ich aber", sagte mit beißendem Spotte der Eselsmüller, „bin dreier Herren und doch keines Landes Untertan, füttere aber alle Förster und Hungerleider."
„Jetzt aber laß es gut sein, Eselsmüller", so fiel ihm dec Förster in die Rede, „sonst werde ich fuchswild."
„Mache mir nicht im geringsten etwas daraus. Geh' unters Mühlrad, daselbst nimm ein Bad, es tut Dir gut. Du weißt, der Eselsmüller pfeift Euch allen nach "
„Genug Eselsmüller, wir wissen alle, daß Du armer Müller uns mußt ernähren helfen. Du kennst ja meinen Gehalt. Monatlich fünfzehn Taler, davon geht noch die Wohnung ab. Da bleiben gar wenige Groschen für den Tag für mich und Familie. Meine Wohnung und einige elende Wiesen und noch elendere Länder bilden die Besoldung. Kaum kann ich eine Ziege ernähren.
(Fortsetzung folgt.)