Nr. 178.______________________
KV^tt-msprei- r Die einspaltige Petit-elle für ganz Ober- tzS^M, die Kreise Wetzlar m* Marburg 10 Pfg. sanft 16 Pfg.
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Maftion u. HautztexpMtis»: Dietze«, DekterSweg 81. Drr«stzrech««fchl«tz Nr MB.
Dienstag, Den 1. August 19u5.
Gießener
----14. Jahrgang
-ek^s»'^^^^"^ : abgeb.lt monatlich 50 Pig. in’b Hau» awraest W $fg., durch die Post bezogen viertel jährl^ Mk. 1.50. e.«tt«beue,e,: 0b.rbeMsche ^amilieuzeituag (lâgti») unb die «ieieeer «eif.nblaie« (wöchentlich).
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(Gießener HageStatt)
Unabhängig« Tageszeitung
(Gießener Rettung)
für OSsrheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Meßen und Umaelnma Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhesit J ^'
, Die englische flotte in der Ostsee.
(E i n Interview.)
Wegen der Gerüchte, die mancherorten an den bevorsteh urden Besuch eines englischen Geschwaders in der Ostsee geknüpft worden sind, hat unser Berliner ^-Mitarbeiter sich an einen deutschen Staatsmann mit der Bitte um Auskunft und Aufklärung gewandt. Tie Aufschlüsse, die er erhielt, teilt er uns im Folgenden mit:
Die Nervosität, die viele deutsche Zeitungen und demzufolge auch nicht kleine Kreise der Bevölkerung ergriffen hat, weil die Ankündigung eines Besuchs der englischen Flotte in der Ostsee bekannt geworden ist, muß als krankhaft bezeichnet werden. Sie ist merkwürdig, aber in keiner Weise würdig. Bisher waren es nur gewisse französische und englische Blätter, die sich gleichsam ein Gewerbe daraus machten, ihre flinken, von keinerlei Sachkenntnis gestörten Konjekturen als tatsächliche Politik auszugeben und zu verkaufen. Es war ihre Gewohnheit, Tagesereignisse ganz willkürlich miteinander in ursächliche Verbindung zu bringen, obwohl selbst oberflächliche Ueberlegung ihnen hätte sagen müssen, daß schon die unerläßliche Vorbereitung für das zweite Ereignis den inneren Zusammenhang mit dem ersten ausschloß. Das schlimme ausländische Beispiel hat bei uns ansteckend gewirkt. Die Entsendung eines starken Geschwaders läßt sich nicht improvisieren, sie verlangt Vorarbeiten und Vorkehrungen, die sich nicht von einem Tage zum anderen, nicht einmal von einem Monat zum anderen erledigen lassen. Trotzdem wollen jene nervösen Politiker, deren Urteilsfähigkeit durch keine Kenntnis auch nur eines diplomatischen Schriftstücks je eingeschränkt worden ist, glauben und glauben machen, daß die englische Geschwaderübung in der Ostsee eine Antwort, und sogar eine „drohende" Antwökt bilden solle auf den Besuch, den Großadmiral von Köster mit seinem Geschwader in Kopenhagen abgestattet hat. Das sind völlig haltlose und ganz falsche Vermutungen. D i e englische Flottenübung in der Ost fee ist in Berlin bereits im Mai an gekündigt worden, wie das freund-nachbarlichem Brauch entspricht. Dieser Brauch ist auch von deutscher Seite immer beobachtet worden, wenn ein deutsches Geschwader in fremden Gewässern Uebungen abhalten sollte. Einwendungen werden niemals erhoben. Die voraufgehende Ankündigung enlspricht der Höflichkeit ebmw wie dem Bedürfnis. Die übende Flotte kann die Aufnahme von Kohlen, manchmal auch von Lebensmitteln nötig haben, und es ist immer gut, wenn die betreffenden Häfen im voraus benachrichtigt werden, damit sie bi3 erforderlichen Vorräte beizeiten heranschaffen oder ergänzen können. Tas sind Gefälligkeiten, die man einander gern leistet. Unter allen Umständen ist es eine eigenartige und unzutreffende Vorstellung, daß Regierungen "bb sich ihrer Verantwortlichkeit bewußt sind, eine Art Vorliebe hegten sich in Geberden zu zeigon, wie etwa Borer im Schattenspiel ^ einander mit geballten Fäusten herausfordern und zu- ruckschrecken. Ganz so geht es in der diplomatischen Welt wirklich nicht zu. Hier ist zum mindesten die freundliche Miene die Regel, meist sogar die freundliche Gesinnung Wie es eine Fabel ist. daß die englische Flottenübung in der Ostsee eine drohende Antwort auf die Zweikaiser-Begegnung m den finnischen Schären oder auf den Besuch des deutschen lGeschwaders in Kopenhagen sei, genau so ist es eine Fabel,
*r9cnb ri die Anregung gegeben worden, nie Ostsee für ein mare clusiim, b. i. für ein g e • s cki l o s s e n e s M e e r zu erklären, das nur von den Kriegs- Unfall der Ufermächte befahren werden darf. Eine große Berliner Zeitung hat sich die Mühe gegeben, nachzuweisen, haft eine solche Schließung der Ofssee im Kriegsfall sich nicht würde aufrecht erhalten lassen. Sie dürfte sich die Mühr M^n. Hier hat man an dgs Proiekt nie gedacht, und vor Mner (fliberen beteiligten Seite ist es auch nur in Andeu hmgen.b^Lu^ worden.
Der Krieg in Ostasien.
Während über die mutmaßlichen Friedensbedinaunaen der beteiligten Mächte Japan, Ruhland und C h i n a alle Tage neue verschiedenartige Gerüchte kolportiert werden gehen die kriegerischen Operationen der Japaner mit Bestimmtheit vorwärts. Neuerdings haben sie wieder
größere Erfolge auf Sachalin
errungen. Die Russen werden überall zurückgedrängt. Eine japanische Abteilung, die ostwärts durch den Bezirk von Hovomich Aekowskoje vorrückte, schlug die bei Wedernikows- ki stehende russische Infanterie und Artillerie und ging zur Verfolgung der Russen über. Die Japaner vertrieben Sie Russen aus dem Gebiet von Rykowsk und nahmen dann die Stadt ein, wobei es zu heftigen Straßenkämpfen kam. Spä- ter stießen sie südlich von Rykowsk auf 800 Mann russische Infanterie und schlugen sie; 200 Russen fielen, 500 wurden gefangen genommen. Die russischen Streitkräfte, die den Japanern bei den letzten Kämpfen auf Sachalin entgegengetreten sind, bestehen aus 5000 Mann Infanterie mit 12 Geschützen. Ferner wurde die Stadt Luikow von den Japanern eingenommen.
General Stössel zur Disposition gestellt.
Die Vorwürfe, die gegen den Verteidiger von Port Arthur wegen der Uebergabe der Festung erhoben wurden, haben jetzt eine ernste Folge für ihn gehabt. Stössel ist unter Belassung in seiner Eigenschaft als Gr^roladjiltant von der Stellung als Kommandeur des dritten Sibirischen Armeekorps enthoben worden.
Die friedenöverbandturt gen.
Von unserem »^-Mitarbeiter.
In den nächsten Lagen beginnen in Amerika die ja- panisch-russischen Friedensverhandlungen, denen allgemein schneller Fortgang gewünscht wird. Man nimmt an, daß die Japaner klug genug sein werden, keine übertriebenen Forderungen zu stellen, und die Russen klug genug, billigem Verlangen Zustimmung nicht zu versagen. Daran ändert der Umstand auch nichts, daß der Zar auf eine Eingabe der Geistlichkeit des Orenburger Kreises, keinen schimpflichen Frieden zu schließen, geantwortet haben soll: „Das russische Volk kann sich auf mich verlassen; niemals werde ich einen schimpflichen oder des großen Rußlands unwürdigen Frieden schließen." Abgesehen von der Notwendigkeit, die zum Friedensschluß drängen könnte, werden die Auffassungen über einen schimpflichen oder nichtschimpflichen Frieden zwischen den Diplomaten am Zarenhofe und der Orenburger Geistlichkeit stark differieren. Das Interesse der leidenden kämpfenden Staaten würde tatsächlich durch eine billige Uebereinkunft am besten gewahrt. Denn ein dauerhafter Friede soll geschlossen werden, nicht ein Friede, der in Wirklichkeit nur ein Waffenstillstand ist. Hoffentlich kommt es nicht schon beim Beginn zu einer Unterbrechung. Herr Witte soll, wie erinnerlich, in Paris gesagt haben, daß er nur der Beauftragte, nicht der Bevollmächtigte des Zaren sei, daß nicht er, fonbern der Zar den Frieden schließe, daß seine Aufgabe sich darauf beschränke, die Eröffnungen der Japaner zur Berichterstattung entgegenzunehmen. Wenn Herr Witte das wirklich gesagt hat, und wenn außerdem zutreffend ist, was er gesagt hat, so ist lvahrscheinlich, daß die Verhandlungen schon unmittelbar nach dem Austausch der Be- glaubiguugsurkunden der beiderseitigen Bevollmächtigten ins Stecken geraten werden. Denn als die japanische Regierung den Vorschlägen des Präsidenten Roosevelt Gehör gab und sich zu Friedensverhandlungen bereit erklärte, betonte sie ausdrücklich, daß sie dies einzig in der Voraussetzung tue, Rußland werde Unterhändler, die mit unbedingter Vollmacht zum Friedensschluß ausgestattet sind, ernennen. Auch hat der japanische Bevollmächtigte unmittelbar nach seinem Eintreffen in Newyork diese Erklärung wieder holt. Liegen die Dinge nun so, wie Herr von Witte sie dar gestellt hat, so ist die von japanischer Seite bebuiigenc Voraussetzung nicht erfüllt, und es kommt nicht einmal zur Mitteilung der japanischen Forderungen. Man könnte fol ches Verhalten nicht einmal inkorrekt nennen, baut Bev oll mächtigte ohne Vollmacht sind ein Widerspruch in sich. Sollten die Unterhändler keine Vollmachten haben, so mar ihr Zusammenkommen überflüssig, so konnte mit größerer Bequemlichkeit und mit besserer Aussicht auf rasche Erledigung von Hauptstadt zu Hauptsigdt auf telegraphischem Wexw, verhandelt werden. Eventuell müßte also Herr von Witte seine Vollmachten sich ergänzen lassen oder nachholen, was eine mindestens zwei- bis dreiwöchige Verzögerung bedingen würde. Möglicherweise aber hat Herr von Witte nur in Paris seine Vollmachten zu verleugnen für gut gefunden, während er tatsächlich im Besitz ausreichender Vollmachten ist und diese in Newyork vorweisen kann. Sind nun die Vollmachten vorhanden und lauten die japanischen Frie- densbedingungen derartig, daß Herr von Witte darin die Grundlage für eine Verständigung finden kann, so werden die ersten Bemühungen wohl auf Vereinbarung eines vorläufigen Waffenstillstands gerichtet sein. Die einstweilige Waffenruhe empfiehlt sich nicht bloß aus Gründen der Humanität, daß der Krieg nicht ohne Not weitere Opfer an Menschenleben verschlinge. Auch die Klugheit läßt die Waffenruhe wünschenswert erscheinen, damit nicht der Fortgang des Krieges — er bringe nun den Russen weitere Niederlagen oder führe einen Umschwung zuungunsten der Japaner herbei — die Ansprüche der Parteien verschiebe und den Abschluß des Friedens verzögere. Dazu kommt, daß der Eintritt der Regenzeit große Aktionen auf dem mandschurischen Hauprkriegsschauplatz beinahe verbietet. Von der Waffenruhe zum Friedensschluß ist dann nur ein Schritt.
Wenn die ganze Entsendung von Bevollmächtigten nicht eine Komödie gewesen ist, so darf angenommen werden, daß man in Petersburg bereits Wege gefunden hat, sich über die Forderungen der Japaner wenigstens in den Umrissen zu unterrichten und Gegenvorschläge nach Tokio gelangen zu lassen. An Vermittlern hierfür, an „ehrlichen Maklern", würde es nicht gefehlt haben. Deutschland, England, Frankreich, die Vereinigten Staaten von Amerika hätten hierfür ihre Dienste gern zur Verfügung gestellt und sich der Aufgabe gewiß mit Takt und Verschwiegenheit unterzogen. Ist diese Annahme völlig oder auch nur zum Teil zutreffend, so werben die Bevollmächtigten ziemlich bald von Newyork nach Washington übersiedeln können, wo das Friedensinstrument unterzeichnet werden soll Anderenfalls wird sich der r von
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iaiMnMen^sK^ ^°L°^'°,"< das; die russigen und bis Manischen Wünsche sich dann begegnen, auf den Krieg ein ^r"Ge!ck>iİMa! ^^, F^^ ni*t ebne Beispiel in bon 18ßß w '^ \rnn ^m“^1- ""^ cinmaI °« den Krieq non lobst zu denken, dessen Parteien, dank der kluaen Mästi- Voraussicht König Wilhelms I. und seines Mi- Esters tto von Bismarck-Schönhausen, nach vier Jahren Teil bereits Verbündete und bald darauf alle in verläßlicher, treuer Freundschaft vereint waren. Der Hauptleid- tragende bei dem russisch-japanischen Bündnis wäre China ^rbb^ Krieges und die Kosten des Friedens dcrzu bezahlen mußte. Doch das steht im Bilch der Zukunft Einstweilen ist noch nicht einmal gewiß, ob nicht Mochte ebenso wie nach'dem japanisch- chinesischen Kriege beim Friedensvertrag von Schimonoseki sich einstnden werden, um als „llnpartnische" tätig zu sein um Mitzuraten, wo sie nicht mitgetatet haben und durch den HinN^is auf ihre geschonten Kräfte ihren Empfehlungen besonderes Gewicht zu geben. — Das alles ist schon dagewesen; es ist nicht einmal lange her.
. politische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Ueber den Grenzzwischensall in Kamerun, der durch den Zusammenstoß deutscher und französischer Truppen entstand, ist jetzt eine erste amtliche Meldung aus Kamerun eingegangen :
Darnach ist nun die deutsche Faktorei in Missum- Missum von Senegalesen widerrechtlich aufgehoben und beraubt worden. Der Chef des Grenzdistriktes, Hauptmann Scheunemann, der sich zurzeit in dem südlichen Teile seines Bezirkes aufhält, wurde bei dem Einmarsch in Missum- Missum beschossen. Bei der Abwehr wurden von seinen Leuten 5 Angreifer getötet und 4 zu Gefangenen gemacht. Der Gouverneur von Kamerun hat nach Eintreffen der Nachricht den Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe, Oberst Müller, zur Einlegung eines Protestes und zur Re- gelung der Angelegenheit nach Gabun, dem Sitze des französischen Gouverneurs, entsandt. Gleichzeitig hat er sich mit dem Generalgouverneur des Congo franyais in Braz, zaville in Verbindung gesetzt. Dieser schlug die baldige Entsendung einer Grenzkommission an Ort und Stelle vor. Der Gouverneur von Kamerun hat sich mit diesem Vorschläge einverstanden erklärt, um weiteren Grenzstreitigkeiten vorzubeugen.
* Das von Zeit zu Zeit angewandte Zeugniszwangs, verfahren gegen Redakteure soll demnächst einer amtlichen Untersuchung in bezug auf seine Reformbedürftigkeit unter- morsen werden. Das Reichsjustizamt hat dem Verband Deutscher Journalisten- und Schriftsteller-Vereine mitteilen lassen, daß, nachdem die Protokolle der Revision für die Reform des Strafprozesses im Druck erschienen sind, einer Besprechung über die gesetzliche Regelung der Zeugnispflicht der Redakteure nähergetreten werden könne. Für die Besprech- ung ist ein Tag im Oktober in Aussicht genommen.
* Eine wichtige Bestimmung über die Beschäftigung aus- ländischer Arbeiter ging sämtlichen preußischen Regierungspräsidenten zu. Nach dieser Verfügung dürfen russische und österreichische Arbeiter polnischer Nationalität in Preußischen Industriegebieten nicht mehr beschäftigt werden.
* Bei Swinemünde im Osternothafen wurde unter bem Verdacht der Spionage durch die Militärbehörde der Angestellte eines Berliner photographischen Instituts verhaftet. Der Sistierte ist Oesterreicher und hat vom Leuchtturm aus photographische Aufnahmen des Festungsgeländes gemacht.
Rolland.
" Der Ausstand des Fürsten von Boni auf Celebes gegen die niederländische Regierung ist niedergeworfen, Die gegen die Empörer ausgesandten Truppen sind auf Celebes gelandet und haben die Befestigungen von Badjonwa, der Hauptstadt des Fürsten von Boni, zerstört. Die Bomlente verloren dabei 260 Mann, die niederländischen Truppen 25 Soldaten und 1 Offizier.
England.
** Am 7. August soll die französische Flotte in Cowes eintreffen, der Besuch in den englischen Häfen sieben Tage währen. Cowes, Portsmouth und London bereiten glän- zende Festveranstaltungen vor. Am 9. August wird König Eduard die französische Flotte besichtigen. Das Oberbaus und das Haus der Gemeinen wollen die französischen OsN- ziere in Westminster-Hall bewirten. Kurz, es geschieht das Mögliche, um dem Besuch eine politische Bedeutung zu ver-
leihen.
Russland,
** Die Ernennung des Generals Durnowo zum General- asnverncur von Moskau deutet daraus, daß die Groß Ürstenpartei wieder erhöhten Einfluß gewonnen hat. General Durnowo ist ein Mann ganz nach dem Herzen des Heirn von Trepow, war mit Plehwe enge befreundet um ein Günstling des Großfürsten Sergius. ^er neue Gon-