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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 297. Amtliches Organ der Stadt Kaffel Dienstag, 20. Dezember 1927. Amtliches Organ der Stadt Kaffe! 17. Jahrgang

Das große Moskau-Fiasko in Lhina.

Also sprach Stalin.

Moskau enthüllt sein Gesicht.

(Von unserem russischen Mitarbeiter)

Die sechsstündige Rede, die Stalin, der mäch­tigste Mann Sowzetrußlands auf dem Partei­kongreß in Moskau hielt, war offiziell ein um­fassender Parteibericht, zugleich aber auch eine persönliche Erklärung von höchster politischer Be­deutung, weil sie die Moskauer Stimmung äußerst scharf widerspiegelt und weil sie für die gesamte äußere und innere Politik des Sowjet- landes für die nächste Zukunft entscheidend sein wird. Es lohnt sich, auf dies. Rede näher ein­zugehen Stalin leitet seinen Bericht mit einer Uebersicht der weltpolitischen Lage ein Er malt dabei in zeimlich düsteren Farben Die Stabili­sierung der kapitalistischen Wirtschaft hat keine feste Basis. Sie verläuft ungleichmäßig, aus Kosten, unter der Zurückdrängung und Benach­teiligung Schwächerer Es fehlt ihr an Absatz­märkten Daher die kommende Krise; da­her der Zwang zu neuen Kriegen; die Weltkarte soll auf das Bestreben der kapitalisti­schen Mächte hin umgeändert werden, die Ver­teilung der Kolonien muß revidiert werden Diese Revision wird mit Kriegsmitteln vorge­nommen. Die militärischen Konflikte reifen über­all unaufhaltsam. Sämtliche Mächte rüsten eif­rig weiter, trotz des Völkerbundes, trotz des .Geistes von Locarno", trotz der schönen Reden. Die Herrschermächte haben ihre Rüstungen em Vergleich zum Jahre 1913 fast verdoppelt. Das beweist, daß die neuen imperialistischen Kriege unvermeidlich sind. Der Krieg mit der kapi­talistischen Welt ist unabwendbar. Aber im Interesse Sowjetrußlands liegt es, diesen Krieg möglichst lange hinauszuschieben. Der Kernpunkt der Außenpolitik Rußlands ist zur­zeit das friedliche Zusammenleben beider Sv- steine, des sozialistischen in Sowjetrußland und des kapitalistischen in den übrigen Ländern. Moskau braucht von den Kapitalisten Kredite und diese... den russischen Absatzmarkt.

Innenpolitisch ist Stalin zufrieden. Rußland wird zum Industrielande! Seine Industrie hat bereits den Vorkriegsstand überschritten und wird sich im Jahre 1931,32 verdoppelt haben Schade, daß Stalin nicht gleichzeitig mitteilt, um wieviel Prozent die russische Pro­duktion in den ersten Jahren der Sowjetherr- schaft gesunken ist! Es handelt sich hier nur um einen Wiederaufbaurekord, der dem Zerstörungsrekord des KriegSkommunis- muS ehrenvoll die Wage hält, nicht aber der Re­kord eines Weiteraufbaues! Das Entwicklunys- temvo auf dem Lande befriedigt Stalin nicht. Er gibt darin der Opposition sehr geschickt Recht, ist aber fest davon überzeugt, daß es ge­lingen wird, die Steigerung der landwirtschaft­lichen Vroduktion der industriellen Entwicklung anzupossen Die PreissenkunoSaktion Hai »ich den erwünschten Erfolg gehabt. Die staatlichen Organisationen haben sich dieser Aktion wider­setzt. DaS ist peinlich! Peinlich ist auch, daß die Dowieiregierung sich gezwungen sah, zur Festigung ihrer finanziellen Lage das berüchtigte Wodkamonopol wieder einzuführen. (Der gute russische Zarenwodka, der daS Blut deS russischen Volke? so lange zersetzte, ist wieder da: er heißt jetztRvkowka", nach dem Namen deS Präsidenten, des Volkskommissars R Y k o w, der das Wodkamonovol einsührte, und der, wie die Volkssage eS wissen will, dem köstlichen Tran' selber ziemlich zugetan sein soll!) Stalin will daS Wodkamonopol wieder abschaffen und es durch Radio« und Kinomonopol ersetzen, um die vudgetlöcher zuzuschütten.

Mit bewunderSwerter Offenbeit geht dann Stalin zur Erörterung der russischen Schwie- riakeiten über Die Unzufriedenheit der Bevöl­kerung und daS Anwachsen der antisowjetistischen Strömungen, der Bürokratismus des Verwal- lungSavparateS, die Arbeitslosigkeit, die ersckrek- kende Wohnungskris«, alles das bespricht Stalin gündlich und mutig. Die größte Wunde am olkskörper bleibt in seinen Augen der immer noch niedrige Kulturstand Rußlands Und nun kommt die langerwartete Sensation; die Auseinandersetzung mit der Opposition Das ist der Höhepunkt der Rede StalinS. Auch hier erweist er sich alS äußerst geschickter Takti­ker denn er beginnt mit der schärfsten Kritik ... deS Zentralkomitees! Man könnte glauben, er hätte sämtliche Reden Trotzkis und Sinowjews auswfnd'«' lernt und die besten Sätze zu einem duftenden Strauß zusammengebunden. Nachdem die dicke Luft des KonareßsaaleS auf diese Weise erfrischt wurde, hat Stalin aber eine w « n i a e r gutriechende Neberraschung: er entkleidet sozusaoen sämtlich» Oppositionsführer und Wäsch ihre schmuAiae Wäsch« vor dem ganzen Audtto- rium gründlich au»! DaS gelingt ihm um so

Moskau hat auögefpielt.

Politik trübt das junge Eheglück in China.

London, 19. Dezember.

Aus Schanghai wird gemeldet, daß Frau Sunjatsen aus Moskau ei« Telegramm an Tsimangtaischet, mit dem sie üch kürzlich »crheira. tet hat, sandte, worin sie ihn eindringlich ersucht, die Beziehungen mit Sowjetrutzland wieder auf zunchmen, waS aber Tschiangkaischek zurück­wies, da sich die Sowjetregierung nicht im Ge­ringsten um die Interessen Chinas bekümmerte.

* * *

Gelbe Rriegsgreuel.

Pestilenz in den Straßen. Rohe Gebräuche.

London, 19. Dezember.

AuS Kanton werden ungewöhnliche Greu l, Folterungen usw. bei der Niederschlagung des Komunistenaufstandes berichtet. Wegen deS un­erträglichen Leichcngeruchs mutzten die Toten von de» Straßen durch Lastautomobile fortge­schafft werden. Ei Teil der Leichen wurde ver­brannt, die Asche in Säcke gefüllt und als Dün­ger verkauft (!).

Kopenhagen, 19. Dezember.

Aus Leningrad verlautet: Rach Bekanntwer­den der bolschewistischen Hinrichtungen in Kan­

ton kam es in Leningrad zur Schließung der Fabriken. Gewaltige Menschenmaßen füllten die Straßen. Proteilumzüge dauerten mehrer« Stun­den. Vor den fremden Konsulaten mutzte Poli­zei stationiert werden.

Das ist Her Bürgerkrieg!

Chinesenrache an Russen. Opfer ohne Zahl.

Hongkong» 19. Dezember.

Unter den Hingerichtete» fünf Russen befand sich auch Vizekonsul Hassis, der mit auf dem Rucken gefesselten Hände, ohne Schuhe und ohne s Socken auf dem Boden auSgcstreckt zeigt. Der russische Generafkonsul und sein Personal be- finden sich noch im Gefängnisse, lieber eintau- ifenb Häuser wurden eingeästbert. Die Zahl der Getöteten und Verletzten beläuft sich auf 3000. Reiche Chinesen bringen ihre Wertgegenstände in das Auskänderviertel.

Moskau, 19. Dezember (Eigene Drahtmel düng.) In Radeks Wohnung traten die 71 auS geschloffenen Führer zusammen Tscheka und Polizei erschien und trieb die Versammlung, der auch Trotzky beiwohnte, auseinander.

Ein Zdeak-Giaat.

...nach dem Manifest deS Jungdeutsche«.

Berlin, 19. Dezember.

Im ReichsordenSkapitel deS Jungdeutfchen Ordens gab Hochmeister M a h r a u n folgendes Manifest bekannt: Die heutige Herrschaft do« Kaste und Geld im Staate sei die natürliche Folge der Gliederung nach Parteien. Die wah« ren Herren im Parteiwrsen seien die Besitzer der Geld- und Machtmittel geworden, die zur Durchführung der Agitation notrvenvig seien. Die Rückkehr zu einer kraftvollen VolkSgemein» schäft bedinge eine Aenderung der Struttur des Staates Tas Manifest fordert: Gemeinde­oder stadtbezirksweise Zusammenfassung der Staatsbürger zu politischen Einheiten, Zusam­menfassung dieser Grundzcklen zu einer größeren Gemeinschaft für den Kreis oder die Stadt, Zusammenfassung dieser Bezirke zur größeren politischen Einheit unter Berücksichtigung der Stammeseigenart. Im allgemeinen, gleichen und direktem Wahlspstem solle die örtliche Rach» barlchaft den Besten unter Gleichen zum Füh­rer wählen, die Führer der Nachbarschaften dann den Führer des Bezirks usw und schließlich die StammeSfüherer den

ReichSführrr auf Lebenszeit.

Die entscheidende Instanz im Staate sei das auS den Stammesführern gebildete RetchSkapitel. Einzurichtende Fachkammern hätten tm Zusam­menwirken mit dem Staate Sonderfragen z« lösen. Der Jungdo trete für Volksabstimmung ein Werde diese Parlamentsreform nicht staat­lich unterstützt, dann sei die Wahlenthaltung das schärfste Kampfmittel.

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Dem ewW» Frieden entgegen...

Amerika plötzlich umgestimmt. Briands Ziel fast erreicht. Nach deutschem Muster.

Washington, 19. Dezember. Laut Pressenotiz ließ Staatssekretär Kellog der französischen Re- gierung ein Abkommen für ewigen Frie­den unterbreiten und zwar Verzicht auf den Krieg, Schiedsgerichtsverfahren so­wie gewisse Rechte der Vereinigten Staaten, be­sonders betreffend die Einwanderung und die Monroe-Doktrin. Dieser schnelle Fortschritt über, rascht umsomehr als erst kürzlich Präsident Coo-

lidge ein solches Abkommen als unmöglich be­zeichnete. Der Abschluß des neuen Abkommens dürste bereits für den 6. Februar, wenn der bisherige SchicdsgcrichtSverrrag abläuft, in Aussicht g.noturnen fein. (Dieserewige" Fne- densvertrag enthält keine anderen Punlte, als' wie sie in den von Deutschland bereits mehrfach abgeschlossenen Schiedsverträgen vorbildlich vor- gezetchnet wurden. D. Red.)

Tragödien unter Wasser.

Die letzten Sechs im gesunkenen Unterseeboot.

London, 19. Dezember.

Nach den letzten Meldungen über daS ge­sunkene amerikanische Unterseeboot S. 4, befin­den sich von den 35 Offizieren und Matrosen noch sechs Mann lebend im Torpedornum des

Schiffes. Es wird zunächst versucht werden, das Borderfchiff zu heben.

In daS Unterseeboot wurde Lust gepumpt und zwischen den Tauchern und den Leuten im Torpedoraum durch Klopfzeichen eine Berstän digung herbeigeführt.

DaS Programm der Führer.

Berlin, 19. Dezember.

Auf einer von Minister a. D. Koch geleite­ten Pancuropa-Kundgebung führte der Führer Graf Coudenhove-Kalecgi u. n. auS: Wir wol­len den europäischen Staatenbund und Zollver­ein zur Rettung Europas und der weihen Raffe. Wie Paneuropa politisch bedingter Pazifismus ist, so ist er wirtschaftlich bedingter Freihandel. Wir wollen die Sicherung und Entfaltung der europäischen Wir tschaft. Wir wollen dit europäische L a u d w i r tscha ft so- weit schützen und entwickeln, daß sie Europa er­nähren kann, und wir wollen die europäisch« Industrie gegen die Weltkonkurrenz stützen und erstreben ein freie? Europa. Wir wollen die heutigen Sprachnatione« Europas sammeln zu einer einzigen Raffenation, wobei aber die na­tionalen Individualitäten erhalten bleiben sollen.

Die neue cohnsteuer.

Die Verdrängten wieder vertröstet. Ferien bi» 19. Jnnuar.

Züge im Schneegrab.

Schneestürme und eisiger Frost regieren in ganz Europa.

Die tiefsten Temperaturen feit 2adrei

fiel leit

2m Norden noch schlimmer.

London, 19. Dezember (Eigene Drahtmel­dung.) Im Arrmelkanal herrscht Sturm. AuS ganz England kommen Berichte über große Kälte und Schneefälle Die Pferderennen mutzten ab gesagt werden.

Kopenhagen, 19. Dezember. (Eigene Draht­meldung.) Die kleineren Fjords und Sunde zwischen den Inseln, sowie die Flüffe sind zu- gefroren. Eisbrecher sind in Tätigkeit. Ein rie-

Mailand, 19. Dezember. (Eig. Drahtbericht) Nach scharfer Kälte ist in Mailand der erste Schnee gefallen.

Amsterdam, 19 Dezember. Wegen des starken Froste» und Eisganges ist die Schiffahrt und Fischerei auf der Zuider-See eingestellt worden. Die Binnenschiffahrt ist stark behindert.

Wien, 19. Dezember. Der ungemein st Frost hat sowohl in Men selbst als auch auf den Eisenbahnen zu schweren Verkehrsstörungen ge­führt. Gestern Abend wurde ein Zug mit Sport- leuteu derart eingeschneit, datz Schneepslüge stundenlang arbeiten mutzten, um den Zug frei» zubekommen.

Paris, 19. Dezember. (Eig. Drahtbericht) Die Kälte im ganzen Land hat sich noch (' steigert. In den Vogesen herrschen 20 Gr- Mehrere Personen sind erfroren. In Paris s das Thermometer auf minus 15 Grad was fi mehreren Jahren nicht mehr vorgekommen ist.

Der ungemein starke! schönster Sonnenschein. Die Bäche sind zuge- elb# nffl auifi nuf hrq froren.

sigrr Fischfang stark behindert.

Lugano, 19. Dezember. (Privattelegramm.) Im unteren Tessin herrscht trotz scharfer Kälte

ist erfroren.

Die Schiffahrt ist

Berlin, 19. Dezember. Im Reichstag wurde am Sonnabend das vielumkämpfte KriegSschä» dcnschlußgesetz ohne jede Aussprache durch Ueberweisung an den Ausschuss erledigt. Prä­sident L ö b e bezeugte den festen Mllen aller Parteien, das KriegSschädcnschlutzgesetz noch ie diesem Reichstag zu verabschieden Der Lohnsteuerantrag der Regierung ist bekanntlich durch einen Entwurf ersetzt worden, der Ab­züge vom Steuerbetrug zuläßt, die im Höchst­fall zwei Mark monatlich betragen. Äusser- dem werden die Steuererleichterungen zugun­sten der verheirateten und kinderreichen Steuer­zahler verbessert. Den Entwürfen der Links­parteien gegenüber betont Abg. Brüning (Ztr.), dass der Entwurf doch die gewollt« Wirkung erziele. Finanzminister Dr. Köhler wies darauf hin, datz die Länder und Gemein­den bei der unveränderten Durchführung der lex Brüning dem Wortlaut nach nur schwer hi der Lage sein würden, die ihnen auferlegte« neuen Laste« zu decken. Nach längerer Debatte ergeb die Abstimmung die Annahme de» AuS« schutzentwurfS

mit 193 gegen 161 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Ferner wurde eine Prüfung verlangt, ob die Veranlagung «ach dem dreijährigen Durchschnitt eingeführt wer­de« kann. Mit den besten WeihnachlS- «ad ReujahrSwünschen des Präsidenten Löbe ging das Hau« dann bis 19. Januar in die Ferieq

leichter, als die Lppositionsführe teile abwe­send, teils aber so zugerkbtet werden, daß sie teilt Wort hervorbringen können. Stalin ver­langt eine restlose Unterwerfung der Opposition. Wer für die Partei kein politischer Leichnam werden will, soll den politischen UeberzeugungSselbstmord begehen TieS ist der Sinn der Forderungen, die Stalin

Trctzki noch nicht getan Was weiter wird hält

an die noch in der Partei verbliebenen Opvosi tionsmänner Kamenew, Rakowski usw. stellt. Sie sollen, wie er sich nach dem Intermezzo in Genf sehr zeitgemäß ausdrückt, .abrüsten". Die­sen Gefallen haben ihm aber die Ausrechten um

die Muse v.» borgen;.

Lin dramatischer Abschluß.

Mit einem heiteren und einem nassen Angs geht der Landtag in di« Ferien.

------ ----------------l Berlin, 19. Dezemcher. Nach Ueberweisung «tgschilbt« in ihrem Schoß ver-I deS Etat» im Landtag an den Ausschuss warf iAbg. Dr. Heß (Ztr.) dem Ministerprässdenteq