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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Mittwoch, 7. Dezember 1927

und

Kurzer Vrozeft tait Kommunisten.

Paris, 6. Dezember. Mehrere Kommunisten

hintergehen. Rykosf führte auS: Wer in den Reihen der Partei verbleiben wolle, müsse aus der Fraktion Trotzki austreten.

Hin zur Wettrevolution.

Moskaus Devisen für drinnen und draussen.

Moskau, 6. Dezember.

Seinen Bericht auf dem Kominuniftenkongref begann Stalin mit dem Hinweis auf diewach­sende Krists des WeltkaPitalismuS" und die Ge­fahr neuer Kriege. Die AbrüstungSkomödie be­weise, dass der Völkerbund ein Instrument zur Bemäntelung neuer Rüstungen und Vorberei­tungen von neuen Kriegen sei. @5 genügte, irgendwo in Albanien oder Litauen, China oder Nordamerika am Frieden zu rütteln, damit wie 1914 da» ganzeFriedenSgrbäude" einstürze. Stalin fuhr fort: Wir leben am Vorabend eines neuen

revolutionären Aufstieges in den Kolonien und den Mutterländern. England hat seine ge­scheiterten Versuche zur Bildung einer Anti- owjetfront noch nicht aufgegrben. Die Praxis hat unsere Zulassung eines Rebeneinan- derbeftehens zweier entgeqengeseNter Wirtschafts- Systeme gerechtfertigt. Unsere Politik in der Schuld-n- und Krrditfrage beruht auf der For­mel: Gibstdu,soaebeich. Fuder Aussen­politik erstreben wir: Kamnt den FnterventionS- «endenzen Englands, Verstärkung der Wehr- ähigkeit der Sowfetunion, Aufrechterhal­tung friedlicher Beziebitngen zu kapitalistischen Ländern, Ausbau des Austenhandels. An­näherung an die nicht vollberechtigken Staaten

Soweit ist es noch nicht.

Falsche Gerüchte um Maedonald's Rücktritt

London. 6 Dezember

Die Arbeiterpartei dementiert daS Gerücht wonach Mardonald wegen seines schlechten Ge­sundheitszustandes seine Demission al^ Präsident der Art-ei erpartei angeboten habe. Er beabsichtige nicht, in nächster Zeit zurückzu­treten.

Nummer 286. Amtliches Organ der Stadt Kaffel

Amtliches Organ ver Stadt Kaffel 17. Jahrgang

Rein weg nach London.

Moskau nur mit Paris auSgeföhnt.

Genf, 6 Dezember.

In der gestrigen Besprechung zwischen Cham­berlain und Litwmow konnte eine Basis für die Verständigung nicht gefunden «erden Da -regen wurde die Rakowski-Angelegenheit mit Briand beigelegt In Paris soll über Schulden- und Kredit'ragen sowie einen Nicht­angriffspakt weiter verhandelt werden

Weltrevolution als Sowjetziel

Macht die Eisenindustrie Ernst? / 3m Olten schwelt es Welter.

Die Äafleler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich lechSmal nachmittag». Der SbonnementSvreis bcaagi istr den Monat 2. X bei freier Zustellung ins »auS. in der GeschSftsstelle abgeboh l.üO X Durch die Post monailidi 2. X ausschlieblich ZuSellunadaebübr. ssernivrecher 951 und 952. ftüt unverlangi etnaefjnbte Beiträge kann die Redaktion eine Bcra«! worin na oder (Stroäbt in keinem i^alle Bbernebmen Rückzablung des BeiugSgclbes oder Anlorstche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist anSgeichlosten. Postscheckkonto Frankfurt a M. Nummer 6880. Cinielnummer 10 4 Sonntagsnummer 20 4.

Mdersprucv in Moskau ausgeschlossen

Moskau, 6. Dezember. Auf dem Kommunt- ten-Kongreß dürsten die Anhänger der Opposi tion nur mit beratender Stimme teilnehmen.

* * *

In der Parteifolter.

Nur Widerruf oder Austritt gestaltet.

Moskau, 6. Dezember.

Der ost unterbrochene Oppositionen- RakowSl- betonte tz. a.: Man unterschätze die auf völlige Isolierung der Sowjetunion gerichteten Be­mühungen der internationalen Bourgeoisie Volkskommissar Rudlutak warf ihm Schwächung der Sowjetunion vor Der Abfall von viertau­send Intellektuellen bedeute nlch eine Spaltung ändern eine Säubervns der Partei. Kamenew -rklärte sich bereit, alle Oppositionsorganisatio neu ifzulösen Von feinen Anschauungen könne Ich jedoch nicht toSsagen. obwohl die Öppositio Zellen sich zum Teil im Irrtum befänden. Die Opposition werde aber die Partei nicht wieder

SS spukt überall.

In den Wandelhallen deS Reichtags.

(Von unserem ParlamentSmitarbeittt.)

Die nun schon fast zur festen Ueberlieferung gehörige Weihnachtskrise ist auch in diesem Jahre nicht ausgcblieben. Rur war die Wind­richtung anders als in früheren Jahren. Krisen entstehen zumeist in der Wandelhalle des Reichs­tages und erfüllen erst danach die deutsche Oes- {entlichkeit mit unheimlich m Sausen und Brau­en. Der Parlamentarier berauschte oder begru- selte sich je nachdem, ob er mit Freuden oder mit ahnungsvollem Kummer in den Wahlkamps tre­ten kann an dem Meiuungssturm der Press«. Diesmal entstand das Sturmzentrum in der Oeffentlichkett und wurde von den Wandelhallen aufgesangen Es läßt sich nicht leugnen, daß er eine starke Erschütterung der Gemüter von ganz rechts biS ganz linls hervorrief Wenn die Parlamentarier so ganz unter sich sind, dann sind sie immer darüber einig, daß an dem Reichstag nicht gerüttelt wer­den darf, und daß c|' daS allerbeste wäre, die je­weils gewählten Abgeordneten als D a u e r v e r- Ireter aufLebenSzeitzu ernennen.

Niemand verliert gern feine feste Stellung.

Der Rrieg wir-... vertagt.

Litauen und Polen sollen im nächsten Völkerbundsrat ihr Friedenspensum aussagen.

Gen', 6 De ember. Zu der bereits gestern gemeldeten Schlichtung zwischen Litauen und Polen durch die Grossmächte hat Pofen auf die sofortige Hrstellung normaler Beziehungen verzichtet und sich mit besonderen Berhand ungen zwecks endgültiger Regelung einverstan­den erklärt. Man hofft, dass Litauen sich mit ei­ner RechtSverwahrung in Bezug auf da l Wilnagebiet begnügt. Die^e Regelung dürfte auch von Pilsudski angenommen werden. Uebe- dic erzielten VerhandlungZereebnisse soll au der nächsten Ratstagung Bericht erstattet werden

In Genf wird taufet nach den alten .bewähr­en' Rezepten der Vertagung weiter Wel'politik gemacht Wir wiesen gestern ffon an leitender Stelle darauf hin, daß dieses Genfer Friedens- 'flästerchen bei der erstell st rken Volkser eguna im Osten wieder aufreißen tarnt ES sollte uns wundern, wenn Pilsudski nicht bis zur rafften Ratstagung Litauen mit Haut und Haaren verschluckt haben sollte.

ÄnKtaenpreife: (Sin beim Hebe ©eWftganaetaen die inm-detle 10 4 auswärtige Äcichäfisa «zeigen die mm*.'teile 10 4. stamilienanzelgen die ww-deile 10 4. Kleine flnieigen aus Kastel daS Won 5 4. auswärtige kleine änieigen fite mm« delle 10 4. Reklamen die lum-deile 88 4. Cffertgebübr 25 4 (bet dultellung ! 4 t. Rechnungsbeträge innerlialb 5 Tagen zablbar itüt die Rtchngkeit aller durch ssernfvrecher aufgegebenen Anzeigen sowie für flufnnhmcbaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Mr Anzeigen mit besonders schwierigem Latz 100 Prozent Aufschlag Druckerei: Echlach-bofftr. 28'80. Geschäftsstelle: »Slntfchekr. 5.

Der Parlame-^rier von,heute hat aber sein fe­ste? Gehalt, wenn man es auch noch alS .DiS- ten' bezeichnet. Diäten bedeutet doch nicht nur in richtiger Ueberfetzung, sondern auch nach dem allgemeinen Sprachgebrauch in Deutschland im­mer noch .Tagegelder'. Davon kann aber bei unseren Parlamentariern schwerlich noch gespro­chen werden, seitdem sie sich im Reichstage und auch im Preußenhaus ein Viertel-Mini- stergehalt durch Gesetze gegeben haben, ein Gehalt, das gesetzmStzto auch dem Wandel der Besoldungsordnung unterworfen ist Niemand verzichtet aber auch gern auf daS Hauvtgui der Parlamentarier, die Etsenbahn-Freikar- te, sein wichtigster Besitz für die glückliche und billige Durchführung nicht nur der parlamenta­rischen. sondern auch der persönlifen Gefchästs- angelegenheiten Niemand verzichtet gern aus daS leicht zu lösende Buchstabenrätsel M. d R, das seine Besuchskarte ziert Schließ­lich aber nicht an letzter Stelle verzichtet and) niemand gern auf einen hieb- und stichfesten Grund für seine Reisen nach der Reichsbaupi- stadt in der eS ja nicht nur Parlamentsgebäude, sondern zahlreiche .bessere' Einrichtun-en geben soll mit allerhand niedlichen kleinen Dingerchen die auch die Grundsatzfestigkeit eines noch so wetterharten Parlamentariers zu erschüttern vermögen, ganz abgesehen von seinem steten Training in Kompromiß, und KoalltionSangc- lepenheiten durch das Parlamentarier-Dasein von heute...

Man sieht den Gesichtern in den Wandelhal­len an. daß dieser Verzichtfilm von den guten Seiten deS Abgeordnetenlebens die Gemüter be­wegt und man fühlt daS mit dem rührseligen beschwörenden Ton heraus, mit dem die Ban- nung der Wandelhallen-AustösungSgespenster versucht wird Die Schlauesten unter den Schlauen - schlau sind sie alle, sowohl am Platz der Republik als auch in der Prinz-Albrecht- Straßel trommeln unter sanfter Gewaltan Wendung ein paar Journalisten zusammen und erörtern nun lebhaft die Frage: Muß eS denn fein? Mit der sofort peaebenen Antwort: Es muß nicht fein? Ausschußberatungen, inter­fraktionelle Besprechungen, FraktionSanSspra' en jagen einander und dann tauchen aus den Ku- listen fämrlidfer B ratungszimmer die glatten lächelnden Häupter unserer Lieben auf den Par- lamentsfesteln aus und jubeln: Einigung! Es wird nicht aufgelöst Denn man bann noch fragt: Wann finden die nächsten Wahlen statt dann bekommt man die geistreiche Antwort: Am S Februar 1929! DaS ist der alleräußerste Tag. bis zu dem der Reichstag, der am 9 De­zember verschwinden muß. fein Leben aufrecht erhalten kann: denn erst von diesem Tage ab m u ß der nächste Reichstag seines Amte? walten

.DaS habe ich mir gleich gedacht!' läßt sich ein besonder? gründlicher Kenner deS parlamen­tarischen Lebens und Strebens mit allem Geha­ben eine? Menschen hören, der seine Zeitgenof fett durch ein Bonmot erfreuen will: Seit oeute vormittag bat der C agnacverbrauch zn- unaimsten des Tabakverbrauches wieder znge- Avmmen ' Und dann folat no* die E^lSitteruna Nach meinet Beobachtung, die ich auch zahlen mäßia belegen kann, steiat In Srifenleiten der «bakkonsum Die Coanacs im Sveilesaal der jTaballonsu«. Die CognaeS im Speisesaal der

Aber das Eis gebrochen.

Wann verhandeln Moskau-London weiter?

London, 6. Dezember.

Rach der Besprechung Litwinow-Chamberlaln hofft die liberale Presse, dass die Tür für wei­tere Verhandlungen offen geblieben ist. Natur- lich war eS nicht möglich, in einer Stunde die Grundlage für eine Vereinbarung zu erreichen. Aber beide Staatsmänner haben das Eis ge­brochen und einen weiteren Meinungsaustausch indernahenAukunft wenn nicht unver­meidlich so doch möglich gemacht. Ein Blatt Ürchtrt, daß die britische Regierung durch den urchtbaren Fehler deS Abbruches der Beziehun- gen es Stalin unmöglich gemacht habe, der antibritischen Propaganda Einhalt zu tun

Auf Befehl Mihai L

Ober: Das Kind auf dem Thron.

Von

Olga Dv-ra-isenburg.

El« stttngk wie alle andere». Spielen gebt jbm itber alles. Der Holeumatz befiehlt. Ei« Tag im KL» gSschlvb. - Nur nicht ... schlafe« geb«. Der kleine AnSrelber im Puiama. Di«

Krone als ... Spielzeug.

Eine Atmosphäre großer Stille herrsch: über­all Hock) oben über den malerischen Türmen des Schlosses Sinaia weht die Standarte des königlichen Hauses von Rumänien in Trauerilor. Jrn Hofe des Palastes wandeln die SchUd ra­chen, mit den Gewehrläufen zu Boden gerichtet, itn einem großen breiten Zimmer dos brüten Stockwerkes im Schlosse spielt ein Knabe mit ei­ner Schachtel mit Holzwürfeln. Es ist ein Bub wie alle Buben in diesem Alter. Ein Jumper aus weißer Wolle bedeckt den kleinen Oberkörper und eine Hose aus dunkelblauem Stoss läßt b:e runden von der Sonne gebäun:en Knie seken.

Sine Hand berührt leicht die Schulter deS Knaben Er erhebt seine Äugen und blickt in oas trauervolle Antlitz der Königin Maria von Rumänien Mit tränenerstickter Stim­me teilt sic dem Aufhorchenden mit, daß fein Großvater. König Ferdinand, in die Welt der Engel gegangen und daß er nun an feiner Stelle König von Rumänien fei Die Tür öff­net sich wieder und Prinzessin Elena, die sstöne Gemahlin des Pein en, der auf sei­nen Rang und den Thron zu Gunsten des Kin­des verzichtet hat, tritt ins Zimmer .Mütter­chen,' ruft der kleine König, sie umarmend, Großmutter sagt, daß *cb König bin.* Ernst­haft nickt die Prinzessin mit dem Haupte und bestätigt seine Fra-e. .Aber nun, wenn ich-

luurben wegen Aufreizung von Militärpersonen zum Ungehorsam zu Gefängnis- und Geldstra­fen verurteilt, Abg. M a r t h y zu drei Monaten 100 Francs Geldstrafe.

Die Industrie stoppt ab.

Kommt eS wirklich zur Stillegung?

Berlin, 6. Dezember.

Die Eisenindustrie beginnt bereits mit der praktischen Vorbereitung der für den L Januar angekündigten Stillegung. Schon in den näch­sten Tagen dürfte dir Einstellung der Bauten sich durch Abstopven der Hochofenbe­züge an Kalk und feuerfesten Stoffen und durch Anhalten der Schrottbelieferung bemerkbar machen. Man rechnet damit, dass die Verhandlungen sich vom 7. Dezember über vierzehn Tage hinziehen dürften, sodaß die offizielle Kündigung seitens der Arbeitgeber am 15. bezw 17. Dezember ausgesprochen werden dürfte.

nig bin. werde ich auch weiterhin spielen kön- . nen, wenn ich mag?', fragte nachdenklich der

Knabe Die beiden Damen ziehen sich zurück . und lassen den Knaben mit seiner Gouvernante allein.

Die öfteren Verbeugungen und das vielfache Grüßen des Dienstpersonals im Schlüsse, über­all, wo es ihm begegnet, ntadien den königlichen Knaben auf die neue Bedeutung aufmerksam, die ihm nun zukommt Er gefaltet es aber noch immer nicht, daß ihn feine Spielgenossen anders behandeln, als es früher der Fall war. Bor einigen Tagen hatte ich Dienst bei König-n Raria dem kleinen König und bei der Prin es- sin Elena Wir machten einen Spaziergang aus den Straßen von Bukarest Ans einmal erblickt König Mihai aus einem abseits von der Straße gelegenen Platze eine Gruppe von Knaben, die dort m it S a nd und alten liegen ge- bliebenen Ziegelsteinen ihr Spiel trie­ben. .Anhalten,' befiehlt der König, und der Kutscher treibt zur Verwunderung der ffönirin Maria die Pferde anIch will zu diesen Kna. den gehen,' sagt König Mihai und will aus dem Wagen auksteigen .Mihai sei doch vernünf- ifl!' verweist ibn streng Prinzessin Elena sei­ne Mutter. .Madame', war die überraschende Antwort, .ich b i n der K ö ni g.*

König ®?ibat der Erste ist ein gesunder Kna­be. lieber alles liebt er den Aufenthalt in freier Luft Trotzdem er noch so jung ist bat er tagsüber dennoch viel zu tun Um sieben Uhr wird er geweckt und muß ein GlaS Milch trin­ken. Dann wird er gebadet und angezogen. Nach dem Frühstück betet er bei seiner Mutter dar Morgengebet wird dann von einem Diener abgeholt und reitet auf seinem Ponntz spazieren BiS halb 1 Uhr hat er dann Unter­richt Am Nachmittag Vars er einige Stunden in einem sonniaen Raum, wo er auch Sonnen­bäder nimmt spielen, noch öfter aber tollt er durch den Garten deS königlichen Schlosses Den NachrnittagStee nimmt er gewöhnlich zusammen mit seiner Mutter ein Diese englische Teeftunbe st ein alter Brauch der KöniaSfamilie Rumä­niens Rach dem Tee darf er noch eine Stunde spielen Roch öfter ab-r lesen ihm Königin Maria. Prinzessin Elena ober eine der Hofdamen iraenb ein scßöwS Stück au» einem Buche vor Um bald sieben llbr wird er wieder aebadet und muß bann schlafen gehen Seine butter und Großmutter unterlassen eS niemals, ihm in seinem B-ttchen -in°n Gutenachtkuß ut neben Unlänaft. alS alles glaubte, daß der König in feinem Bettckt'n W^fe. oab es eine arnße Aufreauna beim Dienstpersonal, als er »lötzlfch auf der Hauvtstiene erfd)Ht und auf den Speisefaal zuging. Dort fand gerade ein großer Souper statt, bei dem sämtliche

kende Kurve auf Schlägt dann das Pendel in der Richtung einer Beilegung der Krise aus, dann flitzen die Kellner mit den Tabletts, aus denen die kleinen gelblich und bräunlich blit­zenden Gläschen vollgeküllt bis knapp zum Ran­de wackeln, durch di« langen Gänge zwischen d n Tischen der Frattionen, dann wird die freudige Wendung unter Flüssigkeit gesetzt, damit sie lan­ge blüht, wächst und gedeiht.' Man könnte er- änzen: Dann machen auch die überzeugungs- treucn Wassertrinker und Fleischverächter mit Beharrlichk.it ihre stillschweigenden aber au.fT* ltgen Vorstöße. Sie bestellen Windbeutel und s a u r e M i l ch, m der Form von Yoghurt und löffeln davon ganze Batterien aus Die Windbeutel der Parlamentsküchen erreichen be­sonders im Preußischen Landtag einen ansehnlichen Umfang. Einen Pa lamentarier börte ich einmal darüber äußern: .Sie sind das Größte, war mir in diesem Hause bisher borde» kommen ist'* Dabei erzählt man folgende nied­liche Geschichte: von den .Obstruktions-Wind­beuteln: Nach heftiger Debatte übten die Oppo­sitionellen wieder einmal Obstruk:ion im Speise­saal. Und als bet Präsident mittels .Hammel- iprung-' verkünvetc: .Das HauS ist beMuß- unfäbig'' Platzte eine Abgeordnete in einem Au­genblick äufrrften Stillschweigens mit der Be­merkung hinein:Denkt Euch nur! Die Oppo­sition hat inzwischen alle Windbeutel auf ge­gessen !

Es gab natürlich stürmische Heiterkeit, aber mit einem Einschlag von Zerknirschung. Und zwar nicht nur im Parkett des Parlamentes, sondern auch auf der Pressetribüne. Damals kurz nach der Inflation taten die Windbeu­tel nicht nur einen oppositionellen Abgeordneten, sondern auch einem Journalisten-Gaumen wohl. Aber es war nichts zu machen; die Windbeutel waren an diesem Tage mit Stumvf und Stiel ausgerottet und man mußte sich auf Kranz- und Königskuchen zurückziehen. «hfl