Nr. 274.
Siebzehnter Jahrgang.
Kaüeler Neueste Nachrichten
2. Beilage.
Mittwoch, 23 November 1927.
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[tfame Gäste, wir sie eine Gesellschaft alle Tage auszuweisen hat, sanden sich
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Kasseler Neueste Nachrichten: Das intereffante Blatt
Buntes Allerlei.
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Mütter. :
Drei Salve« für Bayerns Heldenfökne.
Am Gesallenen-Denkmal vor dem Armee-Museum in Münche« fand eine erhebende Trauerfeier für Bayerns Gefallene statt. Anwesend waren Vertreter der bayerischen Regierung, sowie Mitglieder aus dem ehemaligen bayrischen Fürstenhause. Die Tradittons- komvagnic der Reichswehr schoß eine dreifache Ehrensalve über das Gesallenen-Denkmal während der großen Trauerparade ab.
schwieg et doch, denn Hotelportiers sind immer schweigsam wie das Grab.
Die achtzig junge,. Mädchen wurden also geprüft und für gut befunden und in eine sehr schöne und stattliche Liste eingetragen, eS wur« dm auch achtzig schöne Verträge ausgefertigt, und dafür hatten die jungen Mädchen bloß däe Kleinigkeit von 10 Marl zu bezahlen, was alle sehr gern taten, denn man wird nicht jedem Tag für das Ballett entdeckt...
Am nächsten Tag erschienen sie dann zur sten Probe wieder im Hotel und warteten _ duldig, weil sie Wohl wissen mutzten, datz man auf große Herren immer warten muß. Nut als der Abend herankam, gingen sie langsam wieder weg, denn inzwischen wußte man, datz Herr Regisseur K. und Herr Regisseur D. längst über alle Berge waren und keine Probe abhallen wollten, weil sie gar keine Regisseure sondern nur Hochstapler waren, die recht gut gewußt hatten, an welcher Seite man 80 junge Mädcken anpacken mutz, wenn man von ihnen die Kleinig- keil von je 10 Mark herausbekommen will. »rt.
Die Besten für Genf.
Moskaus Abrüstungsoffenstve.
An der Abrüstui^s-Konferenz des Völkerbundes nimmt als Sowjetvertreter Litwinüss, Beigeordneter des Volkskommissars für auswärtige Angelegenheiten teil
nicht alle Tage aufzuweisen hat, fanden sich jüngst bei einem Gartenpicknick ein, das di« Patienten eines Sanatoriums in der Nähe von Ierajewo veranstalteten und riefe« hier ein« lebhafte Panik hervor. Ein gewaltiger Bär, gefolgt von vier Jungen, tauchte plötzlich aus einem Wäldchen hervor, das an den Garten grenzte und schritt unbekümmert um die Schrei« der Patienten und Pflegerinnen, die ins Haus flüchteten, vorwärts. Die Bären beschnüffeb- ten die Speisen, kosteten auch von einigen, schienen sie aber nicht nach ihrem Geschmack zu finden, denn sic verließen allsobald das Feld und verschwanden so ruhig, wie sie gekommen waren. Der Leiter des Sanatoriums hatte hu
Herne gestellt. Zwischen ihrer Jugend und der ihrer Kinder steht nicht bloß die langsame Eni- wicklung der Welt, die auch zwischen ihnen selbst und ihren Eltern einen gewissen Gegensatz ,chuf, ein Vorwärtsdrängen der Ereignisse im stürmischsten Tempo hat unendliche Strecken zwischen den Anschauungen, in denen sie erzogen wurden und den Erlebnissen, die ihnen die Seelen ihrer Kinder entführten, gelegt und nur die gegenseitige Liebe bildet noch die Vrr- bindungsbrücke. Denn dort, wo auch die Mutter vom Schwungrad der Zeit mitgerissen wurden, sind sie davurch ihren Kindern nicht immer nähergekommen. Das Besinnen aus sich selbst, der Wunsch, da« eigene Leben auszukosten, so lange es geht, hat bann auch von den Müttern Besitz ergriffen und gerade bann, wenn man annchmen sollte, daß Mütter und Kinder sich auf den Gründen einer modernen Weltanschauung zusammenfinden sollten, streben sie am weitesten auseinander. Denn di« Kinder wollen nur mit Berücksichtigung ihrer eigenen Wünsche moderne Mütter, die älteren Frauen sollen wohl Verständnis für die Einstellung ihrer Kinder zum Leben haben, selber aber weiter den Grundsätzen huldigen, die Kinder als für die Eltern geeignet betrachten und das sind merkwürdigerweise die Gedankengängc einer weiter zurückliegenden, längst überholten Epoche.
der Vergangenheit eine Gloriole, die auch die oft geistig beschränkten, engherzigen, kleinlichen Frauen von einstmals nicht immer verdienten.
Auch unsere Zeit hat leider als Widerspiel zu den seltenen, stillen Müttern verschiedene, ganz merkwürdige Erscheinungen. Die lebenslustige Mutter erwachsener Kinder muß darum noch keine schlechte Mutter sein, .hoch kömmt es heutzutage nicht selten vor, daß Mütter und Töchter ganz ernsthaft miteinander rivalisieren ja, daß die Mutter es nicht gern zugibt, schon eine, erwachsene Tochter zu haben. Die Tochter wird kaum zu tutet Mutter ihr bedrücktes Herz auSschütten, von der sie da- Gesühl Hai, ihr im Weg zu fein, wenn man selbst den ganz grotesken, aber immerhin borkommenden Fall ausscheidet, daß gerade die Mütter und deren Erfolge bei jungen Männern, vielleicht sogar bei einem bestimmten jungen Mann Gegenstand des töchterlichen Herzenskummers bilden. Moderne Mütter vertragen sich besser mit ihren Söhnen als mit ihren Töchtern, weil sie in den Jungens ihre treuesten Verehrer haben. Aber wehe dem Sohne, der et sich einfallen läßt, feinet Mutter untreu zu werden, und feine Aufmerksamkeiten einer fremden jungen Dame zuzuwenden. Auch er sucht bann vergeblich Verständnis bei der Mutter, die bisher seine treueste Freundin war und sie bringt ihn sogar in bitter seelische Konflikte, weil sie ihn der Undankbarkeit der Frau gegenüber zeiht, die bisher mit ihm alle Sorgen teilte, Räckre hindurch mit ihm studierte und sich nun einbildet, für ewige Zeiten ein alleiniges Anrecht an den Sohn zu haben.
Diese wenn auch in einem edleren Sinne egoistischen Mütter können böse Verheerungen im Seelenleben ihrer Söhne anrichtcn und die jungen Lent« leiden vor allem dadurch, daß sie gerade in dem Augenblicke, da die bewährte Freundin ihnen am meisten not täte, sich allein finden und einen bedeutsamen -Schritt ohne die gewohnte Stütze tun sollen. Nicht jeder junge Mann bringt das fertig, und so entsteht der Beginn der Hörigkeit eines Sohnes der Mutter gegenüber, der oft den Grundstein für die Entwicklung zum alten Junggesellen legt.
den Lebensunterhalt ganz ausgezeichnet zu bestreiten, so sind sie meist ganz überrascht vor, Der Tatsache, daß sie angeblich mit wenigem das Auskommen sinden. »Ich brauche doch ohnehin so viel und mein armes Kind muß sich so bittet darum plagen", meinen sie dann bekümmert. Man kann das nur so erklären, Daß diese Frauen Vorzugsschülerinnen in der Schule des Lebens gewesen sind, niemals ihre Zeit damit zugebracht haben, unverstanden zu sein, sondern klar und ohne zedes Grübeln sich mit ihrem Schicksal abfanben. Diese Frauen ohne Probleme haben sich mit jedem Tag« seelisch entwickelt und sind nun mit ihrem Verständnis genau bei der Gegenwart angelangt. Ihre geistreichen, gebildeten Töchter, ihre in hohen, einflußreichen Stellungen sich besinden- denden Söhne kommen zu diesen Müttern, um von ihnen Ratschläge zu empfangen, und mit Dem feinsten, dem gütigsten Instinkt der Welt, mit dem Instinkt der Mütter die immer wissen, was für ihre Kinder das beste ist helfen sie aus allen feelischen Röten. Solche Mütter gibt es freilich auch heute noch nicht häufiger als es immer gute Mütter gab, denn Die Legende ibt da stark und webt um bi« Mütter
Ehrliche Betrüger
’ Der Roman eine« Erfinder«.
Zeitungsnotiz: Nürnberg, im Juni 1927: Der zwanzigjährige Bautechniker Eiffländer hat in
einer Weise sein Glück gemacht, wie eS wahrhaft nur wenigen Sterblichen beschieden ist. Er bat ein technisches Problem gelöst, über bem sich schon viele Techniker ben Kops zerbrochen haben. Er hat eine Maschine erfunden,bie selbständig Papiergeld zählen und sortieren kann. Wie hoch diese Erfindung geschätzt wird, beweisen die Angebote, die der junge Erfinden täglich von allen Seiten erhält. Er hat alle Angebote, die namentlich aus Amerika kamen, abgelehnt und feine Erfindung der deutschen Reichsbank verkauft, die ihm dafür ben Betrag von 1,6 Millionen Reichsmark auSzablt. Ueberbies hat Eiff- länber auch die langgesuchte Lösung deS .Universalzirkels" gesunden. Diese Erfindung wird ihm wenigstens ben gleichen Betrag einbringen.
Zeitungsnotiz: Nürnberg, im August 1927. Die Angaben des .Erfinders" Eiffländer haben sich als haltloser Schwindel erwiesen. Alle Angaben waren von Eiffländer felbst erfunden und verbreitet worden. Tatsächlich ist eS dem Schwindler gelungen, von einer Sparkasse 25000 Mark herauszulocken mit der Angabe, datz er in den nächsten Tagen von der Reichsbank die erste Rate der Kaufsumme in der Höhe von 300 000 Mark erwarte. Er wies ein fingierte« Telegramm der ReichSbank vor, in dem die lieber* Weisung deS Betrages angekündigt wurde. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingeleitet.
Zeitungsnotiz: Nürnberg, im November 1927. In bei Verhandlung gegen den Bautechniker Eiffländer gab cs heute eine Sensation. Die vom Schöffengericht geladenen Sachverständigen fagten aus, daß die Pläne und Modelle Eisflän- ders allerhöchsten Wert besätzen. Seine Idee der Papiergeld - Zählmaschine sei ohne weiteres durchführbar. Der von ihm erfundene Universalzirkel fei bas vollkommenste Gerät dieser Art, das in den letzten hundert Jahren geschaffen worden ist. Es erwies sich, daß ein amerikanischer Industrieller für das Patent die Kaufsumme von 50 000 Dollars geboten habe. Eiff- länber sagte aus, er wisse nicht, wie er zu dem von ihm verübten Betrug gekommen sei. Seine Freude über die gelungenen Erfindungen habe ihn in eine Art Rausch versetzt. Er habe nicht mehr gewutzt, was er überhaupt täte. Er hätte keinesfalls die Absicht gehabt, jemanden zu schädigen... Ter Staatsanwalt mutzte die Anklage dennoch aufrechterhalten, da vollendeter Betrug vorlag. Das Urteil lautete auf vier Monate Gefängnis Vier Jahre Bewährungsfrist wurden unter der Bedingung erteilt, datz der Erfinder in dieser Zeit 4000 Mark jährlich Geldstrafe an die Staatskasse abführe.
Achtzig junge Mädchen.
Over: Zwei Tage »unstbegeistercing.
In einem großen Chemnitzer Hotel stiegen zwet Herren au« Berlin ab, der Regisseur K und der Regisseur D. Sie taten kund und zu wissen, daß sie gesonnen seien, eine erkleckliche Anzahl junger Mädchen aus Chemnitz für das Ballett einer Berliner Revue zu engagieren. Die jungen Mädchen aus Chemnitz ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie zogen zu Haus in das Hotel, das heißt, es sollen ungefähr achtzig Stück gewesen fein. Und her Herr Regisseur K. und der Herr Regisseur D. waren äußerst liebens- würdtg zu ihnen und gar nicht so unhöflich, wie so große Herren sonst zu sein pflegen, denn sie engagierten sie alle 80 Stück vom Fleck weg. Und es fiel niemanden auf, daß sie auch solche in ihre Listen eintrugen, die nicht in jeder Beziehung vor dem Auge des verwöhnten Großstadtpubli- knms hätten bestehen können. Aber wenn die Regisseure das nicht einsahen, wer hätte es bann ciusehcu sollen? Tie pingen Mädchen doch sicherlich nicht, denn die waren gerade der Meinung, daß man sie, gerade sie, bisher immer nur verkannt und zurückgesetzt hätte. Höchstens bet Hotelportier hätte sich etwas denken können. Aber wenn er sich auch etwas gedacht hat, so
Eine der erlauchtesten Mütter unserer Zeit, die Mutter des österreichischen Bundesprästden- ten, die Führerin der österreichischen Frauen, hat es einmal ausgesprochen, das tieffinnige Wort: .Mein Sohn ist viel konservativer As :ch", und sie hat damit eine ganz eigenartige Erscheinung unserer Tage gekennzeichnet. Reben den Frauen, die sich durchaus nicht in die neuen Verhältnisse schicken können und immerfort mit einem gewissen seelischen Händeringen einer Zeit gegenüberstehen, die sie nicht verstehen eS auch andere, im besten Sinne moderne ___tter. Aber gerade sie haben ihre Kinder so fest in den Anschauungen ihrer Jugend erzogen, daß nun die erwachsenen Kinder schwer unter dem noch au8 der Vergangenheit stammenden seelifchen Ballast leiden, den die grüblerische Jugend nicht los werden kann, während die Mütter sich mit gesundem praktischen Blick längst den Erfordernissen der Gegenwart angepaßt haben. Diese Mütter, und «S gibt ihrer nicht allzu viele, die theoretisch die Zeit verstehen, ohne tatsächlich allzu modern geworden zu fein — sind ihren Kindern au» weiterhin Stütz« und Führerin. ES ist etwas eigenes um diese Frauen, die dar größte Kunststück treffen, ohne Pose Mütter und sonst nicht« zu sein. Das sind bte Frauen, bte ihren erwerbenden Söhnen und Töchtern bie Wirtschaft führen, und bie Statistik wäre nicht uninteressant, ob eS unter ben jungen Leuten, Deren Einkommen von einer sorglichen Mutter verwaltet wirb, nicht die allerwenigsten gibt, die ihre Einkäufe aus Raten besorgen müssen, obwohl sie ebenso wie bie verheirateten jungen Männer für einen Hausstand und zwei Personen zu sorgen haben.
Fragt man die Frauen, wie sie eS fertig bringen, mit einem Minimum von Ausgaben
zwischen nach der Polizei geschickt; aber auch diese durfte nicht schießen, da diese seltenen Tie" re unter einem Schutzgesetz stehen. Sie tonnten nur ihren Rückzug in bie benachbarte« Berge dirigieren.
Stn Hau« au« Jtapltr,
In unserer Zeit der brennenden Wohnung not nud der teuren Bauten dürfte die Kund« von einem in Rock Port im Staate Massachusetts errichteten Hause, dessen Baustoff Zeitung«- papier ist, vielen wie eine frohe Botschaft erklingen. Wie eine englische Zeitschrift berichtet, ist alles an diesem Hause, Dach, Wände, Fußböden, Kamine und auch die Einrichtung aus Zeitungspapier, nur die Fenster mach«» eine Ausnahme. Dieses seltsame HauS ist vo« einem Mr. E. F. Sienman nur mit Hilfe seiner Frau unb seiner Tochter errichtet worben und hat bereits den Winterstürmen dreier Jahre standgehalten. Etwa 60 000 Zeitungen wurde« zu seinem Bau benötigt. Um die Zeitungsblätter zu Bauzwecken herzurichten, wurde« etwa 1 Dutzend auseinandergelegt, zusammen- geleimt unb in eine Presse gelegt, bis sie trotten Waren. Dann Wurde das Papier in Blockform geschnitten unb mit Nägeln an einander befestigt. Ein Lacküberzug an bet Außenseite schützt das Haus vor Regen. Bei bet Herstet- jung von Möbeln Wurden die Zeitungen fest zusammengerollt und geleimt, bann laltert und wie Hölzer in ber gewünschten Läng« geschnitten.
Englischer Humor.
Di e ü b e r s ch l a n k e Linie. Ein« Schau- spieleriu, bie sich Durch eine Abmagerungskur beinahe bis zur Unsichtbarkeit..entfettet* batte, wurde kürzlich von dem bekannten englischen Dramatiker James Barrie mit einem bübschen Bonmot auf der Probe begrüßt. „Denken Sie", sagte er, .da sah ich vorhin eine leere Droschke nach dem Theater fahren, und dann — stiegen Sie ans." — Stets in ber Hebung. .Er soll sehr musikalisch sein." .Oh ja, er spielt schon feit Jahren die zweite Geige in seiner Ehe." — Etwas Tiefes. .Ich möchte gern ein ernstes Buch haben", sagte der Kunde zu bet hübschen Verkäuferin. .Etwas recht Tiefes", Wenn Sie haben." .Dürste das tief genug sein?" fragte sie nach längerem Nachsuchen. .Es heißt; 20 000 Meilen unter bem Meer."
Moskaus erste Kraft»
Der Kultusminister geht «ach Genf.
An der Abrüstungskonferenz tn Genf wird auch Lunatscharski. Volkskommissar für Volksaufklä- rung. als Sowjet-Delegierter teilnehmen, (siebe auch Depeschen im politischen Teil )
Die Meifterinnen der Lebensschule / Mütter, die mit ihren Töchtern rivalisieren / Eifersucht und Kindesliebe.
Von Els« Tauber.
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