Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Freitag, 28.0'tober 1927.

Amtliches Orqan der Stadt Kaffel. 17. Ia^k^ÄUg

Mummei 253. Amtliches Orqan der Stadt Kassel.

Die Raffel« gieueften NaLrichreu erfAetntn wöLenilUb f«b8inel nachmittags. D« AbonnememsoreiS bcrrägt für den J?onot S. X bet freier Zustellung in« Hau- in der Geichäfi-stelle abgedoli 1.80 Jl. Durch die Poll monailich 8. ausichlictzl'ch Auftellungsgebützr. Verlag und Redaktion schlacktdosstrage 28/80. Fernkorecher ®1 und 952. Für unverlangt eiugekandie Beiträge kann die Re- daktion eine Verantwortung oder Gewähr tn keinem Falle übernehmen. Rück- »ahlung de- VerugSgeldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Liekerung ifi au-gekchloffen Postscheckkonto Frankfurt am Mai» Nummer 6380.

«ngergenoreise: »inbeimtsche GeschästSanreigen die mm-Seil« 10 4, anSwarrt« GeschäktSanxtgen die mm-Seile 10 4, Famllienangetgen Me mm-3eUe 10 4. fileine Änieiaen auö Raffel da- Wort 6 3, auswärtige kleine Antigen die mm» älil? 10 Reklamen L mm-Aeile 88 4. Lkiengebühr 25 4 (6ti Zuftellung 85 41. Rechnungsbeträge innerhalb 5 Tagen lahlbar. Für die Richtlgkeit aller durch Fernsprecher aukgegebenen Anzeigen sonne Mr Auknabmebaten und Platze tarnt nicht garantiert werden Für, Anzeigen ^:t bewm^rS schwierigem Satz E Prozent iluhttibifl. Xrurfcrcl: ©cfclöditöofitr. 28/80« ©cfcftäftöftcUc« Ä)lnnÄe,tr. 5.

Nevolutionösmcht in Rumänien.

Gchreckknsflunden auf dem Luxu-^ampfer ' Nur ein SMerzug bei Gerajews abgefwrzt.

Bukarest, 27. Oktober.

Trotz der Erregung über die Verhaftung des Ueberbringers von Kronprinzenbriefen Staats­sekretär a. D. Manoilesco (Ministerrat, Paria mentSdcbatten ufra) gehören die Nachrichten über bevorstehende sensationelle Verhaftungen in das Reich der Phantasie. Frau Lupescu hat in einem Brief an ihre Mutter ihre Trennung von ihrem Freund Carol nur als eine formale bezeichnet mit Rücksicht auf bestimmte politische Zwecke, die von Carol verfolgt werden. Der Chiffreschlüflel, der bei der Durchsuchung Manoilrscos gefunden wurde, ist fetzt in den Händen der militärischen Gerichtsbehörden. Frau Manoilesco soll einen anderen Chiffreschlüffel verbrannt haben. Die Regierung will mit aller Energie die verfas­sungsmäßige Ordnung verteidigen. ES wird von der Bildung eines Oppofitionsblocks ge­sprochen, für den General Averescu die Initia­tive ergreifen würde. Im Lande herrscht voll kommen? Ruhe. Es wurden mit Ausnahmen der Zensur keine Sondermatznahmen getroffen

Nach einer Meldung aus Pernambueo gal der Kapitän der Principeffa Mafalda, als feir Zweifel mehr darüber bestand, daß das Schiss ins lgc der Keffelexplosion untergehen würde Befehl, mit Volldampf Kurs auf die AbrolhoS- Klippen zu nehmen, die nur wenige Meilen von der Küste entfernt sind. Während dieser Zei' hielte die Schiffskapelle zur Beruhigung der etwa 800 Zwischendecksfabrgäste die italienische Nationalhymne und die Offiziere und Mann "chaften mischten sich unter die von panischem schrecken ergriffenen Auswanderer und sprn chen ihnen Mut zu. Die Principeffa Mafald 'fielt mehrere Stunden lang unter Bolldamtz den Kurs nach der Küste zu ein, herbeieilendr Dampfer setzten mit bewundernswerter Schnei

Wir kommen durch.

Minister Dr. Köhler über die Gesetzausgaben. Ohne neue Steuern und Defizit. Ein Mil­lionenüberschuß. Aber sparen und keine neuen Anleihen.

Carol will Volksabstimmung.

... und fühlt sich durch Rumänien provoziert

Paris, 27. Oktober.

Kronprinz Carol äußerte sich zu einem Pres severtretcr zur Verhaftung Manoiles- c o s: Er halte es für sein elementares Recht, zu fordern, daß dem Volk die gesetzliche Mög­lichkeit gegeben werde, in Kenntnis der Sach­lage ein freies Urteil zu fällen. Indem sie jede dynastische Erörterung untersagt wirft sie diese fortgesetzt durch ihre Provozierungen auf. Ich betrachte das, was sich ereignet hat, alS eine direkte Provozierung und eine Verletzung der freien Meinungsäußerung meines Landes, wel ches allein das Recht hat, sich über diese Frage auszusprechen. Die Regierung hat durch die Verhaftung eine schwere Verantwortung über nommen, deren Folgen auf sie zurückfallen.

Mit Volldampf in den Tod.

Die letzten Stunden auf derMafalda".

Newhork, 27. Oktober

Wie entstand das Unglück?

Buenos Aires, 27. Oktober. (Funkdienst.) Auf die Nachricht von dem Schiffsunglück sam­melte sich vor dem Hafengebäude eine große Menschenmenge, die allmählich von 68 Ertrun­kenen erfuhr. Man nimmt an, daß der Boden des Schiffes von der Schraubrnwelle des Damp­fers durchschlagen i.urde und daß das durch das Leck eingedrungene Waffer eine Keffelexplosion verursacht hat. Die Mehrzahl der Geretteten irifft heute in Rio de Janeiro ein.

* * *

Standrecht über Rumänien?

Furcht vor der Kronprinzen-Revolution.

Belgrad, 27. Oktober.

Ein Blatt meldet aus Groß-Wardein: Die Aktion der Karltsten greift immer weiter um sich. In Bukarest wurde daS Standrecht prokla­miert das auf das ganze Land ausgedehnt wer den dürfte. In der Umgebung von Bukarest sind starke Militärkräfte konzentriert. Die Ge bäude der Ministerien und alle öffentlichen An kalten werden durch Militär und Gendarmerie iewacht. Die Versammlung der Bauernpartei wurde untersagt. *

Der K'vnvrlnzenirrund schwer bflaßet.

Bukarest, 27. Oktober. (Eigener Drahtbericht > Nach einem Kommunique gibt die Untersuchung in der Angelegenheit deS früheren Staatssekre­tärs Manoilescu zu sensationellen Enthüllungen Anlaß. Von der Hand Manoilescus stammende Schriftstücke, die ihn schwer belasten, sind ausge­funden worden. Die Dokumente und Faksimile können deshalb erst nach Abschluß der Unter- uchung veröffentlicht werden.

Das rrronprinzen-Rätsel.

Frau Lupescu und seine Freunde.

ihm nicht zu folgen Im Gegenteil! Die Raa, ligkeU ihre Boote aus und übernahmen die giebigkeit des Reiches in dieser Frage dürste «nftw-hi-r direkt oder aus den Ret-

ihren guten Eindruck in ganz Oesterreich nicht verfehlen und die Stimmung und Bereitwillig- leit der Oesterreicher zum Anschluß an das Deutsche Reich, zur Schassung Großdeutsch­lands, fördern und festigen.

Wie lchoa in einem Teil der seitttaenAussabe mitaeieilt. hielt «eitern im Hansbaltsansichub Reichsiiuaiizmiuiiier Dr. »» »l« r b«i ehte« arobanaelegi«» Ueberblick über die Reicksiinau- ze« die Deanna kür die dur» die nenen Ge etze «rwnnsene« Ansaaben ohne Grichlietzuna »euer Sie »er aneile» allein durch das HS Here Stenrranikomme» n«d Erwarniffe aus der Ansgabenieite sür «bal^. ialls di« Wiri- schastslaae ffch nicht verschlechtert. Di« ovttmi- Mich«» Ausblick« des Ministers besagten wett«: Die Auflegung neuer Anleihen sei zurzeit nicht ins Auge gesaßt. Deutschland sei ehrlich bestrebt, die ihm aus dem Dawesabkommen aus­erlegten Verpflichtungen zu erfüllen. Zur not­wendigen Wiederaufbauarbeit, die zwangsläufig zu steigenden Ausgaben verpflichte, gehörten auch die Beamtenvorlagen usw.. Erst wenn diese Entwicklung zu einem gewissen Abschluß ge- bracht sei, ließe sich von einem Norm al et al sprechen, der keine weitere Ausgabenerhohung zulaffe Im einzelnen verwies der Minister u. a. daraus, daß die sozialen Ausgaben von 165 Millionen im Jahre 1924 auf 615 Mil­lionen im Jahre 1927 gestiegen seien. Wahrend 1924 weiter noch gar keine Reparatlons. zahlungen zu leisten waren, seien 1927 für diese Zwecke 831 Millionen Mark elnzustellen. Hinzu käme die Vermehrung der Ausgaben ur Verzinsung und Tilgung der Reichsschuld,sür Versorgungs- und Ruhegehälter usw soday u« lein diese AnSgabeposten den Etat von 1927 um über zwei Milliarden mehr belasten, als der Etat von 1924 betrug. Die gesamten Kriegslasten betragen 1927 übe * 3% Milliarden oder mehr als die Halste aller Ausgaben des Reichs Inwieweit durch das vorliegende Reichsschulgesetz bestehenve Lasten erweitert werden, ließe sich noch nicht übersehen; doch sollten sie in engen Grenzen ge­halten werden. Für 1927 könnte mit einem Lohnsteuer-Aufkommen von rund 1270 Mill, gerechnet werden. Weiter werde u a. die Kor- pcrschafissteuer ein Mehr erbringen. Die mit 890 Millionen eingesetzten Zölle dürften im Ge- samtaufkommen tatsächlich 1150 Millionen er­bringen. Ein gewisses Mehr sei auch von der Grunderwerbs-, Kraftfahrzeug-, Rennwett-, Ta- bak- und Biersteuer zu erwarten. Insgesamt Dürfte mit einem

Mehraufkommen von rund 300 Millionen zu rechnen sein. Auf der Ausyabeseite könne man bei der Erwcrbslosen-Fnrsorge nach In­krafttreten der Arbeitslosen-Verstcherung mit einer Ersparnis für 1927 von sicher 200 Mil­lionen rechnen. Es bleibe im Ganzen, wenn man die Mehreinnahmen und die Minderaus- gaben zusammenrechne. eine Verbefferung des Jst-Ergebntffes gegenüber dem Haushaltssoll um rund 500 Millionen Selbst wenn man für den Nachtrags-Haushalt, der Mittel für die Beamtenbesoldung und die Kriegsbe­schädigten verlangt, sowie sür laufende Liqui- dationsentschädigung und Linderung der Hoch- waffernot dreihundert Millwnen einsetze, bleibe also noch ein

Plus von 200 Millionen.

Der Minister gab dann eine ins Einzelne oehnde Ueberftcht über die Gestaltung des Etats für 1928, wobei er als Hauptpunkte der Ausgabenscite die Beamtenbesoldunas-Neurege- lung und die um 400 Millionen höheren Re­parationszahlungen erklärte Auf der Einnah­menseite würde sich die gute Konjunktur deS Jahres 1927 in erhöhten Steuerein- gängen auswtrken, wobei schon jetzt die <n* teresfante Feststellung gemacht sei, daß das Er­trägnis der L o h n st e u e r im Verhältnis zu dem der anderen Einkommen und Kap'ttal- steuern zurückgehe. Alles in allem ergebe sich, daß zwar die Gefahr eines

Defizitetats nicht bestehe, daß andererseits aber der Haushalt weitere Belastungen nicht vertragen würde. Im Jntereffe der Wirtschaft müffe die Politik der Steuersenkung, die 1925 begonnen wurde, fortgesetzt werden In nächster Zeit solle auch über die Senkung der Zölle beraten werden. Die dringend notwendige Ver­walt ungsvereinsachung solle auch da- [ durch gehört werden, daß auf dem Wege zur Vereinheitlichung dem

: R e i ch nur solche Aufgaben verbleiben, die die gesamte deutsche Volksgemein­

schaft betreffen und von dem einzelnen Lande

Fahrgäste, entweder direkt oder aus den Ret­tungsbooten. Die zahlreichen Rettungsdampfei wirkten beruhigend und erleichterten das Ret­tungswerk wesentlich, obwohl das Schiff sehr schnell zu sinken begann. Eine Menge kleiner Fahrzeuge suchte inzwischen nach Ueberlebenden Berloren sind u. a. für eine halbe Million Mas­kenkostüme der Geschwister Baccarini. (Siehe auch Berichte Jnnenfeite.)

Du sonst nicht töten.

Was die Gegner der Todesstrafe sagen. i Im Rechlsausschuß des deutschen Reichs- I tages haben soeben ine Verhandlungen über die Tooesilrase eingesetzt. Äiach Dem vorttegeuDeu 1 Entwürfe der Reichsregierung soll die Todes- strafe im Deutschen Reiche belbehaUen werden. Gegenüber der visherigen Rechtslage ist inso­fern eine Aenderung vorgesehen, als die Todes st rase nur bei Mord Anwendung finden soll Auch hier werden im Gegensatz zum alten Strafgesetzbuch mildernde Um- stände zugetanen sodaß anstelle der Todes­strafe auch Freiheitsstrafen anerkannt werden können. Der Strafgesetzentwurf, der fast im gleichen Wortlaut dem österreichischen Rati onalrat vorliegt, steht von der Todes­strafe ab, weil auf Grund der Verfassung Oester- reichs diese Strafart nicht mehr zulafstg ist. Die­sem Umstande ist es vornehmlich zuzufchreiben, daß die Anhänger und Gegner der Todesstrafe mit ihrem ganzen Waffenarsenal erscheinen und sich aufs schärfste bekämpfen. Um eine fach, liche Diskussion zu ermöglichen, geben wir m den folgenden Belrachtungen Die Ansichten eines Gegners der Todesstrafe wieder, ohne ste im einzelnen zu der unjeren zu machen. Wir wer­den gelegenttich auch Verteidiger dieses letzten und fchärfsten Juflizmtttels zu Worte kommen lassen.

Die Anhänger der Todesstrafe erblicken in ihr ein wuchtiges Abschreckungsmittel. Dieses Moment besticht in der Tat Nun wurde ge­rade vor wenigen Wochen in der Tschechoslowa­kei ein Zigeunerhauptmann öffentlich aufge­hängt. Sämtliche Regierungsorgane brachten ausführliche Berichte über die Hinrichtung, tue systematisch darauf zugeschnitten waren, vor den Untaten des Erhängten abzu,chrecken Was war aber die Folge? Die ganze Tschechoslowa­kei sprach von der Hinrichtung. Auch die Kin­der Diese ahmten den Vorgang vielfach nach und in zwei Fällen büßten Kinder das Spielen des Erhängens mit dem Leben ein. In meh­reren anderen Fällen gelang es. sie Im letzten Augenblick zu retten In Dänemark ist die Todesstrafe seit 1892 abgeschafft und in Nor- wegen seit 1912 In beiden Ländern ging seit­dem Die Zahl Der verurteilten Mörder gegen­über der Vorzett um ein Drittel zurück. Das­selbe gilt von Italien und einer Reihe anderer Länder. ,

Ein Grund, der allein schon die Abschaffung der Todesstrafe rechtfertigt, ist dte Verhinderung von Wiedergutmachung vorliegender Justiz- Irrtümer. Es ist nicht so. daß auf diesem Gebiete keine schweren Rechtsfehler mehr be­gangen werden Wir alle erlebten die Fälle Des Matrosen PsänDer Des Zollafststenten Plank, des Fleischers Eduard Trautmann und des Tagelöhners Wagner, um von anderen, wie dem neuesten Paderborner Fall, ganz zu schweigen Sind Die Verurteilten tot oder hingerichtet, dann ist das Unglück geschehen. Mehr als einmal stellte sich auch bei der Sektion heraus, daß Die Verurteilten und Hingerichteten schwerste Ge- hirnentartungen aufwiesen Jnsolgedeffen waren sie in Wirklichkeit völlig unzurechnungsfähig uno Im Sinne des Gesetzes unschuldig Sie wurden aber irrtümlich für unzurechnungsfähig erklärt, verurteilt und-hingerichtet.

Recht und Gesetz sollen sich nicht tote etne .ewige Krankheit" von Geschlecht zu Geschlecht forterben! Auch Die staatserhaltenden Bestre­bungen können übertrieben werden. Als Eng­land 1814 die Todesstrafe für Laden- diebstähle über fünf Mark abgeschafft wurde sagte ein Lord im Oberhaus das Enoe aller Dinge voraus Das britische Weltreich ging aber nicht aus Den Angeln und steht heute " Auch daS Recht verlangt seine Fortentwick­lung und feine Anpassung an das jeweilige Rechtsempfinden des Volkes Dazu gesellt sich auch die religiöse unt» weltanschauliche EinsteU lung der Zeit Die Zahl der Zeitgenoffen ist nicht gering, dte Den Mitmenschen gerade aus solchen Erwägungen heraus das Recht abspricht über das Leben und den Tod des Nächsten ab- zuurteilen Nur einer ist der Herr über Leben und Tod Gott der daS Leben gegeben Fetzt handelt es sich darum auf dem Gebiete des Strafrechts ein einheitliches Recht für alle Deutschen zu schaffen mögen sie nun in Oesterrei» oder im Deutschen Reiche woh­nen Nach dem Vorbilde der Oesterreicher ist be> uns die Abschaffung der Todesstrafe geboten schon um die erwünschte Rech's-nnbett für alle Deutschen berzustellen Daß Wien hier mit gutem Beispiele vorangegangen ist. kann fiir uns kein Grund und keine Veranlaffung fein,

Belgrad, 27. Oktober. In der Nähe von Mostar brach unter einem Lastzug, der von zwei Lokomotiven gezogen wurde, eine Eisen bahnbrücke ein. Der ganze Zug stürzte. In eine Tiefe von fünfzig Metern. Zwei Eisen- bahner find tot. einer wurde lebensgefähr­lich verletzt Der Schaden ist groß. Die Zahl der Toten beträgt also nicht, wie in anderen Mel­dungen angegeben zweihundert, sondern nur zwei.

Das jüngste Spanierkomplott

Frankreich bewacht die Grenze.

Paris, 27. Oktober.

Auf Grund von Gerüchten über die Entdek- fung eines neuen katatonischen Komplotts wur­den gestern große Gendarmerie st reit- krSfte in Foix zusammengezogen. Sie be­wachen die Wege und Bässe, die nach der spanischen Grenze führen. Auch die Truppen werden In Bereitschaft gehalten. Tie Behörden bewahren größtes Stillschweigen.

Beherzte Seefahrer.

Wie sie tausend Passagiere retteten.

Rio de Janeiro. 27 Oktober. Die Auswan­derer waren, nachdem sie ihr Abendessen einge­nommen hatten, mit den Vorbereitungen für die Landung beschäftigt, als das Schiss plötz­lich heftig erschüttert und zum Halten gebracht wurde. ctzS-wb es auf Grund gefahren fei. Der Tanz wurde abgebrochen und man hörte Schreckenk-rufe von allen Seiten. Die Ruhe des Kapitäns und Der Bemannung des Schiffes, die sofort die Fahrgäste in die Rettungsboote brach­ten, verhinderte das Ausbrechen einer Panik. Immerhin spielten sich

herzzerreißende Szenen ab, alS bei der Verteilung der Fahrgäste in Die einzelnen Boote Familienmitglieder auseinandergerissen wurden. Viele Fahrgäste konnten nur -mit Müde davon abgehalten wer­den Ihre Habseligkeiten zu retten. Endlich tarnen auf die S. O S -Rufe zwei Dampfer in Sicht Kurz nach ihrer Ankunft erfolgte die E x p l o - ston der Prinzessin Mafalda. Der Formose" gelang es trotz der Dunkelheit, dicht an das sinkende Schiss anzulegen, wodurch die Rettung der Passagiere von Deck zu Deck be- Meunigl wurde.

Von -er Brücke in öie Schlucht Güterzng-Absturz. Drei Tote?

Budapest, 27 Oktober. (Gig. Drahtmeldung) Die Brücke dre Strecke Srrajewo-Mostar stürzte in dem Augenblick zusammen, als ein Zug über sie hinwegfuhr. Der Zug fiel in eine fünfzig Meter tiefe Schlucht. Einzelheiten über den Un­fall fehlen noch. Man spricht von 200 Toten. Der Materialschaden ist sehr groß. Der Loko- motivführer ist schwer verletzt.

* * *

Nur zwei Tote?

Es war sicher nur ein Lastzug.

Der obigen Meldung widerspricht eine von anderer Stelle verbreitete Nachricht vollständig, sodaß wir beiden Depeschen bis zur endgültigen Klärung des Tatbestanoes nur unter Vorbehalt wiedergeben können. (D. Red.)