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Donnerstag, 13 VttoSer 1937.

5taffeler Neueste Nachrichten

17. Aahrgang. Nr. 940.

Aus der Heimat.

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Aus der Berliner Grünen Woche 1928.

Die Abteilung .Geflügel" aus der Ausstel­lung .Grüne Woche Berlin" 1928 wird unter Beteiligung der Berus-Vertretungen Bund Deutscher Geflügelzüchter usw aufgebaut Der Klub Deutscher Geflügelzüchter hat es über- nommen, die Musteranlage eines ländlichen Geflügelbetriebes aufzustellen. In dem ,Ge- ilügelstall, so wie er sein soll", wird gezeigt werden, was zur Aufzucht und Haltung des Ge­flügels erforderlich und erprodt ist Es wer­den also außer der eigentlichen Anlage sämtli- che Gerätschaften Futterautomaten, Fallnester, Schtrmglucken, Wassertränken, richtige. Volieren- anlage, Futter-Icharraum usw. gezeigt wer­den. Die Notwendigkeit dieser Musteranlagen wird durch Statistiken und entsprechende Plaka­te den Besuchern verständlich gemacht. Um den Vorteil dieser modernen Anlagen zu unterstrei­chen, wird der »KeMgelstall, so wie er nicht sein soll" mit allen seinen Fehlern und Nach­teilen aufgebaut werden. Außerdem wird ge­zeigt ein mustergültiger Brutranm mit den da­zugehörigen Gerätschaften, ein Futterraum, in dem die erprobten und für gut befundenen Fut- tennittel gezeigt werden.

Der Klub Deutscher'Geflügelzüchter hält ge­meinsam mit dem Reichsverband landwirrschakt- licher Hausfrauenvereine ebenso die Kleinticr- zuchtabteilung der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin grö­ßere Versammlungen und Vorträge, die das Thema der Geflügelzucht behandeln, ab Die Geslügelausstellunz desDereins Gvpria «nd die Ausstellung von Geflügel anerkannter Let- stunqsznchicn verspricht eine außerordentliche Ausdehnung anzunchmen. °x

Sperrt die Tauben ein!

Tie Herbstspcrrzeit der Tauben auf dem Lande.

Der Landrat des Landkreises Kastel hat die diesjährige Hsrbstsperrzeit, während der die

Tauben eingcsperrt zu halten sind, auf die Zeit vom 10. Oktober bis 14. November festgesetzt Gleichzeitig weist der Landrat darauf hin, daß Wildtauben zu den jagdbaren Tieren zählen. Weil aber vielfach Brieftauben mit Wildtauben verwechselt und irrtümlich alS solche abgeschos­sen werden, wodurch sich der Schütze strafbar macht, warnt der Landrat vor dem Abschuß wilder Tauben. Für die Brieftauben der Reichswehr wird die Sperrzeit auf die ersten vier Wochen beschränkt. Für den Stadtkreis Kastel wurden vom Regierungspräsidenten die­selben Sperrzeiten festgesetzt. -l.

* Grebenstein, 12. Oktober. (Im goldenen Kranz.) Am Freitag, den 15. Oktober, begehen die Eheleute Bahnwärter a. D Karl Schwarz und Frau in voller geistiger und körperlicher Frische das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide stehen im 78. Lebensjahre. -h

* Udenhausen, 12. Oktober (Wenn der rote Hahn fliegt.) In den Häusern der Ww Som­mer und des Andreas Schäfer brach ein Brand aus, dem beide Anwesen zum Opfer fielen, -h

* Speele, 12. Oktober. (Die Kirmes ruft.) Infolge der verspäteten Ernte hat der hiesige Gemcindevorstand die diesjährige Kirmes um eine Woche verschoben und auf Sonntag, den 16. und Montag, den 17 Oktober festgesetzt. Die günstigen Zugverbindungen in der Richtung nach Münden und Kastel lasten bei günstigem Wetter einen großen Fremdenzusttom hierher erwarten. -g

Kleinalmerode, 12. Oktober (Straf en- spcrrung.) Wegen der Vornahme von Straßen- bauarbeiten wird der öffentliche Weg von Nieste nach Kleinalmerode vom Eingang in die staatliche Oberförsterei Escherodr (zirka vierein­halb Kilometer östlich von Niestet bis zum so­genannten Umschwang (zirka sieben Kitometer östlich von Nieste) mit sofortiger Wirkung bis zum 31. Oktober d Fs. für den Fuhrwerks­und Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Die Um­leitung des Verkehrs kann über Großalmerode erfolgen. .[,

Oberode, 11. Oktober. (Zehn Füger und ein Hase.) Bei einer kürzlich abgehaltenen

Treibjagd im nahen fiskalischen Walve wurde von zehn Jägern ein Hase erlegt. Watvmanns- heil! °x.

* Hann.-Mündrn, 12 Oktober. (Gildetag.) Der Mundener Gildemg wurde in Verbindung mit Jnnungsversammlungen sämtlicher Innun­gen des Kreises sowie der Jahreshauptver­sammlung des Kreishandwerkerbundes und der 25-Jahrfeier des Mundener JnnungSausschustcs hier abgehalten. Tie Veranstaltung war einer Anregung deS Herrn Bürgermeisters Dr. Haar­mann entsprechend nicht im großen Rahmen des Vorjahre- aufgezogen, man will die Vereidi­gung der neuen Jnnungsmeister auf dem Rat­hause und den Kirchgang nicht zu einer gcwohn- heitsmäßiqen alljährlichen Feier werden lasten, sondern sie nur in größeren Zeiträumen an­setzen. -t

* Frankenberg, 11. Oktober. (Erfolge der hiesigen Möbelindustrie.) In unserer Nr. 215 brachten wir eine kurze Mitteilung von der Auszeichnung zweier Möbelfabriken auf einer Leipziger Ausstellung. Wie uns die Stuhlfa- brik Thonet A. G. hierzu mitteilt, hat sie sich an der betr. Ausstellung nicht beteiligt und in­folgedessen auch nicht, wie irrtümlich gemeldet, den 12. Preis erhalten. x.

Dor Kasseler Gerichten.

Auslage» von Rinbcrn.

Aus der Anklagebank erscheint ein 75 Fabre alter Mann, Ludwig A. aus Bettenhausen, gegen den schon am 14. Februar verhandelt wurde. Man hatte in jener Verhandlung den Eindruck, als vb St. geistig nicht mehr ganz normal fei. weshalb das Gericht die Untersuchung durch Professor Jabrmärfer in der vfo- chiatrischen Klinik in Marburg beschloß. Das viel­seitige schriftlich« Gutachten kommt zu dem Schluss, datz weder früher noch jetzt bei K. eine Geifteskrank- l'eit vorliege, auch keine vaibalogischen Erscheinungen bemerkbar feien. Lediglich eine gewisse Aufgeregtheit sei ieftzustellen. S. ist beschuldigt, sich in den Fahren 1925 und 1926 an einem jetzt zwölfjährigen Mädchen vergangen zu haben. Er bezeichnet alle Vorwürfe als Lüge und Verleumdung. Das ist das Einzige, was er zur Anklage äußert. Zwei Lehrerinnen werden über die Qualitäten des Mädchens gehört. ES fei, da Vater und Mutter tagsüber au der Arbeit sind, viel ohne Aufsicht, die Schularbeiten feien auch da­nach. Ferner fei das Mädchen faul, lügnerisch,

stumpf und gleichgültig, es habe auch eimual a!S Zehnjährige »ie Unterschrift seines Vaters gefälscht, und noch andere viel schlimmere Dinze werben dem Mädchen nachgesagt, sodatz es vom städtischen Ge­sundheitsamt untersucht und h-i^ck in Fürsorge- erziehung gegeben wurde. Tie Hausgenossen des die scheinbar nicht gut auf ihn zu sprechen ssnd, be­kunden. datz ne das Mädchen wiederholt in feinet Wohnung gesehen haben, man habe auch einmal Ge­schrei und Lärmen in der Wohnung gehört, was aber in der Wohnung vorgesallen ist, wissen ne man anzugeben. Die beiden Töchter des Angeklagte» schildern ihren Baier als grotzen, Kinderfreund., er habe ihnen immer bloh Liebes und Gutes erwicieit. Es fei gänzlich ausgeschlossen, datz er etwas Unrecht«» an dem Kinde gemacht hab«. So ist das Gericht aus die Aussage des Mädchens allein angewiesen. Der Staatsanwalt glaubt dessen Aussagen und beantragt 6 Monate Gefängnis. Der Verteidiger. Relerendar König, beantragt die Freisprechung mit der Be- gründung, dass auf der Aussage eines solchen Mäd­chens kein« Verurteilung aufgebaut werden könne. Tas Gericht schlletzt sich diesem Standpunkt an.

Roch eine Siudergeschichte.

DiefeSmal ist e» eilt 501ädriger Mann und Vater von sieben Kindern, der bei einer hiesigen Fir­ma als Schlosser tätig ist: die Werkstatt b«- Kniet sich im Hose, die Kinder des betreffenden Hau­ses trieben sich oft int Hofe und in der Werkstatt herum, weil sie an den surrenden Maschinen Geiallen fanden. Oft wurden sie hinansgejagt: wenn sie Ge­legenheit hatten, bettelten sie um 5 Pfennige: wofür sie sich dann ..Bollchen" lausten, Die im gleichen Haufe wohnende Frau S. sah eines Tages ihre Neunjährige aus einem Schokoladengeschäft Sei« auSkornrnen. Auf die Frage, woher sie das Geld babe. gab die Klein« zunächst eine ausweiwende Ant­wort. erzählte aber später, der Mann habe sie ange­iaht und dafür habe sie unter Bedingung deS Still- schweigens 5 Pfennig bekommen. Es wird feftoc« stellt, datz andere Sinder aus dem Hause oft derartige Reden machten. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dal­berg. macht gegenüber der Anschuldigung geltend, dass die Erzählung der kleinen S. schon aus einem rein äutzerlichen Grunde nickt wahr fein könne, denn der Angeklagte arbeite in einem Raume mit grotzen Fenstern und zwei Türen, wo jedermann hineinfehen könne, ausserdem hab« er bei feiner StrBeit stets schwarze ölige Hände. Ter zur Rede stehende Vorfall trug sich am 93. Mai zu, aber erst am 28. Ma, lieft Frau S. ihre Tochter vom Arzt unterfuckeu, der je­doch nichts wesentliches fcitstellen konnte. Der -Ltaais- anwalr beantragt 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, der Verteidiger die Freisprechung mit dem Hinweis, datz dem Angeklagten von allen Seiten dar denkbar beste Zeugnis ausgestellt wird. Mangels Beweises erkennt das Gericht aus Freisprechung, die von dem neuniah- rigen Kind« vorgebrachten Dinge seien nicht ftlck- baltig. _________________

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