Kasseler Neueste Nachrichten
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Nu tnntet 236 Amt!- - Organ der Stadl Kasse». Sonnabend, 8. Oktober 1927. Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang
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Was zieht fich im Osten zusammen?
London mach» sich Gorgen / Macdonald gegen die Internationale.
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er«
e Alters«
uian sich mit dem von Arnold Rechbergefall, durch den der amerikanischen Regierung gemachten Vorschlag eines deutsch - fran-peinliche Weiterungen entstanden. In
dieser Beziehung hat es
Maltzan leichter gehabt.
London, 7. Oktober.
. .7Dn,bolt- 7- Oktober, stellen. Die von den Angeklagten eingelegte Be Talente freie Bahn fanden. Bnde „nrh3fr,,b,L? fb,J, et^dnn^fete2,i SE Macdo rufung wurde verworfen. Das erstinstanz- kurzer Zeit die deutsche Botschaft zu Pf* llche Urteil, das auf je fünfzig Mark Geldstrafe beliebtesten Häuser ber k
ei" _Pie Sowjetregierung lautet, wurde auf dreihundert Mart Gesellschaft gemacht. Aber darüber habe keinen ernstlichen Schritt unternommen, erhöht oder zehn Tage Haft. lang eS Maltzan überraschend schnell
iu einem der
erhöht oder zehn Tage Haft.
gen über den Brandherd im Osten bedenklich die Stirn iu galten legt.
Die Internationale ist schuld.
Macdonald über das Zerwürfnis mit Moskau
Raubes die Hand bieten, wie beute auch ein englisches Blatt resigniert festftellt, das im übri
werte Schritt könne nicht unternommen werden, bevor die Beziehungen zwischen der russischen Regierung und der dritten Internationale vollkommen klargrstellt seien. Macdonald erklärte:
Wir stießen bei Versöhnungsversuchen fast jedesmal auf die Propaganda einer Organisation, die das Wohlwollen gegenüber Rußland bei Millionen von Leuten zerstört, die wirklich dieses Wohlwollen zu zeigen wünschten."
or e. D. v. Jena, in dem sich die Angeklagten vegen Pressevergehens zu verantworten inttcn, lag eine Erklärung des Nationalver- mndes Deutscher Offiziere zugrunde, I
. Washingtoner Gesellschaft gemacht. Aber darüber hinaus gelang eS Maltzan überraschend schnell, die Iym-
zöfischen Sitherheitsbündnisses, dem auch Arthur Mahrann beigetreten rogr, beschäftigte. Darin kam zum Ausdruck, daß Mah- raun beabsichtige, die deutsche Armee dem französischen Heere zur Verfügung zu
SHotfe Jagd cur v r 91.fern fiter.
Wien, 7. Oktober. (Nach Atter Meldung aus Belgrad wurde auch der zweite Mörder des Generals Kowatschevitsch bereits verhaftet. Auf die Festnahme des dritten Attentäters wurde eine Belohnung von hunderttausend Dinar ausgesetzt. Die mazedonischen Kommitatschibanden werden verfolgt.
Rätsel im Osten.
Berlin zwischen Litauen und Polen.
Anfang 1923 war der litauische Einbruch das von französischen Truppen besetzte Memel« gebiet erfolgt Neber die memelländische Auto- nomie innerhalb Litauens sollte noch ein besonderes Statut erlassen werden. Inzwischen herrschte in Memel die litauische Diktatur. Es
hagelte Zeitungsverbote, die deutschen Denkmäler, das Standbild des alten Kaisers Wilhelm, die schöne Borussia auf dem Platz vor der Börse wurden (nächtlicherweile natürlich!) zerstört. Noch heute steht das leere Borussiapostament als ein Symbol dieser litauischen Kullurtaten da. Endlich setzte der Völkerbund durch Statut die memelländische Autonomie innerhalb gewisser Grenzen, die für das Deutschtum erträglich sind, wenn sie tnnegehalicn werden, fest. Das Memelgebiet hat einen von Kowno ernannten Gouverneur Der Landtag gibt Gesetze. Wähler sind nur memelländiscke Bürger. Die vollziehende Gewalt hat das Landesdirektorium mit fünf Mitgliedern, einschließlich des Präsidenttn, den der Goiwerneur ernennt. Der Präsident und daS Direkwrium müssen das Vertrauen des Landtages haben, andernfalls müssen sie zu- rücktreten. Dies Statut ist von den Litauern ungefähr in allen Punkten gebrochen und an seine Stelle eine vollkommene diktatorische Willkürherrschaft im Memelgebiet gesetzt worden. Asien dehnt sich jetzt über das Stück Europa aus, das man an Litauen ausgeliefert hat. Gegenüber allen Protesten stellt man sich litauischerseits auf den Standpunkt: Deutschland braucht Handelsverträge, und ihnt wird auch an dem Handelsvertrag mit Litauen so viel liegen, daß cs seine Beschwerden wegen der Deutschen in Memel zurückstellen wird, wenn man ihm mit einer Orientierung statt nach Berlin nach Warschau oder Moskau droht?
Frauen im Zuchthaus.
Wie Mussolini mit Kommunisten umspringt.
'Einen.« Frotu iimi >
Rom, 7. Oktober. Der Staatsgerichtshof hat zum ersten Male auch über Frauen Recht gesprochen, indem erzweiFrauenzuL bezw. 2%. Jahren Zuchthaus verurteilte, weil sie zusammen mit zwei bestraften Kommunisten kommunistischer Gesinnung überführt und von einem roten Hilfs-Komitee aus Frankreich Gelder erhalten hatten.
Drrfcvfirsie «Srenzwachl
Belgrad, 7. Oktober. Infolge der Ermordung des Generals hat Jugoslawien den Schutz an der bulgarischen Grenze verstärkt. Bulgarischen Staatsangehörigen ist der U e b e r 1 r i t t aus jugoslawisches Gebiet verboten.
Das neue Memel-V'fisid um.
Memel, 7. Oktober. (Privattelegramm.) Im Memcler Landtag wurde gestern das Präsidium gewählt, das von der Landwirtschaftö- partei (Präsident von Dretzler), der Volks- Partei und den Sozialdemokraten, die über zusammen 23 von 29 Sitzen verfügen, gestellt wird.
Erhitzte Balkomivalen.
Jugoslawien drängt Bulgarien in die Enge.
Belgrad, 7. Oktober.
Wie verlautet, beschloß der Ministerrat in So fia, nach dem gestern gemeldeten Attentat auf einen serbischen General die Auflösung der mazedonischen Organisationen zu fordern. Sollte die bulgarische Regierung hierzu unfähig sein, so müsse mit dieser Aufgabe ein fremder Staat beauftragt werden, der als der B e a u f t r a g t c des Völkerbundes Vorgehen würde.
®01f<r>ahtrübman durch De runkenc.
Tokio, 7. Oktober. Der französische Bot- chaftcr wurde von zwei betrunkenen Japanern auf einer Auto-Spazierfahrt angegriffen. Der Botschafter wurde nicht verletzt, aber die begleitenden zwei Offiziere erhielten leichte Verletzungen, bevor die Polizei die Angreifer verhaftete. Der Botschafter ieht in der Angelegenheit einen Zwischenfall ihne persönliche Bedeutung und hat beim spanischen Auswärtigen Amt keine B e - chwerde erhoben.
Was geht im Osten vor?
Polens Bruch mit Litauen.
London, 7. Okwber.
Einem diplomatischen Berichterstatter zufolge seien diplom. Kreise über die Lage in den baltischen Staaten besorgt. Roch vor kurzem habe es danach ausgesehen, als ob ein modus vivendi zwischen Polen und Litauen erzielt werden könnte. Die Großmächte hätten sogar den Plan erwogen, die Wilna-Provinz zwischen Polen und Litauen zu teilen. Warschau habe jedoch nichts davon hören wollen. Die drohende Ber- stkmmung zwischen Lettland und Estland erhöhe die Besorgnis.
Sollten wirklich auf deutscher Seite solche Besorgnisse bestehen und Einfluß auf die • gegen Litauen befolgte Politik haben, so wäre das ein Irrtum. Erstens wird Litauen sich ketnesfalls Sowjeirutzland nähern, denn das würde schon durch den in Kowno sehr respektierten englischen Einfluß verhindert werden. Ein Handelsvertrag mit Rußland wäre außerdem deshalb zwecklos, weil Litauen landwirtschaftliche Produkte ausführt und industrielle einftthrt. Rußland tut dasselbe. Zweitens würde eine „bolnifcöe* Orientierung nur das Vorspiel zu einer Annerion Site .ens durch Polen in Form der „Union- sein. Durchgeführt könne dre Union aber nur durch bewaffnetes polnisches Eingreifen werden, denn das litauische Volk ist absolut polenseindlich. Die Drohung mit Polen ist von litauischer Seite also soviel wte die Drohung mit dem politischen Selbstmord Allerdings was für Einflüsse in Litauen möglich sind, zeigt jene allen Litauern bekannte Geschichte von einem verflossenen Finanzminister, der zugleich Schatzmeister einer Parlamentspartei war und ins Ausland ging als er wegen • irgendwelcher „dunkler- Sachen angegriffen wurde. Nach kurzer Zeit kehrte er vollkommen „rehabilitiert- zurück — wie behauptet wurde, weil er als Pfand für die Rehabilitierung — die Parteikasse mitgenommen hatte! Aus solchen Vorkommnissen leiten manche auch eine Chance für Polen ab.
muß wissen, daß unter allen europä- tßchen Laiwern Litauen gegenwärtig die schlechieste Wirtschaftslage hat, weil es seine Produkte nicht verkaufen kann <r>er natürliche Abnehmer ist Deutschland, und diejenigen Litauer, bei denen sich litauischer Pa rio- tiSmnS und etwas wirtschaftlich-politische Ein- sich? verbinde^ wissen auch, daß. je enget das handelspolitische Verhältnis zu Deutschland ausgestaltet wird, desto eher die ökonomische Laqe gebessert und damit auch die Basis der Unabhängigkeit gegenüber Polen gefestigt werden kann. Daraus ergeben sich die notwendigen Folgen für die Memelpolitik. DaS scheinen auch die tieferen Srftnbe für den jetzigen Rücktritt des Memeldirektoriums mit dem aefürchteten Teulschenfreffer Schwellnus an der Spitze zu seilt Nach dem offenen Bruch mit Polen, das wegen Masscnverfolgunaen polnischer Bür- ger ln Litauen jetzt die schärfsten Vergeltungsmaßnahmen, Verhiftunaen, Schulschließungen uiw angeordnet hat, wollte es Woldemgra» in Genf und Berlin scheinbar mit Stresemann nicht verderben, um bei dem Machtkampf um Litauens Lein ober Nichtsein nicht zwischen zwei Feuer geraten. Denn niemals haben die Litauer darauf verzichtet, den Polen den Wilnaraub wieder abpijagen. Und nie.
pari« läßt nicht locker.
Rakowfli soll unter allen Umstünden gehen.
Paris 7. Oktober. Laut Pressenotiz steht eine französische Rote mit einem offiziellen Antrag auf Abberufung Rakowskis an MoS- kau bevor. Die Regierung werde darin zweifel. los sämtliche Bedenken gegen Rakowski Vorbringen, nämlich die Unterzeichnung des Kommunisten-Manifestes und die Tatsache, patz Rakowski plötzlich ohne vorherige Verständigung mit dem Quay d'Orsay den Wortlaut des russischen Vorschlages zur Schulden- regeluna veröffentlichte. Für den normalen Friedensverkehr und zur Schuldenregelung sei die Ersetzung Rickowskis erforderlich.
England hat es bester.
Wirtschastsbilanz BaldwinS. — Mahnung zum Arbeitsfriede«.
14* Tlvgkv.'dnkte und e n General d ngency«»'.
Mexiko, 7. Oktober. In MoreloS wurden der General Gonzales, ein Kommandant und dreizehn Mitglieder der gesetzgebenden Versammlung als Aufrührer hln- gerichtet. ,
Sn-ttandS Aib-Ner f r D rfoiNts-9» v fion
Sottbon, 7. Oktober. In der Arbeiterpartei- Konferenz stellte fich als Hauptpunkt der Debatte die gebieterische Notwendigkeit heraus, den Versailler Vertrag z« revidieren und alle Mißhelligkeiten zu beseitigen, die die Beziehungen zwischen den europäischen Nationen vergiften»
Hat, sondern in dem Studierzimmer seiner Zrivatwohnung arbeiten und empfangen muß. Wie Graf Bernstorfs, so war auch Herr Wied- f e l d t, der nach Wiederanknüpfung der diplo- malischen Beziehungen als deutscher Botschafter nach Washington kam, reich genug, um viel repräsentieren zu können. Daß er eS nicht tat, lag vor allem an der Abneigung seiner Gattin gegen jede größere Geselligkeit. Auch machte ein Teil der Entente-Diplomaten dem Botschaf« terpaar vor London und Locarno mancherlei gesellschaftliche Schwierigkeiten. 5o_ weigerte sich z. B. bei einem großen vom ttästdenten im Weißen Hause gegebenen Diner die belgische Gesandtin, von Herrn in deriWiedseldt zu Tisch geführt zu werden, ein Dor-
Wik Belgien „vermindert".
Ein Stab und ein Bataillon am Rhein weniger. fPrivat-Telegramm.l
Brüssels, 7. Okwber.
Am 15. Dezember werden der Generalstab und ein Jnfanteriebataillon von belgischen Truppen im Rheinland zurückgezogen.
Mahraun gewinnt wieder.
Erhöhte 'Geldstrafen für die Gegenpartei.
(Funktelegrammi
Berlin. 7. Okwber.
Dem gestrigen Berufungsprozetz des Jungdo- Huchmeistcrs ArthurMahraun, gegen den Schriftleiter Major a. D. von Sodenstern, sowie Generalleutnant n. D- Wächter und Ma-
Cardiff, 7. Oktober. Auf dem Kouservativeu- Parteitag führte Premierminister Baldwin u. a. aus, es bestehe kein Grund hinsichtlich der Handels-Aussichten pessimiftischzu sei«. Tie Ausfuhr nehme zu. Die Aussichten im Schiffahrtsgewerbe seien nicht ungünstig. Die Rückkehr zum Goldstandard habe daS wirtschaftliche Gedeihen gefördert. Der Generalstreik habe das Land schwer geschädigt. Weiter richtete der Premierminister an bie Jndustricllcntührer die Mahnung, mit den Arbeitern Hand in H a n d zu wirken. Die Lage der Landwirtschaft gebe Anlaß zu schweren Besorgnissen. Tie Marktverhältnisse mutzten gebessert werden. Mi« der Oberhausreform werde fich die Regierung tut Herbst befassen.
* * *
Ser 7. Botschafter.
Wer wird MaltzanS Nachfolger? Jntereyaot« Name« a«s b«r KandidateiE«. P-wnlarc Figuren. — Rernft-rls. - WiedfelLt. Maltzan. — Eiu Zwischeufall Mm Diner. Wilbclm IL — „Schutte aus dem Auswärtige«
Amt.'
Er fand die Atmosphäre absolut bereinigt vor, sodaß seine und seiner Gattin gesellschaftliche Talente freie Bahn, fanden. Beide haben in
Die letzten Schollen sind über Ago Maltzans, des zu früh Verstorbenen Grab gerollt. Jetzt muß Vie wichtige Frage, wer sein Nachfolger wird, erörtert werden. Wird man Herrn von Schubert, den treuen Freund, KorpSbruder und Mitarbeiter des Heimgegangenen, nach Washington senden oder wird man ihn werter für London in Reserve halten und einen Außenseiter, einen Wirtschaftler, oder prominenten Parlamentarter, an den Polomac senden? Nicht zu vergessen die Reserve deutscher Diplomaten, die so gern wieder aktiv werben möchten. Fürst Hatzfeldt-Wildenburg, die Herren von Hintze und von Kühlmann, Herr Sols, der sich seit langem schon aus Tokio wegsehnt — freilich reicht er gerade in diesen Tagen die Alt« grenze —, Freiherr von dem Bussche-Hadden- hausen, zuletzt Unterstaatssekretär im Duswär- twen Amt, jetzt auch schon sechzigjährig. Endlich von der „diplomatischen Familie- Stumm, Exzellenz Wilhelm von Stumm und fein Detter Baron Ferdinand Stumm, zuletzt Vortragender Rat im Auswärtigen Amt, dessen erste Gattin die schöne, zu früh verstorbene Constance Hovt aus Washington war. Als sehr ernsthaft« Bewerber kommen auch die beiden ehemaligen Reichskanzler Cuno und Luther sowie der frühere Finanzminister Reinhold in engere Wahl. Der neue deutsche Botschafter wird der siebente in der Reihe sein und sieben ist bekanntlich ja eine Glückszahl. Sechs Botschafter in beinahe vier Jahrzehnten amtierten in Washington. Der erste, der eine Rolle in der Gesellschaft spielte, war Freiherr Speck von Sterndurg. Ein guter Freund deS Präsidenten Rooseveldt, stand er mit diesem dadurch dauernd in Connex, daß sie allmorgendlich zusammen einen großen Ritt in der Umgebung der Bundeshauptstadt machten. Der Prä- ident hatte ihm den Necknamen ,Specki- gegeben und unter diesem Namen war der Baron eine der
populärsten Figuren der diplomatischen und politischen Welt im Potomac. Als nach einem Tode der Newyorker Generalkonsul B ü n z, einer der besten Kenner Amerikas, sein Nachfolger werden sollte, ließ bas Weiße HauS in Berlin mitteilen, daß man am liebsten einen Berufsdiplomaten aus alter Familie nach Washington haben wollte. So fiel denn die Wahl auf den Grafen Bernstorfs. Auch er gewann außerordentlich rasch die Sympa- thien der Washington-Newyorker Gesellschaft, bei der er schon von Anfang an durch fein wundervolles Englisch einen Stein im Brett hatte. Er konnte mit seiner Gattin, einer reichen Elberfelder GroßkauftnannStochter, ein großes Haus machen und den Sommer in dem eleganten Modebad Newpott verbringen. Ein« Repräsentation großen Stils verbot freilich die Beschränktheit der Räume des Botschastergebäu- des, das so klein ist, daß der Botschafter
nicht einmal ein eigenes Büro
mals würden die Polen selbst zu einer Der-jum friedliche Beziehungen mit anderen europä- st ä n d i g u n g über eine Teilung des ischen Staaten zu erreichen. Dieser wünschens-