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Nummer 234.

Amtliches Organ der Stadt Staffel.

Donnerstag, 6. Oktober 1927.

Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

Eine Weltwirtschaftskrise im Anzug?

Der Schrei nach (Seid. Unsere Amerikaflieger in der Luft

Finanzminiftersorgen. Wege zum Einheitsstaat. ' a

wirkt

alS Fahrgast trilneh

er«

verursacht, die in gewöhnlichen

Weniastens soweit der kleine Landort dieser

Namens in Frage kommt. Ms Hauptstadt Süd» deutschlands oder gar genauer Bayerns konnte

Fallende WittschaftSkurven?

England befürckM eine Weltwirtschaftskrise.

den Ozean zu überquer:» und zugle-ch in dem Gedanken, daß dies ein Symbol bedeuten wür« de für weiteres Zusammenstehen der beiden Brudervölker Deutschland und Oesterreich in Not und Gefahr, aber auch im endlichen Glück.

burtenziffern stehen ja die gestiegenen Todeszif fern der Srier1^----- ---- - - <---

Unser Mit» daß Fragen Naturkunde, Art Fol» Fugendliche

Fluch Portugal aut dem PuibertOB.

London, 5. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) In Portugal wurden weitere Verhaftungen vorgenommen, da man befürchtet, daß ein neuer Staatsstreich vorbereitet wird. Scharfe militärische Borfichtsmatznahmen find getroffen.

Nach Liffabon oder aleich nach den Azoren? AUes von Wind und Wetter abhängig.

Sie können sich den Meister ans! »xburienanssall. Krieg lang ans. KSrverlich

Ministerprästdent Held die völlige Wiederher­stellung der Finänzhoheit der Länder und enu.i Abbau der erzbergerischen Steuergesetz­gebung im Namen Baverns. Offenbar ist aber Herr Held nicht als Wortführer aller süddeut­schen Staaten aufgetreten. So soll auch der in Hessen bereits seit längerer Zeit erörterte Plan gestreift sein, Hessen als Retchsland er­klären zu lassen. Tatsächlich scheint man an eine Erörterung der Neugestaltung deS Reiches herangegangen zu fein, wenn man natürlich auch bei der bekannten Haltung Bayerns die Schwierigkeiten dieses Fragenkom­plexes durchaus nicht unterschätzen darf. Ein Berliner Blatt will sogar von einem Antrag

glaube aber suher an der Oder!" ärbeiter fand dann bald heraus, über andere Wissenszweige wie Literatur imd Geschichte auf eine

3t in dem scharfen Absinken der Lehrlingsan- ote zum Ausdruck. Seuchen und Nahrungs­mittelnot haben den Tod zahlreicher Kinder

Äugend HM Zukunst

Zum erstenmal Lehrlingsmangel.

dieser jugendliche diese so oft genannte Stadt aber nicht einreihen. Ein Schulentlassener au- Breslau wußte nicht, an welchem Fluß die Stadt Hamburg liegt und einer aus Königs­berg meinte:®enau weiß ich es nicht! Ich

Mexiko wieder in Kalles Hand

Der Militäraufruhr mit eiserner Faust nieder^eworfen General und vierzehn Offiziere füfiliert

wissen, in einer Sonderkonferenz zwischen Reich und Ländern den Versuch zu machen, eine Reu- reaelung der staatlichen Verhältnisse zu unter­nehmen. Der Vorschlag der Soudertonferen; hat nach dieser Quelle bei den Ministerpräsiden­ten der Länder kaum einen Widerspruch her- vorgeruseu. Er ist vielmehr lebhaft sowohl von den Regierungschefs süddeutscher wie nord- beutscher Länder befürwortet worden. Insbe­sondere der Gedanke der sogenannten Kleinslu- renbereinigung (Beseitigung der Enklaven) fand ft: Widerhall. Die Sonderkonferenz soll

demnächst stattfinden. Man siebt, es spinnen sich große Dinge an, die nicht nur dem Finanzmini­ster zu schaffen machen werden.

stehen ia die gestiegenen Todeszis- gsjahre gegenüber. Der Anteil der frühesten Kinderjahrgänge daran kommt ja schon

Amsterdam, 5. Oktober.

Das deutsche Junkersflugzeug D 1230, das gestern nachmittag, von Norderney kommend im hiesigen Marineflughafen glatt gelandet ist, wurde neu mit Benzin versehen. Das Flug­zeug wird Mittwoch früh um 5 Uhr seine Reise in Richtung Lissabon sortsetzen. (Siehe Bericht und Bild Innenseite. Die Redaktion.) .

Amsterdam, 5. Oktober. (Eigene Trahtmel- dung.) Wie ein Pressevertreter zuverlässig er­fährt werden Flugrichtung und Flugziel für $1230 davon abhängen, wie sich die Wetterlage gestaltet und auch von anderen Umständen, sodaß die Piloten bei der Feststellung der Flugstrecke vollkommen freie Hand haben.

Aber die geiftine Anobilduua lädt viel i» rotin. scheu übrig. Paris bei ... LonSon. »ieei*

Rewyork, 5. Oktober.

Nach einer Meldung aus Mexiko hat Präsi­dent Calles ein Kommunique veröffentlicht, worin erklärt wird, daß der Aufstand gegen die Regierung sehr ernst war, daß aber diese die Lage nun fest in Händen habe. Außer dem Ge- neral S e r r a n o sind gleichzeitig auch die mit ihm verhafteten vierzehn Offiziere füsiliert wor­den. In El Paso wurden die Führer des Ba­taillons, das in Torreon gemeutert hatte, hin­gerichtet.

Save« $cge gezählt*

London, 5. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Rach dem Bericht eines Mexikaners erwartete man in Mexiko schon vor einem halben Jahre den Sturz Calles. Es fei das blutigste Regi­ment der mexikanischen Geschichte. Unter der Herrschaft CalleS zähle man mehr als vierhun­dert Ermordungen von Gegnern des Prä­sidenten, sowie die Ausplünderung der öffentli­chen Steuerkassen. Das Ende Calles sei auch dann nicht mehr fern, wenn er die Revolution niederwerfen sollte.

Sr macht öle Opposition mundtot

Paso, 5. Oktober. Nach einem spanischen Blatt wird die Deputiertenkammer von Mexiko heute über die Ausstoßung aller Mitglieder

Schon toi 6er unterwegs.

Amsterdam, 5. Oktober. (Privattelegramm.) Das Flugzeug D. 1230 ist um/}6 Uhr Amsterda mer Zeit von hier abgefloge», vermullich nach Liffabon.

* * *

Warum Frau D-llenr mrtfllegt.

Tie kühne Tat als Symbol für Großdeutschland.

Hamburg, 5. Oktober.

Lrvine kommt nicht weiter.

DieMiß Columbia" durchgebrochen.

Rom, 5. Oktober.

Bei der Landung derColumbia" brach, nachdem das Flugzeug schon eine Strecke gerollt war, infolge der Unebenheit des Bodens, das Fahrgestell, wobei der Rumpf auf den Bo­den sackte. Der Propeller ist beschädigt und die rechte Tragfläche. Ter start befchädigte Motor muß ausgewechselt werden.

Rom, 5. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) DieMiß Columbia" mußte kurz nach ihrem Start infolge eines Motorschadens in der Nähe von Ciampino landen. Levine und der Pilot blieben unverletzt, das Flugzeug ist beschädigt.

Die an dem OzecMflug als «a^aii trtlne_ mende Wiener Schauspielerin Lilly Dillenz e. klärte einem Pressevertreter n. a nicht an Sen­sationslust habe sie sich zum Ozeanflug gedrängt Eine Anzahl österreichischer Patrioten, die den brennenden Wunsch hatten, daß auch das klein und arm gewordene Oesterreich, das dreersor- derlichen Mittel für solch eine kühne Tat nicht anfbringen könne, an einem oe"arttgen Unter­nehmen beteiligt fei, habe dw --.etlmchme e- möalicht. In vollem Einverständnis mit ihnen und mit ihrem Manne trete sie den Flug an in dem sicheren Gefühl, als erste tftau tm Flugzeug

_ ______ ____ ___T._____ ten frisch und

gesund aufgewachsen wären. Auch - für den Nachwuchs kann man also vonFriedensware"

undKriegsware" sprechen. Hört man bei Mei­stern und Personalleitern großer und kleiner Betriebe umher, so erfährt man, daß die größte Sorge den körperlichen Verhältniffen der neuen Jugendlichen auf dem ArbeitSmarkt gegolten hat. Man nahm an, daß ein besonders lei- stungSschwaches, körperlich zurückge- bliebenes männliches und weibliches Lehr­lingsgeschlecht aus den Schn.en herauskommen würde. Viele Tausende junger Mädchen und junger werdender Männer werden in der Tat mit zurückgebliebenem Körpermaß und Gewicht aus der Schule entlaffen. Dennoch ist die plan­volle Arbeit besonders vieler großstädtischer Schulverwaltungen in der Herausbildung ge­sunder und sportlich durchgearbeite­ter Körper alle diese grauenvoll anzusehen­den Kriechkurse von knochenschwachen Jun­gen und Mädeln in den Turnhallen und auf den Spielplätzen zur Stärkung des Rückgrats und des gesamten Knochengerüsts, sichtlich von großem Nutzen gewesen, Tie Jugendlichen bei­der GesÄechter zeichnen sich meist sogar schon jetzt durch wohlgewachsene geschmeidige Körper und durch Freude an körperlicher Leistung aus. Fast ausnahmelos wurde unserem Mitarbeiter int Verlauf einer Umfrage erklärt, daß der kör­perliche Zustand der Jugendlichen viel weniger zu wünschen übrig lasse, als ihre geistige Ausbildung, lieber dieses Gebiet wurden Behaupiunaen aufgestellt,. die sehr nachprü- sungsbedürftig erscheinen. Sollte man es für möglich halten, daß eine Berliner Schul- entlassene ihre geographischen Kenntnisse nach Versagen in einigenschweren" Fragen wie nach den fünf Erdteilen und den großen Meeren mit der beglückten Antwort erweisen zu können meint:

Paris? Das weiß ich: bei London!"?

Ein Stettiner Knabe, den unser Mitarbei- ter bei einem Schlosser als Lehrmeister antraf, wußte auf die Frage, wo München liege, zu antworten:In Pommern!" Das stimmt auch.

Vertin, 5. Oktober.

Pessimistisch sind alle Weltwirtschaftsberichte der lebten Zeit. Wir gehen einer neuen Welt­wirtschaftskrise entgegen. Nachdem kürzlich ein Londoner Blatt das Konjunktur Barometer als bedeckt und regnerisch abgelesen hat, schreibt heute ein Schwesterblatt: Alle europäischen Staaten verbrauchen mehr als sie produzieren. DaSgleiche güt für Südamerika und die Kultur­gebiete Asiens. Das Ende kann nur die Kata­strophe sein. Unter diesen Umständen steht der Zwang allgemeiner Jndustrieeinschränkungen in der Welt bevor.

,3um Oktobertermin hat sich diesmal erst­malig der seit Jahren vorausgesehene Lehr­lingsmangel praktisch fühlbar gemacht. Es ist den Schulentlassenen durchweg nicht schwer ge fallen, eine Lehrstelle zu bekommen. In einigen Berufszweigen, wie zum Beifpiel in der Buch­druckerei, bei Klempnern, Malern und Friseu­ren konnten sich die männlichen Jugendlichen ihren Lehrmeister mit dem Gefühl aussuchen: Wir sind knapp geworden, man reißt sich um uns. Wir können Bedingungen stellen' Wir stehen allerdings in einer Zeit sich stetig bessern­der Mrtschaftskonjunktur. Aber die Aussichten bleiben günstig, auch wenn sie in wirtschaftlich wieder ungünstiger gewordenen Zeiten an die Werkstattüre ihrer Meister pochen; denn der

Gebnrtenaussall während des Krieges kann ja erst in den nächsten Jahren zur v o l l e n Auswirkung auf dem Lehrlingsmarkt kom­men. Der Geburtenrückgang von 1913 zu 1914 betrug nur erst 20 000; von 1914 zu 1915 aber schon 425000; 1917 und 1918 wiesen sogar nur die Hälfte der Friedensziffer auf. Die Gebur­tenziffer von 1913 ist dann niemals wieder er­reicht worden. Daraus darf man den Schluß ziehen, daß die Lehrtingslnapvheit tm Ver­laus von einem Jahrzehnt noch kaum ausgeglichen sein wird. Den verminderten Ge­

beraten, die die Präsidentschaftskandtdaturen von Gomez und Serrano unterstützt haben.

* * *

Die Lusslo te mobil

Blutige Gefechte und Maffenverhastungen. Rewyork, 5 Oktober.

In der Stadt Mexiko fallen neunzehn gesell­schaftlich hervorragende Personen verhaftet wor­den fein. In einem Gefecht bei Jaliseo wurden neunzehn Aufständische getötet und zwanzig verwundet. Bei Texcoeo wurde ein Etsenbahn- zug angegriffen und die Passagiere und ein Postwagen ausgeplündert. Präsident Calles, fein Vorgänger Obregon und der Kriegs- minister befahlen den Luftstreitkräften, sich zum sofortigen Eingreifen bereit zu halten. Zwei Generale sollen sich erhoben und ihre Streitkräfte bei Texcoeo in Marsch gesetzt haben. General Aguilar fei aber später nach der Stadt Mexiko (mit seinen Truppen) zurückgekehrt.

ter binausliefen; denn zahlreiche .______

füMten sich durch ihr Nichtwissen peinlich be­rührt. Tabei handelt es sich bei den Befragten

Frankreichs Finanzminister PoincarL, der bekanntlich heute wieder das gesamte Staats­schiff steuert, legte kürzlich dem Finanzausschuß das Budget für das Jahr 1928 vor, das dem deS verflossenen Jahres wie ein Ei dem ande­ren gleicht. Er erklärte den deputierten, daß an dem Budget nichts geändert werden dürfe und er weder Abstriche noch Neuerungen dulden könnte. Opposition und Oeffentlichkeit waren be­stürzt. Die Klagen der französischen Steuer­zahler, daß die'Steuersätze so hoch sind wer kennt sie nicht auch bei uns?, daß jeder Verdienst hinweggesteuert wird, sind nahezu all­gemein. Man hosste auf eine Verminderung der Börfenumfatzsteuer, auf eine Herabsetzung der allgemeinen Umsatzsteuer und auf einen Abbau der Liegenschaftsumsatzsteuer im besonderen. Allen Wünschen und Forderungen der Opposi­tion gegenü6er erklärte jedoch Poincare kate­gorisch:non possumus", wir können nicht. Um den Haushalt zu balancieren, die Amorti­sation der französischen Schulden durchzusühren und den französischen Franken stabil zu halten, schreckte Poincare, wie man weiß, auch nicht vor der Drohung zurück, vor der Kammer an eine Nationalversammlung in Ver­sailles zu appellieren. Die Erinnerung daran ist auch jetzt noch in allen Abgeordneten­kreisen sehr lebendig.

Aber die Wahlen zur Deputiertenkammer stehen vor der Tür. Einerlei! Poincare ist -licht gewtllt, auf diesem Gebiete der Opposition Zugeständnisse einzuräumen. Schon hat er als Präsident der französischen Regierung die Ab­geordneten an das Ueberemkommen erinnert, daß keine neuen Ausgaben bewilligt werden dürfen, ohne daß dafür gleichwertige Einnahmen geschafft werden. Seine Ge­waltlösung imponiert. Die französische Rechtspresse, bte noch vor einigen Monaten mit dem Steuerabbau rechnete, ertlärt kurzerhand, daß die Ereignisse gegen sie entschieden haben. Damit wird jedes Bedauern überflüssig. Von den Herrioten sind kaum ernste Schwierigkeiten zu erwarten. Poincarös Regierungsmehrheit hält trotz der scharfen Kritik des früheren Mini­sterpräsidenten Caillaur zusammen.

Der deutsche Reichsfinanzminister Dr. Kohler ist gegenwärtig In einer Lage, die gewisse Parallelen mit der deS französischen Finanzministers aufweist, die wir jedoch nicht weiter ausbauen wollen. Wir warten hier nur mit knappen Tatsachen und Andeutungen auf, die jeder nach feinem Dafürhalten ergänzen kann. Die Reichsregierung hat sich in den letz­ten Tagen in Berlin mit den Staats- und Mi­nisterpräsidenten der deutschen Länder über eine Anzahl der bedeutendsten schwebenden politi­schen Fragen ausgesprochen. Der Reichsschul­gesetzentwurf, die Beamtenbesoldungsreform, das Liqutdationsschädengesetz und das Steuer­rahmengesetz wurden in diesem Zusammenhang besonders erwähnt. In den Verhandlungen wurde offensichtlich nicht in allen Fragen eine Einigung erzielt. Sonst wären keine Sondersitzungen nötig, in der die staatsrecht, iichen Verhältnisse zwischen dem deutschen Reich und den Ländern grundsätzlich erörtert werden sollen. Die Hauptrolle spielt natürlich das Problem der Steuerüberweisungen an die Län­der (Finanzausgleich). Man gibt sich aber wohl kaum einer Täuschung hin, wenn man ferner annimmt, daß auch das Steuerrahmengesetz und die finanziellen Auswirkungen der neuen Reichsbesoldungsordnung und deS Reichsschul- gesetzentwurfs damit in engem Zusammenhang stehen. Obwohl die letzten Beratungen der süddeutschen Staats Häupter in Stuttgart einen streng vertraulichen Cha­rakter trugen Weiß man doch aus den Erklä­rungen badischer und bayerischer Regierungs­männer, daß die süddeutschen Länder gegen die finanziellen Auswirkungen der neuen Besol­dungsordnung und der andern bereits genann­ten Gesetze ft orte Bedenken tragen und nicht zu unterschätzende Forderungen, teils praktischer und teils grundsätzlicher Art an die Reichsregierung im allgemeinen und den Herrn Reickssinanzminister im besonderen erheben.

Aber noch mehr konnte man aus den dürfti­gen Brocken der amtlichen Kommuniques her­auslesen. Soll doch Hamburgs Bürgermeister Petersen offen daraus hingewiesen haben, daß der bestehende staatsrechtliche Zustand Deutschlands nicht länger andauern könne. Ter preußische Ministerpräsident Braun vertrat die Auffassung, daß bk jetzige Entwicklung na- turnoiwendig zum Einheitsstaat fuhren müsse Demgegenüber verlangte ber bayerische