$te**kg, 87. SepiemS« 1987.
Raffelet Neueste Nachrichten
17. Jahrgang. — Rr. 286.
Sie halten an derKriegsfchnldlüge fest
stung ausgeliefert hat. Er hat die unentschuld-
*
Neues aus Kassel
Frankfurt a. O., 26. September. Bei einem
Auf der schwarzen Gonntagsilfte.
Unglücksfälle im Auto und im Sattel.
Men, 26. September.
Sie der eumden weiter
Barthou gegen Hindenburg.
Paris, 26. September.
An den fünf sargen von Schleiz.
v. Maltzan schon in der Heimat.
Schleis 26. September. Gestern früh fand in der überfüllten Bergkirche zu Schleiz ein allgr» meiner Trauergottesdienst für die Flugzeugopfer statt. Die fünf Särge waren von Blumen und Kränzen völlig verdeckt und wurden in feierlichem Zuge von den Spitzen der Behörden und einer gewaltigen Menschenmenge zum Bahnhof geleitet.
Schwerin, 26. September. Der Sarg mit der Leiche des Botschafters Freiherrn von Maltzan traf gestern auf dem Bahnhof Vollratsruhe ein, von wo aus er nach dem vier Kilometer entfernten väterlichen Gut Groß-Luckow übergeführt wurde, wo die Beerdigung stattfindet.
Bohren w'r persisches Sel?
Gerüchte und Dementis aus London.
Loudon, 26. September. Berichte aus Persien besagen: In der persischen Hauptstadt glaubt man stark daran, daß Deutschland eingeladen fei oder noch werde, zusammen mit Großbritannien an der Aufschließung der persischen Oelfelder teilzunehmen. Ein Blatt bemerkt, daß derartige Gerüchte schon einmal energisch von London dementiert worden feien und daß eg sich auch jetzt wieder um Kombinationen handele.
sichtlich auch die Im Jahre 1922 zu je 10 Jahren Zuchthaus verurteilten Scheidemaun-A 1 - tentöter Mustert und Oehlschläger einbegriffen. Scheidemann selbst hat zu dieser Amnestie die Initiative ergriffen. Die Reichs- amnestie bezieht sich ausschließlich aus Urteile des Staatsgerichtshoses und des Reichsgerichts.
Am 2 Oltobki- straffrei.
Auch die Scheidemanu-Atteutäter begnadigt?
Berlin, 26. September. Laut Pressenotiz erstrecken sich die Begnadigungen für p o l i t i s ch e Delikte anläßlich des Geburtstages des Reichs- Präsidenten aus Angehörige aller Parteien. Die Begnadigungen krimineller Delikte umfassen vorwiegend Not- und Affekthandlungen. Die amtliche Publikation dürfte am 1. Oktober erfolgen. In die Relchsamyeftie, die unabhängig von den Länderregiernngen vom Reichspräsidenten erlassen wird, sind voraus-
Der Abrsstunsi eine (Sofft!
Stresemanns letzter Appell in Genf.
Gens, 26. September. Der Völkerbund nahm am Sonnabend einstimmig den polnischen Antikriegsvorschlag an. Dr. Stresemann führte später u. a. aus: Nunmehr haben wir ein Programm vor uns, in dem die beiden Grundsätze der Abrüstung und der Sicherheit zueinander in das richtige Verhältnis gestellt werden. Die Verhandlungen haben aufs neue gezeigt, welch bedeutsame Rolle hierbei der Entwicklung des Schiedsgerichtsgedankeng zufallen wird. Möge der Name Locarno zu einem Symbol für bte Sicherheit, Verständigung und das Vertrauen unter den Nationen werden. Feststeht, daß die erste Entwaffnungskonferenz einzuberufen ist, sobald die noch notwendigen Vorarbeiten rein technischer Art zum Abschluß gebracht worden find. Rüstungen können und dürfen nicht die Grundlage der Sicherheit sein! Sie find nicht einmal mehr der sicherste Schuh, und sie haben überdies unvermeidlich die Wirkung. den Nachbarn zu bedrohen. Deutschland hat die schweren psychologischen Hemmungen für eine Abrüstung Überwunden. Wenn die
einst stärkste Militärmacht der Welt
Befremden Über W rlh.
Stellungnahme des badischen Zentrums.
Freiburg, 2^ September.
Das badische Zentrumskomitee bezeichnete den Reichsschulgesetzentwurf als geeignete Verhandlungsgrundlage und will die Hand zur Verständigung bieten, falls auch auf der anderen Seite der gleiche ehrliche Wille vorhanden ei. In dem offizellen Berichte heißt es weiter: Daß Dr. Wirth der Tagung ferngeblieben war, satt mannhaft seine Meinung durch persönliche Anwesenheit zu vertreten, hat allgemein starkes Befremden hervorgerufen. DaS eigensinnige Vorgehen Dr. Wirths in der Schulfrage hat der friedlichen Lösung speziell in Baden nicht nur nicht gedient, sondern den alten noch neue Schwierigkeiten hinzugefügt. Diese Erkenntnis dürfte bei einiger Einsicht auch auf der anderen Parteiseite Vorhaben sein.
Herausforderung anzunehmen. Frankreich, dessen friedfertige Rolle die Geschichte bei den Verhandlungen festgestellt hat, die dem Krieg von 1914 vorausgingen, nimmt mit der gleichen vertrauensvollen Ruhe das Urteil der Geschichte über die Verantwortung am Marokkokrieg an."
tors für die Kriegsführung gemacht werden. Fast die gesamten Kraftfahrerver- vande des Reichsheeres mußten herangezogen werden. Auch sonst wird es belebt werden Wir sahen schon in der Stadt fremde Uniformen. Einige
Wie Oesterreich« Sedunen nachlassen.
Men, 26. September. Nach den amtlichen Daten ist der Geburtsüberschuß in Oesterreich im Jahre 1926 außerordentlich stark zurückgr- gangen, wie er seit Jahrzehnten nicht beobachtet worden ist. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug 1926 nur 18,7 gegenüber 23,7 pro Mille 1913. Der Geburtenüberschuß beträgt in ganz Oesterreich nur 28 000 gegenüber 41000 im Vorjahre. In Wien ist der Rückgang noch auffallender.
Ostende, 26. September. Bei einer Denk- malseinweihung für einen katholischen Staatsmann führt Ministerpräsident Ja spar u a. aus: Bernarts hat nicht die furchtbaren Tage erlebt, in denen die Invasion derer „mit den retnnt Händen" unser unschuldiges Vaterland
heute abgerüstet ist, so sollte es für die anderen Staaten viel leichter sein, ihm jetzt zu folgen. Die ganze Institution deg Völkerbundes kann nur dann lebendig und wirkfam werden, wenn die Vorschrift der allgemeinen Abrüstung durchgeführt und damit die Voraussetzung gegeben ist für die allgemeine Friedensatmosphäre. Rach Stresemann bezeichnete Paus Boncour-Paris den Sicherheitsgedanken und das Genfer Pro- tokoll als Abrüstungsgrundlage. Abrüstung, Sicherheit und Schiedsgericht feten untrennbar miteinander verbunden.
Sozialdemokraten 15 (12), Bürgerliche 14 (13), Sparer 1 (0).
Der Rundfunk hat Säfte.
Ein Festfonnabend im Stadtpark.
Den Höhepunkt der Rundfunkausstellung im Stadtpark gab der Sonnabend ab. Nachmittags war „musikalische Teestunde". Es Plauderte sich hübsch im großen Saal neben der Ausstellung bei den schmeichelnden Weisen der Rundfunkkapelle unter Arthur Wisotzki. Eugen' Bodart meisterte mit jugendlichem Elan den Flügel, Frau Grete Besser sang wie immer mit Bravour, Woldemar Klingclhöfer (ihn beglei- ete Beata Nicolai) bevorzugte, wozu sich sein chöner Bariton vorzüglich eignet, rusnsche Wesen und Karl E b h a r d t ließ die Poesie der Sprache wirken. Im Mittelpunkt der Gäste stand aber der Favorit der Rundfunkler, der Frankfurter Meistersprecher O. W. Siudt- mann...Kunststück! Und abends im festlichen Saale war es wieder „Er". Er kam (äußerlich, dank des Kostümzaubers!) als kleiner Jerome vor das Mikrophon und plauderte aus der Schule, d. h. er erzählte vom Rund- unk, von den Beschwerden die es hagelt und was man sonst bei ihm erlebt, was der Hörer
zwanzig fremdländische Offiziere Das amtliche Satzecho a«s Brüssel «ad Paris / Die Minister überbiete« stch ^gelass^^^Wohkgem"^. Vettret^"de? I""^""Hungen uttb Greueüügen / And das „zehn Jahre »ach demWelttriez". Staaten, deren Truppen noch widerrechtliich auf deutschem Boden stehen, also Franzosen. Engländer und Belgier fehlen. Dafür haben sich eingefunden die Militärattachees von Schweden, Spanien, Italien, Rußland sogar, den Vereinigten Staaten von Nordamerika.,„ . „ .. . , , - r. , ----- ---------
Chrle, Pern und auch Japan, ferner Offiziere ^inen Händen" unser unschuldiges Vaterland -er schweizerischen, finnländischen, ungarischen „ Brandstiftung, dem Mord und der Verwü- norwegischen und bulgarischen Armee. Noch ausgeliesert hat. Er hat die unentschuld- eiitige Aufklärungen durch „unseren" Haupt-1 daren Fusillerungen von Frauen, von Greisen mann, bann wird für den ersten .Schlachttag" 5?? Kindern in der Wiege nicht kennengelernt.
die Zeit des Antretens" bekannt gegeben: 7.151?^ Herz krampfte sich nicht zusammen ange- Uhr. „Und nun meine Herren, nach altem deS systematischen Raubes unserer indu- militSrischen Brauch, die Uhrzeit». Es ist jetzt Ausrüstung. Er erlebte weder Loewen 16,44 Uhr!" I uoch Vlse, noch Tamines, noch Aerschot, noch
Die Kriegslage für Montag ®r nicht mehr mit Augen, die
Negt bereitsvor: „Die rote 3. Kav.-Div. als rer MttbLr davon?i^n sehen"müffem "die ?E^^^nes Kavalleriekorps hat im Vormarsch! wie Sklaven zu Tausenden deportiert wurden die Gegend um Geseke, Salzkotten, Rüthen er-1 Auch die letzte Prüfung blieb ibm ersvart lein Ä Z^e Vorposten stehen bei Haarem, gelilbÄVaterlandgegen den Haß und die bie T $ürwnUn6et Verleumdung verteidigen zu müssen, die hart-
Willebadessen und Lichten au nackig und unablässig bemüht sind, mit ben Ä'!? anflcnontener blauer I Üblen Dünsten der Luge und des Uebelwollens FarbenspZ d°s wi? v°n der Rchelbach ^TSeI9ien8 Heroismus und Leiden zu trüben." term Herkules kennen: .Wir sind Blau, der Gegner Rot, der Feind steht bei Ehlen." Da mußte er eben stehen. Und abends... auf die ersten Postkarten in die Heimat wird, wie wir's früher so oft getan, ein kleines Wörtern geschrieben: Feldpost! Jetzt hat es nur Scherzwert! Rudolf Heynemann.
Bei einer Denkmalsweihe für einen Ma- rovohclden in Livorno äußerte sich als Regie- runsssvertreter Justizminister Barthou: „Wir Heiße Arbeit für die Feuerwehr. I haben den Marokkokrieg ebensowenig gewollt. 4 Stockwerke der »eHinrr wrern Nile den anderen. Wir sind in gleicher Weise
£ 7- ” ™ -usgebrannt. unschuldig an dem Blut, das ein herrschsüch-
, Berlin, 26. (September. In einem Beleuch- tiges Volk, ein Wilhelm II. und ein Abd el rungsiaqer der A. E. G. mit Holzwolle und Krim haben vergießen lassen. Das Deutschland Siftenuorräten breitete sich gestern ein Brand von 1914 würde, wenn es reinen Herzens ge- nnt iabelhafter Schnelligkeit über sämtliche! wesen wäre, mit einem Wort der Annahme wer Stockwerke des Gebäudes aus, das im des Vermittlungsangebotes die drohende Ge- Berlauf des Nachmittags völlig ausgebrannt fahr beseitgt haben. Das Deutschland von 1914 ifL Das daneben gelegene Nmfonnerwerk der hatte keine reinen Hände (I). Nachdem nrr «. E. G. konnte durch die Feuerwehr, die mit die Grausamkeiten erlebt haben, werden wir zehn Löschzügen und mehreren Turmleitern ein- nicht unsere Toten entehren lassen. Wir wol- leiteru eingriff, gerettet werden. Personen sind IeM den Frieden, aber wir können nicht die nicht zu Schaden gekommen Der Materialscha. Wahrheit opfern. Die unvorsichtigen Rehabi- den ist erheblich. Polizeipräfident, Oberbürger, lltierungen bringen die Gefahr mit sich, vor meister erfchienen. Abends wurden neue der Oefsentlichkeit den Ton einer verwegenen Maunfchaften für die Aufräumungsarbeiien
eingesetzt, namentlich für die voller Wasser sie- Tauer beim Passieren des Ziels mit einem ihn, b-nden Kellerräume. | entgegenkommenden unbeteiligten Motorrad-
* fahret Kncrick zusammen, der sofort getötet
Ohne Licht und Siratzendcchn wurde, während seine auf dem Soziussitz mit-
‘ „ fahrende Frau sowie Tauer selbst derart schwer
’ ^^mber. (Funkdienst.) Wegen verletzt wurden, daß an ihrem Aufkommen ge-
des stillgelegten Umformerwerks waren mehrere zweifelt wird 1
Stadtteile ungefähr eine Stunde lang ebne ’ ___
Strom, bis bte nötigen Umschaltungen erfolgt Am TöflNborometfr
waren. Bei ber Umschaltung entstand in der ? raJ'1. /
Müllerftraße Kurzschluß in einem Straßen- Wie bie Wasserkante gestern wählte, bahnmast sodaß auch ber Stratzenbahnverkehr Altona, 26 September,
eine zeitlang lahmgelegt war. | In ben gestrigen Stabtverordnetenwahlen er
hielten Sozialdemokraten 23 Mandate, Dem 4, Komm. 10, Zentralausschuß 9, Zenir 1, Naii- analsoz. 1, Volkspartei 6, Deutschnat. 5. Mittelst andsp. 1. Tie neue Stadtvertretung zählt in» „ . , , folge Eingemeindung 61 Mandate gegen 55
Noch einer Tagung in Langenlois in Nie- vorher. Die letzte Stadtverordnetenversamm- dcrösterreich verunglückte ein Lastautomobil mit lung setzte sich zusammen aus 18 Sozialdemo- 37 Personen tn einer Kurve und stürzte um. traten 13, Bürgerliche Vereinigung, 10 Kommn- Der Chauffeur, seine Frau und ein Passagier nisten, 7 Demokraten. 5 Volkssozialer Block und waren sofort tot. Drei Personen wurden schwer! 2 Wirtschastsblock
™ Rühe von Pinneberg, 26. September. Die Ergebnisse
Wien-Neustadt kippte ein Feuerwehrautomobil bet Kreisiagswohlen: Vaterland 10 Sitze (bis- von einer Uebung zurückkehrte, um. Alle her 11), Sozialdemokraten 10 (10), Eigenheim
«nnder 4 (14), Beamtenliste 1 (2), Demokraten 1 (2).
schwer, zwei lebensgefährlich verletzt. I Kommunisten 2 (2), Wahlbeteiligung 42%
Frankfurt a. 26. September. Bei einem Waudsbeck, 26. September. Hier erhielten Berelnswettrennen stieß der MotorradfahrerI die Kommunisten 6 Sitze (6), Demokraten 2 (Ü).
Die neugierigen Frauen.
Komische Oper von Wolf-Ferrari.
Ren einstudiert im Kasseler Staatstheater.
Der Deutsch-Italiener Wolf-Ferrari, der Nachfahre eines alten Künstlergeschlechtes, ist der letzte der fungen Künstlergeneration, die um die Wende des Jahrhunderts die Aufgabe der Musik darin sehen, sie aus den starren Fesseln Wagnerschen Pathos zu befreien. „Wagnersches Pathos": Besser das falsche Pathos der Wagnerianer ober Wagnerianerlein, die dem Musiker und dem musikalischen Publikum auf die Nerven gingen. Nun so erfreulich die Erscheinungen eines d'Albert, eines Wolf-Ferrari, eines Blech und so weiter war, die Loslösung von Wagnerschen und nach Wagnerschen Kunstanschauungen ist ihnen doch nur recht bedingt gelungen Sie setzen zwar an die Stelle der einen Kunstgattung eine andere, die diametral entgegengesetzte, aber sie konnten ben Sieg nicht an ihre Federn heften Bei allem Respekt vor dem Geleisteten, ob es dauern wird, erscheint zweifelhaft, erscheint angesichts einer vortrefflichen Aufführung der Wols-Ferrarischen „Neugierigen Frauen" besonders zweifelhaft Diesen Frauen ergeht es wie manchen ihrer Ge- fchlechtsgenoflen. sie können kaum 25 Jahre Tafeln unbemerkt Überstehen, schon werden Falten und Runzeln bemerkbar, würden auch dann noch bemerkbar fein wenn der musikalische Leiter des Abends der neue Kapellmeister Wilhelm Franz R e u ß hier und da ein wenig mehr von der Schminke stärkerer musikalischer Akzente und stärkerer Betonung des Grotesken aufgelegt hätte.
Ueber ben Inhalt des Merkchens ist wenig zu sagen. Der Text ist miserabel, nach einem Goldinischen Lustspiel gemacht Die Männe, haben im Hause des Hagestolz Pantalone einen Klub gegründet, in dem es höchst harmlos zu- geht Man beschäftigt sich mit Schachspielen Florettfechten und anderen wichtigen Dingen Die Frauen natürlich vermuten teils Weiber teils Zauberaeschichten in dem harmlosen Klub Nachdem ihr Angriff zunächst abgeschlagen ist, gelingt es der Colombina und ber Rosaura
(Schalksnärrin und Liebhaberin) zweier der Klubmitglieder die Schlüssel abzulisten. Tie Frauen dringen in ben Klub ein und müssen böchst beschämt gestehen, daß ihr Verdacht, ihre Neugier unbegrünbet war. Die Musik plätschert fein unb leise im Mozartschen Lichte dahin, alles ist solistisch aufgebaut, jelbft die Ensembles, die sehr fein gearbeitet sind, lassen den einzelnen nicht unterliegen, sondern heben seine Individualität musikalisch charakteristisch hervor. Auch das Orchester ist kammermusikmäßig behandelt lWolf-Ferrari kommt von der Kammermusik), auch hier spielen die SoloinstruMente eine große Rolle. Was die Musik auszeichnet ist der Sinn Wols-Ferrarls für natürlichen fein- delikaten Humor. Wirklich köstlich ist das Plappern der Frauen im Orchester (Oboe) durch Hühnergegacker nachgeahmt, ganz prachtvoll ist die Ruhe des alten, gegen das GZeif der Frau abgebrühten Ehemanns Ottavio charakterMert.
Die Aufführung war sehr lobenswert. Wenn man von dem oben erwähnten kleinen Mangel absieht, kann von der Leistung des neuen Ka- vellmeisters Wilhelm Franz R e u ß mit großer Achtung und viel Freude gesprochen werden Reuß ist ein Musiker, der viel Gutes und Schönes gehört und in sich aufgenommen hat Er weiß feinem Orchester ein ungewöhnlich befeelteS Piano zu entlocken.. Er hat eine vor- 'lehme und gediegene Art, dem Tonkörper vor- 'usteben alles klingt liebenswürdig und fein herausgearbeitet. Zusammenarbeit von Bühne unb Orchester war tadellos. Die reizende Ouver- lüre kam zur vollen Geltung Spielleiter war Herr D e r i ch s Auch von seiner Leistung kann mit Genugtuung gesprochen werden. Er hatte ganz entzückend? Bübnenbilber geschaffen, alles m Rahmen des improvisierten Karnevalscher- zes ber Comedia beFarte die nach den Eniwür- len Paul S ch ö n k e s in den Rheinischen Werkstätten in Govesberg angefertigt waren. Wenn man das Gefühl des Improvisierten nicht immer hatte so war das nicht Schuld des Spielleiters es laa vielmehr hier an einzelnen Mit- wirkenben Von den Solisten schoß diesmal den Vogel ab: Hans Wuzel als Pantalone Wn- zel zeigte eine sehr feine pfiffige Hagestolzart. gewürzt mit echt italienischem Schmiß und Hu
mor, eine Leistung, die, wenn auch kleiner, seinem Hans Sachs zur Seite zu stellen ist. Gesanglich sehr Erfreuliches muß auch von dem gemütlichen Ottavio des Herrn Bartram gesagt werden. Der Liebhaber Florindo des Herrn Oevregaard muß mit einem kleinen Abstand genannt werden. Der junge Künstler singt recht fein, aber so recht hinreißen will seine gesangliche Leistung noch nicht. Dazu fehlt es allzusehr an musikalischer Verve, schauspielerisch muß Herr Oevregaard eine zuweilen lä» füge Schüchternheit unb Ungewandtheit abwerfen. Von den übrige» Männerrollen muß ber Lelio des Herrn Bader genannt werden Bader gab sich offenbar viel Mühe, flott zu spielen unb ru singen, beides mit nur mäßigem Erfolg, insbesondere ist bie Stimme in der Höhe allzu klanglos, die schauspielerische Begabung höchstens gutes Mittelmaß. Die jugendkiche Liebhaberin Rosaura unb die geschwätzige Eleonore wurden von den Damen Rltter-Wünsch und Brandstätter ganz vortrefflich wiedergegeben. Frau Ritter-Wünsch entzückte uns wieder durch eine gesangliche Leistung großen S: ls. Frau Brandstätter verblüffte durch ein brillantes Parlando Die Colombina der Frau Key- sell war darstellerisch recht gewandt, nur sah bie Künstlerin in ihrem ftgftüm überaus unvorteilhaft aus. Der Arlechino des neuen Bassisten Tuchs steckte noch allzusehr in den Kinderschuhen. Die Darbietung ber neuen Altistin Anna von Rosal als Beatrice kann nur als eine mäßige Anfängerleistung bezeichnet werden Von den übrigen Freunden des Amicizia- Klubs seien die Herren Schillings und Kluge genannt. Dr. P.
Sudermann und die Zensur.
„Die janze Richtung paßt nnS nicht!"
Von Hermann Sudermann, der am 30. September seinen siebzigsten Geburtstag feiert, erzählt man sich folgende Anekdoten: Oskar Blumenthal war bekanntlich nicht nur ei« ausgezeichneter Lustsvielautor, sondern auch ein eben« 0 guter wie literaturfreudiger Tbeaterdlrektor. Ihm verdankt vor allem Sudermann seins er
sten großen Erfolge. Als die „Ehre" auf dem Spielplan des Lessingtheaters stand, hielt sich Blumenthal in der Nähe bei Theaterkasse auf, um den Kartenverkauf zu beobachten. Ta kam eine Dame und verlangte Billets für „Faust", der gerade im Staatstheater gespielt würbe. Der Kassierer machte auf ben Irrtum aufmerksam; Blumenthal aber trat herzu und sagte wohlmeinenb: „Sehen Sie sich heute lieber die „Ehre" an, Perehrteste! Den „Faust" können Sie ganz gewiß noch oft sehen, aber ob Sic Gelegenheit finden Werden, noch viele Aufführungen dieses Stückes zu erleben, bas möchte ich bezweifeln." Blumenthal fürchtete die Zensur — ausnahmsweise einmal mit Unrecht.
Mit der Zensur aber hatte der Theaterdirektor Blumenthal bei einem anderen Stück Sudermanns — bei „Sodoms Ende" — einen berühmt gewordenen Tanz. Am Lessingtheater war die Uraufführung ungemein sorgfältig vorbereitet worden; Kainz sollte in der Hauptrolle des Willy Janikow gastieren; ganz Deutschland und Deutsch-Oesterreich erwartete mit Spannung die Premiere. Da verbot drei Tage vor der ersten Aufführung die Zensur das Stück. Blumenthal ging selbst zur Behörde, um die Aufführung durckzusetzen, hatte eine später von ihm selbst veröffentlichte Unterredung mit dem Polizeipräsidenten von Richthofen, der ihm im Laufe des Gespräches die für bie Geschichte der Theaterzensur höchst bedeutsamen Worte entgegen» schleuderte: „Die janze Richtung paßt uns nicht'", woraufhin Blumenthal den Weg zu dem Minister des Innern, Herrfurth, fand, und bie» en zur Intervention veranlaßte.
Die einfachste Lösung.
Es geht nichts über Anschauungsunterricht. »DÜ hast vor dir sechs Kinder", sagt der Lehrer, „unb nur fünf Acpsel. Wie verteilst du nun die fünf Acpsel gerecht unter bie sechs Kinder?"
„Ich koche Marmelade daraus", macht Heinz dem Lehrer einen Strich durch die Rechnung.