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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 213. Amtliches Organ der Stadt Kassel. Sonntag, 11. September 1927. Amtliches Organ der Stadt Gaffel. 17. Jahrgang

Die Weltpresse huldigt Slresemann.

Beifall aus London und Paris / Wieder Vertrauen zum Völkerbund?

Der Bann gebrochen?

Slresemann redet der Welt ins Gewissen.

Es zeugt von nicht allzu umfassenden Weit- dl 1, wenn gerade in dem Augenblick, wo der deutsche Schicksalsnachen sich wieder einmal ver­zweifelt durch die Sturm- und Sturzwellen des Genfer Sees schlägt, deutsche Regierungshäupter es sich angelegen sein lassen, vom friedlichen Hei­matport aus, einer hämisch-mißgünstigen Welt die Zerrbilder des Flaggendilemas als schlei­chendes Erbübel der Volkszerklüftung vorzufüh­ren. Der Zeitpunkt für die Austragung dieses Parteizwistes ist sogar doppelt und dreifach schlecht gewählt, und die Ministerfehde umso be­dauerlicher, weil die wirklich verantwortungsbe­wußten Hüter der Volkss.cle emsig aus Eindäm­mung des fressenden Flaggenfiebers bedach: sind und als Herzenswunsch des Reichsprästdentenju- bilars seinen Geburtstag bereirs mit dem Burg­frieden für alle Fronten eingeläutet haben. Zu westen Nutz und Frommen degradieren die Par- teiduellanten ihre höchsten Staarssvmbole gegen­seitig zu Parteifahnen herab, anstatt sich erziehe­risch in Takt und Duldsamkeit vor ihren unan­tastbaren Gestnnungszeichen zu übertreffen? Nicht aufreizende Wahlpropaganda, sondern die begütigende, befreiende Herkulestat int uns not, die uns wie der Rationalhvmnus, über Schrof­fen und Klüfte hinweg auch unter einem Ho­heitszeichen zusammenschließt zu einem geschlos­senen, unüberwindlichen Volksganzen, an dessen stählernen, wenn auch waffenlosen Willen auch d:c Ränke- und Händelsucht mitwilltgcr eiscngc- panzerter Nachbarzwerge zuschanden wird.

Oder würde sich der litauische Zweimillionen- kläf'er erdreisten, gegen de.i Sechzigmillionenko- loß anzugehen, unsere durch die Völkerbuad- m'chte feier.ich verbrieften Verträge und viatu« len, das Selbstbestimmungsrecht der von Wil­son verkauften Memeldeutschen tagtäglich mit Füßen zu treten, wenn sich ihm der deutsch: Winkrlried als verkörperter Volksz-'n, wenn auch mP nackter Brust entgegenstemmrc? Und auch unser Mönchlein Slresemann wird bei dem erbitterten Ringen gegen den polnischen Fallensteller um die Bewegungs- und Gewiffens- srcihe:; im Osten des ganzen moralischen Rück­halts der Rrtion bedürfen. Denn hätte sich E h a m b c rr a i n nicht vor Schreck über Hol­lands Genfer Protokoll-Offensive (dem Sehn- snchtsschwarm seines Antipoden Macdonalds aus si ne Se.re geschlagen und die Locarno S'cher- heiten auck für den Osten zureichend erklärt, wir wären in der Umklammerung des polnischen- ren erstwr So aber hat der Berliner Kreuz­fahrer endlich die Hände zu echten,' ernsten Schwabenstreichen frei bekomuren. renn cs wäre eine klägliche Ernte, wollte <t auch diesmal nur ein paar entblätternde Friedensrosen auf den Tisch der Wilhelmstraße stellen. Das Stich- Wort: Abrüstung und Sicherheit ist gefallen. Stresemanns Mission hat begonnen u. seine Ab­rüstungsfanale müssen doch endlich einmal reale Gewinne und klare Entscheidungen zeiti­gen: Also entweder Gleicherechtigung zum wie die andern, oder Herabdrückung deS RüstungSstandcS auf die von unS allein bis zur Selbstot'fovfeeung durchaeführte Entwaff­nung. Die Mächtigen der Erde können nicht wieder mit einer papierenen, frommen Friedens- resolution auseinandergehen und im übrigen alles beim Alten lassen. Es könnte sonst leicht geschehen, daß sich den sechs schon fehlenden, grollenden Autrünnigen ein halbes Dutzend neuer dazugesellen, die sich doch einmal zu einem Gegenblock der Unterdrückten zufammenschließen, der mit Hilfe der asiatischen Welt und des ame- rikanischen Kontinents (auch Rußland steht be­kanntlich im Hintergrunds den Genfer Auguren doch sehr ernst zu schaffen machen könnte.

Slresemann hat nochmal vor aller Welt den Finger aus die brennenden Völkerbundschwären aelegt, dessen Sein oder Nichtsein von der Ver- wirütckmng seiner Geburtsidee: Abrüstung und Solidarität der Enropavölker in allen WirtsckaftS- und Friedenskonflikten, abhängt. Zugleich hat er allein den erstell positiven Frie­densschritt vollzogen und Deutschland unter die GertchiEhoheit des Haager Schiedsgerichts ge­stellt, wäbrend bekanntlich Frankreich noch im­mer heuchlerisch auf die Verwirklichung des Gen­fer Protokolls wartet. Selbst die Pariser Presse mutz sich die Anerkennung abringen, daß Strese- manns Initiative und sein feuriger Appell an die Weltaerechtiakeit den schon halbcrstarrten Völkerbundsleichnam wieder zu neuem Leben erweckt bat, sodaß selbst die Lauen und Ungläu­bigen sich ihm vielleicht von neuem zuwenden und nochmal zu seinem hohen, bisher leider nur

platonischen Wettbegliickerprogramm Vertrauen schöpfen Hörnten. F. R.

Ein wahrer Friebenöpionier.

Welt-Echo zur Stresemann-Rede.

Paris, 10. September Die gestrige Genfer Rede des Reichsautzenministers wird in der Presse allgemein als ein wichtiges Ereignis für die Stellung der Grotzmächte innerhalb des Völkerbundes und als eine aufrichtige Bekun­dung des deutschen Friedenswillens gewürdigt. Die sehnl. Hoffnungen Mer derer seien erfüllt, die den Krieg verdammen und der Menschheit eine neue Wiederholung seines Graucr S er- spare« sollen. Ein Blatt erklärt, datz die Grotz­mächte wiederum die Leitung deS Völkerbundes übernommen haben und datz die internationale Genfer Regierung einem Vertrauensvotum ent- gcgengehe. Selbst ein Rationalistenblatt mutz zu- gebcn, datz Deutschland gestern als der Pionier dcrBefriedigung Europas erschienen sci.Verschie- dcne Blätter betonen die Bedeutung des Bei­tritts Deutschlands zum obligatorischen Schieds­gerichtsverfahren und die Aussicht auf eine Ent­spannung zwischen Deutschland und Polen. (S. a. Kasten 2. S.)

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Mr fceueen uns dem We Igericht

Als erste Großmacht. Für fünf Jahre.

Berlin, 10. September.

Rach einem Artikel des Internationalen Ge­richtshofes können die Bölkerbundsmitglieder ein Protokoll unterzeichnen, in dem sie erklären, daß sie ohne besonderes Abkommen jedem an­deren Mitglied oder Staat gegenüber, der die gleiche Verpflichtung übernimmt, die Ge­richtsbarkeit des internnationalen Ge­richtshofes für alle oder einzelne Rechtsstreitig­keiten als obligatorisch anerkennen. Deutschland wird voraussichtlich für fünfJahre unter­schreiben und ist damit die einzige Großmacht, die bisher vorbchaltslos die Fakultativklausel unverändert angenommen hat.

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Sm eturm gewonnen..

London hilft dem Stresenmannappell nach.

London, 10. September.

Ein Blatt bringt nach der Stresemannrede die fettgedruckte UeberschriftDeutschland F-igt den anderen Großmächten den Weg zum Frie- den", ein anderes Blatt, das andere Grotz­mächte sich dem deutschen Beispiel in der Frage der Schiedsklausel anschlietzen werden. Ein Genfer Berichterstatter schreibt, die Rede Stre- semanns habe durch ihre Erhabenheit der Brr- sammlung fast den Atem geraubt. Gleichzeitig wendet sich das Blatt in einem Leitartikel über das Weichselproblem nachdrücklichst gegen das unter den kleinen Staaten in Genf zutage tretende Bedürfnis nach universellen Friedens­formeln, die, wie auf der Hand liege, undurch­führbar seien. Insbesondere lehnt das Blatt mit Ealfchiedenheit erneut eine englische Ga­rantie zugunsten Polens ab. Ein Blatt gibt Polen den Rat, kein Vertrauen zu papierenen Garantien zu haben und sich lieber durch politi­sche Einigkeit und militärische Disziplin so stark wie möglich zu machen, sowie gute Beziehungen mit den Stalen zu pflegen, die ein Interesse an einem unabhängigen Polen haben. Ein letztes Blatt warnt vor einer Ueberfchätzuna des neuen deutschen Schritts, da die Unterzeichnung der Schiedsklausel den bereits bestehenden Schiedß- verträgen nicht hinzufü^qe.

VoMkkostet Selb.

Rechtfertigt der Völkerbund die Ausgaben? , Berlin, 10. September.

Wie wir erfahren, sind in den Reichs-Etat 1928 insgesamt 9,2 Millionen Mark eingesetzt für die Beitragsleifiung an den Völkerbund ohne die Kosten für die Delegationen. Nach ei­ner Pariser Meldung ist für die nächste Zeit ein 7SProzetnttger Zufchlag zu den jetzigen Bei- tragSsätzen unabwendbar. Es stehen Interpel­lationen aus den Rechtsparteien an den Au­ßenminister bevor.

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Wie die Rhelnstüvte ringen.

Unter dem Truck der Besetzungsnöte.

Köln, 10. September

Die Aufsichtsbehörde hat den Haushaltsplan der Stadl Koblenz nicht genehmigt, weil er einen ungedeckten Fehlbetrag von 1,1 Millionen enthält. Die Aufsichtsbehörde verlangte, daß die Real steuern erhöht

werden müßten, widrigenfalls mit einem Zwangsetat gedroht würde. Die wirtschaftliche Organisation und die Fraktionen der bürger­lichen Parteien lehnten eine Steuererhöhung einmütig ab. Die finanzielle Lage der Stadt Germersheim ist von allen Gemeinden des besetzten Gebiets am verzweifeltsten. Das Steuersoll der Stadl ist in so starkem Maße zurückgegangen, daß es kaum noch der Mühe lohnt, die Steuern zu erheben. Da- Grundübel dieser wirtschaftlichen Not lieg: darin, das Germersheim Festung war, die die Einwohnerschaft laut Fuedensvertrag j. T. auS eigenen Mitteln schleifen mußte.

Der Sinmmtmfter bei den Beamten

Magdeburg, 10 September. Bei Eröffnung der mitteldeutschen Beamtentagung bezeichnete Vizepräsident Hauömann es als die Aufgabe des Staates, den hohen Pflichten der Beamten die entsprechenden Rechte entgegenzustellen und begrüßte eS als erfreuliches Anzeichen, daß der Reichsfinanzminister persönlich auf der Tagung Mitteilungen über die neue Besoldungsreform machen werde. Heute wird u. a. der BundeS- vorsitzeude Flügel über den Kampf um eine ge­rechte Bewldung spreck-cn. Am Sonntag vor­mittag wird sich dann Dr. Köhler äußern.

Mit Knüppeln und Fäusten.

Will Polen sich on d-r Presse vergreifen?

Warschau. 10. September.

Gestern abend wurde hier ein Redakteur, als er in fein Haus treten wollte, von sieben mit Knüppeln bewaffneten Männern niederge- f ch l a g e n, geknebelt, in ein Automobil gezerrt und in einen zwanzig Kilometer von der Stadt entfernten Wald verschleppt. Dort wurde er erbarmungslos geprügelt, wobei die Angreifer ihrem Opfer zuschrien:So wirst du nicht über den Marfchall schreiben! Heul« hast du es be­kommen, morgen bekommt eS ein anderer!" Endlich ließen die Banditen von ihrem Opfer ab und kehrten mit dem Auto nach Warschau zurück. Dem Redakteur gelang, sich bis zur Landstraße hinzuschleppen, wo ihn dann ein Bauernwagen aufnahm. Eine Untersuchung wurde bereits in die Wege geleitet.

Vusschende Litauer.

Rasch unterdrückt. Strenge Zensur.

Kowno, 10. September.

An einem heule Nacht auSgebrocheneu kom­munistischen Umsturzversuch sollen sich auch einige Mitglieder der Linksparteien beteiligt haben, doch sei durch energische Maßnahmen der Versuch sofort unterdrückt worden. Im ganzen Lande herrsche Ruhe. Bei den Unruhen wurde ein Beteiligter getötet, zwei verwundet. Nach­richten über die Ereignisse in Tauroggen werden streng zensuriert. Der bei dem Umsturzversuch als Führer tätige Reservekapitän MajuS fei we­gen Spionage vom Militär entlassen worden.

Kunde von derRaphael"?

HochfeefifcherS Eelebnisse. Bei Neufundland gesichtet?

Paris, 10. September.

Ein Hochfeefifcher, der nach dem bretonifchen Hafen zurückgekehrt ist. will am 1. September in 48 Grad nördlicher Breite, 270 Meilen nord­westlich der bretonischen Küste, zwei große Flug- zeu-gslügel im Meere angettossen haben, mit de­nen er saft zusammengestoßen wäre. Es schein« möglich, daß es sich um Ueberreste des .St. Raphael" handele,

London. 10. Sept. Aus Halisar (Neuschott­lands wird gemeldet, daß das Flugzeug .Old Glory" ungefähr 400 Meilen ostnordöstlich von St. Johns gesichtet (?) worden sei. Der Ur­sprung der Mitteilung wird nicht angegeben.

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Sie dürfen nicht mhfltegen

Zwei neue Anwärter trotz des Verbots.

Newyork, 10. September.

Daz amerikanische Mannedepartement hat gestern dem Flieger Curtis und dem Funk-Ope- lateur die Erlaubnis entzogen, den ftanzöfl- schen Fliegerhauptmann Fonck bei seinem Flug Rewyork-Paris zu begleiten. Der Marinese­kretär mißbilligte bereits die Verwendung von Landflugzeugen für die Ozeanflüge. Trotzdem wollen die Flieger Eldar und Haldemann auf einem Flugzeug das .Amerikanisches Mädchen" getauft wurde in der nächsten Woche den Oze- anflug antreten. (S. a. Artikel 1. S. 4. Sp.)

Die letzten Opfer?

Unsere Ozoanflieger verzichten für dieses Jahr. I» diese« Jabre wird, wie verlautet, eo« deut­scher Seite fei« Bettuch mehr gemacht werbe«, de« Atlantik ,u überwiudeu. Da «ach Au ächt ber Weiterwatte« «ber mit einer weiteren Ver­schlechterung, nicht aber mit einer Befterung bet m«teoroloflif<6«n Verhältnisse ans bent Ozean zu rechnen ist. Bei allen Beteiligten bat sich bi« Erkenntnis durchgeletzt, es sei befter. bi« korn- menben Wintermonate sür bi« Vorbereitung neuer Versuche i« Frühjahr ,n benützen.

In der Geschichte der Menschheit werden die ersten Transozeanflüge ein tragisches Ka­pitel bilden, das mehr von Kühnheit und Wa­gemut als von Ueberleamtg und praktischer Voraussicht zeugen w-rd. Tie Staiisti' der Ozeanflüge, die während bei letzten zwei Mo­nate unternommen wucds.-r, ist wahrhaft er­schütternd. Nicht weniger als , echsuud- zwanzig Flieger, darunter zwei Frauen, sind in dtes:r Zeit der Sucht, Ozeane auf dem Luftwege zu überqueren, zum Opfer gefallen. Allein in der letzten Woche sind drei Maschinen, die ucn Atlantik über­liegen wollten, v e r f w otlcn. Angesichts die« er Tatsache erscheint die Forderung auf ein zenerelles Verbot aller Ozeauflüze, die nicht im voraus als unbedingt gesichert an­gesehen werden können, soweit dies nach menschlicher Voraussicht überhaupt möglich ist. als durchaus berechtigt. Mag auch der Transozeanflugverkehr für di« Zukunft von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein

besser kein Ozeanflug

überhaupt als einer, der Opfer über Opfer verschlingt. Seien wir ehrlich: von all den vie­len Männern, die bisher den Ozean zu Über­fliegen versuchten, dachten bestimmt nur die wenigsten im Grunde daran, datz sie die Weg­bereiter für eine neue Epoche des praktischen Luftverkehrs sein sollten. Ihnen war es nur darum zu tun, eine rein sportliche Lei­stung zu vollbringen, einen Rekord zu schlagen. Das Heldentum der verschollenen Piloten wird durch diese Ueberlegung keines­wegs verringert. Die Unglücksfälle der letzten Wochen sprechen nicht gegen die Ozeanflieger, sondern gegen den Ozeanslug. Es mag berechtigt sein, wenn Freiwillige über Frei­willige bereit sind, ihr Leben für eine Ide« zu opfern. wenn diese Idee wirklich durch daS Opfertum ihrer Anhänger aefökdert wird. Der Ozeanflug aber ist keine Idee, er ist mehr oder weniger lediglich eine Frage der technischen Vollkommenheit, ein Problem von praktiscbcr und nicht ideeller Bedeutung. Das Problem des Ozeanflugs kann nur durch einen Beweis der Sicherheit des Fliegens, nicht durch Hel­dentum und Opfermut gefördert werden. So­lange noch Aufopferung dazu gehört, einen Ozeanflug zu machen, solange der Tod wahr­scheinlicher ist als der Sieg, so lange ist der Ozeanflug vielleicht ein Prüfstein für die Kühnheit eines Piloten, aber nicht für sein Können. Die Flieger, die in den letzten Woche» einen

qualvollen Tod in den Wellen

gefunden haben, waren sicherlich keine schlech­teren Piloten als Linvbergh. Chamberlin und Byrd. Aber ihnen war das Schicksal nicht so günstig gesinnt wie jenen, sie hatten gegen Schwierigkeiten zu kämpfen, gegen die ein Sieg nur auf dem Umweg über die Technik zu er­ringen ist. Die kühnen Ozeanstürmer versuchen, mit Mitteln der Gegenwart eine Ausgabe zu lösen, zu deren Bewältigung es der Ma- schinen von morgen bedars. Vielleicht ist dieses .Morgen" wirklich schon morgen. Viel­leicht erst in einem Jahr, und auch das wäre noch früh genug. Es ging so lange ohne Ozean- flug; wir werden uns auch noch ein oder zwei Jahre gedulden können. Es ist erwiesen, durch den Tod von 26 Menschen unwiderruflich er­wiesen : Unsere heutigen

Flugmaschinen genügen nicht,

um einen auch nur einigermaßen sicheren und regelmäßigen Flugverkehr über den Ozean zu gewährleisten. Mau erweist der Aviatik ritten besseren Dienst, wenn man diese Erkenntnis be­folgt und sicb konstruktiven Ausgaben zuwendet, als wenn man Menschenleben über Menscben« leben aufs Spiel setzt für ein« Idee, d i e feine ist.

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Salto morto e be m ßiKOpa-TVröffua.

Prag, 10. September. Daß Sowjrtflngzeug Prolelarn"mußle ans feinem Enroparundttn,, zwischen Wien und Prag bei Stammt# und später nochmals nntlanden. Bei dem Start zum Weiterfluge überschlug sich das Flugzeug und