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Kaffeler Neueste Nachrichten

Nr. 212.

Siebzehn» r» .ahrganq.

2. Beilage.

Sonnabend, 10 September <927.

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100 Zakre Teckniscke Hockfckule in Stockkolm.

Die Königliche Technische Hochschule in Sto ckholm begeht am 19. September das Jubi­läum ihres hundertjährigen Bestehens.

Nund um öle Dame.

Was zeigt Paris für den Herbst?

Geleftne Frauen.

Neue Triumphe in der Wissenschaft.

Bei den jährlichen Versammlungen der »Britischen Vereinigung sür den Fortschritt der Wissenschaft- treten die Frauen immer zahlreicher und bedeutsamer hervor. In die­sem Jahre ist säst die Hälfte der vereinigten Gelehrten weiblichen Geschlechts, und viele von ihnen halten Vorträge, in denen sie die neuen Ergebniffe ihrer Forschungen mitteilen.

Es ist interessant, aus Grund dieser Ver­handlungen zu beobachten, aus welchen Gebie­ten sich die Frauen besonders hervortun. In der pädagogischen Abteilung sind fre besonders zahlreich vertreten; die Prästdentin ist die Her­zogin von Atholl, die als Parlamentsmitglied zugleich Sekretärin des Erziehungsamtes des Unterhauses ist und über allgemeine Fortschrit­te der Pädagogik svricht. Es ist ja natürlich daß die Frauen sich in erster Linie mit Er- ziehungssragen beschäftigen. Eine nicht minder große Anziehungskraft aber besitzt sür sie die Geographie. Die Zahl der weiblichen For- schungsreisenden ist in den letzten Fahren sehr gestiegen. So hat z. B. Miß Blackmann lange Zeit unter der Bauernbevölkerung Aegpvtens verbracht und spricht über die hygienischen und sozialen Verhältnisse d»r Bevölkerung des Nil­landes. Alice Garnett berichtet über ihre For­schen q in Marokko.

Die Botanik ist ein anderes Hauptgebiet der weiblichen Gelehrtenarbeit. Frauen sind heute in vielen biologischen Universitätslaboratorien angestellt und haben sich besonders der Pflan­zenkunde zugewendet. Mrs. Alook, die dem schottischen Amt für Ackerbau angehört, hat die Parasiten der verschiedenen Farne studiert und neue Ausschlüsse gewonnen. Sie ist einer der besten Kenner der Pflanzenkrankheiten und wird um Rat gefragt, wenn es sich um die Heilung von Bäumen oder um die Befreiung der Gärten von Schädlingen handelt. Eine Autorität auf dem Gebiete der Pflanzenkunde ist Professor Helen Vaughan, und neben ihr tre­ten verschiedene andere Damen mit botanischen Themen aus. Die vorgeschichtliche Jnsekten- welt hat Dr. Kathleen Carpenter zu ihrem Forschungsgebiet erkoren und behandelt die Ueberreste der Eiszeit in der Frischwasierfauna, von Cardioanshire. wo sie besonders interessan­te Drehwürmer entdeckt hat. Verschiedene Frauen leisten Hervorragendes in der Antro- pologie, so Mrs. Cunnigton und MiH R. M. Fleming: beide Damen machen Mitteilungen über die Erfolge ihrer Ausgrabungen.

Das begrabene Gedicht.

Von Forschern und Totengräbern.

Die englischen Shakefpearcsor,cher sind wie­derum in ziemlicher Erregung, und sie sind ge­sonnen, das Grab des Dichters Spencer zu ös- lnen, denn ihrer felsenfesten Ueberzeugung nach liegt darin ein Gedickt von Shakespeare ver­borgen, das der große William zu Ehren seines Dia lerkollegen versaß: hat. und bei Ipertcers Beisetzung soll Shakespeare den lyrischen Er­guß in die Gruft geworfen haben.

Es läßt sich nicht ergründen, woher man das auf einmal weiß. Aber die Shakespeareforscher machen aller Welt Die Hölle beiß mit ihrer Aus grabung. Jetzt haben einige englische Litera­ten gebeten, mit der Buddelei noch einen Au­genblick zu warten, denn sie möchten schnell eine Umfrage bei den bedeutenden Dichtern des Landes veranstalten. Die bedeutenden Dichter des Landes sollen sagen, ob sie cm das Gerücht

Aus den Rennplätzen von Paris Auteuil. m Den eiaamen Gartenlokalen zeigen graziöse Mannequin^ die neuesten Schöpfungen ihrer Firmen. Sonne. Blumen und zarchlaue Him- inelsscide bilden natürlich-schöneit Hintergrund Musrk zwingt wiegende Schritte in eigenem Rveomus. Sie Augen der Fraven folgen dem steblicken Schauspiel. besonders begeistert die der Fremden, sür die ein Modell Poirets und Lanvins den geheimnisvollen Zauber des Sel- tencn und L ruriös-n, von aller Welt lebhaft Applaudierten und Imitierten trägt. In der uneroörten Farbencomposttion, in der Uner­schöpflichkeit der Linienführung zeigt sich ihre Meisterschaft, in den nvt bewußter Flüchtigkeit zusammengehaltenen Nähten, dem Mangel an Präzisionsarbeit ihre Vernachlässigung des technischen gegenüber dem rein Künstlerischen. Wir, die wir an äußerst exakte Schneiderarbeil gewöhnt sind, empfinden das als Mangel, der natürlich von den großen Vorzügen stark in den Hintergrund gedrängt wird.

Auch die diesjährigen Freilicht-Revuen zeig­ten und zeigen sehr Erfreuliches. Dazu zählte im Hochsommer der große wippende Stroh- Hut, der sich angesichts seines Konkurrenten, des winzigen, die Kopfform fest umschließenden .völlig schmucklosen Gebildes ostentativ in üp- V'gen Wellenlinien kckm^ckettid um hübsche Gesichter bog. Für den kommenden Herbst und Winter har er uns einen mittelgroßen. Nach­kommen geschenkt, den sich der schmiegsame Samt bereits zum glücklichsten Partner ge­wählt bat.

Blumen sind nicht mehr alleinige Zierstucke für Kleider, Jacken, Mäntel und Hüte, sie muß- reu sich mit der Feder in die Gunst der Frauen teilen. Kleine Tuffs einfarbig oder bunt schil­lernder Federn sind sehr beliebt. Nicht minder die Federooa, d cen tzauplretz in der Vielfalt der Drapiermöglichkeiten liegt. Gearbeitet ist sie wie ein sehr langer, ziemlich breiter Schal und hat neben ihrer Eigenschaft alle wär­mende Hülle im Sommer auch gegenüber den leichtesten Pelzen den Vorzug der graziö­seren Beschwingtheit.

Die Kleider, die aus den Pariser Mode­revuen vorgeführt werden, tragen schon stark herbstlichen Charakter. Die Farbenfreudigkeit der Sommerkleider wird durch gedämpftere Far­ben zurückgedrängt, und die spinnwebfeinen Stossenten weichen dem kompakteren Material. Für den Straßenanzug steht Die ganze Skala brauner Farbtöne vom tiefsten Dunkelbraun bis zu bäunlichen Beigetönen im Vordergrund, daneben satte rotbraune Farben, auch rostrot Die Kashas sind stark mit Seide durchsetzt und gewinnen dadurch eine äußerst reizvolle, ge- ichmeidige Note. Für Mäntel bevorzugt man doppelseitige Stoffe, tariert oder gerippt, sehr amüsant sind aus-asterte Muster. Dazu na­türlich auch jetzt schon reicher Pelzbesatz, denn er ist ja keine unerschwingliche Kostoarkeil mehr, sondern bietet in seinen hübschen Imi­tationen, über die man längst nicht mehr die Nase rümpft, einen reizvollen Schmuck, den wir nicht entbehren möchten. Sandor

von dem begrabenen Epos glauben.

Dummerweise gerieten sie zuerst an Bernard Shaw. Was der geantwortet hat. konnte man sich vorher denken. Shaw hat nämlich geant­wortet: es werde sick nicht lohnen Spencers Gruft zu öffnen. Denn erstens einmal wi-d kaum ein Gedicht darin zu finden sein. Sollte es ober dennoch vorhanden fein, dann lehrt die Erfahrung, daß ein vom Verfasser persönlich begrabenes Gedicht nichts taugt"

Das prießmtz-Hauö.

Eine neuartige Naturheilstätte.

Bei Mahlow, inmitten eines 40 Morgen großen Waldes, eine halbe Bahnstunde von Berlin entfernt, wurde vor einigen Tagen das Prießnitz-Hans" eröffnet. Wer kennt nicht den Prießnitz-Umscklag? Der nach Berlin berufene Münchener Chirurg Pros Sauerbruch hat ihn. in einem Vorträge in der »Gesolet" in Düssel­dorf. als das Svmbol der Waiidlung in der Heilkunst bezeichnet Ob unsere Acrzte diesen Ausspruch unterschreiben oder nicht, im »Prieß- nitz-Hause" soll es sich erweisen, ob hinter dem. was man Naturbeilversabren nennt, mefnpftedt als therapeutische Versuckie von Außenseitern.

Breite, bis zum Fußboden reichende Fenster, langgestreckte, fonnenteicbe Terrassen vor den Zimmern, ein großes Luftbad im Walde, ein zweites hock bben auf dem Dach, von dem man weit in das märkische Land hinaussiebt. neben dem fmttfe ein besonderes Kevräge Lüft und Lickt sind in Fülle vorbanden. Wasserbehand­lung Heildiät sollen den, wie Goethe lagt, all-

Sür 4000 Mark gekauft: Burgruine Aardeck.

Im vorigen Jahr ging durch die deutsche Presse die Nachricht, daß die Ruine Aardeck bei Diez (Lahn) für 450 Mark verkauft worden fei. Diese Nachricht ist nicht bestätigt worden. Jetzt wird bekannt, daß hie Burgruine zum Preis von 4000 Mark in den Besitz eines Berliner Rechnungsrates übergegangen ist.

heilenden Balsam der Natur unterstützen. Sei« tender Arzt ist der Professor an der Berliner Universität, Dr. med. Franz Schöneberger, der hier, in einfachster Behandlungsweise, praktisch auswirken wird, was er von seinem Lehrstuhl den jungen Medizinstudierenden verkündet.

Das Prießnitz-Haus soll auch eine Uebungs« stättc sein zur Heranziehung gleichgerichteter Aerzte. eine Ausbildunasstätte für Pflegerin­nen. Der Kranke soll hier nicht nur Heilung finden, sondern in praktischer Belehrung am Krankenbette erfahren, wie man in vernünftiger Lebensführung Krankheiten vermeidet. Ausge­nommen sollen in dem Haufe nickt nur Anhän­ger des naturgemäßen Heilverfahrens werden, sondern Kranke aller Art, soweit sie nicht an an­steckenden Krankheiten oder an Geisteskrankheit leiden. Der Erbauer des Hauses ist der Deut­sche Bund der Vereine für naturgemäße Le­bens- und Heilweise, der auch in Kassel sehr viele Anhänger hat.

Stegerlotfen.

Oder: Wie man Millionär wird.

In Newyork ist jetzt ein Haarkünstler Milli­onär gcroorcen. Millionär geworden infolge Mssenpolitischer Dummheit seiner Landsleute. Die Vereinigten Staaten erfreuen sich der Er­rungenschaft, ihre farbigen Einwohner als Menschen zweiter Klasse zu betrachten und sie entsprechend zu behandeln. Daran hat auch der Umstand nichts geändert, daß die Neger erwie­senermaßen die Erfinder der modernen Musik und des entfernt an.Tanz gemahnenden Char­leston sind. Die Degradierung geht den Negern nahe, und sie versuchen alles, die Symptome ihrer Herkunft zu verwischen.

Da trat der Haarkünstler auf den Plan mit seiner Erfindung, welche ein Mittel ist, fraufeS Haar kerzengrade zu plätten. Denn der Haar­künstler hatte gemerkt, daß sich die Neger gar« nicht so sehr ihrer Hautfarbe schämten. Ihre krausen Haare waren es, die sie verwünschten. Und nun sitzen die Neger in dem Schönheitssa­lon und lassen sich für teures Geld amerikanisie­ren. Da blieb dem Haarkünstler nichts anderes übrig, er mußte Millionär werden.

Umgekehrt in Europa. Hier ist man bei den Versuchen, die einzig wahrhafte Dauerwelle zn erfinden, auf ein Mittel gestoßen, mit dessen Hilfe kerzengrades Haar in kraufes Negerhaar verwandelt wird und zwar reckt gründlich Die­ser Haarkünstler wird von den europäischen Frauen überlaufen. Auch cr wird über kurz oder lang Millionär sein. B, M.

Die falsche Miß.

Der Roman einer kleinen Tänzerin.

Miß Billy Tempest, eine junge amerikanische Tänzerin, konnte auf großen Varietobühnen nicht festen Fuß fassen trotz ihres anmutigen Aenßeren und zweifellosen Talentes. Lange dockte sie nach, wie sie es anstellen sollte, um ent Star" am Brettlbimmel zu werden, bis ihr endlich der rettende Gedanke über Rächt kam. Im Kabarett, in dem sie damals gerade gastierte hatte ein Damenimitator, namens Henry Bar­bette, großen Zulauf. Wenn ein Mann, so sagte sich Miß Billy, uns Frauen so glänzend kopieren kann, warum sollte da nicht eine Frau, was für dieselbe an sich viel leichter sein dürfte, nicht ebenfalls als angeblicher Mann dasselbe leisten können.

Gesagt, getan. Sie ließ sich ihren Bubikraus- kopf nach Männerart im Etonschnitt zurechtstut­zen, bestellte bei ersten Schneidern elegante Her­rengarderobe und stellte sich als Dir. Tempest Den Agenturen als Damenimitator vor, der Engagement sucht. Von dem Augenblick an war die künstlerische Laufbahn des Pseudoman­nes gesichert. Intimer bessere Verträge liefen ein, und in den größeren Brettlbühnen der Uni­on entzückte sick) das Publikum über den männ­lichen Imitator, der so vortrefflich Damen nach- zuabmen imstande war.

Alles wäre wir am Schnürchen gegangen, wenn Miß Billy nicht einen so starken Eindruck ans die verschiedensten Frauenherzen gemacht hätte. Sobald Miß Tempest nach der Vorstel­lung als Mister Tempest frisiert das Theater verließ, standen schon Scharen von Verehrerin­nen vor der Tür und brachten dem sich etwas fchüchtcm gebenden jungen Manne Sympatbie- fitnbnebunaeit bar. Tie Bübnengarberobe glich jeden Abend einem Blumenbain und war mit Geschenken und Liebesbriefen angefüllt Eines Tages endete die Sache in der Stadt Aklahama aber beinahe tragisch. In Miß Tempest, alias Mister Temvest. verliebte sick Frl. Lilian West, die Tochter des größten Fabrikanten der Stadt. Dieselbe stellte ihren Eltern ein Ultimatum, daß, falls sie nicht den Damenimitator zum Mann bekäme, sie aus dem Leben sckeiden müsse. Der verzweifelte Vater begab sich zu dem angebeteten Jünolina", dem nichts weiter üb­rig blieb, als Mister West reinen Wein einzu- sckenken Miß. Lilian unternahm voller Ver­zweiflung auf der Jackt ihres Vaters einen Trip" auf dem Ozean, um den schönen Pseu- bomann zu vergessen

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