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Freitag, 2. September 1927.

Kasseler Neueste Nachrichten

17. Jahrgang. Nr. 2b-

Der Fernhörer

An drei Stellen der Erde

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bekannt, von allen geehrt und geliebt, auch er- fruete er sich der Anerkennung seiner Vorge­setzten. 15 Jahre hat er unserer Gemeinde bot« gestanden und stets das Wohl derselben zu för­dern gesucht. Ganz besondere Verdienste erwarb er sich in der Kriegs- und Nachkriegszeit, wo er alles tat, um die Lasten des Krieges zu mil­dern. Besonderer Fürsorge erfreuten sich die Witwen und Waisen, denen er alles tat, um fie vor drückender Not zu bewahren. Seine Ver­dienste hat die Gemeindebehörde durch einen ehrenden Nachruf dankbar anerkannt. Auch der Schule war er ein fördernder Freund, was er dadurch bekundete, daß er in Beschaffung der

(Sin interessantes Experiment.

Die Ausbreitung atmosphärischer Störungen.

Zu der Frage, ob atmosphärische Störungen sich in der gleichen Weise ausbreiten wie die drahtlosen Wellen, ergaben sich wertvolle Aus­schlüsse durch Untersuchungen, die das Telegra- phcntechnische Reichsamt gemeinsam mit der

empfing man diese Zeichen, die bekannt waren, nämlich in Berlin, in Marschall (Kalifornren) und in Kokobead auf Hawai. Die Zeichen wur­den auf Morsestreifen ausgenommen, die sämt­lich mit derselben Geschwindigkeit abliefen, und die drei Morsestreifen verglich man dann mit­einander. Es zeigte sich, daß bestimmte Störun­gen an allen drei Orten zu derselben Zeit ausge­treten waren. Demnach gibt es tatsächlich at­mosphärische Störungen, die sich über die ganze Erde ausbreiten. So ist es möglich, daß an einem Orte, der selber keinen Störungsherd be­sitzt, doch Störungen aus entferntesten Gebieten Eintreffen und den Empfang beeinträchtigen. Bei dem erwähnten Versuch zeigten sich in Ko­kobead allgemein bedeutend mehr und lebhafte­re Störungen als in den beiden anderen Or-

______________ Gefahr

er Verletzte verblutete, mußte so­fort ärztliche Hilfe herbeigeholt werden, -g

* Uschlag (Kreis Münden), 1. September.

(Neue Jugendherberge.) Das Zuschlag'sche Grundstück Hierselbst ist vomVerein christlicher junger Männer" in Kassel zwecks Errichtung

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Rotglühend züngeln bte yrammen tn der Peise, dem gemütlichen Karnin, in dem norwe­gischen Blockhaus, hoch oben im Jotunheim. Der Kaffeekessel summt sein Lied, und das Feuer wirst ab und zu seinen flackernden Schein aus die wettergebräunten Touristen, die sich mit mir zum gemütlichen Plauderstündchen versammelt haben. Ich hatte den lieben Tag hindurch am reißenden Gebirgsbach gestanden und meinem geliebten Angelsport gehuldigt. Das Glück war mir hold gewesen, und ich hatte Forellen von so unwahrscheinlicher Größe ge­fangen, daß man mich im lieben Deutschland gewiß für einen Aufschneider halten toirb, wenn ich sage, daß die Fische teilweise einen halben Meter lang waren. Ein feiner aber be­ständiger Regen daS richtige Fischwetter war den ganzen Tag hindurch herabgerieselt, ich war durch und durch durchnäßt und trank mit Behagen meinen Grog.

^Fa, der liebe Alkohol ist ein Genuß, der uns bis vor kurzem nur sehr spärlich vergönnt war," meinte Gunnar Halvorsen, der bekannte Botaniker,Sie wiflen gar nicht, wie sehr man einen guten Tropfen schätzen muß, denn Sie ha­ben die Zeit des Alkobolverbotes bei uns nicht miterlebt, wo man froh war, auf ärztliches Re­zept für sündhaft teures Geld eine Flasche Whisky zu bekommen." _____________________

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einer Jugendherberge gepachtet worden. -g * Wallburg, 1. September. (Ehrung.) Hier hielt der hiesige Raiffeisenverein seine General­versammlung ab, die neben Vereinsangelegen­heiten besonders dem scheidenden Herrn Lehrer Seibert galt, der uns am 1. Juli verlassen hatte, um nach seiner neuen Wirkungsstätte Ober­zwehren überzusiedeln. Herr Seibert war Mit­begründer des hiesigen Raiffeisenvereins und hat in den 27 Jahren seines Wirkens nicht nut als Lehrer, sondern auch als treuer Raifseisen- mann immer an leitender Stelle daS vollste Vertrauen genießen dürfen. Als äußeres Zei­chen der Dankbarkeit wurde ihm neben einem Geschenk des Ratffcisenbereins Walburg auch eine sinnvolle Ehrenurkunde vom Raiffeisenver- band Raffel mit herzlichen Glückwünschen über­reicht und auf einen besonderen Antrag aus der Versammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

ten. Es waren also viel Störungen örtliche» Natur vorhanden Auf geringere Entfernungen ist, wie Untersuchungen innerhalb Deutschlands erwiesen, die Uebereinftimmung der Störungen viel größer. Der gleichzeitige Empfang in Grä­felfing bei München und in Strclitz, dte 580 km voneinander entfernt sind, ergab eine Ucberein- stimmung von 98 v. H. aller aufgezeichneten Störungen. Die Reichweite der atmosphärischen Störungen weist also große Unterschiede auf.

Wett-Funkkonferenz in Washington.

An der Weltfunkkonferenz in Washington, die am 4. Oktober eröffnet wird, werden sich alle Staaten beteiligen, die dem Weltfunkverein an­gehören. Das sind etwa 100. Demnach wird fast die ganze Erde vertreten sein. Die Konfe­renz hat die wichtige Ausgabe, die internatio­nalen Funkverträge, die früher geschloffen wur­den, namentlich die Vereinbarungen der letzten Konferenz in London im Jahre 1912, den ver­änderten Verhältnissen anzupaffen. Seit 1912 hat sich das Funkwesen ungeheuer entwickelt. Der Zweig des Rundfunks ist neu hinzugekom- men, und auch er erfordert eine großzügige in­ternationale Regelung, zu der der Weltrundsunk- verein bereits wesentliche Vorarbeit geleistet hat. Dte Konferenz wird im ganzen etwa 2000 Vorschläge zu beraten haben.

Nun sind wir ja beim richtigen Thema an­gelangt," erwiderte ich «Rach Ihrer Uebung im Trinken allerdings zu schließen, sind Sie anscheinend stets im Training geblieben, mithin muß es im lieben Norwegen doch nicht ganz so schwer gewesen fein, einen guten Tropfen zu be­kommen"

Halvorsen schloß sich gut gelaunt der allge­meinen Heiterkeit an:Den besten Witz habe ich erlebt, als ich von Trelleborg nach Oslo fuhr. Es war ein sehr kalter Wintertag, und man hatte fp richtig das Bedürfnis, den inneren Menschen auszuwärmen. Die Fähre Saßnitz- Trelleborg war der letzte Trost gewesen, denn dort bekam man doch wenigstens einen anstän­digen Tropfen schwedischen Punsches. Ich mach­te einen schwachen Versuch beim Zugführer, in dem ich das eine Auge zukniff und ihm etwas von meinem schwachen Magen erzählte, aber der gute Mann war schwer von Begriff oder wollte mich nicht verstehen. Ich überlegte gerade, was zu tun sei, als ich plötzlich eine entrüstete Frau­enstimme im rollenden Oslodialekt hörte:

Zugführer, das ist doch unerhört, einem ein solches Trlnkwaffer anzubieten. Ich habe jetzt in zwei Waschräumen das Tränkwasser gekostet, und es schmeckt mir derartig, ba{r man es nicht sagen kann." Entrüstet rauschte sie an mir vorüber. Der Zugführer war glücklicherweise schon verschwunben: ich begab mich in ben Waschraum, um auch meinerseits bas Waffer zu versuchen. Vielleicht konnte ich ihm bie Schuld für meinen schwachen Magen zuschreiben, um so doch noch Erbarmen beim Zugführer zu finden.

Der Zug stampfte weiter durch die prachtvolle Winterlandschaft, und wir näherten uns Korns- , der norwegischen Grenzstation. Ich goß mir einen kleinen Schluck aus der Wasserflasche in das Glas und versuchte die Flüssigkeit, dann stürzte ich hinaus in mein Abteil und nahm meine große Thermosflasche aus dem Gepäcknetz, deren Inhalt sie war noch zu einem Viertel mit Kaffee gefüllt ich schnell ausgoß. Auch eine leere Selterwafferflasche steckte ich zu mir und begab mich dann zurück in den Wafchraum, wo ich bie leeren Flaschen mit demTrinkwas- fer* füllte Ein Gang in bett nächsten Wafch­raum überzeugte mich davon, daß auch dort das- felbe Naß in der Trinkwafferflasche war, nämlich reiner, klarer Aguavit ben ein ftnbt» ger Kopf in sämtliche Wasserflaschen bes Zuges gefüllt hatte, um bas kostbare Naß auf biefe Weise burch die Zollstation zu bringen, was ihm auch ohne Zwischenfall gelang. Für mich aber war ebenfalls gesorgt, denn für den Rest der Reise brauchte ick mich nicht an den Zugführer wegen meine- schwachen Magens zu wenden." (Schluß folgt.)

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Aus der öeimat.

Auswlii vkrung und innere juiff.on Bon der Auswandererfürsorge sprach auf dem Witzenhäuser Missi­on s f e st namens des Evangel. Hauptverems für deutsche Ansiedler und Auswanverer in Witzenhausen Pfarrer Tönjes. Im letzten Jahre (1926) wanderten über Hamberg und Bremen 64985 Auswanderer, davon 2000 aus Hessen-Nassau. Was geschieht für sie? Es ist ein großer Unterschied, ob die Auswanderung in die Vereinigten Staaten geht oder etwa nach Brasilien. In die U. S. A wandern alljährlich etwa 20000 aus, weil nicht mehr zugelaffen Cwerden. Heber 40 000 wandern in Länder, in denen sie zunächst völlig schutzlos und dem Ver­derben preisgegeben sind, wo sie oft halbe Skla­ven sind. Ohne die kostenlose ausführliche Be­ratung und Betreuung der Hauptberatungsstelle in Witzenhausen sollte niemand bie Heimat verlassen. Am Abenb lief erstmalig brr neue Film: Heffenjugend, Heffenheimat, Hessenkirche. Durch alle Beratungen zog es sich wie ein roter Faden: Innere Mission ist zuletzt nicht anderes als die Hinwendung der christlichen Gemeinde zu der Not unseres Volkes. Sie ist große Sa­che der Liebe, der die Augen aufgingen. Sie sollte Sache eines jeden von uns allen sein.

Werra- und Rhönverkehrsfragen.

Eine Konferenz im Kreisamt von Eisenach beschäftigte sich mit den ungünstigen Verkehrs- Verhältnissen im Werratal. und im Rhöngebiet. Zahlreiche Gemeindevorstände, der Landrat, Ver­treter der Kaliindustrie, des Handels, des Ge­werbes, der Industrie und der Arbeiterorgani­sationen nahmen teil. Es wurden wichtige Be­schlüsse für Verkehrsverbessemngen gefaßt und Verhandlungen mit der Eisenbahnverwaltung eingeleitet

* Lutterberg, L September. (Schwerer Un- gl ückssall.) Hier erlitt der bei dem Schmiede- meister Schluckebier beschäftigte landwirtschaft­liche Arbeiter Eilers aus Hannover einen schwe­ren Unfall. Er hatte mit dem Fuß in ein Mes­ser einer Strohschneidemaschine getreten. Ta infolge des großen Blutverlustes die Gefahr bestand, daß bi

Kleine Rundschau.

Maner berurteiit, Meier vinae ichtet.

Damit nicht ber Meier die Strafe vom Mül­ler absitzen muß, gibt es für den Fall von Ver­wechslungen. die ja denkbar wären, in ber Strafprozessordnung den § 490, in dem es heißt: Wenn über die Auslegung eines Strafurteils ...Zweifel entstehen ober wenn Einwendungen gegen die Zulässigkeit ber Strafvollstreckung er­hoben werden, so ist bie Entscheidung des Ge­richts herveizuführen . . . Der Fortgang ber Vollstreckung wird hierdurch nicht gehemmt." Nehmen wir also an, Müller sei zum Tode ver­urteilt und solle hingerichtet werden. Aus Ver- sehen holen bie Wärter aber ben Meier aus ber Zelle nebenan und führen ihn zur Richt­stätte. Meier brüllt und behauptet, er sei nicht ber Müller. Was bann? Dann ist bie Entschei­dung bes Gerichts einzuholen, doch wirb der Fortgang ber Vollstreckung nicht gehemmt. Das heißt, der Meier wird hingerichtet. Später kommt dann ber Müller an bie Reihe, sobald sich ber Irrtum herausgestellt hat. Das ist na­türlich Theorie, denn in der Praxis wird so et­was nie passieren, aber man sieht, daß die Theorie an Hand der Strafprozeßordnung zu ganz verzwickten Situationen führen kann.

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Lehrmittel nicht sparte und auch für inneren Schmuck durch Bilder freigibig sorgte. Seine Gemeinde wird ihm ein treues Gedenken be­wahren. *9

* Eschwege, 1. September. (Tod bei der wir« mesfeier.) Der 20jährige Arbeiter Gustav Frei­tag aus Pfafflchwende ftürjte während der Kir­mes feier aus dem im 2. Stock gelegenen Saal und erlitt einen Schädelbruch, an dem er nach kurzer Zeit verschied

* Gersfeld, 1. September. (Zuchiviehein- fuhr aus der Schweiz.) Die Fleckviehzuchtge- noffenfchaft Gersfeld erwarb unter Mitwirkung des Herrn Landwirtfevaftsrat Walter ,Kassel, ans dem Bullenmarkt des Schweizer Fleckvieh- zuchtverbandes in Thun den mit dem 1. Preis prämiierten Zuchtbullen. Der Vater dieses Bullen wurde für 16000 M innerhalb der Schweiz, dessen Bruder für 20 000 Jl nach Bayern verkauft. Die Mutter des Bullen hat eine amtlich konttollierte JahreSmilchleistung von rund 6000 Liter Milch. 'S

* Fulda, 1. September. (Eine Schwalbe mit Fußring.) Bei dem Landwirt Aug. Ebert in Oberrobe (Landkreis Fulda) ist dieses Frühjahr erstmalig eine Schwalbe mit Fußring ange- troffen und dos im Stalle befindliche Rest be­zogen. Der Ring trägt die Aufschrift Biolog Helgoland 620545.

* Schmalkalden, 1. September. (Den Gefal­lenen.) Die Gemeinden Schmalkalden, Aue und Volkers haben in der hiesigen Stadtkirche für ihre 314 Gefallenen ein Ehrenmal anbringen lassen. Es wurde am vergangenen Sonntag durch Superintendent Weinrich eingeweiht. -ä

* Hann.-Münden, 1. September. (Tas größte Weserschiff.) Der größte Schlepp- und Fracht­dampfer der Weser, die mit zwei Schornsteinen ausgestatteteSchweiz", Heimatshafen Bafel, ist von ber Bremer Schleppschisfahrtsgesellschaft angekauft worben. Das Sckiss entwickelt 800 PS.; es ist als Hinterrabdampfer gebaut und ist der größte Schleppdampfer der Weser, -g.,

* Niedermarsberg, 1. Septmeber. (50jähri- ges Geschäftsjubiläum.) Am 1. September konnte die Firma Johann Schulte, _ Buch­druckerei und Buchhandlung auf ihr öOsähriges Bestehen zurückblicken Ihre golvene Hochzeit feierte dieser Tage im benachbarten Behring­hausen die Eheleute Kaufmann MoseS Eichen- grün und Rosa, geb. Heinsberg. -ü

G. Engelhardt

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Schwänke aue dem Alltag

Das goldene Alter.Welches sind nach ihrer Meinung die interessantesten Jahre im Leben einer Frau."Nun, so die ersten drei bis vier Jahre, in denen sie 21 ist," erwidert er.

Der Lohn. Der Schotte gibt nicht gern, und unzählige Geschichten erzählen von seinem Geiz. Die neueste lautet:Wollen Sie sich nicht ein bißchen revanchieren für meine Darbietung?" fragt der Straßensänger einen Schotten, in des­sen Hof er seine Lieder ertönen ließ.Aber gerne", erwidert dieser.Was soll ich Ihnen Vorsingen?"

Mbgewiesen. Es klopft schüchtern an der Tür. Bitte, meine liebe Dame," sagt der Bettler, ich habe mein rechtes Bein verloren . . ." Hier ist es nicht", schreit bie Hausfrau und wirst die Tür zu.

Der Rechte.Können Sie Auto fahren?" fragt ber Automobilist einen Herumstehenden. Nein, leider nicht," antwortet ber.Aber das trifft sich ausgezeichnet," ruft der andere aus, bann bleiben Sie doch bitte stehen und passen sie unterdessen auf meinen Wagen auf.

* Wolfsanger, 1. September. (Neuer land wirtschaftlicher Lehrgang.) Die hiesige höhere Lehranstalt für praktische Landwirte beginnt den neuen Lehrgang am 18. Oktober. Ausgenom­men werden nur solche Landwirte, die neben gu­ter Schulbildung eine praktische Tätigkeit von mindestens vier Jahren nachweisen können. Mit der Anstalt ist ein Interna: verbunden, -g

* Lützelwig bei Homberg, 1. September. (Bürgermeister Ludwig Merle t.) Am gestri­gen Tag bewegte sich ein großer Leichenzug durch die Dorfltraße nach dem Friedhof. Es galt, dem

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