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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

An^tgenvreile: Einheimische Geschästsanzeigen Seite 20 4. auswärtige Geschäfts- anzeigen Seile 20 4. Kaunlienanz. Seile 20 4. fit An», aus Kassel d. Wort« 4. ausw. kl. Äna. Seile 20 4. Reklamen Seile 75 4. Vnertgebühr 20 4 (bei 3us. der Offerten 50 4. Rechnungsbeträge innerb. 5 Lagen zahlbar. Sür die Richtig- leit aller durch iternsprecher aufgegebenen Anzeigen fowie iür Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Kür Anzeigen mit besonders schwie­rigem Satz 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachtbosstrafte 28/30. Geschäfts» ftelle: Kölnische Strafte 5. gegenüber der Svobritrafte. Kernsprecher 651 und 952.

Nummer 190. Amtliches Organ der Stadt Kastel.

Dienstag, 16. August 1927. Amtliches Organ der Stadt Kastel. 17. Iahrq ang

DieEuropa" wird nach Dessau zurulkgebracht.

Rew-Pork wartet:

Dorbereitungen für den Empfang der Ozean­flieger.

Ebenso, wie Paris zu dem Empfang von Lindbergh und Byrd, wie Berlin zur Be­grüßung Ehamberlins sich fieberhaft rüsteten, so werden auch in Newyork großartige Vorbe­reitungen getrossen, um die deutschen Flieger zu empfangen. Wenige Monate ist es erst her, da man auf die Ankunft der Franzosen Nun- geffer und Coli vergebens wartete. Jetzt sollen es Deutsche sein, die als erste den Ozean in umgekehrter Richtung überqueren, aber es ist gewiß, daß sie einen nicht minder herzlichen Empfang finden werden, als man den Fran- zosen bereitet hätte, oder wie er bei uns stati- gefunden hat. Unvergeflen ist, wie man in Deutschland Lewin« und Chamberlin geehrt hat, unvergeflen ist auch der gewaltige Empfang, de» man Lindbergh bei seiner Heimkehr berei­tete, der alles bisher Dagewesene an amerika­nischen Massendemonstrationen übertroffen hatte.

Den deutschen Fliegern ist es natürlich von Wichtigkeit, unterwegs Wetlernachrichten zu er­halten und sich mit den Hauptstationen über die emzuschlagende Wegrichtung zu verständigen. Der Flug über den Ozean selbst, wenn es ge­lingt, den Zyklonen aus dem Weg zu gehen, ist nicht der schwierigste Teil der Expedition. Es komm» als letztes großes Hindernis die Lau. düng hinzu. In Newyork hat man die Anwei­sung getrossen, daß alle großen Geschäftshäuser auf ihren Dächern in Riesenbuchstaben die Na­men der Firmen tragen, zugleich euren großen erleuchteten Pfeil tn der Richtung des Flug­platzes. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei der Meldung der Annäherung der Flieger an Neu­fundland und die amerikanische Küste ein Flug- zeuggeschwader amerikanischer Kriegsflieger aus- steigen wird, um ven Deutschen den Weg zu Wersen. Aber aus den Erfahrungen, die wir bet der Ankunft Chamberlins machten, ist die Auffindung der Flieger mit eigenen Flugzeu­gen nicht so einfach. Man wird sich darauf be­sinnen, daß Chamberlin wenige Meter über Dortmund flog und dort herunternes: »Nach Berlins Aber ehe man em Flugzeug starren konnte, das den Amerikanern als Lotse hätte dienen können, waren sie schon wieder im Dun­keln verschwunden. Voraussichtlich werden die Deutschen, da sie abends abgeslogen sind, in der Nacht in Newyork etntrefsen. Das erschwert natürlich sowohl die Aufsindung der Flieger selbst, wie die Aufsindung des Flugplatzes durch die Flieger.

Sollte der Europa-Amerika-Flug glücken wir wünschen es nicht nur, sondern wir sind nach den Meldungen über den Flug der .Bre­men" bester Hoffnung so erwarten dl« deut- scheu Flieger m Newyork große Ehrungen. Ter Newyorker Bürgermeister Walker, der mit sei­ner Gemahlin Deutschland besucht hat, hat die Feierlichkeiten beim Empfang der deutschen Flieger der Steuben-Society übertragen. SDlan Wird verstehen, daß gerade dieser Gesellschaft die gesamten Vorbereitungen übertragen wor- den sind, da sie es sirb zur Aufgabe gesetzt har, das Deutschmm in Amerika zu pflegen. Ter Name der Gesellschaft ist avgelettet von dem amerikaniscben General Friedrich Wilhelm von Steuben, einem geborenen Deutschen, zu dessen Ehren sie gegründet wurde. Die Steuben- Society, die schon vor dem Kriege sür die Pflege des Deutschmms in Amerika eintrat, verlor während des Krieges viel an Bedeutung. Bezeichnend Mr die Stimmung in Aryerika war es, daß man sogar das Denkmal des verdienst­vollen amerikanischen Generals umsetzte. Das ist aber längst wieder rückgängig gemacht wor­den, ebenso wie die Gesellschaft heute wieder großes Ansehen genießt und starken Einfluß ausübt.

Das Programm für den Empfang der deut­schen Flieger ist zmn Teil schon feftgelegt und bekannt gegeben worden. In Mitchelfield ist eine Begrüßung durch die Vertreter des Deut- schen Reiches, der Vereinigten Staaten, des Staates und der Stadt Newvork und der Steu- ben-Society vorgesehen. Im folgenden Tage sinvek ein Empfang in der Citvhall durch den stellvertretenden Bürgermeister Mc. Kee da Walker verreist ist statt, sowie ein offizielles Bankett im Astor-Hotel, dann ein Empfang durch die deutsche Bevölkerung Rewyorks im Klubhaus ,8iederkranz' Neben den zahlreichen weiteren offiziellen Begrüßungsakten dürfte na­türlich die Bevölkerung Newvorks den deutschen Fliegern einen begeisterten Empfang bereiten.

Der Zunkersflieger Edzard erzählt.

Rüstet Deffa« ein drittes Ozeanflugzeug aus?

Berlin, 15. August. (Drahtbericht.) Tas JunkersflugzeugBremen" mit dem Flieger Koehl, Loose und von Hüuefeld hat Kingstown bei Dublin (Irland) heute früh um 5,15 Uhr passiert. Zur Stunde befindet sich dieBremen" über dem Ozean.

Dessau, 15. August, 12 Uhr mittags. (Drahtbe­richt.) Das JunkersflugzeugEuropa" wird von Bremen nach Dessau zurücktransportiert werden, wo erst nach dem Eintreffen der mit dem Be­gleitflugzeug G. 31 zurückerwarteten Flieger Edzard und Risticz ein Beschluß darüber gefaßt werden wird, ob dieEuropa" nach ihrer Aus­besserung zu einem neuen Amerikaflug starten wird oder nicht. Bon derBremen" liegt bis­her keine neue Nachricht vor^

Don Blitzen umzuckt.

Warum dieEuropa" umkehrte.

(Eigener Drahtbertcht.)

Bremen, 15. August.

Der Ozeanflieger Edzard erzählt über das Unglück derEuropa": Zwischen Oldenburg und Emden gerieten wir in ein schweres Gewitter. Unaufhörlich umzuckten uns die Blitze und schwarze Wetterwolken siUoffen uns ein. Gut hundert Meter nordwestlich von Borkum wurde unsere Maschinen von Gewitterböen furchtbar erschütert Plötzlich stellten wir fest, daß unser Motor unregelmäßig arbeitete. Wir entschlossen uns schweren Herzens zur Umkehr. Ich schlug Bremen an und landete auf dem Flugplatz. In­folge der dreifachen Belastung zerbrach das Fahrgestell und der Schwanz des Flugzeugs. Die Kabinen und die Insassen blieben unversehrt.

Ersatz für dieEuropa"?

Noch ein drittes Ozeanslugzeug?

(Eigener Drahtbertcht.)

Dessau, 15. August.

In der Leitung der Junkerswerke haben ein­gehende Besprechungen sMttgefunden über die Frage, ob nach dem Unfälle derEuropa" das dritte Ozeanslugzeug der Junkerswerle zum Start gebracht werden soll. Eine erhebliche Rolle spielt die Kostenfrage. Die Junkeröwerke haben bertts einen Beauftragten nach Berlin geschickt, um dort die Versicherungsfrage zu klä­ren. Sollte die Entscheidung über den Start eines dritten Flugzeugs positiv ausfallen, so kommt für den neuen Flug nur die Besatzung der verunglücktenEuropa" in Frage.

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Amerikas Tagesgespräch.

Lob für das deutsche Flugwesen.

(Eigener Drahtbertcht.)

Newyork, 15. August.

Die Sonntagszeitungen im Osten der Berei­nigten Staaten, denen die Nachricht vom Abflug der deutschen Maschinen aus Dessau noch recht­zeitig zugegangen ist, spiegeln die gespannte Er­wartung wieder, die ganz Amerika dem Unter­nehmen entgegenbringt. Man lobt die außeror­dentlich sorgfältige Voarbereitung des Fluges und mißt gerade diesem Unternehmen erhöhte Bedeutung bei, da die glückliche Ankunft, mit der man bestimmt rechnet, die Transozeanflugfohrt aus dem Gebiet des tollkühnen Sports in die Sphäre des sicheren regelmäßigen Flugverkehrs rücken werde. Man mahnt die amerikanischen Flieger daran, ihre Flüge ebenso ernsthaft vor­zubereiten, wie die Deutschen. Der Flugwettbe­werb San Franzisko-Honolulu, der schon vor dem Start drei Todesfälle und mehrere schwere Stürze zu verzeichnen hatte, zeige, daß die Aus­schreibung von Geldpreisen allein nicht genüge, um die Entwicklung der Lustfahrt zu fördern

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Qlm ,3tel alles bereit,

Mitchelfield bei Newyork, 15. August. (Funk­spruch.) Sobald die Nachricht von dem Start der Junkers-Flugzeuge auf dem hiesigen Flug­platz eingetrvffen war, hatte Oberstleutnant Foulois. der Kommandant des Flugplatzes, eine Besprechung mit dem deutschen Generalkonsul oon LewinSki worauf er mit den Vorbereitun­gen für den Empfang der Flieger begann. Am die ungeheure Menschenmenge, die sich voraus­sichtlich einfinden wird, genügend in Schach halten zu können, forderte FouloiS sofort 500 Mann von den Armeeposten deS Newyorker Ge­bietes für den Flugplatz an, um die unter sei­

nem Kommando stehenden 500 Mann Flieger­truppen zu verstärken. Die Soldaten werden von einer Abteilung Polizei unterstützt werden, die für die Aufrechterhaltung des Verkehrs in der Umgebung des Flugplatzes sorgen soll. Außer den helleuchtenden großen Scheinwer­fern, die eine beständige Ausrüstung des Flug­platzes bilden, beorderte Foulois acht Schein­werfer, die zum Absuchen des Himmels nach feindlichen Flugzeugen dienen, von dem benach­barten Fort.

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. Wer wird die Bremen sichren?

London, 15. August. (Drahtbericht.) Alle Blätter veröffentlichen an erster Stelle Berichte über den Start der beiden deutschen Flugzeuge nach Amerika, von denen die .^Europa" inzwi­lchen bei Bremen nvigelandet ist. Sie heben bervor, daß dies der erste Versuch ist, von Europa nach Amertta zu fliegen.Daily Ex­preß" berichtet aus Southampton, daß zwar während des Fluges zahlreiche Schiffe aller Nationen im Atlantischen Ozcan sein werden, aber nur das deutsche SchiffDeutschland" des Norddeutschen Lloyd, das Southampton gestern verließ, werde die deutschen Flieger passieren sehen können.

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Schon Millionen verwettet.

Newyork, 15. August. (Drahtbericht.) Die hiesige Filiale der Llohd-Versicherung hatte am Samstag bereits für 11 Millionen Dollar Wetten für den deutschen Ozeanflug abgeschlossen. Im allgemeinen kommen auf zehn Wetten sieben bis acht für das Gelingen des Fluges.

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Könnecke wartet noch.

Gelungene Belastungsslüge um Köln.

(Eigener Drahtbericht.)

Köln, 5. August.

Der Flieger Könnecke nahm gestern abend einige Belastungsflüge vor. Er startete zunächst mit einer Gesamtlaft von 3100 kg. Nach einem Anlauf von etwa 500 Metern erhob sich die Ma­schine in die Luft. Der Flieger umkreiste einige Male den Hafen und landete, um kurz daraus noch eine weitere Belastung von 500 kg vorzu­nehmen. Der zweite Start nahm etwas mehr Rollfeld in Anspruch. Nach der Landung erklär- teKönneüe, daß er mit den bisherigen Versuchen vollkommen zufrieden fei, nur einige unwesent­liche Verbesserungen technischer Natur seien vorzunehmen Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei den Belastungsflügen betrug 160 km . Heute will Könnecke noch einen Startversuch mit noch größerer Belastung vornehmen. Bei einer Pres- sebesprechung im Domhotel teilte der Flieger mit, daß, wenn sich die Wetterlage entsprechend gestalte, er hoffe, seinen Flug in drei bis vier Tagen antereten zu können.

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Auch die Franzosen warten.

Sabotageakt an derColumbia"?

(Eigener Drahtbertcht.)

Paris, 15. August.

Die verschiedenen französischen Ozeanflieger drückten gestern abend übereinstimmend ihre Verwunderung über den Start der Deutschen aus, da die einlaufenden Wetterberichte äußerst ungünstig seien. Für heute ist mit einem Auf- stieg der Franzosen nicht zu rechnen. Der Mo­tor desTango-Bogels" ist gestern nachmittag gegen einen stärkeren ausgewechselt worden. Der Propeller des Flugzeuges DrouhinsMiß Columbia" ist beschädigt worden. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß es sich um einen Sabotageatt handelt. Da alle Referveteile von Lewine nach Newvork abgesandt worden sind, ist der beschädigte Propeller der einzige passende Metallpropeller, über den man augenblicklich verfügt. Der Wächter der Halle erklärte, daß kein Unbefugter an den Apparat herange- kommen sei.

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Loste nimmt einen Sender mit.

Paris, 15. August. (Drabtbericht.) Der Flie­ger Coste will mit dem FlugzeugNungesser- Coli" starten, sobald günstige Witterung eintritt. Er rechnet damit, nicht vor kommenden Mitt­woch zu starten. Er will einen kleinen Funkap­parat mit einem Senderadius von tausend Kilo­metern mitführen. Jede Stunde will er fünf Minuten lang sein Zeichen senden.

Eecil Rhodes.

Der Napoleon Südafrikas.

Cecil Rhodes, einet der bedeutendsten «irtlckatt- licken und volitiickcn Kopse Englands, bat dem voulvösen Machida« des britiicken Weltimpe- rinms durch Eroberung und Einverleibung Südafrikas die Krone auigeictzt. Psychologisch ist er als eine selten gelungene Mischung zwi­schen Sansmann. Kolonisator und Staatsmann zu klasstsiziereu. Sein Leben ist ein einzig­artiges Beispiel sür denWeg znm Erfolg". der uns bei groben Männern stets interesstert.

Cecil Rhodes wurde als Sohn eines Pastors 1853 in England geboren, war ein schwäch­liches Kind, das schon frühzeittg unter ner­vösen Herzstörungen litt, wozu sich dann noch eine besonders ausgeprägte EmpfindliOeit der Lunge gesellte, die schließlich dahin führte, daß er das neblige und naßkalte Klima Englands nicht mehr vertragen konnte. Deshalb ging er schon 1870 in die Kapkolonie, wo einer seiner älteren Brüder eine kleine Farm bewirtschaf­tete. Der Aufenthalt in diesem, wenn auch hei- i>en, so doch trockenen und gesunden Klima be« .estigte seine Gesundheit so, daß er sich schon nach wenigen Monaten für völlig geheilt hielt und in die Heimat zurückkehrte, um seine Stu­dien an der Universität Oxford fortzusetzen. Schon nach kurzem Aufenthalt in England mußte er jedoch die betrübliche Entdeckung machen, daß seine Gesundheit von neuem unter den schlechten klimatischen Verhältnissen zu lei­den begann. Die alten Herzanfälle stellten sich wieder ein und so blieb ihm nichts übrig, als von neuem nach Südafrika zu gehen. Inzwi­schen waren hier die

Diamantfelder um Kimberley entdeckt worden und das ganze Land befand sich in einem Rauschzustand. Äuch der junge Rhodes wurde vom Diamantfieber ergriffen und schloß sich dem Zuge der Diamantensucher an. Mit seinen geringen Ersparnissen erwarb er sich einige claims, auf denen er nach Diamanten zu schürfen begann. Er machte keine sonderlich großen Funde, aber immerhin vermochte er durch intensive Arbeit solche Ergebnifle zutage zu fördern, die es ihm ermöglichten, ein kleines Kapital von einigen tausend Pfund anzusam- meln. Da wurde er mit Barnett Isaacs, einem sehr gewandten jüdischen Handelsmann eng­lischer Nationalität bekannt, der sich ebenfalls, von den riesigen Erfolgsaussichten bestochen, den Diamantsuchern angeschloflen hatte. Die­ser gab es jedoch bald auf, selbst nach Diaman­ten zu suchen, um sich dafür umso intensiver dem Handel mit claims und Anteilen an Minengesellschaften zu widmen. Rhodes, dem die kaufmännische Atmosphäre von Hause ans etwas gänzlich Unbekanntes war, schloß sich eng an diesen Mann an, von dem er in die An- fangsgründe kaufmännischer Gewandtheit ein- geweiht wurde. Rhodes begann eifrig in Minen-Aktien, sowohl in Kimberley, als auch in London, zu spekulieren und konnte bald in­folge seiner vorzüglichen persönlichen Kenntnisse auf diese Weise ein recht bedeutendes Vermögen erwerben. Nun konnte er auch sein ausgepräg­tes Organisationstalent, das ihn bald aus den Niederungen des einfachen Minensuchers und Börsenjobbers in die Höhen großen politischen und wirtschaftlichen Einflusses heben sollte, zur Anwendung bringen. Durch geschickte Verhand- lungstechnik gelang es ihm, eine Reihe von kleinen und kleinsten Minengesellschasten zn großen Gruppen zusammen zu schließen und bei diesen Fusionstransaktien, die ihm meisten­teils eine ausschlaggebende Beeinflussung der Aktienkurse gestatteten, schwer zu verdienen. Er war auch der Gründer des ersten Diamantcn- Prodnktions- und Verkanfs-Sydikats und wuchs so allmählich zum mächtigsten und

reichsten Mann im Diamantendistrikt heran. Es gab kaum eine Minengesellschaft, die sich noch seinem Einfluß entziehen konnte. Souverän beherrschte er die Kursentwicklung der .wunderte von Minenshares an der Lon­doner Börse und war dadurch in der Lage, die Kursentwicklung stets zu seinen Gunsten zu manipulieren. Nur eine mächtige Gesellschaft, die Kimberley Central Company, widerstand noch seinen Unterjochungsversuchen. Aber als diese Gesellschaft einmal in Geldschwierigkei.eu war, gelang es Rhodes, auch diese in seine Machtsphäre einzubeztehen und der von ihm beherrschten De Beers Consolidated Mines Ltd. anzugliedern. Die riesigen Geldmittel, über die er jetzt verfügte, setzten ihn in den Stand, die Presse des ganzen Landes zu seinen Gunsten zu beeinflussen und so gelang es ihm schließlich, "urck-zusetzen, daß er in das Parlament zu Kapstadt berufen wurde. Zu seinem riesigen wittschastlichen gesellte sich nun auch ein schwer­wiegender politischer Einfluß, die er beide dazu