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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 185. Amtliches Organ der Stadl Kassel. Mittwoch, 10. August 1927« Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

Änjctaencretfe: Einheimisch« ®ef4äft«anjeifl«n Zeile 90 4. auSwärn« Geschäfts, anyiaen Zeile 90 4 Kamrl enan». Zeile 90 4. £1. An», aus Kastel 5. Sott 4 4, ß. An^ Zeil« 90 4. Reklamen Zeile 75 4. Onermebübr 20 4 «bei 3ns. btt Cfferttn 50 4. Rechnnngsbelräge tnntrb. 5 Tagen »ablbar. ftür die Richtig­keit aller durch «rnsprecher aufgegebenen Anzeigen ioivie für Amaabmebaten nnb Püree kann nicht garankier« werben «für Anzeigen mit besonders lchwie- ngem «ab 100 Brozeni Aufschlag. Druckerei: Schlachrbosstrafie 28/30. Geschäfts- Selle: KSlimche Sira Ke 5. gegenüber der SvobrftraK«. tternfvrecher 951 uoL 952.

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Seulscher Szemflug nicht vor Sonnabend.

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3)ie Senfationen der Hundstage. .....-

Keine Wiederaufnahme deS Prozesses / Die Hinrichtung auf Donnerstag

(Eigener Drabtbericht.)

Eine Spende des Papstes

Sür die fSchfischen Umvettergefchädigten.

Die der die­

ser Woche ftattfinden soll, weil der Pilot Köhl ich bei der Notlandung in der vorigen Woche Verbrennmtgen durch BenzindLmpfe gugezogen hat, deren Heilung ihn erst Ende der Woche in dde Lage versetzt, die neue OzeanüLersahrt zu unternehmen. Die Elektrolux-Gesellschasi hat einen Preis von 50 000 Mark für die erste deut­sche Ozoanüberqurrung gestiftet.

Erfolg in dm varlfer Verhandlungen-

Paris, 9. August. (Drahtbericht.) Dem

Matin zufolge läßt sich bisher noch keine Aende-

Dresden, S. August.

Durch Vermittelung des Bischofs von Meis­sen Dr. Schreiber find beim sächsischen Minister­präsidenten 25000 Reichsmark als Spende deS Papstes für die Unwettergeschädigten eingegan- grn mit der Bestimmung, daß der gespendete Betrag an die Geschädigten aller Konfesstonen fließen soll.

Newhork, 9. August.

Ein Patrouillenboot verfolgte an der Küste ein verdächtiges Motorboot und holte es schließ­lich ein. An Bord wurden fünf Mann mit 160 Kisten Whisky gefunden. Tiefe Leute wurden auf das Patrouillenboot gebracht, während vier Beamte als Wache auf das befchlagnahmte Fahrzeug gefetzt wurden. Plötzlich begannen die Gefangenen aus Pistolen aus die Beamten zu feuern und konnten erst nach verzweifeltem Kampfe überwältigt werden. Zwei Beamte wurden bei der Schießerei getötet, zwei weitere lebensgefährlich verwundet, während von den Schmugglern einer fchwer und einer leicht ver­letzt wurde.

Demonstrationen gegen die Hinrichtung von Saeco und Vanzetti statt. Die Demonstranten wurden von der Polizei auseinaedergettieben.

Kann Mlcpaeiis warnt.

Bad Kisiingen, 9. August. (Eigene Drahtmel­dung.) Karin Michaelis, die berühmte dänische Schriftstellerin, die augenblicklich hier weilt, hat an den Gouvernuer Fuller ein Telegramm ge­richtet, in dem sie ihn mit eindringlichen Wor­ten vor der Vollstreckung des Todesurteils an Sacco und Vanzetti warnt.

* * *

Opfer des Moholkriegs.

Schmugglerverfolgung an Amerikas Küste.

(Durch Funkspruch.)

festgesetzt / Ma« befürchtet ernste Unruhen in Amerika / Neue Kuno gedungen und Proteststreiks.

Fvller ist unerbkttSW. .

Bor dem Terror kapituliere ich nicht." (Durch Funfsvruch l

Rewyork, 9. August.

Gouverneur Fuller teilte mit:Ich habe fei« nen Grund, meine Anordnung zur Hinrichtung Saccos und Banzettis zurückzunehmen. Tie Anarchisten haben zur Rettung der beiden Ver­urteilten in den Bereinigten Staaten in den letzten Tagen 21 Perofnen durch Bombenwürfe getötet und doppelt soviel verletzt. Bor diesem verbrecherischen Terror kapituliere ich nicht." Die Eisenbahn nach Boston wird Donnerstag gesperrt, um den Anmarsch der Kommunisten zu Verbindern, die das Gefängnis stürmen wollen. Alle militärischen Maßnahmen sind getroffen worden, um die Exekution dirrchzuführen, die nur noch durch eine Verfügung des Richters Thayer nufgefchoben werden kann. Nach neu­esten Meldungen fall die letzte Entfcheidung Thayers erst morgen fallen.

Vorbereitungen für Senf.

Sorge um die deutfche Räumungsaktion.

(Eigener Drahtbericht)

Gens, 9. August.

Der Generalsekretär des Völkerbundes reist in den nächsten Wochen nach London und Paris $ur Vorbereitung der September-Tagung deS Völkerbundes. Ein Besuch in Berlin ist dieses Mal nicht in Aussicht genommen. Im Völker- bunds-Sekrelariat ist man beunruhigt über die Ankündigung des deutschen Räumungsschrittes, ür den die Zeit noch nicht gekommen sei, Nach den in Genf vorliegenden Anzeichen wird auch Die französische Delegation wieder von Briand geführt fein.

Äunkers teilt mit...

Ozeanflug nicht vor Sonnabend.

Dessau, 9. August. (Drahtbericht.) FunHorswerke erklären jetzt offiziell, daß Ozeamflug bestimmt nicht vor Sonnabend

Irung im Verlauf der deutsch-französtfchen Han- fdelsvertrags-Verhandlungen feststellen. Den ganzen Tag über habe eine Sitzung die andere Sitzung gejagt. Wenn auch gestern abend noch große Meinungsverschiedenheiten bestanden hät­ten, so scheine es doch, daß ein Abschluß der Verhandlungen in kürzester Frist bevorstehe.

Vroieststreik in Frankreich

Paris, 9. August. (Eigene Drahtmeldung) An dem vierundzwanzigstündigen Proteststreik zugunsten Saccos und Vanzettis nahmen in Le Havre sämtliche Hafenarbeiter und zwei Dritter der Fabrikarbeiterfchaft teil. Es kam zu Zu­sammenstößen im Hafenviertel.

In der in vieler Beziehung wirklich benei­denswert guten alten Zeit vor dem Kriege pflegten in jener schwülen Spanne um die Hundstage herum, in der alles, was aus sich hielt, vom Reichskanzler bis zum Klippschüler hinunter, in die Ferien ging, in den Spalten der Zeitungen die sprichwörtlich gewordenen Seeschlangen und ähnliche ersprießliche Ge­schöpfe ihr Wesen zu treiben, um dem Geiste und der Phantasie wenigstens einige Nahrung zu geben. Seit der durch den Krieg unter­wühlten Gleichgewichtslage der Welt kommen aber auch in den Hundstagswochen die Zeitun­gen nicht in Verlegenheit wegen der Ausfüllung threr Spalten und der Zugkraft ihrer Schlag, zeilen. Es will nirgendwo und »irgendwann sich reue Ferienstimmung einstellen, weder für den einzelnen, noch für die Völker, die als schöpferische Pause eigentlich einem Naturgesetz entspricht.

In diesem Jahre rumort es besonders laut, von Berlin bis Boston, von Pirma bis Phila­delphia, von Wien bis Washington. Kaum be­gann der friedliche Staatsbürger seinen Urlaub anzutreten, da verfielen in Harz und Erzgebirge die Elemente in Raserei. Die Außenpolitik bietet das Bild eines heraufziehenden Unwet­ters, aus dem bereits grell und schweflig die Wetterzeichen leuchten. Die Justizpllege. oder oesier, die Methode, mit denen man Gerichts­urteile zur Aufpeitschung politischer Leidenschaf, len benutzt, gibt Anlaß zu einem Aufbäumen der Anarchie, das Staatchen und Staaten zu erschüttern droht. Die Antwort, die von den Freunden der in Amerika zum Tode verurteil- len Anarchisten in Gestalt von Bomben und Granaten und Massenkrawallen gegeben wird, zeigt so recht, wie sehr die Anarchie als alle Völker durchdringendes Element heute schon eine Macht geworden ist, mit der man rechnen muß. Wenn auch im Lande derVolksjustiz" und Lynchgerichte die Tatsache von Bomben­attentaten, verübt durch dunkle Elemente, die gerade in den Großstädten der Reuen Welt be­sonders zahlreich sind, nicht allzu tragisch ge­nommen werden darf, so erleben wir doch als warnendes Zeichen eine Art Internationale des Radikalismus auf anarchischer Gefüblsgrund- läge, deren überhitzte Agitation im Einzelfalle weder den Verurteilten, allgemein gesehen ebenso wenig der Erringung gesichereter Ord- nungsverhältnisse dienlich sein kann.

Immer neue vroteftkunvgebunaen

Kopenhagen, 9. August. (Eigene Drahtmel­dung.) Hier und in Stockholm sanden große sich in den Ferientagen von allem, was mit! Zeitung, Post und sonstiger Ruhestörung zu-! semmenhängt, zielbewußt abzuschließen.

Boston, 9. August.

Das Gesuch um Wiederaufnahme des Pro­zeßverfahrens gegen Sacco und Vanzetti ist vom obersten Gericht des Staates Massachusetts end­gültig abgelehnt worden. Wenn der Gouver­neur nicht noch im letzten Augenblick von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch macht, dürsten die Verurteilten nicht vor dem elektrischen Stuhl ge­rettet werden können. Sacco und Vanzetti setzen inzwischen ihren Hungerstreik fort. Sacco hat schon feit zwanzig Tagen die Nahrungsauf­nahme verweigert. In Boston verfuchten fm Saufe einer Kundgebung etwa zehntausend Ar­beiter das Staatsgefängnis zu stürmen. Zur Verstärkung der Polizei wurde eine Abteilung Marine-Infanterie aufgeboten. An die Polizi­sten wurden Gewehre und scharfe Munition geliefert. Den zuständigen offiziellen Persönlich­keiten ist die Aufforderung zugegangen, sich für Donnerstag früh zur Hinrichtung Saccos und Vanzettis bereit zu halten. Man befürchtet für Hefen Tag ernste Unruhen.

©treitoro&ung in JSraa.

Prag, 9. August (Eigene Drahtmeldung.) Eine Versammlung der Bauarbeiter, die von etwa zwölftausend Personen besucht war, sprach sich für die sofortige Proklamierung des Streiks in Großprag aus. Nach einer von dem Inter­nationalen Gewerkschaftsverband einberufenen Versammlung der Bauarbeiter kam es im Vor­ort Wurschowitz zu einem Zusammenstoß zwi­schen der Polizei und den Demonstranten. Dir Wache wurd emit Steinen beworfen. Die Po- ffzei gab eine Alarmsalve ab und zerstreute die Demonstranten.

In der Innenpolitik ist sogar verordnungs­mäßig und von Amtswegen mitten in die Som­merzeit hinein ein Tag festgesetzt worden, der unter den augenblicklichen politischen Verhält­nissen auch wieder ein Anreiz zur Anfeuerung der Leidenschaften aus beiden Seiten sein kann. Erregung und Sensation birgt heute auch der Sport und seine Leistungsergebnisse in sich. Von Rekorden und neuen Rekorden hört man, Rekorde fordert man und überbietet man, und die Presse muß nach dem Kriege auch der Sportleistung ihre Spalten öffnen und immer neue Spannungen wecken. Nachdem in den ersten Atlantik-Flügen Paris und Cottbus in den Mittelpunkt des Weltinteresses gerückt wa­ren. spricht man heute erfreulicherweise, muß man vom deutschen Standpunkte aus sagen fast nur noch von Dessau. Schon werden die Junkers-MaschinenEuropa" undBremen" für den Flug über den Attantischen Ozean be- reitgestellt, für eine Leistung, die in der Rich­tung Europa-Amerika schwerer wiegt als um­gekehrt. Und damit auch die bisher von der Spiefleidenschast, wie sie in Monte Carlo und in gewissen Berliner KlubS gedeiht, in erheb- lich geringerem Grade erfaßten Freunde bet Preutzifchen Klassenlotterie ihre besondere Som- mer-Auftegung haben, stellt sich heraus, daß selbst in dieser, durch strengste Kontroll- und Vorsichtsmaßregeln umgitterten Behörde ein Corriger la fortune" möglich ist. Hieraus er­geben sich zwangsläufig eine ganze Reihe von rechtlichen Fragen, die 375 000 Lotkerie-Spieler vor das Problem stellen, durch Anfechtung der letzten Ziehung doch noch über 100 000 Mark einzuheimsen.

Unmöglich ist es, die tausenderlei kleineren Aufregungen und Zwischenfälle auch nur anzu- deuten, die für den Einzelnen heute im Polizei­bericht die Illusion der friedlichen Hundstage zerstören, wie man sie in der Vorkriegszeit im allgemeinen verleben konnte.O schauerliche Lebenswirren" stoßsenfzt Christian Morgen­stern in einem seiner mit Philosophie und Wurstigkeit durchdrungenen Gedichte. Als Ein­zelner kann man nicht viel anderes tun, als sich ihm anzuschließen, falls man es nicht vorzieht,

Weftmlnfter.

Im größten Parlament Europas.

Unter Londoner Mitarbeiter B. Jones vlanderi beute über den engliiSe« Zopf und das knrio- fefte Parlameutsgebäud« der Well. Londons ..Hanse as Westminster".

Wenn man bei uns von England spricht, so stellt man sich darunter stets ein sehr reiches und sehr modernes Land vor. Das erste mag teilweise stimmen, das zweite bestimmt nicht. Englands neuer Reichtum (und demzufolge auch dermoderne" Fortschritt) stammt zum größten Teil nicht aus dem 20. sondern aus dem 19. Jahrhundert. Wer hier ist England auch stehen geblieben: Londoner Badewannen repräsentieren in ihrer Kürze und Enge genau so den Luxus des 19. Jahrhunderts wie die meisten heizungs- und listlvsen, nut mit Gas­licht versehenen Häuser noch immer die Errun­genschaften des verflossenen Jahrhunderts zu repräsentieren scheinen. Aber sind auch die Fahrstühle selten, dir Badewannen rat und klein, die Mietautos Modelle aus dem Iahte 1910, die primitiven Kamine Ueberreste aus Elisabeths Tagen, und der gesamte

Lebenstil konservativ und unmodern, so läßt sich dennoch nicht leugnen, daß gerade diese Rückständigkeit zuweilen einen ganz be­sonderen Reiz hat. So vor allem im Parla­ment, im Westminsterhaus. Den Grundstein des Londoner Parlaments bildete ein im Iah- re 1299 errichtetes Gebäude. Als wirkliches Parlament ist eS im 16. Jahrhundert ausg'- baut worden: in einem Gemisch aus Gothik und Renaissance. 1834 vernichtete eine Feuers­brunst die ganze Herrlichkeit, und im darauf­folgenden Jahrzehnt errichtete man daher einen neuen Prachtbau, dasHouse of Westminster." Für 2,5 Millionen Pfund wurde ein gothischer Palast erbaut, von so gigantischen Ausmaßen, daß andere europäische Parlamente sich wie Weekend-Villen daneben ausnehmen. Rein ar­chitektonisch wurde nichts Grandioses geschaf­fen; zwar besaß das Land genügend Reichtum, um sich, einen in jeder Weise bemerkenswerten Bau leisten zu können, aber der Zopf verhin­derte es daran, eine originelle Schöpfung ent­stehen zu lassen: den Reichtum steckte man le­diglich in die Ausmaße und die Pracht. Man schuf drei Riesentürme, jeden über 300 Fuß hoch und eine Steinterrasse von fast % Kilometer Länge, auf der die Abgeordneten ihren Tee ein zunehmen pflegen. Das englische Parlament beherbergt sowohl das Ober- wie das Unter­haus (House of Lords" und .House of Com- monS"). Die beiden Säle, in denen die höch­sten politischen Körperschaften des Landes ta­gen, bilden jedoch wenn man so sagen darf nur zwei Tropfen im Meere des Westmin- terhauses. Da gibt es nämlich

Dutzende von Empfangs- und Prunkfälen, \ Galerien und Ballonen,- Telegraphen-, Post- ' und Telephonämter, Parteizimmer und Rauch- 1 lalons, Restaurationssäle, Teestuben und Le- feräume, Schreibzimmer und Kapellen, Ruhe- stübchen und steinerne Jnnenhöfe. Ist Eng­lands Zopf noch fo alt, noch fo lang, eines ist er bestimmt: vrakttsch oder vielmehr: bequem Wie denn der Engländer immer nach Bequem­lichkeit im Leben verlangt. Diefem Geiste ent­spricht die Architektur des ParlamentsgebäudeS im allgemeinen, die des Ober- und Unterhau­ses im besonderen. Das Oberhaus ist eine rei­ne. ReprSsentattonSstätte: zwar besitzt es 700 Mitglieder, aber kaum ein Drittel der LordS befaßt sich mit Politik. Nur an einem einzigen Tag im ganzen Jahre ist das Lordhaus voll: am Eröffnungstage des Parlaments, wenn das königliche Paar in historischer Tracht die gol­dene Staatskutsche verläßt und sich nach dem Icharlachroten, pompös und unpraktisch gebau­ten Lordsaal begibt. Während der König hier die Eröffnungsrede vorliest, befindet sich der gesamte Adel des Landes in dem historischen Raum: Männer tragen die StaatSgewänder, Frauen-

LaidteS, Fürstinnen und Gräfinnen große Wendtoilette, mit kostbaren Diademen im Haar. Für die übrigen 364 Tage des Jah­res versinkt der Raum in einen, mehr oder minder ungestörten Dornröschenschlaf Richt so das Unterhaus, der bedeutendste, kleinste und sonderbarerweise praktischste Parlamentsaal der Welt! Er ist nur etwa ein Drittel so groß wie der Berliner ReichStagsfaal, seine Preßtribüne faßt kaum 4 (Menschen, die Fremdengalerie et­wa daS Doppelte, und in der Diplomatenlogr linden kaum 6 Mann Platz. Der Saal ist schmal und hoch, die Mkusttk schlecht. Er wirkt nicht wie ein Parlament, sondern wie der Sitzungs­saal eines großen Klubs. Er enthält weder Tribünen, noch Rednerpulte, Ministertische oder besondere Erhöhungen. Er enthält mehre­re Dutzend grünlederne Sofas, auf denen die

Da« Verbrannte Sternenbanner

Paris, 9. August. (Eigene Drahtmeldung.) Die Mutter des verschollenen französischen Flie­gers Nungesser hat an den Gouverneur von Massachusetts ein Bittclegramm für die beiden Verurteilten gerichtet. Für heute abend ist eine Protestversammlung der hier weilenden Ameri­kaner von einem Komitee, dem amerikanische UniversitätSprofefforen angehören, einberufen worden. In Casablanca wurde vor dem Kon- ulat der Vereinigten Staaten eine amerikanische Flagge von Demonstranten verbrannt.