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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Donnerstag, 4. August 1927. Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

LnzeigenvE«: Etnhrimllch« GEttSan^igen Seile 20 A auswärtige Geschäfts, a»geigen Seile 20 A. Bemtl:enani. Seile 20 A. RL Än». aus Kassel L. Wort i A, auSt». tl. »nj. Seile 20 A. Reklamen Seile 75 A. v-iengebübr 20 A (bei Sus. der eiferten 50 4. Rechnungsbeträge innert). 5 Tagen »ablbar. Bür die Richtig» reit aller durch Bernfvrecher aufgegtbenen Anzeigen foroie für Aufnabmedaten und Platze kann nicht garantiert werden ftiir Anzeige» mit besonders schwie­rigem Satz iqp Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachakofftratze 28/30. Geschäfts, neue: Kölnische Strafte 5. gegenüber der Svobrstraste.. Bernfpretber »51 und 952.

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Die Lolschewiflen dulden keine Opposition.

Sacco und Danzetti.

Ein politischer Sensationsprozetz.

Eine Warnung an das Dollarland.

Wohl kaum ein politischer Prozeß hat die amerikanische Oessentlichkeit so in Atem gehal­ten wie die Verhandlungen gegen die beiden

Das wirtschaftliche Gleichgewicht der Welt ist zerstört: Amerika hat halb Europa iu der Tasche.

italienischen Kommunisten, die vor einigen Mo­naten zum Tode verurteilt wurden, lieber ihr endgültiges Schicksal wird in den nächsten Ta­gen entschieden. Ein Kenner der amerikani­schen Verhältnifle schreibt uns hierzu: Die bei­den in Amerika ansässigen, nichtnaturalisierten Italiener waren angeklagt, im Jahre 1920 in dem Städtchen Braintree (int Staate Massachu­setts) den Kassenboten und Aufsichtsbeamten ei­ner Schuhfabrik ermordet und aus diesem Wege sechzehntausend Dollars geraubt zu haben. Tas gegen sie eingeleitete Verfahren gestaltete sich überaus verwickelt. Mein die Beweisaufnahme nahm Jahre in Anspruch. Es wurden zusam­men neunundfünfzig B- und neunundneunzig Entlastungszeugen vernommen.

Das über sie verhängte Todesurteil entfesielte auch in nichtkommunistischen Kreisen einen ge­waltigen Proteststurm. Das dem Amerikaner innewohnende Billigkeitsgefühl witterte hier Opfer einer Klassenjustiz und wollte sich mit dem Todesurteile nicht zufrieden geben. Man nahm in weiten Kreisen an, daß die im Lande weit verbreitete Furcht vor kommunisttsch«. bolschewistischen oder wie immer benannten Umsturzbewegungen den psychologischen Unter­grund für die Stellungnahme der Richter gebil­det und für das Urteil ausschlaggebend gewe­sen sei. Zur Zeit, als die beiden verhaftet wurden, war Amerika von einem förmlichen Fieberschauer von Angst vor den »Roten" be­fallen, eine Stimmung, der der damalige Ju­stizminister unter Wilson, Mitchell Palmer, de­magogisch Vorschub leistete. (Es tft dies dersel­be Palmer, dem als Verwalter des feindlichen Eigentums recht eigentümliche Amtshandlungen nachgesagt wurden.)

Palmer hatte ein gewaltiges Netz von Svio- nen und noch mehr (agents provoeateurs) über die .Roten" gezogen, in dem diese sich in stei­gender Anzahl verfingen. Hunderte von ihnen wurden aus bloße Denunziationen hin abge­schoben, andere ins Zuchthaus geworfen. Sac­co und Danzetti wurden einige Monate vor dem angeblichen Raubmorde als auswärtige Aufwiegler verhaftet. Die Verhaftung erfolgte auf Grund der Tatsache, daß man bei Sacco ein Rundschreiben gefunden hatte, in dem um Gelder für zwei zur Deportation verurteilte hilfsbedürftige Italiener gebeten wurde. Als einer der Unterzeichner war auch Vanzetti ge­nannt. Auf das Polizeirevier gebracht, wur­den sie mit der Frage empfangen:Seid Ihr Kommunisten? Seid Ihr Anarchisten? Seid Ihr Sozialdemokraten?" Aus Furcht, gleich­falls deportiert zu werden, verneinte Sacco alle diese Fragen. Diese Unwahrheit bildete eines der Hauptargumente in dem späteren Raub- mordprozesie gegen sie; das zweite war der Um­stand, daß sie bei ihrer Verhaftung Waffen bei sich trugen.

Die Verteidigung machte einen vergeblichen Versuch, zugunsten der Angeklagten ein Alibi nachzuweisen: sie wollte den Beweis führen, daß Sacco zur Zeitd es Mordes sich in Boston aufgehalten hatte, um sich ein Paßvisum zu be­sorgen, und daß Vanzetti zur fraglichen Zeit in Plymouth (Massachusetts) Fische verkaufte. Diese Enilastungsverfuche mißlangen, und cs kam zum Todesurteil, das einen Entrüstunas- sturm nicht nur in Amerika, sondern darüber hinaus in der ganzen Welt hervorries.

Die Kommunisten aller Länder suchten Be­lege dafür zu sammeln, daß der Prozeß ein­seitig und parteiisch geführt worden sei. Vor den amerikanischen Botschaften in mehreren eu­ropäischen und siidamerikanischen Hauvtstädfen fanden feindselige Demonstrationen statt, und es wurden dreihunderttaufend Dollars gesam­melt, die zur Herbeifübrung eines netten Ver- fabrens Verwendung finden sollten Auch lie­fen aus allen Erdteilen Gnadengesuche ein und es festste nicht an Drostbriefen für d-n Gonn-r- nettr Fuller, der auch dtirch ein Attentat be- dtostt war Ein Vaket, da? an seine Adresse ge­richtet war, entstiett Dynamit. Man wird ge­spannt fein dürfen mi- stch mtn das Revision? gericht zu dem Toy-sn-t-fs stellen wird.

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Der bedrohte Fuller.

Immer neue Kundgebungen in Amerika

V-wfork. 3. August

e»n Mostan Murd» in fnnaer «.^rrffef

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per n«-rtn her gn-ttnunq des Gouverneurs

London, 3. August. (Eigener Drahtbericht.)lkiLrs und Wirtschaftskenner der Welt muß ein

einer Rede in Oxford sagte Sir George

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Paish: Es besteht die wirkliche Gefahr, eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Welt. Die Welt ist niemals so tief verschuldet gewesen iut6 wenn es zu einem Zusammenbruch in dem einheitlichen Gefüge der Welt kommen würde, dann würde das Ergebnis nichts anderes sein als Hungersnot in vielen der größten Städte der Welt. Amerika gibt dem Auslande Kredit in einem Maße, das unmöglich beibehalten werden kann. Nach Ansicht der führenden Bau-

großer Krach erfolgen, wenn Amerika seine Fi- nanzpolttik nicht adändert. Deutschland hat zur Beschaffung der von ihm benötigten Stoffe in sehr erheblichem Maße Anleihen aufgenommen, Auch Italien ist außerstande, genug zu verlau­fen, um seinen Bedarf bezahlen zu können. Der große Krieg ist hauptsächlich gekommen, weil man das Wesen der Welstwirtschaft verkannte und weil nicht verstanden wurde, daß jeder Kon tinent und jede einzelne Ration unentbehrlich für das Wirtschaftsleben jeder anderen Nation ist.

Wenn die Genfer Konferenz scheitert

. . . wird auch Frankreich das «tigern?ine Wettrüsten mitmachen / Ein japanischer Vermittlungsvorschrag.

Genf, 3. August. (Drahtbericht.) Vorläufig ist hier auch bis Dienstag abend alles unge­klärt geblieben. Die japanische Delegation hat für heute früh eine gemeinsame, aber nicht offizielle Besprechung der drei Delegationen an« beraumt. Ob eine japanische Vermittlung noch lm letzten Augenblick die Konferenz retten kann, wird allgemein bezweifelt. Der Genfer Korre- fvondent der Londoner »Times" führt aus: Ob­gleich die Hoffnung auf einen erfolgreichen Ausgang der Konferenz nahezu aufgegeben ist, setzten die Hauptdelegierten ihren Meinungs­austausch fori. Gegenwärtig gilt das Interesse dem japanischen Vorschlag, dessen Kernpunkt eine Art Moratorium im Schiffsbau ist, ein zeitweiliges Abkommen bis zur Revision desl

Washingtoner Vertrages im Jahre 1931. Sei­tens der amerikanischen Delegation wurde gestern erklärt, die Japaner hielten gegenwärtig den Schlüssel der Lage in Händen und alles ,mnge davon ab, ob sie imstande fein würden, ihn umzudrehen.

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Frankreich steht nickt zurück

Paris, 3. August. (Drahtbericht.)Petit Journal" meldet, daß ein Scheitern der Genfer Seeabrüstungskonferenz auch Frankreich zwickgc, seine Marine zu verstärken. Wenn Amerika, England und Japan von neuem rüsten, fo würde Frankreich mindestens dreißig Einheiten inerhalb drei Jahren auf Stapel legen müssen.

Fuller sich aufhielt. Man fand bei ihm einen geladenen Revolver und nimmt an. daß er ei­nen Anschlag auf den Gouverneur plante, von dem bekanntlich die Entscheidung über das Schicksal von Sacco und Vanzetti abhängt. Die Polizei hat einen Ueberwachungsdienst für den Gouverneur eingerichtet. Saeco setzt den Hungerstreik fort, während Vanzetti seit Sonn­tag wieder Nahrung zu sich nimmt. Während in mehreren Städten der Vereinigten Staaten die Kundgebungen für Sacco und Vanzetti fortdauern, sollen die beiden Verurteilten heurr in die Hinrichtungszelle des Gefängniffes von Charleston gebracht werden. Der Gouverneur Fuller bewahrt unbedingtes Stillschweigen über seinen Entschluß. Im City Hall-Park wurden anläßlich einer Demonstration einige Verhaf­tungen vorgenommen. Eine Schwester Vanzct- tis in Turin (Italien) hat die Erlaubnis er­halten, stch nach den Bereinigten Staaten zu begeben, wohin ste stch am 10. August einschis- fen wird.

Russische Varteldlttatm.

Ein Kampf-Aufrus der Altbolschewisten.

Moskau, 3. August.

Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet: Das Büro des Vereins Alter Bolsche­wisten veröffentlicht einen Aufruf, in dem es verlangt, daß die Oppositionsführer aus dem Zentralkomitkr der Kommunistischen Partei aus­geschloffen werden und daß der gesamten Oppo­sition die ultimative Forderung, sich bedin­gungslos den Beschlüffeu Der Partei zu fügen, gestellt werde. Der Aufruf fordert alle Partei­mitglieder auf. die Patteizentralinstitutionen vorbehaltlos zu unterstützen und sich den Oppo­sitionellen. ohne Rücksicht auf ihre Stellung und ihre ehemaligen Berdienste um die Revolution energisch zu widersetzen. I

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Lenin« WNwe hält politische Reden

Moskau, 3. August. (Drahtbericht.) Krupskaja Lenin, die Witwe Lenins, die sich im Jahre 1925 mit der Opposition solidarisch erklärt hatte, hielt auf der hier tagenden gemelnsamen Kon­ferenz des Plenums des Zentralkomitees und der Zenttalkontrollkommisston der Kommunisti­schen Partei eine Rede, in der sie zum Moder­zusammenschluß der Pattei mit der Opposition und zur Unterstützung des Zenttalkomitees aussordette.

<8'n polnisches Attentat.

Straßburg. 3. August. (Drahtbericht.) Der Kühler Polizeikommiffar ist das Opfer eines politischen Attentats geworden. Er wurde von

zweit Männorn überfallen, die ihm erhebliche Kopfverletzungen boibrächten. Einer der Täter konnte fostgenommen werden, während der an­dere über die nahe Grenze flüchten konnte.

Der 3tuf nach Berlin.

Eine wichtige Ministerbesprechung.

(Eigener Drahtberlchi.)

Berlin, 3. August.

Alle aus Urlaub weilenden Reichsminister sind zur Teilnahme an einer Regierungs- Besprechung nach Berlin berufen. Die Kabi­nettssitzung wird der allgemeinen politischen Lage und den Vorbereitungen zur September- Tagung des Völkerbundes gelten.

Kemal Pascha zahlt.

Anerkennung der Borkriegsschulden.

(Pttvat-Telegramm.)

Angora, 3. August.

Tie Türkei hat die Anerkennung sämtlicher Borkrregsschukdcn und Borkriegsanleihen des bankerotten ehemaligen türkischen Reiches be> schloffen. Ter Zinsendienst der alten türkischen Schuld wird bereits im kommenden Monat wieder ausgenommen.

Eoolidge tritt zurück.

Seine neue Kandidatur für 1928.

(Tunt Funkspruch)

Newyork, 3. August.

Präsident Coolidges Erklärung, daß er nicht die Absicht habe, sich für die Präsidentschafts- Wahl von 1928 als Kandidat aufstellen zu las­sen, wurde vom Präsidenten den Preffevertre- tern ohne jeden Kommentar gegeben. Der Er­klärung find Beschlüffe von über dreißig Lan­des-Organisationen der republikanischen Partei vorausgegangen, die sich gegen die Wiederauf- stellung Coolidges gerichtet haben.

Bratkanu verhandelt nicht.

Eine Botschaft an Prinz Carol.

(Privat-Telegramm.»

Bukarest, 3. Augast.

Der Regentschastsrat hat durch den Botschaf ter in Paris dem Prinzen Carol eröffnen las­sen, daß er Verhandlungen irgendwelcher Art über die Frage des Thronverzichtes ablehncn müsse. Der R«entschaftsrat trifft Maßnahmen legen eventuelle Ueberrafchungen. Die Korps- Kommandanten sind für Freitag nach Bukarest berufen.

Bei den Schwarzen.

Was ich im Jubaland erlebte.

Von

H. A. Aschenbotn.

Settcftant'dte Rächte bei de« Schwane«. Weihe «ad ichwarze Schosbeitstookurrc«,. Wie sie die Deutsche« betrüge«. Schwarze Idylle vom Zug« a«S. Wie sich die Ordensbrüder umstelle«.

Vormittags kam unser Dampfer, der den |neuen italienischen Gouverneur an Bord führ- «te, in Maffaua, der Hauptstadt des JubalandeS an. In der Stadt sah es ein bischen durcheilt- ander ans, und der Flaggenschmuck deckte nicht ganz die zerbröckelnden theatralischen Fassaden. Aber man entschuldigt alles mit einem Erdbeben vor drei Jahren. Der Empfang der neuen Landeshoheit war großartig. Ich wurde unge­mein zum mindesten was die vielen Unifor­men anbetraf an eine Aufführung derLu­ftigen Witwe" erinnert. Es war etwas warm an diesem Tage, gegen 70 Grad Celsius, und wir versuchten, gekühlte Getränke zu erhalten. Aber das war nicht so einfach, denn angeblich sollten auch die Gefrieranlagen beim Erdbeben zerstört worden sein. Ich glaube, die Leute renommierten ein wenig. Gern wären wir, wie wir es uns an Bord vorgenommen hatten, ins Inland ge­fahren, aber dgs war nicht möglich. Ein Erd­rutsch hatte den Bahnkörper einige Kilometer lang ein paar hundert Meter in die Tiefe der Täler verschoben. Aber die schönen Rächte in Maffaua entschädigten uns für den erzwungenen Aufenthalt. Einen besonderen Anziehungspunkt für uns bildeten die Bazare, und überhaupt er­lebten wir allerlei Interessantes. Manches er­innerte mich an den Negerstaat Liberia, wo der Herr Postdirettor in Monrovia die Marken sammelte, die auf den zur Beförderung abgege­benen Briefen klebten. Das Leuchtfeuer hatten ste dort ...mit einer Zeltplan verhängt, denn die Scheiben waren bei irgendeiner Gelegenheit zerplatzt. Es war also nichts zu machen. In den italienischen Kolonien gibt es aber noch an­dere Leuchtfeuer, ich meine damit jene brennen­den Lämpchen, die eine gewisse Kategorie von farbigen Damen auf Befehl des Gouverneurs in der Hand tragen müssen, wenn ste des Nachts in den Straßen lustwandeln. Es sind das Da­men, mit denen man eigentlich nicht sprechen darf, wenngleich die Herren Italiener anschei­nend anderer Anstchr sind. Ich sah die italieni­schen Offiziere mit ihren

farbigen Freundinnen auf der Promenade, sah sie stch grüßen und unterhalten mit ihren Kameraden und deren weißen Frauen. Also gleichberechtigt vielleicht sogar überberechtigt nach Dem Rechte des Schöneren. Denn was Ge­sichtszüge, Gestalt, Anmut der Bewegungen be­trifft, stellen die farbigen Schönen die Italie­nerinnen weit in den Schatten. Nach dem Ju­baland zu schließen, muß Italien fabelhaft reich fein. »Das Jubaland, das haben wir ja jetzt! Das italienische Jubaland! Baumwoll­land! Große Zukunft! Fluß mehrere hundett Meilen schiffbar! Tie paar kleinen Stromfchnel- len in der Mitte sind leicht zu beheben! Ja, ja, das Jubaland!" Und die Hände arbeiten in der Luft herum, der ganze Kerl zappelt vor Stolz unv Freude. In Wahrheit liegt Der ganze Reichtum des Landes vereinigt in den Händen von einigen Indern. In italienischen Ko­lonien ist man überaus zuvorkommend gegen Ausländer, auch gegen die Deutschen. Aber hin­ter dem Rücken, da steht die Sache anders aus. Haben Sie eilige Waren aus dem Zollamt und Ihre italienische Konkurrenz ebenfalls, so be- kommt letztere sie sicher vierzehn Tage früher. Aber dafür hat Ihre Sendung vielleicht etwas von der heißen gönne oder zufällig vom Regen gelitten. Alles macht der Italiener dem Frem­den nach. Er traut ihm eben mehr zu als sich selber. Haben Sie einen neuen Erportzjveig gefunden, seien es alte Knochen oder Wüsten­sand. sofon mach« ein Italiener das nach. Reh­men wir an. Sie verladen heute zwanzig Säcke Wüstensand nach Genua, so gehen bestimmt mit demselben Dampfer weitere vierzig Sacke ab mit folgendem Begleitschreiben. .Sie erhalten an- bei vierzig Sack Sand Signor E. sandte mit selbem Dampfer 20 Sack Sand nach Genua. Er­kundigt Euch nach Empfänger und bietet zum halben Preise an."

Das nennt man Geschäft!

Bei einem Abstecher ins Land ging es fünfzehn Kilometer langsam eine rote riesige Sanddüne hinan. Ab und zu konnte man einige weidende Kamele und viel Dornbusch beobachten. Am Le­opardenfluß, dessen Weite flache Ufer mit Wirkli­chen großen Feldern bedeck: sind, die aber Ein­geborenen gehören, (für sich arbeiten die Leute swon) machten wir ausgiebig Rast. Bevor der Zug pfiff, gossen wir uns noch einige Gläser feurigen Jtalienerweins iu die Kehle und schien-