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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 179. Amtliches Organ der Stadt Kaffel. Mittwoch, 3. August 1927. Amtlicher Organ der Stad« Staffel. 17. Jahrgang

Stalin kündigt Rußlands Krieg mit England an.

Wie nun len SM WM ntMi.

Die Vollsitzung der Konferenz ans Donnerstag festgesetzt. Plötzliche Abberufung der amerikauischen Delegation?

Genf, 2. August. (Drahtbericht.) Die Voll­sitzung der Marinetonserenz ist nun endgültig aus Donnerstag nachmittag 3 Uhr angesetzt worden. In der Lage scheint sich nichts geändert zu haben. Die aus Washington erhaltenen In­struktionen bestätigen oder, wie es scheint, ver­stärken sogar den Standprmkt der amerikanischen Delegation. Die britisch« Delegation verharrt ihrerseits aus der von ihr eingenommenen Stel­lung. Die Versuche der japanischen Kommission, zu einem Kompromiß zu gelangen, haben zu keinem Ergebnis geführt. Zwischen der briti­schen und L« amerikanischen Delegation besteht noch immer eine Differenz betreffend die Kreu­zer zweiter Ordnung, ob 7500 oder 8500 Tonnen, und deren Bewaffnung. Wenn nicht im letzten Augenblick etwas uner­wartetes eintritt, so Hai man unter diesen Um­ständen den bestimmten Eindruck, daß die Voll­sitzung am Donnerstag die letzte sein wird, und daß man in diesem Augenblick Erklärungen über die Gründe vorbereitet, aus denen sich die drei Stationen, die an der Konferenz teilneh­men, in aller Freundschaft trennen werden, ohne zu einem Ergebnis gekommen zu fein, aber mit dem Vorbehalte, »ns die Frage der Marinrab- rüstung zurückzukommen.

Flottenbau-Felertage.

Wie man den Genfer Mißerfolg vertuscht.

(Eigener Drahtbericht.)

Washington, 2. August.

In verantwortlichen Kreisen wird der Ge­danke erörtert, einige der unerwünschten Fol­gen des Genfer Mißerfolges durch eine Art Flottenbaufeiertag zu beskitigen.Nach allgemeiner Auffassung in Washington ist der Gedanke der Prüfung wert, erscheint aber nicht als geeignet, in einem Vertrag niedergelegt zu werden. Fer­ner könnte der AusdruckFlottenbau-Feiertag" nicht auf die Bereinigten Staaten angewendet werden, die auf jeden Fall zu einem Baupro-

gramm verpflichtet seien. Es würde daher nichts anderes möglich sein, als daß die briti­sche Regierung mitteilen würde, daß sie nicht über ein- bestimmte Periode hinaus ihre See­macht verstärken würde, gegen eine entsprechen­de amerikanische Erklärung, daß Amerika nicht über eine bestimmte Flottenstärke hinaus bauen werde. Dies würde aber keine rechtlich binden­de Abmachung sein.

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vlvtzttkver Rückzug Amerika«?

Paris, 2. August. (Drahtbertcht.) Wie der Genfer Korrespondent derChicago Tribüne" meldet, hat der Vorsitzende der ammikanischcn Delegation der Dreünächte Sevabrüstungskonse- renz gestern unmittelbar aus Washington die WEung erhallten, sich von der Konferenz un­verzüglich zurückzuziehen.

Rußland gegen England.

Kriegsprophczeiungen in Moskau.

(Eigener Drahtbericht.)

Moskau, 2. August.

Stalin hielt eine fett langem angekündigte Rede vor dem Moskauer Sowjet. Er sagte: Der Krieg liegt nicht nur im Bereich der Mög­lichkeit, sondern wir stehen vor seiner Wahr- fcheinkichkeit. Großbritannien ist in der ganzen Welt gegen uns. Wenn in Gens die Marine­verhandlungen scheitern, dann ist für England der Weg frei, uns auch maritim einzuschlirtzen.

* * *

Starke russische V'vpoganda.

London, 2. August. (Drahtbericht). Daily Telegraph weiß von einer außerordentlich re­gen Tätigkeit der Moskauer Regierung in Af­ghanistan zu berichten. Es ist Sowjet-Ruß­land sogar gelungen, zu erwirken, daß die Organisation des Luftverkehrs in Afghanistan russischen Piloten anvertraut wurde.

W0000 MIM OMUlOi ItMM.

Was die Aeberschwemmung in Indien vernichtete.

London, 2. August. (Funkspruch.) Wie aus Bombay gemeldet wird, übersteigt der Schaden, der durch die veberschwemmungen in Vorder­indien angerichtet wurde, eine Million Sterling. Ueber hunderttausend Menschen sind obdachlos. Vierzig Prozent der Baumwollernte, vierzig Prozent der Getreideernte und zwanzig Pro­zent der Tabakernte wurden zerstört.

Frunge Lavasälle.

Der Besuch beruhigt sich wieder.

Neapel, z. August.

Der Direktor der Besuv-Warte machte sol- gende neuen Mitteilungen: In den letzten vier-

undzwanzig Stunden hat die Eruptiv-Tätigkeit des Vesuvs erheblich abgenommen, während die Lava-Ausströmungen zunrhmen. Im westlichen Viertel bewegt sich der Hauptftrom der Lava mit einer Geschwindigkeit von fünfzig Zenti­meter in der Sekunde und erreicht durch einen unterirdischen Gang den nordöstlichen Krater­rand. Beim Abstürzen in das Infernotat bildet die Lava zwei prachtvolle feurige Lavafälle von etwa vierhundert Meter Länge, die von Zeit zu Zett durch Rebenflüffr miteinander in Verbindung treten. In der Talebene breitet sich die Lava aus und erstarrt auf dem AuS. flußgebiet vom letzten November.

Rumäniens Gefahren

Bratianu und fein unsichtbarer Gegner.

In Rumänien scheint doch nicht alles so in Ordnung zu sein, wie es von amtlicher Stelle aus geschildert wird. Zwar ist die Beisetzung des verstorbenen Königs würdig und ohne De­monstrationen vor sich gegangen, auch der Wech­sel aus dem Throne vollzog sich in Ruhe. Trotz­dem kann man aber nicht sagen, daß Rumä­nien nicht der Gesahr einer Erschütterung aus­gesetzt ist. Die Zusammenstöße, die in einer siebenbürgtschen Stadt zwischen Anhängern des Exkronprinzen Carol und den Regierungstrup­pen stattsanden, sind gewissermaßen als Signal dasür zu bewerten, daß Herr Bratianu er ist heute der eigentliche Diktator Rumäniens mit einem starken Gegner zu ringen hat, der zwar augenblicklich noch nicht sehr sichtbar in die Erscheinung tritt. Man kann die Situation ver­gleichen mit einem vulkanischen Gebiet, in dem u"ter grünen Auen der Feuerbrand schwelt, uh. Rnes Tages durchzubrechen und alle die zu vernichten, die ohne Besorgnis aus dem Raje» sich tummelten.

Die Lage hat insofern nach zwei Richtungen hin eine bedeutende Erschwerung erfahren, als inzwischen de latente Konflikt, her zwischen der Königin-Wittt Maria und dem allmächtigen Ministerpräsid.nten Bratianu seit langem be­stand. Solange König Ferdinand lebte, konnte die ehrgeizige Königin die Regierung führen. Im Namen des Königs wurden alle ihre Plane Verwirklicht. Sie war der eigentliche Träger der rumänischen Politik und nicht zu Unrecht hat sie der frühere österreich-ungarische Außenminister Graf Ottokar Czernin, der als langjähriger Gesandter der Doppelmonarchie die Verhältnisse in Rumänien mit offenen Augen studiert hat und einer der scharfsichtigsten Diplo­maten der Vorkriegszeit gewesen, sie als den einzigen Mann- Rumäniens bezeichnet. Man kann es verstehen, daß diese Frau, so plötzlich aller Macht entkleidet, einen so unglücklich zu­sammengesetzten Regentschastsrat, der sich mehr von Herrn Bratianu regieren läßt, als daß er selbst regiert, nicht ruhig hinnehmen will. Man kann daher den Gerüchten ruhig glauben, die heute schon von erheblichen Differenzen zwischen der Königin-Witwe und Bratianu berichten.

Dieser Umstand allein hätte aber sicher noch nicht genügt, um eine akute Gesahr für Rumä­nien bervorzurufen. Viel schwerer fällt ins Gewicht die Erklärung, tn der der ehemalige Kronprinz von Rumänien, der sich in einem Vorort von Paris aufhält, seinen Thronverzicht widerruft und auf sein Recht pocht,persönlich zu intervenieren*. Dieser Schritt des Erkron- prinzen mutz tn ganz Rumänien wie ein Fanal wirken. Es besteht ketn Zweifel darüber, daß die Anhängerschaft des Prinzen Carol in Ru­mänien noch sehr bedeutend ist. Wie anders hätte sonst das Gewaktregime erklärt werden können, da- die jetzige Regierung führt. Wenn nun die Parteigegner des Exkronprinzen durch die Erklärung der Zurücknahme des Thronver­zichts neue Ermutigung bekommen und ein Ztel sehen, für das sie zu kämpsen in der Lage sind, und dessen Verwirklichung nicht allzu aussichts­los erscheint, so kann man annehmen, datz eines TageS doch der Versuch gemacht wird, dem Ex- kronprinzen den Thron wieder zurückzuerobern. Zwar betont Prinz Carol in seiner Erklärung, daß ihm der Gedanke sernliege, in seinem Lande irgend eine Aktion zu entfachen. Gleich darauf aber stellt et fest, daß et durch Personen und Mittel dazu gezwungen worden fei, auf seine Rechte zu verzichten. Gerade diese Tatsache muß in Rumänien besonder« ausreizend wirken. Sie ist geeignet, dem Entthronten in seinem Volke auch Sympathien bei Bevölkerungsgruppen zu verschaffen, die ihm gegenwärttg noch voreinge. nommen aeaenüber stehen.

Zwar bat Herr Bratianu augenblicklich die Macht fest in Händen. Mit einem Terror son­dergleichen unterdrückt er alle«, was nicht in die Linie seiner Politik paßt. Gefängnis und Zen- für müssen dazu herhalten, im Lande die Ruhe zu bewahren. Nichtsdestoweniger aber steht die Macht DratianuS auf tönernen Füßen. Die Mehrheit, die das Regime Brattanu unterstützt, ist ein Produft typisch rumänischer Wahlmache und kann nicht als Erponent des Volkswillens angesehen werden. Die Zeit arbeitet sicherlich für den Srkronprinzen und eS ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß er eines Tages in die Lage kommt, dem Wunsche seines Volkes zu gehor­chen und seinem Rufe zu folgen. H. Feind,

* * *

Gand für die Augen Europas.

Eine Meldung, die die Zensur passiert hat.

Bukarest, 2. August.

Tie in Paris veröffentlichten Erklärungen des Prinzen Carol haben auf die öffentliche

Meinung in Rumänien keinen Eindruck ge- macht. Die Thronfolgefrage wird als endgülttg gelöst betrachtet und niemand denkt daran, einen Appell an den Prinzen zu richten. Was in die- fern Augenblick die rumänische Oeffentlichkeit beschäfttgi, sind die Fragen, die mit der end- Ä Konsolidierung des Lande« in jeder ng zusammenhängen.

v V *

Die Seit muß erst reifen.

Berlin, 2. August. (Drabtbericht.) In der Berliner rumäifchen Kolonie rechnet man da. mit, daß noch einige Monate vergehen werden, bis Prinz Carol feine Anfprüch« persönlich in Rumänien zu vertreten in der Lag« fein wird.

Gegen den Friedenövertrag?

Kampf um die Wiener Gemrindeschutzwache.

(Eigener Drahtbertcht.)

Men. 2. August.

Zu einem Schritt der Großmächte gegen die Aufstellung der Gemeindeschutzwache schreibt die Seite Freie Presse": Tatsache ist, daß die in­teralliierte Militärkontrollkommission sich an das Bundeskanzleramt mit einer Anfrage über

diese Sache gewendet hat und besonder- die Frage beantwortet zu wissen wünscht, ob eS fich bei der Aufstellung der Gemindeschutzwache um eine vorübergehende oder eine dauernde Ein­richtung handelt. Bundeskanzler Dr. Seipel wird morgen diesbezüglich eine Aussprache mit dem Bürgermeister von Wien, Seitz, haben, und von dieser Aussprache bezw. von der «ntwott, die der Bundeskanzler der Milttärkontrollkom- mission geben wird, wird es abhängen, ob und welche Schritte ausgrund beS Paragraphen 123 des Friedensvertrages von St. Germain seitens der Kommiffon bezw. der ihr vorgesetzten Pa­riser Instanzen unternommen werden.

(Segen Vie Teuerung.

Kinder in kommunistischen Umzügen.

Berlin. 2. August

Die Kommunisten protestierten gestern in der Reichshauptstadt gegen die Teuerung und für die Sowjetisierung Deutschlands. Die Umzüge fiterrten ganze Stratzcnzüge bis aus die Tauer einer halben Stunde. Man sah Hunderte von Kindern in den Zügen, ohne daß die Polizei einschritt. Groß war die Erregung der Ge­schäftsleute in den von den Zügen passierten Straßen.

Sensation.

W»e man in Amerika Zeitungenmacht." 1 Von ]

Erich Gold- ehmidt.

Der Leitsatz der Dollarprcffe. I Wie die Gesinnung entwertet wurde. / Die Penini-Blätter. I Journa­lismus auf dem lausende» Baud. I Der Redakteur durch depProbeleser" adgeschasst. I Geistlich«

Seetor.

»Mit Gesinnung ist kein Geschäft zu machen.' Wenn die Redaktionen der großen amerikani­schen Tagesprefle nach einem Motto suchen würben, das ihre Ideologie in einem Satze auszubrücken vermag..., man könnte ihnen diese wenigen Worte empfehlen. Denn das ist ihr leitender Grundsatz, und die unglaubliche Konsequenz dieses Prinzips, die deutlich in dieser Richtung verlaufende Entwicklung, die eigenartigen Wandlungen und die Stagna­tion der heutigen amerikanischenGeschäfts- presse" sind klar ersichtlich. Allerdings, auch die amerikanische Zeitung hat andere Zeiten ge­kannt. In ihrem Werden war sie mit jeder Faser .Gesinnungspresse"; sie war Kampf­organ; sie verfocht eine Ueberzeuguug, die durch lein« Kompromisse und keine Zugeständnisse ge- trübt war, ganz gleichgültig, welche geschäft­lichen Konsequenzen daraus folgten. Und dies in einer Zeit, in der es unter Umständen le­bensgefährlich war, in aller Oeffentlichkeit Ue- berzeügungen zu verfechten, weil der Revolver noch dicht bei der Feber lag. Damals waren Gesinnung und extreme Intoleranz nabe bei­einander, und ein nicht entschiedener Meinungs kampf suchte vielfach nach radikaleren Mitteln. Mehr als ein amerikanischer Zeitungsmann hat seine journalistische Unabhängigkeit und Meimmgssreiheit bezahlen müssen. Seitdem aber hat sich die Ideologie und Grundlage der amerikanischen Presse Von Grnnd aus geändert schwand die idealistische Note, die ihr tn ihren Ansängen anhaftete. Die Entwicklung zur Ge- schästspress«,

zum reinen Erwerbsunternehmen, fetzt mit dem Aufkommen der sogenannten Pennh-Presse ein. Eines der ersten Penny- Blätter war die .New Fort Sun", deren Pro­gramm bereits weniger enthusiathisch lautete: ES ist die Ausgabe des Blattes", so schrieb sie, der Oeffentlichkeit zu einem für jeden er­schwinglichen Preis alle TageSneuiAeiten zu bieten und gleichzeitig eine vorteilhafte Gele­genheit für Anzeigen zu fein," Damit wurde mit einem Schlage die Tagesneuigkeit, die Nach richt, die Sensation in den Mittelpunkt der amerikanischen Zeitung gestellt. Aus geschäft­lichen Gründen. Denn die neuen Zeitungs­männer suchen eine marktgängigere Ware als es di« Gesinnung ist; sie finden sie in der Nachricht, int alltäglichen, interessanten, aufregenden Geschehnis. Sie finden damit auch eine billige Ware, die auf Gottes Erbbooen umsonst wächst, solange nämlich der Himmel überhaupt etwas geschehen läßt. Es bedarf nur genügender Neporterstäbe,

die Tag und Nacht unterwegs sind, um all« Neuigkeiten aufznsammeln, es bedarf nur genügender Telegraphendrähte, um auch in aller Herren Länder auf dem Laufenden zu bleiben. Die neuen Zeitungsmänner finden ferner in der Nachricht eine formbare Wate, die sich, ohne die Wahrheit zu trüben, so ab» fassen läßt, daß sie alle Leser mter-stiert, Leser­massen anzieht. Sie enthebt die Zeitung eige­ner Stellungnahme, weil sie in neutraler Ma­nier aufgezogen werden kann. Und e3 ist eine für die amerikanische Zeitung typische Tatsache, baß jede kritische Stellungnahme zu einem Er­eignis, beispielsweise zu etnent Selbstmord und dessen Motiven, außerhalb -der Zeitung stehenden Personen tn den Mund gelegt wird. Eine amerikanische Zeitung wird nicht schrei­ben: .Unserer Ansicht nach geschah die Tat im Zusammenhang mit der kürzlichen Steigerung der Lebensmittelpreise" sondern sie wirb schrei­ben:Wie die Witwe des Toten vermutet, ge­schah die Tat aus Nahrungssorgen, zumal die Lebensmittelpreise in letzter Zeit doch wieoer so gestiegen wären." Liegt in der

Mcidung einer eigenen Gestnnug

an sich schon eine Entgeistigung der journali­stischen Tätigkeit, so wird diese Entgeistigung durch die Mechanisierung des Redaktionsbe­triebes noch Wetter geführt. Em:l Dovisat, der kürzlich eine ausgezeichnete Studie über den amerikanischen Journalismus veröffentlichte, zeigt sehr anschaulich, Wie weit hier die Ent­wicklung gegangen ist, wie lehr die Rebaktions- iätigteit arbeitsteilig gestaltet ist, wie sehr ei­genes journalistisches Verantwortungsgefühl ausgefchaltet wirb. Me eine Nachricht in Satz geht, durchläuft sie einen regelrechten Arbeils- gang. Der eine bringt sie, der andere schreibt sie der dritte bestimmt die Länge der vierte die