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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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gitttniner 177. Amtlithe- Organ der Stadl Kassel. SvNNtaq, 31. I«li 1927. Amtliches Organ der Stadt Kaffel. 17. IaÄrqa«g

Neues Konfliktstoff in Oesterreich.

ge-

beiderseitigem

der

*

die zu den Reservistenkundgebungen Anlatz geben haben sollen.

Stadl Lonton hat somit eine Belrästiguig er­fahren.

Nächtliche Debatte

Neuer Konfliktstoff in Wien.

London. 30. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Morningpost meldet aus Nicaragua: Der Kampf der nordamerikanischen Truppen in Ni­caragua wird zu einer Tragödie für das Lapd, das zu vier Fünfteln die Herrschaft der jetzigen Regierung ablehnt. Der Präsident der Repu­blik Nicaragua unterzeichnete ein Dekret, wo­nach alle Landesbewohner, die mit Waffen in der Hand ergiffen werden, standrechtlich zu et- schießen find.

Schanghai, 30. Juli.

fukien ist durch Anschwellen lffer von schweren Uebrr-

Wien, 30. Juli.

Die Debatte im Wiener Gemeinderat über die Gemeindeschutzwache dauerte die ganze Nacht bis heute früh sechs Uhr und war von stürmischen Szenen begleitet. Namens der christ­lich-sozialen Oppositon sprach Gemeinderat Kunschak, der den Bürgermeister des Wortbru- chrs bezichtigte, weil dieser erklärt hatte, daß die neue Gemeindeschutzwache nur für die Tage der Gefahr errichtet werden solle. Nun solle die rote Gemeindeschutzwache zur ständigen Einrich tung werden. Wenn der Gemeinderat diesem Anträge zustimme, desavouiere er den Bürger­meister. Um selbS Uhr morgens wurde ein An­trag auf Schluß der Debatte angenommen. Die christlich-soziale Minderheit verließ den Sit­zungssaal unter ungeheurem Krawall. Der An­trag auf Aufstellung einer Gemeindeschutzwache wurde unter Protest der Minderheit hierauf angenommen.

Erdbeben in Nordamerika

Washington, 30. Juli. (Drahtbericht.) Ein heftiges Erdbeben wurde gestern vom SeiS-no- graphen der Georgestown Universität verzeich­net. DaS Beben hatte seine höchste Stärke um 1152 Uhr vormittags, das Zentrum des Erd­bebens fei ungefähr 3700 Meilen südlich von Washington.

Armes Shlna!

Eine neue Ueberfchwemumngs-Satastrophe

Eoolibge lehnt ab.

Die englischen Vorschläge unannehmbar.

(Durch Funkspruch)

Newyork, 20. Juli.

Amtlich wird bekanntgegeben, daß der Prä­sident Coolidge der Ansicht ist, daß die Vereinig­ten Staaten die Genfer Vorschläge Großbri­tanniens nicht annehmen können, da ihre Folge fein würde, daß die Nationen sich noch größere Kriegsflotten zulegcn würden als bisher.

fckgvemmungen heimgesucht worden. Die Zahl der Ertrunkenen wird verschiedenUich mit 10 00l angegeben. Die Zahl der Obdachlosen beläuft sich auf über 100 000. Ganze Städte und Ort schäften werden als zerstört gemeldet.

Leere Ausflüchte.

' Verantwortungslose Kneiferei der Entente.

Im englischen Parlament bat bekanntlich der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Lampson auf eine ofseickar von der Regierung selbst gestellte Anfrage über den Stand der deutschen Abrüstung und die Aussichten der Räumung des besetzten Gebietes eine Antwort erteilt, die für Deutschland nicht gerade erfreu­lich geklungen hat. An zuständiger deutscher Stelle ist man vorläufig noch sehr zurückhal­tend und begnügt sich mit der Erklärung, daß die Wiedergabe der Aeutzerungen Lampsons wohl in dem kurzen Reuterauszug nur ungenau und mißverständlich seien.

Das wehrlose London.

Ergcbniste der englischen Luftmanövcr.

(Eigener Drahtbericht.)

London. 30. Juli.

Sie englischen Luftmanöver find Planmäßig zu Ende gangen. Jnsgefamt wurden 105 An­griffe auf London ausgeführt, und zwar w'»d die Hälfte der Angriffe als erfolgreich gerne! bet, wie auch zu erwarten war. Der Plan zum weiteren Ausbau der Luftverteidigung der

Die Tragödie der Republik Nicaragua

Die Union drückt mit Gewalt die MinderheitSregiernng durch

Bor weiteren Bcschlüffeu der Alliierten.

Berlin, 30. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die Militärattaches der alliierten diplomati- fchen Vertretungen in Berlin sind wieder nach Paris gereist Wie das Pariser Journal mel­det, will der Botschafterrat die Militärattaches anhören, bevor et weitere Beschlüsse faßt, hin­sichtlich der Durchführung der Entwaffnungs- vervflichkungen in ber Frage btr deutschen Polizei und der illegalen Organisationen mit militärischer Gliederung in Deutschland.

Politik und Küche.

Auch eine Anschlußfrage.

Bei der Auseinandersetzung über daS An­schlußproblem ist das Wort geprägt worden, der Oesterreicher sei weichlich und haltlos, zu­frieden, wenn er nur sein Backhendel und fei­nen Apfelstrudel habe. Und man folgert nun, daß ein verweichlichtes, energieloses Oester- reich noch nicht reif fei für den Anschluß. Also steigen Backhendel und Apfelstrudel in ihrer vermeintlichen Eigenschaft als Nationalgerichte tu internationaler politischer Bedeutung aus. Und es ist an der Zeit, sich mit der Stellung, die sie solcherari im Konzert der Völker ein­nehmen, gebührend zu beschäftigen. Hören wir, was sich zu diesem seltsamen Thema sagen läßt

In dem Augenblick, da der Volksküche poli­tische Bedeutung beigemesien wird, fetzt man ihr« Abhängigkeit vom Volkscharakter voraus. Ist die Annahme einer solchen Beziehung ge­rechtfertigt? Viele Anzeichen scheinen daraus hiinuweisen. Die norddeutsche itnb die eng­lische Küche sind allerdings nicht deshalb so be­rühmt schlecht, weil auch die Volkscharaktere „schlecht" sind. Eine solche Auslegung wird sich kein Norddeutscher gefallen lassen. Vielmehr ist die Schuld an der schlechten Küche der Nüch­ternheit des Norddeutschen zuzusprechen, die dem Volkscharakter Wohl, der Küche aber We­niger zugute kommt. Die Norddeutschen und die Engländer sind sachliche Menschen. Sie ken­nen die üblichen GrundstLsfe der Küchenkunst und verlangen, daß Schwein nach Schwein, Rind nach Rind, Kartoffel nach Kartoffel schmecke. Sie denken garnicht an die Möglick- keit, daß ein nach anderer Art zubereitetes Rind zwar nicht mehr nach Rind, aber dafür besser als Rind schmecken könne. Ihre Natio­nalgerichte verraten einem Blinden «aus den ersten Bissen den Ursprung. Das Eisbein be­kennt sich zum Schwein, das Beefsteak zum Rind. Rot ist rot, grün ist grün.

Nüchternheit der Küche und des BolkscharakterS der sich, wie der „belle Berliner", kein X für ein U vormachen läßt. Wir wissen dagegen, daß die westlichen Nachbarn, die Franzosen, Meister in der kulinarischen Kunst sind, auS Rindfleisch Hummer und aus Hummer einen Pudding zu machen. Die Aspiranten ihrer Kochkunstakaidemien müssen bei ihrer Meister­prüfung aus einer Sorte Fleisch, sagen wir aus Kalbfleisch, eine ganze Speisekarte ein­schließlich Geflügel und Fisch Herstellen können, Die Annahme liegt also auch hier nahe: Volks­küche — Volkscharakter. Der geistig bewegliche Franzose setzt sich über kleine Hemmungen sine lend hinweg, es kommt ihm auf den Enderfolg nicht auf das „Wie- an. Wenn die Leherpaste­te nur nach Leberpastete schmeckt, dann kann sie auch aus Haferflocken mit Leberthran gebacken sein... Obwohl hier­mit die eingangs erwähnte Formel also schon bewiesen scheint, bestreite ich ihre Richtigkeit, weil sie zu sehr auf Aeußerlichkeiten fundiert ist. Nehmen wir an, daß im tiefften Urwald Au­straliens ein VöMein lebt, das im Grunde ebenso nüchtern veranlagt ist wie der Berliner. Es wird trotzdem nicht Eisbein mit Sauerkohl oder ein bodenständiges australisches Fischfilet essen, sondern eS mit Hilfe aller möglichen Wurzeln und Samen, die üppig im heimischen Urwald sprießen, verstehen, den Urstoffen aus den landesüblichen Fleischarten tausenderlei pikante Nüancierungen zu geben. Es braucht ja nur zu nehmen, was es hat und stehl sich keineswegs dazu veranlaßt, indische Kapern und bulgarisches Rosenöl zu importieren. Da­mit nähern wir un» schon dem

Kernpunkt aller Küchenfragen, den wir auch in unserem alten Europa sehr wohl herausschälen können. Die Ungarn, dl« vor taufend Jahren au8 irgend einer asiati­schen Gegend eingewandert sind, haben, waS den VolkScharakter anbelangt, gewiß sehr we­nig mit den Balkarwölkern zu tun. Trotzdem ähneln sich die nationalen Kuchen im Südosten Europas wie ein Ei dem anoeren. Das all Soldatenspeise zur internationaler Berühmt­heit gelangte ungarische .Gulhas* (gewöhnlich Gulasch benannt), dem unter ber Bezeichnung „Xocana“ am Balkan nicht minder zugespro­chen wird, besteht im Grunde aus dem Fleisch des RindeS, das ebenso gut irgendwo in Meck­lenburg hätte gedeihen können. Aber Gewürze aller Art, Zwiebel, Knoblauch, Paprika, Pfef­fer usw. machen es zu einer üppigen Ge- tchmackssinfonie, in der der fade Grundton bei braven Rindes nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Wie entstand dal Gulhas? Die Bauern ber Pußta wie der walachifchen Tief- l ebene und des Kossewovolfe schlachteten, unab­hängig voneinander, ihre Ritcker, zerhackten

I sie m mundgerechte Bissen und würzten mit den Gewürzen, bmie aus ihrem Boden gebie«

IN ber Antwort ber englischen Regierung heißt es u. a.. daß nicht nur die Schleifung der Befestigungen an der Ostgrenze, sondern auch gewisse andere Punkte in der Abrüstung Deutschlands noch offenständen. Demgegenüber muß doch darauf hingewiesen werden, daß in dem Genfer Protokoll vom Dezember 1926, das die Abberufung der Interalliierten Militär­kontrollkommission aussprach, die Abrüstung Deutschlands als beendet angesehen wurde. In dem Protokoll wird nämlich ausdrücklich festge­stellt, daß im Verlaus einer Besprechung am 12. Dezember über die nach Ansicht der Militär- Kontrollkommifsion und ber Botschaftet-Kon- serenz noch in der Schwebe befindlichen Fra­gen mit Genugtuung festgestellt worden sei, daß der größte Teil der mehr als hundert Fragen, die im Sommer noch strittig gewesen waren, durch Verständigung beseitigt worden feien. Nur zwei Fragen standen damals noch,aus: die Qstbssestigungen und das Kriegsgeräte-Gesetz Nachdem auch diese beiden Streitfragen befei-- tigt sind, gibt es überhaupt keine strittigen Punkte mehr.

Es handelt sich heute nur noch um die in beiderseitigem Einvernehmen festgestellte pro- grammäßige Abwicklung einiger Punkte, die aus zeitlichen Gründen nickt so schnell erledigt werden konnten. Da ist zunächst einmal der feste Ein. _a von etwa 15 Küstengeschützen, die bis­her noch fahrbare Lafetten hatten, ferner die Polizeige-setze, die aber von den größeren beut» fchen Ländern inzwifchen auch bereits ange­nommen sind, und fchiießlich die Verwertung der militärischen Gebäude, namentlich die Frage ber Kasernen im Rheinland. Für die Erledigung dieser Einzelheiten ist, wie wir hö­ren, Deutschland eine Frist von fünf Jahren gestellt worden. Die restlose Erfüllung ber letzten Forderungen der Entente kann sich also noch mehr als vier Jahre hinziehen.

Wenn die Erklärung LampfonS in ber ge­meldeten Form vollständig ist, bann stellt sich die britische Regierung damit völlig auf den Boden der französischen These. Die Entente cordiale wäre vollständig: Selbst wenn Deutsch­land völlig abgerüstet ist und seine Wrüstung von den ehemaligen Alliierten und assoziierten Mächten'feierlich anerkannt wurde, kommt die Räumung für die Franzofen und Engländer nickt in Frage, wenn das deutsche Reich seine allgemeinen Bertragsverpflichtungen nicht er­füllte. Der Begriff der allgemeinen Vertrags- Verpflichtungen ist so dehnbar, daß auch die getreueste Erfüllung des auf dem Dawesplan ruhenden Londoner Abkommens nicht unter ihn zu fallen braucht. Wenigstens nach franzö­sischer und englischer Auffassung! Daraus würde erhellen, daß sich die englische und sran- zösische Regierung völlig an den Diktatfrieden von Versailles hält und aus seinem Geiste her­aus Politik treibt. Eine solche Politik ber fran­zösischen und englischen Regierung, die trotz anderslautenider Worte, die man gelegentlick einmal hören kann, Locarno desavouiert, könnte nicht ohne Rückwirkung auf die deutsche Außen­politik bleiben. Nach der letzten Völkerbund- ratssttzung in Genf schrieb die dem Reichs- außenminister Dr. Strefemann nahestehende .Deutsche Allgemeine Zeitung*, daß unser Ver­hältnis zu Frankreich nicht bleiben kann wie es ist, es mutz entweder besser oder schlechter wer­den. Nach den Erklärungen, die wir au8 bei französischen Kammer nickt vernahmen, aber jetzt im britischen Unterhaus >on ber englischen Regierung zu hören bekamen, erübrigt es sich, festzustellen, daß es schlechter geworben ist.

MWettabrUANrücktinweileFerne

Immer noch keine Einigung der drei Machte in Genf / Japan hat kein Geld für ein Wettrüsten zur See.

Fall des Scheiterns in Genf die Admiralität den Neubau von 21 Kreuzern und 49 anderen Einheiten der Kriegsflotte innerhalb 2 JcHren verlangen wirb. Die Vorlage läge schon seit einigen Wochen beim Lord der Admiralletät.

LapanliHe Sorgen

London, 30. Juli. (Drahtbericht.) Daily Mail meldet aus Tokio: Die japanische Regie­rung hat bereits eine Erklärung vorbereitet, die am Montag veröffentlicht werden soll, falls die Genfer Bolkskonserenz zusammentritt. Ter Premierminister und der 9Rarineminifter hegen jedoch die Hoffnung, daß noch immer ein Kom­promiß möglich fein werde. Einem neuen Rü­stungswettlauf würden die Finanzen Japans nicht gewachsen fein.

Milt Mil In MMti M

Neue Reservistenkundgebungen in Nimes / Arbeitsverweiaerung.

Tumulte im Wiener Gemeinderat / Die Sozialdemokraten geben nicht nach

Paris, 30. Juli.

Humanitee berichtet über weitere Refrevisten- kundgebungen in Nimes, wo etwa 90 Reservi­sten des 19. Artillerieregiments wegen schlech­ter Verpflegung die Arbeit verweigert und die Internationale angestimmt haben, und in Gre­noble, wo Reservisten des 4. Pionier regiments Die Internationale gesungen haben. Die Vor­fälle im Reservifienlager Rnchard in ber ver­gangenen Woche sollen nach der Humanttec darauf zurückzuführen fein, daß einem Fami­lienvater der erbetene 48stündige Urlaub ohne Begründung verweigert wurde. Als der Re­servist darauf „Nieder mit dem Krieg" r«f, fei er von einem Offizier geschlagen worden, wo­rauf mehrere andere Reservisten mit dem Rus „Nieder mit dem Krieg! Nieder mit Paul Bon­cour! Nieder mit Painlevc! Nieder tmt dem Äriiefl!" ihm zu Hilfe eilten. Die Kundgebun­gen haben bis elf Uhr abends gedauert. Auf Anordnung des zuständigen Generals haben bte Offisihm ganz die Front abgeschritten, die an den Zwischenfällen beteiligten Refervrsten an­geblich alber nicht wiedererkannt. Gegen einen Buchdrucker in Bourget ist ein Verfahren er­öffnet worden, well er Plakate hergestellt habe,

London, 30. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Den Anlaß zu der gestrigen Zusammenkunft des Kabinetts bildeten ernste Depeschen auS Gens an Chamberlain. Ihr Inhalt wurde nicht be­kannt gegeben, aber es verlautet, daß die bri­tischen Delegierten die Atmosphäre in Genf nicht gebessert fanden. Die Ausnahme der bri­tischen Vorschläge bei ber amerikanischen Dele­gation war alles andere als begeistert. Völker- bundskreise in Genf und in London sind be­sorgt über den drohenden Zusammenbruch ber Seeabrüstungskonferenz. Es herrscht die Emp- sindung, daß, wenn die drei Mächte außerstan­de gewesen sind, sich über ein beschränktes See- abrüstungsabkommen zu einigen, die Aussichten auf eine Vereinbarung von etwa zwanzig Mach­ten über die weiterreichenden Probleme der Landabrüstung fehr fchwach find. Ter Korre­spondent hält es für möglich, daß i»e Völker- bundsversammlung im September beschließen werde, die Weltabrüstungskonserenz aus unbe- stimmte Zeit zu vertagen und daß sie vielleicht sogar zögern werde, die Wiederaufnahme der vorbereitenden Abrüstungskonferenz im No­vember anzuraten.

England rüstet unentwegt Weiter.

Paris, 30. Juli. (Drahtbericht.) Das Pc» ttt Journal meldet aus London, daß für den