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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 174. Amtliches Organ der Stadt Staffel.

Donnerstag, 28. Juli 1927. Amtliches Organ der Stadt Staffel. 17. Iahrqan g

Bleibt das Zentrum im Reichsbanner?

Der Fall Orchies.

Poincare beschwürt die Vergangenheit.

Unter den Berichten, die die deutsche Oberste Heeresleitung im Lause des Weltkrieges täglich veröffentlicht hat, gibt es kaum einen, der er­schütternder und grauenerregender wirkt, als jener, der das Städtchen Orchies an der belgisch- französischen Grenze betrifft. In diesem Stadt- chen wurden, so berichtete die Oberste Heeres­leitung, eine Anzahl deutscher Schwerverwun­deter, die man bei einem Rückzug in einem La­zarett hat zurücklassen müssen, bei der Wieder­besetzung des Ortes tot aufgefunden: man harte sie erstickt, indem man ihnen den Mund mit Sägespänen füllte. Mit einet knappen Wen­dung gab der Bericht gleichzeitig zu erkennen, daß Orchies vom Erdboden vertilgt fei: Grauenhafte Tat schwere Sühne! Wer es las, konnte sich eines kalten Schauers nicht er­wehren. Die Tatsache verschwand bald unter so vielen gräßlichen anderen. Wer hat wohl in den letzten Jahren in Deutschland an Orchies gedacht?

Jetzt taucht der Name plötzlich wisper auf. Das Städtchen es handelt sich um eh.zn Fa- brikort, 40005000 Einwohner, Ziegeleien, Zuckerfabriken, Gießereien, Maschinen- und und Treibriemenfabriken u. a. m. ist wieder aufgebaut worden und Poincare hat zur Feier der Wiederherstellung eine Rede gehalten, in der er die Darstellung der Obersten Heeresleitung alsLegende" und den Akt der Bestrafung von Orcyies als eine völkerrechtswidrige Handlung bezeichnet. Es wird hauptsächlich um der eng­lischen und amerikanischen öffentlichen Meinung willen nötig fein, daß die deutsche Regierung eine durch amtliche Berichte und Zeugnisse be­glaubigte Erzählung der in Orchies vorgefunde­nen Greuel verlautbart. Es ist bedauerlich, daß die Erinnerung an solche Schrecknisse wieder ge­weckt wird. Aber es wird unvermeidlich sein. Die Verteidigung Deutschlands muß wie überhaupt die Verteidigung gegen die Wein- schuld Deutschlands am Kriege aus dem Ge­sichtspunkt gesührt werden, daß es die Ehre des deutschen Volkes und des alten Heeres nicht duldet, daß die Vernichtung einer ganzen Ort­schaft vorgenommen worden wäre, wenn nicht eine fo furchtbare Greueltat wie die grausame und raffinierte Hinmordung von Schwerter» wundeten zu einer Abschreckungshandlung ge­zwungen hätte.

PoincarS hat wie stets auch in dieser Ange­legenheit nur als Advokat plaidiert. Es ent­geht ihm und freilich auch manchem seiner Gegner in Deutschland, daß der einzige und eigentliche Hauptschuldige an allen entsetzlichen Ereignissen des Krieges niemals ein einzelner Kriegführender, sondern nur der Krieg selbst ist. Wer den Krieg will, wer ihn herbeiführt, der beschwört ihn auch mit allen feinen Greueln herauf. Ist er erst einmal da, so gibt 68 keine Verteilung der Schuld an den einzelnen Ereig­nissen. Derhumanisierte" Krieg ist eine sehr gefährliche Illusion. Sie bestand noch beim Ausoruch des Weltkrieges und sie war vor allem dadurch hervorgerufen worden, daß die Kriege von 1864, 1866 und 1870. an denen Preu­ßen und Deutschland beteiligt waren, mit einer Beachtung der Regeln geführt worden sind, wie sie seitdem wohl nicht mehr aus anderen Schlachtfeldern vorgekommen ist. Die Genfer Konvention war am 22. August 1864 abgeschlos­sen worden; sie sicherte Schonung und Beband- lung der Verwundeten und Kranken, sie ver­bürgte die Unverletzlichkeit der Aerzte, des Sa­nitätspersonals und der mit dem Abzeichen des Roten Kreuzes versehenen Lazarette. Dieses humane Abkommen ist niemals so gewissenhaft beobachtet worden wie in der Zeit von 1864 bis 1871. Anständige Menschen haben damals wirklich geglaubt, ein Krieg könne mit Mensch­lichkeit und Ritterlichkeit geführt werden. Wäre dieser Glauben nicht noch im Jahre 1914 in Europa so stark gewesen, so wären die Völker schwerlich, um die bekannte Redewendung Lloyd Georges zu brauchen, in den Weltkrieghinein- geschliddert". Gerade die auch jetzt in der Ehrendoktorrede des Botschafters Houghton ausgesprochene Erkenntnis, daß ein moderner Krieg automatisch unmenschliche Greuel hervor- ruft. ist heute ein starker Schutz des Friedens.

Poincarö hat in seiner Orchiesrede alS gu­ter Advokat wieder mal für das Rechthaben gestritten. Seine Aeußerungen werden sicher eine Polemik Hervorrufen. Akten und verschol- lene Berichte, Zeugen, die vielleicht noch leben, werden austauchen. Man soll die furchtbaren Ereignisse nicht verstecken, man soll sie erörtern, aber nicht im Sinne eines kleinlichen Zankes über eine gar nicht vorhandene Verantwortlich­keit der kriegführenden Parteien, sondern um

vor den schauernden Völkern festzulegen, daß es im Kriege nur einen großen Schuldigen gibt den Krieg selbst!

Von besonderer Seite...

DaS Zentrum zum Reichsbanner-Problem.

(Eigen« Information.)

Karlsruhe, 27. Juli.

Die Badische Zentrumspreffekorrefpondenz veröffentlicht über das Verhältnis von Zentrum und Reichsbanner ein« Zuschrift vonbeson­derer Seite", in der es heißt: der Schritt des Reichskanzlers Dr. Marx sei sicherlich von weit­tragender, aber nicht von ausschlaggebender Be­deutung für die Haltung des Zentrums gegen­über dem Reichsbanner. DaS Reichsbanner müsse vor dem Schicksal des österreichischen Schutzbundes bewahrt bleiben, und es werde vor ihm sicherlich bewahrt bleiben, wenn das Zentrum im Reichsbanner bleibt, solange ihm ein Berhleiben nicht unmöglich gemacht werde. Die Frage der Auflösung des Reichsbanners fei diskutabel. Sie zu bejahen dazu sei man jedoch nicht in der Lage. Bleibe das Reichs­banner bestehen und bleiben die Zentrumsleu­te im Reichsbanner, dann müßten Sicherun­gen geschaffen werden, daß es für die Zukunft ein für alle Mal Schluß sei mit Entgleisungen der Reichsbannerführung. In Zukunft dürfen Kundgebungen nur erlösen werden, wenn sie von einem paritätisch zusammengesetzten Vor­stand gegengezeichnet sind. Lasse sich das nicht erreichen, dann scheine ein weiteres Verbleiben von ZentrumMeuten im Pe>ck>sk>"->n<>- --in Ding der Unmöglichleit. Es sei an -er Zeit, aas Herrn Hörfina einmal mit Deutlichkeit zu sagen. Es müssen nicht zuletzt Sicherungen organisa­torischer Art geschaffen werden, damit nicht nach außen hin der Eindruck vorherrschend blei­be, das Reichsbanner sei lediglich eine sozialisti­sche Leibgarde.

Steigende greife.

Die Post gibt das Signal $ur Teuerung. (Eigener Drahtbertcht.)

Berlin, 27. Juli.

Die Allgemeine PreiSwelle geht weiter nach oben. Anscheinend hat die oOprozentige Er­höhung der Post- und Telegraphengebühren das Signal zur Preissteigerung gegeben. Laut Berliner Börfencourier ist bereits eine Preis­erhöhung für deutsche Textilerzeugnisse um etwa zehn Prozent erfolgt. *

. und sinkende Börsenkurse

Berlin, 27. Juli. (Drahtbericht.) Die Rück­kehr Schachts nach Deutschland hat sich sofort in einer neuen Abbrückelung der Kurse an den deutschen Börsen ausgewirkt. Auch die Anleihe- kurse sind von neuem im Rückgang begriffen, an der Berliner Börse befürchtet man allgemein neue Maßnahmen des Reichsbankpräsidenten betr. die ausländischen Reportgelder.

Das Döikerdundprogramm.

Reicht Deutschland kein! Anträge ein?

(Eigener Informationsdienst.)

Genf, 27. Juli.

Im Bölkerbundssekretariat wird die Tages­ordnung für die Tagung im September zusam­mengestellt. Die Frist für Anträge läuft am 15. August ab. Bis jetzt hat Deutschland noch teilte Anträge eingereicht. Man kann deshalb annehmen, daß die Räumungsfrage auch die Septembertagung nicht beschäftigen wird. China ist auf der Septembertagung nicht mehr vertre­ten. Die Gerüchte von einem Wiedereintritt Argentiniens oder Spaniens werden dementiert.

Vormarsch auf Peking.

Englische Verstärkungen in China.

(Durch Fnnkspruch.)

London, 27. Juli.

Aus Schanghai wird gedrahtet: Bier eng­lische Kriegsschiffe mit 3000 Mann Besatzung sind nach Tsingtau abgegangen. Es verlautet, daß auch englische Truppen zum Schutze der Gesandtschaften nach Peking vorrücken sollen.

Bratianu sucht Freunde.

Ein Friedenspfand für Mitteleuropa." (Eigener Drablbericht.)

Bukarest, 27. Juli.

Bei eine« zu Ehren des jugoslavischen De­legierten gegebenen Frühstück sagte Ministerprä scheut Bratianu: Jugoslavien und Rumänien

müßten im Interesse des Friedens auf dem Balkan und in Europa fest zusammenstehen. Uns allen ist der Friede notwendig und zwar der Friede, wie wir ihn jetzt haben und kein an­derer. Der frühere Außenminister JugoslavienS Peritsch erwiderte, die kleine Entente sei ein Pfand des Friedens in Mitteleuropa. Die Konsolidierung der inneren Berhältniffe in Ru­mänien seien auch für Jugoslavien eine Garan- He dafür, daß der Friede nicht gestört werde.

Russische Kriegsdrohung.

Es geht um das Schicksal des Sowjetst rotes.

(Eigener Drahtbertcht.)

London, 27. Juli.

Wie aus Leningrad gemeldet wird, hat bann Stapellaus eines Schiffes in Kronstadt Rykow die Festrede gehalten. Er mahnte das Proletariat zur Einigkeit. Wenn die Sowjet- tegierung in dem nahen Kriege unterliege, so sei für mindestens tausend Jahre die Diktatur des Proletariats erledigt. Die letzten zwei Jahre hätten kein Aufsteigen der rovoluttonä. reit Bewegung außer in Rußland gebracht.

Nicaragua muß bluten.

Hundert Opfer eines Miegerangriffs.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 27. Juli.

Die Hava'Agentur meldet aus Sicaxagua: Flieger der r ^rdamerilanischen Marine-Division tetrorfen i'Jr 7'^1. Leonnii Bomben. Bon den Bewoh.L.it wurden etwa hundert getötet. Darrerfhin gab die Stadt ihren Widerstand ge­gen den Anmarsch nordamerikanischer Truppen auf und öffnete den Truppen die Tore.

Sondtno« Dnzweiflungskompf

Managua, 27. Juli. (Funkspruch.) Marine- soldaten der Vereinigten Staaten und Rieara- guanische Polizeimannschaften hatten einen neuen Zusammenstoß mit Streitkräften des Ge­nerals Sandino in der Nähe von San Fernan, do. Nach einer Mitteilung der hiesigen ameri­kanischen Behörden werden in kurzer Zeit Be­mühungen unterenonrmen werden, die Streit­kräfte Sandinos zu vernichten.

Krieg im Frieden.

London ist gegelt Luftangriffe wehrlos.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 27. Juli.

Der zweite Tag der englischen Luftmanöver hat gezeigt, daß trotz einer guten Verteidigung Londons feindliche Flugzeuge die Stadt bom­bardieren können, und zwar besonders bei be. decktet« Himmel, da in diesem Falle die Wolken meist sehr tief liegen. Gestern konnten zwei Flugzeuge theoretisch den Justizpalast und das Lustschiffahrtsministerium bombardieren. Im Sinne des Manöverplanes befindet sich die eng­lische Regierung noch immer in Manchester, wo­hin sie sofort nach Eröffnung des Luftangriffes geflohen ist.

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Englands Flotte bleibt In der Ostsee.

London, 27. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Am 1. August werden die in der Ostsee ma­növrierenden englischen Kriegsschiffe durch zwei Panzerkreuzer verstärkt. Vorläufig bleibt die englische Flotte in der Ostsee.

Landung am Südpol.

Kühne Pläne des Fliegers Byrd.

(Eigener Drahtbertcht.)

Rewyork, 27. Juli.

Nach einer Erklärung des Ozeanfliegers Btzrd beabsichtigt er, bei seinem Südpolarflug am Südpol zu landen und nicht wie beim Rordpolarflug einfach darüber hinwegzufliegen. Er gedenkt, mehrere Tage dort zu bleiben, nm Studien zu machen. In Sei Sur Mer, wo Btzrd nach seinem Ozeanflug gelandet war, soll ein Denkmal errichtet werden. Es ist eine öf­fentliche Zeichnung in der kleinen französischen Hafenstadt ausgeschrieben worden.

Der Dollar rollt.

Rewyork, 27. Juli. (Drahtbericht.) Eine amerikanische Bankengruppe, der die Inter­national Aeeeptance Bank und die wichtigsten Handelsbanken in Rewyort angehören, Hai auf Anregung des Reichsbankprästdenten Dr. Schacht der Golddiskontbank einen Kredit von 30 Millionen Dollar eingeräitmt

Die Volkskeankhelt.

Kriegs-Nachwehen in unteren Volksschichten. Der Grazer Arzt Prof. Dr. Hart«»»» leigt i» eisern Kackblatt die WeleaSmerkmale einet bisher »»bekannte» Krankheit auf. die er als indirekte Folgeerschei»»»« der Meter nnS liegende» jahrelange» EraährtutgSfchwa»- k»«gen bezeichnet. Der Sorfcher äntzert sich: Zwar fällt bei der Volkskrankheit im An­fangsstadium nur ein Stimmungsumschwung auf, wie er auch t»ti vielen anderen Leiden be» obachtet wird: Der Patient ist launisch und interefselos, unlustig zur Arbeit und klagt ständig über allgemeines Unwohlsein, ohne dieses näher begründen zu können. Bald aber verdichten sich die Symptome zu den ty­pischen Anzeichen von Stoffwechselstörungen: die geringsten Anstrengungen lösen Herzklopfen, Schwindelgefühle und unregelmäßige Atmung aus, die Verdauungstätigkeit ist gestört, die Stimme wird tonlos, und starke Kopfschmerzen machen zu längerer Anspannung der Gedanken unfähig. Diese Merkmale passen nun zu den Krankheitsbüldern zahlreicher Stoffwechsellei« den; die Diagnose auf .Volkskrankheit" trifft erst zu, wenn der Kranke zugleich Völle im Magen und Spannungsgefühle in der ganzen Bauchgegend empfindet, ob­wohl er infolge andauernder Appetitlosigkeit ost tagelang kaum nennnenswerte Nahrungs­mengen zu sich genommen Hai. Diese Span­nungsgefühle dehnen sich bann allmählich auf den ganzen Körper aus, werden immer schmerz­hafter, häufig

guarvoll biS zur Unerträglichkeit.

Der organische Befund der Volkskranlhcit ist eine eigenartige krankhafte Hautve r- änberung. Die Körperdecke erscheint fahl glänzend infolge abnorm starker innerer Span- nung; selbst natürliche Hautsalten, z. B. in der Bauch, und Achselgegend sind ausgeglichen. Schon auf leisen Druck stellen sich tiefe und nach­haltige Rötungen der Haut ein, und während man im gesunden Zustand die einzel­nen Hautschichten leicht gegeneinander ver­schieben kann, wird dieses bei den an der neuen Krankheit Leidenden sehr erschwert. Tie im Abtasten geübte Hand des Arztes fühlt zu­dem einen seltsamen elastischen Widerstand des Oberhautgewebes. das verdickt und ge­quollen erscheint. Diese Quellung ist auf Stö­rungen im Säfte- und Wasserhaushalt des Or­ganismus zurückzuführen. Es offenbart sich da ein eigenartiger Kreislauf in den Zusammen­hängen von Ursache und Wirkung. Infolge gewisser Stoffwechselabnormitäten

staut sich das Wasser im Körper

an; einen Ausweg suchend durchflutet es die oberen Gewebe, und so entstehen die Queller­scheinungen. Dazu kommen dann die chemi- scheu Nachwirkungen aus den Säftestanungen: Die belasteten Gewebschichten gehen allmählich in einen gallertartigen Zustand über, was eine attgemiene Deformation der wichtigsten Haut­gebilde zur Folge hat: Die Poren schließen sich, Mutgefäße und Nervenenden werden ver­lagert. Diese Msperrung verhindert das Aus- schwitzen des angestauten Wassers sowie der überschüssigen, zum Teil schon zersetzten Säfte und ruft dadurch die schmerzvollen Spannungszustände hervor: die Verla­gerung der wichtigsten Leitungselemente ver­ursacht die tiefliegenden Funktionsstörungen in der Verdauung, Atmung und Herztätigkeit. Da diese Symptome in den meisten Fällen be­reits nach kurzer Zeit einen bedrohlichen Cha- ratter annehmen, zudem die allgemeine Wi­derstandsfähigkeit des Organismus bedenklich sinkt, muß sich die ärztliche Behandlung in er­ster Linie mit der Beseitigung der organischen Störungsursachen befassen. Durch individuell angepaßte Massage verdrängt man die krank­haften Wasser- und Säfteansammlungen auS den Oberflächengeweben und belebt di« natür­lichen Funktionskräste der Haut aufs Reue. Schon nach mehrmaliger Massageanwenduna nimmt die Hautspannung ab, ein Zeichen, daß der Ueberschuß an Wasser und SÄten in die inneren Gewebe zurückgetreten ist. Um den Organismus davon zu entlasten, werden als­dann harn- und schweißtreibende Mittel gege« den. Nach sechs Wochen systematischer Be­handlung zeigt die Haut wieder ihre natürliche Beschaffenheit, die Funktionsstörungen sind be- hoben und die Schmerzempfindungen ver­schwunden. Notwendig bleibt dann nur noch eine allgemeine KräftigungSkur zusi Ausgleichung der Schwächezustände. In biefei' Weise sind Krank« gehettt worden, die JaljreO lang an Beschwerden litten, die man erst 11) beugen vermochte, nachdem nunmehr dal) Krankheitsbild derDolkskrankheit" eindeutig beschrieben worden ist. Bei oer BolkSkrankheM lassen die typisehen Anzeichen der Itoffwechseb- störungen, sowie das vorwiegende Vorkoinmetj in den unteren Volksschichten erkennen, daß Dij)