Kasseler Neueste Nachrichten
Di« Raffel« Neuesten Nachrichte» erscheine» wöchentlich sechsmal »achmittasS. D« LbonnelllentSvreis beträgt für den Monat 2.— X bei frei« Aufteilung inS Haus, in der Geschäftsstelle abgebolt 1.80 X. Durch die Post monatlich 2.—< auSschlietzlich ZustellungSStbühr. Verlag und Redaktion Schlachtbosstratze 28/80. fternlorecher 951 und 952. Kür unverlangt eingesanüte Beiträge kann die Re» daktio» eilte Berantworrung oder Gewähr in keinem Kalle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ankvrüche wegen etwaiger nicht ordnungsmähiger Lief«nn« ist ausgeschlossen. Postscheckkonto Kronkfurt am Main Numm« 6380.
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Ln«tgenv«tse: TinHeimische GeschästSangeigen Zeile 20 A. auswärtig« Geschäfts, aneigen Zeile 20 A. Kaunlienanz. Zeile 20 A. Kl. 8na. aus Kassel o. Wort i A. auSw. kl. Ans. Zeile 20 A. Reklame» Zelle 76 A. Oise «gebühr 20 A (bei Zus. der Offenen 50 A. Rechnungsbeträge innert. 5 Tagen zahlbar. Kür die Richtig» fett aller durch Kernsvrecher aufgegebenen Anzeigen sowie für Ausnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Kür Anzeigen mit besondtts schwie- Ngem Satz 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachthosstratze 28/80. Geschäftsstelle: Kölnische Kkratze 5, gegenüber der Svohrstrahe. Kernsvrecher 951 und 952.
Nummer 174. Amtliches Organ der Stadt Staffel.
Donnerstag, 28. Juli 1927. Amtliches Organ der Stadt Staffel. 17. Iahrqan g
Bleibt das Zentrum im Reichsbanner?
Der Fall Orchies.
Poincare beschwürt die Vergangenheit.
Unter den Berichten, die die deutsche Oberste Heeresleitung im Lause des Weltkrieges täglich veröffentlicht hat, gibt es kaum einen, der erschütternder und grauenerregender wirkt, als jener, der das Städtchen Orchies an der belgisch- französischen Grenze betrifft. In diesem Stadt- chen wurden, so berichtete die Oberste Heeresleitung, eine Anzahl deutscher Schwerverwundeter, die man bei einem Rückzug in einem Lazarett hat zurücklassen müssen, bei der Wiederbesetzung des Ortes tot aufgefunden: man harte sie erstickt, indem man ihnen den Mund mit Sägespänen füllte. Mit einet knappen Wendung gab der Bericht gleichzeitig zu erkennen, daß Orchies vom Erdboden vertilgt fei: Grauenhafte Tat — schwere Sühne! Wer es las, konnte sich eines kalten Schauers nicht erwehren. Die Tatsache verschwand bald unter so vielen gräßlichen anderen. Wer hat wohl in den letzten Jahren in Deutschland an Orchies gedacht?
Jetzt taucht der Name plötzlich wisper auf. Das Städtchen — es handelt sich um eh.zn Fa- brikort, 4000—5000 Einwohner, Ziegeleien, Zuckerfabriken, Gießereien, Maschinen- und und Treibriemenfabriken u. a. m. — ist wieder aufgebaut worden und Poincare hat zur Feier der Wiederherstellung eine Rede gehalten, in der er die Darstellung der Obersten Heeresleitung als „Legende" und den Akt der Bestrafung von Orcyies als eine völkerrechtswidrige Handlung bezeichnet. Es wird hauptsächlich um der englischen und amerikanischen öffentlichen Meinung willen nötig fein, daß die deutsche Regierung eine durch amtliche Berichte und Zeugnisse beglaubigte Erzählung der in Orchies vorgefundenen Greuel verlautbart. Es ist bedauerlich, daß die Erinnerung an solche Schrecknisse wieder geweckt wird. Aber es wird unvermeidlich sein. Die Verteidigung Deutschlands muß — wie überhaupt die Verteidigung gegen die Wein- schuld Deutschlands am Kriege — aus dem Gesichtspunkt gesührt werden, daß es die Ehre des deutschen Volkes und des alten Heeres nicht duldet, daß die Vernichtung einer ganzen Ortschaft vorgenommen worden wäre, wenn nicht eine fo furchtbare Greueltat wie die grausame und raffinierte Hinmordung von Schwerter» wundeten zu einer Abschreckungshandlung gezwungen hätte.
PoincarS hat wie stets auch in dieser Angelegenheit nur als Advokat plaidiert. Es entgeht ihm — und freilich auch manchem seiner Gegner in Deutschland —, daß der einzige und eigentliche Hauptschuldige an allen entsetzlichen Ereignissen des Krieges niemals ein einzelner Kriegführender, sondern nur der Krieg selbst ist. Wer den Krieg will, wer ihn herbeiführt, der beschwört ihn auch mit allen feinen Greueln herauf. Ist er erst einmal da, so gibt 68 keine Verteilung der Schuld an den einzelnen Ereignissen. Der „humanisierte" Krieg ist eine sehr gefährliche Illusion. Sie bestand noch beim Ausoruch des Weltkrieges und sie war vor allem dadurch hervorgerufen worden, daß die Kriege von 1864, 1866 und 1870. an denen Preußen und Deutschland beteiligt waren, mit einer Beachtung der Regeln geführt worden sind, wie sie seitdem wohl nicht mehr aus anderen Schlachtfeldern vorgekommen ist. Die Genfer Konvention war am 22. August 1864 abgeschlossen worden; sie sicherte Schonung und Beband- lung der Verwundeten und Kranken, sie verbürgte die Unverletzlichkeit der Aerzte, des Sanitätspersonals und der mit dem Abzeichen des Roten Kreuzes versehenen Lazarette. Dieses humane Abkommen ist niemals so gewissenhaft beobachtet worden wie in der Zeit von 1864 bis 1871. Anständige Menschen haben damals wirklich geglaubt, ein Krieg könne mit Menschlichkeit und Ritterlichkeit geführt werden. Wäre dieser Glauben nicht noch im Jahre 1914 in Europa so stark gewesen, so wären die Völker schwerlich, um die bekannte Redewendung Lloyd Georges zu brauchen, in den Weltkrieg „hinein- geschliddert". Gerade die auch jetzt in der Ehrendoktorrede des Botschafters Houghton ausgesprochene Erkenntnis, daß ein moderner Krieg automatisch unmenschliche Greuel hervor- ruft. ist heute ein starker Schutz des Friedens.
Poincarö hat in seiner Orchiesrede alS guter Advokat wieder mal für das Rechthaben gestritten. Seine Aeußerungen werden sicher eine Polemik Hervorrufen. Akten und verschol- lene Berichte, Zeugen, die vielleicht noch leben, werden austauchen. Man soll die furchtbaren Ereignisse nicht verstecken, man soll sie erörtern, aber nicht im Sinne eines kleinlichen Zankes über eine gar nicht vorhandene Verantwortlichkeit der kriegführenden Parteien, sondern um
vor den schauernden Völkern festzulegen, daß es im Kriege nur einen großen Schuldigen gibt — den Krieg selbst!
Von besonderer Seite...
DaS Zentrum zum Reichsbanner-Problem.
(Eigen« Information.)
Karlsruhe, 27. Juli.
Die Badische Zentrumspreffekorrefpondenz veröffentlicht über das Verhältnis von Zentrum und Reichsbanner ein« Zuschrift von „besonderer Seite", in der es heißt: der Schritt des Reichskanzlers Dr. Marx sei sicherlich von weittragender, aber nicht von ausschlaggebender Bedeutung für die Haltung des Zentrums gegenüber dem Reichsbanner. DaS Reichsbanner müsse vor dem Schicksal des österreichischen Schutzbundes bewahrt bleiben, und es werde vor ihm sicherlich bewahrt bleiben, wenn das Zentrum im Reichsbanner bleibt, solange ihm ein Berhleiben nicht unmöglich gemacht werde. Die Frage der Auflösung des Reichsbanners fei diskutabel. Sie zu bejahen dazu sei man jedoch nicht in der Lage. Bleibe das Reichsbanner bestehen und bleiben die Zentrumsleute im Reichsbanner, dann müßten Sicherungen geschaffen werden, daß es für die Zukunft ein für alle Mal Schluß sei mit Entgleisungen der Reichsbannerführung. In Zukunft dürfen Kundgebungen nur erlösen werden, wenn sie von einem paritätisch zusammengesetzten Vorstand gegengezeichnet sind. Lasse sich das nicht erreichen, dann scheine ein weiteres Verbleiben von ZentrumMeuten im Pe>ck>sk>"->n<>- --in Ding der Unmöglichleit. Es sei an -er Zeit, aas Herrn Hörfina einmal mit Deutlichkeit zu sagen. Es müssen nicht zuletzt Sicherungen organisatorischer Art geschaffen werden, damit nicht nach außen hin der Eindruck vorherrschend bleibe, das Reichsbanner sei lediglich eine sozialistische Leibgarde.
Steigende greife.
Die Post gibt das Signal $ur Teuerung. (Eigener Drahtbertcht.)
Berlin, 27. Juli.
Die Allgemeine PreiSwelle geht weiter nach oben. Anscheinend hat die oOprozentige Erhöhung der Post- und Telegraphengebühren das Signal zur Preissteigerung gegeben. Laut Berliner Börfencourier ist bereits eine Preiserhöhung für deutsche Textilerzeugnisse um etwa zehn Prozent erfolgt. *
. und sinkende Börsenkurse
Berlin, 27. Juli. (Drahtbericht.) Die Rückkehr Schachts nach Deutschland hat sich sofort in einer neuen Abbrückelung der Kurse an den deutschen Börsen ausgewirkt. Auch die Anleihe- kurse sind von neuem im Rückgang begriffen, an der Berliner Börse befürchtet man allgemein neue Maßnahmen des Reichsbankpräsidenten betr. die ausländischen Reportgelder.
Das Döikerdundprogramm.
Reicht Deutschland kein! Anträge ein?
(Eigener Informationsdienst.)
Genf, 27. Juli.
Im Bölkerbundssekretariat wird die Tagesordnung für die Tagung im September zusammengestellt. Die Frist für Anträge läuft am 15. August ab. Bis jetzt hat Deutschland noch teilte Anträge eingereicht. Man kann deshalb annehmen, daß die Räumungsfrage auch die Septembertagung nicht beschäftigen wird. China ist auf der Septembertagung nicht mehr vertreten. Die Gerüchte von einem Wiedereintritt Argentiniens oder Spaniens werden dementiert.
Vormarsch auf Peking.
Englische Verstärkungen in China.
(Durch Fnnkspruch.)
London, 27. Juli.
Aus Schanghai wird gedrahtet: Bier englische Kriegsschiffe mit 3000 Mann Besatzung sind nach Tsingtau abgegangen. Es verlautet, daß auch englische Truppen zum Schutze der Gesandtschaften nach Peking vorrücken sollen.
Bratianu sucht Freunde.
„Ein Friedenspfand für Mitteleuropa." (Eigener Drablbericht.)
Bukarest, 27. Juli.
Bei eine« zu Ehren des jugoslavischen Delegierten gegebenen Frühstück sagte Ministerprä scheut Bratianu: Jugoslavien und Rumänien
müßten im Interesse des Friedens auf dem Balkan und in Europa fest zusammenstehen. Uns allen ist der Friede notwendig und zwar der Friede, wie wir ihn jetzt haben und kein anderer. Der frühere Außenminister JugoslavienS Peritsch erwiderte, die kleine Entente sei ein Pfand des Friedens in Mitteleuropa. Die Konsolidierung der inneren Berhältniffe in Rumänien seien auch für Jugoslavien eine Garan- He dafür, daß der Friede nicht gestört werde.
Russische Kriegsdrohung.
Es geht um das Schicksal des Sowjetst rotes.
(Eigener Drahtbertcht.) •
London, 27. Juli.
Wie aus Leningrad gemeldet wird, hat bann Stapellaus eines Schiffes in Kronstadt Rykow die Festrede gehalten. Er mahnte das Proletariat zur Einigkeit. Wenn die Sowjet- tegierung in dem nahen Kriege unterliege, so sei für mindestens tausend Jahre die Diktatur des Proletariats erledigt. Die letzten zwei Jahre hätten kein Aufsteigen der rovoluttonä. reit Bewegung außer in Rußland gebracht.
Nicaragua muß bluten.
Hundert Opfer eines Miegerangriffs.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 27. Juli.
Die Hava'Agentur meldet aus Sicaxagua: Flieger der r ^rdamerilanischen Marine-Division tetrorfen i'Jr 7'^1. Leon „nii Bomben. Bon den Bewoh.L.it wurden etwa hundert getötet. Darrerfhin gab die Stadt ihren Widerstand gegen den Anmarsch nordamerikanischer Truppen auf und öffnete den Truppen die Tore.
Sondtno« Dnzweiflungskompf
Managua, 27. Juli. (Funkspruch.) Marine- soldaten der Vereinigten Staaten und Rieara- guanische Polizeimannschaften hatten einen neuen Zusammenstoß mit Streitkräften des Generals Sandino in der Nähe von San Fernan, do. Nach einer Mitteilung der hiesigen amerikanischen Behörden werden in kurzer Zeit Bemühungen unterenonrmen werden, die Streitkräfte Sandinos zu vernichten.
Krieg im Frieden.
London ist gegelt Luftangriffe wehrlos.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 27. Juli.
Der zweite Tag der englischen Luftmanöver hat gezeigt, daß trotz einer guten Verteidigung Londons feindliche Flugzeuge die Stadt bombardieren können, und zwar besonders bei be. decktet« Himmel, da in diesem Falle die Wolken meist sehr tief liegen. Gestern konnten zwei Flugzeuge theoretisch den Justizpalast und das Lustschiffahrtsministerium bombardieren. Im Sinne des Manöverplanes befindet sich die englische Regierung noch immer in Manchester, wohin sie sofort nach Eröffnung des Luftangriffes geflohen ist.
♦ .
Englands Flotte bleibt In der Ostsee.
London, 27. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Am 1. August werden die in der Ostsee manövrierenden englischen Kriegsschiffe durch zwei Panzerkreuzer verstärkt. Vorläufig bleibt die englische Flotte in der Ostsee.
Landung am Südpol.
Kühne Pläne des Fliegers Byrd.
(Eigener Drahtbertcht.)
Rewyork, 27. Juli.
Nach einer Erklärung des Ozeanfliegers Btzrd beabsichtigt er, bei seinem Südpolarflug am Südpol zu landen und nicht wie beim Rordpolarflug einfach darüber hinwegzufliegen. Er gedenkt, mehrere Tage dort zu bleiben, nm Studien zu machen. In Sei Sur Mer, wo Btzrd nach seinem Ozeanflug gelandet war, soll ein Denkmal errichtet werden. Es ist eine öffentliche Zeichnung in der kleinen französischen Hafenstadt ausgeschrieben worden.
Der Dollar rollt.
Rewyork, 27. Juli. (Drahtbericht.) Eine amerikanische Bankengruppe, der die International Aeeeptance Bank und die wichtigsten Handelsbanken in Rewyort angehören, Hai auf Anregung des Reichsbankprästdenten Dr. Schacht der Golddiskontbank einen Kredit von 30 Millionen Dollar eingeräitmt
Die Volkskeankhelt.
Kriegs-Nachwehen in unteren Volksschichten. Der Grazer Arzt Prof. Dr. Hart«»»» leigt i» eisern Kackblatt die WeleaSmerkmale einet bisher »»bekannte» Krankheit auf. die er als indirekte Folgeerschei»»»« der Meter nnS liegende» jahrelange» EraährtutgSfchwa»- k»«gen bezeichnet. Der Sorfcher äntzert sich: Zwar fällt bei der Volkskrankheit im Anfangsstadium nur ein Stimmungsumschwung auf, wie er auch t»ti vielen anderen Leiden be» obachtet wird: Der Patient ist launisch und interefselos, unlustig zur Arbeit und klagt ständig über allgemeines Unwohlsein, ohne dieses näher begründen zu können. Bald aber verdichten sich die Symptome zu den typischen Anzeichen von Stoffwechselstörungen: die geringsten Anstrengungen lösen Herzklopfen, Schwindelgefühle und unregelmäßige Atmung aus, die Verdauungstätigkeit ist gestört, die Stimme wird tonlos, und starke Kopfschmerzen machen zu längerer Anspannung der Gedanken unfähig. Diese Merkmale passen nun zu den Krankheitsbüldern zahlreicher Stoffwechsellei« den; die Diagnose auf .Volkskrankheit" trifft erst zu, wenn der Kranke zugleich Völle im Magen und Spannungsgefühle in der ganzen Bauchgegend empfindet, obwohl er infolge andauernder Appetitlosigkeit ost tagelang kaum nennnenswerte Nahrungsmengen zu sich genommen Hai. Diese Spannungsgefühle dehnen sich bann allmählich auf den ganzen Körper aus, werden immer schmerzhafter, häufig
guarvoll biS zur Unerträglichkeit.
Der organische Befund der Volkskranlhcit ist eine eigenartige krankhafte Hautve r- änberung. Die Körperdecke erscheint fahl glänzend infolge abnorm starker innerer Span- nung; selbst natürliche Hautsalten, z. B. in der Bauch, und Achselgegend sind ausgeglichen. Schon auf leisen Druck stellen sich tiefe und nachhaltige Rötungen der Haut ein, und während man im gesunden Zustand die einzelnen Hautschichten leicht gegeneinander verschieben kann, wird dieses bei den an der neuen Krankheit Leidenden sehr erschwert. Tie im Abtasten geübte Hand des Arztes fühlt zudem einen seltsamen elastischen Widerstand des Oberhautgewebes. das verdickt und gequollen erscheint. Diese Quellung ist auf Störungen im Säfte- und Wasserhaushalt des Organismus zurückzuführen. Es offenbart sich da ein eigenartiger Kreislauf in den Zusammenhängen von Ursache und Wirkung. Infolge gewisser Stoffwechselabnormitäten
staut sich das Wasser im Körper
an; einen Ausweg suchend durchflutet es die oberen Gewebe, und so entstehen die Quellerscheinungen. Dazu kommen dann die chemi- scheu Nachwirkungen aus den Säftestanungen: Die belasteten Gewebschichten gehen allmählich in einen gallertartigen Zustand über, was eine attgemiene Deformation der wichtigsten Hautgebilde zur Folge hat: Die Poren schließen sich, Mutgefäße und Nervenenden werden verlagert. Diese Msperrung verhindert das Aus- schwitzen des angestauten Wassers sowie der überschüssigen, zum Teil schon zersetzten Säfte und ruft dadurch die schmerzvollen Spannungszustände hervor: die Verlagerung der wichtigsten Leitungselemente verursacht die tiefliegenden Funktionsstörungen in der Verdauung, Atmung und Herztätigkeit. Da diese Symptome in den meisten Fällen bereits nach kurzer Zeit einen bedrohlichen Cha- ratter annehmen, zudem die allgemeine Widerstandsfähigkeit des Organismus bedenklich sinkt, muß sich die ärztliche Behandlung in erster Linie mit der Beseitigung der organischen Störungsursachen befassen. Durch individuell angepaßte Massage verdrängt man die krankhaften Wasser- und Säfteansammlungen auS den Oberflächengeweben und belebt di« natürlichen Funktionskräste der Haut aufs Reue. Schon nach mehrmaliger Massageanwenduna nimmt die Hautspannung ab, ein Zeichen, daß der Ueberschuß an Wasser und SÄten in die inneren Gewebe zurückgetreten ist. Um den Organismus davon zu entlasten, werden alsdann harn- und schweißtreibende Mittel gege« den. Nach sechs Wochen systematischer Behandlung zeigt die Haut wieder ihre natürliche Beschaffenheit, die Funktionsstörungen sind be- hoben und die Schmerzempfindungen verschwunden. Notwendig bleibt dann nur noch eine allgemeine KräftigungSkur zusi Ausgleichung der Schwächezustände. In biefei' Weise sind Krank« gehettt worden, die JaljreO lang an Beschwerden litten, die man erst 11) beugen vermochte, nachdem nunmehr dal) Krankheitsbild der „Dolkskrankheit" eindeutig beschrieben worden ist. Bei oer BolkSkrankheM lassen die typisehen Anzeichen der Itoffwechseb- störungen, sowie das vorwiegende Vorkoinmetj in den unteren Volksschichten erkennen, daß Dij)