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Kasseler Neueste Nachrichten

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A Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

ischäftS» ;no 959.

Änteteemrrdfe: «ndetmtsche «efchäftSan^en Sei le 2» X, <m6g8ttiw <M»afte. a»»eigen Seile 90 4. Kawilienan,. Seile 90 4, Sl. «nz. aus Kasiel ö. Kort 4 4. ausimkl. An,. Seile 90 4. Reklamen Seile 76 4. Dffertgebübr 20 4 (bei Sui. Oer Offerten 60 4 Re»»unsSbetr«ge inrterb. fi Sagen wbttar. ftttr d. Richtig» leit aller durch fdernfnrecher enfgegebenea 8tuetaen sowie für Auknabmedairn nud Plätze tarnt nicht garantiert werde». Sür Siyeigen mit Wanbert '-*--

tigern Latz 100 Vro«nt »uffchlag. Druckerei: Schlachtbosftrafte », ®e Kelle? SSInikSe Straffe 5. gegen Ster der SvoSrstrafte iderntorecher 951 u

Nummer 165. Amtliches Organ der Stadl Kassel. Sonntag, 17. Zutt 1927. Amtliches Organ der Stadt Kaffel. 17. Jahrgang

Der Aufruhr in Wien unterdrückt.

Geist und Faust.

Hüter der Kindesseele und Wien« Vesper.

Das Retchstabinett hatte sich den viel be- knabberten Knochen des ReichSschulgefetzes bis zuletzt aufgehoben und hat ihn in weiser Vor­aussicht des starken Ferienappetits jetzt unter starken Schlingbeschwerden der Volksparteimi- nister geschluckt. Mit dem kaum überstandenen Zollsie-ber in den Knochen wird nun die an blauen Seegestaden, in lustigen Berg- und blu­migen Waldidyllen lustwandelnden Volkstri­bunen der noch schlimmere Krisenfchültelfrost der Ku/lturgewiflensnöte beschleichen. Geht es doch bei dem großen Wurf, der auis Jahre hin­aus für Charakter- und Geistesbil­dung unserer Kinder Bahn und Ziele ab­steckt, nicht blos um diese ober jene Schacher- aoschäfte der Parteien, weitet sich doch vielmehr schon jetzt in der Oefsentlichkeit der Rus:hie Gemeinschaftsschule",hie Bekenntnisschule", lismus",hie Konservatismus", aus, von der Linkspresse sogar zu dem Gegensatz von Re­aktion und F o rt s ch r i t t ausgemünzt und ausgebauscht. Tatsächlich ist ja auch das Zen­trum die Vernmtftehe mit den Deulschnationa- len nur sür die Mitgift begrenzter kirchlicher Schulhoheit eingeflangen. Tatsächlich steht denn auch für die Valkspartei bei dieser Schach­partie nicht bloS diese oder jene Bauern- ober Offizierssigur auf dem Spiel, sondern die Preisgabe wichtiger liberaler Ideen könnte bei den kommenden Wahl kämpfen sehr leicht starke Lücken in den Wählerbestand reißen, wenn nicht gar die Selb-stvernichtung der Mit­tel- und Vermittlerpartei zur Folge haben.

Gehen doch die Begriffe der Schulmänner über den de sgeordneten Schulbetriebes" schon heute und klaffen bei der Umgrenzung der .Schulaufsicht" noch weiter auseinander. Denn was ist schließlich Kontrolle des Religionsunterrichts durch Staatsbe­amte anders als verkappte geistliche Aufsicht. Und wie will man der durch Reichsversaffung vorgeschriebenenbesonderen Berücksichtigung" für die bestchenden Gemeinschafts- (Simultan-) Schulen in Baden, Hessen und Nassau Rechnung tragen, wenn alle drei Schularten (Gemeinschafts-, Bekenntnis- und weltliche Schule) völlig gleichgestellt werden und also auch die im Südwesten fest eingebürgerten Gemeinschaftsschulen nur auf Antrag der Er­ziehungsberechtigten inS Leben treten dürfen? Freilich ist hier eine fünfjähr. Schonsrist gesetzt. Wenn irgendwo, bann soll man boch von der Kinderseele die Zerklüftung durch Partei- und Konfefstonsdogmen fernhalten. Wo denn anders, als in dem Wetteifer weit aufgetaner Lernbegier, als in den zukunsts­trächtigen Furchen heilger Seeleneinsalt wird man den Grund und Samen zur bislang nur schemenhaften V olk Sg-me insch a st senken können! Scheiden sich In diesem Punkte schon die Geister der Minister und Presse, wie wird erst im ReichtstagSherbst die Sturmflut der Schulparolen gegen die Regierungsmolen bran­den! Zuvor aber werden Reichsrat und Lan­der noch ein Wörtchen nritzureden haben, so­daß es schon jetzt fast als ausgemacht gilt, daß der Reichstag den sauren Apfel wird liegen lassen müssen, um ihn dann als Wahlkuriosmn und Königskugel in die politische Kegelbahn zu rollen.

Wie leicht und verhängnisvoll die glühende Parteilava zum Ausbruch kommen kann, of­fenbaren jedenfalls erschreckend die jüngsten RevolutionSfanale an der blauen Donau, wo die Arbeitermassen sich gegen den Freispruch für die Angeklagten in dem blutigen Partei- v r a ma von Schattendorf mit Toten und Verwundeten auflehnten. Schnell standen die straff organisierten Wehrformationen von links bereit, gegen deren erdrückenden Massenauf­marsch die berittene Polizei ein- zweimal, um­sonst anreitet. Säbel und Gummiknüppel sausen nieder, Steinhagel antwortet von drü­ben: im Handumdrehen wachsen wie in den schlimmsten RevolutiosgeWittern Barrckaden aus ber Erde, die Pistolen gehen auf beiden Seiten loS, Verwundete jammern. Sanitäter packen zu. Justizpalast und 3 Zeitungsgebäude gehen in Flammen auf. Und daS alles, weil es den Richtern nicht gelang, die Mörder ber Schartendorflrawalle zu fassen, bte sie auch bei Toten auf ber Frontkämpserseite ebensoschwer hätten aufspüren können. Diese Provsse ver­laufen ja auch bei unS im Sonde, weil jede Partei die andere als Angreifer bezichtigt und in deren Verwirrung der erste Faustschlag. btr erste Schuß kaum noch zu klären ist.

Gewiß sind unsere Porteikamvfhzbne auch nicht Viel besser als die jenseits ber ^mwarz- rot-goldenen Grenzpsähle. Wer unser -Bru­der Schnürschuh" sollte ht seinem Puppenstu- benhLuschen bock strenge «Zucht und bessere Ordnung halten können, um Ünsere brennenden

Generalstreik und Umsturz drohen.

Wie« fiebert noch / Der Todesfreitag / Generalstreik beschlossen.

Berlin, 16. Juli.

Nach MLttermeldungen aus Wien ist es der Polizei in den Abendstunden gelungen, die Aufständischen bis in die Vorstädte zurückzu­drängen. In den übrigen Bundesländern

herrscht vollkommene Ruhe. Nach Ansicht ber Blätter ist nicht anzunehmen, daß selbst, wenn eS in Men zur Ausrufung einer sozialisti­schen Republik käme, die übrigen Bundes- länder dem Folge leisten würden, was sehr leicht den Bürgerkrieg bedeuten könnte. (Einzelhei­ten der blutigen Exzesse stnd auf der zweiten Seite verzeichnet. Die Redaktion.)

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Wien fiebert noch.

Vorläufig ruhig. Der Todesfreitag.

Presburg, 16. Juli. Rach den Berichten von Reisenden bestehen Befürchtungen, daß sich die Situation während der Nacht noch weiter verschlechtert, man erwartet, daß die De­monstranten über Nacht hauptsächlich aus den Städten der Umgebung Zuzug bekommen.

Preßburg, 16. Juli. Die letzten Nachrichten lauten noch immer sehr unbestimmt. Bisher sollen vierzig Personen getötet und siebenhun­dert, darunter dreizehn Polizisten verwundet warben fein. Es heißt jetzt, daß es in den spä­ten Abendstunden in Wien ruhiger zuging und daß die Polizei und ber Republikaftttsch»' Schutzbund Ordnung schaffen. Der Onient-Ex- preß wurde nicht abgefertigt. Die Telephon- Verbindungen sind unterbrochen. Die letzten unbestätigten Nachrichten behaupten, daß in Wien auch das Postministeriinm aUögebramnt sei.

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Wird Gelpei weichen?

Heute Generalstreik. Post und Strntzenbahn.

Prag, 16. Juli.

DaS Dozialdemoknchische Parteiprästdium er« kchlärte sich in Permanenz. Auch die Gewerk- schastszentrale wurde zur Mitarbeit eingeladen. Man soll beschlossen haben, den General­streik der gesamten Arbeiterschast zu prokla­mieren. Der Streik soll auch aus dae Ä u ch - druckereibetriebe ausgedehnt werden. Nur die Arbeiterzeitung fnU erscheinen. Stra tzenbahn u. Post haben sich mit der Arbeiterschaft solidarisch erklärt. Bisher ist es ungewiß, ob auch die Eisenlmftnangestellten den Dienst ein« stellen werden. Eine Deputation soll den Bun­deskanzler Dr. Seipel zum Rücktritt ausfordern.

Der »oltWräfiöent als Sllndenvock

München, 16. Juli. In Verhandlungen »wischen Bundeskanzler Dr. Seipel und ber Gewerffchaftskommission forderte die letztere den Rücktritt des Polizeipräsidenten Schober.

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Ls kam alles von selbst.

Die Linkspresse gibt der Polizei schuld. Berlin, 16. Juli.

Zu den Mener Zusammenstößen schreibt das Sozialistenorgan: Eine Parole zu irgendwelchen Demonstrationen fei von ber Partei nicht aus- gegeben worden. Ein« Reihe von Betriebsver­sammlungen beschloß sofort bie Arbeit nieder- zulegen und vor das Rathaus zu ziehen. Es wurde eine Abordnung in da» Parlament «ntfenbet, um gegen das Urteil zu protestieren. Di« demonstrierenden Arbeiter warteten In Ruhe. Inzwischen aber sollten Berittene die Straßen vor dem Parlament räumen. Dem Vorgehen der Polizei wurde Widerstand ent- gegengesetzt, worauf sich diese verstärkte. Es entspann sich vor dem Parlament ein hin und her von Gewalt gegen Gewalt. ES sollen gegen bie Wabe Steine geworfen worden sein. Nun hieb die Polizei mit Säbeln ein. Bald fielen audi Schüsse. Die Rettungsaefellschaft war andauernd mit ber Bergung der Toten und Verwundeten befdjäftigt. Der Waffenge- brauch ber Polizei stachelte die Erregung an.

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Schüsse in der Notwehr.

Preßburg, 16. Juli. (Privattelegramm., Amtlich verlautbart aus Wien: Da die Polizei

Anschiilfsvmpathien nicht vorzeitig abzukühlen wie es kürzlich auch ber frühere Wiener Außen­minister Bauer durch den Hinweis auf bie bei österreichischen Sozialdemokratie durch das bürgerliche Deutschland Hindenburgs drohende Gefahr fertig brachte. Auch wird bie Einver lerbung bes^ lebensunfähigen Brudervolks sich nicht durch revolutionäre Erschütterungen voll­ziehen, wie Bauer orakelt, sondern Stein für

von Demonstranten nicht nur mit Steinen und anderen Wurfgeschossen beworfen, sondern auch Ächossen wurde, mußte sie von der Schuß-

Gebrauch machen und den Platz mit Ge­walt räumen. Glücklicherweise hat auch bie mit Gewehren bewaffnete Sicherheitswachabteilung als sie mit Schüssen empfangen wurde, einige Schüsse abgegeben und die Ordnung wieder hergestellt, sodaß nun die Feuerwehr eingreisen und oen Brand im Justizgebäude lokalisieren konnte. Bei Zerstörung der Zeitungsredaktio­nen konnten die Maschinen gerettet Werben. Eine Gefährdung des Eigentums ist nirgends erfolgt. Die Sicherheitsbehörde ist vollkommen Herrin der Sftuation. Patrouillen zu Fuß und zu Pferd durchstreiseu di« Stadt.

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Die Regierung hält Otat

Keine weiteren Unruhen?

Pretzburg, 16. Juli.

Aus Wien wirb gemeldet, gestern nachmittag ftauben ein mehrstündiger Ministerrrrt und spä­ter eine Aussprache zwischen dem Bundeskanz­ler und den sozialdemokratischen Abgeordneten, Bürgermeister Seitz und Dr. Bauer statt. Es wurden alle Vorkehrungen getroffen, um ein M4eder»ufflac1ern der Unruhen nach Möglich­keit zu verhindern. Darüber, ob und wann der Nationalrat einberufen werden soll ist noch keine Entscheidung getroffen. Der Ministerrat hat sich für permanent erklärt. Er wirb heute früh wieder zusammentreten.

And die Unwetter toben

Schlesien wieder schwer heimgesucht.

(Durch Funttmnch i

Liegnitz, 16. Juli.

In unaufhörlicher Folge werben bie schlesi­schen Provinzen von Unwettern heimgesucht. Besonders schwer häuften sie sich in ber Lieg- nitzer Gegend. In Neuburg wurde eine Frau vom Blitz erschienen, mehrere Personen verletzt. Ueber Breslau ging abend ein schweres Gewit­ter mit 1^ stündigem wolkenbruchartigem Regen nieder, der abermals neue Ueberschwemmungen verursachte. Der Verkehr ist z. T. unterbrochen.

Alles für unsere Kinder.

Ja und Rein »um Reichsschulgesetz. (Privat-Telegramm)

Berlin, 16. Juli. Zum Reichsschulgesetz-Ent­wurf (Wortlaut f. 2. S.) schreibt ein Rechts­blatt, daß Sicherungen für bie christliche Schule und den Religionsunterricht geschaffen werben mußten. Ein zweites Rechtsblatt meint, bet Entwurf suche der Verfassung g e r e ch t zu werben und dabei gleiches Recht für alle Eltern und sonstige Erziehungsberechtigte »u schaffen. Die Börsenzeitung schreibt: Der Entwurf stellt eine überraschend gut gelungene Regelung unseres Volksschulwesens bar. Er gebe jedem das Recht und die Mittel, selbst Hüter der Seele seines Kindes zu blei­ben. Ein Volksparteiblatt bemängelt, daß die bereits besteheden" gemischt-konfessionellen Schulen zwar alS christliche Simultanschulen in Kraft treten, jedoch sei nicht erreicht werben, daß auch die neu zu errichtenden Schulen, soweit kein Antrag vorliege, als Ge­meinschaftsschulen ins Leben treten, wie es ber Verfassung entspreche. Die Deutsche Volkspartei wird die Simultanschule in Baben.

Hessen und Hessen-Nassau nicht antasten lassen. Nach Ansicht beS Reichsjustizministers fei das Gesetz nicht verfassungSän- beend. Mn Demokratenblatt lagt, die Grund­gedanken der Weimarer Verfassung seien preisgegeben. Im Interesse des Ideals ber Volkserztehung bedeute ber Entwurf einen tief beklagenswerten Rückschritt. Aehnlich urteilt bet Vorwärts, den Boden ber Gemeinschaftsschule hat man bewußt verlassen. Die Bekennntisschnle erhält den Vorrang vor allen übrigen Schularten. Der Einfluß ber Kirche auf bte Schule ist sichergestellt.

Stein, Naoek für Nagel Werb?« wir für den Großtzeurschlandbau zufammentragen müssen. Einstweilen aber stehen die Regierungshäupter in Wien ber aufgepeitschten Volkswut machtlos gegenüber unb noch ist nicht abzussehen, ob nicht wieder eine Art Revolutionsregierung auS der Brandung auftaucht, die leicht den Bürgerkrieg in den doch Wahrlich schwer genug geprüften Donaufluren entfesseln könnte. F. R.

Fremdenstadl Kassel.

Welche Wege führen dorthin?

Von

Verkehrsdirekior Dr- Schumann.

Es ist oft betont worden, daß Kassel durch seine geographische Lage unb die Reize feinet Umgebung besonders geeignet sei. eine große Rolle als Frembenstabt zu spielen. Tie in redem Jahr sich steigernde Zahl von Kongressen be­stätigt diese Aeußerungen. Leider ist das Ver­ständnis für bie außerordentliche Wichtigkeit bes Fremdenverkehrs noch nicht in alle Kreise ber Bevölkerung gebrungen. unb man begegnet des öfteren ber Ansicht, baß ja eigentlich nur die Gastwirte die Nutznießer eines gesteigerten Fremdenverkehrs seien. Diese Ansicht ist ganz abwegig. Wer sich einmal klargemacht hat, wie eng In dem komplizierten Wirtschaftsgetriebe unseres Jahrhunderts alle Zweige des Er­werbslebens miteinander verknüpft sind, der versteht, daß alle Kreise ber Bevölkerung bnrch eine Steigerung des Frcmbenverkehrs birekt ober indirekt Vorteile haben Die Ver­kehrsmittel ber Stabt Autodroschken, Stra­ßenbahn- unb Omnibuslinien erfahren stär­kere Beanspruchung. Gastwirtschaften, Hotels, ber Frisenr unb Badehalter nehmen an ben aus dem Fremdenverkehr zusließenden Einnahmen teil. Alle Geschäfte, in denen Gegenstände deS täglichen Bedarfs feilgehalten werden, finden stärkeren Absatz ihrer Waren. Der Fremde kauft Ansichtskarten und Schreibpapier, Reiseanden­ken, Wäsche,Blumen, Spielwaren und viele andere Dinge. Aus dem stärkeren Konsum in den Kasseler Gaststätten haben Gärtnereien, Fleischer- und Väckergewerbe, sowie der Lebens- mittelbandel indirekt Nutzen. Ter Erlös für manches Stück Vieh fließt in die Höfe der hes­sischen Landwirtschaft unb mancher Korb Obst Wirb von ben Gästen Kassels konsumiert. Man steht, daß bet Fremdenverkehr

für alle Kreife ber Bevölkerung wirtschaftlich von Bedeutung ist unb es erscheint selbstverständlich, daß man ihn mit allem Nach­druck zu fördern versucht. Die deutschen Städte wetteifern miteinander, den Fremden durch große Veranstaltungen anzuziehen, unb auch in Kassel wird mancherlei getan, um den Strom in unsere Stadt zu lenken. Die leider durch die Ungunst der Witterung nur teilweise erfolg­reiche Kasseler Maiwoche war die erste Werbe­veranstaltung größeren Stils. Wir suchen durch Poststempel und Mt-ckatreklame, durch Pro­spekte und Broschüren für Kassel zu Werben. Aber leider stnd die zur Verfügung stehenden Mittel nur all'n begrenzt. Die wichtigste und beste Reklame für untere Stabt ist der Eindruck, den der Fremde.mit in die Welt hinaus nimmt. Zu einem Werber für untere Stadt wird ber Be­sucher, der sich in ihr wohl fühlte. ES ist daher Wesentliche

Pflicht aller Kasseler Bürger, ihm seinen Aufenthalt zu erleichtern und ange­nehm zu machen. Hier kann jeder Einzelne dem StadtverkehrSamt eine wesentliche, ja unent­behrliche Hilfe leisten, deren Wirkung sicherlich nicht ausbleiben wird. Worin diese Hilfe ber Kasseler Bevölkerung bestehen fall unb kann, haben wir formelmäßig in zehn Wünschen fest­gelegt, deren Ersiillung wir im Interesse der Weiterentwickelung des Fremdenlebens unserer Stabt für dringend notwendig halten.

Zehn Wünsche beS Kasseler StadtverkehrSamteS.

1. Jeber Kasseler Bürger, jebeS Kinb muß feine Heimat kennen!

2. Man betrachte ben Gast ber Stabt als Gast des eigenen HauseS und gebe freundlich und höflich jede gewünschte Auskunft, sei eS auf ber Straße oder in einer Gaststätte!

S. Man halte Straßenbisztvlin unb sorge dafür, daß durchfahrende Kraftwagen den Ein­druck eines an großstädtischen Verkehr gewöhn­ten Gemeinwesens mit sich nehmen!

4. Man behandle seine Heimatstadt Wie das eigene Hans unb helfe mit, baß ihre Anlagen unb Parks jederzeit einen sauberen unb ge­pflegten Eindruck machen.

Man unterstütze die Kunstinstitute der Stabt burck fleißigen Besuch. Sowohl bie Theater, wie bie Kunstausstellungen «nd ähnliche Vercmstal- tungen spiegeln ihr kulturelles Leben.

6. Man sorge für die Verbreitung der vom ftädtifchen Verkehrsamt ber ausgegeben en Wer» beschriften der Stadt! Sie müssen an allen öf­fentlich viel benutzten Stellen ausgelegt fein unb stehen auf Anforderung jederzeit zur Ver­fügung.

7. Die Pflicht zur Repräsentation gebietet bei besonderen Anlässen Snatzenschmuck Es genügt nicht, daß die Stadt ihre Fahnenmasten aufstellt. Auch von privater Seite muß etwas