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Nr. 158.

Meb»,»hnter Jahrgang.

Meier Neueste Nachrichten

3, Beilage

Sonnabend, 9. Znli 19?7.

T

Dir Ebe als Geschäft.

Ein amerikanisches Ehe-Dorado.

Zahlreiche junge Ehepaare in Washington und Baltimore, dir sich von dem Pfarrer Ri­chard Westren in Elkon, Maryland, in diesem Jahre haben trauen laffen, sind Lber die Nach­richt, daß ihre Ehen womöglich ungültig sein werden, in große Aufregung geraten. Red. Westren, der der Methodistischen-Kirche ange- hört, war im Jahr« 1922 von einem auS Geist­lichen zusammengesetzten Kirchengericht seines Amtes für verlustig erklärt worden, weil er in äußerst schamloser Werse daS den Priestern zu- fiehende heilige Amt der Eheschließung zu ge- chastlichen Zwecken mißbraucht hab«. Westren war bekannt dafür getoefen, daß «r heiratSlu- stigr Paare, ohne sie viel nach ihren Persona- lien zu fragen und sich von ihrer Ehrfähigkeil zn überzeugen, traute, natürlich gegen gute Be­zahlung.

Nachdem di« Mechodtsten-Kirche chm den Prozeß gemacht hatte, war er damals freiwillig van seinem Amt zurückgetreten. Im Januar dieses JahreS aber erschien er wieder in El- Ion und nahm dort feine Tätigkeit als Geist­licher wieder auf, ließ eS auch nicht an der no­tigen Reklame fehlen, sodaß sein Geschäft bald «Inen großen Zulauf erhielt in Gestalt von jun gelt Paaren, die gerne schnell, ohne Aufgebot und sonstige unangenehme amtliche Formali­täten getraut sein wollten. DaS kleine Städt­chen, daS in der Rübe von Baltimore und Was- mngton liegt, entwickelte sich wieder, wie frü­her, z« einem Heirats-Eldorado, und nicht nur di« rasch getrauten Paare, sondern auch sämt- lich« Gastwirte und Hotelbesitzer von Elkon wa- een mit dem neuen, tüchtigen Pfarrer, der al­lerdings ohne obrigkeitliche Erlaubnis amtier­te, durchaus zufrieden. Der Superintendent der Methodistenkirche dagegen, sowie der Bi­schof der Diözese waren über daS Treiben deS Westre» empört und haben, da Schritte bei den OrtSbehörden von Elkon nichts fruchteten, sich zusammengetau, um di« Regierung zu »et- anlassen, der Tätigkeit Westrens Einhalt zu

gebieten. .,

Unterdessen fährt Westren fort, fein Schnell- trauungsverfahren bei einem entsprechenden Tarif zu betreiben .jedoch hat stch die Zahl der Paare, die von ihm getraut fein möchten, erheb lich verringert, und zwar infolge Pressemel­dungen, die besagen, daß eine Untersuchung im Gange sei und womöglich all« in diesm Jahr« von Westren geschloffenen Ehen, mehr als 500 an der Zahl, ungültig erklärt werden könnten. AuS Furcht, daß ihre junge Ehe nicht gültig sein könnte, hat stch in Baltimore eine Reihe von Ehepaaren an andere Geistliche gewandt mit dem Ersuchen, fi« noch einmal ,« trauen bekanntlich genügt in Amerika die Trauung durch eine Geistlichen) sind aber abgewiesen worden da ihre Ehen solange der Entscheid der Regierung noch auSsteht, noch als endgültig gelten müssen und ein« doppelte Trauung nicht vorgenommen werden darf. So müssen dl« 500 Paare, die Westren getraut hat, vorläufig noch im Ungewiflen darüber verharren, ob sie nun tatsächlich verheiratet find oder nicht.

«Sauber Oer Sahl.

Seltsame Erlebnisse in Monte Carlo.

Dom Glauben an die Allmacht der Zahl find am meisten Glücksspieler durchdrungen. Ihr Wohl und Wehe hängt von der Magie der Zahl ab. Nirgends begegnet man einem so üppig wuchernden Glauben an allerlei Zahlenwunder, wie ans diesem Gebiete.

Der Pariser Theaterdirektor DeSbeaur, lange Jahre hindurch Leiter de» Odeon, ein leidenschaftlicher Spieler und HabltuS des SPielkastnoS in Monte Carlo, erzählt aus der Füll« seiner eigenen Erlebnisse folgende Vor­fälle: .An einem Dienstag nachmittag ging ich in der Umgebung von Monte Carlo spazieren. Mein Blick fiel plötzlich auf einen Grenzstein, aus dem mit roter Farbe die Ziffer 6 angemalt war. Ich dachte mir gleich, diese Nummer müs­se ich setzen. In dieser Sekunde jagte eine Ka­lesche an mir vorbei. Ich sah deutlich, daß der Wagen di« Nummer 28 führte. Nun drängte sich mir der Gedanke aus, daß die Nummer 28 die richtige fei, die ich setzen müsse, wenn ein­mal bereits die Nummer 6 erschienen war. Zwei Stunden später betrat ich den Splelsaal, ich näherte mich dem Disch, warte kaum eine Minute und sehe tatsächlich die Nummer 6, die soeben der Roulettenteusel zum Vorschein ge. bracht hatte. Ich zauderte eine turje Weile. Das Spiel nahm feinen Fortgang, es war be- reits zn fpät. Und stehe, die Nummer 28 kommt siegreich zum Vorschein. Meine Wut und Aer- gernis läßt stch leicht auSmalen.

ES vergingen mehrer« Wochen und ich kam wieder durch einen Zufall während eines Spa­zierganges aus die Landstraße. Mein Zlgarel- tenetui fällt zu Boden. Ich bücke, mich, um eS aufzuheben und bemerke, daß vor mir ein Grenzstein mit der Nummer 22 steht. MermalS «in Fingerzeig des Schicksals, denke ich mir. Eine halbe Stunde später war ich bereits im

Kennst Du Dein Heimatlandl Hedemünden im Werratal.

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Mannigfaltig und idyllisch sind die landschaftlichen Schönheiten, ble auch die enge Hei- mat umschließt und eS sind nicht immer große Fahrten in die Ferne vonnöten, Liebe zur Heimat und Verständnis für die Reize, die, tote daS Gute, so nahe liegen, zu erwek- len, soll das Ziel einer auSgetoählten Bilderserie (eigene Aufnahmen der Kasseler Neue- sten Nachrichten) fein, deren Veröffentlichung wir heut« mit obigem Bilde beginnen.

Kasino. Erst jetzt fiel mir ein, daß ich keine Ausgangsziffer besitze, wie damals, alS ich den Anschluß an daS Glück verabsäumte. Rasch faßte ich den Entschluß, daß dies« Anfangs­nummer 1 sein müsse. Es dauerte ein« volle Stunde, bis eins zum Vorschein kam. Dann setzte ich sofort fünfzig Franken auf Nummer 22. Ich habe mich nicht geirrt. .Zweiundzwanzig- rief der Croupier. Am nächsten Tag ging ich C Frühstück mS Hotel Cap Mattin. Auf

Rechnungszettel, den mir der Kellner prä­sentiert, sehe ich di« Ziffer 222. Ich war über- rascht, plötzlich den glücksbringenden Nummern in zweifacher Auslage zu begegnen. Vielleicht bedeutet diese Begegnung ein doppeltes Glück wie 22. Abends gegen neun Uhr eile ich in den

Spieksaal.. Bald stelle ich fest, daß Nummer 1 zum Vorschein kommt. Schon habe ich einen LouiS auf 22 gesetzt. .Zweiundzwanzig" rief der Croupier. Ich zauderte einige Minuten. Siehe, da kommt Nummer 2 zum Vorschein. Blitzartig faßte ich nun den Entschluß, dieser geheimen Weisung zu folgen. Zwei könne doch nichts anderes Meuten, als daß ich der Num­mer meines Rechnungszettels (222) folgen und nochmals 22 setzen müsse. Gedacht, getan. Ein Louis flog wieder auf den Tisch Ich rieb mir die Augen, es war wieder Nummer 22, die her- anfgekommen war."

Dieser letzte Vorfall ist besonder- interessant. Würde man einen Mathematiker nach der Wahr­scheinlichkeit der zweimaligen Wiederholung der

Phot: Damm, MaiDurg

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Der Hessenlöwe als Blumenbeet.

MS Vorbote zur vierhundert-Jahrfeirr der Universität Marburg Ist im botanischen Gar- ten, «In Blumenbeet, darstellend den Hessen- Löwen mit den Jahreszahlen 15271927, angelegt worden.

Nummer 22 beim Roulettespiel befragen, so er­hielt« man di« Antwort, daß «s zwanzig Mil­lionen Mal wahrscheinlich sei, daß die Nummer 22 unter den geschilderten Umständen nicht zwei­mal Wiederkehre, als das Gegenteil. Fortuna pfeift aber auf di« Mathematik und mach es, Wie es ihr gefällt. -app.

Erfrischende Luft.

Das Geheimnis des Ozons.

Die ozonreiche Lust der Wälder und dcr Küstengebiete wird jetzt wieder von vielen auf­gesucht, um sich zu stärken und zu erfrischen. Was für ein merkwürdiger Stoss ist es nun, den wir in der Großstadt so sehr entbehren und der der Atmosphäre die eigentliche Würze verleiht? Wilhelm Laegler erzählt davon in Reelams Universum. Unter dem Einfluß elcl- trischer Entladungen von hoher Intensität, aber auch bei Verdunstungen von Wasser ent- wickelt sich in der Luft ein eigentümlicher Ge­ruch, der von einet* besonderen Substanz her- stammt, der Prof. Schönbein in Bafel 1840 diefeS Geruchs wegen den Namen Ozon gab. Ozon findet sich nur in sehr geringen Mengen in der Atmosphäre; es kommt kaum mehr als ein Teil Ozon auf 700000 Teile Lust.

Durch Versuche von Dr. Andrews wurde 1856 nachgewiesen, daß das Ozon ein auf die Hälfte feines Volumens konzenttierter Sauer­stoff ist und in Sauerstoff zurüchverwandelt werden kann. Reines Ozon ist gesundheits­schädlich, aber in geringen Mengen wirkt S durch seine oxidierende Kraft heilsam; diese be­schleunigt nämlich ble Zerstörung von Fäulnis­produkten, die In der Luft vorhanden sind. In dicht bevölkerten Städten wird daS Ozon durch die Menge der vorhandenen Fäulnisstoffe schnell aufgezehrt; aber auf dem offenen Land« und ganz besonders in der Nähe deS MeereS ist es in Mengen vorhanden und erhält die Lust frisch und keimfrei.

Eine zuverlässige Methode zur Bestimmung des Ozongehaltes der Lust ist noch nicht gefun­den, aber die Farbenveränderung der Papiere, die man für das Ozonometer verwendet, gibt einen gewiffen Anhalt zur Schätzung deS Ge­haltes. Auf blefe Weife hat man festgestellt, daß stch in der Zimmerlust niemals Ozon fin­det. Im Freien hat die feuchte Luft mehr Ozon als die trodene, und gemäß den Verände­rungen des Feuchtigkeitsgehaltes der Lust im Laufe deS JahreS ist der Ozongehalt von März bis Mai am stärksten, von Oktober bis Dezember am fchwächsten. Süd- und Südwest­wind erhöht zugleich mit der Feuchtigkeit den Ozongehalt, während Ost- und Nordoftwind ihn herabdrücken. Bei feuchtwarmer, regneri- fcher, stürmischer Witterung, sowie bei Gewit­tern ist die Luft sehr ozonreich, bei starkem Nebel ganz ozonfrei.

Heilende Kräuter.

DaS Einsammeln von Tee. rT"'

Mutter Erde steht wieder Im herrlichsten Blütenschmmk. Sie hat ihr SommerkoMm an­gelegt und ermahnt den Menschen zum Ein- sammeln von Kräutern und Blüten zum Zwecke der Teebereitung. Zwar ist in früheren Zeiten die heilkräftige Wirkung der Teekräuter fehr überschätzt worden, dennoch ist es sicher, daß manche Pflanze, bezüglich ihrer heilkräftigen Eigenschaften noch nicht genügend gewürdigt wird. Mancher Leidende mag schon bei einem Spaziergange durch Wald und Feld sein .Glück* mit Füßen getreten haben! Unser Wissen bezüglich der guten Eigenschaften man­cher Pflanzen ist noch sehr lückenhaft. Doch wir wollen einmal feststellen, welche gute Wirkung den Teekräutern, die wir schätzen gelernt haben, eigentümlich ist.

Da haben wir das Lungenkraut, den Huf­lattich und die Eibifchpftanze. Nimmt man zu gleichen Teilen das Unkraut der ersteren beiden und mifcht sie mit zerkleinerter Eibifchwurzel (Alttee genannt), so hat man einen Tee, der Brustkranken ganz vorttefsllche Dienste leistet. Auch zum Gurgeln ist er gleich dem Malventee gut zu verwenden. Weiter werden Fencheltee und Pimpernellentee gegen katarrhalifche An- fälle empfohlen. Kamillentee ist ohne Zweifel einer der vorzüglichsten Tees gegen die ver­schiedensten Krankheiten. Er lindert Leib- schmerzen, wirkt bei Kolikansällen, zeigt bei verschiedenen Frauenkrankheiten und Augen- leiden seinen wohltuenden Einfluß und wird häufig dem Badewasser zugefetzt.

Dagegen erweist sich Lindenblütentee gegen Magenbeschwerden von bester Wirkung. Sal­beitee verringert den Nachtschweiß, Sonnen- blurnenblätter wirken gegen Fieber, Spargeltee Hilst gegen Nervenkoliken, und Fliedertee wird als fchweißtrelbendes Mittel gebraucht. Ge­schätzt ist auch der Baldrian, der krampfstillend wirkt. Teeabsud vom Schleedorn wird sehr ge­gen Gicht empfohlen. Gegen Kolik und Hals­entzündungen wirkt Pfefferminztee, während Birkenblätter die Nieren anregen.

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