Me>er Neueste NachriMrn Sonnabend, 9. Juli 1927.
Fall war. Falls innerhalb von zehn Stunden noch dem Start Mei Motors ftovvkN, so könnt» der überschüssige Betriebsstoff abgelasten und noch genug zurückbehalten werden, um mit vier Motoren zu fliegen. Wir sind der Ansicht, daß die Langstreckenmaschinen der Zukunst durchweg mit solchen Wschlußventilen- und Klappen versehen sein werden.
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Dicht unter den Sternen.
Im Riesenluftdampfer der Zukunft.
In ein paar Jahren wird e8 auch genügend über die transatlantische Route verteilte Pirnkt- richtungSstationen geben, die den Luststeuermann befähigen, zu jeder Zeit sein« genaue Po- sition zu ermitteln, so daß er n i cht zu befürchten braucht, durch starke, vorher nicht zu berechnende Ouerwiwde abgetrieben zu werden. Ein Wind von Vierzitz Meilen in der Stunde würde, wenn er von der linken Seite her bläst, ein Flugzeug in jeder Stunde um vierzig Meilen auS seinem Kurs Wersen. Die Maschinen der Zukuivft, die die Lüfte in zwanzigtausend Fuß Höhe durchkreuzen, werden dann immer hoch genug fahren, so daß der Steuermann, vraktisch gesprochen, die Stern« und die Sonne zu jeder Zeit sehen könne, was ihm erlauben würde, den K"»S genau innezuhalten. Auch wir w-ußten meist, bevor wir aus dem dichten Nebel herausgelangten, ziemlich genau, wo wir waren' Die großen Landungsräder eines solchen Flugzeuges würden natürlich der Luft erheblichen Widerstand bieten und ihre Geschwindigkeit vielleicht um fünf oder zehn Meilen in der Stunde verlangsamen. Deshalb müßte das Landungsgestell so konstruiert sein, daß es entweder bis an oder i n den Rumpf hinetngozogen werden kann. Ich glaube. No- ville bat bewiesen, daß die Passagiere eines solchen „Luftdarnvfer»* der ZrSunft in ihren Kabinen durchaus komfortabel sitzen, und Botschaften von jedem Ort der Welt empfangen können. Soviel scheint mir schon jetzt fest- llehend, daß eine einmotorige Maschine überhaupt nicht in Frage kommen kann, weil man von dem Arbeiten des einen Motors zu 'ehr abhängig wäre. Kein Mechanismus, der beuttutage konstruiert wird, ist unfehlbar und die Lartdungsgeschwindigkeit eines Flugzeuges ttt stets eine derartige, daß eine Katastravb.' eintreten muß, falls daS Flugzeug aus irgend ein Hindernis stößt. In Richtung von Westen nach Osten müßte der .Luftdampfer* Paris von
Rewyork auS in einem Tage erreichen. Stürme würden ibn kaum in Verlc- gcnbeit brinaen Sein größter Feind ist und bleibt der Nebel. Der tückischste Feind der Lust- st.hrt ist heutzutage fraglos bei Nebel. Aber auch der kann unschädlich gemacht werden. Die Maschine der Zukunft wird durch Funk-Richtungsfinder zu Ihrem Landungsplatz geleitet werden. Der Pilot, der genau weiß, wo dieser Landungsplatz liegt, wird glätt zu lande« vermögen, wenn nicht gerade der Nebel bis tief aus den Landungsplatz
Zn 15 Zähren über dem Weltmeer
Kommandant Byrd baut in den „Kasseler Neueste« den Nachrichten" de« Zukunft-Verkehr der Lust auS.
In seinem zweiten Bericht über die Auswertung seines denkwürdigen Ozeanfluges weist der orden. und dollarüberschüttete Amerikaner dem kommenden Luft-Transozeanverkrhr in scharfumriffenen Linien die Wege. Die „Kasseler Neuesten Nachrichten" haben sich mit einigen Blättern das Alleinabdrucksrecht dieser wertvollen Dokumente gesichert. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.
ÄM Harem der rullah.
Geheimnifle einer inarokkanischen Prinzestin.
Offiziell ist für die Türkei und Aegypten das Ende des Harems verkündet worden. Dennoch führen in vielen Teilen des weiten Orients die Frauen ruhig das Leben strenger Abge- schloflenheit weiter, wie «S ihnen vor vielen Jahrhunderten der Prophet anbefahl — jenes Leben, das für uns Europäer mit allem geheimnisvollen Glanze der Märchen auS Tausendundeiner Nacht umkleidet ist. Zurzeit weilt eine bekannte englische Reisende, Lavy Drmnmond Hay, in Marokko. Hier hat sie es verstanden, nach mannigfachen Schwierigkeiten Zuttitt zu dem Harem einer „Lullah*, einer Prinzessin zu erhalten und mit ihr zu plaudern. Eine Dame von Mittelgröße, so schildert sie die Lullah in einem Londoner Blatt, mit schwarzem Haar, erschreckend bleichem Gesicht, großen dunklen Augen. Sie war gehüllt in einem langen Schleier, dessen Falten bis über die schweren Augenlider herabsanken. Ihr Gewand war steif, fast wie ein Sack, dabei arzur- blau mit Blumen und silbernen Ornamenten • bestickt. Eine wogende Fülle weißer Spitzen kroch au» dem faltigen Aermel vor. Hand und Finger waren geschmückt mit goldenen Spangen und riesigen Ringen von fremden Formen. Den Hals zierte eine Kette von Perlen und Edelsteinen aus so vielen Reihen, daß die Haut kaum mehr zu sehen war. Bei jedem Schritt Hingelten übergroße, schwere Ohrringe, von denen zwei goldene Ketten auSgingen, verziert mit einem Karfunkelstein, wie ich ihn in solcher Größe noch nie erblickt; diese Ketten befestigten ein seidenes Tuch auf ihrem Haupt. Ein langer seidener Mantel, mit vielen silbernen Knöpfen verziert, vollendete die exotische Gewandung.
Nachdem wir unS offiziell begrüßt, ließen wir unS auf die Mattatzen nieder, innerhalb des wetten Raumes, der mit den köstlichsten Teppichen auSgehängt war. Kurz darauf er- schienen noch einige andere maurische Damen. Wir kamen langsam ins Gespräch, in dessen Verlauf ich die Dame bat, mir doch etwas von den Gepflogenheiten ihres täglichen Lebens zu erzählen. Nach kurzer Besinnung nahm die Lullah mit weicher, schwingender Stimme das Wort. „ES gibt bei euch ein Wort —: Emanzipation. Es ist zu uns gedrungen, aber wir wissen sonst nichts von ihm und wollen auch nichts von ihm wissen. Unser Leben ist immer noch da» gleiche, wie eS vor zweihundert, vor dreihundert Jahren war. In meiner Familie ist es Sitte und Gesetz, daß die Frauen niemals da» Haus verlassen, es sei denn, wenn sie heiraten — aber das ist nur eine Ueberstede- lung; auch daS Haus des Gatten dürfen sie niemals verlassen. Dieses Gesetz wird unverbrüchlich gehalten. Oft sitze ich mit meinen Töchtern zur Sommerszeit, wenn die Sonne behaglich brütet, in unserem kleinen Garten am Torweg; wir trinken Tee, plaudern und sticken, verborgen unter einem Teppichzelt. Aber auSgehen oder gar Besuche machen? Das wäre für uns eine Schande und völlig wider alle Moral!
Vor allem gilt e» für mich, meine Töchter ?u erziehen; ich lehre sie alle Dinge, die eine frau, falls sie einmal heiratet — und zu« Heirat und nur zur Heirat sind meine Töchttr bestimmt — wissen muß, lehre sie waschen, kochen, sttcken, die Babys Pflegen und andere» mehr. Ist das nicht genug? Kann das nicht allein stchon, wenn man seine Pflichten ernst nimmt, einen Tag aussüllen? Und dann die Besuche, vor allem an Festtagen! Wenn ick nicht will, brauche ich nie allein zu sein. Wa» wollen Sie? Ich lebe ein sehr geschäftiges und sehr glückliches. Leben.. Gebe Allah, daß dereinst das meiner Töchter ebenso gesegnet fei!"
Das itt Berlin!
Dommerbilder aus der Reichshauptstadt.
Wenn man sich eine Droschke nehmen will greift man natürlich nach einem sauberen neuen Auto, nicht nach einem alten schmutzigen oft mit Ungeziefer behafteten Vehikel. DaS wissen natürlich die Inhaber der letzteren und deshalb stellen sie sich an den Bahnhöfen auf. Vor diesen Gebäuden wird nämlich die Verteilung der Wagen durch die Polizei vorgenommen. Kein Reisender hat hier das Recht, sich selbst sein Gefährt zu suchen, er muß es sich zuteilen lassen, aber er ist auch gezwungen, selbst den schmutzigsten, ältesten Wagen zu nehmen, sonst bekommt er nämlich keinen. WeShalb die Stacht hier nicht für Abhilfe sorgt, ist ganz unbegreiflich, denn auf diese Weise bekomnen die Besucher der Reichshauptstadt gleich bei der Ankunft einen „schönen" Eindruck von Berlin
Die oft reckt seltsamen Sprachausdrücke der Behörden, Danken und so weiter werchen so leicht nicht auszurotten sein. Wie komisch klingt es. wenn eine Bank einem Kunden schreibt, daß sie ihn „für 100 Mark erkannt" habe, und tote grob die Behörden bei der geringsten Aufforderung all« Menschen „ersuchen* müssen. Daß Ito- die Berliner Polizei aber nicht abgewöhnen kann, anständige Leyte, die in irgendeiner Woh nung ein oder mehrere Zimmer abgemietei ya- ben, auf allen Formularen „Aftermieter" zu titulieren, ist kaum zu begreifen. Untermieter klingt doch mindestens ebenso schön.
Was em Chambre separ4 ist. dürfte gemeinhin bekannt sein. Es dient dazu, um zwei Personen verschiedenen Geschlechts zur Abend stunde.... Genug davon. Zwei Personen ist das Wesentliche. Chambre separS für eine Person sollte zwecklos sein, sollte man meinen Sollte! Gibt's aber doch! Einige Berliner Gast stätten haben diese Zimmercheu eingerichtet, fb enthalten ein Sofa... weiter nichts. Aui «hm kann sich der Gast, der zuviel getrunken ha und weder den AuSgang noch den Heimweg 'tu det. ausruben. bis er beides tu finden wieder imstande ist. In den stark besuchten Restaurants sollen diese Zellen jeden Abend bevölkert fein. Chambre separs für eine Person wer hätte das früher gedacht!
Im Norden un» Osten Berkins, wo die Zahl
herabhängt. Um sich gegen einen solchen Fall zu schützen, sollte das Flugzeug genügend Ga- solinreserven bei sich haben, damit es entweder nach einem nebelfreien anderen Flugplatz, der ihm durch Radio angegebn werden könnte, fliegen oder in der Luft so lange tteiben kann, bis sich der Nebel zerstreut.
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Vertreibt Den Nebel!
Der ZukunstSkompaß schon erfunden.
Da» ist keineswegs ein utopischer Traum, hatte doch unsere „America* eine ausreichende BetriebSswfsreserve, um noch fünfhundert Meile» zurücklegen zu können, außerdem führte sie Post und eine Ladung von mehreren hundert Pfund an Bord. ES ist gewiß möglich, daß innerhalb von ein paar Jahren jemand etwas erfindet, um den Nebel von Landungsplätzen vertreiben zu können. Vielleicht gelingt eS auch einem findigen Kopf, ein besondere» Licht zu ersinnen, das den Nebel kräftig zu durchdringen vermag. Solange aber solche Erfindungen noch nicht vorliegen, bleibt der Nebel der Luftfahrt erbittertster Feind. Nicht immer halten Stürme den guten Fahrtverlauf auf, ja häufig genug können die Winde vorteilhaft dazu benutzt werden, die Geschwindigkeit des Flugzeugs erheblich zu steigern. Die Lustüberquerung des Atlantik wird vorerst noch in verschiedenen Höhenschichten gemacht werden müssen. Der Luststeuermann muß deshalb ein erfahrener Meteorologe.fein, seine Kenntnisse der Windrichtungen, Windströmungen müssen weit über die hinausgehen, die heute irgend ein Flieger besitzt. In Zukunft wird der Pilot in der Höhe fliegen, in der er die W inbe mit sich hat, und in der sie am schwächsten gegen ihn auftreten. Die Motore des Großflugzeuge» werden dem Mechaniker leicht zugängig sein, sodaß er im Falle der Aussetzen» eines Motor» in der Luft durchaus in der Lage ist, Reparaturen vornehmen zu können und die Motore wieder in Gang zu bringen. Das ist sogar heute schon eine keineswegs unmögliche Sache. Die beiden Autzenbordmotore der „America* konnten von der Kabine aus durch einen kleinen Laufsteg erreicht werden, so daß bestimmte Reparaturen, falls sie nötig gewesen wären, in der Lust hätten vorgenommen werden können. Es war sogar ein Laufsteg vorhanden, der über die Kappe an der Vorderspitze unseres Apparates hinausging. Glücklicherweise war keine Gelegenheit, auf unserem Fluge diese Einrichtungen zu benutzen. Aber das Bewußtsein, daß wir im Notfälle Reparaturen vornehmen konnten, gab uns doch ein beträchtlicher Gefühl der Sicherheit. Unser Erdinduk- tionskompaß ist der
Flugzeugkompatz bei Zukunft, weil jener Kompaßteil, der der Einwirkung der magnetifchen Meridiane unterliegt, weit draußen aus dem Flügel der Maschine untergebracht werden kann, sodaß der Kompaß durch das magnetische Material des Motors bezw. die Metallteile des Flugzeuges nicht aus dem Gang gebracht werden kann, wie dos gewöhnlich bei den üblichen Kompassen der Fall ist.
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Wie verstaut man Frachten?
Geheimnisse des Flugbootes.
Einige dieser transatlantischen Flugzeuge werden der Frachtbesörderung dienen. Bei ..Frachtslugzeugen könnte vielleicht sogar ein Teil der Ladung in den Flügelflä- chen Platz finden. So hatten wir beifpiel»- weis« bei unserer „America*, ein besonderes Abteil in den Flügeln hergerichtet, in welches wir einige der kostbarsten Gegenstände an Bord unterbrachten. Man könnte die Tragflächen der zukünftigen Flugmasckinen meiner Meinung nach sogar derart verstärken, daß auch sie P a s s a gi e r e zu tragen vermögen. Wäre tatsächlich eine Falltür aus dem Flügel der „America* angebracht gewesen, sie hätten dann beinahe einen Mann zu hallen vermocht.
Für denFall eines Schiffbruchs führen alle Schiffe auf hoher See Rettungsboote und andere Lebensrettungseinrichtt7*»zen mit sich. Auch wir hatten derartige Dinge an Bord der „America, ein
Boot für sieben ober acht Menschen, bas fast unbegrenzte Zeit aus dem Ozean hätte treiben können. Unser Kautschukboot war von einer Gummifabrik konstruiert und wog nur zweiundzwanzig Pfund. Ferner hatten wir genug Nahrung mit, um es mehr als vierzehn Tage ausbalten zu können. Endlich war noch ein Atmunasapparat da, der nur ein Viertelpfund Gewicht hatte «nd den Atem zuWas- fer kondensierte, wenn man hineinblies, sodaß wir also nicht aus Gründen des Durstes hätten notlanden zu brauchen. Ich glaube auch, wir erbrachten den Beweis, daß die Maschine auf dem Wasser ohne weitere» Unheil für tte Passagiere niederaehen konnte, und die Rettungsboote beauem silier Bord zu bringen waren. Wir hatten nämlich »atsäch lick zwei solcher Boote mit, von denen das eine als Notteferve in dem größeren Gummiboot einqepackt war. Gewiß, viel bleibt nock zu tun. bis solche Luft- dampfer tätlich über den Atlantik fliegen werden. Abe« sie werden gebaut werden und sie werden täglich fliegen.
Zwei Faktoren, der Rebel irrt» die zeitweilige Störung unseres Erbinduktionskompasses, haben es verhindert, daß wir Le Bourget erreichten. Indessen, auS unserem Mißgeschick wie aus unserem Ersolg — e» war ein Erfolg, da wir zum ersten Male mit einem großen dret- motorigen Flugzeug, mit einer Besatzung von vier Mann und schwerer Belastung an Bold den Ozean überquerten — Haden wir vielerlei gelernt, waS für irtt Zickunst von äußerster Bedeutung sein muß. Aus unsere Art waren wir Pioniere, und wenn wir den Flugnochein- mal unternehmen sollten, was wir alle wcchrscheinlich früher oder später tun werden, so gibt es da verschiedene Dinge, die wir anders machen würden. Nur durch ein Experiment wie daS unsrige kann die Zukunft beS Fliegens weiter entwickelt wenden. Innerhalb fünfzehn Jahren werden groß« und mächtige Apparate gebaut werden, die im Stande stnb
tn riesiger Höhe zu fliegen,
sagen wir, in 18—50000 Fuß Höhe. Ich deutete schon an, baß man in derartigen Höhen starke Westwinde sich zu Nutz« machen kann. Man darf annehmen, daß eine solche Maschine, die in der Richtung von Westen nach Osten sich vorwärtsbewegt, nach allgemeiner Erfahrung ihre Geschwindigkeit infolge de» Windes bis zu siebzig Meilen in der Stunde zu steigern vermag. Allerdings erfordert ein Flug in solcher Höhe weit größere Motorkraft, angesichts der starken Verdünnung der Luftschicht und auch mehr Gasolin als in niedrigeren Höhen verbraucht werden würde. Die Passagierkabine müßt« vielleicht mit S auetstoffbe- h ältern ausgerüstet werden, desgleichen auch der vorder« Verschlag deS Piloten. Diese Sanerstosfzusuhr hätte den weiteren Vorteil, die Passagiere warm zu halten, da man in diesen Höhen zu jeder Jahreszeit mit Temperaturen beträchtlich unter dem Null-Punkt zu rechn»» hat. DaS große Luftvehikel der Zukunft Bürfte wahrscheinlich sechs Motoren Haven und im Stande fein, mit jeweils zwei abgestellten Motoren zu fliegen, so daß es bei sehr leichter Belastung möglich sein könnte, einen derartigen Wirkungsgrad zu erreichen, daß die Maschine mit zur Hälfte „toten* Motoren zu fliegen vermag. Wenn man sich auf einen solchen Flug begibt, so ist man notwendigerweise zu einet großen Gasolinladung gezwungen. Die Behälter sollten aber mit einem Mbflußventil versehen sein, wie eS auch bei der „America* der
Wie tnadif es Berlin?
Der italienische Unterstaatssekretär für da» Lustfahrwesen traf bei einem Rundslug durch Europa auf dem Tempelhofer Flughafen in Berlin ein. Bakbo steuerte seinen Apparat selbst. — In der Mitte Bwlbo, links der italienische Botschafter in Berlin Conte d'Äkdev- randi-Marescotti.
der Althändler ständig im Steigen begriffen ist zieht ein Mann umher mit einem Karren, aus dessen Schild steht zu lesen: „Ick kaufe, wat ick krieche.* Ein anderer, der den Westen absährt und demgemäß in hohem Deutsch seiner Mitwelt xeden muß, hat sich ein Schild malen lassen: „Kaufe Altkleider, Flaschen, Altpapier, Skripturen und Lumpen, Aufkäufer ganzer Behörden.* Da der Wagen, den er mit sich führt, nicht sehr groß ist, dürst« das schwer fallen.
Buntes 2HIerkt
Scvttva in Kalifornien.
Die Stadtväter des Städtchens Berkeley in Kalifornien haben ein merkwürdiges Mittel gefunden, um die Chauffeure, die durch Fahrlässigkeit ober Ungeschicklichkeit einen Unfall herbeigeführt haben, zu bestrafen. Während man anderwärts den schuldigen Chaufseur einsperrt und zur Verantwortung zieht, nimmt man in Berkeley das Auto, das der Chauffeur geführt hat, in Schutzhaft. Der Wagen wird dadurch aus dem Verkehr gezogen und ist nicht mehr in der Lage, weiteres Unglück anzurichten. Den Chaufseur dagegen läßt man ungeschoren von neuem auf die Menschheit lo».
Weil „Sie" darauf gesessen hat.
In Rumänien scheint ein Reklamefachminn beheimatet zu sein, der zumindest die Psychologie seiner Landsleute ausgezeichnet beherrscht und dem man ein breiteres Wirkungsseld wünschen könnte. Man hat in diesem industriell soeben sich ausfchwingenden Lande ein Verfahren erfunden, das Leder alter Autos und Motorboote nutzbringend zu verwerten; man stellt nämlich aus ihm Stiefel und Schuhe zu billigen Preisen her. Diese Schuhe werden von einem Warenhauskonzern aufgekauft und auf höchst originelle Weife angepriesen. Man findet nämlich in Abständen von einigen Wochen an diesen Warenhäusern riesige Schilder, auf denen geschrieben steht: „Billige Stiesel! Ihr Leder stammt aus dem Auto der Schauspielerin X.*, ober „Heute Damenschuhe, halb verschenkt, hergestellt aus bem Leber beS Motorbootes, in bem Madame U. drei Monate gefahren ist!* Die braven Rumänen stürzen sich wie die Wilden auf dieses Schuhwerk und kaufen eS. Es scheint, als ob es für sie eine große Genugtuuna ist, Leder an den Füßen zu haben, auf dem Maba- me soundso gesessen hat. Wenn das Leder ein wenig lädiert ist, so tröstet sie daS Gefühl, baß biese Abnutzung burch ben Druck besonbers schöner Körpersormen hervorgerusen ist. Man muß sich oft mit kleinen Freuben im Leben auf rieben geben. Den Reklamefachmann, ber auf biese Jbee gekommen ist, sollten sich unsere großen beutschen Konzerne etwas genauer betrachteu.
Sin Vater der Minden.
Vor kurzem starb in Wien in einem Hospital ber Josephstabt ber Dr. Leo Rosenstcin, genannt „ber Vater ber Blinden.* — Rosen- ftein ist geborener Franzose, hatte mit Auszeichnung " sein medizinisches Examen gemacht und sich in Kairo als praktischer Arzt niedergelassen. Hier traf ihn mit 27 Jahren daS grausame Geschick der Erblindung. Aber Rosenstein gehörte zu den Leuten, auf die bas tiefe Wort Frank Webekinbs paßt: „Unglück kann jeder Esel haben, es kommt nur darauf an, es richtig auSzuniitzen*. Rosenstein gründete in Kairo ein riesenhaftes Blindenheim, dessen Leiter er wurde und in dem sich die «linbcn h^- «'»tnmfen Orients »ulammenian- den. Der Doktor sprach acht Sprachen absolut "ersekt und bai diese Kenv'niff« benutzt, nm die Blindenschrift, die damals soeben erfunden war, aus» Großartigste auszubauen. Vor allem übertrug er sie ins Arabische und acb in ihr den Koran und eine Nebertraauno des .Reuen Testaments* heraus — Durch sen ^rieg mußte baa Blind-nboim tu Kairo ae- lchlosien werden. Rolenssein ging nicht noch Frankreich zurück, sondern folgte einem Rufe deS Blindenhosvttals in Wien, daS er bis zu seinem, vor kurzem erfolgten Tode geleitet hat.