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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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9? tt Hl tuet 155. Amtliches Organ der Stadl Kassel.

Mittwoch, 6. Juli 1927.

Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

Italien schreckt wieder Europa auf.

Nur eine Mode?

DieSalven vomMont Cenis" geben zu denken.

Eingewiegt in den Schlummer Locarnos träumt eine ganze Menschheit einem ewigen Weltfrieden entgegen. In Oslo regnete es No­belpreise. Geschmückt und ausgezeichnet mit die­ser schönsten Würde präsentieren sich Chamber­lain, Briand und D r. S t r e s e m a n n als die verdienstvollsten Förderer einer Idee, die nichts mehr wissen will vom Krieg, von Kanonen, von Mitrailleusen, die nur kennt friedliche Entwick­lung der Böller, Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft der Menschheit. Man redet in Wien von der erdnahen Möglichkeit eines Pan-Eu­roopa. Man beugt in Genf über grüne Tische ernsthafte Köpfe, um Voraussetzungen zu schaf­fen, die eine Weltabrüstung auch in der Tat her- bciführen könnten. Man bemüht sich allerorten aus der Welt, die Zollschranken und alle die Hemmungen, die die Wirtschaft und das Neben­einanderleben der Völker erschweren und zum Teil unmöglich machen, zu mildern. Man spricht von den offiziellen Tribünen aller Staaten von der Friedensliebe der Regierungen, von der nicht mehr zu erschütternden Erkenntnis, daß die Psychose des Krieges und des Masienmordens überwunden sei, daß kein verantwortungsbela- dcner Staatsmann in der ganzen Welt nur mit dem Gedanken spiele, der die Marschkolonnen der Heere wieder in Bewegung setzen könnte So herrscht überall, gleichsam als wäre es M o- d e geworden, ein Geist der Duldsamkeit, ein Geist des Verstehens, ein Geist der Selbstbe- berrschung. Wie gesagt, gleichsam als wäre cs Mode geporden.

Ist dies alles, diese unablässige Dokumen­tierung eines unerschütterlichen Friedensgeistes, wirklich nur eine Mode der Worte? Man sehe hinter die Kulissen der Staatstribü­nen. Man lese zwischen den Zeilen der amtli­chen Comuniquis einer sogenannten Genfer Drei - Mächte - »Abrüstungs' - Konferenz. Man schaue aufs deutsche Rheinland. Und man wird wissen, wie man Worte zu werten bat, und wie sehr Taten Worte Lügen strafen können. Frie­dens-Geflüster in Gens, Friedens-Hymnen tn Oslo. Aber aus dem Mont Cenis knattern Maschinengewehre, brüllen Kanonen ihren er­schreckenden Kriegsruf über die Grenzen und schreien der Menschheit ins Ohr. was Wahrheit und was Wirklichkeit ist. Sieben italienische Batterien sind aufgefabren auf dem höchsten Berg an der italienisch-französischen Grenze. Und die todspeienden Mäuler dieser Kanonen sind nach Frankreich gerichtet. Und schließlich, was nicht uninteressant ist, es wird scharf geschossen! So scharf geschosien, daß die italienischen Offiziere die französischen Bauern der Grenzzone zwingen, ihre Häuser und Gehöfte zu räumen, alldieweilcn dieses Stückchen friedliches Land in der Schußlinie liegt, alldieweilen hier Granaten krepieren sollen. Eine »friedliche Schießübung', sagt Musiolini. Und ob dieses »Friedensgei- stes" müssen sich die Bauern und Sennen in die Berge retten. Liest man dieses Vorkommnis, so möchte man es als unfaßbar bezeichnen. Möchte man eine solche Grenzbrüskierung in ei­ner Welt, die sich das Stigma Locarno gegeben hat, für unmöglich halten. Aber wo ist die Grenze, die zum Unmöglichen führt? Herr Mus­solini beweist der Welt, daß er solche Grenze nicht kennt, scheint stärker zu sein als der Geist Lccarnos.

Sicherlich, der Mont-Cenis-Zwischenfall wird im Sande verlaufen, wie alle die Geschehnisie, die sich irn vergangenen Jahre in Ventimiglia und längs der französisch-italienischen Grenze abgespielt haben. Denn es ist nur ein Glied in der eisernen Kette mehr, die die neue Zeit an die abgetane alte des Willkür-Geistes und des Macht-Wahns fesseln wird. Aber diese eiserne Kette Mussolinis, sie reibt die Seelen da unten wund. Sie peitscht den Ingrimm, die Nervosität, die Furcht, den Haß. Die Ga­zetten Paris' und die Gazetten Roms werden schreien. Und die Völker, die hinter diesen Ga­zetten stehen, die werden »begreifen', daß Alarm- bcreitschaft vonnöten ist. Hat uns in Deutsch­land dieses alles kalt zu laflen? Man lese das Pariser Hetzblatt Mattu. Da wird mit unver­kennbarer Nervosität mitgeteilt, daß sich der deutsche General von Seeckt mit fünf deut­schen Offizieren in Italien b-kände. daß sich diese Offiziere für jede Einzelheit der italieni­schen Militärverwaltung intercffierten, daß Musiolini sie in feierlicher Audienz empfangen wolle. Gewiß, man Wirtin Deutschland ob die ser Pariser Sensationsmeldung lächeln kön­nen. Da man hier weiß, daß General von

Reißen öle Versailler Ketten?

Kanonendonner an den Grenzen f Italien beunruhigt Frankreich. Bulgarische Banden von den Serben blutig heimgeschickt.

WennFrauen regieren

In der Politik unentbehrlich.

Von

Clara Mende, M d. R.

Paris, 5- Juli. Die Morgenblätter berich­ten wiederum von zwei Zwischenfällen an der französisch-italienischen Grenze am Mont Cenis, Die italienischen Offiziere, die Franzosen, auf italienischer Seite, zum Verlassen ihrer Häuser für die Dauer von Schießübungen veranlaßten, sollen auch die Bewohner der Alpenhütte von Revers dazu gezwun­gen haben. Der Besitzer, seine Frau und seine acht Kinder, von denen eins krank war, hätten sich bis zur Beendigung der Schieß­übungen unter einem Felsvorsprung ausgehal- tcn. Ein italienischer Carabinierie habe außer­dem drei Schüsse auf zwei italienische Ar­beiter, die sich 300 Meter entfernt auf franzö­sischem Gebiete befanden, abgegeben.

* * *

Grenzrrieg cu? dem Basson.

Eine blutige Bulgarenschlappe.

Graz, 5. Juli. Ein Blatt meldet aus Bel­grad: Gestern versuchte eine Abteilung bulga rischer Kommitatschis in der Nähe von Valandowa auf jugoslavifchcS Gebiet ein zu - dringen. Tie jugoslavische Grenzwache trieb die Kommitafschis in die Flucht, wobei diese mehrere Tote und Schwerverletzte auf dem Plaste ließen. Don den Jugoslaven wurden zwei Mann leicht verletzt.

*

Varls beschwert sich in Rom

Paris, 5. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Auf Grund einer Kammeranfrage hat die fran­zösische Regierung die Aufmerksamkeit der Re­gierung in Rom auf die Zwischenfälle in Lans- lebourg in Savoyen gelenkt und sie ersucht, die Angelegenheit auf Grund des Vertrages vom Fahre 1861 regeln zu wollen.

Voincars beimunbekannte» Soldaten".

Brüssel, 5. Juli. (Expreß.) Am 17. Juli werden der französische Ministerpräsident Poin- care und französische Generäle mit König Albert den Beisetzungsseierlichkeiten eines französischen unbekannten Soldaten" präsidieren, dessen Ueberreste östlich von Ypern ausgegrabcn wur­

den. Das Ehrenmal, das sich übet demnnbe- kannten Soldaten" erhebt, ist sechs Meter breit und über elf Meter hoch.

VersmKeö fällt!

Nur noch Paris gegen Militärattaches.

London, 5. Juli.

Dt> britische Regierung wird die vormals feindlichen Regierungen einladen, wieder Mili- tävattachecs bei den Botschaften usw. zu ernen­nen, da Gegenseitigkeitsbehandlung das einzig möglick-e Verfahren ist. Tic britischen Militär- attachees sind bereits ernannt. Die britische Re­gierung hat sich niemals die französische An-' sicht zu eigen gemacht, daß der Versailler Bet- trag Deutschland Militäratachces verbietet, und sie hat dies bereits 1920 deutlich zu verstehen gegeben. Deshalb hat auch London einen deut- fchen Offizier für die Schiedskommission in Al­ba n i e n vorgeschlagen. Nächste Woche wird in London Oberstleutnant Fürst Hohenlohe als Militärattachecs für Ungarn Eintreffen. Unga­rische und deutsche Offiziere halten sich hier bc- salls für diese Regelung.

Die Vrefte aus§eMo7en.

Sie besichtigen die Ostunterstände allein.

Berlin, 5. Juli. General von Pawelfz, der französische und der belgische Militärsachverstän­dige werden nach ihrer Rückkehr ein gemein­sames Protokoll für Berlin und die Botschasterkonfcrenz unterfertigen. Die Presse wird an der Besichtigungsreise nicht teilnehmen. Daher wird auch der Ter nt i n der Abreise der Kommission nicht bekannt gegeben.

*

So sieht unsere Flotte England w ed-r

London, 5. Juli. (Eigene Drabtmeldung.i Der deutsche Fischereikreuzer Zieten ist als erstes deutsches Regierungsschiff seit dem Kriege in Aberdeen eingelaufen. Der Kapitän stattete dem Oberbürgermeister im Rathaus einen Höflichkeitsbesuch ab.

Franc« haben r« allen Seiten regiert wenn an» meist bar» ihre Minister, deren richtige Auswabl aber ihre gute Menschenkenntnis ver­rät. Heute aber wird die Fran aus der Politik nicht mehr verschwinden, weil sie die Arbeit des Mannes nickt nur unterstützt, sondern auch teilt und ergänzt, wie die bekannte Parlamenta­rierin imDentsckensviegel" sehr instruktiv auseinanderletzt.

Die Frauen in der Politik sind eine Erschei­nung der neueren Zeit. Die Frauen aller Län­der haben seit Jahrzehnten nach politischen Rechten gestrebt. Die sogenannte Frauenemanzi- patioil wollte weiter nichts als diese politi­sche Besrciung der Frau. In großen, internationalen Frauenvcreinigungen suchten die Frauen sich zu stärken, weil die gleichen Wünsche überall vorhanden waren, durch Mas­senaufgebot vermeinten sie ihrer Forderung Nachdruck und Widerhall in allen fünf Erdteilen zu geben. Ihre Bestrebungen waren ergebnis­los, der Mann hielt Überall fest an dem Prin­zip der Alleinherrschaft im Staate. Der Welt­krieg brachte den

Zusammenbruch des reinen Männerstaatcs; im eingeschloffenen Deutschland wurden bohe Anforderungen an den politischen Sinn der Frauen und seine praktische Betätigung gestellt. Tie Bewährung der Frau in jenen schweren Jahren führte zur politischen Befreiung. Die Frauen bekamen das politische Stimm- recht aktiver und passiver Betätigung in völli­ger Gleichberechtigung mit dem Manne ohne die geringste Einschränkung. In anderen Staaten erlangten die Frauen bald auch die gleiche Stel­lung. In Frankreich soll es abhängig gemacht werden von einer gewissen militärischen Betätigung der Frau, vermutlich als Zei­chen der beginnendenAbriistung". 1919 hielten siebenunddrcißig Frauen ihren Einzug in das Parlament der deutschen Republik; davon ent­fielen auf die sozialistischen Parteien zweiund- zwanzig Frauen, die übrigen fünfzehn vcrlerl- ten sich ziemlich gleichmäßig ans die bürgerlichen Parteien. Sie zogen die Konsequenzen ans der Einrichtung, ohne sie selbst gewollt zu haben. Die Frauen innerhalb und außerhalb des Par­laments beteiligten sich mit großem Eifer, mit Hingabe und Verständnis, mit gutem Einfüh­

lungsvermögen an den, Arbeiten der politischen

Doch noch Zollsrieden im Reich.

Handelsminister Schreiber soll Preußen umstimmen / Keine Regierungskrise.

Berlin, 5. Juli. Man rechnet jetzt damit, daß sämtliche Posten der neuen Zollvorlage vom Reichstag mit einer sicheren Mehrheit an­genommen werden. An und für sich ist damit natürlich noch nichts entschieden, denn der Reichsrat wird vermutlich von seinem Recht des Einspruchs Gebrauch machen. In die­sem Fall wäre allerdings das Schicksal der Zoll- Vorlage besiegelt, womit die Regierungskoali­tion im Reich ihr Ende erreicht haben würde. In politischen Kreisen glaubt jwan jedoch nicht, daß es dazu kommen wird, da alle Parteien be- irebt sind, eine Regierungskrise zu i e r m e i d c n, die unbedingt zu Neuwahlen ühren und somit neue innere Kämpfe herauf- »efchwören würde. Man erwartet also, daß zum mindesten für den Zuckertarif eine Mehr­heit auch im ReichSrat zu finden sein würde. Anders steht cS jedoch mit dem Kartoffelzoll J)ier liegt die Entscheidung nach wie vor beim preußischen Staatsministerium. Hier soll Land­wirts chaftsminister Dr. Steiger die Rolle des Unterhändlers übernehmen, der mit Schiele völlig übereinstimmt. Wenn er und die übrigen Zentrumsminister die preußische Regierung vor eine gewisse Alternative stellen, so ist eS immer­hin möglich, daß Preußen darauf ver­zichtet, im ReichSrat gegen die Zollerhöhuu- gen Einspruch zu erheben, zumal jetzt auch Zen- trumsblätter Preußen ganz offen den Vorwurf machen, den Reichsrat zu parteipolitischen Zwecken zu mißbrauchen, um der verhaßten Reichsregierung ein Bein zu stellen. Mit einer

Vertagung des Parlaments schon am Ende die­ser Woche wird nicht mehr gerechnet.

Sin Gastspiel im Herbst.

Der Reichstag erledigt das Reichsschulgeketz.

Berlin, 5. Juli Um das jetzt nicht mehr zum Abschluß kommende Reichsschnlgesetz rascher zu fördern, wird man den Reichstag zu einer H e r b st t a g u » g für zwei bis drei Tage cin- berusen, damit er den Entwurf in erster Le­sung erledigen kann. Der Termin wird von der Fertigstellung des Entwurfes im Reichs- kabinett und im ReichSrat abhängig fein. Im Reichskabinett ist der Entwurf noch nicht endgültig geklärt. Im interfraktionellen Ausschuß hat man die Notwendigkeit einer Herbfttagung cingcsehen.

Ein Orkan mit 26 Toten.

Schrecken des Sommers am Schwarzen Meer.

Odessa, 5. Juli.

In Odessa und Umgebung rickstete eist schwerer Orkan große Verwüstungen an. Verschiedene Dächer wurden ab gedeckt und Bäume entwurzelt. Auf dem Meere kenterten mehrere Segelboote. Ueber 20 Personen sind ertrunken. Ein Straßenbahn­wagen, der mit AnSklüglern besetzt war, die vor dem Unwetter flüchteten, entgleiste in einer Kurve und kippte um. Sechs Personen wurden getötet, zehn schwer und dreiunddreißig leicht verletzt.

Seeckt schon lange aus der Reichswehr ausge- fdjieben ist und schon lange keine Beziehungen mehr zu der deutschen aktiven Truvpe unterhält. Aber her Sinn, der hinter dieser Pariser Falschmeldung liegt, gibt zu denken. Die Angst, die Nervosität, die Triebkraft, die sie werden ließ. Man wird sagen, daß es unnötig wär-, sich über all den Klatsch aufzuregen, der in der

I Weltpresse des chauvinistischen Auslandes breit- Qetretcn wird. Aber dieser Klatsch wird gelesen, von ganzen Nationen auigesogen, in Volksstirnmungen umgewandelt, schließlich in eine Psvchose, die die Welt aus den Julitagen des Jahres 1914 noch in Erinnerung haben dürste. Drum beachte man dies alles und sei auf der Hut!

Parteien. Ueberraschend groß war die Zahl der tatkräftigen Mitarbeiterinnen auf diesem Ge­biet; das noch fehlende Wissen und die Technik der politisch parlamentarischen Arbeit suchten die Frauen durch Ausbildungsknrse, Schulungs- tggungen sich zu verschaffen, und es gelang den Frauen der Regierungsparteien auch sehr bald, (in Verwaltungsstellen, in den Ministerien >durch weibliche Beamte ihren Einfl nur Geltung zu bringen. Die Frage nach dem I Einfluß der Frauen in der Politik, speziell im Parlament, ist noch sehr umstritten. Man kann wohl sagen, daß die Zeit noch viel zu kurz ist, nm ein abschließendes Urteil zu haben, anderer­seits ist festzustellen, daß die Mehrzahl der Männer sich noch immer nicht rech't an die Reneinstellung den Frauen gegenüber g c- wöhnt hat, und daß eine Reihe von Frauen selbst noch nicht begriffen hat, daß neue Zeiten neue Verhältnisse, auch neue Arbeitsgebiete für beide Geschlechter mit sich bringen. Es gibt mehr Frauen als Männer in Deutschland, sie sind auch als Wähler prozentual die Mehrheit und doch treten sie beim passiven Stimmrecht nur als Minderheit auf, das ist heute noch Schuld der Mehrheit der weiblichen Wähler. Besonders die verheiratete Frau stellt sich schwer auf die neue Ordnung ein, sie muß noch lernen, daß ihre Eigenwirtschaft nur ein Teilchen der großen Volkswirtschaft und daß sie darum an Finanz- und Steuerfragen ein ebenso großes persönliches

Jntercffe hat wie der Mann, und daß die Finanzen die Grundlage aller Kul­tur und Sozialpolitik sind. Es ist auch falsch, zu behaupten, die Frau treibe nur Gefühlspoli­tik: die letzten zehn Jahre haben die deutschen Frauen gelehrt, daß der Verstand die Ge- fühle kontrollieren muß, dem Mann aber schadet oft ein warmer Gesühlseinschlag tn 'eine kalte Verstanhsauffassung auch nichts. Der Einfluß der Frau besteht oft allein schonn ihrer Anwesenheit in den Parlamenten und Parteien. Die Frauen haben sich eine Position in den Fraktionen geschaffen, mehr oder weniger einflustreich, je nach der Bedeutung ihrer Ein- -elpersönlichkeit: sie staben ihre bestimmten Ar­beitsgebiete so gut tote der männliche Kollege.