Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

VLr. L54.

Siebzehnter Jahrgang.

KaMer Neueste Nachrichten

1*

Dienstag, 5. Juli 1927.

Leute von drüben.

Kirche und Reklame in den U. T. «.

6en6erb«re ®erteö6ienUe. l RektamemadUette» tm Gotteshaus.

Die Amerikaner haben von jeher Wert daraus gelegt, als daskirchlichste" Volk der Well zu gelten. In den Bereinigten Staaten ist aber Gläubigkeit meist nicht Herzenssache, sondern Ehrensache will sagen: eS gehört einfach zum guten Ton, in Christentum zu .machen"! Man besucht die Kirche, weil das dazugehört, nicht anders, wie der Besuch einer Gemäldeausstellung oder einer Premier« auch. Upton Sinclair, der bekannte und tiesschursende amerikanisch« Ro­mandichter, hat von dieser typischen Einstellung des Durchschnittsamerikaners ein bezeichnendes Bild in seinem erschütternden Raman. .Man nennt mich Zimmermann" entworfen. Wehe dem Manne oder der Frau, die Wert aus ihre gesellschaftliche Stellung legen und es sich her­ausnehmen, in kirchlichen Dingen ihren eigenen Weg zu gehen! Zugehörigkeit zu irgendeiner Gemeinde, imd sei eS die ausgefallendste Sekte der Welt, ist einfach Pflicht; Wissenschaftliche Thesen, die auch nur in etwa angeblich gegen die Bibel verstoßen, sind verpönt, dürfen zumindest nicht innerhalb der guten Gesellschaft geäußert werd«*». Ein Gelehrter, der sie vertritt, beweist Heldenmut, denn früher oder später kann es ihm immer an den Kragen gehen. Erst in jüngster Zeit hat eine wilde Hetze eingesetzt gegen dieie- nigen Forscher, die auf amerikanischem Boden die Einsteinsche Relativitätstheorie vertreten von der RelativitätStheori« steht nichts in den Büchern Mosis! Noch in aller Erinnerung dürfe der .berühmte" Prozeß sein, der angestrengt wurde geen einen Vertreter der Darwinschen Lehre sie verstößt gegen den guten Ton, näm­lich gegen da«, was der Durchschnittsamerikaner unter Kirchlichkeit versteht. Sehen wir uns aber diese Kirchlichkeit des Amerikaners etwas gründ­licher an, so stoßen wir alsbald auf Dinge, die sich, milde gesagt, kaum vertragen mit feiner an­geblichen Religiosität. Das typische Gefchästs- gebahren der Gentlemen von jenseits des Oze­ans, ihre imposante Reklamesucht, Reklametüch- tigkeit und Reklamefindigkeit ist längst in einer Form auch in die Kirche, auf die Kanzel, zum Altar vorgedrungen, daß uns antiquierten Euro­päern die Haut schaudert und ein gesunder Ekel Hockkommt.

Sehen wir zu, wie sich die Dinge, entwickelt haben Wir finden da: öffentliche, marktschrei­erische Einladungen zum Gottesdienst. Damen- ausschüfle zur Begrüßung Fremder Ankündigun­gen von Antworten auf allerlei Fragen, die ver­zweifelt wenig mit dem Glauben und dem Christentum zu tun haben, öffentliche Buchbe­sprechungen von der Kanzel herunter und der­gleichen mehr. Dafür einige bezeichnende Bele- ge. Der eine ist folgende Anzeige, die vor kur­zem wörtlich von dem Preßherald von Portland (Maine) veröffentlicht wurde: .Wir fordern sämtliche Theater in Maine zum Wettstreit her- auS! Bieten Sie dem Publikum ein ebenso in« teressantes, nützliches und abwechslungsreiches Programm wie die erste Pfarrkirche! Großer Hauptgottesdienst: Sonntag, 7 Uhr 30!

Leitaufsatz: .Wer wird unser nächster Sena­tor sein?"

Predigt über das Buch .The Big House", einen Roman von Mildred Waston, der in Maine spielt und von jedermann gelesen wird! Fragen: .Wer war Charles W. Eliot?" Können wir unsere Landstraßen säubern?" Wer ist der neue religiöse Führer, der sich für den Messias ausgibt?"

Ein uniformierter Beamter wird die Auto­mobile bewachen.

Laurence Breed Walker Pfarrer." Eigen­tümliche Gebräuche, meinen Sie? Vergessen Sie nicht, daß tatsächlich in den Vereinigten Staaten

9)vad) die Raffelet Uleueflen Riacfridjten orientieren

J======!S ?! 1 - :--7 , , ... Z V

Sie Hd) innerhalb kür^efter Reift übet die Vorgänge auf dem (Sebiete

der Politik und .^war im wirklich unparteilichen Sinne .....- . .............-

heute die Grenzen zwischen Kirche und Komödi­enhaus, zwischen Kanzel und Bühne fast völlig verwischt find- .Zugkraft und Reklame" kamen die Schlagworte, die auch auf diesem Gebiet re­gieren. Nicht umsonst hat es soeben eine große Sekte drüben fertig bekommen, ein Gotteshaus zu bauen, in dessen oberen Stockwerken sich ein Erfrischungsraum, ein «illardsaal und eine Ke­gelbahn befinden! Ei« noch erstaunlicheres Zusammenwirken von Kirchen- und Geschäfts- Propaganda möge ein zweite« Beispiel, dem Commerc« and Finance entnommen, enthüllen Der eigentliche .geniale" Erfinder dieser Pro­paganda ist ein gewisser Charles C. Leed«. Er hat eine ganze Anzahl von Lebensmittelfabri­kanten dafür gewonnen, die Mitglieder bestimm­ter Kirchengemeinden zu kostenlosen Abend­mahlzeiten einzuladen und zwar in der Kirche selbst. Dabei Üegen Tischkarten auf, die alle Ge- nüffe, jeden mit dem Namen der liefernden Firma oder ihrem Fabrikzeichen versehen, feto säuberlich verrät. Wir sind in der Lage, ein« solche Karte zu reproduzieren. Sie verzeichnet: Tomarensupe mit Kondenzmilch .Löwe", »Anga- noa"-Brötchen,Cox'S" Gelatine-Salat. .Mil­lers" Makkaroni mit gebackenen Bohnen, Fleisch vonLouis Meyer und Compagnie",Tho- maS"-Weizenbrot, .Blue Valley"-Butter. .Red Croß"^Salz, .Acme Brand'-Gelee .Breyer"- Eiscreme, .Drake"-Kake«, .Royal Scarlet"-Kaf- fee,Shefford"-KSsL. Fügen wir der Genauig­keit halber noch hinzu, daß jeder Gast nach Tisch noch ein Päckchen MagnuS-Waschvulver zum Geschirrspülen" in die Hand gedrückt erhielt!

Mister LeedS selbst teilte voller Stolz noch folgendes über diese ganzeeigenartige" Propa­ganda mit:Wir servieren jedesmal für hun­dert bi« hundertfünfzig Personen" wohlge­merkt: in der Kirche! vor dem Altar! An das Essen schließt sich immer ein Vortrag über die Herstellung unserer Erzeugnisse und deren Billigkeit" -r- in der Kirche' vor dem Altar! Wir wählen nicht die Mitagsstunde, sondern den Abend dazu, um and die Männer heranzu­ziehen, deren Einfluß auf die Einkäufe nickt zu unterschätzen ist." Nock einmal gesagt: das alles vollzieht sich inerhalb der amerikanischen Kirche! vor dem Altar? Wahrlich, man versteht es, daß die ernsten, wirklich religiösen Individuen unter den Amerikanern sehnsüchtig nach dem Mesfias rufen, daß er noch einmal herniedersteige zur Erde, bewafnet mit Geißeln, nm die Wechsler, Makler und Händler auS fernen Tempeln zu verjagen. Maximilian Pallanca.

Aus aller Welt.

Sin rostkübnes Stieger stück.

Einer der besten dänischen Militärpiloten, der Flugzeugführer Bjarkow, der sich erst vor kurzem auf dem Göteborger Flugwettbewerb besonders herporgetan hatte, hat ein äußerst wagehalsiges Flugexperiment unternommen. ES war in der letzten Zeit mehrfach gemeldet worden, daß die bei der dänischen Armee ein- geführten Fokkerftugzeuge bei Sturzflügen zu starke Schwingungen gezeigt hätten. Bjarkow stieg nun gestern mit einem solchen Fokkerflug- ;eug auf 3000 Meter Höhe, wobei er darauf achtete, daß er sich über einem möglichst men­schenfreien Gelände befand. Dann steigerte er

die Geschwindigkeit soweit, haß die Maschine über 400-Stundenkilometer machte. In diesem Augenblick versMrte er eine äußerst starke Er­schütterung an der littfen Flügelspitze. Die Er­schütterung Pflanzte sich in dem Bruchteil einer Sekunde über die ganze Flügellänge fort. Fast gleichzeitig sah er die Maschine unter sich zu- lammenbrechen. Hierbei wurde et in seinem Sitz ein gehemmt. Die Maschine wurde herum­gewirbelt, daß die Stücke nur so herumslogen, wobei Bjarkow glücklicherweise aus seiner be­drängten Lage befreit wurde, sodaß er im Ab­sturz in etwa 400 Meter Höhe noch imstande war, den amerikanischen Fallschirm zu offnen und mit ihm herauszuspringen. Er erreichte den Erdboden ohne jede Erschütterung. Dann ging er seelenruhig nach der nächsten Straßen­bahnhaltestelle. Die Fluazeugtrümmer fielen bei den Kopenhagener Schießständen nieder.

¥

Liebesttagvd e auf dosier See.

An Bord deS in den Hasen von Antwerpen ««gelaufenen deutschen DampfersKrefeld" ha: sich auf der Rückreise auS Australien ein Liebesdrama abgespielt. Ein Australier über­raschte seine Frau in der Kabine mit dem Schiffsarzt. Es entstand ein heftiger Streit. AlS der Gatte sich entfernt hatte, beschlossen der Arzt und die Frau, gemeinsam zu sterben. Sie trott» len ein Glas Wasser, in daS der Arzt eine starke Dosis Sublimat geschüttet hatte. Am anderen Morgen fand man die Frau tot in ihrer Ka­bine. Der Arzt liegt so schwer danieder, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. Er wurde in Antwerpen ins Krankenhaus gebracht.

Haie am Badestrand. Die Haifische, die im vorigen Sommer den ligurischen Badestrand in Angst und Schrecken versetzten und einen jungen Manu beim Schwimmen zerrissen, sind diesmal an b.r adriarischen Küste in Fiume erschienen. Ein am Badestrand vorbeifahren­der Dampfer gab den Alarm, aber die Baden­den glaubten an einen Scherz, bis plötzlich eines der Ungeheuer wenige Meter vor einem verankerten Floß auftaüchte. ES war ein fünf Meter langer Haifisch, der ruhig an der Ober­fläche dahinschwamm und schließlich in den Ha­fen eindrang. Es gelang jedoch nicht, die Raub- sische »u erlegen. In den Strandhotels herrscht große Aufregung.

* «Ledern Mann ein Ei"... In Lauterho­fen (Oberpfalz) ist ein Denkmal für Seyfried Schweppermann eingeweiht worden, der In der Schlacht bei Gammelsdorf 1313 die Entschei­dung zugunsten Ludwigs deS Bayern herbeige- führt haben soll. Auf Schweppermanns Grab­stein in Kastl stehen die berühmten Worte:Je- dem Mann ein Ei; dem braven Schwepper­mann zwei!"

* Ein rabiater Boxer-Bruder. Im Stadt­teil Schenectady in Newyork hat Jack Dernpseys Bruder seine 20jährige Gattin und dann sich selbst erschossen. Dempseys Bruder wird als gewalttätig geschildert und hatte bereits vor einigen Monaten seine Frau durch Messerstiche verletzt.

* KindeSmord in der Hypnose. In Slagelse ist eine 38jährige Krankenschwester wegen KindeSmord verhaftet worden. Wie sie erklärt, hat sie den Vater des von ihr ums Leben ge­brachten Kindes in einer Vereinigung kennen gelernt, die sich mit Gedankenübertragung, Hyp-

nose und änderen okkulten Ding«« beschäftigt. Der Vater de« KindeS habe dabei eine ihr un­erklärliche Macht über sie erlangt, und selbst in seiner Abwesenheit stehe sie vollkommen unter seinem Einfluß. Mit Rücksicht auf diese eigen­tümliche Erklärung hat die Kopenhagener Po­lizei eine eingehende Untersuchung darüber an- geordnet, ob und inwieweit, der KindeSmord unter dem Einfluß der Hypnose verübt worden ist.

Raubüberfav tot eigenen Hau«. In da« HauS deS Kölner Industriellen Arnold von Guilleaume bei Remagen drang nachts ein Ein- brecher und zwang Frau Guilleaume mit borge- haltenem Revolver, ihren Schmuck h. raus­zugeben.

* Eine Sängerin lebendig verbrannt. Die OPPerettendiva Riewiarowska, die sich in War­schau großer Beliebtheit erfreut, ist gestern in Wilna bei lebendigem Leibe verbrannt. Auf ihrer Gastspielreise wohnte sie aus dem Bahn­hof in einem Pullmannwagen. Durch Unvor« ridttigfeit entzündete sich beim Reinigen ihrer Garderobe eine große Flasche Benzin, wodurch ihre Kleider in Brand gerieten. Herbeieilen, den gelang eS die Flammen zu ersticken. Die Sängerin wurde mit schweren Brandwunden bewußtlos ins Krankenhaus geschafft und erlag noch in der Nacht ihren furchtbaren Verlet­zungen. tz

* Schwimmende Flugzeuglandeplätze. Nach amerikanischen Meldungen soll bereits im Au- gust mit der Anlage von FlugzeugSlandungS- plätzen auf dem Atlantischen Ozean begonnen werden. Der erste dieser schwimmenden Lan­dungsplätze soll 550 Meilen östlich von New- york angelegt werden, die anderen in Zwischen­räumen von jeweils 400 Meilen.

Zweifaches Todesurteil.

Das Ende de« Straußberger Drama«.

Am Sonnabend nachmittag gegen 2% Uhr wurde im Straußberger Mordprozeß Bött­cher folgendes Urteil gesprochen:Der Ange­klagte Böttcher wird wegen Mordes in zwei Fällen zweimal zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Ferner wird er wegen widernatürlicher Unzucht, wegen Diebstahls, wegen unerlaubten Waffen- besitzeS, wegen schweren Raubes in neun Fällen, wegen Notzucht in Verbindung mit schwerem Raube und wegen versuchter Notzucht zu ins­gesamt 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehr­verlust und Stellung unter Polizeiaufsicht ver­urteilt"

Das Schwurgericht hat Böttcher schuldig be­funden, die Tötung der Gräfin Lambsdorff und de-r Senta Eckert mit voller Ueberlegung ausge- führt zu haben. Die für i*e übrigen Straftaten eingesetzten Einzelstrafen beliefen sich aus rund 85 Jahre Zuchthaus, dir auf die Höchststrafe von 15 Jahren zusammengezogen wurden. Als der Vorsitzende das Urteil sprach, sank Böttcher wie vom Schlage getroffen aus die Anklagebank nie­der, so daß von ihm während der Begründung des Urteils nichts zu sehen war. Er erhob sich erst wieder, als er in feine Zelle abgeführt wurde. Der Urteilsspruch über Böttcher wurde von den Massen des Publikums im und vor dem Gerichtssaal mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen.

Sein letzte« Wort.

Böttcher hatte als letztes Wort, ehe sich da« SGvurgericht zur Beratung zurückzog, nur den recht dumm klingenden Satz:Wenn es mir darauf angekommen wäre, zu töten, dann hätte ich bei der Verhaftung den Landjägermeister ohne weiteres erschießen können." Die Beratung des Schwurgerichts dauerte im Verhältnis zu der großen Zahl von Anklagepunkten nur kurze Zeit, kaum mehr als eine halbe Stunde. Unter lautloser Stille verkündete Landgerichtsdirektor Bombe dann bei überfülltem SchwurgerichtS- saal das Urteil.

Der Llnlergana öesDampfersTherese. 14) .Roman von Otfried von Hanftem

Während meines Versuches, zum Deck cm- porzuklettern, brach der Dampfer auseinander, und ich wurde weit in das Meer hinausge­schleudert. Ich verlor die Besinnung und er­langte dieselbe erst an Bord deS französischen DampfersBoulogne" wieder, der mich nach Port Said brachte."

Wieder warf der Detektiv einen Blick zu dem Reeder hinüber. Dieser sagte kein Wort. In stummem Entsetzen starrt« et den Engländer an und dieser nahm den Ausdruck dieser Augen, das krampfhafte Atmen der Brust, daS Beben der blutlosen Lippen für ein Geständnis der Schuld. Roch einmal nahm er daS zweite Ak­tenstück auf und laS:

Nachschrift: Der technische Sachverständige deS französischen Konsulats bestätigt, daß die vorgefundenen Räder seht wohl zu dem Uhrwerk einer Höllenmaschine gehören können, zumal auf ihnen Spuren einer stark erplosiven Chemikalie gefunden wurden. DaS halbverkohlte Papier, das voraussichtlich als Stopsmaterial verwen­det war, um das Uhrwerk in einer bestimmten Lage zu erhalten, stellte sich als ein vermutlich nicht abgesendeter Brief heraus. Die Schrift >st fast vollständig verkohlt, die Unterschrift aber deutlich leserlich und heißt:Dein Neffe Wal­ter"."

Noch immer saß Christof Erasmus in dem Zustand vollkommener Erstarrung und schüttel­te nur ganz leise sein Haupt.

Der englische Kommissar stand auf:

Rach diesen beiden, vollkommen voneinan- der unabhängigen Aussagen werden Sie ver- nünstig genug feto, einzusehen, daß eS erwiefeu ist. datz Ihr Reffe Walter EraSmus. selbstver­ständlich in Ihrem Auftrage, den Dampfer.The­rese" durch eine Höllenmaschine in die Luft ge­

sprengt und dann, allerdings vergebens, versucht hat, daS Schiff zu verlassen."

Ich rate Ihnen, ein offener Geständnis ab­zulegen.'

Jetzt kam wieder ein wenig Leben in die Züge deS Reeders, allerdings schien seine Stim­me vollkommen verändert.

Ich bitte Sie, mit die beiden Protokolle zur Einsicht zu geben."

Der Detektiv reichte ihm die beiden Schrift­stücke hin und entnahm der Tasche ein kleines Paket.

Hier sind die Reste der Höllenmaschine und hier der Brief. Beides ist mit den Protokollen von Agenten deS Lloyd persönlich im Flugzeug nach London überbracht worden.

Zuerst las Christof EraSmuS noch einmal die Dokumente und prüfte sorgfältig Unterschriften und Stempel.

Das scheinen wirklich echte Dokument« der Konsulate zu feto."

Es war, als ob er diese Worte mehr zu sich selbst sprach, alS zu seinem Besuch

Dann nahm er den Brief, während der De- tekttv jede seiner Bewegung sorgsam beobachtete, um zu verhindern, daß er etwa dieses wertvolle Dokument vernichtete.

Rein Zweifel, dies ist die Unterschrift mei­nes Neffen Walter und der Brief war jedenfalls an mich gerichtet."

Dann befah er die Räder.

Der Engländer konnte die Ruhe dieses Man­nes nickt genug bewundern, wenn er sie auch alS Beherrschung eine« Verbrechers deutete, der Zeit aewinnen wollte, um sich zu sammeln.

Auch diese Räder glaube ich zu erkennen. Mein Neffe war. bis der Tod meines SohneS ihn zwang, umzusatteln. Elektrotecknlker gewe­sen und beschäftigte sich auch jetzt noch in seinen Mußestunden mit der Anfertigung von Model­len für verbesserte Radioapparate."

Der Engländer wurde ungeduldig und sagte heftiger:

.Sie haben Wirklich die Stirn, jetzt noch ei­nen Leugnungsversuch zu machen? Angesichts

dieser Zeugenaussagen? Angesichts dieser Be­weise? Es ist vollständig klar, daß Sie dieses Verbrechen geschehen ließen und zwar, um die Versicherungssumrne für Ihren alten Kasten zu bekommen und damit Ihre Schulden in Amerika zu bezahlen und Ihre Firma vor dem Ruin zu bewahren."

Christof EraSmus reckte sich hoch auf, in ganz langsamen aber wuchtigen Schritten ging er bis dicht an den Engländer heran und sah ihm fest in die Augen, dann sagte er laut und bedeu­tend:

Wissen Sie, wer ich bin? Ich bin der Ree- der Christof Erasmus. Kennen Sie die Firma Christof Erasmus? Seben Sie die Akten der Danziger Kaufmannschaft nach. Fragen Sie Rocku« Winkler oder wen Sie wollen. Seit dreihundert Jahren hat kein Christof Erasmus auch nur den Schimmer eines Unrechtes be­gangen und ich bin auch ein Christof Erasmus und bin zweiundsiebzig Jahre alt geworden in Achtung und Ehren. Verstehen Sie mich wohl!"

. Sein Ton war fast drohend geworden.

Was auf dem Schiff geschehen ist, weiß ich nicht; wir wollen hoffen, daß es stck aufklären läßt. Aber Christof Erasmus begeht keine Ver­brechen und sein Reffe Walter Erasmus auch nicht, das ist meine Antwort."

Der Detektiv zuckte die Achseln.

Sie leugnen also?"

Selbstverständlich, aber ich bin bereit, mit Ihnen gemeinsam zu forschen."

Der Detektiv zuckte nochmals die Achseln.

Sie leugnen?"

Erasmus verlor die Geduld.

Zum Henker, ja, und ich bitte, die Unterre­dung zu Ende zu führen."

Der Kommissar ging zur Tür, vorsichtig rück­wärtsschreitend und keinen Blick von dem Ree­der lastend. So öffnete er die Tür zum Ne- benraum, in dem neben einem anderen Herrn der Prokurist Ehlers stand und mit erschrocke­nem Gesicht einige Worte dieses ihm unver­ständlichen Gespräches erlauscht hatte.

Der Engländer rief hinaus:

Herr Kollege, darf ich bitten!"

Jetzt trat der Herr, der neben Ehlers ge­standen hatte, in das Büro deS Reeders uno beide schlossen hinter sich die Tür.

Erasmus sah den Eintretenden tfiit etwa« bitterem Lächeln an,

Sieh da, Herr Kommissar Koltermann, auch schon gegen mich mobil gemacht?"

Man sah es dem Kommissar an, wie pein­lich ihm sein« Ausgabe war.

Die englische Regierung hat uns daS schrift liche Ersuchen gestellt"

Erasmus sah ihn mit flammenden Blicken an:

Den Reeder Christof EraSmu« al« Verbre­cher und Höllenmaschinenfabrikanten zu verhaf­ten, nicht wahr?"

Kommissar Koltermann nahm auS feiner Tasche ein Schriftstück und legte es schweigend vor den Reeder.

Dieser aber geriet immer heftiger in Zorn.

Und Sie halten mich selbst für einen Ver­brecher, nicht wahr, Herr Koltermann, sprechen Sie doch!"

Der Kommissar, der e8 gewohnt war, in ErasmuS einen der angesehensten Männer der Stadt zu achten, war durch den Ton dieser Worte beleidigt.

»Ich habe hier vorläufig überhaupt keine eigene Ansicht, sondern lediglich dem ErsucheW der englischen Polizei nachzukommen."

Und mich zu verhaften?"

Allerdings."

Der Engländer mischte sich ein.

Hätten Sie ein offenes Geständnis abge­legt, hätte ich versucht, Ihnen die Verhaftung vorläufig zu ersparen."

Jetzt brach bei dem alten Reeder, Wie e8 nur selten geschah, lodernder Zorn hoch.

Warum? Hier sind meine Hände. Legen Sie mir doch Handschellen an!"

, . (Fortsetzung folgt)