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Raffelet ftateffe Nachrichten

Eine schwarze 3uli-Sonntags-khromk.

Autoopfer auf der Chaussee und...im Abgrund Blitz- und Aagelunheil/Feuersbrunst/ Fliegerdrame«.

Dienstag, 5. Juli 1927.

hinter dem Richtsatz (monatlich 30 bi« 42 Mark) zurückblerbt, führen die Rebeneinnahmen zu einem Uebersteigen der Richtsätze (gesetzliche Unterhaltungsbeiträge, Vorzugs- Aufwertungs­renten usw.) Mehr als die Hälfte Männer und zwei Drittel der Frauen hatten ein Vor­kriegsvermögen von unter 10000 Mark.

Kuhhandel um Geerlefen.

Läßt England die Abrüstung scheitern?

Washington, 4. Juli.

Die amerikanischen Abrüstungs-Vertreter wurden angewiesen, statt des britischen Vor­schlages von 600 000 Tonnen Kreuzerton­nage nur 300000 Tonnen gelten zu lasten, andernfalls Amerika sein« Bemühungen sür eine Verständigung in der Kreuzerfrage einfteb len will. Gibson werde sich dann lediglich auf die Zerstörer- und Unterseebootsfrage beschrän­ken und so die Kreuzerfrage auf das Jahr 1931 vertagen, wo eine Reviston des Washingtoner Abkommens stattfinden soll. Man hofft, das, die britische Delegation die Konferenz nicht zum Scheitern bringen, sondern ein Kompro­miß vielleicht von 400000 Tonnen Vorschlägen würde, die sür Amerika annehmbar wären.

Kam ein Bogel geflogen...

Wie Leon Daudet Paris zum besten hält.

Paris, 4. Juli.

Ein Brüffeler Korrespondent will erfahren haben, daß Leon Daudet in Brüstet eingetrof­fen ist. In Paris hält man diese Nachricht für eine bewußte Irreführung und glaubt, daß Daudet das Weichbild der Stadt nicht vrrlaffcn hat und sich irgendwo bei Freunden versteckt hält.

Paris, 4. Juli. Actione Francaise veröf­fentlicht heute einen Artikel Leon Daudets, den iw durch eine Briestaube erhalten habe.

Wendet fl« das DIat.?

Pole« soll in Oberschlesien Ordnung schaffen.

Warschau, 4. Juli.

In einer Sejmanfrage der Linksparteien werden die skandalösen Störungen der Rechtsordnung und der öffentlichen Sicherheit behandelt, di« sich Mitglieder der oberschlesischen ausständigen Verbände zufchuchldc« kor..mcn ließen. In der Mehrzahl der Fälle hätten diese ihrer Tätigkeit vollkommen ft r a s l o S nachgehen können. Die vberschlestschen Sicherheitsbehördcn hätten sich angesichts dieser verbrecherischen Uebersälle machtlos gezeigt, da sie wüßten, daß der höchste Beamte Oberschlesiens, Woy wode Grazynski, Mitglied der aufständigen Or­ganisationen sei. Es wird allerstrengste Unter* * suchuchng und Bestrafung in der Angelegenheit der Verbrechen und Eingriffe gefordert. Gka- zynski sei eines Postens zu enthebe».

(Sronatenregen der Faschisten?

Paris weiß von Grenzverletzungen nichts.

Paris, 4. Juli.

Nach amtlicher Auslastung hat das franzö­sische Außenministerium von dem Botschafter in Rom keine Nachricht über Zwischenfälle erhalten, die sich nach den Berichten einiger BlBätter im Verlauf von Schießübungen, die italienische Artillerie in der Nähe des Mont Cenis abhielt, an der französisch-italienisckien Grenz» ereignet haben sollen. Die Meldung besagte, daß die französischen Bewohner ihre Häuser räumen und mit Kind und Kegel in 2150 Meter Höhe unter Regen und Schneefall im Freien kampieren wüsten, während ihre Felder von den italienischen Batterien verwüstet wür­den. Dieser Zustand soll bis 15. Juli dauern.

Wieder ein Ruck nach Iln?e.

Mecklenburgs Landtag gewählt.

Neu-Strelitz, 4. Juli. Die heutigen Land­tagswahlen sind ohne Zwischenfall verlaufen. Die Wahlbeteiligung betrug sechzig bis siebzig Prozent. Die Wahlen zeigen einen Ruck nach

Mannheim, 4. Juli. Heute Nacht wollte ein Auto einem Fuhrwerk ausweichen, fuhr da­bei gegen einen Chauffeestein und überschlug sich mehrfach. Zwei jüngere Mannheimer Kaufleute wurden getötet, während einer mit einem schweren Schädelbruch ins Krankenhaus kam und ein vierter Jnsaffe leichter verletzt wurde.

Andermatt, 4. Juli. Hier fuhr infolge Ver­sagens der Steuerung ein Auto über die Stra­ßenböschung hinab und stürzte in die Schölle- n e r Schlucht. Zwei der Jnsaflen waren s o - lorttot, zweiFrauen wurden schwer, ein Ehepaar leicht verletzt. Die beiden übrigen In­tasien, darunter der Besitzer, erlitten bei dem Unfall nur geringere Verletzungen.

* * *

Sin rabiater Auiovrrbrecher ,

Wie ihn Radfahrer stellten.

Berlin, 4. Juli.

In einem Berliner Vorort überfuhr gestern abend ein Privatauto ein Kind. Um sich der Feststellung zu entziehen, fuhr der Chauffeur mit größter Geschwindigkeit davon. In einer Kurve überschlug sich das Auto, wobei orei Fahrgäste aus dem Wagen geschleudert wurden. Trotzdem versuchte der Chauffeur zu entkommen, wurde aber von zwei Radfah­rern angehalten, die sich während der Fahrt auf das Auto schwangen. Erst nach einem kurzen Kampf mit dem Chauffeur wurde das Auto zum Halten gebracht. Die Verletzten Fahrgäste mutz­ten einem Krankenhaus zugeführt werden.

Rur der Rlvrder sedli noch.

Berlin, 4. Juli. Die Mordkommiffion konnte in der Persönlichkeit der in einem Hotel er­mordet aufoefundenen Frau die Prostitu­ierte Else Arndt festftellen. Von dem Täter fehlt vorläufig noch jede Spur.

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Bert n wird aufatmen.

Wenigstens ein Wildwesträuber gefaßt.

Berlin, 4. Juli.

Gestern gelang es, ein zweites Mitglied je­ner Wildwestbande zu verhaften, die in den letz­

ten Tagen die Aufsehen erregenden Raubüber­

links. Es erhielten: Deutschnationale 10 309 (1923: 12173), Volksvartei 2022 (2783), Sozial­demokraten 15137 (11458), Demokraten 3041 (0), Handwerk und Gewerbe 4603 (0), Kom­munisten 41 21 (10342), Kleine Landwirte 1739 (2046), Hausbesitzer 1556 (0), Völkische 2266 (4455), Wirtschaftspartei 505 (0). Die Mandate im neuen Landtag i erteile« sich wie folgt: Deutschnationale 10 (im alten 9), Sozialdemo­kraten 12 (8), Volksvartei 1 <2), Demokraten und Handwerk 6 (5), Kommunisten 13 (7), kleine Industrie 1 (2). Hausbesitzer 1, Völkische 1 (3),

und Wirtschaftspartei 0.

Versäumte S'ooiopMchten

Berlin, 4. Juli. Im Verband der Ausländs­deutschen und Verdrängten schilderte der Vor­sitzende den Kampf der Ausländsdeutschen für ihre Forderungen, an dessen Ausgang das ge­samte deutsche Volk intereffiert sei. Die Der sammlung wandle sich an den Reichstag.

Die öreffe kann viel auertchttn.

London, 4. Juli. Gestern wurde hier eine internationale Pressekonferenz, auf der sieben­undzwanzig Länder, darunter auch Deutschland

fälle und Einbrüche in Berliner Vororten ver- übten. Der Verhaftete ist der dreißigjährige Ma­ler Wittrack aus der Ukraine, der nur mit Mühe überwältigt werden konnte. Der Verhaftete war erst im Mai nach Verbüßung einer längeren Zuchthausstrafe wegen Einbruchs in die Villa des Reichskanzlers a.D. B a u e r in Sondershausen freigeloffen worden.

* * *

3m Trommel euer des Hagels.

Tobende Sonntagsgewitter.

Berlin, 4. Juli. In der vergangenen Nacht wurde der Weißenfelser Kreis von einem schwe­ren Unwetter heimgesucht. Hagelschloffen in der Größe von Tauben- und Hühnereiern lagen etwa 10 Zentimeter hoch. Das Getreide liegt vollständig am Boden. Die Obsternte gilt als zum großen Teil verloren. Zahl­reiche Fernsprechleitungen und Radioanlagen wurde« zerstört. In verschiedenen Teilen Mecklenburgs haben schwere Gewitter ver­heerende Wirkungen gehabt. Der Blitz zün­dete, soweit sich bisher übersehen läßt, in fünf Gebäuden, die sämtlich niebrtbrannten.

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Sein letztes Looping.

Ilmenau, 4. Juli. Bei einem Looping stürzte eine Maschine während einer Flugveranstaltung aus einer Höhe von fünfhundert Metern ab. Der Pilot war sofort tot, das Flugzeug völlig zertrümmert.

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«in Toter zu ehren Llrdvergys

Ottawa, 4. Juli. Bei der Ankunft Lind- berghs wurde ein Leutnant aus dem Lind- bergh begleitenden amerikanischen Flugzeug­geschwader getötet, indem ein ihm folgendes Flugzeug bei der Landung über ihm aufschlug.

Brandstifter am Werk.

Bielitz ,4. Juli. Bei einem Großfeuer in einem Pelzaeschäft konnten die Waren bis auf einen Schaden von 40 000 Zloty gerettet werden. Gestern brannte eine Tuchfabrik trotz des Eingreifens sämtlicher Fenerwehren vollständig nieder Der Schaden ist sehr hoch. Beidemal^vir^^andftiMn^^crmutet. durch 170 Delegierte, vertreten sind, durch einen Empfang eröffnet Ein Blatt äußert den Wunsch, daß die Vertreter nach bestem Können ein gutes Europäertum^schasfen möchten.

Berlins Slbtarnffenparodies schließt

Berlin, 4. Juli. Wie die Blätter melden, befindet sich unter den neuesten Konkursan- meldungen auch die des bekannte« Wein- Hauses E. W. Borchardt in der Franzö­sischen Straße, das bereits seit längerer Zeit unter Geschäftsaufsicht stand.

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Sai ch verdächtigt

Paris, 4. Juli. Die in Caen unter dem Ver­dacht der Spionage verhafteten fünf Inge­nieure einer Werft Blainville wurden wie­der aus freien Fuß gesetzt, da der Verdacht sich nicht aufrecht erhalten ließ.

Aus Politik und Wirtschaft.

15 Pfennigbriefe erst... im Herbst. Der vom Postminister abermals dem Verwaltungs­rat zugehende Posttaris dürfte kaum vor dem Herbst in Kraft treten. Zumindest die Brief-

17. Jahrgang. Rr. JM.

tarrfe werden au in der neuen Vorlage di« glei­chen fein Wie in dem abgelehnten Projekt.

Wie kann man den Blinden helfen? Beim! August-Kongreß der Blinde« in Königsberg werden sich etwa vierhundert Organisationssüst­ier, Lehrer usw., sowie Vertreter der Wissen­schaft und der Behörden zusanrmensinden.

Hätten für fremde Kriegshinterbliebene. Ein Ministererlaß bittet wegen der damit verbun­denen Härten von der Heimschafsung der Kriegshinterbliebenen fremder Staatsangehöri- der, namentlich Kriegerw'twen abzusehen. Di Betroffenen sollen vielmehr aus ihren An^ spruch auf Wiedereinbürgerung aufmerksam ge­macht werden, falls gewisse Voraussetzungen vorliegen.

Preffeverbot für die Völkischen. Für Nie­derschlesien wurde auf Grund des Rcpublik- schutzgesetzes die völkischeVolksstimme- auf sechs Wochen verboten.

Deutschland liegt ja auch an der Ostsee. . « Mitte Juli wird ein deutsches Geschwader Dan­zig, Reval und Riga anlaufen. Der Besuch wurde den betreffenden Staaten bereits be­kannt gegeben.

Keineköniglichen" Akten mehr. Ein Mi­nistererlaß bestimmt, daß auch Akten, die schon! vor 1918 abgeschlossen sind und deshalb noch dis BezeichnungKöniglich" tragen, erst nach Be­seitigung dieser Bezeichnung ht den Geschäfts­gang gelangen.

Großreinemachen im... Grünewald. Der Berliner Magistrat hat jetzt für dasGroß­reinemachen" im Grünewald, der bereits int Vorjahr durch von der P r es s e bezahlte Er­werbslose von Stullenpapier, Konservenbüchsen, Flaschenscherben, Obstreste, Eierschalen usw. gesäubert worden war, 35 000 Mark bewilligt.

Neues aus Kastel.

----- L,

Wensdorf.

Der Protest des Raffelet Reichsbanners.

Die angekündigte Protestversammlung deS Kasseler Reichsbanners aus Anlaß des Vor­falls von Arensdors sah den großen Saal der Stadthalle vollbesetzt. Unter den Klängen ihrer Spielmannszüge zogen die einzelnen Reichs- bannergruvven ein. Gauvorsitzender Büroober­inspektor Pffahrt eröffnete tue Ver­sammlung mit einem Nachruf sür den in Arensdors erschossenen Reichsbannermann. Er schloß mit den Worten:Die Totenklage ist ver­klungen. Wit klagen an!" Stadtverordneter Lehrer Quer nahm dann zu den politischen Mor­den im allgemeinen und zu dem Ereignis in Arensdors im besonderen Stellung, ausgehend von dem Werk des Heidelberger Professor Gun­kelZwei Jahre politischer Mord", von dem sich die deutschen Republikaner freihalten woll­ten, die rohe Tat aus Ahrensdorf müsse die letzte gewesen fein, die deutsche Republi­kaner zugelassen hätten. Zurufe:Rache" undEs wird aber auch Zeit!") Nicht von Rache soll die Rede fein, denn mit blutdürstigen Rachegedanken werde man fein Ruhmesblatt in der Geschichte erringen. (Zu­ruf:Es geht aber nicht mehr anders!" In leinen weiteren Ausführungen polemisierte der Redner scharf gegen die Deutschnationale Volks- Partei, deren Anhänger in gewissen Kreisen je­dem Republikaner die nationale Gesinnung ab- svrechen. Das stabe den politischen Hass ge­züchtet. Die Hauptschuld trügen die deutschen Richter, zu denen das Volk kein Vertrauen mehr habe. Unter starkem Beifall der Versammlung ries der Redner aus:Wir erkennen die reak­tionären Tendenzurteile als Republikaner nicht an! Wenn wir wirklich überzeugte Republika­ner sind, dann müssen wir dafür sorgen, daß alle diese Verbrecher unschädlich gemacht wer­den!" Das Reichsbanner und alle Revublika- ner hoffen bei der nächsten Reichstagswahl "er Reaktion enbrült:n "cn Garaus »u machen! Gauvorsitzender G ö p s f a h r t richtete zum Schluß scharfe Angriffe gegen den Preu-

Kleines Theater.

Ludwig Thoma-Abend.

Das war wieder einmal eine Tat des Klei­nen Theaters. Alois Großmann, der aus dem Rundfunk Bekannte, der Gast aus Frank­furt, spielte in Einaktern von Ludwig Thoma. Wohl lange nicht hat das Kleine Theater so viel Lachen, so viel herzliches Lachen, und so viel innerste Heiterkeit gehört, als an dem ersten Abend des Großmann-Gastspiels. Schuld daran ist die überaus treffsichere charakterisie­rende Art des Gastes, Grund dazu gaben die Komödien Ludwig Thomas, die beiden Ein­akterErster Klasse" undLottchens Geburts­tag".

In einem Bries Ludwig Thomas an den Freund Ludwig Gangstofer gibt der Dichter mit eigenen Worten kur; den Inhalt des Bauern­schwanks an. Er schreibt:Joses Filser (er ist bayerischer Bauer und Landtagsabgeordneter; Thoma gab auch in Mei Sammlungen deffen .Brieswechsel" heraus) im Koupee 1. Klaffe, aus der Fahrt in die Stadl. Es gab mir Gelegen­heit, die bayerisehe Bahn, bayerischen Beamten- «und einen Berliner Geschäftsreisenden und i Mei Dachauer Hammel schön zu verulken Eine Arbeit, weißt Du, die man zu seiner eige­nen Freude macht; mühelos unv ausgelassen." Was nun so in einem Abteil erster Klasse wäh­rend der Fahrt vor sich geht, das ist der Inhalt Der Schwank ist wirklichderb und lustig gera­ten", um Thomas eigene Worte zu gebrauchen. Kleine Hiebe teilt er nach allen Seiten aus; aber sie sind so lebensvoll und bodenständig echt, daß kein Wort feinen Zweck oder hat ec- gar etwa keinen? verfehlt.

Alois Großmann spielte den Filser, un­übertrefflich in Gebärde und Sprache; da war ein wirklicher treu-echter Bayer auf der Bühne, ein solcher auch im Sinne von Luwig Thoma. Vortrefflich war gleichfalls der Sylvester Äsott- maier, der tatsächlich oan G'sottener war des Willi Wanner. Zu erwähnen sind noch der typische Ministerialrat von Willi Braune, sowie Johannes Foersters Kunstdüngerrei-

sender Stüve aus Neuruppin, wenn auch nicht ganz einwandfrei in seiner Imitation des Ber­linerSaupreiß'n". Immerfort wiederkehren­des lautes Gelächter des ganzen Hauses löste die köstliche Derbheit dieses Bauernschwankes aus.

Als zweiter Einakter folgte dann, Lottchens Geburtstag". Der zerstreute Professor Giselius bekommt den Einfall, seiner Tochter Lottchen am zwanzigsten Geburtstag einen Ausklärungs- vottrag zu halten. Ws Gratulant erscheint nun auch ver junge Privatdozent Appel, der sich in Lottchen verliebt hat. Der immer zer­streute Giselius ist der Ansicht, Dr. Appel habe ihn um die Hand feiner Tochter gebeten und gibt ihm nun ein Privatissimum in ehelicher Aufklärung. Vielmehr will er es tun, ist aber immer wieder zu fahrig, zu schüchtern und ge­langt nie zum Ziel. Als Störenfried stürzt Lottchen in? Zimmer. Sie rettet die Situation und auch ihren Vater aus peinlichen Verlegen­heiten, als sie erklärt, daß sie in der Universi­tätsklinik einen Geburtshilfe-Kursus durchge­macht habe. Der alte Geheimrat ist von seinen Sorgen erlöst, und eine Verlobung beschließt das Lustspiel. Noch aus dem Vorhang schallt das lebensheitere Lachen der derben und doch so feinen daneben agierenden Frauengestalten.

Alois G ro ß m a n n als Giselius war so, wie ihn Ludwig Thoma verlangt, wenn er in seinen Briefen an den Baron zu Putlitz zur Premiere schreibt:feierlich, zerstreut und wie­der eindringlich, im Geiste immer aus dem Katheder. Nicht laut." Und Max Walter als P'vatdozeut Dr. Appel gab seine Rolle auch nach Thomas Vorschrift:schüchtern, aufleuch- tenb, wenn er von feinen Mistkäfern redet, hilf los, wenn von den Dingen dieser Welt, d. h. der Welt geredet wird."Alle Frauenzimmer" an erster Stelle Marie Wolff, die Unübertreff­liche, als Frau Geheimrat Giseliusfidel"; sie schwäbelten und psälzerten lustig durchein­ander. Urwüchsig waren alle Personen ersaßt, sogar das zwanzigjährige Lottchen von Gerda Wirth in seinem kurzen Auftritt. Hans Clasen zeichnet als Spielleiter. Standen beide Lustspiele unter dem Szepter des Gastes,

so hatte doch auch Herr Clasen umsichtig, mit unauffälliger Betonung des Urwüchsigen gear­beitet. Auch dekorativ hatte Hellmuth Schu­bert, besonders in dem ersten Stück, ein gutes Bild eines Eisenbahnabteils gestellt. Das Pu­blikum wie gesagt unterhielt sich köstlich Die gute, aber derbe Kost eines Ludwig Thoma ist doch ettoa§ anderes als all die mehr ober minder seichten Lustspiele unserer Zeit. Dr.J. H.

Abschied von Gchlenck.

Und Schlcncks Abschied von Kassel.

Am Sonnabend stand er zum letztenmal vor uns, dessen leeren Platz (wie noch manchen andren) ein Besserer sicher nicht, ein Ebenbürti­ger kaum wird ausfüllen können:

Sdhlend, der aus jungem Most sich klärende Pfälzer Wei«, der stahlgeschmeidige Ephebe, deffen Wandlungen und Wachstum aus wild wuchernder Naturwüchsigkeit zu graziler, kraft- voll-bescheidener Männlichkeit in reifenden Jah­ren wir beglückt und beglückend miterlebten. Am Sonnabend breitete er zum letztenmal vor dem Mtschlußvorhang die Arme weit und schmerzlich seiner überwiegend weiblichen Enthusiasten- Gönnerschaft entgegen: Stammelnde Worte des Dankes, dunkelvibrierende Abschieds-Ergriffen­heit von der Stätte fünfjährigen Ringens, er­ster Glückstrovhäen und heißen Künstlerstrebens: Hier ruhen für immer die Wurzeln seiner Kraft.

Dieser elektrisierende Kontakt mit einem the­aterfreudigen, persönlichkeits-saszinierten Publi­kum trieb ihn von Sprosse zu Sprosse, riß ihn in Mar Halbes oft gespielterJugend" säst zur Ueberffeigcrung einer brausenden Lebensfülle, nur Preisgabe letzter zarter und schriller Seelen­melodien, zur höchsten Vermenschlichung eines chaotischen, schicksalumwitterter Jünglings-Fener- kopfes Niemals warb und klang fein liebes Jungenlachen bezaubernder, niemals lohte lei- denschästlickier Liebesalut, zerbrach bilftofer >md rührender, schrie und schluchzte waidwundes Herzweh, begehrte und strotzte herrischer gut­mütiger Jungenstolz auf als in diesem halbc-

schen Schwärmer, an den Schlenck fein Herzblut verschenkte.

Aber des Scheidenden Promotheusatem hat und wird größere Dichtergestalten wandeln taf­fen. Der Grund ist in Kassel gelegt, München wird ihm Stoff und Antrieh zu weiteren Wür­fen geben müssen. Schlencks schürfender Ver­stand und impulsive Phantasie sind eben erst ge­weckt; auch in Balladen und lyrischen Schätzen haben sie tiefer als andere gegraben. Sein Künstlerpantheon, an der Fulda nur ein Verspre- chen, wird am heimatlichen Jfarstrand zur Vol­lendung reifen. So möchten wie ihn Wiedersehn: I« die Tiefe und Breite gewachsen, ausgewei­tet zum Gefäß für die treibenden Welckräfte aub der Werkstatt der Erleuchteten. Dann wird des Jubels und der Rosen wie am Sonnabend fein Ende sein. F. R.

Aus Kunst und Misten.

** Die AusstellungOberwescrkunst". In Ha­meln ist die Ausstellung .Oberweserkunst" in Anwesenheit der Spitzen der Behörden und ver schiedener prominenter Persönlichkeiten eröffnet worden. Oberbürgermeister Jürgens begrüßte namens der städt. Körperschaften die Erschie­nenen. Rach Ansprachen des Herrn Kaiser und des Landeshauptmanns von Campe fand ein Rundgang durch die Ausstellung statt.

** Das Wiener Burg-Gastspiel in Dresden. Unter der künstlerischen Leitung von Prof. Al­bert Heine, dem früheren Direktor des Wiener Burgtheaters, gibt das Burgtheater Ensemble ein dreiwöchiges Gastspiel im staatliehen Schau- fpielhaus in Dresden, das mit Grillparzers Esther" am 4. Juli eröffnet wird. Die Deut- fehe Uraufführung der KomödieIm Wirts­haus zum Pechvoael" von Archibald Ducke fin­det am 6. 7. statt. Weitere Aufführungen: Lust- spielEin unmöglicher Mensch" von Haarwood die KomödieDer Kreis" von Maughams, die KomödieDie Kinder" von Hermann Bahr und die KomödieDer Tokayer" von Hans Müller. Das Gastspiel endet am 24. Juli mit der Aufführung des letztgenannten Stückes.