Einzelbild herunterladen
 

Kassckr Neueste Mchrichtm

Kasseler Abendzeitung

Dir Staffelet Steudten Stadrrtftttn erscheinen wüchenriich tedjJmal aaLmrrragS. Sex aboanementeptd« beträgt für Öen Monat 2. X bet freier Anstellung inb HauS. tu bet ®efd>äft$6elle ibgebolt 1.80 X. Durch bte Poll monatlich 2. X ausschließlich AnstellungSaebübr Berlog unb tHebaftton Tchlachtbosstraße 28,80. kernlvrecher Kl unb 952. Wür unverlangt etngelanbte Setrräge kann bte Re­ba krion eine Berantwortnna oder (Seroäbt ht keinem Watte fiberttebmen. Rück- «ihfitnn be? «ernaSaelbe» ober Antorstche meaen ennaiaer nick» nr»--inaSmSßiaer "efernnn fff anNaetchsatten Potstchechfonto Wrankknrt em Main Wummer «380

v

Hessische Abendzeitung

Änzeigenoreise: Linbetmilche ®efd>äftSanteigen Serie 20 4. anSmärttge Geschäfts, anjeiaen Seil* 20 4. Komilteuaus Seile 90 4. 8L flna. en« Raffel b. @ort 4 4. auSw. kl. An». Seile 20 4. Reklamen Seile 75 4. Ofrengebübt 30 4 (bet Aul. bet Offerten 50 4. Rechnungsbeträge tnnerb. 6 Tagen zeblbat Wüt b. Richtig, kett etter burch Wernlnrecher enfgeaebetten Anzeigen sowie töt flufnabmebaten unb Stäbe kann nicht garantiert werben. Wüt Anzeigen mit befonber« schwie­rigem Sa6 100 Vro^nt Luflchlag. Druckerei: Schlachtbofftroße 28/80. GelchüttS« stelle: kölnische Straffe 5. gegenüber bei Svobrltreffr. Wernforetfier 951 unb 952.

Nummer 152. Amtliches Organ der Stadt Kassel.

Sonnabend, 2. Inli 1927.

Amtliches Organ der Stadt Kaffel. 17. Jahrgang

Moskau kämpft um Sein oder Nichtsein.

Norwegen schlägt dir Aufwieglung der englischen Flotte durch Kommunisten nieder.

Welch eine Wendung!

Moskau hat den Chinakrieg schon verloren.

Ganz langsam und säst unmerklich, mit vie­len diplomatischen Winkelzügen ist England von seiner. Parteinahme für die Pekinger Regierung zu einer solchen für die südchinesische National­bewegung umgeschwenkt. Die Arbeit war nicht leicht, denn es galt, die lange in der Kanton­bewegung ausschlaggebende radikale,, von dem russischen Agenten Borodin beeinflußte Rich­tung lahmzulegen und den Generalissimus der Sudtruppen Tschangkaischek für die eng­lische Politik zu gewinnen, was natürlich grob gesagt ist, aber die Lage am besten klärt. Diese Aufgabe zu lösen, scheint nun der vorsichtigen und erfahrenen englischen Diplomatie gelungen zu sein, denn die erste wichtige Nachricht, die letzt über China wieder vorliegt, besagt, daß ichangkaischck an alle Angehörigen der Sowjet­union, soweit sie nicht offizielle diplomatische Funktionen ausüben, den Befehl erlösten hat, das Land innerhalb vierundzwanzig Stunden zu verlassen. Ausdrücklich wird m der Meldung gesagt, daß die Abreise des Rusten Borodin, der als Berater der H a n- kau-Regierung (diese ursprünglich gegen die Kanton-Regierung gebildete Bewegung hat sich offenbar unter englischem Einfluß jetzt völ- ltg mit Kanton und Tschangkaischek verglichen) ?Ir*J,er~?er entscheidende Faktor für die antieng- ltsche Richtung der südchinesischen Politik war, bereits erfolgt ist. Wenn diese Nachrichten zu- tressen, so muß man in der Tat annehmen, daß es England gelungen ist, die bolschewisti- s ch e und russenfreundliche Tendenz in der süd­chinesischen Armee und Regierung vollstän­dig auszuschalten, sodaß lediglich ihr nationalistischer Charakter übrig bleibt, mit dem sich England entsprechend den von Chamberlain wiederholt abgegebenen ent­gegenkommenden Erklärungen abfinden zu kön­nen hofft. Da die Peking-Regicreung ausge- sprochen russenseindlich ist und Wohl vor­nehmlich unter japanischem Einfluß steht, so sehen sich die Rusten zur Zeit um die Früchte ihrer langen agitatorischen Tätigkeit betro­gen und kaum in der Lage, auf die anscheinend bevorstehende große Entscheidung irgend welchen Einfluß auszuübcn.

Diese - Entscheidung wird zunächst eine mili­tärische sein. Die südchinesischen Truppen unter Tschangkaischek sind offenbar im Begriff, von der Jangtselinie aus den Vormarschgegen P e k i n g anzutreten, der, wenn er gelingen wird, die Einigung ganz Chinas unter eine zentrale politische und militärische Gewalt bedeuten kann. Allerdings verfügt der mehrfach geschlagene Kommandeur der nordchinesischen Pekingtruppen T s ch a n g s o l i n noch angeblich über etwa 180 000 Mann verläßlicher Truppen, wozu noch etwa 100 000 Mann zu zählen sind, die unter Unterbcsehlshabern stehen, die aber gänzlich demoralisiert sein sollen. Es ist natürlich sehr mißlich, militärische'Urteile über die Schlagkraft solcher Armeen, die oft mehr Räuberbanden gleichen, zu fällen. Aber nach allem, was man hört, scheint cs sich in der Tat nur darum zu handeln, ob es Tschangsolin gelingt, sich einer vernichtenden Niederlage zu entziehen, oder aber das Zentrum seines politischen und militärischen Widerstan­des weiter nach Norden, in die Mand­schurei, zu verlege». Auf jeden Fall scheinen die Aussichten der Kantonregierung jetzt günsti­ger als je, nach Peking zu gelangen und so ihrem Ziele der nationalen Einigung des Rei­cher näher zu kommen.

Die Nervosität, welche sich in letzter Zeit der Moskauer Regierung sichtlich bemächtigt hat, ist wahrscheinlich zu einem größeren Teile der chi­nesischen Entwicklung zuzuschreiben, als man dies bei uns gemeinhin annimmt, wo man nur die europäische Seite deS englisch-russischen Ge­gensatzes sieht. Für England und Ruß­land ist aber der Kamps um China das Entscheidende. In einer langen zähen Arbeit haben die Agenten der Sowjet­regierung versucht, die Stellung Englands in Ostasien zu untergraben und damit die Basis der wirtschaftlichen und politischen Weltmacht- stellung Englands zu erschüttern. Sie waren nahe am Ziel, als vor etwa drei Monaten intensiv die englische Gegenbewegung einsetzte. Heute sind die Trümpfe fast alle wieder in den Händen der Londoner Regierung. So ist die Lage jetzt, wie sie in einem Monat sein wird, kann allerdings bei den fast unbegrenzten

Möglichkeiten der chinesischen Entwicklung nie­mand Voraussagen.

Versinkt der Sowjetstern?

Aber nur im Meer von Blut.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 1. Juli.

Ein Blatt läßt sich von seinem Moskauer Korrespondenten berichten, daß Sowjetrutzland bereits um seine Existenz kämpfe. Das ließe alles Unüberlegte und Nervöse der letzten Zeit erklären. In ganz Rußland wachse der W i - verstand gegen dos Dowjctfystem. Auch Teile der Tscheka seien nicht unberührt davon geblieben, wie die Verhaftung von acht- unddreißig Tschcka-Beomtrn in Charkow be­weise. Allgemein sei die Furcht, daß die Sow- jetregicrung ihren drohenden Untergang mit einem Meer von Blut verbinden werde. Man spricht von zwei bis dreitausend Politi­schen Gefangenen.

*

31t« brr Orkan losbroch

Leningrad, 1. Juli. (Eigene Drahtmcldung.I Ein heftiger Sturm brachte mehrere Flußschiffe auf der Newa und in den Kanälen zum Sin­ken oder Stranden. Die Dächer vieler Häuser wurden ab gedeckt und Telegraphenstangcn und Bäume umgebrochen. In den Niederungen trat die Newa aus ihren Ufern. Mehrere Personen wurden verletzt.

Sie wiegeln die Flotte auf.

Komm'nistenrazzia in der RohclpreiSstadt. ©Hieltet Trahtberickn >

OSlo, 1. Juli.

Bei einem Kommunistenblatt wurde eine Razzia abgchalten, vermutlich wegen eines Auf­rufes an das englische Flottenge­schwader, dos Oslo besuchte und worin die Matrosen aufgesordert wurden, nicht gegen Rußland zu kämpfen, sondern lieber ihre Kanonen gegen ihre eigenen Kapita­listen zu richten. Kommunistenführer, Rcdak teur und Redaktionssckretär wurden verhaftet.

Kopenhagen, 1. Juli. (Gig. Drahtmeldung.) Ein Blatt meldet aus Oslo: Bis Mitternacht sind zweihundert Kommunisten verhaftet, darun­ter über fünfzig Sowjetrussen. Tic Land- und Seevcrbindungcn unterliegen mili­tärischer Kontrolle.

* * *

Am London« «Srhech < .

Kopenhagen, 1. Juli. (Gig. Drahtmeldung.) Ein Blatt meldet aus Oslo: Die Entwendung von M o b i l m a ch u n g s p l ä n e n ist die Hauptnrsochc des Schlages gegen den Kommu­nismus! im Norwegen. Alle Spuren führen in die russische Gesandtschaft.

* *

(Seraubie Geheimdokummle.

Wie sie sich ins Admiralsschiff schlichen.

London, 1. Juli.

Ein Blatt meldet aus Oslo: Tic Kommuni­sten haben auf den britischen Schiffen, die vor Oslo liegen, sich in den Besitz der Segelbücher zu setzen versucht. Den Kommunisten gelang es, sich aus dem Admiralschifs einzuschmuggeln, wo sie in Abwesenheit des Kommandanten in dessen Kajütte cindrangcn. Hierbei wurden sie über­rascht. In dem Feuyrkampf wurde ein Ruffe niedergcschoffen. In seinem Besitz fand man norwegischen Geheimdokumente, was die aktive revolutionäre Betätigung der russischen Aus­landsvertretung .beweist. In Bergen gelang es, einen russischen Kurier festzunehmen, in des­sen Besitz Gehcim-Motzil-Ordrez waren.

Mit schwerem Herzen.

. . stellt sich England Amerika zur See gleich. Funkdienst.

Rewyork. 1. Julr.

Staatssekretär Kcllog erhielt vom amerikani­schen Delegierten an der Flottenabrüstungskon­serenz in Genf eine Information, wonach Eng­land bereit sei. die Parität mit den Bereinig­ten Staaten für alle Schiffsklaffen anzunehmrn.

Amerika In der Klemme

Werden die anderen Seemächte folgen?

Berlin, 1. Juli. Das Scheitern der See- Abrüstungskonferenz käme Deutschland sehr un­gelegen, weil dann Frankreich mit allem Nach­druck an eine Aufrüstung seiner Flotte gehen könnte. Amerika erstrebt aus jeden Fall eine

völlige Gleichstellung zur See mit England. In London weiß man sehr wohl, daß die Washingtoner Regierung in verstärktem Matze zur See oufrüsten wird, wenn man in Genf zu einem Abkommen nicht gelangen sollte. Da England bestrebt ist, die großen Schiffe zu reduzieren und die Lebensdauer oller Fahrzeuge herabzusetzen, so müßte allerdings das Washing­toner Abkomme« einer Abänderung unter- zogen werden. Damit bestätigt cs sich, daß Eng­land bestrebt ist, seinen Vorsprung aus dem Gebiete der Kleine» Kreuzer, Torpedo und Unterseeboote beizubehalten.

Tatsächlich scheint sich eine Annäherung zwi­schen den Japanern und Engländern anzubah­nen. Damit würden die Amerikaner in dieser Frage isoliert dastehen, und es ist verständ­lich, wenn angesichts liefet heiklen Lage die amerikanische Delegation neue Instruktio­nen von Washington anfordert. Sollte der englische Standpunkt doch durchdringen, so wür­den sich auch Frankreich und Italien in einer schwierigen Lage befinden wegen der dann cintretendcn Revision von Washington.

Die Kommunisten trauen Gens nicht

Berlin, 1. Juli. (Funkdienst.) In einer Rcichstagsinterpellation (Komm.) heißt cs, daß bei der letzten Volkskundgebung geheime Be­sprechungen über eine deutsche Aus­rüstung und über die Vereinbarung einer weiteren Geheimkonferenz zwischen den Außen- Ministern der Locarnomächte über die Aufgabe des deutschen Vorbehaltes zum Du r ch m a r sch- r e ch t stattgefunden hätten.

Sine schaurige Erinnerung.

Sieben Gerippe aus der Spartakuszeit.

Funkdienst.

Berlin, 1. Juli.

Bei Ausschachtuugsarbeiten im Ausstellungs- park am Lehrter Bahnhof wurden menschliche Knochen gefunden. Bis jetzt wurden sieben Schädel und die übrigen Knochen menschlicher Gerippe geborgen. Man vermutet, daß es sich um Personen handelt, die beiden Spartaki- stenkämpfcn ums Leben gekommen sind.

Was schafft der Reichstag?

Rur Arbeitslosenversicherung und Zölle.

sPrivat-Telegramm.l

Berlin, 1. Juli.

Man rechnet nicht mehr damit, daß das Steuerrahmengesetz noch vor der Som- mcrvcrtagung des Reichstages zur Beratung ge­langt. Es wird aber sobald als möglich dem Reichsrat zugeleitet werden. Ob das Ligui- dationsschädengesetz den Reichstag jetzt noch beschäftigen wird, ist unsicher. Erst ist noch die Deckungssrage zu klären, ehe der Ent­wurf dem Parlament zugehcn wird. Die Re­gierungsparteien sind für größte Beschleuni­gung. Das Gesetz über die Arbeitslosen- versichcrung dürfte noch in der kommenden Woche verabschiedet werden. Die Zolltarif­vorlage dürfte der Reichstag ifeute billigen

Berlin, 1. Juli. (Privattelgramm.) Reichs­innenminister von Kcudcll hatte heute vormittag eine Besprechung mit den Regierungsparteien über die Gestaltung des Reichsfchulgesetzes.

Mehr als leere Worte?

Tie Genfer Früchte sollen in Stockholm reifen.

(Eigener Drahtbericht.i

Stockholm, 1. Juli.

Auf dem Kongreß der Internationalen Han­delskammer betonte der Bölkerbundsvertreter Sir Salier: Rach den durchgreifenden Ent­schließungen der Genfer Weltwirtschastskonfe- renz gelte eS vor allem, die Annahme dieser Entschließungen und ihre Durchführung in der Handelspolitik zu sichern. Das Dringendste und Wichtigste sei die endgültige Annah­me der Sonferenzratschlüge und die Erklärung der Regierungen, daß sie ihre Politik mit die­sen in Einklang bringen würden. Die Handelslammerkonsercnz müsse alles tun, um das Werk von Genf praktisch zu verwirklichen.

*

Sin Abc-Buch für Kaufmannszwtsie.

Stockholm, L Juli. Die Internationale Handelskammer nahm folgende Entschließung an: Alle Industrielle, Kaufleute und Bankiers ollen in ihren Kontrakten bestimmen, daß olle Meinungsverschiedenheiten, die durch die Kontrakte verursacht werden, »ach dem Regle­ment des Schiedsgerichts der Internatio­nalen Handelskammer beigelegt werden sollen.

Verlorene Seelen.

Richter werden milder, Verbrecher besser.

Wir abgehetzten Zett- und Betussmentchen ba­den im Drang bet Tagesarbeit den groben Um- idtwung zu wenig beachtet, der sich durch das neue «traigeietzbnch in bet gesamten Rechts­pflege ankündigt. Deshalb hier ein paar nut» klärende, höchst wissenswerte Zeilen.

In dem neuen Entwurf steht die Theorie im Vordergrund, daß man die Abstufung der Sira- fcn mehr nach der Art der Verbrecher als nach der Art der Verbrechen vornehmen will nach dem Grundsatz des großen Strafrechtslehrers Franz von Liszt, daß nicht die Tat, sondern der Täter zu bestrafen ist. Der Straszwcck ist die Sicherung der Gesellschaft vor dem Verbre­cher. Da aber der Verbrecher verschiedene Ty­pen aufweist und durchaus nicht nach einem Schema ausgesaßt werden kann, ist auch eine Sicherung der Gesellschaft' nicht dadurch zu er­reichen, daß man nur d^e Tat wertet und den Täter, ganz gleichgültig»-ob er ein Augenblicks- Verbrecher ober ein Gewohnheitsverbrecher, ob er heilbar ober unheilbar, besserungsfähig oder unverbesserlich ist, nicht individualistisch behan­delt, es ist aber ganz richtig, daß man den Au- gcnblicksverbrecher straft, um ihn in Zukunft abzuschrecken und daß man versucht, den besserungsfähigen ZustandSvcrbrechcr während der Verbüßung seiner Strafe zu bessern sucht und daß man denjenigen, der immer auf der Bahn des Verbrechens wandelt und bei dem, wie es im Sprichwgrt heißtHopsen und Malz verloren ist", auf die Dauer unschädlich macht, damit er nicht immer wieder aus

die menschliche Gesellsckwft losgelassen, von neuem Sicherheit unb Leben seiner Mit­menschen bedroht. Natürlich ist es fehr schwer, die dazu nötigen Unterscheidungen in der Pra­xis durchzusührcn. Wer ist ein besserungsfähi­ger Gewohnheitsverbrecher, wer ein unverbesser­licher ? Ist es sicher, daß der Augenblicksver­brecher, der seine erste Tat hinter sich hat, nicht auf seiner ßaufbabn weiter wandert und, Gut und Leben feiner Mitmenschen gefährdend, viel Unheil anstiste» kann, bis er gerichtlich t<i Klasse der Zustandsverbrecher zugcfühn wird? Aus alle Fälle setzt eine so individuell gehaltene Strafgerichtsbarkeit voraus, daß jeder Straf­richter ein scharfblickender Kriminal- psychologc ist unb baß er sich mehr, als ba« bisher nottoenbig war, um die Seele des Ver­brechers bekümmert, als um die Paragraphen, die die Tat charakterisieren und danach das Strafmaß bestimmen. Es ist kein Wort darüber zu verlieren, daß ein Strafrecht, das auf solchen Prinzipien aufgebaut ist unb durchgeführt wer­den tonn,

geradezu ideal zu nenne« ist. Leider aber wird die Unzulänglichkeit al­les dessen, was Menschenantlitz trägt, an Klip­pen übet Klippen kommen und gar manchesmal werden die Theorien scheitern, wenn die Un­durchsichtigkeit zu groß ist. Nichtsdestoweniger aber darf man an diesen Befürchtungen sich nicht einen solchen Skeptizismus holen, daß man in den alten Bahnen weiter wandeln will. In den letzten Jahren wurde schon vielfach nach mo- dernen Grundsätzen verfahren und es muß ge­sagt werden, daß manches Gute geschaffen worden ist und mancher, der sich durch ein Jahr Zucht­haus mehr nicht hätte abschrecken lassen, wei­terhin im Dienste des Verbrechens zu wirken und die menschliche Gesellschaft zu bedrohen, durch die indivibnalistische Behandlung

roicber auf ben rechten Weg zurückgeführt worden Rst. Dabei muß aber be­tont werden, daß nicht allein der Strafrichter hier der menschlichen Gesellschaft einen Dienst erwiesen hat, fonbern daß meist auch der Straf­vollzug, der ausgiebigere Gelegenheit bietet, die Psyche des einzelnen Verbrechers unb die in ihm chlummernden guten unb schlechten Triebe zu tubieren und für den Schutz der menschlichen Gesellschaft verwertbar zu machen, einen großen Anteil daran hat. Es muß daher mit der Schaffung des neuen Strafgesetzbuches ein auf denselben Prinzipien aufgebauter Straf­vollzug Hand in Hand gehen. Auch daran wird bereits gearbeitet.

Wann wird der Waffenunfug geregelt?

Berlin, 1. Juli. Die letzten Mutigen Er­eignisse, bet denen Jugendliche, die nicht über einen Waffenschein verfügten, durch Schießereien chwercs Unheil angerichtet haben, drängen zur Regelung der Waffenscheinfrage Tie Län- der sind sich bisher aber noch nicht einig. In