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Freitag, 1. Juli 1927.

Kasseler Neueste Nachrichten

17. Jahrgang. Nr. 151.

Oslo, 30. Juni.

Neues aus Kaffe!

Ser Voftmimfter läßt n cht noch

Berlin, 30. Juni. Wie verlautet wird der Reichspostminister dem Verwaltungsrat Mitte der nächsten Woche erneut die Vorlage betreffs Erhöhung der Postgebühren vorlcgen.

Auswertungsansprüche, die nach Treu und Glauben unter Vermittlung eines Richters entschieden werden müßten, also während der Geltung des Sperrgesetzes nicht erledigt werden könnten. Andererseits könne er sich vorstellen, daß man sich sehr wohl daraus einige, diese Fragen der Standesherren, einer richterlichen besonderen Stelle, einem Schiedsgericht, zu unterbreiten. Abg. Barth (Dn.) stimmte einem Zivilsenat des Reichsgerichts als Schieds­gericht zu. Abg. Schulte (Z.): Die privaten Offerten der Fürstenhäuser seien

kein vollgültiger Ersatz der Verlängerung des Sperrgesetzes. Die Frage bezüglich der Standesherren sei nicht von so großer Wichtig­keit. Nachdem die Sozialdemokraten nochmals für die Verlängerung cingetreten waren, bezeich­nete Hessens Vertreter den Antrag von links als Mindestmaß dessen, was die Länder verlangen müßten.

Auch Italien gegen Dieschwarz? Schmacht

Rom, 30. Juni. Auf die Nachricht, daß auf Korsika schwarze französische Truppen statio­niert werden sollen, wendet sich ein Blatt gegen diese neueschwarze Schmach". Wenn Frank­reich in den Seidcnfabriken indochinesische Ar­beiter oder Neger beschäftige, die französische Frauen heiraten, so könne man das höchstens bedauern. Aber mit allen Mitteln müsse da­gegen protestiert werden, daß farbige Fran­zosen mit Weißen einesanderen" Lan-

Wo steckt Daudet?

Die Pariser Köpenikiade reizt die Lachmuskeln.

Paris, 30. Juni.

Das Blatt des geflüchteten Royalistenführcrs Daudet veröffentlicht einen entrüsteten Protest anläßlich der Verhaftung ihres Ebefredakteurs Pujo. Man habe Pujo geradezu in eine Falle gelockt. Die Zeitung bestreitet, daß er bei der Freilassung Daudets irgendwie beteilig/ gewesen sei. Gestern ist das Schloß, daß der Mutter Leon Daudets in der Provinz gehört, polizeilich überwacht worden, weil man ihren Sohn dort vermutet. Positives ergab sich nicht.

derten auch aus Preußen selbst zahlreiche Is­raeliten ab; von den Preußischen Großstädten haben Königsberg, Stettin, Halle, Aachen, Kre­feld,Münster und Mühlheim a. d. Ruhr weni­ger Israeliten als vor dem Kriege. Im Reich werden im übrigen insgesamt neunzehn ver­schiedene Bekenntnisse gezählt außer den vierzig Millionen Evangelischen, den zwanzig Millio­nen Katholischen und der halben Million Is­raeliten zählte das Statistische Reichsamt noch 170 000 Mitglieder evangelisch-lutherischer Frei­kirchen, 140 000 Methodisten, 33 000 Ncuapostoli- schen Bekenntnisses, 70000 Baptisten, 50 000 Methodisten, 33000 Altkatholiken, 30000 Adven­tisten, dazu Mennoniten, Reformierte, Herrnhu­ter, Mohammedaner, Buddhisten u. a. Bei al­len christlichen und jüdischen -Bekenntnissen sind die Frauen in der Ueberzahl, bei den Konfessionslosen die Männer.

Wie der Landlagerfüll".

Polizeibeamtc u. Versailles. Elcktrofitz: Berlin.

Berlin, 30. Juni.

Der Landtag nahm gestern das neue Poli- . zcibcamtengesctz endgültig und zwar mit großer Mehrheit (nur gegen Kommunisten und Wirt­schaftspartei) an. Dies ist nicht nur von inner­politischer, sondern namentlich auch von au­ßen politi sch,er Bedeutung insofern, als nun auch das größte deutsche Land mit der endgültigen Regelung seiner Polizei-Angelegen­heiten einen der Re st punkte des Versail­ler Vertrages bereinigt hat. Die ge­stern erwähnte Kompromißfaffung wurde auch dem Paragraphen 11 beigesügt, der die Ent­lassungmangels Eignung" für die Polizei- mannschasten vorsieht. Innenminister Grzcsinski gab die Verbesserungen an der Regierungsvorlage zu und hofft auf eine gute Durchführung. Im übrigen verabschiedete der Landtag noch endgültig die Untcrelbe- Gesetze (Eingemeindung mehrerer Orte nach Altona. Hafcnausbau und der Sondersinanz- ausglcich). Der Antrag (Kam.) aus Auslö­sung der Gutsbezirke ging an den Aus­schuß, nachdem ein Sozialdemokrat erklärt batte, erst wenn alle Möglichkeiten für die Verabschie­dung einer neuen Landgemeindeordnung im

Fast ein Doppelgänger berhattet.

Mailand, 30. Juni. Die Nachricht von einem angeblichen Aufenthalt Leon Daudets in Salsomaggiore beruht auf einer Verwechslung mit einem ähnlich aussehenden belgischen Diplomaten, wie sich jetzt herausstellt.

Wir flreöen m Dem Allein ins M Stresemann verdient sich den Friedenspreis in Oslo zum zweitenmal / König und Volk jubeln ihm zu / Die Lo- ear nokrise soll weichen / An uns liegt es nicht.

stresemann ist hier populär geworden, bei seinem Empfang stauen sich die Massen und seine Popularität (die Presse hat ihn übereich- lich photographiert und iikterviewt und auch Frau Stresemann entging nicht den Intervie­wern) wächst noch, die politische Bedeu­tung des Ereignisses überschattet alle anderen Sensationen, sogar den gleichzeitigen, gewiß auch nicht ganz unpolitischen, Besuch der eng­lischen Flotte. Durch dichte Menschenmen­gen fuhr der Minister gestern zur Universität. Vor der großen, festlich ergrrffenen Menge stand der Minister dann in der großen Aula und leine Friedensrede war bei sichtbar innerer Er­griffenheit zugleich von großer schöner Gewiß­heit erfüllt. Als nach kurzen, einleitenden Wor­ten des Rektors Professor Stangs Dr. Strese­mann vor einem dichtgedrängten, noch in den Gängen sich stauenden Publikum auf das Po­dium stieg, erhob sich das Publikum mit dem König Haakon und sämt­lichen Ministern, den fremden Diploma­ten, Hervoragenden Politikern, Gelehrten, Künstlern, Mitgcstalten wie Fridthjof Nansen und dem Bruder Alfred Nobels und begrüßten den Träger des

Friedens-Nobelpreises mit minutenlangem Händeklatschen.

Seine Friedensarbeit, so führte der Minister aus, sei nicht seine Arbeit allein, sondern auch die des deutschen Volkes, das in positiver Be­tätigung aus der Zerrissenheit des Krieges und den extremen Spannungen der Nachkriegszeit herausgefunden und den festen Willen zur friedlichen Znsammcnarbeit mit den übrigen Völkern bekundet hat. Die Situation und das Problem des heutigen, des besiegten Deutschlands, war das Thema seines Vor­trages, der von Pathos und moralischem Gewissen ebenso erfüllt war. wie von der

SS finv zu zahlen...

an Staats- und Gemeindeabgaben im Juli.

1. bis zum 8.: Die Essigsteuer für 16. bis 30. Juni 1927 von denjenigen Steuerpflichtigen, de­nen zufolge besonderer Vereinbarung vie Zah­lung in Halbmonatsfristen zugcstanden ist unter gleichzeitiger Anmeldung.

2. bis zum 10.: Die Bicrsteuer für die glei­che Zeit, ebenfalls bei gleichzeitiger Anmeldung.

3, bis zum 15.: a) Die Staatssteuer vom Grundvermögen, soweit sie nickt Grundstücke betrifft, die dauernd land- oder forstwirtschaft­lichen oder gärtnerischen Zwecken zu dienen bc- timmt sind, da die Steuer für diese Grundstücke vierteljährlich zu zahlen ist und erst im August ällig wird, b) Der Gemeindezuschlag hierzu. c) Die Staatsbauszinssteuer gleich 1200 Pro-

des in Berührung gebracht würden. Dann wird auf zahlreiche Zwischenfälle am Rhein ange- spielt, die überall nickt gerade dazu beigetragen hätten, das französische Prestige zu erhöhen.

Sine sein Iche Re ierunosfthiappe.

Das Zentrum ftimmt links für Fürstensperre.

Berlin, 30. Juni.

Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde der sozialdemokratisch-demokratische Antrag aus Verlängerung des Sperrgesetzes für die rxürstenabfindungsprozesse bis zum 31. Dezem­ber 1927 mit 15 gegen 11 Stimmen ange­nommen und zwar gegen die Stimmen der beiden Rechtsparteien und der Bahr. Volks- Partei. Die erforderliche Zweidrittel­mehrheit wurde also nicht erzielt. Staats­sekretär Zweigcrt teilte mit. daß die Absindun- gen noch nicht erledigt sind in Sachsen-Alten- bura. Sachscn-Koburg, -Tchwarzburg, -Gotha, Mecklenburg-Schwerin, Lippe-Detmold, Meck- lenburg-Strelitz. Alle Fürstenhäuser hätten sich schriftlich verpflichtet, die Wirkung des Sperr­gesetzes bis zum 1. Dezember dieses Jahres ver­tragsmäßig gegen sich gelten zu lassen. Eine Verlängerung des Sperrgefetzes sei deshalb sachlich überflüssig, da die Länder in der Lage seien, durch Annahme des Angebots eine vertragsmäßige Sverre herbeizu- fuhren. Reichsjustizmimstcr Hergt betonte, jedes Sperrgesctz sei ein Eingriff in die Rechts­ordnung. Bei den Ansprüchen der Stau- desherren handele es sich durchweg um

Klugheit des Realpolitikers, lieber die uner­hörten Rachkriegsopfer und Demütigungen Deutschlands kam der Minister über Ruhr, Daweszins usw. zu den Locarnoverträgen: Stu­die Blüten des Vertrauens sei der Schnee des Mißtrauens und der Kriegspsychose gefallen. Wir sehen gegenwärtig mehr eine

Krisis des Vertrauens

in die ganze Entwicklung des Friedens, als eine einmütige Bejahung von allen Völkern der Erde, und so kann heute gesagt werden, und die letzten Reichstagsverhandlungen haben es bewiesen, daß in dem Willen nach Frieden und Verständigung die überwältigende Mehr­heit des deutschen Volkes sich einig ist. Im neuen Deutschland hat die A r b e it e r k l as s e, gleichgültig, welche politische Vertretung sie sich gab, fest an das Reich und den Staat gebun­den. Keine Acnderungen der Parteikonstella- tzonen können an dem Gcsamtwillen, keine schicht auszuschließen von der Mitarbeit und Verantwortung im Staate, irgendetwas ändern. Die Politk von Locarno ist unver- e i n b a r mit der Politik des Mißtrauens, mit der Politik der Gewalt, mit der Politik der Unterdrückung. Sie ist Politik der Verständi­gung, Politik des freien Willens, sie ist Politik des Glaubens an eine neue Aera, an eine neue Zukunst. Möchten die Ideen, die der Ehrung durch den Nobelpreis zu Grunde liegen, Ge­meingut werden, für alle ringenden Natio­nen der Gegenwart, auf daß, wenn dieses Ziel erreicht werde, das Wort wahr werden möge, das der große Deutsche, der am meisten über die Völker hinauswirkte, einst aussprach: Wir bekennen uns zu dem Geschlecht, das aus dem Dunkel ins Helle strebt!" Der Eindruck der Rede war sehr stark. Stresemann hat mit dieser Rede jedenfalls in Oslo einen Sieg für sich und Deutschland errungen, einen Sieg, der ein molarischer Sieg int Geiste von Locarno, ein Sieg für den Frieden ist.

Sin forgtntofer Lebensahkn".

Zusatzrente für Staatsarbeiter schon 1928.

Die Reichs- und Staatsangestellten erwarten die Errichtung einer zusätzlichen Altersversor­gung ähnlich tote durch t>;> Reichspost mit dem Zweck, möglichst auch der Gemeinde-Arbeitneh­merschaft für den Fall des Alters oder der Be- rufsunfähigkeit eine Zusatzrente zu den Ruhe­gehaltsbezügen aus den allgemeinen Sozialver­sicherungen (Angestellten . Knappickait-Jnoali- dcn-Versicherung) zu gewähren. Der in einem Entwurf aufgestellte Grundsatz, Bemessung der Höhe der Zusatzrente für die Angestellten und Arbeiter unter Berücksichtigung der Beamten­pensionen, wird stark anocfuctnen. weil der Ange­stellte und Arbeiter, tm Gegensatz 'um Beam­ten, an der Aufbringung dec Mittel siir seine spätere Altersversorgung auch in jer tommen- den Reichsanstalt in beachtlichem Matze bewilligt wird. Man erwartet, das; die zusätzliche Alters­versorgung in etwa ^Jahren inkraft treten kann.

Aus Volttik und Wirtschaft.

Trübe Borkum-Erinnerungen. In Emden wurde der ehemalige Pfarrer Münchweyer- Borkum wegen Beleidigung zu eine: Geivstrase von 200 Mark, wegen fortgesetzter öffentlicher Beleidigung des praktischen Arztes Dr. B e n s ch zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt.

Hat man den König, hat man das Land. Der zurzeit in Paris weilende König von Aegypten, Fuad, wird am 4. Juli in London vom Königspaar empfangen, worauf Bankette und feierliche Staatsdiners stattsinden.

Die Presse macht viel aus. In Berlin wur­de die VereinigungRepublikanische Presse" ge­gründet mit dpm Ziel, die Achtung vor der dentschne Republik und ihren Farben zu för­dern und an ihrer Ausgestaltung mitzuwirken.

Ganzen erschöpft seien, solle man mit der Rege­lung von Einzelfragen kommen. In en bloc-Äb- ftimmung nahm der Landtag noch das Elek­tro - G c s e fe an, wonach sämtliche staatlichen Elektririiäts-llnternebmunqen und Beteiligun- aen in einer Aktiengesellschaft mit t>em Ditz in Berlin zusammengeschlossen werden.

Auf geheimen Drähten.

Wie die Zeitung das Gefängnis reinlegte.

Paris, 30. Jüni.

Gestern wurde festgestellt, daß drei geheime Telefonleitungen in derAction francatfe" es ermöglichten, sich mit Hilfe eines gefundenen Telephonschlüssels überallhin einzuschalten und Verbindungen ohne Wissen der Tele­fonverwaltung durchzuführen. Damit scheint cs so gut wie sicher, daß der tele­fonische Entlasfungsbesehl für Daudet an den Gefängnisdirektor von der... Zeitung selbst ausgegangen ist.

Das ßubhfum al' Dekett v

Berlin, 30. Juni. Ans die Ergreifung der Bande, die in den leyten Wochen in den süd­lichen Vororten Berlins einzelstehende Lau d - Häuser beimluchten, hat das Polizeivräfidinm etzt eine Belohnung von 3000 Mk. ausgesetzt.

Die Klaffte.

Eine Tragikomödie im Tuchladen.

Von

Jo Hanns Rösler

Ein Laden. Regale, vollgestopft mit Stoffen Gabardine, Popeline, Cheviot, Serge, Tuch, Samt. Velour.

Rot, gelb, braun, blaßblau, nochblasserblau bordeaux, orange, kupfer, weiß, lila, neugrün, nilgrün, pogrün, donaugrün. Uni, kariert, ge­streift, gepunkt, geblumt.

Eine Dame tritt ein. Eine Klaffte. Eine Tarne in deinem Alter. Angezogen tote du. Fri­siert tote du. Verheiratet wie du. Eine Tarne, die kaufen möchte. Oder auch nicht. Oder viel­leicht doch. Sie will sich zunächst nur einmal et­was ansehen.

Gabardine, Popeline, Cheviot, Serge, Tuch, Samt, Velour.

Gabardine? Gabardine!

Rot, gelb, braun, blaßblau, nochblasserblau, bordeaux, orange, kupfer, weiß, lila, neugrün, donaugrün.

Rot? Rot!

Uni, tariert, gestreift, gepunkt, geblumt.

Uni? Uni!

So ähnlich. Ja, das ungefähr. Haben Sie nicht noch etwas anderes. Sie kennen ja jetzt meinen Geschmack."

Haben Sie nicht noch etwas anderes," fragt die Klaffte nochmals. Da läßt sich plötzlick die Freundin der Frau Klaffte vernehmen. Frau Klaffte geht nie ohne Freundin einkaufen. Ein­käufen? Was sie fo nennt. Die bisher ganz manierliche Freundin sagt also plötzlich:Recht wenig Auswahl haben Sie eigentlich."

O bitte sehr, gnädige Frau. Vielleicht be­mühen Sie sich einmal in unser Reservelager int vierten Stock. Da haben wir noch eine sehr große Auspahl."

Schön. Die Klaffte und ihre Freundin be­mühen sich. Und wieder sind hier Regale vollge­stopft mit Stoffen. Gabardine. Popeline, Cbe- viot, Serge. Tuch, Samt, Velour. Rot, gelb, braun, blaßblau,nochblasserblau, bordeaux, oran­

ge, kupfer, weiß, lila, ncitgrün, nilgrün, Pogrün, donaugrün. Uni, tariert, gestreift gepunkt, geblumt.

Das Rot hier ist auch wieder nicht das Rich­tige. Ein bissel Heller noch Und dann wieder ein wenig kräftiger. Und nicht gar so blaß. Ich sehe schon, Sie haben es nicht."

Der Verkäufer hat zweihundertzwei Stoff­ballen gerollt. Aber er verliert nicht die Geduld

Gnädige Frau", lächelt er verbindlichwir hätten noch ein Lager. Aber Sie müßten sich über die Straße bemühen. Dort liegen die Stoffe, die neu hereingekommen sind und noch nicht ausgezeichnet wurden. Vielleicht bemühen Sie fick einmal hinüber."

Schön. Die Klaffte und ihre Freundin be­mühen sich Im Keller, wo sich das Lager be­fand. stehm Kisten, hocken Säcke, liegen Pakete Hunderte.

Die Klaffte läßt alles öffnen. Endlich, im letzten Paket, hat sie es gefunden. Gabardine, rot, uni. Die richtige Farbe. Genau das. was sie suchte

Der Verkäufer atmet auf. Sein Kragen stießt zu Boden. Der Hosenträger ist zerweickt und baumelt seitab. Erschöpft zieht er die Schere. Wieviel Meter wünschen gnädiqe Fran?"

Nein', sagt die Klaffte ruhig, ^kaufen will ich nicht. Ich wollte nur meiner Freundin den Stofs zeigen, wie ich mir augenblicklich ein Kleid arbeiten lasse. Ich habe den Stoff näm­lich bei Ihrer Konkurrenz Peitsch am Markt ge­kauft und, wie ich jetzt mit meiner Freundin dort war, war der Stoff alle geworden. Also ich danke schön."

Nimmt ibre Freundin bei der Hand, dieal­so bei Peitsch haben sie doch mehr Auswabl" zu sagen sich nicht verkneifen kann, und ver­schwindet.

Bealus und Sabine.

Der Roman einer Kindheit.

Was unterscheidet die Welt der Jugend von der der Erwachsenen? Nickt das Alter, sondern die Stärke des Gefühls, mit der die Jugend die Umwelt erlebt, deren Wunder noch durch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zerstört sind.

Nicht das Alter--denn es gibt auch Dich­

ter, die die Umwelt so hemmungslos und reich erleben wie die Jugend.

Als wir die Schwelle von der Jugend zur Reife" überschritten, ahnten wir "den unver­meidlichen Verlust einer kostbaren Welt. Darum flüchten wir uns später in die Bücher der Dichter wie in unsere eigene Jugend.

In realistischer Form hebt sich das phantasti­sche Gebäude einer Kindheit mit den tausend Zimmern, denen die tausend Träume des Bea­tus Namen geben. Das höchste Zimmer heißt Liebe. Aber es ist zu eng für das neue Gefühl und es eint sich mit der Sehnsucht in die Ferne ZU tödlicher Größe. Beatus verliert, da er ge­wichtslos durch den Neckar treibt, die Unterschei­dung für Traum und Wirklichkeit; den Träu­menden, der immer eins war mit den Dingen und Tieren, der im Wasser sich den Fischen gleich fühlt, raffen die Wellen hinweg. Farbig ist Beatus Eingang ins Grenzenlose: Mit den Fischen träumt er von einem grünen Himmel, der über ihm dahinbranst:Wenn sie springen, chnellen sie ans Grünem in Blaues. Wenn es oben donnert, hören sie es nicht, aber die Blitze durchleuchten ihr schwarzes Wasser bis in die Tiefe. Sie träumen, sie schweben ...

Er ließ sich lustvoll treiben, immer weiter hinaus. Die Flußmitte rauschte auf, der volle Strom erbrauste."

Der volle Strom erbrauste über Beatus, als das Leben der Anderen, der Reifen, der Gra­fen ganz nah war. Beatus Tod hat keinen traurigen Klang. Er ist feierlich und gelassen wie das Todeslied eines Brahmanen.

Schnack schöpft aus schlichtesten Kinderaben- tcuern allgemeingültige Symbole des Lebens.

Auch in dieser Dichtung spricht ein Mensch, ber' Zeit hat, dessen Gefühl sich an jedes Bild, an jeden Traum, an jedes Stück aufleuchtender Na­tur voll hingibt. G. M. Vonau.

DU an hat verkauft.

Dreißig Werke der Jubiläums-Kunstausstellung.

Auf der Kasseler Jubiläums-Kunstausstellung tm Orangerieschloß wurden bisher folgende Werke verkauft: Zwei Gemälde des Marburger Malers Paul BaumWeiden am Wasser" und Frühling in Holland": von Heinrich Faust die GemäldeHerrenbildnis" undDamenbildnis"; Hans Oldes GemäldeSturm".

Von Werken der Kasseler Akademieprofesso­ren wurden verkauft: 3 Gemälde von G-org BurmesterObstgärten in Herborn".Boot- schaften" undAm Meer"; Alfred Vocke, Holz- plasttkMorgendämmerung" und Bronzeplastik Morgendämmerung", endlich Kurt Wittes Ge- mälde Assisi l."

Aus der Abteilunghessische Kunst der Gegenwart", die wir morgen ausführlich be­sprechen, sind bis jetzt verkauft: August Anhalt, HolzreliefDas jüngste Gericht", Arnold Bode. SemälbeLandschaft". War KneiselsAkt", Karl LevhausensSelbstbildnis", Karl Mons Sckusterstube", Heinrich SchneidersStilleben", Rudolf SiegmundsFuldadorf im Frühling" undVerfchneite Tannen", Ludwig Voß' Stu- vienkops.

Von modernen deutschen Bildern sind ver­kauft: Lyonel FeiningersKlarissen-Kirche". Julius Heß'Landschaft mit Segelschiffen". Paul Klee. GemäldeKleines Tünenbild", Ge. org Walter RößnersMädchen in den Dünen" und Figürliche Komposition", Milly Siegers BronzeplastikMädchen aus Tunis", Hugo TroendlesWäscherinnen". Prinz zu Wittgen­stein-Berleburgs Terrakotta-BüsteTheo Scharf", Gert WollheimsStilleben mit Tasse" und Stilleben mit Ananas".

Zum großen Teil bleiben die angekauften Kunstwerke in Kassel, unter den auswärtigen Käufern befindet sich das Museum einer bekann­ten rheinischen Kunststadt

Eine neue Zuflucht ist uns das Buch Fried­rich SchnacksBeatus und Sabine", das soeben bei Hegner in Hellerau in jener köstlichen äuße- ten Form erschienen ist, die uns die Bücher dieses vornehmsten unter den deutschen Ver­lagen so wertvoll macht. Schnack gestaltet das Leben zweier Kinder in einer Landschaft, der Neckar, Schloß und Gutshos jenes Gesicht geben, das wir aus SchnacksSebastian im Wald" kennen.