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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 137. Amtliche« Organ der Stadt Raffel.

Mittwoch, 15. Juni 1927.

Amtliches Organ der Stadt Kastel. 17. Ia^r^aNg

Wie sie um die Locanwsrüchle seilscheu.

Die Locarnosonne scheint nicht meör.1 Annes, junges siu-i

JBSssaaBoe. s" E&s SS

1 fPltnhitt ____....

»ölen wünscht feinen Bruch.

Niemals gegen Moskau.

Bergarbeiterführer Cook's Fehdehandschuh.

<§S liegt nur an Varis.

Und alle Kriegsgefahren sind gebannt.

Wie sie uns umgarnen.

Genfer Kuhhandel um die Besatzungsschmach.

* (Ctflener JnformattonSdienft.)

Warschau, 14. Juni (Eigene Drahtmelog.) Tie polnische Antwort auf die zweite Eoro'ct- note wird vermutlich den in der ersten polni­schen Rote eingenomrnen versöhnlichen

lEtgene DrahtmeldunK.,

London, 14. Juni.

Dumpfer Trommelwirbel.

Wieder elf Antibolschewistcn an der Wand.

Moskau, 14. Juni.

Der Odessaer Gerichtshof hat elf Angeklagte wegen Spionage zugunsten Rumäniens zum Tode verurteilt, drei erhielten zehn Jahre Ge­fängnis. Sie hatten geheime Infor­mationen an den rumänischen Rekog­noszierungsdienst geliefert, nach Rumänien aus dem Gebiet der Sowjetunion geflüchtete unb von den Sowjetbehörden gesuchte Personen transportiert. Die Beschuldigten waren meist geständig.

Kavallerie. Feuerwehr mit Sturmleitern, als Hanptstoßtri'vp eine Ve'r»iifitflsabteilung. Dagegen helfen keine Tintenfässer. Das weni­ge Publikum von Frühaufstehern blieb außer­halb des Schlachtfeldes. Niemand war da.

Shefemann stellt sich zwischen Ost und West

Basel, 14. Juni. (Privattelegramm.s Ein Blakt meldet aus Genf! Nach einer Information bleibt die deutsche Delegation bemüht, den eng­lisch-russischen Konflikt zu mildern. Sttesemanns Unterredung mit Chamberlain Hal einer Ver­mittlertätigfeit gegolten.

Kowerda vor dem Standgericht

Warschau, 14. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Die Verhandlung gegen den Mörder der rus­sischen Gesandten Wojkow, Boris Kowerda, vor dem Standgericht ist auf Mittwoch, den 15. d. Ms. angesetzt.

Da« Bhetniond seufzt Wetter

Köln, 14. Juni. (Privattelegramm.) Im de- setzten Gebiet hat wohl keine Verstärkung der Besatzungsarmee, aber eine Vermehrung der Gendarmerie stattgefunden und zwar zum Teil um rund Zwanzig Prozent.

spinnt in Luremburg Köuigs- ,--------- Adelheid als Denischcn-

srennbt». / Deutfchlands Untergang war an» der tdre. / Sw dankt ab unb nimmt de« Rio- sterschleier. / Sie stirbt an gebrochenem Herzen.

nach dem Kriege. DaS alles mißfällt natürlich der Entente, die allerlei Hetzer und Agenten ins Land schickt, um Marie Adelheids Thron wstematisch zu unterminieren. Und als der Waffenstillstand abgeschlosien ist, und ihre Re­gierung wegen des Schicksals des kleinen San- des mit Frankreich und Belgien Fühlung neh­men will, weigern sich die Sfaatsoberbäuvter in Paris und Brüssel kategorisch, die Minister der Großherzogin ,« empfangen. So ist denn die Einverleibung Luremburgs in Bel­gien oder die Ausrufung der Republik unter -Frankreichs Schutz nur noch Frage weniger Tage. Da opfert sich Marie Adelheid für ihr Land und ihre Familie. Am 9. Januar 1919 ban f t sie zu Gunsten ihrer Schwester, der ietzigen Großherzogin Charlotte ab. Kurz vor der Unterzeichnung der Urkunde er­scheint ineognito ihr Jugendfreund und Vetter, ein Prinz von P a r m ä, der als Haupt­mann ruhmreich auf englischer Seite gekämpft l>ai, und sank durch eine Verbindung mit ihm n?eit>e ihre Anerkennung durch die (?nten*e doch dort) möglich fein, sie solle vorläufig nicht ab- sanken. Die Großherroginmutter redet zu, aber

ueber Moskau sehr erstaunt.

London, 14. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Reuter berichtet aus Gens, daß die zweite Note Sowjetrußlands an Polen einen sehr schlechten Eindruck gemacht habe.

*

Moskau |ür Kinder zu tiffäfftii ti

London. 14. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Fünf englischen Kindern, die auf Einladung heute nach Rußland abreisen sollten, wurden die Pässe verweigert. Man sieht hierin einen entscheidenden Schritt der Regierung, auch die Verbreitung bolschewistischer Ideen unter der englischen Jugend zu verhindern.

Berlin, 14. Juni.

Nachdem Außenminister Stresemann den litauischen Außenminister WoldemaraS nochmals eine juristische Ausarbeitung der Memellandbe­schwerden zugestanden hat, erwartet man jetzt eine Aussprache zwischen den Loearnostaaten. Allem Anschein nach wollen Briand-Chamber - lain die Ergreifung der Initiative Dr. Strese- monn für eine Unterhaltung mit ihnen über­lassen. Diese Taktik begegnet in den politischen Kreisen Berlins größtem Befremden u. man sieht darin eine außergewöhnliche Erschwe­rung, umsomehr, als damit gleichzeitig bestätigt wird- daß zwischen Paris und London wieder einmal eine politische Einheitsfront gegenüber den verschiedenen Forderungen Deutschlands zu-

tande gekommen ist. Die französische Presse er« lärt jetzt rundweg, daß in der Frage der Be- ätzungsverminderung eine nennenswerte Re­duzierung nicht in Frage kommen 'önne und zwar au? dem Grunde nicht, weil die so- . , _____ ............ .....

genannteNormalzifser' bereits ereicht ist. DieseStandvunkt neuerlich unterstreichen.

Behauptung ist durchaus unzutreffend und nur daraus zu erklären, als die französische Regie­rung das über 20000 Mann betragendetech­nische Personal' nicht unter den BegriffBe­satzungstruppen- stellt. Diese unersteu- l i ch e Haltung der französischen Presse ist zwei­fellos aus einen Wink der französischen Regie­rung zurückzusühren und verfolgt sicherlich den Zweck, von Deutschland wirtschaftliche K o n z e Honen zu erreichen, wenn man sich wirklich z einer geringen Truppenverminderung bereit er­klären würde, zumal man in Paris bekanntlich eine erneute Verlängerung des Handelspro- v i s o r i u m S erstrebt.

Berlin, 14. Juni.

Schweizer Blätter berichten aus Genf, man habe schon in der ersten Sitzung ein ganz ande­res Verhältnis zwischen Stresemann und den beiden anderen Locarnoministern wahrnehmen könne» als an den früheren Tagungen. Eine Spannung liege zwischen Stresemann und den Westmächten und ihre Ur­sache sei zum Teil Deutschlands Intimität zu Moskau. Andererseits feien die anderen Locarnomächte allein an der Stagnation der Locarnovolitik schuld.

Was sollen Gummiknüppel gegen eiserne Stühle? Im Gebäude sind, wie man mir er­zählt. alle Stiegen und Gänge mit Stachel­draht und Möbelstücken großartig ver­barrikadiert. Später rückt Militär an. Es soll jetzt gestürmt werden, heißt es Wilde Gerüchte Jedenfalls werden wir langsam davongedrücki. In weitem Umkreis Wirt abgesperrt. Aber 18 ereignet sich nichts. Man will, wie mir scheint, die Belagerung mit moralischen Mitteln füh­ren Die johlende Menge ist den Camelots ein zu dankbares Publikum, es spielt sich aut

dem Schauspiel beizuwohnen. So ging der Vorhang gar nicht erst tn die Höhe. Zw Polizisten brachten den Haftbefehl inS Haus, unb Daudet nach einer halben Stunde heraus. Das Theater war zu Ende, der Ernst des 9e«L, ....... .

bens begann Der Uebergang schien reibungS-' ' ,u -Estin erklärt, kos. Man muß sagen: dieses Paris Und feinej niemals beiraten zu wollen. Behörden haben VeMändnis für solche Dinge.! Da bittet sie der Vetter In der Angst um ihr ®** w,ff-n h,n 'Schicksal, sie möge bann wenigstens dulden.

Wer kennt das malerisch gelegene Lurem- burg mit seinen glühenden Hochöfen und dem bekannten Wallfahrtsort Echternach mit seiner noch bekannteren Springprozession? Monate­lang schweigen unsere Zeitungen von dem Ländchen, jetzt freilich wird es wieder öfter ge­nannt. Denn dort wohnt seit kurzem bie Kaiserin Zita von Oe st erreich mit ihren Kinbern. Bott Luremburg aus soll ihr oiet» zehnjähriger ältester Sohn' Franz Joseph Otto den Ungarischen Thron besteigen, bett ihm sein Vetter, Erzherzog Albrecht von Oesterreich seit einiger Zeit streitig macht. Daß die Kaiserin gerade Luremburg zum Absprungfeld nach Un­garn gewählt hat, ist auf ihre nahe Verwandt­schaft mit dem dortigen Herrscherhaus zurück­zuführen. Ist sie doch eine Schwester des Prin­zen Felix von Parma, der feit dem November 1919 Gemahl der regierenden Großherzo­gin Charlotte ist unb daher auch noch den Titel eines Prinzen von Luremburg führt. Dazu ist die Kaiserin Zita eine richtige Cou­sine der Großherzogin Charlotte. Ihre beiden Mütter, geborene Infantinnen von Portugal, sind Schwestern. Still und ruhig fließt das Leben der Luxemburger Dynastie dahin. Denn das Land ist streNg parlamentarische Monarchie, und die Großherzogin, die ihm 1921 einen Thronerben, den Erbgroßherzog Johann, schenlie hat eigentlich nur repräsentative Pflichten. Ihre anderen Schwestern, wie sie selbst gut aussehende schlanke Erscheinungen, sind mit Ausnahme der Prinzessin Hilda, die bei ihrer Mutter auf dem oberbayrischen Schloß Hohen­burg lebt.

Paris, 14. Juni.

Ei» Linksblatt schreibt u. a.: Alle deutschen Parteien erblicken in der Räumung den Auftakt einer französisch-deutschen Verständigung, die jede» Krieg verhindern könnte. Ist man. um diese große geschichtliche Tatsache, die fruchtbar ein wird an wohltuenden Ergebnissen, zu reali­sieren bereit, die Rheinlande frrizuge- b e n? ES geht um das Heil deS alten Europa, eS geht um den Frieden, der mehr und mehr bedroht ist. Rur die Allianz könne rettrn.

Bergarbeitcrsekretär Cvok führte in einer Rede aus, die Regierung müsse wissen, daß. wenn sie Rußland den Krieg erkläre,dieGru­hen arbei ter ihr ebenfalls den Krieg erklären würden. Die Grubenarbeiter schuldeten ihren russischen Kameraden weitaus mehr als Herrn Baldwin; sie seien auch den deutschen Arbeitern gegenüber zu größerem Dank verpflichtet. Er werde immer gegen ein Reich fein, das es den «Arbeitern unmöglich modle, anständig zu leben

fämtlich glücklich verheiratet.

Es sah nicht immer so idyllisch in der großher- zcglichen Familie aus, vielmehr ist sie nach Beendigung des Weltkrieges Mittelpunkt schwe­rer politischer Kämpfe gewesen. Wohl nie ist einer Fürstin bei ihrer Thronbesteigung so be­geistert zugejubelt worden, wie der anmutigen jungen Großherzogin Adelheid im Jahre 1912, dem ersten seit vielen Jahrhunderten auf Luxemburger Erde geborenen und erzogenen Herrscher. Zwei Jahre Glück und Sonne, bann steht bie eben zwanzig gewordene Fürstin vor den folgenschwersten Entscheidungen. Deutsch­land besetzt bei Kriegsausbruch das Land. Die junge Herrscherin, Tochter eines kerndeutschen BaterS, glaubt an den Sieg der deutschen Waffen. Sie gewährt daher dem General, der als erster in ihre Hauptstadt ein» liebt, eine Audienz, und lädt Wilhelm II., der in den ersten Kriegswochen einige Tape mit seinem Hauptquartier In Luxemburg bleibt, zum Frühstück ein. Sie erlaubt ihren nächsten unb höchsten Hofbeamten, die als Nassauer Deutsche sind, im deutschen Heere mitzukämvjen, und gibt im Kriege ihre Einwilligung zur Verlobung ihrer Schwester Antonia mit dem deutschen Armeeführer und bayrischen Tbrou- olger Rupprecht. Deutsche durch und durch,

Viani sie den

Anschluß Luxemburgs an Deutschland

entlang. Enttäuschung. Später erfährt man; Polizei und Militär

Theater Vor. Also Räumung des Zuschauer-,rückt an. Ueber tausend Mann insgesamt. Da- _________ ______ ____________

raumes! c$u republikanische Garde, sechs Schwadronen Sie wissen, wo die Grenze liegt.

BiS spät tn die Nacht hinein wartet Pari» auf bett Entscheidungskampf. Vergebens Die Sensation bleibt aus.

Am Morgen schrillt das Telephon. Die Festung ist gefallen. Daudet verh astet. Hinein in bie Kleider! Das Auto wird nicht aufgehalten. 8 Uhr morgens. Vor dem Ge­bäude mehr Menschen als sonst zu so früher Stunde. DaS ist alles. Zwei Polizisten hal­ten Wache. Gin berittener trabt die Straße

Dort das Haus, ans dessen Fenstern Bretter, Sandsäcke starren, ist dieAction gracaife*. Wil­des Gesch"-i ertönt von dorther. Ein seltsamer Kot xst: im Publik'"- »m uns--ibt ^lles ruhig. Ktnver werden hochgehoben. Und junge Mädchen. Viel ist ja nicht zu sehen. Eben sol­len die Royalisten einen Ausfall gemacht haben. Es si b Scheingefechte. Den» es hindert sie, wie ich höre, niemand am Abzug. und es belagert sie niemand anders als da? Zuschauerpublikum, das jeden Verkehr hemmt. Wenn geschimpft wird, schimpft man über bie R<"sierung. Weil es nicht

-- - prt---4nfPn Sturm- kommt. Die Came­lots toieberum wissen, was sie dem Volke schul­dig sind. Jetzt hört man wieder rhythmisches Geschrei. *"ir ml Rrfi ein Wald von Händen mein Nachbar hebt seine bmae Freundin auf bie Schultern, und bie weiß nachher zu erzählen, daß bie jungen Burschen, bie im Tor auf der Lauer liegen, zwei Polizisten überfallen haben, die sich mit ih»<^ w einen Wortwechsel ein­ließen. Di- Absperrunasmannschaften kommen ihnen zu Hilfe, ovi den Fenstern drosseln Steine, Gefäße, Tintenfässer auf sie nieder, da drängt ps Bnbltf"«- h- - N? Kette muß wiederum zu­rück, Verstärkung rückt an, wird gestoßen und gepreßt, Hntrnrnse kommen aus dem HauS, schmutzig Wnller ffieat in weitem Bogen her­aus, daS Publikum bekommt auch waS ab, Wie­de rh ni" ßtun» tn '"*1 fort.

Ich frage, warum das Cafe N das ein paar Schritte abseits liegt, geschlossen ist. Man erzählt mir: ein Trupp Camelots du Roi wur­de hier von Polizeimannschaften am Weiter­marsch verhindert. Die Studenten und jungen Arbeiter zogen sich tn daS Lokal zurück, kamen mit Gläsern, Flaschen, eisernen Stühlen wie­der und schlugen sich durch. Von der Schuß­waffe bad kein Gebrauch gemacht werden

©türm im Tintenfaß.

Ein Schlachtenbummel im Teinegcwirr.

Paris. 13 .

C'^nbe bas Verhalte 's RoyalistensühecrS unb ~!ttirs! ber Camelots du roy- Leon Daudet nicht noch im Schatten des myste- riösen Selbstmordes seines Sohnes Phi­lipps, dessentwegen er seinerzeit die politische Polizei und einige andere Personen des Mor­des resp. der Beihilfe dazu beschuldigt hatte, ein Beleidigung, die ihm bann eine Strafe von fünf Monaten Gefängnis eintrug, die er nun abbüßen soll, so möchte man dem alten Kampshahn Beifall klatschen für die zünftige Re­klame. bie er mit feiner Extratour für seine Sache gemacht hat. Es kam zwar nicht zu einer Stratzenschlachl, dafür aber zu einer tumultuösen Volksbelustigung. Es standen da die gleichen Leute herum, die dabei sind, wenn etwa ein Ozeanflieger kommt oder sonst etwas zu sehen ist. Dieses Original Pariser Gemisch, das sich nur hier findet, und das äußerst gefährlich zu be­schreiben ist, weil von hunderttausend Roman­schriftstellern einer gewiß schon den gleichen Ausdruck gefunden hat. Jedenfalls diene zur Kennzeichnung, daß sich zwischen den verhafte­ten Studenten, Putzmacherinnen und Taxi» Chauffkuren auch der Kommandant der Pariser Munizipalgarde, ein würdigere, hochangesehener Herr mit dem roten Bändchen im Knopfloch be­fand.

In respektvoller Entfernung vom Zeitungs- get- deraction francaife- hielten die Amos und man ging in Gruppen von Leuten, die alle das gleiche Ziel hatten. Sonntagsausflug auf das Schlachtfeld. Er war sehr friedlich. Nir­gends hörte man erregte politische Auseinander­setzungen. Dort kichern ein paar junge Mäd­chen. Schlenkern die langen Beine, als ob es geruhsamer Korsobummel und nicht heißer poli­tischer Bode» wäre, Hier erklärt eine Enkelin der tauben Großmutter die strategische Lage. Dazwischen Straßenverkäufer. Je näher wir kommen, umfo zahlreicher werden die Polizisten. Es wird nicht gerade abgesperrt. Von Zeit zu Zeit wird es versucht, aber schließlich sieht man die Zwecklosigkeit ein. Ein Trupp Studenten zieht heran.Camelots du Roi* offensichtlich. Hinter ihnen Polizei mit Gummiknüppeln. Man kommt jetzt ?Aon schwer vorwärts.

Verschlossene Mlenen.

Eistge Stimmung zwischen de» Lorarnofreunden.

Berlin, 14. Juni.

Der gestrige Besuch Briands bei Stresemann steVte keinen Ersatz für die ausgefallene Dr^.-Minister-Besprechung dar. 8r Chamberlain mußte sich Herr Briirnd erst nm Abend bemühen. In der deutschen Delegation besteht unvermindert geringe Zuversicht.