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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung --------------------------------*-- flngeigtnpreile: liinbeimititK <8ef(6dh»an teigen .Heile W A. aueroamge (SeldjaftS- innigen .Heile #) A frawltenaM. .Heile 2(1 A. RL Äm. an« Raffel d. Wort< A itisro. kl Än,. .Heile *' J Reklamen Heile 76 A. Cftertgebüln 20 A (bet Huf. »er Offenen 50 A üedjnnnaebeträae tnnerh. 5 tagen lablbat ÄUj d Richtig, fett inet durch iternipretber aufaegtbenen Mnwigen forott ffit flufnahmebaten nn» P!«de kann mchi gir-ntien werden Aüt flnwtgen mti defonder« fdmre- tigern Satz lOti Pro,em RuHtblag. Truderet: Lchiachttioffirafte "Mtso. Gefchäft«. fteffe- RMnHrbe Strafte 5. gegen (Ibn bet Snohrftrgfte Sbernforetfiet 951 und 952

Nummer 135. Amtliche- Orqan ver Stadt ttofiel. Sonntag, 12. Juni 1927. Amtliches Organ der Stadt Kastei. 17. Jahrgang

£nt Hafteln «cuclten Rachrichten ertche nen wochenilich ied)»mai nachmittag« Lei flbonnemenieereie betragt füi den Monat z. A bet freier Zustellung ne Han«, tn bet Seichat,»stelle ibgebolt i.hii A Lurch Oie Hfofl monotl'd) 2. A iggichl eftltch HutteOungeaebübi vertag und Redaketon Stblatbthofftrtfte 2- 5« ternf»rechet *1 und 952 *üt annerlangt etngetanbte «e'trfiae kann btt Re. baftton eint Verantwortung oder Aewdbt tu keinem Halle Obernebmen Rück- htnna de« Veingbaelbe# oberflnfprflthe wegen enntaet n'*' ngSmüftigei '>l*f*rnnn »fl Vnftf'hf'ffnnfr amffitmmfr nJr3*»

Gtresemannö schwerer Gang nach Genf.

Lust und Erde.

Helle und trübe Spiegelbilder der Zeit.

Schafft den wahren Gottesstaat!

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Newyork, 11. Juni. Kommandant Byrd kündigte an, daß er beabsichtige, einen Flug Newyork-Paris und zurück innerhalb drei Tagen auszuführen. Wenn möglich, werde er begleitet von Acosta mit dem dreimotorigen Flugzeug America in dem gleichen Moment auf­steigen, in dem Lindbergh amerikanischen Boden betritt. Er werde sich nur zwölf Stun­den in Paris aufhalten.

Die Heidentat der Ozeai-flieger soll der Weit als Borbild dienen. Da« ist wahrer Loearnogeist / In der großen Völkerfamilie des goldnen Zeitalters / Die Abrüstung soll den Heldenflug krönen i

flüge sein. Mein Optimismus erwartet be- stimmt, daß der erste Schritt Coolidges in Gens jetzt verwirklicht wiro. (Stürmischer Beifall.)

Im Verlauf einer Ansprache «Hörte P sident Coolidge, daß ein Heberschuß von 5. Millionen Dollar für das am 30. Juni tu Ende gehende Älnantinfir sich ergebe In

<8 n neues Tanzten in Varis

Paris. 11. Juni. Die Handelsdelegationen Frankreichs und Deutschlands beschlosicn gestern mehrere Unteroraanisationen zu bilden, di« heute oormittaa zusammentreven.

dem nächstjährigen Ueberfchuß von 338 Millionen 'eien aber besondere Einkünfte mit eingerechnet, ins die nur während eines beschränkten Zeit­raumes gerechnet werden kann, weshalb der Heberschuß nicht eine Vermehrung der Aus­gaben rechtfertige. Schulden und Stenern sollen weiter avgebaut werden.

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sozialen Konzentration, in die wir nun eintre­ten, die Naturlräfte in den Dienst der Mensch­heit gestellt werden, um Licht und Freude tierbreiten, wo heute Dunkelheit und Ver­zweiflung wüten und drohen, dann werden die uns nachfolgenden Generationen auf unserer Erde einen

wahrhafttgen GotteSstaat errichten

können. Die neue Epoche verlangt stürmisch die Abrüstung. Das würde in der Tat eine glückverheißende Krönung d« Ozean.

Diesmal ist Deutfkylanv einig.

Stresemann hat das ganze Volk hinter sich.

Berlin. 11. Juni.

Ein Volksparteiblatt schreibt: Heber das Programm der deutschen Delegation für Genf herrscht in der deuttchen öffentlichen Meinung rote im Kabinett volle Uebereinpim. mung. Hebet die Zerstörung der Ostunter­stände werde in den nächsten Tagen eine Rote an die Botschafterkonferenz gttichtei werden. Auch üb« die Nachprüfung der Zer-

Nich, blos. daß die blondgelockten, adler­äugigen ^anteeslieger Europa den Kranz un­sterblichen Lorbeers als erste Transozeanlusi- hujaren znach Eckeners Zeppelinwunder- ent- rtsien ... die fast kompaßios durch's grausige Schallenreich leerer Nebel und Nachtlusiwüstcn vorstoßende funkelnde Riesentaube trug in rhrem Schnabel zugleich den Oeizweig des Friedens und heiliger greundschailselde, die die Staaislenker bekräftigten und die auch in den enthusiastischen Sonntagsgrüßen der Hun­dertlausende in München und der Millionen Brüder an der Donau morgen wie ein Gebet und Vermächtnis nachhallen werden. Mögen nun abermals aus Ministerhymnen, aus rauschen­den Ehrendiners, aus Millionen Jubclrufen und tausend herzlichen Händedrücken die eher­nen Pfeiler ausstreben, die die von den don­nernden Columbiamotoren geschlagene schmale Friedensbrücke durch den Aether zwischen den Kontinenten tragen sollen. Wir wollen mit dem opsermuligen Fliegerzins nicht wuchem und hausieren gehn wie die geschäftstüchtigeren Franzosen, die den Dollarkröfuflen sofort einen . . . ewigen Herzensbund anboven, nur um den Hals aus der seidenen Schuldenschlinge zu ziehen . . . Wir werden aber vielleicht den glühenden deutschen Jkaruswillen zur Abwehr ins Feld führen, wenn man uns abermals unsere Adlerschwingen stutzen sollte und unsere Bettelarmut an Flugzeugen vorweisen können, die uns nicht einmal erlaubte, den verflogenen Amerikavogel würdig zu empfangen und ihn sicher in den heimatlichen Hafen zu geleiten.

8u Z Tagen zweimal übers Weltmeer

Selbst Franzosen fordern jetzt energischdie Rheinräumungr

Wir sind uns ganz gleich.

Auch Minister steuern durch Nacht und Nebel.

Berlin, 11. Juni.

Außenminister Stresemann wies alsdann daraus hm, daß der stürmische Fliegerempsanz das große Verständnis für heroische Leistungen in Deutschland bewiesen habe. Er selbst habe zwar gelegentlich die Uebersetzung des Sports in gewissem Sinne als Gefahr bezeichnet. Wenn sich oie Leistung jedoch mit einem geistigen Ziel verbinde, so könne dadurch Großes für die Menschheit geschaffen werden. Dankbar be- grüße ich es, daß Botschafter Shurman die Ueberguerung des Ozeans mit dem Locarnopakt in Verbindung bringt und so seinen Ideen Anerkennung zolle. Auch für die Außen­minister ginge die Fahrt oft durch Nebel und oftmals sei es ungewiß, ob das Ziel erreicht werde. Maßgebend aber sei. daß bei aller Un­gewißheit der feste Wille für Erreichung des Zieles bestehen bleibe. Unter stürmischem Applaus geben nunn noch die beiden Helden, Chamberlin und L e w i n e, ihren Gefüh­len bet Dankbarkeit und der Freude Ausdruck.

Stimmen der Vernunft.

Frankreichs Sozialisten für schnellste Räumung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 11. Juni.

Ein Blatt bezeichnet anläßlich der Völker- bundstagung den Protest d« Reichsregierung gegen 6ie Deutschenknebelung in Memel als nicht grundlos und schreibt, daß die ver. sammelten Außenminister Europas die Lage in Osteuropa und die Frage der deutschen O st b e seftigungen eingehend prüfen müßten Die aufgetretenen Schwierigkeiten hinsichtlich der Nachprüfung dieser Zerstörungen müßten gütlich gelöst werden.

Paris, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Sozialistenblatt tritt in einem scharfen Ar- titel für die Räumung des Rheinlandes ein und fordert, daß die französische Regierung sich endlich öffentlich über ihre Beziehungen zu Deutschland anSspreche. Die Rheinland­besetzung sei als Garantie vollkommen illu­sorisch Ein Stillschweigen ber Regie- rung würde sich nicht nur gegen Deutschland, sondern auch gegen Frankreich selbst richte«.

Dröhnten im übrigen die deutschen Frie­densglocken nicht mahnend und aufrüttelnd ins Sturmgeläut ber Völkertageswirren, das na­mentlich im Osten die friedliche Sommerfiille zerreißt? Den unseligen Schuß und Mord von Warschau zwar haben die Moskauer empörten roten Garden ungesühnt und in ohnmächtigem Grimm verrauchen lassen. Ab« der Knall hat ein Dutzend anderer Attentate gegen die Bolsche­wistendiktatur ausgelöst, die von dieser selbst mit einem Blutterror beantwortet wurden, der die finsternsten Zeiten ihrer Schreckensherrschaft lebendig werden läßt. Zweifellos erzittert das Erbe Lenins unter den Keulenschlägen be# inneren und äußeren Todfeinde wieder einmal bis tn die Grundfesten und niemand weiß, vb es gestärkt oder. . . zerfallen aus dieser schwer­sten Krise hervorgehen wird.

Obwohl man auch den schon stark verwur- S'ten Sowjetgeist nickt mit Knütteln wird tot- lagen können. Und wenn heute aus dem .Mekka der Weltrevolution' ein GGolaatha zu werden scheint, so sollte doch auch die gefährliche Triebkraft solcher Golgatbaideen zu denken geben, die noch immer die schweren Felsen ihrer Grabkammern sprengten und sieghaft oder un­heilvoll ihre Auferstehuna feierten. Tatsächlich hatte sich doch das starre Sowjetdoama gerade in den letzten Zeitläuften sehr stark der west­lich-kapitalistischen Wirtschaftsform angeglichcn und der schrittweise Abbau des Lentnspstems wäre allen Nachläufern vielleicht eine heilsamere Lehre gewesen, wie feine Erdrosselung mit Bomben, Nevolverkugeln und . . Wirtschafts­blockaden nach englischer Methode. Sollte man in dem Augenblick wo Moskau seine Hände hilfesuchend der westeurevSiscken Wirtschaftskul­tur entaeaenstreckt. die Menschen zu Märtyrern und .Proselvten" machen so ist tur entgegenstreckt, die Mafien zu Märtyrern und .Proselyven" machen, so wird man zweifel­los der G. P. U., Nachfolgerin der berüchtigten Tscheka" neue Opfer in die Hände spielen, Oie mit nach außen gebundenen Händen ihre Wut und Rache an den vielleicht harmlosen unglück­seligen Geiseln aus b« Zarenzeit auslafien wird.

Freilich wird sich auch Moskau (die Presie- stimmen ber ganzen Welt lassen es zur Genüge erkennen) darüber klar sein müssen, daß solche Massenmorde nur Wasser auf die Mühlen der Widersacher treiben, und die letzten Sym­pathien zu vergiften geeignet sind, hie menschliche Herzen der eifern umspannten Sowjetkaste bisher noch entgegenbrachten. Der wutschnaubende Sternenbanner - Botschafter 4p er r idn Paris würde heute vielleicht sckon den Beifall all« zivilisierten Völker einstreicken, wenn er wieder einmal die Moskau« Macht­haber mit tollwütigen Hunden vergleicken sollte, die man in Käfige sverren müßte, um sie un- schädlich zu macken. Und das Schlagwort bie «uropäiscke bie asiatische Kultur könnte sehr leicht eines Tages zum Losungswort ein« fr'fiten Allianz" gegen den Bolschewismus werden wenn « sich weiter mit dem Bruderblut feiner gegnerischen Landsleute be­sudel« sollte. F. R.

Berlin, 1. Juni. Auf einem amerikanischen 1 Ehrenbankett für bie Ozeanjlieg« erwähnte Bot­schaft« Shurman im Beisein deutscl)« Minister 1 und anderer Prominenter, Chamberlin habe : selbst den Beifall und die Begeisterung als ganz spontan empfunden. Voll und Regierung hät- = ten sich vereint. Der Beweis für die unwidcr- 1 stehliche Macht des menschlichen Willens muß 1 auch für das nationale und internationale Leben nutzbar gemacht werden. Die Befreiung ber - Nationen kann nur durch öieerlöfenbe Ge- 1 walt einer großen Idee erreicht werden. - Die Verständigungspolitik von Locarno, die 1 xs allen Kontrahenten zu» Pflicht macht, sich dem ' Angreifer entgegen zu werfen, war für die ver- 1 zweifelnde Welt ein neuer Hoffnung?- i strahl. Lindbergh unb Chamberlin sind die > Herolde einer neuen Hera der Mcnsch- 1 heitsgeschichte, in welcher Wissenschaft. For t fchnngsgeist und Organisation dazu bestimmt ' find, die verschiedenen Nationen in eine i große Familie zusammen zu schweißen und ihnen ungeheure und bisher unbekannte physi- sck)e Kräfte dienstbar zu macken. Wenn in die- fer neuen Aerg ber intellektuellen Expansion und

Bessseidene Siele.

Stresemann's schwerer Stand in Gens.

Berlin, 11. Juni. Dr. Stresemann wird in Genf unter keinen Hmständen irgendwelche Ver­einbarungen auf eigene Faust treffen, sondern von Fall zu Fall die Zustimmung be8 Reichs- kabinetts einholen. Strelemann wirb d« Nachkonirolle ber Ostfeftnngen zustim n.en unb nur die Verminderung der Besai­tung, nicht auch die RäumungSfrage anfdinei den. Die deutsche Delegation wird in Genf weit« mit allem Nachdruck die Beschwerden deS MemellandeS gegen die litauische Regierung unterstütze«. Auch soll daS polnifibe Munitt- inSdepot auf der Westerplatte bei Danzig be­seitigt wperben. Stern« wird ReickSanßen Minister Herrn Briand und Chamberlain ge- aenüb« unter allen Hmständen die deutsche Neutralität im englisch-russischen Albanien- Konflitt unterstreichen und gegebenenfalls einen Bermittlungsvorschlag machen.

Im goldenen Lleberflnß.

Riefenüberfchüffe Im Land d« Ozeanflieger.

Rewyvrk, 11. Juni.

störung sei sich die Regierung einig. (Bekannt­lich will das Kabinett es nicht zu eine: Prestigekrise kommen lassen unb in die Nachkontrolle durch die Entemekommission ein willigen. Die Red.)

Noch Sens .. Oslo.

Berlin, 11. Juni. (Durch Funkspruch.) Außenminister Dr. Stresemann wird voraus­sichtlich am Montag, den 2 0. Juni, aus Gens wieder zurück sein. Er wird dann die Reise nach Oslo antreten, wo er als Träger oes Friedenspreises einen Vortrag hallen wird.

Glühen des Throns.

Die Hohenzollern waren keine Antisemiten.

Der Nachweis, datz die Hohemollern als R6« eilte unb Ratter, von denen schon der alte Sritz Inden protegierte, niemals Antitemi.en. dafür aber oft Sndensrennde gewesen sind, wirk« nach mtbr als einer Richtung bin Io interessant und anskläreud, datz er unsere Leser auch als reiner UuterbaltnugSftoff auzieben wird.

Friedrich Wilhelm der Dritte war der erste Hohenzoll«, ber einen Juben in den preu- ßisehen Adel aufnahm. Er machte den un­getauften reichen Armeelieferanten Levy zum Freiherrn von Delmar. Auch Friedrich Wil­helm der Vierte nobiütierte 1853 den Berliner Bankier Friedrich Martin Magnus, der sogar 1868 von

Wilhelm dem Erste« buronisiert wurde. Dieser erste preußische König, der deut­scher Kais« wurde, war Freimaurer, und schon als solcher zu tolerant, um judenfeindlich ein­gestellt zu fein. Wenn auch die Auszeichnungen, die er dem 1872 nobalatierten Geheimen Kom­merzienrat Gerson von Bleichröder zu­teil werden ließ, in der Hauptsache dem Einfluß Bismarcks zuzuschreiben sind, so bewies er doch andererseits bei der Auswahl seiner Mitarbei­ter, vor allem der preußischen Staatsminister, daß ihm jedes Vorurteil fehlte. So amtierten unter ihm drei freilich gelauste preußische Minister jüdischen Blutes, Frieden- thal (Landwirtschaft), Friedberg (Justiz) und Bitter (Finanzen). Der Bruder des Letztge­nannten, Rudolf von Bitter, war in den sieb­ziger Jahren Präsident der Seehandlung. Auch sandte Wilhelm der Erste zweimal deutsche Ge­sandte jüdischer Abstammung an einen fremden Hof. Freiherr Viktor von Ma g n u s, ein Sohn des oben genannten Bankiers, und Herr Maximilian von Philippsborn, langjähriger Mitarbeiter Bismarcks, vertraten nacheinander das Deutsche Reich in Kopenhagen. Ein Bruder des Letzteren bekleidete das Amt des preußischen Generalpostdirektors. Wilhelm ber Erste verlieh auch den Brüdern Oppenfeld, die vor ihrer Taufe Oppenheim hießen, den preußischen Erb­adel und bot diesen auch dem preußischen Land- wirtschaflsminister Friedenthal bei seinem Ab­gang an. Nähere menschliche Beziehungen ha­ben freilich Wilhelm den Ersten nur mit einem Juden verbunden, nämlich seinem Privaibankier

Baron Moritz von Cohn in Dessau, den ber Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha auf seine Bitte baronisierte. Er selbst machte >hn zur preußischen Exzellenz. Wilhelms des Ersten Sohn und Nachfolger Kaiser Friedrich, Übrigens ebenfalls Freimaurer, war sogar ausgesprochener Philosemit. Er hat sogar als Kronprinz in den achtziger Jahren den Antisemitismus offen verdammt unb war ein sehr tatkräftig« Judenfreund. Denn fein Hauptberater, sowohl in ber Kronprinzenzelt als auch während der neunundneunzig Regie- rungStage war ber nock jüdisch geborene preu­ßische Justtzminister Friedberg. Ihn betrachtete er als feinen besten Freund. Kein Wun­der daher, daß er ihn ostentativ auszeichnete, als er am 11. März 1888 nachmittags in Leipzig e'ntras. Nachdem er Friedberg umarmt hatte, nahm er bett Stern des

Schwarze« AdlerordenS von seiner Brust und überreichte ihn dem treuen Freund mit einem stummen Dankesdruck der Hand. Erst eine Woche später erhielt ein anderer Freund Fried­richs deS Dritten diese höchste Auszeichnung, der Reichsgericktspräsidcnt Eduard von S i m s o n. Auch ber Sterbende dachte noch an seine jüdischen Freunde. So «hielt ber Gehei­me Kommerzienrat Franz von Mendels- s o h n damals den preußischen Erbadel. Wil­helm ber Zweite war ebenfalls ausgesprochen nhilosemitisch. Er hatte, wie der völkische Gras Reventlow in einem Buch über bie Monar­chie sagt:besonderen Gesckmack an der Unter­haltung mit reichen unb klugen Juben". DaS ist richtig. Der Kaiser verbrachte niemals bie Wintermonate nach Weihnackten im Berli­ner Schloß, ohne nickt die Herren Eduard Arnhold, Ludwig Mar Goldberger, Carl Für­stenberg, Ernst von Mendelssohn-Bartholdy, Paul von Schwabach,

Rathenau Vater unb Sohn zu Herrenessen ober Bierabenden zu sich zu befehlen. Ein oder zweimal im Winter traf ber Monarch die Ge­nannten auch bei dem ihm befreundeten Staats- tefretär Friedrich von Hollmann. Kunstsamm- timgen jüdischer Mäzene, die dem Kaifer-Frie- drick-Mufenm Bilder geschenkt batten, befuckte er öfter. So war er in den Häusern von Ja­mes Simon und MarFus Kappel und beim