Kasseler Neueste Nachrichten
England zu versuchen und so hatte ste ein Gespräch mit ihrer Mutter, die gerade beim Nach- mittagstee saß. Die Verständigung war ausgezeichnet.
* Ozean fing mit vier Paffagieren. Der fran- zösische Flinger, Kapitän RenL Fonck kündigt an, daß er im kommenden September versuchen wolle, einen Flug von Newyork nach Paris mit vier Paffagieren zu unternehmen. Kapitän Fonck hatte einen ähnlichen Versuch bereits in; vergangenen Herbst unternommen, war jedcth mit seiner Maschine kurz nach seinem Aufstieg in Newyork verunglückt, wobei zwei seiner Mitfohrenden den Tod gefunden hatten.
♦ Todessprung vom Mailänder Dom. Wie auS Mailand gemeldet wird, hat sich ein deutscher Juwelenhändler auS Idar vom Mailänder Dom heruntergestürzt. Er war sofort tot. Der Mailänder Vertreter seiner Firma vermutet alS Ursache deS Selbstmordes finanzielle Schwierigkeiten.
• Glück Im Unglück. In Breslau brach eine Brücke, die zu der städtischen Badeanstalt am Ohleaufstieg führt, ein und riß zahlreiche Kin- der mit sich, die auf der Brücke standen, um dem Badebetrieb zuzusehen. Alle dreißig inS Waffer gefallene Kinder konnten gerettet werden.
'Stanley's Boot. AIS Stanley seine berühmte Afrikadurchquerung vollführte, hatte er sich ein kleines Boot von etwa sieben Meter Länge und 180 Zentimeter Breite gebaut, um es auf seiner Flußreise aus dem Kongo zu benutzen. Dieses Boot ist jetzt durch Zufall in Boman in belgisch Kongo entdeckt worden und wird mit Einwilligung des belgischen Kolonial- Ministeriums demnächst in Ostende ausgestellt werden.
* Die Mückenplage im Elbegebiet. Die Mük- kcn, vor allem die Kriebelmücke, treten im lieber» schwemmungsgebtet der Elbe dieses Frühjahr in solchen Masten auf, daß Viehverluste dadurch zu beklagen sind. So wurden dem Gutsbesitzer Trippier in Gribo (Elbes durch Mückenschwärme zwei Kühe auf der Weide derart zugerichtet,, daß sie verendeten, zwei weitere Kühe erkrankten.
* Vor dem Start Byrds zum Ozeanslug. In den nächsten Tagen wird Hauptmann Byrd in seinem Flugzeug „Columbia" zum Fluge Newyork-Paris aufsteigen. Der endgültige Start richtet sich nach den Wetterbedingungen aus der in Aussicht genommenen Flugstrecke.
* Ein Telephongespräch über zehntausend Kilometer. Ein Telephongespräch über eine Entfernung von mehr als zehntausend Kilometer war es, das die englische Weltreisende, Miß Violet Cordery, mit ihrer in einem Vorort Londons lebenden Mutter führte. Miß Cordery, die zu Anfang dieses Jahres eine Reise um die Welt im Automobil angetreten hat, war, nachdem sie Indien, Akrika und Australien durchquert hatte, in Seattle an der Pacific-Küste der Vereinigten Staaten angekommen, als sie plötzlich von starkem Heimweh befallen wurde. Man riet ihr, doch einmal ein Telephongespräch mit
modernen Kinder nicht nur absolut nicht eignen, sondern direkt verderblich und gefährlich ind. Ganz allgemein wird in den Einsendungen darauf hingewiesen, daß Kinder, die diese „unmodernen Märchen" hören ober lesen, von wüsten Träumen heimgesucht würden, die in ihnen Furcht und Schrecken wecken und einen überaus verderblichen Einfluß auf die Moral ausüblen. Am meisten wird gegen die Heren, Zauberer und bösen Stiefmütter zu Felde gezogen, die in den Märchen der Gebrüder Grimm eine große Rolle spielten und deren Grausamkeit das kindliche Gemüt verrohe und verderbe. Die modernen Kinder hätten nicht mehr die starken Nerven früherer Generationen, wüchsen in anderen, modernen Rechtsausfaflungen aus und verabscheuten von klein aus alle die Grausamkeiten, die die alten Märchen den Heren und Stiefmüttern andichten. Unter den zahlreichen Stimmen, die in dem Kampfe gegen die Märchen bisher zu Worte gekommen sind, hat sich nicht eine einzige zur Verteidigung gefunden; alle verurteilte das alte Märchen als unzeitgemäß und verderblich, und empfehlen die Lektüre der modernen Märchen, die dem Vorstellungs-, Gefühls- und' Willenleben der modernen Kinder bei weitem bester angepaßt seien.
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Aus aller Welt.
Dir LesührUtven (Sebrüöer (Srimm.
In der schwedischen Preste wird ein lebhafter Feldzug gegen die alten Grimm'schen Kinder- und Hausmärchen geführt, die sich, wenn man den zahlreichen Aeußerungen von Eltern aus allen Gesellschaftskreisen glauben soll, für die
1. Beilage.
Sonnabend, 4. Juni 1927,
Stätten der Geldgier.
Chicago, die Stadt der Extreme.
Von Ulrich F Wolf.
Der ernsteste Rivale Newaorks. I Die schönste Strohe der Welt. Das drittgrößte aller Bank- bänler. I Jährlich für 1 Milliarde Dollar Fleisch.
Newyork, Philadelphta, Boston, Pittsburg Chicago! Die amerikanischen Städte haben alle miteinander eine überraschende Aehnlichkeit. Ueberall eine ungeheure technische Zivilisation, aber keine innere Kultur. Die Städtebebauer der neuen Welt bauen nach einem bestimmten Schema: Ein imponierender Zentralbahnhof, Abwicklung deS Schienenverkehrs nach Möglichkeit unter der Erde, riesige Wollenkratzer, die den Handelsgeist der Stadt verkörpern, zwischen ihnen strenge Nutzbauten, ohne Zierrat und architektonische Schönheit. Eine enorme Reklame, riesige Kinopaläste, mammonhafte Opernhäuser vervollständigen daS Straßenbild. Auf den sehr breiten, von dem Oel der unendlichen vielen AutoS schwarzen Straßei. ein bunteS, stürmisches Leben. 1871 hat ein Riesenbrand Chicago in einen Trümmerhaufen verwandelt. 1926 ist Chicago die Ame- rikanisMe Stadt der Union. 2^ Millionen Menschen haben diese Stadt zu dem ernstesten Rivalen NewyorkS entwickelt. In einem Riesentempo wächst ste. An allen noch unbebauten Stellen wird gebaut, geklopft und gehämmert. Neue Hochhäuser, große Verwaltungs- Sebäude, Fabriken, starre Stahlgebilde entste- en. „Here 18 Business!" nJ der Tat. man ist versucht, alle Arbeitsenergie der United States in diesem Punkte zusammenflietzen zu sehen
Chicago ist die Stadt der Rekorde!
Seine weltberühmten Börsen beherrschen den Holz-, Getreide» und Diehmarkt. In keiner anderen Stadt werden soviel landwirtschaftliche Maschinen hergestellt. Kein Wunder, daß die Bewohner dieses .Ameisenhaufens" so etwas wie größenwahnsinnig und amnatzrno Werbern Antwortet man ihnen aus ihr „How do you fite out town?" nicht mit einem Ja, dann schäumt der Lokalpatriotismus. Nieder- drückend, roh, schmutzig, düster! Diesen Eindruck machen die Fabrikfronten, die riesenhaften Speicher am schwatzen Chicago River, die Hock Häuser mit den häßlichen Feuerwehrleitern an der Außenwand. Die nüchterne Realität dieser Stadtviertel bildet den kraffesten Gegensatz zn der Stadtgegend, die eS an Pracht und Glanz mit der Fisch Avenue in Newyork aufnehmen kann. Keine Stadt der Welt besitzt eine so schön» Straße Wie Chicago in der Michigan Avenue. Auf der einen Seite die palastartigen Hotels und Geschäftsgebäude, die eine prachtvolle Straße von dem Grant-Lake-Park trennt. Dahinter die ruhigen Flächen des breiten, kühlen Michigan-Sees mit den Weißen Segeln Der
geradezu märchenhaften Pachten.
Hier finden Wit daS Auditorium, daS mit einem Kostenaufwand von SVi Millionen Dollar erbaut ist und ein großes Hotel, einen Kon- zettsaal, ein herrliches Theater mit 5000 Platzen und ein Restaurant mit wundervollen Klub räumen in sich vereinigt. Ein 82 Meter hoher Turm bietet eine prächtige Aussicht auf Chicago und den großen Michigan-See. Das Stu- debacker Building, der Chicagoer Klub im ro- maneÄen Stil gebaut! das riesige Railway
Exchange Building, Warenhäuser von ungeheuren Ausmaßen und die Bibliothek bilden Die Hauptsehenswürdigkeiten dieser Avenue.
In den Prunkbauten der Michigan-State und Madisonstreet
wohnen die Emporkömmlinge mit skrupellosem Geschäftssinn, die selbstzufrieden aus ihr Bankkonto und die Brillanttinge ihrer Frauen bl:k- ken. DaS ist .Amerikanismus!" Ein Riefenpalast auS den Millionen errichtet, die »er
.Gummimann" aus .Kaugummi mit Pfefser- minzgeschmack" angehäuft hat, ist die neueste Errungenschaft dieses Viertels. Marshall Field und Co. ist Chicagos größtes Warenhaus. ?ier wird alles verkauft, von der Nähnadel iS zum schönsten Reitpferd. Engros- und Detailumfatz 200 Millionen jährlich. Die „Illinois Merchant Bank", deren Geschäftshaus nur noch von dem Equitable Trustgebäude in Newyork und dem Union-Trustgebäude in Cleveland übertroffen wird, ist das drittgrößte Haus der Welt. 8500 Angestellte!
Doch die größte Bedeutung hat Chicago durch seinen Schlacht- und Biehhof bekommen.
Eine Stadt für sich in der Union Stock Parbs mit eigner Bank, eignem Hotel und eigner Ze'- tung. Die größten Schlächtereien, die von Ar- mout und Swift verlausen jährlich für mehr als eine Milliarde Dollar Fleischprodukte. 65000 Arbeitet bewältigen den Betrieb. Der jährliche Auftrieb beläuft sich auf 4 Millionen Rindvieh, 8 Millionen Schweine. 6 Millionen Schafe und 300000 Pferde. Die Einteilung und Geschwindigkeit der Arbeit ist ein Wunder der Technik, Nicht Ford ist bet Erfinder der „Kette", sondern die Chicagoer Fleischereien haben daS .Kettensystem" schon seit 1913 angc- wendet. Trotz großer Reinlichkeit ein furchtbarer Anblick, wie ein herkulischer Neger durch einen kräftigen Stich die an der Kette hochgezogenen Tiere inS Jenseits befördert. Wie dieser in Blut watende Maffenmörder in einer Minute mehr als 20 Schafe ober Schweine „erledigt". Dieser Mensch, für ben bie Technck noch keine kunstreiche Maschine erfunden hat kann kein Herz haben. Das gleiche schaurige Bild, wie ein Neger stänbig mit einem Beil den Tieren ben Kops vom Rumpfe trennt Für diese .menschenunwürdige" Handlung wer den Stundenlöhne bis zu einem Ddllat bezahlt. Hier werden keine Anforderungen an den Geist gestellt, wohl aber an den Körper und an die Nerven. Riesenbabeanstalten, Bibliothe- ken, Sportplätze unb Parks können bas Lo? dieser Arbeiter erleichtern, bedeuten aber keines wegs die Lösung der Arbeiterfrage. Hierfür bat Amerikas Geldaristokratie kein Verständn:s Chicago ist das größte Industriezentrum. Die zweitgrößte Handelsstadt, die am schnellsten wachsende Stadt, aber auch die größte Verbrecherzentrale der Union. In keiner Stad! kann man soviel Verbrechertvpen auf der Stra- Ke sehen wie gerade in Chicago. Morde. Brände. Diebstähle füllen täglich die Spalten der LokaMätter. Man kann daher Chicago als die extremste Stadt der Welt sowohl nach der guten als der schlechten Seite hin betrachten.
Dle Opfer des Xodessturms.
Erste Staatshllfe. Was ein Augenzeuge erzählt.
Für die Opfer der Wirbelsturmkatastrophe in Lingen, Osnabrück und den übrigen preußischen Städten wurden als erste Hilfe eine Million Mark angewiesen. Eine Ministerialkommisston hat sich noch gestern Abend in daS zerstörte ®e» bie. begeben. Im Oberpräsidium Hannover schätzt man den Schaden der Wirbelsturm-Katastrophe auf Grund der ersten Meldungen auf mindestens fünf Millionen Mark. Es tst aber möglich, daß sich diese Zahl noch verdoppelt. Mit dem Bau von Notwohnungen für die von dem Unglück Betroffenen ist begonnen worden.
Ein Augenzeuge berichtet folgendes über die Katastrophe in Lingen an der Ems: Ms am Mittwoch gegen fünf Uhr nachmittags im Südwesten Der Stadt eine drohende Gewitterwolke am Himmel stand, bildete sich plötzlich eine etwa hundert Meter hohe, trichterförmige Windhose, bei sich mit rafenber Eile unter großem Getöse der Stabt näherte und überall verheerende Spuren zurüMeß. ES wurde plötzlich dunkel, niedrige schwarze Wolken rasten mit unheimlicher Schnelligkeit vorbei. Plötzlich krachte und splitterte es überall, als ob die Stadt unter Trommelfeuer stände. Innerhalb siüns Minuten war das Unglück geschehen und Lingen glich vielfach einem Trümmerhaufen. Gebäude sind zusantmengebrochen wie Kartenhäuser, ganze Dächer, Dachsparren und Ziegelsteine bedecken die Straßen. In den Gärten sind die Kartenhäuschen wie toegrafiert, von den Obst- bäumen ist keine Spur mehr. Wie nach einem großen Brande ragen die Giebel drohend zum Himmel. Schöne Lindenalleen, zwei bis drei Meter dicke Eichen- und Buchenbäume liegen wie vom Blitz gefällt aus der Erde und haben im Fallen verschiedentlich Hausdächer durchschlagen. Alles ist öde und leer. Nur einzelne Baumstümpfe ragen über das Chaqs.
Gräßliche Szenen spielten sich in Reede (Hol. land) ab, wo die bei vollem Betrieb arbeitende Textilfabrik Kenne, die vierhundert Arbeiter beschäftigt, in kaum einer halben Minute vollkommen vernichtet wurde. Der große Schornstein wurde zur Hälfte glatt abrasiert und durch die stürzenden Trümmer mehrere Personen erschlagen. Stundenlang riefen die unter den Trümmern Begrabenen um Hilfe. Inzwischen ist in den zerstörten Ortschaften Militär einge- trojjen und hat die Bergungsarbeiten begonnen. Zahlreiche Aerzte au8 den deutschen Grenzgebieten sind in der Nacht zum Hilfsdienst einqetroffe«.
Berliner Kriminalbehörden und etwas weniger Selbstbewußtsein des Herrn Brown niemals gelingen können . . . Nachdem das Unglück einmal geschehen, hätte man von den deutschen Beyor- den mehr Entgegenkommen erwarten können.
„Ist eS wahr," geiferte „Washington Post", „daß der Detektiv, als er die Naumburger Polizei alarmierte und sofortige Verfolgung des Verbrechers anstrebte, festgesetzt wurde? Wenn ja. was gedenkt die Regierung zu tun, um freie Bürger der Union gegen derartige Mißgriffe zu schützen?" , .
Kleine Revolverblätter tobten über den deutschen Kasernenhofgeist.
In einem Punkte jedoch waren alle einig. Es müsse alles aufgeboten, kein Mittel dürfe gescheut werden . . . diesen Unbekannten — ben gerissensten Verbrecher aller Zeiten — unschädlich zu machen. t m ,
Mac Man, stets Ruhe, Würde und Besonnenheit ... mit leichtem, gutmütigem Spott in den Augen, hatte sich in den letzten Stunden merklich gewandelt. ,
Mehr noch: er schien seelisch und körperlich zusammengebrochen. Dicke Tränensäcke unter den Augen, die Wangen schlaff und schwammig, der Schritt schlürfend müde ... ein Bild des Jammers! __ ,
Seine Augen batten jeden Glan; verloren: manchmal zogen sie sich schreckhaft zusammen, manchmal weiteten sie sich ängstlich.
Frank Brown blieb diese Veränderung natürlich nicht verborgen. Obwohl er selbst niedergeschlagen, sprach er dem anderen Trost zu.
Man sMttelte nur da? Haupt . . . starrte ins Leere, und es schien, als fechte et in seinem Fnnern einen schweren Kampf au8 . . . als quäle ihn irgend etwas Fürchterliches . . . alS rdrücke ihn eine Gewissensqual.
mutz Ihnen ein Geständnis macken, Miller Brown! Aber, bitte, unterbrechen Sie mich nicht . . . bleiben Sie rubig ..." er sagte es leise, mit schleppender Stimme . . Wort für Wort.
„Hören Sie, ach, eS ist schwer, den rechten
Anfang zu finden . . also . . und plötzlich stieß er es hervor, alle Kraft zusammenneh- mend:
„Der Rosendiamant ist nicht gestohlen! ! Erliegt in meinem Tre- for in der Newyorker Staatsbank!"
?!
Er faßte mit zitternder Hand Frank Browns Arm. —
„Lassen Sie mich alles erzählen!" Eines Tages machte mir Maud Vorwürfe. So fing eS an! Sie fürchtete, in Vergessenheit zu geraten! Und da zerbrach ich mir den Kopf über einen großen, ganz neuen Reklametrick. Aber es fiel mir nichts ein, so sehr ich mein Hirn zermarterte. Schließlich kam mir die Idee, eine alte Methode frisch, mit allerneuesten Mitteln und Raffinements, aufzuziehen ... ich überlegte es mir lange und reiflich. Endlich hatte ich einen brauchbaren Plan fertig . . . Maud, romantisch wie sie nun einmal ist, mit aller Lust an kleinen Abenteuern, begeistert.
Wir spielten Komödie, und wir spielten sie gut . . . führten ste mit allerKonsequenz durch. Niemand kam auf den Gedanken, daß eS ein ad- gekarteteS Spiel war: Polizei, Presse, Publikum . . . und auch Sie nicht."
Er lächelte ein schüchternes, verzeihunghei- 'chendes Lächeln.
Frank Brown sprang auf. Seine Stirnadern schwollen dick an.
„Dann ist das alles Schwindel, Bluff, Reklame?! Herr, Sie wagten es, die ganze Welt an der Nafe herumzuführen?! Sie haben die Polizei gefoppt?! Sie und Maud Jeffersen?!"
Er strich sich mit der Hand durchs Haar . . . zerwühlte es . . . Maud eine Lügnerin . .. eine Komödiantin auch im Leben.
Er sank in den Sessel zurück.
„Unb wer ist der Dritte im Bunde ... der große Blonde?"
„Es ist mein Chauffeur, mein Faktotum — ein Deutscher. Er war früher Tasckensvieler... Gaukler . . , Akrobat. Durch einen Zufall lernte ich ihn kennen, als er wieder ohne einen Psen-
Nr. 129.
Siebzehnter Jahrgang
nig Geld, nahe am Verhungern — er ist mir treu ergeben. Ich steckte ihn in einen Frack. Er machte eine gute Figur auf dem Bankett. Er war es auch, der die Messer kaufte, er war cs auch, der Ihnen den Bries in die Tasche praktizierte. Verstehen Sie mich recht, Mister Brown, irgendeine Spur mußte ich Sie finden lassen . . . einen Verdacht in Ihnen großziehen . . . sonst wären Sie hinter unsere Schliche gekommen. Meinen Fahrer schickte ich auf meinen Landsitz — bei Lang Island . . . dort spielt er augenblicklich Gärtner . .
„Und wer hat," Frank Browns Augen blitzten unheildrohend, „wer hat mich niedergeschlagen und Maud Jeffersen angeblich entführt?"
„Mer, daS ist ja daS Unfaßbare," wimmerte Allan, „das stand nickt im Programm. Die Komödie ist plötzlich durch Eingreifen eines Unbekannten ernst geworden! Maud ist wirklich entführt! Wir wollten Sie,nach dem 18. Auaust ins Vertrauen ziehen . . . durch Ihre Hilfe sollte der angeblich geraubte Rosendiamant wieder herbeigeschafft werden!"
„So, so, ich verstehe. Ich sollte meine Hand» meinen Namen bergeben ... für diesen . . . füx diesen Betrug. Maud und Sie haben wirklich aeglaubt, datz ich das tun würde? „Thank neu, Str! Ich werde etwas anderes tun . . . ich werde augenblicklich zur Polizei gehen —"
„Nein, daS werden Sie nicht!" Allan schrie es verzweifelt.
„Es handelt sich hier nicht um mich, es bau- beit sich um Maud . . . Bedenken Sie .. . Maud entführt ... In Gefahr . .. retten Sie Maud!
Man würde, wenn der Bluff herauskäme, alle Nachforschungen nack ihr einstellen . . . uns keinen Glauben mehr schenken!"
Dicke Tränen liefen über seine schwammigen Wangen.
„Helfen Sie . . . retten Sie . . . ich bin etn alter, gebrochener Mann . . . ich beschwöre Sie!" Und er spielte seinen höchsten Trumpf aus: Denn Maud erwidert Ihre Zuneigung!"
Das war ausschlaggebend.
(Fortsetzung folgt.)
Der Rosendiamant
11) Roma« von Siegbert Kleemann.
Auch jetzt sprach er tot schönsten Berliner Jargon; trotzdem war der Ton energisch . . . bestimmt ... wie das ganze Tun und Handeln dieses Mannes. —
Um drei Uhr morgens drahtete Mister Harriman zurück. Er schwor heilige Eide, daß keine Ratte unbemerkt nach Europa kommen konnte — der Blonde war noch immer nicht gesunden . . er glaubte an ein- weitverzweigte, glänzend disziplinierte Organisation . . . man solle in Berlin die Inder stark kontrollieren . . . viel- leicht, daß sich dort etwas regte ... et habe Nachricht, daß der Maharadscha Ralph Sing gestorben. _ ,
Dr. Wulfs schüttelte nachdenklich den Kops.
„Es ist immerhin — möglich — wir wollen nichts unversucht lassen." Um fünf Uhr morgens fuhr Frank Brown wdmüde ins Hotel. , ,
Ein paar Stunden Ruhe taten ihm unbedingt not
Das Verschwinden Maud JeffersenS versetzte Presse und Publikum in fürchterliche Aufregung.
Nur die Berliner Zeitungen beherzigten fast ausschließlich Dr. WulfsS Bitte . . . ihre Kommentare waren maßvoll, ohne Vorwurf gegen die Polizei. Die üblichen Phrasen: mysteriös unfaßbar! Sie stellten Betrachtungen über den „Beweggrund" an ... sie hofften auf baldige Aufklärung.
Weniger glimpflich wurde die Angelegenheit in den ausländischen Blättern behandelt. Versteckte Angriffe gegen „Berlin", offene an die Adresse Frank BrownS.
Die deutschfeindlichen Zeitungen bliesen sofort Marm. .
.Die Entführung, die mit unerhörter Dreistigkeit in Szene gesetzt." schrieb die Newvorker „Times", hätte bet energischen Maßnahmen der