Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 129 Amtliche- Organ ver Stadt Raffel.
Sonnabend, 4. Zuni 1927.
Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang
Deutschland gegen ein Weltlocamo.
Gewitterwolken im Osten.
Offener Bruch Litauens mit Moskau? Kommunistenschlacht in Saloniki.
London weist die Erz-Bolschewisten aus / Pfing,»frieden int Regierungspalast.
Der Süden marschiert.
Szenenwechsel im Bürgerlriegchaos.
Bon T r Paul R o h r d ach.
Entgegen allen Prophezeiungen europäischer Korrespondenten in China Hai sich die Armee der von rsch.angkaifcvet geleiteten Regierung von Nanking nach Norden in Bewegung gesetzt und zunächst bedeutende Ersolge gehrbt. Daß eine grobe militärische Aktion von Nanking aus im Gange war. konnte man schon daraus schließen, vaß zuerst die Japaner und danach die Engländer ganz plötzlich Truppen nach Rorochina schickten, die Jtpaner nach Schantung und Vie Engländer nach Tientsin. Politisch treten Tschtangkaischek und seine Nankinger Regierung, auch wenn sie dem Kommunismus nicht hold sind, mit aller Energie als Vorkämpfer von Chinas Selbständigkeit gegenüber den fremden Mächten aus. Auch ihre Parole heißt: Fon mit den ungleichen Verträgen und mit den privilegierten Niederlassungen der Fremden! Von ganz anderer Art ist im Norden die Stellung T s ch a n g t s o l t n s. Er war ursprünglich nur Militärherrscher der Mandschurei, Hai aber von dort seine Macht auch über die Prov nzen Tsch.tz. mit der Rechshauptstaot Pekng, Schantung und einen Teck '»er wichtigen Binnenprovinz Honan ausgedehnt.
Tschangtsolin ist ein energischer Mann, ganz Militär, aber gleichfalls nicht aus die national- chinesischen Gebanten eingestellt, sondern auf seine persönlichen Machtziele. Er hat such öfters, so schon während des Krieges, als er den deutschen Vertretern Mittel zur Hilfeleistung tui ihre Schutzbefohlenen zur Verfügung stellte, als Deutschenfreund gezeigt. Zwischen ihm und Tschiangkaischek war das Verhältnis längere Zeit unklar; vorübergehend schien es, als ob sie sich, mtt einer gemeinsam Front gegen den Bolschewismus, verständigen und ihre Machtbereiche gegenseitig anerkennen wollten. Eine solche Wendung wäre zwar im Sinne der englischen und auch der japanischen Politik gewesen, sie hätte aber Tschiangkaischek seinen moralischen Rückhalt bei den gemäßigten Elementen der Kuomintang gekostet. Aus diesem Grunde mußte Tschiangkaischek sich früher oder später gegen den Norden m Bewegung setzen. Don eriftiert in Peking immer noch die frühere, jetzt ganz zum Schatten gewordene Reichsregierung, in deren Namen die seit bald zwei Jahren nicht mehr bezahlten offiziellen Vertreter Chinas im Auslande und beim Völkerbunde amtieren.
Tschiangkaischeks Vormarsch richtet sich mit der Hauptmacht entlang der von Nanking nach Peking führenden, seinerzeit unter deutscher Beteiligung erbauten Bahnlinie. Diese erreicht schon einige hundert Kilometer nördlich von Nanking die Grenze der Provinz Schantung. Tschangtsolin, der die Verteidigung seines Machtgebiets noch vorher versuchte, ist eben vollständig geschlagen worden, und auch feine nächste Stellung bei Tsinanfu. der Hauptstadt von Schantung, ist stark gefährdet. da der Uebergang über den Gelben Fluß hier von den vordringenden Südtruppen schon erzwungen ist Hinter Tsinanfu gibt eS nur noch, dicht vor Peking, die von Natur wenig starke Peiholinie, und wenn auch Peking aufgegeben wird als letzten Rückhalt die äußerst starke Stellung bei Schanhaikwan. wo die Große Mauer die schmale Passage zwischen dem Meer und dem Gebirge schon seit Jahrtausenden sperrt und daS Tor zwischen dem eigentlichen China und der Mandschurei lieak Je mehr sich Tschanatso- lin gegen den Kern sitz feiner Macht, die Mandschurei. zunicktiehi. desto stärker wird er, während fein südlicher Gegner sich von seiner ursprünglichen BasiS. Rankina entfernt ES kommen aber neben den >m engeren Sinne mili- tärisch-n Faktoren auch noch andere In Betracht vor allem die BolkSKimmnna. die auch im Nor den stark der Knomintana zuneictt und dazu noch die schwankende Gestalt des soaenannken christlichen Generals Fena der mit einer Armee von unbekannter ober schwerlich bedeutender Stärke seit anderthalb Jahren in der ge birgioeu Region nordwestlich von Peking aegeu die Mongolei zu stand und mm nai* Tsch-matsolinS Niederlage aus Cbenachow zu marschiert Alles dies zusammen macht es wob' heareiMch daß man in London und Tokio in Aufregung geraten ist und im voraus »zum Schutz der etoenen SkaafSanoebärigen* m i l i täri s»e Kräfte aus den vermutlichen Kriegsschauplatz geschickt hat.
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3tote Fahne und schwarze Jle'KSWessr
Berlin, 3- Juni. (Durch Funkfpruchck Gegen den Redakteur der »Roten Fahne- Friedrich Stucke wurde ein Landesverratsverfahren wegen des Nachdrucks von Enthüllungen über die Schwarze Reichswehr aus der »Weitz bühne* und dem .B. T.* eröffnet.
toten, 3. Juni.
Nach einer Meldung aus Kowno will die litauische Regierung im Gebäude der russischen Handelsvertretung eine Haussuchung vornehmen, wie das in England geschehen ist. Ein solcher Schritt.würde zum Abbruch der Beziehungen führen. Gestern abend wurde die Kownower Garnison alarmiert und marschierte an der russischen Vertretung vorbei, was den Eindruck einer Demonstration erweckte.
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Steel schwarze Ruffenlllten
Die anderen bürten auf Widerruf bleiben.
London, 3. Ium
Dem Sowjetgeschäftsträger wurden gestern zwei Listen von russischen Staatsangehörigen übermittelt, denen die Aufenthalts - Erlaubnis in England verweigert wird. Eine beträchtliche Anzahl von Personen wird zur Regelung ihre, gewöhnlichen Handelsgeschäfte hier bleiben dürfen, jedoch muß die Aufenthaltserlaubnis von Zeit zu Zeit erneuert werden.
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Abbruch zwischen Serbien-Albanien?
Belgrad, 3. Ium. (Eigen-e Drahttnrldung. Der südslavische Geschäststräger hat in Tirana entschieden die Freilassung des verhafteten Dolmetschers Ginraskowitfch gefordert, andernfalls er die Pässe verlange und mit dem gesamten Gesandtschaftspersonal Albanien verlasse.
* stDletfotfere nz in Berlin.
Berlin, 3. Juni. (Privattelegramm.) Zu den Beratungen des Sowjet-Außeukommissars Tschitscherin mit Stresemann schreibt ein Blatt, daß zugleich mit dem Londoner Geschäststräger sowie den Berliner und Pariser Botschaftern eine Sowjetkonferenz geplant sei.
©türm auf die Arbeiterbörse
Wilde Kommunistentänze am Balkan.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 3. Juni.
Nach einer Meldung aus Saloniki haben zweihundert kommunistische Tabakarbaiter vor dem Gouverneur-Palaste eine Kundgebung ver- anstaktet. Sie verschanzten sich gegen die Polizei zuletzt in der Arbeiterbörse, von wo aus sie auf die Polizei schossen. Dir Polizei stürmte die Börse und verhaftete 135 Manifestanten.
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Auch Mussolini spaßt nicht.
Rom, 3. Juni. Das Staatsgericht hat den Jnseratenagenten Giovanni Ferrari zu acht Jahren und sieben Monaten Zuchthaus verurteilt, weil er aufwieglerische Kommunisten- Manifeste, die zum Bürgerkrieg aufforderten, verbreitet hatte.
Was schmieden sie in Varis?
Noch ein BerbrüderungSfest gegen... Kolonien.
(Eigener Drahtbericht.)
Pari«, 3- Juni.
Bei einem Ehrenessen für den englischen Kolonialminister A m e r y sprach Ministerpräsident Poinears von dem Pakt ewiger Freund fchafft, den die englisch-französischen Heere mit ihrem Blute besiegelt hätten. Der Empfang des französischen Präsidenten in London habe bewiesen, daß niemals zwischen den beiden Nationen größeres gegenseitiges Settrauen und wahrere Zuneigung bestanden hat, alS heute Dieses Einvernehmen wird man morgen, wie gestern auf kolonialem Gebiete, auf al - 'en Gebieten zu nützen verstehen. Staatssekretär Amern äußerte sich in gleichem Sinne! rGS ist kein Zweifel, daß man jetzt in Paris ein Komplott gegen die kolonialen Ansprüche Deutschlands aus der Junitagung schmiedet die man sich zum mindesten mit schwersten nationalen oder materiellen Opfern unsererseits wird bezahlen lassen. Die Redaktton.)
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Aeoyplen teilt sich vertragen.
Aber Englands Dreadnoughts reizen nur auf Kairo, 3. Juni
Einer Anfrage wegen der Krise wich gestern abend der Premierminister nuS und fügte hinzu: Auch ich halte die Entsendung von engll-
schen Kriegsschiffen für unangebracht, da Leben und Interessen von Ausländern in Aegypten nicht bedroht sind. Friede und 5m>erbcü herrschen überall und die Ausländer selbst sind vollkommen ruhig. Es besteht gute Hoffnung, daß dieser Konflitt unter Wahrung der Interessen u. Ehre Aegyptens beigelegt wird
Warum fein Wettlocarno?
Deutschland macht den Moskaublock nicht mit.
IEigener Informationsdienst.»
Berlin, 3. Juni In den politischen Kreisen legt man sich jetzt die Frage vor, welchen Zweck der Abschluß eines Wclttocaruos nach dem Vorschlag des amerikanischen Pros. Shotwell mit Einschluß aller Großmächte haben solle, itachdem die europäische Locarnopolitik ihren Zioeck nicht erreich, hat. Man wird nicht fehl gehen in der Annahme, das? hinter dem Entwurf des Professor Shotwell maßgebende Kreise der Regierungen von Washington, London und Paris stehen, zumal die amerikanischen Scyicds Verträge mit Frankreich, England und Japan im nächsten Jahre ablaufen. In der Auslands- preffe wird dieser Vorschlag nur ans dem Grunde begrüßt, weil sie sich lediglich gegen den Bolschewismus richten soll, während die deutsche Außenpolitik die Klnst zwischen Svwjetrutz- land und den großen Mächten nicht vertiefen, ondern einem Ausgleich näher bringen will. In Deutschland ist also, wenn man den Hintergedanken eines Weltlocarno in Betracht zieht, der Beitritt zu einem Schieds- und Sicherheitsver- irafl zwischen Amerika, England, Frankreich, Japan und Italien ab zu lehnen. In den politischen Kreisen erwartet man, daß diese Angelegenheit gleichfalls zum Gegenstand einer Ans- fprache zwischen Stresemann und dem russischen Volkskommissar Tschitscherin und später mit Briand-Chamberlain werden wird.
Morgen Otütftrift in Rumänien.
Bukarest, 3. Juni Der Innenminister Goga erfiärte vor Pressevertretern, daß die Regierung spätestens bis Sonnabend znrücktre- ten und die neue Regierung biS Montag gebildet sein werde Als Nachfolger Aeverescus wird noch immer der Minister des königlichen Hofes, Chiotti, genannt.
GS aibt nur eine Wahl.
Oesterreich ist ohne Deutschland verloren.
(Eigener Drahtbericht.)
Löwen, 3. Juni.
Auf der Hauptversammlung der Eisenhütten Oestorreichs erklärte der Generaldirektor Dr Apo Id, daß nur die Vergrößerung des -isterresthi scheu Wirtschaftsgebietes Oesterreich halten könne der Anschluß an D e n ts ch - land ist für unS eine wirtschaftliche Notwendigkeit allerersten Ranges und wir müssen ihn erreichen.
Der Tod fährt mit.
Eine nächtliche Schnellzug-Katastrophe.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 3. Juni.
Der Schnellzug Paris-Nimes ist heute Rack! 2 Uhr zwischen Mess« und Mouliu entgleist. Alle Wagen, mit Ausnahme von frieren, find umgestürzt. Bis jetzt find neun Tote u zahlreiche Schwerverletzte festgestellt worden
Lieber allen Wipfeln...
Ausblick auf Genf. Zollerlaß bi» 1930?
(Funkdiensts
Berlin, 3. Juni
Innenpolitisch ist eine mehrtägige Ruhepause eingetreten . Die Mehrzahl der Minister ist nW in Berlin anwesend. Die gestrige Kabi nettSfitzung befaßte sich auch mit den Sorbe rettungen für Genf am 13. Juni. Die deutsch Delegation wird die gleiche sein, tote auf besetzten Ratstagung. Nach dem Fe« wird fick bmS Kabinett auch mit der Zollfrage befdiäfti gen müssen, wobei man neuerdings wissen will baß im großen unb ganzen bie bisherigen Zoll erleichterungen für Lebensrnittel bis zum 31 Jucki 1930 beibehalten werden dürften. Das Reichsschulgesetz ist noch nicht spruchreif.
And der Preisabbau?
Hier könnte die Regierung Sympathien werben.
Niemand wird mebr lengne«, dah wir anstatt des mit so viel Tamtam »»gekündigte» Preis- adbans in eine« nnerdörtcn Preisansba» bin« einaescbliddert sind. Heule denkt kein Mensch mebr daran, die Preise ,» senke», im Gegcn- teil, alle Welt beschäftigt sich damit, anfznschla-
Das ist nmso uueranicklicher. als vorläufig bei de» Löhne» n«d GebLlter» durchaus von einer parallele» Anfwärtsknrve nichts itt leben ist. Unser Mitarbeiter schreibt:
Die Tei-erungswelle, die gegenwärtig über uns hinftutet, ist sehr mächtig unib umfassend und vor allem ist bedauerlich daran, baß insbesondere die Regierungsstellen statt zu dampfen, unb dem allzu stürmischen Gaul die Zügel anaulegen, mit schlechtem Beispiel voran- gehen und sogar als »Ruser im Streit" in vorderster Linie agieren. Man braucht sich nur an die Porto verteuernde Politik des Reichspostministeriums und an die Miete steigernde Tätigkeit des preußischen Wohlfahrtsministeriums zu erinnern, um zu finden, daß in dieser guten Gesellschaft auch anderen Leuten der Appetit zum Essen kommt. Ganz allmählich wirkt sich das aus. Ein Keil treibt den anderen und da es bei dem Urvrodukte beginnt, muß natürlich bei den Endprodukten — auch die Zwischenglieder wollen zuschlagen" — ein ganz erhebliches Mehr gegenüber den bisherigen Preisen herauskommen. Die Tatsache daß beispielsweise die K o b l e np r e i s e um 7,5 Prozent erhöht werden, hat naturgemäß zur Folge, daß auch die Eisen- und S t a b l i nd u str i e l l e n die Schraube nach oben anfetzen und daß all die vielfältigen Gewerbe und Industriezweige, die von diesen Produkten abhängig sind, neben den höheren Prozenten. die sie bezahlen müssen, auch noch etwas und wenn es nur noch eine Kleinigkeit ist, für sich einkalkulieren werden. Sie Zeiten, in denen das Geschäft stark darniederlag, die Zeilen des künstlichen Preisabbaues, in der zu billigen Preisen verkauft wurde, weil man Gelb brauchte, sind vorüber. Heute sind die Dinge wesentlich anders. Das Geld ist nicht mehr so knapp. Man kann bei den höheren Preisen leichter durchhalten. Seltsam aber ist es nur, daß bie soviel gepriesene Rationalisierung der Wirtschaft, die bei uns zum großen Teil jetzt durchgeführt fein soll, in Bezug auf die Preisgestaltung ein Ergebnis gehabt hat, das eigentlich dem diamotral gegen- übersteht, das man von diesem Prozeß eigentlich erwarten müßte und das in anderen Ländern auch in die Erscheinung getreten ist. Schon der gesunde Menschenverstand muß einem sagen, daß eine verbilligte Herstellung auch einen verbilligten Absatz zur Folge haben muß. Bei uns ist das aber leider nicht der Fall.
Der innere Grund für diese Erscheinung, liegt in der Preispolitik der allmächtigen Kartelle und der Ohnmacht der Regierung gegen über diesen Kartellen. Der kurze Feldzug, den man seinerzeit unter dem Regime Dr. Luthers gegen bie Kartelle geführt hat, ist bei allen guten Ansätzen so kläglich verlausen, daß der Schaden für die Preisabbauaktton größer war als der Nutzen. Immer noch diktieren die Kartelle die Preis«, wie sie es wollen, und niemand findet sich, der diesen Körperschaften auch nur ein Härchen krümmt. Kein Reichswirtschasts- ministerium, kein Kartellgericht wagt es. dieser organisierten Preisverteuerung zu nahe zu treten. Man nimmt mit stoischem Gleichmut die Dinge hin wie sie sind und beschränkt sich daraus. Denkschriften zu studieren und Paragraphen möglichst scharfsinnig zu intendieren. Statt, daß man einmal den Versuch macht, es mit der robusten Tat zu probieren. Herr Mussolini der sonst nicht zu unseren Freunden zählt, geht da anders vor. Er ordnet einfach eine allgemeine Preissenkung an und läßt alle Händler, die sich weigern, die Lreise herabzusetzen, nach den Strafgefangenen kolonien, die sich auf den bei Sizilien gelegenen Inseln befinden, verbannen. Natürlich ist ein solches summarisches Verfahren nach altem Pokizeispstem nicht dazu geeignet, einen wirklichen Preisabbau herbei zuführen, ganz abgesehen davon, daß nur ein Glied, die Mittler Zwischen Produzenten unb Konsumenten, von der Maßnahme ersaßt wird. Eine solche Preis- ibbaupolitik kann nicht erwünscht sein.
Wenn wir von ber Tat sprechen, so meinen wir ein energisches Eingreisen der Reichsregierung in die Kartellpolitik mit dem 'esten Willen bie Preisgestaltung zu kontrollieren und Auswüchse zu beseitigen. Bisher bat die Macht der Kartelle der Macht der Staatsgewalt standgehalten. Das darf aber hinfort nickt mehr in diesem Maße der Fall fein, weil sonst unübersehbare Folgen heräuf- beschworen werden können. Die Not ber breiten Masse bereit Einkommen durchaus nicht im