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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 127. Amtliches Organ der Stadt Kaffel.

Donnerstag, 2. Juni 1927.

Amtliches Organ der Stadt Kaffel. 17. Jahrgang

Berlin ficht keine Moskaugesahren.

Ist Locarno tot?

Sie sollen weniger reden und mehr handeln.

Trotz aller Friedensbeteuerungen und from­men Gebete der Weltfriedensfreunde in Berlin, denen Außenminister Stresemann auch seinen Genfer Talisman und andere deutsche Frie­densvorkämpfer unser Abrüstungsbukett auf den Weg mitzugeben nicht versäumten, fragen sich die ehrlichen Friedensbekenner in aller Welt nicht ohne Grund, ob denn Locarno schon wirk­lich tot, und ob nicht alle die Verträge, die im Oktober 1925 die Staatsmänner in Locarno ab­geschlossen haben, lediglich noch in der Form existierten. Denn von den damals verbürgten Rückwirkungen" hat der deutsche Hiob kaum noch ein Hauch verspürt und seit einiger Zeit bat es überhaupt den Anschein, als ob die ganze Locarnopolitit im Sande verlaufen sei. Erst kürzlich hat der frühere Kanzler Dr. Luther, der als deutscher Unterhändler an den dama­ligen Verhandlungen teilnahm, in einer Ver­sammlung in Frankfurt klipp und klar festge­stellt, daß man eS auf der Gegenseite an der Durchführung der Rückwirkungen habe bedenk­lich fehlen lassen.

Es dicht sich dabei vor allem um die Ver­minderung der Besatzungstruppen. Die deutsche Regierung selbst hat alle möglichen Anstrengungen gemacht, die Erfüllung der diesbezüglichen Verheißungen durchzusetzen. Leider aber waren die Bemühungen vergebens. Man braucht sicb nur an die verschiedenen Be­suche des deutschen Botschafters Dr. Rieth am Quai d'Orsay zu erinnern, um konstatie­ren zu müssen, daß es nicht bloß Schwierigkei­ten der inneren Politik sind, die Herren Briand verhindern sein Wort einzulöfen, sondern daß auch der gute Wille nicht vorhanden zu sein scheint. Und hat man es nicht nach der Pariser Staatsvisite in London gewagt, Locarno geradezu nur noch alssentimentale Erinnerung" zu bezeichnen? Neuerdings hat sich Chamberlain dem deutschen Botschafter S t h a m e r gegenüber damit zu entschuldigen versucht, daß man das Wort .Locarno" durch den allzNhäufigen Gebrauch nicht noch mchr ab­nützen wollte, als es ohnehin schon der Fall sei. Er hat dabei die Versicherung gegeben, daß sowohl England wie Frankreich auch in Zukunft an der Politik von Locarno festbiel- ten. Wie wir aber vermuten, nur auS dem Grunde, weil man Deutschland im russisch­englischen Konflikt auf seine Seite zu ziehen bemüht ist. Jedenfalls bleibt die groteske Tat­sache bestehen, daß man mit einer unerhört fa­denscheinigen Begründung anläßlich der Wie­dererneuerung der Entente cordiale daS Wort Locarno" nicht in den Mund genommen hat, daß man aber in Volksversammlungen bei allen möglichen Verbrüderungsfesten damit h a u s i e r en geht. Ob das Wort nicht durch die letztere Methode stärker strapaziert wird als dadurch daß man eS bei einer so feierlichen Staatsaktion, wie eS der Prästdentenbesuch in London war, benützt, mag dahingestellt sein. Man könnte ein bekanntes Wort variieren: Ist eS nicht Absicht, hat es doch Methode."

Diese? Gebaren der englischen und franzö­sischen Regierung hat, ganz abgesehen davon, daß die Befriedigung dadurch nicht gefördert worden ist. in Deutschland große Mißstimmung erregt. Es kann zweifelhaft sein, ob die Tak­tik des deutschen Auswärtigen Amtes immer richtig war und ob nicht vielleicht statt der häu­figen Demarchen, die, in Vertretm^ deS er­krankten Dr. von H o e s ch, der Botschaftsrat Dr. Riech, bei Herrn Briand unternahm, etwas mehr Zurückhaltung weitergeführt hätte. Un- -weifelhaft ist aber im Quai d'Orsay selbst ein Geist des Widerspruchs an der Arbeit. Wir sind auch der Ansicht, daß eS besser wäre, wenn mehr im Geiste von Locarno gehandelt als davon gesprochen würbe. DaS Wort würde sicker nicht so abgenützt sein, wenn man den Geist" in die Tat übersetzt hätte. Nach­dem nun auch die Entwafsnungsfrage gelöst ist, wird Herr Stresemann gut daran tun, bei der nächsten VölkerbundSratssitzung seinem engli­schen und französischen Kollegen energisch au? die Notwendigkeit, die gegebenen Versprechun­gen einzulösen, hinzuweisen, sonst könnte es wirklich sein, daß der Geist von Locarno stirbt

Der Mittellandkanal auf dem Papier.

Berlin, 1. Juni. Der Preußische StaatS- rat forderte von der Reichsregierung die strikte Innehaltung der über die Durchführung des Baues des Mittellandkanals geschlossenen Staatsverträge die für Ostpreußen vorgesehe­nen rund 1,68 Millionen Bauernkredite sollen sofort zur Ausschüttung gelangen.

Macht die Thoiry-rröume wahr!

Stresemann als Vorkämpfer in derGeistesarmee des VSlkerfriedens",

Die leitenden Staatsmänner find der Weltgeschichte verantwortlich. Aber Locarno ist erst noch zu zu realisiere«. Flammende Vcrsöhnungsappelle.

Berlin, 1. Juni. tEigene Drahtmeldung.) Bei einem Ehrenbankett für den Weltkongreß der Bölkerbundligen überbrachte Außenminister Dr. Stresemann u. a. den Dank des Reichsprä­sidenten für das Begrützungstelegramm. Die Völkerbundsfreunde würden eingesehen haben, daß die große Mehrheit der führenden Männer Deutschlands aufrichtig gewillt sei, a» de« Aus­gaben des Völkerbundes mitzuarbeiten. Der Weg habe von der Ablehnung zur Skepsis, von der Skepsis zum Vertrauen geführt. Er erblicke die Bedeutung des Völkerbundes in dem psy­chologischen Werk der persönlichen Füh­lungnahme der leitenden Staatsmänner. Die Persönlichkeit brauche aber als Träger der Idee Menschen, die zusammen mit ihm diese Ideale weiter tragen. Diese Geistesarmee deS BölkerfriedenS sei der Weltverband der Völkerbundfreunde. Wenn es bisher leider nicht möglich gewesen sei, die Abrüstung der Truppen durchzusetzen, so müsse man umso mchr die Aufrüstung des Geistes und der Idee betreiben. DieVSlkerbundmiffion selbst möge den Völkern das geben, wonach sie alle verlang­ten; Friede und Verständigung sei die Voraussetzung für den geistigen und wirtschaft­lichen Fortschritt jedes- Volkes. Prof. Aulard- Parts dankte als Vorsitzender für die vorzügli­chen Vorbereitungen und betonte, den Einfluß der Arbeit des Kongreffese auf die Minoritäten- frage, begrüßte in Dr. Stresemann den Vertre­ter des Geistes von Locarno und Thoiry und schloß unter lebhaftem Beifall, die Verständi­gung bestehe bereits in den Geistern, ihre Aus­führung sei nur in der Tat noch zu reali­sieren. Lady Gladestone-England brachte ei­nen formschönen und lebhaft applaudierten Ap­pell an die edlen Empfindungen der Menschheit als Träger der großen Entwickcklung.

* * *

Locarno macht Schule.

Die Völkerbundfreunde meinen es gut.

Berlin, 1. Juni.

In der Schlußsitzung der Bölkerbundliga wurde der deutsche Antrag, Argentinien möge im Völkerbund seine Arbeit weeder auf­nehmen, angenommen. Weiter wurde der Völ­kerbund ersucht, die Möglichkeiten eines Kol­lektivvergleichsvertrages für alle Staaten zu

prüfen. Die Mitglieder deS Völkerbundes wer­den aufgefordert, einen allgemeinen Vertrag für das Verbot von Angriffskriegen, die Festellung des Angreifers und die friedliche Regelung Mer Streitigkeiten Mzuschlietzen. Die Forderungen der deutschen und österreichi­schen Delegierten, daß den Abrüstungen der eigenen Länder auch die Abrüstung der ande­ren Staaten zu folgen habe, wurden dem Protokoll einverleibt. Weiter wurde gewünscht, daß nach dem Beispiel des Loarnrovertrages alle Staaten untereinander Richtangrisfs- und Schiedsvcrträge unter der Kontrolle des Völ­kerbundes absMießen. Auch eine Entschließung, die eine Intervention auf dem Balkan fest legt, wurde einstimmig angenommen.

Sieht Berlin nicht zu rosig?

Paris läßt Chamberlain zappeln. lEigener JnfprmationsdteuH.)

Berlin, 1. Juni.

In der Unterredung Chamberlains «rit dem deutschen Botschafter St Hamer hat der eng­lische Außenminister nicht die Beteiligung Deutschlanids an der anti-russischen Politik Englands verlangt. Es beständen laut Stha- mers Bericht auch keinerlei Anzeichen für einen in der nächsten Zeit zu erwartenden derartigen Schritt des Londoner Kabinetts. In London sei man ernüchtert darüber, daß das Pariser Kabinett eine offene Unterstützung der briti­schen Rußlandpolitk und einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Paris und Moskau für nicht zweckmäßig erachtet. Der Entschluß der französischen Regierung ist inso­fern noch von besonderer Bedeutung als er nach der Auffassung der Berliner politischen Kreise bewiest, daß man in Paris nicht gesonnen ist, sich England auf Gedeih und Verderb auszuliefern. Damit ist aber gleichzeitig gesagt, daß die Entente-Cordiale, von der man anläß­lich des Besuches Doumergues und Briands in London soviel zu berichten wußte, zwischen England-Frankreich in dem Sinne nicht be­steht. Die Reichsregierung beurteilt mit Rück­sicht auf die eben dargelegten Momente die außenpolitische Lage nach dem Abbruch der englisch-russischen Beziehungen jetzt nicht mehr so ernst und hat infolgedessen davon abgesehen, den Auswärtigen Ausschuß des Reichstages noch vor Pfingsten einzuberufen.

MklikMl nun Molen Am In Am.

Coolidge für einen Antikriegspatt / Moskau macht die Wirtschaft mobil.

Washington, 1. Juni.

Im Weißen Haufe wurde erklärt» Präsident Coolidge verfolge mit großem Interesse die von privater Seite eingeleiteten Bemühungen, einen AntikriegSvertrag zwischen de« Bereinigten Staaten und Frankreich abzu­schließen. Der Entwurf Professor Shot­wells interessiere ihn sehr, da er zum ersten Male die Verachtung des Angriffskrieges in praktische Form gebracht habe. (Zweifellos hat der bahnbrechende Ozeanflug Lindbergh'S zu­gleich das EiS gebrochen, das sich wegen der Schulden- und AbrüstungSdifferenz zwischen den alten WeltkriegSfreunden aufgeschichtet hatte.)

Wenn es fein muß.

... kämpft Moskau. WirtschaftSmobilmachung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Moskau, 1. Juni.

Et« Sommunisten-Aufruf bezeichnet den Ab­bruch der englisch-russischen Beziehungen als einen Schrittzum Kriege gegen die Sow­jetunion und bezieht sich dabei auf Lloyd Ge­orge. Trotz entschiedener Friedenspolitik könne Rußland ein Krieg auf gezwungen wer- den, deshalb werden die Parteimitglieder und alle Werktätigen aufgefordert, ihre Aufmerksam­keit den Fragen der wirtschaftlichen Hebung und der Berteidigung deS Handels zuzuwenden.

8ft es mit Tschangtsolin vorbei?

Peking verloren / Ausländer als Verteidiger.

London, 1. Juni.

Ein Blatt berichtet auS Tokio, in Japan werde der Rückschlag, der die nördlichen Streitkräfte betroffen habe, als Vorbote deS Sturzes Tschangtsolins betrachtet.

* * *

Ietzl wirb es ernst.

Die Europäer wollen die Hauptstädte halte«.

London, L Juni.

Infolge der bedrohlichen Lage in Nordchina wurde die englische Gesandschaftswache verstärkt Für die Berteidigung von Tientsin und Peking werden 16000 Mann benötigt, von denen schon

in allernächster Zeit rund 10000 Manu verfüg­bar sei« werden. Die englsische« Frauen und Kinder außerhalb deS Gefandschaftsviertels in Peking sollen aus Peking fortgefchafst werden. Tie englische Garnison in WeihÄwei ist der- stärkt. General Feng soll sich dem Eisenbahn pnotenpunkt der Linie Hankau-Peftng näher«.

Peking, L Juni. (Kabel - Telegramm.) Tschangtsolin hat dem diplomatischen Korps mitgeteilt, daß er feine Truppen zurück - ziehe und sie nördlich von Sondhai gruppie­ren werde. Die Nordtruppen treffen daraufhin Vorbereitungen, um die Stadt zu verlassen und die Ausländer planen BerteidigungSmatznahmen

Beamter und Mensch.

Auch ein Vorschlag zum Wiederaufbau.

Von Regierungsrat Rüng.

DerSvartienst" will mit leine« Ziel, mit den geringsten Mitteln nnb ans de« einfachsten Wege auch bei den Behörden Mallen» arbeit zn verrichten, zugleich den Men­schen im Beamten sreimacheu, indem er lchreibi: Durch Beschaffung, Modernisierung und Aus­bau der mechanischen Hilfsmittel könnte noch manches verbessert werden. Es gibt ferner or­ganisatorische Maßnahmen zur Verrin­gerung und Vereinfachung der Arbeit. Dazu gehören z. B. weitgehende Arbeitsteilung, Be­seitigung der Vielzahl der kleinen Behörden« moderne Einteilung der Behördenbezirke usw. Wirwerden durch diese Mittel auch die Zahl der Arbeitssälle der Massenkleinarbeit um sagen wir fünfzehn Prozent verringern können. Von den Millionen von Arbeitsfällen im deuffchen Behördenwalde werden aber selbst bei größtem Erfolge solcher organisatiorischcn Vereinfachungen noch etwa 85 Prozent der Masse nkleinarbeit übrig bleiben. Es steckt noch viel zu tief die Metunng im Beam-> tenblute, daß es nicht Sache des einzelnen Be­amten ist, sich um die Vereinfachung der Arbeit und überhaupt um solche volkswirt­schaftlichen Dingen zu kümmern. Diese Anschau­ung muß durch besondere Erziehung ausgerottet werden. Hinzu gesellen muß sich sodann die Gewinnung einer Ar­beitsmethode auf Grund einer n a t ü r l i- chen Anschauung, die in jedem einzelnen Falle den kürzesten Weg zum Ziele wählt. Es mutz zur Selbstverständlichkeit werden, daß cs nicht nur darauf ankommt, in jeder Hinsicht kor­rekte Arbeit zu leiste« (das ist keine Kunst, wenn man sich Zeit nimmt), sondern insbesondere ra­sche, einfache Fertigarbeit. Wir brauchen dazu eine inere Umstellung des Beamtenheeres eine Verjüngung und Erneuerung des Arbeits­geistes. Es gehört dazu die Einrichtung von Ausbildungsämtern und wirtschaftlich gestalteten Musterämtern, deren Vorsteher und Beamte von frischem jugendlichem Geiste beseelt sind, deren Betriebe musterhaft rationali­siert sind, bei denen der Geist der jungen Beam­tenanwärter nicht bürokratisch verzogen, sondern gepflegt wird. Das weithin übliche Beförde- rungsfystem nach dem Dienstalter ist eine hervorragende Einrichtung, um den jugendlichen frischen Geist flügellahm zu machen. Es sollte möglich sein, einen festen Prozentsatz al­ler Beförderungen

rücksichtslos nach dem Können und Leisten vorzunehmen. Ein reger Beamtenaustausch zwi­schen Reich, Ländern, Gemeinden und Privat­wirtschaft fördert den Blick für die Beurteilung der verschiedenen Arbeitsmethoden und erzeugt von selbst jene natürliche Anschauungsweise. Auch bei der P r i v a 1 w i r t s ch a f t könnte man sehr viel lernen. Vor lauter Korrektheit u ähnlichen Hemmungen hat man bisher einen regen Beamtenaustausch nicht sertiggebracht, ob­wohl sich alle Welt über dessen Nützlichkeit einig ist Erziehung ist not zu einem neu­en ©elfte. Es muh in die Behörden ein weit­herziger, schöpferischer Geist hereinkommen, der nicht immer ängstlich nach dem Vorgänge fragt. Diesem Geiste muß Oberwasser verschafft wer­den durch eine weitgehende Dezentralisation nach den Lokal- und Bezirksbehörden hin. bei denen die Masse der Arbeitsfälle erledigt werden muß. Ferner gehört dazu, daß man den getragene«

Kanzlei- dem simple« Kaufmannsstil nähert wodurch man sich nebenbei den nicht geringen Aufwand auf bürokratische Stilfeinheiten er­spart, daß man die Behördenschreiben, Entschei­dungen, Urteile so kurz fertigt, als es das In­teresse der Beteiligte« gestattet; eS muß ver­boten werden, daß sich BeGnte durch bewun­dernswerte Kunstwerke von Urteilen usw. auszeichnen wollen ober eine einfache Sa­che auf die Höhe einer Doktorarbeit stellen, ein Verfahren, das zwar arbeitsmäßig befriedigt, aber sehr unwirffchaftlich ist Hauptaufga­be jedes AmtsvorsteherS muß künftig die Rationalisierung seines Amtes fein. Dies müßte von oben durch Entlastung der AmtSvorfteher von anderen Aufgaben anerkannt werden. Auch bei den einfachsten Arbeiten läßt sich das Persönliche und Geistige nicht ausschal­ten und darf int Interesse des inneren Menschen nicht ausgeschaltet werden. DaS ganze Behör­denleben muß auf die Grundlage einer

warme« Menschlichkeit, nicht einer eisigen Korrektheit

gestellt werden. Bon da wird es ein leichtes fein, den Arbeitsmotoren Freude u. Rhyth­mus immer wieder aufs neue Nahrung zuzufüh­ren. Ma« täufcht sich, wenn man glaubt, Ar-