Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Dir Rafieln 'Jieucftcn ljiadirubttn ertbetntn wSchrnmch i«66mal nad>mtttag». D« äbonnementeptti» beträgt füi den Monoi 8. * bei freiet Huftellong inS Han», in bet (SeftbäftefteUe abgebolt 1.80 jf. Durch die «oft monatlich 2. Jl auSfchltehlich Suftellanabaebüln «erlag und Redaknon 6d>latbthDffrra6e 8St3ü. >Ventft>Tt<6tT 961 und 959. ftüt nnverlangt etngeianbte «eitrii« kann die Re- dakttoa eine «erantwrtttng ober Aewübr tn keinem Kalle übernehmen. Sind» "bluna de» Ae-maSaekde» ober 9lnhrrfl*e wegen etwaiger nt*j nr*>"nna6inaf(mej S>Wwtna fW attSnefibToffett TofHÄfitfonto Krankfnrt am Main Nummer 630.

Kasseler Abendzeitung

Änjetflenoretfe: (BlnbetmtfiBe ©eftbäftSanietgen Seile 20 A. auswärtige Geschäft», angetan Seile 80 1. yamtlienan,. Zeile 80 A. Kl. Sim. aus Kassel d. 63ort 4 A. aus«, kl. An», Seile 80 A. Reklamen Seile 75 A. Offert gebühr 90 A (bei 3us. der Offerten 50 A. Rechnungsbeträge innert. 5 Tagen zahlbar, ft6t d.Richtig, fett aller durch fternfvrechet aufgegebenen »ngetgen foroie für Aufnadrnebaten unb Slfibe kamt nicht »arnntiert werten, ftür Anzeigen mir belonber» schwie­rigem Sab 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachthoiskrabe 98/30. Geschäfts. Kelle: Kölnische «trabe 5. gegenüber bet Svobrürabe. ftemsvrecher 051 unb 852.

Hessische Abendzeitung

Nummer 125. Amtliches Organ der Stadt Kaffel.

Dienstag, 31. Mai 1927.

Amtliches Organ der Stadt Kaffel. 17. Iahrg ang

Tschitscherin will Gtresemann warnen.

England unter Norwegens Schutz / Japan mischt sich in China ein.

Aber, Herr Mussolini!

Er spielt wieder einmal den Weltdiktalor.

Herr Muffolini ist ein unruhiger Kops. Er paßt daher für die Rolle, die er spielt, wie ge­schaffen. Wie könnte er sonst auch die ausge­peitschten Gemüter seiner Faschisten im Zaume halten? Allzuleicht würde sonst in ihnen das Gefühl der Unzufriedenheit groß. Ein Zustand der Ruhe würde Zeit für Kritik lassen. Der ita­lienische Duce hat daher sehr richtig erkannt, daß er, wenn der Wolkendunst der Popularität um seine Diktatur sich nicht auflösen soll, immer und immer wieder für Reibungen sorgen müsse, um die Gemüter der ihm ergebenen Un­tertanen nicht zur Besinnung kommen zu lassen. Bald sind es gesuchte Pläne und Konflikte, wie der Streit um Jugoslawien, bald große, von ei­nem weitspannenden Imperialismus getragene Reden, mit denen er seine Nation aufwühlt. .Eine Portion Donnerwetterstimmung mutz der Mensch haben, wenn er in der Politik etwas ausrichten will," läßt Sigurd Ibsen, der Sohn Henrik Ibsens, seinen Helden im Drama .Robert Frank" sagen. Herr Mussolini besitzt von dieser Donnerwetterstimmung gar viel. Er hat daher auch in der Politik gar manches aus- gerichtet.

Nachdem die albanische Frage, infolge der von London und Paris angezogencn Bremse, nicht so gelöst worden ist, wie Herr Muflolinr sich das gedacht hatte, mußte er nun eine Ab­lenkung schaffen, waS er in der Kammer prompt besorgte. Man kennt heute sein KrtegS- tönchcn schon zur Genüge und weiß, daß Herr Mussolini, irreal wie er manchmal ist, gerne in Gefilden u mherschweist, die seinem Pathos besondere Nahrung geben. Es ist lange nicht so, daß er mit dem alten Wiener Lied sagen könnte: Im Mat, im schönen Mat, hab' ich noch viel Im Sinn." Seine Tiraden, und wenn sie auch noch so kriegerisch verbrämt sind, und noch so martia­lisch klingen, sind nichts als Phrasen, die man fürst erste nicht besonders ffhft zu nehmen braucht. Stellt doch der Duce selbst fest, daß Italien erst zwischen1934 und 1940 soweit sein werde, um Europa seine Stimme hören zu las­sen und seine Rechte geltend zu machen." Es sind Zukunftswechsel, die er damit seiner Nation gibt, aber seine Anhänger sind enthusiastisch und gläubig genug, sie heute schon zu diskontieren.

Wenn man auch die ganze Hohlheit dieses Geredes durchschaut, mit einem nachsichtigen Lächeln darüber hinweggehen könnte, so müssen doch zwei Punkte schärfer unter die Lupe ge- nomen werden. Vor allem muß die unerhörte Hetze gegen Deutschland, das Herr Mussolini mangels eines anderen geeigneten Objektes augenblicklich zum Gegenstand seiner kriegerischen Eskapade gemacht hat, aus das Schärfste zurückgewiesen werden. Es ist nie und nirgends davon die Rede gewesen, die Deutschen in Südtirol, die unter einer so schmählichen Behandlung der Italiener zu leiden haben, mit Waffengewalt befreien zu wollen. Was dagegen mit Recht immer und immer wieder verlangt worden ist, und trotz Mussolini verlangt wer­den muß, ist eine menschenwürdige Be­handlung der Deutschen in Italien, nach Gesichtspunkten, die der modernen Kultur ent­sprechen. Herr Mussolini erklärt das Problem der ansässigen Minderheiten als unlösbar. Er tut das, ohne daß der Versuch einer Lösung gemacht worden ist. Die kühne Behauptung wird ihm allerdings nicht viel nützen. Sie wird kei­nen Deutschen einschüchtern, nach wie vor für das Recht seiner Stammesbrüder in Südtürol einzutreten und sie wird nicht einmal den Völ­kerbund von der allerdings schweren Pflicht ent­heben, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Auf die Dauer kann man auch im Deutschen Auswärtigen Amt diese Dinge nicht still­schweigend übergehen. Es muß etwas geschehen und wenn auch Herr Mussolini noch so sehr tobt. Vorläufig tut er noch so, als ob er auf die Welt und seine Rechte pfeife. Das hat sich auch in seinen schwachen Witzen über den .Geist von Locarno" gezeigt. Gerade er, der damals als einer der Garanten dieses Vertrages aufge­treten ist. sollte sich in dieser Beziehung etwas Mäßigung auferlegen, sonst macht er sich nur lächerlich.

Solange der italienische Duce bei seinen Re­den bleibt, dürfte da- von der Welt noch gleich­mütig hingenommen werden. Wenn er sich aber einfalten lassen lallte, so zwischen 1934 und 1940 .den Weltdiktator zu spielen, könnte es ganz leicht sein, daß seine Prophezeihung

eintrifft, daß Italien in zehn Jahren nicht wiederzuerkennen sein werde, weil sein Antlitz und seine Sele grundlegend verwandelt seien", allerdings in einer Richtung, die er selbst am wenigsten vermutet.

Die Antifaschisten schweigen nicht.

Paris, 30. Mai. Das Zentral-Komitee der italienischen Anti-Faschisten hat aus Grund der letzten Mussolini-Rede die faschistische Diktwtur als kriegslustig und brutal bezeichnet. Die Er­klärungen des Duce kennzeichneten den faschi­stischen Imperialismus, gegen den sich das un­verletzliche Recht der Volkssouverftnität und der Frteitenswillc des italienischen Volkes erhöben, laiche auch Leitartikel.!

Ergebnisse zeitigen können. In der Wilhelm- straße wird man dem russischen Volkskommissar für Auswärtiges nur Mitteilen können, daß für die deutsche Außenpolitik allein die Abmachun­gen von Locarno und der Vertrag von Ra­pallo, sowie der sogenannteBerliner Ver- ttag" richtunggebend find. Auch wirtschaftspo­litische Angelegenheiten dürften erörtert werden. In den Berliner Finanzkreisen will man wis­sen, daß Tschitscherin bei dieser Gelegenheit son­dieren wolle, ob Deutschland in der Lage wäre, einen größeren Kredit für die Lieferung von Maschinen usw. nach Rußland rinzuräu- men. Man glaubt schon jetzt sagen zu können, daß vorläufig ein weiterer Kredit für Rußland unter Garantierung des Reiches nicht in Frage kommen könne.

Noch ein geiavrttcver Snglandfelnb.

London, 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt meldet aus Malta, daß drei Schlackit- schiffe, die gestern abend in See gingen, für Aegypten bestimmtsteten. Das Blatt nimmt an, daß dies im Zusammenhang mit der Krise steht, die wegen der Stellung des englischen Oberkommandanten entstanden ist.

Rotbchina aufs Schwerste gekränkt.

Peking, 30. Mai. (Kabeltelegramm.) Die offiziellen Kreise Rordchinas sind über daS Ein­greifen Japans aufgebracht. Peking protestiere energisch gegen die Verletzung chinesischen Ge­bietes durch den japanischen Truppendurch­marsch, die ernste Rückwirkungen Haden könnte Eine Rote werde nach Tokio abgehen.

Siner macht den andern schlecht.

Gegenstoß aus Moskau.

Das Reichßsinanzminifterium soll z. Zt. er­wägen, die Mieten allmählich big aus 140 Pro­zent heraufzusetzen. Die Entscheidung hänge eng mit dem Gesctzgebungßwerk über die Steuervereinheitlichung zusammen, daS den, Reichskabinett in dieser Woche vorgelrgt werden soll. DaS ReichSfinanzministerium hat diese Gerüchte bisher weder dementiert noch bestätigt.

Die rote «Sm de rückt aus.

Kriegerische Bilder aus Moskau.

Warschau, 30. Mai.

Die Polenblätter melden auS Minsk: Hier wurde starke russische Artillerie an die Grenze ge­gen Litauen und Polen weiter transportiert. In Nischni-Rowgorod hängen an allen Straßensäu­len Aufrufe zur Bildung von Freiwilligen-For- mationen.

Wien, 30. Mai. (Privattelgramm. Ein Blatt meldet aus Moskau: Sonnabend früh fah man Artillerie durch die Straßen ziehen. Die Truppen wurden in fünf Eifenbahnzügen nach dem Westen verladen.

Wo die Offiziere regieren.

Paris, 30. Mai. (Eigene Drahttneldung.) Lmtt Pressenotiz halben 612 Offiziere der Athener Garnison das Protokoll unterzeichnet, das die Aufhebung der RegierungSkoalition verlangt. Die Unterschriften anderer Garni­sonen stehen noch auS.

140 Vrozent Miete?

Der Finanzminister hüllt sich in Schweigen.

Wehe der Republik!

Wenn Frankreichs Monarchisten könnten . . .

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 30. Mai.

Der Royalistenführer Leon Daudet sprach gestern in Marseille in einer riesigen Royali- sten Kundgebung. Er erNSrte u. «., er solle ins Gefängnis, weil er daS Verbrechen begangen habe, der Vater seines Sohnes Phil- l i p p zu sein. Man möge ihn doch in das Ge- fängnis stecken, wenn mau es wage. Im Uebri- gen würden die Royalisten bald die Herren Frankreichs sein und dann die Repu­blikaner zu züchten wissen.

Moskau, 30. Mai.

Auf die englische Abbruchnote erwiderte die Sowjetregierung u. a., daß sie alle Beschuldi­gungen, daß sie das Handelsabkommen verletzt hätte, zurückweise. Die Ergebnislosig­keit der Durchsuchung der Handelsdelegation fei der beredteste Beweis für die Loyalität der offiziellen Sowjet-Agenten. Der Hauptgrund des Bruches sei das Fiasko der Politik der konfervativen englischen Regierung in China und der Versuch, dieses Fiasko durch eine Di­version gegenüber der Sowjetunion zu ver­schleiern. Die britische Regierung ziehe nor­malen Beziehungen zu Rußland das System der Gewalttätigkeit und der Feindschaft vor. In der neuen Regelung der Handelsver­tretungen wird der Gesandte bezw. Botschaf­ter ausdrücklich als der einzige politische Vertreter in dem Lande, wo er beglaubigt ist, bezeichnet. ES ist berechtigt, sofort Maßnahmen zu suspendieren, die nicht im Einklänge mit der allgemeinen Politik oder der Gesetzgebung des Aufenthaltslandes stehen.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 30. Mai.

Nach Vans... Berlin.

Tschitscherin wirbt um StresemannS Gunst. (Funktelegramm)

Berlin, 30. Mai.

Aus russischen Botschasiskreisen erfahren wir, daß Briaud in Paris dem Sowjet-Außenkom- missar Tschitscherin die bolschewistische Propaganda vorgehalten und verlangt habe, sich jeder Einmischung in die innerpolitischen Ber« hältniffe Frankreichs zu enthalten. Tschitscherin soll nun am Quai d'Orsay versichert haben, daß er dem Verlangen Frankreichs nachkommen wolle, mit der Einschränkung, daß diese Propa­ganda niemals offiziell unterstützt wur­de. Tie Wirtschafts- und Schuldenverhandlun­gen werden jedoch vorläufig nicht sorige- setzt. Troß der Zusicherungen der französischen Regierung, daß Frankreich zunächst nicht daran denke, sich der Rußlandpolitik Englands anzu­schließen, hegt man in Moskau doch gewisse Zweifel im Hinblick auf die Gerüchte, nach de­nen die britische Regierung bereit wäre, Deutsch­land in der BesatzungS- und Kolonial- frage entgegen zu kommen, wenn es seine Außenpolitik nur nach dem Westen orten« Here. Die Aussprache zwischen Dr. Strese- mann und Tschitscherin, die etwa am 8. Juni stattfinden soll, wird jedoch kaum sensationelle

Wird Ehina daraus hören?

Japan will dem EhaoS ein Ende machen.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 30. Mai.

Rach einer Meldung ans Tokio hat Japan an China einen BermittlungSvorschlag gemacht Danach ist General Tschangtsolin nahegelegi worden, iw eine Waffenstillstandskonferenz ein zutreten, die Kämpfe einzustellen und sich nach Muk den zurückzuziehen. Darauf sollen die Marschalle Feng, Tschangtsolin und Tschang- keischeck sich über weitere Bedingungen einigen, wenn nötig mit Unterstützung der Großmächte.

Norwegen ist gut genug.

Londons Jntereffenwahrer in MoSkmi.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 30. Mai. <

Ein diplomatischer Korrespondent schreibt: i Das Großbritannien in Sowjetrußland sich durch Norwegen vertreten läßt, ist weniger überraschend als es auf den ersten Blick scheint. Norwegen ist ein ausgezeichneter Freund Eng­lands und hat außerdem weniger Reibungen mit Moskau gehabt als beispielsweise Schwe­den. (London hat natürlich keine Groß­macht mit der Vertretung betraut, um ftt , nicht dann aus der EinkreisungSfront gegen Moskau auszuschließem. Die Redaktion.)

Sie lieben ihn alle.

Papst Pius der Elfte als Geburtstagskind.

Wenn Papst Pins der Elite beute, an keinem 70. Geburtstag, geschmückt mit der maiestiiti» scheu Tiara, in den Petersdam einziedi. wird ihm bas begeisterteEvoival" entbnsiasmier- ter Riimer entgeaenschalle». Was ist es. das, dem Haupt der tatbolilÄeu (kdristenbeit noch <«eiere Verehrung und gröbere Beliebtheit ge­rollt wird, als irgend einem seiner Vorgänger? Papst Pius der Elfte gehört in die Kategorie derunpolitischen Päpste". AuS der Wissen­schaft gekommen ist er vor ollem ein religiöser Papst. Wohl war Pius der Elfte auch im diplo­matischen Dienste der Kurie tätig, aber den größten Teil seines früheren Lebens füllte die Wissenschaft und stille kirchliche Betätigung aus. Das, was viele seiner Vorgänger auszeichnete, eine erfolgreiche Karriere in der vatikanischen Diplomatie, war ihm nicht gegönnt. Er hatte auch zeitlebens wenig Neigung dafür. Als stil­ler Gelehrter arbeitete er jahrzehntelang in der weliberühmtett Ambrosianischen Bibli­othek und später in der Valikana. Sein Ehrgeiz waren tiefgründige Werke. Als

einfacher Fabrikantensohn in Desto bei Mailand geboren, fehlten ihm auch für die kirchlich-politische Laufbahn vor allem die adelige Herkunft, auf die man gerade in je­ner Zeit im KardinalftaatSsekretariat noch gro­ßes Gewicht legte. Der fchmucklose Name Achille Ratti bot keine Anwartschaft, t.m feinen Träger in Nuntiaturen oder im päpstli­chen Repräsentationsdicnst groß werden zu lassen. Was Wunder, daß sich der junge Kleri­ker der Wissenschaft znwandte, und er über die vatikanische Bibliothek hinweg den Weg nach oben fand. Erst im Jahre 1918 wurde er als apostolischer Visitator nach Polen gesanot, wo er im darauffolgenden Jahre die Würde eines Nuntius erhielt. Im Jahre 1921 schmückte ihn Benedikt der Fünfzehnte mit dem Karoi- nalshut und berief ihn zum Erzbischofvon Mailand. Nicht lange sollte er aber dort verweilen. Schon Mitte Februar 1922 ging er aus dem Konklave als Papst Pius der Elfte hervor. Zeit seines Lebens batte sich Achille Ratti nicht viel um die Politik beküm­mert. Er hielt es auch als Papst so. Seine Hauptarbeit ist in dieser Stellung vor allem der Pflege des religiösen Lebens gewivmet. Daher dürfte cS Wohl auch kommen, daß er den Bestrebungen auf eine

Aussöhnung mit der Staatsmacht nicht so abgeneigt ist, wie die meisten derpo- litischen Päpste". Er nimmt nicht den in­transigenten Standpunkt mancher seiner Vor­gänger ein und zeitweise schien es so, als ob er dieRömische Frage" mit einem Ruck zu lösen entschlossen sei. Bisher ist jedoch die Strö­mungen gegen eine solche Lösung sind auch heute im Kardinalkollegium noch sehr stark die Tat dem Vorzeichen noch nicht gefolgt. Es ist zwar verständlich, daß man im Vatikan sich noch im­mer sträubt, das Garantiegesetz vom 13. Mai 1871 anznerkennen und daß der Papst lieber das selbstgewählte Schicksal desGefangenen im Vatikan" trügt, als daß er sich von der italienischen Regierung seine Stellung umgren­zen läßt, nichtsdestoweniger aber haben auch die Tendenzen eine Berechtigung, die heute «tnd schon eine Reihe von Jahren hindurch darauf hinauslaufen, auf dem Wege einer wohlwol­lenden und gütlichen Verständigung dem Papste auch nach außen hin die Bewegungsfrei­heit und Souveränität zu sichern, die er beanspruchen darf. Ob eS aber unter dem Pon­tifikate Pius des Elsten dazu kommen wird, ist mehr als fraglich, nachdem verschiedene Ansätze ungepflegt wieder verdorren mußten. Es wäre freilich daS

schönste Geburtstagsgeschenk für Pius den Elften gewesen, wenn er die Pfor­ten des Vatikans hätte öffnen und seine selbst- gewählte Verbannung hätte aufheben können. In Deutschland wird man des Papstes an sei­nem siebzigsten Geburtstage mit warmer Sym­pathie gedenken und ihm herzlich gemeinte Wün­sche senden. Auch diejenigen, die bei seiner Wahl auf den Stuhl Petri glaubten, daß er <n Nuntius in Warschau die Interessen Po­lens besser gewahrt habe als die deutschen, werden inzwischen aus ber warmen Anteilnah­me, die PiuS der Elfte anläßlich des Ruhr- krieges der deutschen Sache gewidmet hat, eine Neutralität erkannt haben. Aus Je­ner Zeit schuldet ihm daS deutsche Volk aus- richtigen Dank. Diesem Danke wird eS auch ht seiner Tätigkeit als apostolischer Kommissar und