Nr. 111. — 17. Hahrganz.
Kasseler Neueste Nachrichten
Freitag, 13. Mai 1927
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I Die AasselerGeschäfte sind am Sonntag, 15. Mai, j
| von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr abends geöffnet. j
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Das schwere Geschütz: Aus dem Usa-Zilm „Der Weltkrieg
Amerika in Lkiua: Wache am amerikanischen Konsulat in Peking
ist am Hamburger Frauengefanguis eine Dame als Geistliche tätig, von der die dortige Synode erklärt, daß sie ihr Ami „mit Takt und Geschick" führe. Auch in Magdeburg (Domae- meinde) arbeitet bereits eine weiblich^ Hilfsgeistliche, und in Berlin wirkt an der freien Christengemeinschaft als erste Theologin ein Fräulein Tr. Spoerri.
Halloy Laesar!
Allerlei vvm Film und vom Theater.
Reinhold Schünzel hat dem Filmpublikum mit seinem neuesten Film „Halloh — Caesar!" ein gutes Geschenk gemacht. Der Film wurde im Mozartfaal in Berlin zur Uraufführung gebracht und fand starken Beifall, für den der Regisseur und Hauptdarsteller Reinhold Schünzel persönlich danken konnte. Er, den man nun schon in manchem interessanten Berus gesehen hat, überraschte durch die Rolle eines stellungslosen Jongleurs, der einem amerikanischen VarietLdirektor nach Karlsbad nachreist, um ihn durch seine imvrovisierten Kunststücke von seinem Talent zu überzeugen. Ein Engagement mit wöchentlich 1000 Dollar und eine Braut sind die Beute der Karlsbader Reise. Eine Fülle von lustigen und durch die geschickten Aufnahmen äußerst spannenden Szenen zeichnet diesen neuesten Ufafilm aus.
Die vom Theater.
Im Berliner Ma-Theater in der Friedrichstadt erlebte der amerikanische Film „Die vom Theater" seine deutsche Uraufführung. Das Milieu des Theaters ist nun aber im Film schon so ost behandelt worden, daß da kaum noch etwas neues zu bieten ist. Leider hat der Regisseur des Films auch noch nicht einmal den Versuch gemacht, mit neuartigen Gesichtspunkten aufzuwarten, sondern hat sich ganz auf das Althergebrachte und Erfolgbewährte beschränkt. Wertvoll an dem Film ist die dezente Darstellung des Richwerstcbenwollens, des Sickentfremdens zweier Liebenden, für die in Billie Dove und Francis Bushmann gute Darsteller gefunden sind.
Die Stunde der Entscheidung.
Im Bremer Stadttheater kamen drei Einakter von dem Fr-iherrn von Hünefeld unter dem Gesamttitel „Die Stunde der Entscheidung" zur Uraufführung. Der Zvklus entstand im Jahre 1925 und umfaßt einen Akt der Hagentragödie des Nibelungenliedes, den letzten Kampf eines großen Politikers und ein Stück Märzrevolution von 1848. Ter Dichter, der bisher fast ausschließlich als Lyriker bekannt geworden ist, zeigt auch in diesen Einaktern seine Sprachgewandtheit. Die Einakter leiden und darunter, daß sie Exvositions- oder Scklußepisoden unausgeführter Tragödien sind, dadurch ist es dem Verfasser zu schwer geworden. in den einzelnen Akt aller mit hineinzu- verweben, was zum Verständnis der Gesamthandlung gehört. Auck die motivische Um-
grmtdliche Vorbildung wie die männlichen. Sie werden ihr Amt durchaus selbständig führen und nicht etwa als bloße Gehilfen der Pfarrer. Hiermit ist ein großer Fortschritt erzielt; bisher spielten die Frauen in der Kirche ja nur die Rolle der Helferinnen, zumeist in der Charitas. Manche anderen Wünsche haben die Anhänger des weiblichen Theologiestudiums zunächst zurückstellen müssen, um nicht die Annahme des Gesetzes zu gefährden. Die Vikarinnen können z. B. nicht ordiniert werden; sie dürfen nicht predigen und haben nicht die Berechtigung zur Erteilung der Sakramente. Ihnen bleibt als Tätigkeitsfeld die sonstige seelsorgerische Betreuung der Gemeinde, der Kindergottesdienst, der kirchliche Religionsunterricht, die Bibelstunde usw. An den Idealismus der Vikarinnen wird auch insofern eine starke Anforderung gestellt, als ihre Gehaltsverhältnisse eine nicht leider sehr günstige Regelung gefunden haben. Die Kirche macht sich hier leider den nicht sehr erfreulichen Brauch zu eigen, daß man Frauen für die gleiche Arbeitsleistung schlechter bezahlen darf als Männer. Doch sind wir überzeugt, daß auch in dieser Hinsicht Remedur geschaffen wird, sobald stch erst bte Theologin in der Praxis durchgesetzt hat. — Uebrigens muß die Vikarin aus dem Amte scheiden, sobald sie stch verheiratet; auch das ist ein Punkt, über den man sehr verschiedener Ansicht fein kann.
Zunächst wird es sich ja bei der Vikarin um Einzelerscheinungen handeln. Wenn auch heute schon dem Verband der Theologinnen etwa fünfzig bis siebzig Damen angehören, so dürften doch von diesen wohl nicht viele ein kirchliches Amt annehmen. Auch die Zahl der weiblichen Theologiestudenten wird zunächst gering bleiben; sind doch die Anstellungsaussichten vorläufig nicht allzu günstig. — Bisher gab es an- aestellte Theologinnen nur ganz vereinzelt. So
biegung in der Hagentragödie (Hagen liebt Kriemhild) wurde als Mangel empfunden, va die Nibelungensage zu fest im Bewußtsein des Volkes liegt, als daß sie derartige Umdichtungen verträgt.
„Der Kaufmann aus Mülheim" im Film?
Neber den wirtschaftlichen Niedergang und Wiederaufstieg Deutschlands soll Cecil de Mille einen großen Filut mit den Schildkrauts in den Hauptrollen planen, der in Deutschland im allgemeinen mit deutschen Künstlern fertiggestellt werden soll. Nach unbestätigten Meldungen ist das Manuskript dieses Films die Ge- chichte einer modernen Großkaufmannsfamilie, in der man die Familie Stinnes vermutet.
Die Wünschelrute
Aufschlußreiche Versuche in Indien.
Die Londoner Zeitschrift „Nature" veröffentlicht einen aufsehenerregenden Artikel aus der Feder eines bekannten Physikers. Nach dem Bericht dieses Forschers soll das Rätsel der Wünschelrute, das Jahrhunderte hindurch die gesamte kultivierte Welt beschäftigt hat, gelöst sein. Und zwar gelangte man zur Lösung nicht durch Versuche mit der Wünschelrute selbst, sondern durch die Anwendung eines Apparates, der, seiner Wirkungsweise nach, eine komplizierte Wünschelrute darstellt.
Die Versuche wurden in Indien auf Veranlassung der Regierung unternommen. Die Versuchsanordnung bestand aus einer sreihän- genden Magnetnadel, die durch ein System von körperlosen Spulen, ähnlich denen, die in der Radiotechnik verwendet wurden, umgeben waren. Versuchsfeld war eine Gegend, in der schon seit längerer Zeit, vielfach vergebens nach Wasser gebohrt wurde. Die Magnetnadel zeigte nun an bestimmten Stellen äußerst kräftige Ausschläge, und beim Dohren fanden sich an allen so bezeichneten Stellen tatsächlich unterirdisch fließende Gewässer. Die Vorrichtung zeigt das Wasser so mit 100 prozentiger Sicherheit an, während «vordem von 100 Bohrungen nur 40 positive Ergebnisse gezeigt hatten. Die Entdeckung hat also einen außerordentlich hohen Wert und gleicht in ihrer Wirkung vollkommen der Wünschelrute. Ihre Wirkungsweise ist leicht erklärt. Es ist seit längerer Zeit bekannt, daß an bestimmten Stellen der Erdkruste, vornehmlich an solchen, an denen sich unterirdische Gewässer oder Metallagerstätten befinden, elektrische Sttöme entstehen, die man kurz „Erdströme" nennt. Diese Erdströme erzeugen innerhalb der Spulen Jnduktions- ftröme, und diese bewirken ein Ausschlagen der Magnetnadel. Die Magnetnadel könnte ebenso gut durch ein äußerst seines Meßinstrument ersetzt werden.
Durch diese Erfindung und die Entdeckung ihrer Wirkungsweise erscheint im Großen und Ganzen auch das Rätsel der Wünschelrute gelöst. Zu Rutengängen waren nur ganz bestimmte Personen geeignet, und es scheint sich dabei um solche gehandelt zu haben, deren Nervensystem besonders empfindlich auf die Erdströme reagierte, sodaß die mit den Fingerspitzen gehaltene Rute in Zuckungen geriet Es bleibt nun noch Aufgabe der Wissenschaft, die Einslußfähigkeit elettrischer Ströme auf das Nervensystem wissenschaftlich zu ergründen. 9tber da die Möglichkeit eines solchen Einflusses ohne weiteres besteht, darf uns auch die Wünschelrute und ihre Wirkungsweise nicht mehr als überirdische Erscheinung gelten. Nicht die Rute selbst bewirkt das Wunder, sondern die Natur, die physikalischen Gesetzen folgt.
Weibliche Seelsorger.
Ein Markstein in der Geschichte der Frauenbewegung.
Die evangelische Generalsynode hat, wie schon kurz mitgeteitt, ein Gesetz verabschiedet, das einen Markstein in der Geschichte nicht nur des Protestantismus, sondern auch der Frauenbewegung bedeutet. Seit einigen Tagen haben wir in Preußen die Institution der weiblichen Geistlichen (Vikarin). Zwar hat man den Frauen noch nicht die volle Gleichberechtigung mit ihren männlichen Anttsgenossen zugebilligt, aber immerhin ist ein Anfang gemacht.
Die Hauptwünsche der Frauen, so versicherte uns heute eine hochverdiente Vorkämpferin der Reformbewegung, sind mit dem Vikarinnenge- etz erfüllt. Dieses Gesetz, bei dem übrigens die Frauen aller kirchlichen Richtungen eine Einheitsfront bildeten, gesteht den angehenden Vikarinnen dieselbe volle Studienzeit zu wie den künftigen Pfarrern; und zwar sind acht Semester (im Anfang eventuell sieben Semester) als Studiendauer vorgesehen. So verfügen also die weiblichen Theologen über die gleiche
Kleine Rundschau.
Alkohol als Schlafmittel.
Als allgemeine Volkssitte ist der unterschied- lose Moholtzenuß zur Schlafförderung nicht zu biMgen. Für gesunde Menschen bedeutet cs zweifellos einen schädlichen Mißbrauch, wenn ste den -Schlaf durch geistige Getränke nicht gc- legentlich, sondern so regelmäßig herbeiführen, daß sie ihn ohne diesen nicht mchr zu finden vermögen. Hingegen kann der Alkohol in Fällen von krankhaftem Schlafmangel bei verständiger Anwendung ungemein wohltuend wirken. Man braucht kein Arzt zu fein, um ein« zusehen, daß geistige Getränke durch das Ueber- maß ihres Genusses oder durch statten Alkoholgehalt keinen gesunden und naturgemäßen Schlaf, sondern — ähnlich wie arzneiliche Schlafmittel.— nur eine Art von Betäubung herbeizuführen vermögen. Wein, Liköre, Punsch oder Grog sind zu alkoholreich und aus diesem Grunde als Abendtrunk für Schlaflose nicht zu, empfehlen. Hingegen bringt das Bier, selbst in seinen schweren Sorten, dank seinem geringen Alkoholgehalt nicht die Gefahr mit sich, in kleinen Mengen einen schädlichen Gehirnrei; zu verursachen; es vermag, vor dem Zubettgehen mäßig genossen, bei zahlreichen Menschen den Schlaf zu fordern und kann somit dazu beitragen, schlaf^nnmende Einflüsse von seelischer Art, besonders bewußte oder unbewußte Gemütsverstimmungen, zu beseitigen oder wenigstens zu mildern. Dr. B.
Das ist die Liebe.
Der bekannte deutsche Opernsänger Michael Bohnen hat in Newyott die Sängerin Mary Bewis von der Metropolitan Opera geheiratet, die er sechs Wochen vorher rennen gelernt hatte. Daraus kann man schon auf eine heiße Liebe schließen. Leider dauerte der Honigmond nur drei Tage, denn Bohnen wurde durch seine Verpflichtungen nach Deutschland zurück- gerufen, während die junge Frau durch Verträge in Amerika festgeh Men würde.' So begleitete die untröstliche Mary ihren Gatten zum Schiff. Unmittelbar vor dem Aoschied kam sie aber offenbar zu der Etteuntnis, daß sie die Trennung von dem ihr eben angetranten Gemahl nicht ertragen könne. Sie raste im Auto zu ihrer Wohnung zurück, packte eiligst das Notwendigste in einen Koffer und sank fünf Minuten vor Abgang des Dampfers ihrem geliebten Ehemann in die Arme, mit der Erklärung, daß sich ihre Verträge ganz von selbst lösen würden. Hoffen wir, daß diese heiße Liebe weiterhin anhält.
Dir dungrigen Bakterien.
Es geschieht auch anderwärts, daß ein gewandter Herr, gänzlich unbeschwert von irgend welchem Examen, sich einen schönen Gelehrtentitel beilegt und längere öder kürzere Zeit seine Umgebung mit seiner Tätigkeit in Bann zu halten weiß. Selbstverständlich hängt der Erfolg solcher geschickten Herren' immer ein wenig von der Umgebung ab. Am landwirtschaftlichen Institut in Bromberg amtiert ein gewisser Doktor Prus, von dem das Gerücht geht, daß er sich selbst zum Doktor der Medizin ernannt habe. Jedenfalls »st dieser Herr der Erfinder ganz neuer und für ihn nicht unergiebiger Entdeckungen geworden. Man wunderte sich feit einiger Zeit über die ungewöhnlich großen Ausgaben dieses Instituts, und eine Nachprüfung der Rechnungen ergab, daß „zur Ernährung der Bakterien" monatlich nicht weniger als 300 bis 400 Mund Fleisch benötigt waren. Es entstand nun einiges Kopffchüt- teln über diese Gefräßigkeit polnischer Bakterien, mit deren Futter man eventuell eine kleine Raubtiermenagerie hätte unterhalten können, und die Zeitungen begannen Lärm zu schlagen. Aber inzwischen ist es wieder ruhig geworden in den Blättern. Man will ■offenbar die Blamage vertuschen.
Küssen verkürzt die Lebensdauer.
UebeT die gesundheitliche Wirkung des Kusses ist bereits viel Tinte verschrieben worden, ohne daß dadurch die Ausübung dieser „schmackhaften Tätigkeit" eine statistisch nachzuweisende Einschränkung erfahren hätte. Daß dem Kutz auch aus einem anderen Grunde das Todesurteil gesprochen werden müßte, haben die Gelehrten deS psychologischen Laboratoriums am Western State-College in Washington festgestellt. Ihre Untersuchungen haben nämlich ergeben, Daß jeder Kuß das Leben des Menschen um drei Minuten verkürzt, denn er rufe derartiges Herzklopfen hervor, daß dieser wichtige MuÄel dadurch abgenutzt werde. Wenn diese Leute recht hätten, würden 480 Küsse das Leben um einen Tag und 3360 Küsse um eine Woche verkürzen. Leider geben uns diese findigen Gelehrten keinen Aufschluß darüber, an wem sie diese Untersuckungen durchgeführt haben. denn das durch den Kuß hervorgerufene Herzklopfen dürste doch wohl in seiner Stärke je nach den Beziehungen der sich küssenden Personen versckieden fein. Schließlich wird es kaum dasselbe fein, ob es sich um einen ganz gewöhnlicken Kuß oder um einen fogenannten „Fünf Minnutenbrenner" handelt.
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