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Rr. 101. 17. Jahrgang.

Kasseler Slen-ste Rachrichten

Sonntag, L Mat 1987.

Um den Erdball.

Der eine m.cht's, der andre belacht's. Hetzelecker simuliert.

Im Jahre 1918 befand sich ein Mann namens Heyeleücr in einem Münchener Zuchthaus, all- wo er sein Leben lang sitzen sollte, da er seine eigene Frau ermordet hatte. Als jedoch die Revolution ausbrach, brach Hctzelecker aus dem Zuchthaus aus und ward sobald nicht mehr ge­sehen. 1919 fing man ihn ein, doch hielt man rhn für anormal und schaffte ihn in eine Irren- anstatt. Dori benahm er sich so tadellos ver­rückt, daß man ihn acht Jahre lang behielt. Erst jetzt har einer der Aerste scststellen können, daß Hetzelecker simuliert. Schließlich: ein Mann, der acht Jahre lang den Irren spielt, kann wirk­lich nicht mesckugg: sein.

Wir werden immer älter.

Daß wir, solange wir leben, von Tag zu Tag immer älter werden, ist ja nichts Neues, aber man will in England festgestellt haben, daß die Menschen im Durchschnitt ein immer höheres Alter erreichen. Man weiß, daß ein sogenanntes Menschenalter mit 30 Jahren an­gegeben wird, denn dieses Alter erreichten die Menschen früher im Durchschnitt. Heute sollen wir schon durchschnittlich 40 Jahre alt werden, behaupten englisch» Gelehrte. Tatsache ist ja, daß infolge der hygienischen Maßnahmen der modernen Staaten der Prozentsatz der Kranken ständig sinkt, daß di« Säuglingssterblichkeit nachläßt und so fort. Aber daß bU Menschen heute schon im Durchschnitt 40 Jahre alt wür­den, ist kaum anzunehmen und wird von deut­schen Hygienikern bestritten Wenn das in die­sem Tempo weiterginge, würden wir eines Ta­ges überhaupt nicht mehr sterben. Und dafür behüte uns ein sanfter Tod.

Die richtige Methode.

Der Inhaber eines großen---aber

nein, lieber nichts vorwegnehmen. Also: In einer Reihe von führenden Blättern der Ver­einigten Staaten erschienen große Anzeigen, mit Bildern geschmückt, auffallend und gut plaziert, so daß jeder lesen konnte und mußte: Tausende von Männern schenken ihren oder anderen Frauen Geld, das ihnen oder anderen gehört. Alle diese Männer sind nicht normal und gehören in ein Sanatorium. Diesen Her­ren empfehle ich mein wundervoll gelegenes Nervenerholungsheim. Ich garantiere jedem Völlige Genesung nach meiner Methode." Das einfachste wird fein, er nimmt den Männern so viel Geld in seinem Sanatorium ab, daß sie keiner Frau mehr etwas schenken können.

Berliner Notizbuch.

Bon Filmen und Kaffeehäusern.

Die Ufa bringt Mexiko. Auf den Spuren der Azteken. Gottleidank sieh» man nur Land­schaften, Indianer und Spanier, abrr keinen dieser Köpfe vergangener Jahrhu-derie. Wes­halb also: Auf den Spuren der Azteken? Der Vortrag von Professor Goldschmidt war ermü­dend und langweilig. Die Bilder fabelhaft und jeden mtereffievend. Kitschig lasen sich die lyrischen Ueberschristen. Man müßte doch ein­mal hier mit reformatorischen Geist an- leiten. Allgemein unklar! Ter Kitsch verursacht oft Uebelkett und Magenbeschwerden!

Die Kaffeehausbesitzer tagen. Wichtige Din­ge kommen zur Erörterung. Neben den Kaffee­bohnen werden Künstlerfragen besprochen. Wer bezahlt die Komponisten und wie hoch werden die Ausgaben für Komfort? Alles gut, meine Herren KafseehanSbesitzer, aber der Kaffee in ihren Lokalen könnte weniger dünn gebraut sein. Wo Walzer ertönen und andere nette Dinge, da sollte der Gaumen auch etwas besser bedacht werden Bessern wir uns also!!

Di« Balkone werden geschmückt.Blumen­erde" ruft's aus der Straß« Und die Berliner Hausfrauen decken sich ein Allem Anschein nach erfrieren die Töchter der Flora auf diesen Bal­lonen. Aber da Die Zeit mal da ist, Hilst es nichts: Das Gärtlein in der dritten oder fünf­ten Etage wird bebaut, begossen, besät, bedungt: der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Aus der Heimat.

Da« Nalvaus der Türme.

Wiederherstellung des Frankenberger Rathau­ses im ursprünglichen Gewand.

Dem Frankenberger, aus dem Mittelalter stammenden Rathause mit feinen charakteristi­schen Türmen hatte man, wie auch vielen alter­tümlichen Häusern, vor langer Zett einen Putz­überzug gegeben, wodurch das schöne Balken­werk mit Schnitzereien verdeckt war und die Gefahr bestand, daß unter dieser Decke allerlei Schädigungen unbemerkt austreten konnten, die nach und nach das ganz« Gebäude schädigten. Dieser Putz wird gegenwärtig entfernt, und man ist erstaunt über das schöne Balkenwerk, das nun zutage tritt Rach Vollendung der Ar­beiten wird das Rathaus ein ganz anderes, aber viel schöneres Bild bieten. Es wurde im Jahre 1509 erbaut. -i

Siedler Krel-vandwerkertag.

des Kreishandwerkerbundes Kassel-Land.

Der Kreishandwerkerbund Kassel-Land ver­anstaltet am Sonntag, den 22.Mai 1927 in Har­leshausen seinen VII. Kreishandwerkertag. Für Sonnabend, den 21 Mai ds. Js. wird neben einer Hauptversammlung der Ortsgrup­penvorsitzenden eine öffentliche Handwerker» verfammlung stattfinden. Die Tagung ver­spricht eine bedeutungsvolle Kundgebung der Handwerker im Landkreis Kassel zu werden, zumal es gelungen »ft, wieder namhafte Redner für die öffentlicheVerfammlung zu gewinnen, x

* Obervellmar, 30. April. (Bjähriges Ge- schättsfttbilSum.i Herr Maurermeister Wilh,

Range begeht am 1. Mai 1927 Die Feier seines 25jähriqen Geschäftsjubiläums. Als 1 Vor­sitzender des Kreishandwerkerbundes Kassel- Land Hai Herr Range jederzeit die Belange des Handwerks wahrzunehmen verstanden und seine Arbeitskiaft in anzuerkennenoer Weise dem Handwerk und seinen Organisatio­nen zur Verfügung gestellt. -x

* Grebenstein, 30. April. HoheS Alter.) Am 2. Mai begeht die Witwe Bornemann da­

hier in seltener Körper- u. Geistesfrische, ihren 85. Geburtstag. -k

Bebra, 30. April. (Neubau einer Turn­halle.) Der Bau der Turnhalle geht seiner Vollendung entgegen. Der o-räumige Saal um­faßt einen Flächenraum vo>. rund vierhundert Quadratmetern. Die Weihe der Halle wird zu Anfang des kommenden Monats erfolgen. Als erste Veranstaltung soll das am 14, 15. und 16. Mai gelegentlich der Jubelfeier deS Mäunerge-

Die Erziehung zur Ehe.

Aus der Kaffeler Aufktarungswoche.

Die Verantwortung der Geschlechter und der Weg zum wahren Eheglück.

Der Donnerstag Abend der sexuellen Auf- klärungswoche sah den großen Saal des Evan­gelischen Vereinshauses auch auf den Steh­plätzen dicht gefüllt. Der Vortrag für junge Mädchen und junge Männer über die Ver­antwortung der Geschlechter von Dr. Kertz aus Remscheid ging in die Tiefe der Frage. Wie ein Rätsel liegt es über der Ge­schichte der Menschheit, daß die geschlechttichen Dinge von jeher den Stoff zum leichtfertigen Witz bis zur Gemeinheit herab abgeben mußten Menschen ohne lebendige Religion können im Geschlechtsleben nichts anders sehen als eine triebhafte Gebundenheit und ein auspeitschen­des Gelüst. Der Christ, der in die Tiefe deS Schöpfungsglaubens hineinschaut, sieht in dem Geschlechtsleben ein Heiligtum, in dem der Schöpfer fein Geschöpf würdigt, Teilnehmer dec sich immer erneuernden Schöpfung zu fein. Daß oas Größte, was Gott dem Menschen gab, am meisten entwürdigt ist, das ist das Rätsel. Das Christentum stellt Mann und Weib nebenein­ander, als Helfer und Helferin.

Hier ist nicht Mann noch Weib", sagt Paulus,sondern alle eins in Christus." In einer schaffenden Gemeinschaft muß schließ­lich einer im Zwetfelsalle entscheiden, aber nicht deshalb gibt das Christentum dem Mann in der Ehe die übergeordnete Stellung, sondern weil er als der Stärkere doch feine größere Kraft in das Dienen, Helfen und Tragen setzen soll. Des Apostels Wort:Einer trage des Ändern Last" gilt nirgends so sehr wie in der Gemeinschaft der Geschlechter. Menschen ohne religiöse Bin­dung werden, wenn sie konsequent sind, immer darauf hinaus fein, auch das ehelische Band möglichst zu lockern. Tas bürgerliche Gesetzbuch ist ein Kompromiß zwischen christlicher und nicht christlicher Stellungnahme. Wenn ein kom­mendes Konkordat dem geistlichen kanonischen Recht ein staatliches Siegel gibt, wird mancher katholische Richter in seinem Gewissen sich nur an dieses gebunden fühlen.

Die christlich« Ehe schafft aus Frauenwürde reinstes Familienglück.

so hatte Dr. Kertz am Wend vorher ausgeführt. In Anknüpfung daran zeigte er de» jungen Mädchen und jungen Männern, wie solche Ge­meinschaft wahren Glückes nur auf dem Weg über die Verantwortung der Geschlechter gegen einander erreichbar ist. Nicht jugendliche Liebe­lei und Spielerei führt dahin. Ernst warnte er das Jungvolk vor dem sogenannten Pussie- r e n, das manche wie einen Sport treiben. Die jungen Männer gewöhnen sich daran, das Wetb als ein Objekt ihrer Begehrlichkeit anzusehen. Die

Freundschaft zwischen jungen Menschen

beiderlei Geschlechts, wenn sie mehr sein soll als eine Bekanittsckaft. ist nickt das Richtige, Denn aus ihr erwächst schnell die Liebe, die den andern ganz begehrt Ab«« darf ein junges Menschenkind sich so binden, wenn seine ge­samt« Lag« ein Nein zu der Verbindung sagt? Der praktische Arzt Dr. Büsching betont den explosiven Charakter der geschlechtlichen Triebe. Wo eine gewisse Reizsteigerung erreicht ist, schwindet alle Selbstbeherrschung dahin. Der Alkohol, der den Reiz steigert und die Hem­mungen ausschaltet, ist der verhängnisvolle Schrittmacher des Unglücks unzähliger solcher Freundschaften. Entsagung ist geboten, bis die Stund« kommt.

Entsagung!

Wie verhaßt der Jugend dies Wort auch ist, erfordert schon das Berufsleben hun'oervsacy. Und wie vieles muß der zurückstellen, der sich sportlich trainieren will! Entsagung fordert di« Rücksichtnahme aus sich selbst und auf den andern zugleich. Niemand hat das Recht, den Andern zum Gegenstand seiner Lust zu machen Und auch in der Ehe gibt es Entsagungen. Ohne Entsagung führt das Verhängnis der Geschiechter zur Verantwortungslosigkeit und, wenn das Gewissen erwacht, zu tiefftem Leid. Nur über die rechte Verantwortung der Ge­schlechter vor einander führt der Weg zum rei­nen und wahren Eheglück. W. M.

Unser neues Puffelsviel.

A

M

sangvcreinsGermania" stattfindende Preis­singen in der neu erbauten Turnhalle abgehal­ten werden. . Ä ,.,***

* Bebra, 30. April. (Unfall km Kattberg- werk.) Durch einen Sprengschuß würde der 30jährige Bergmann Hugo Zeiß ans Start­lengsfeld in dem Kaltbergwerk Merkers so un­glücklich an den Kops getroffen, daß er getötet wurde

* Fulda, 29. April. (Zucht- und Nutzvieh- markt.) Der Zuckt- und Rutzviehmarkt war nicht so gut befahren wie der vorig«. Gezählt wurden insgesamt 512 Stuck gegen 704 Stück auf dem letzten Markt. Aufgetrieben waren: 5 Bullen, 12 Ochsen, 136 Stiere, 152 Kühe, 156 Rinder und 51 Kälber. Der Nährzustand der Tiere war durchweg ein recht guter. Zahlreiches Vieh ans der Husumer Gegend war zu bemer­ken. Der Handel war während des ganzen Marktes lebhaft. Der Markt wurde geräumt. Verlangt und bezahlt wurden für das Stück: Bullen 300400 Mark, Ochsen 500600 Mark, Fahrstiere 400500 Mark. 11^ jährige Stiere 180240 Mark, frischmelkende Kühe 450550 Mark, ältere trächtige Kühe 250350 Mark, Schlacktkühe 150200 Mark, trächtig« Rinder 350-^50 Mark, 1lsL jährige Rinder 180250 Mark, Kälber 6070 Mark. Während am Vor­tage 54 Wagen mit Vieh von Auswärts ent­laden wurden, mußte der Bahnhof Fulda nach Marktschlutz 110 Wagen zur Beladung bereit stellen. Auf dem vorigen Markt wurden 60 Wagen entladen und 100 Wagen beladen. In den Mittagsstunden mußte je ein Viehsonder- zug in der Richtung Bebra, Frankfurt a. M. und Gießen abgelassen werden. Der nächste Zucht- und Nutzviehmarkt findet am 12. Mai statt. -m.

* Fulda, 30. April. (Fulda als Tagungsort.) Der Reichsverband Deutscher Post- und Tele- gravhenbeamten E. V. Bezirksverein Kassel, der die Pionrere der Postbeamten (Gruppe II bis VI) organisiert, hat die Vertreter der ange­schlossenen 21 Ortsgruppen, die 2400 Mitglie­der vertreten, zum diesjährigen Bezirkstag sür den 1. und 2. Mai nach Fulda bernsen. Im Vordergrund der Verbandlungen stehen neben anderen wichtigen. Fragen, die Arbeitszeit, Landverkraftung, bessere Beförderung und Be­soldung. -x

* HrrSseld, 30. April. (Aus dem Kreistag.) In der letzten Sitzung des Kreistages berichtete Landrat Kirschbaum zunächst über einen mit Dr. Ewers abgeschlossenen Vertrag, wo­nach dieser als Kreiskommunalarzt fungiert. Bei der Beratung des Voranschlags gab es teilweise erregte Debatten, da die Rechte verschiedene Streichungen vornehmen wollte. Nach mehrma­ligem Abbruch der Verhandlungen und Son­derberatungen kam aber doch nock eine Einigung zustande, dahingehend, daß der Bettag der Ban-, anleihe auf 300 000 Mark (die Rechte wollte nur 200000 Mark und die Linke 400000 Mark be­willigen) festgesetzt wurde. Weiter wurde ein Antrag angenommen, den Erwerbslosen, Klein­rentnern und Sozialrentnern eine Weihnachts Unterstützung in Höhe einer Wochenunterstützung zu gewähren. -l.

* Eschwege, 30. April. (Ein schalterloses Postamt.) Das hiesige Postamt gehört zu den wenigen Postämtern des Bezirks, die hinsicht­lich ihrer Schalteranlagen nach neuzeitlichen Grundsätzen umgibaut worden sind Im Äb- fertigungsraum für das Publikum sind die Schalter entfernt worden, sodaß die Beamten vom Publikum nur durch eine Barriere ge­trennt sind, das ganze also einen bankmäßigen Charakter hat. -nn

* Eschwege, 30. April. (Tagungen) Hier tagte der Kurhessische Handwerkerbund. Es werden etwa 1000 kurhessische Handwerker er wartet. Für den zweiten Sonntag im Juli hat der Kurhejstscke Feuerwehröerband seine Ta­gung in unserer Stadt anberaumt Im Sep­tember wird in Eschwege der Städtetag für Hessen-Nassau und Waldeck abgehalten, zu dem ebenfalls eine große Beteiligung erwartet wird. -nn

* Marburg, 30. April. (Der Haushalt an­genommen.) Die Sladüverordnetenversamm- lung hat den Haushaltsplan der Stadt für das Rechnungsjahr 1927, der in Einnahmen und Ausgaben mit 2981500 R. M. (1926 : 2 576 000 RM.f abschließt, genehmigt -x.

* Marburg, 29 April. (Marburger Ferien­kurse.) Die diesjährigen Marburger Ferien­kurse stehen im Zeichen des 400jährigen Jubi­läums der Philipps-Universität. Sie dauern vom 2.-29. August 1927, sind aber so aufge­baut, daß jede Woche ein abgeschlossenes Gan­zes bildet, für das Anmeldungen auch einzeln erfolgen können. Der zu behandelnde Gegen­stand ist die deutsche Gegenwan (Vorlesungen zum Teil mit Lichtbildern, Aussprachen, ge­meinsame Veranstaltungen.) T- Thema des vierten Kursus lautet: .Rheinisches Volksleben >n den Denkmälern der Vergangenheit und im Treiben der Gegenwart" und wird mit einer siebentägigen Studienfahrt an den Rhein unter sachkundiger Führung behandelt. Prospekte kostenlos durch die Geschäftsstelle der Marbur­ger Ferienkurse, Marburg (Lahn). -x.

* Worbis, 30. April. <Jm Gipswerk ver­unglückt.) Die rechte Hand abgerissen wurde in Gipswerk Rode in Walkenried durch einen vorzeitig explodierten Sprengfchuß dem 42 Jahre alten Arbeiter Slak ans Bleicherode, -l.

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